Autor Thema: Stage-Hands  (Gelesen 30785 mal)

ManOfConstantSorrow

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Re: Stage-Hands
« Antwort #15 am: 16:38:57 Fr. 13.Februar 2009 »
Bühnenarbeiter streiken, Theater wird trotzdem gespielt
Von Florian Arnold

Die Gewerkschaft Verdi ruft die gut 100 Mitarbeiter in der Bühnentechnik und den Werkstätten des Braunschweiger Staatstheaters heute zum Streik auf. Die Oper "Cardillac" im Großen und das Tanztheater "Bluthochzeit" im Kleinen Haus werden trotzdem gegeben, sagt Verwaltungsdirektor Thomas Fehrle: "Wir werden Aushilfskräfte engagieren."

Mit den Streiks wollen die technischen Beschäftigten verhindern, dass die Theaterbetriebszulage gekürzt oder gar gestrichen wird. Dabei geht es um einen Zuschlag von gut 20 Prozent aufs Grundgehalt. Die Pläne von Land und Theater seien "eine Provokation der Beschäftigten, die abends, an Wochenenden und Feiertagen zu unregelmäßigen Zeiten arbeiten müssen", sagt Onno Dannenberg von Verdi.

Thomas Fehrle argumentiert dagegen, dass nur ein Teil der technischen Beschäftigten häufig von Sonderbelastungen wie Abend- und Nachtarbeit und kurzfristigen Einsätzen betroffen sei. Linie des Staatstheaters sei, nicht mehr pauschal die Sonderbetriebszulage zu zahlen, sondern solche Einsätze einzeln zu vergüten.

Verdi will sich laut Dannenberg dagegen allenfalls auf moderate Kürzungen der Sonderbetriebszulage einlassen, bei größeren finanziellen Einschnitten in den höheren und geringen in den unteren Lohngruppen.
Freitag, 13.02.2009

http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2184/artid/9861240
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ManOfConstantSorrow

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Re: Stage-Hands
« Antwort #16 am: 14:27:05 Sa. 27.Juni 2009 »
Ver.di droht Wagner mit Streik
Gewerkschaft lässt Verhandlungen mit der Festspiele GmbH vorläufig platzen - Premiere in Gefahr?

BAYREUTH. Das etwas andere Theater auf dem Grünen Hügel: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat gestern die zweite Verhandlungsrunde mit der Bayreuther Festspiele GmbH – es geht um einen Tarifvertrag für Bühnentechniker, Beleuchter und andere technische Mitarbeiter – platzen lassen. Kommt es jetzt etwa zum Streik? Barbara Schneider von ver.di sagt: „Wir bereiten uns auf einen Arbeitskampf in der Festspielzeit vor.“


http://www.festspiele.de/startseite/news/0_2801/details_1.htm
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Re:Stage-Hands
« Antwort #17 am: 12:46:07 Do. 23.Juli 2009 »
Tarifvertrag mit Gewerkschaft so gut wie unterschriftsreif
Bühnentechniker bestreiken Bayreuther Festspiel-Generalprobe


Bayreuth, 22.07.2009. In Bayreuth haben am Montag etwa 120 Bühnentechniker die Generalprobe der "Meistersinger von Nürnberg" in der Inszenierung von Katharina Wagner bestreikt, um ihrer Forderung nach höheren Löhnen Nachdruck verliehen. Der Beginn der Generalprobe verzögerte sich dadurch um rund 30 Minuten.

Nach wochenlangem Tauziehen zwischen dem Verwaltungsrat der Festspiele und der Gewerkschaft ver.di (klassik.com berichtete) haben sich Pressemeldungen zufolge der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth sowie die Mäzene der Gesellschaft dazu entschieden, den mit ver.di ausgehandelten Tarifvertrag über eine höhere Bezahlung des nicht-künstlerischen Bühnenpersonals zu unterschreiben. Allerdings fehlt noch die Zustimmung des Bundes, der Festspielsprecher Peter Emmerich zufolge noch Abstimmungsbedarf mit den beteiligten Ministerien sieht.

Der Tarifvertrag sollte ursprünglich an diesem Mittwoch unterschrieben werden. Falls dies nicht geschieht, droht ver.di anlässlich der Eröffnungsvorstellung der Richard-Wagner-Festspiele am kommenden Samstag mit Streik. Zur Eröffnung werden zahlreiche Ehrengäste und Prominenz aus dem In- und Ausland erwartet. Festspielsprecher Emmerich betonte, dass eine Lösung zum Greifen nahe sei. Laut Emmerich hätten die Vertreter des Bundes im Verwaltungsrat der Festspielleitung zumindest ein Mandat erteilt, die Gespräche mit der Gewerkschaft fortzusetzen. Gewerkschaftssekretär Hans Kraft teilte die Zuversicht der Festspielleitung, betonte jedoch, dass mündliche Zusagen nicht ausreichen und ver.di auf eine Unterschrift des Tarifvertrags bestehe, damit die Einigung rechtsverbindlich werde. Geschieht dies nicht rechtzeitig vor der Festspielpremiere, sei ein Streik unvermeidbar.

http://www.klassik.com/aktuell/news/teaser.cfm?ID=7250&nachricht=B%FChnentechniker%20bestreiken%20Bayreuther%20Festspiel-Generalprobe
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Kuddel

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Re:Stage-Hands
« Antwort #18 am: 19:59:05 Sa. 25.Juli 2009 »
Zitat
Kultur und Arbeitskampf

Peter Nowak 25.07.2009
Immer mehr Beschäftigte im Kulturbetrieb treten für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen ein und streiken sogar dafür

Opernfans können aufatmen. Einen Tag vor der Premiere der Wagner-Festspiele in Bayreuth hat sich die Dienstleistungsgewerkschaft verdi mit der Festspielleitung auf einen Tarifvertrag für die Bühnentechniker geeinigt. Er ist eine Premiere der besonderen Art.


Erstmals in der Geschichte der Bayreuther Festspiele werden nichtkünstlerische Mitarbeiter nach Tarif bezahlt. Dass dieser gewerkschaftliche Erfolg in einer Branche möglich war, die nicht als besonders kampfstark gilt, lag an der Taktik der Gewerkschaften. Ein Streik der Bühnenarbeiter hätte die Festspiele verhindern können. Der finanzielle Verlust, gekoppelt mit dem Imageschaden, wäre für die Festspielleitung enorm gewesen, so dass sie doch lieber Tarifverträgen zustimmte.

Möglicherweise spielte beim Abschluss auch die Erinnerung an den Sommer 2003 eine Rolle, als wegen eines Streik der "prekären Kulturschaffenden" zahlreiche berühmte Festivals ausfallen mussten. Auch dort zeigte der Arbeitskampf schließlich Wirkung und die Arbeitnehmer konnten Erfolge erringen.

Viele Beobachter des französischen Streiksommers hielten eine solche Bewegung in Deutschland für ausgeschlossen. Tatsächlich gibt es viele französische Besonderheiten, die nicht einfach auf Deutschland übertragen werden können. Doch der in letzter Minute verhinderte Arbeitskampf in Bayreuth mag wegen der internationalen Bekanntheit des Kulturevents besonders spektakulär sein. Ein Einzelfall ist er auch in Deutschland [extern] nicht mehr

"Prekäre Avantgarde"

Immer häufiger werden Kulturliebhaber mit den Forderungen der Menschen konfrontiert, die hinter den Kulissen arbeiten. So haben Berliner Künstler in der freien Tanz- und Theaterszene im Frühjahr 2009 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie ihre soziale Lage zum Thema machten. Gleich zu Beginn kritisierten sie die bisherige Debatte um ihren Berufsstand:

Der freie Künstlerarbeitsmarkt wurde seit den 90er Jahren oft auf seine avantgardistische Struktur hin untersucht, Wissenschaftler[...] und Kulturpolitiker[...] stellten seine seismographischen Züge in Bezug auf einen Arbeitsmarkt der Zukunft heraus: Die Mischung aus eigenunternehmerischen und kreativen Kompetenzen verweise auf die Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft.

Auf ihre Arbeits- und Lebensbedingungen bezogen wird in dem Papier formuliert:

Dem großen Engagement und der (inter-)nationalen Relevanz stehen prekäre Arbeitsbedingungen gegenüber und das niedrige und selten konstante Einkommen fordert ein hohes Maß an Flexibilität und selbstorganisierter Arbeit.

Neben der "prekären Avantgarde" halten auch Dienstleister den Kulturbetrieb am Laufen. Ihre Arbeiten werden wie selbstverständlich in Anspruch genommen und ihre soziale Situation nicht wahrgenommen. Es sei denn sie melden sich zu Wort, wie die Besucherbetreuer im [extern] Berliner Technikmuseum, die sich für eine Verlängerung ihrer befristeten Arbeitsverträge einsetzen und in der Auseinandersetzung (sehr zum Missfallen des Arbeitgebers) gleich einen Betriebsrat gründeten.

Großes Kino - kleine Löhne

Auch das Kino ist in den letzten Jahren verstärkt zum Kampffeld für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen geworden. Während der Berlinale 2008 gab es dazu unter dem Motto [extern] "Mir reichts nicht", von Gruppen der Euro-Mayday-Bewegung, die sich der Organisierung von Prekären widmet, eine Kampagne. Sie war medienwirksam, hat aber nach Angaben ihrer Initiatoren keine längerfristige Organisierung ausgelöst.

Einen anderen Weg geht die anarchosyndikalistische Freie Arbeiter Union. Sie hat Beschäftigte in dem Berliner Programmkino Babylon organisiert und fordert den Abschluss eines Haustarifvertrages. "Im Unterschied zu Flächentarifverträgen wird hier nicht zentralistisch über irgendwelche Köpfe hinweg entschieden. Der Prozess liegt in der Hand der Belegschaft selbst, sie hat die volle Kontrolle über den Charakter ihres Abkommens", erklärt Robert Ortmann von der FAU den Unterschied zu den Abschlüssen vieler DGB-Gewerkschaften.

Auf die Frage, warum die FAU ein relativ kleines Kino mit einem kulturell und politisch ambitioniertem Programm für den Arbeitskampf ausgesucht hat und sogar bis zum Abschluss des Vertrags zu einem Boykott des Kinos aufgerufen hat, meint Ortmann, dass sich im Babylon "ein großer Teil der Belegschaft in der FAU organisiert" habe und die Gewerkschaft "in jedem Betrieb [kämpfe], in dem ihre dort arbeitenden Mitglieder auch kämpfen wollen". Würden sich Beschäftigte eines großen Kinos bei der FAU organisieren, würde es auch dort einen Arbeitskampf geben, so Ortmann. Ein Abschluss im Babylon wäre auch eine bundesweite Premiere. Dann hätte die FAU ihren ersten Tarifvertrag geschlossen.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30798/1.html

Kuddel

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Re:Stage-Hands
« Antwort #19 am: 10:51:02 Mo. 17.August 2009 »
Braunschweig: Streik am Theater bringt Planung durcheinander

Der Generalintendant des Staatstheaters Braunschweig, Wolfgang Gropper, hat das Land Niedersachsen aufgrund des Streiks der Bühnenarbeiter zur Verhandlungsbereitschaft in dem Tarifkonflikt aufgefordert. Die nächste Spielzeit sei gefährdet, sagte Gropper am Sonnabendabend bei der Premierenfeier der Oper "Madame Butterfly" von Giacomo Puccini. Die Aufführung auf dem Burgplatz konnte trotz des Streiks stattfinden.
Eine an gleicher Stelle geplante Aufführung des Elias-Oratoriums am gestrigen Sonntagabend wurde als Folge des Streiks in die St. Andreaskirche verlegt. Die Gewerkschaft ver.di wehrt sich gegen Verschlechterungen bei den Zulagen für die Arbeit zur Nachtzeit und an Sonn- und Feiertagen.

http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/10195179/artid/10796910/compact/title/Ticker

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Re:Stage-Hands
« Antwort #20 am: 20:27:13 Di. 25.August 2009 »
25. August 2009, 13:32 Uhr

Tarifkonflikt weitet sich aus
Streik am Staatstheater Oldenburg


Am Staatstheater Oldenburg sind 70 Bühnentechniker, Beleuchter und Requisiteure in einen unbefristeten Streik getreten. Hintergrund ist ein seit Wochen schwelender Tarifkonflikt zwischen dem Land Niedersachsen und der Gewerkschaft verdi. Die Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit seien seit 2004 nicht mehr erhöht worden, so ein Sprecher der Gewerkschaft.

http://www.radiobremen.de/kultur/nachrichten/kulturstreiktheateroldenburg100.html
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Re:Stage-Hands
« Antwort #21 am: 12:17:13 Fr. 18.Dezember 2009 »
DLF Nachrichten, 17. Dezember 2009
Zitat
Nach fünfjährigen Verhandlungen: Tarifeinigung für Orchester

Für die 7.500 Musiker in deutschen Opern- und Symphonie-Orchestern ist eine Tarifeinigung erzielt worden. Das teilten der Deutsche Bühnenverein in Köln und die Deutsche Orchestervereinigung in Berlin mit. Vorausgegangen waren fünfjährige Verhandlungen und massive Streiks. Der Tarifvertrag sieht vor, dass die Vergütung der Musiker an die Lohnentwicklung des Öffentlichen Dienstes gekoppelt wird. Zudem soll die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden. Der Vertrag tritt zum 1. Januar in Kraft und gilt unbefristet.

Etwas off-topic, es geht hier nicht um "Stage Hands", sondern um die Künstler selbst.
Nach 5 Jahren Kampf ein zweifelhaftes Ergebnis....

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Re:Stage-Hands
« Antwort #22 am: 18:26:11 Di. 28.September 2010 »
Zitat
Berliner Opernorchester drohen mit Streik

Berlin (dpa/bb) - In den Berliner Opernhäusern stehen die Zeichen auf Streik. Im Kampf um einen neuen Tarifvertrag wollen die Orchester der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper, der Komischen Oper sowie das Konzerthausorchester in den kommenden Tagen ihre Arbeit niederlegen. Ein Ultimatum der Musikergewerkschaft DOV an das Land Berlin war am Montag ausgelaufen. Die DOV streitet mit dem Land um eine Klausel, wonach in Zukunft die Musiker unentgeltlich in den jeweils anderen Orchestern als Aushilfe spielen müssen, wenn ihre monatlichen Dienstzeiten im eigenen Klangkörper nicht ausgeschöpft sind. Berlin hat außerdem sieben Prozent mehr Gehalt angeboten.
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article9929777/Berliner-Opernorchester-drohen-mit-Streik.html

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Re:Stage-Hands
« Antwort #23 am: 16:21:55 Mo. 11.Oktober 2010 »
Zitat
Stille Nacht an Berlins Opernhäusern

Von Tilman Krause

Ausgerechnet zum Jahresende, wo man's ganz gerne musikalisch festlich hat und auch einmal die lieben Kleinen ans Musiktheater heranführen will, drohen Berlins Opernhäuser mit Streik. Ohnehin seien die Orchestermitglieder dort um 12 Prozent im Rückstand gegenüber den Tarifgehältern im restlichen Bundesgebiet, behauptet Matthias Kamps, Orchestervorstand der Komischen Oper. Und nun gebe es auch noch die als Zumutung empfundene Regelung, dass Musiker in den Orchestern der jeweils anderen Häuser der Opernstiftung aushelfen sollen. Das werde man nicht hinnehmen, da baue man nun langsam Druck auf. "Und Weihnachten kommt bestimmt", lässt der Geschäftsführer der Musikergewerkschaft DOV, Gerald Mertens, wissen. Selbst wenn die Berliner, wie man hört, wieder mehr selber musizieren in der Weihnachtszeit: Hin und wieder möchten sie eben doch, dass man ihnen aufspielt. Für die nun angekündigte Streikbereitschaft dürfte sich das Verständnis daher in Grenzen halten. DW
http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10206294/Stille-Nacht-an-Berlins-Opernhaeusern.html

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Re:Stage-Hands
« Antwort #24 am: 20:28:00 Mi. 13.Oktober 2010 »
Zitat
Berliner Opernorchester setzen Streik fort

Berliner Opernorchester setzen Streik fort. Die Berliner Orchester wollen der Forderung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nach einem Ende ihres Streiks nicht nachkommen. 'Wir warten auf ein positives Signal, bis dahin verhandeln wir nicht', sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, am Mittwoch in Berlin.


Die Berliner Orchester wollen der Forderung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nach einem Ende ihres Streiks nicht nachkommen. 'Wir warten auf ein positives Signal, bis dahin verhandeln wir nicht', sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, am Mittwoch in Berlin.
Berliner Opernorchester setzen Streik fort: Die Berliner Orchester wollen der Forderung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nach einem Ende ihres Streiks nicht nachkommen. 'Wir warten auf ein positives Signal, bis dahin verhandeln wir nicht', sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, am Mittwoch in Berlin. Vergrößern Berliner Opernorchester setzen Streik fort:
Die Berliner Orchester wollen der Forderung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nach einem Ende ihres Streiks nicht nachkommen. 'Wir warten auf ein positives Signal, bis dahin verhandeln wir nicht', sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, am Mittwoch in Berlin.

Berlin (dapd-bln). Auch in den nächsten Tagen müssten Besucher der drei Berliner Opernhäuser sowie des Konzerthauses teilweise mit verspätetem Vorstellungsbeginn oder Ausfällen in Teilen der Aufführungen rechnen.

Wowereit, der zugleich Kultursenator und Vorsitzender des Stiftungsrates der Opernstiftung ist, hatte am Vortag die Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. Er habe kein Verständnis für die Streik-Aktionen der Musiker, sagte er. Die Opernstiftung habe 'ein akzeptables Angebot' vorgelegt.

Der Ball liege jetzt bei der Orchestergewerkschaft DOV, betonte auch der Generaldirektor der Opernstiftung, Peter F. Raddatz. Es werde kein neues Angebot geben, sagte er. Der Tarifkonflikt hält bereits seit mehreren Wochen an. Die Verhandlungen seien festgefahren, sagte Mertens.

Hintergrund des Konflikts zwischen der DOV und der Opernstiftung und dem Land Berlin ist ein neuer Flächentarifvertrag für Musiker (TVK). Berlin war 2003 aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgestiegen.

Nach jahrelangen Verhandlungen war der Flächentarifvertrag, der für die anderen 15 Bundesländer gilt, zwischen DOV und dem Deutschen Bühnenverein jetzt abgeschlossen worden. Er beinhaltet neben der Ankopplung der Musikerlöhne an die Gehälter im öffentlichen Dienst auch eine Aushilfsklausel. Diese legt fest, dass Musiker, die innerhalb der vereinbarten Dienstzeit bei benachbarten Orchestern einspringen müssen, nicht mehr extra vergütet werden.

Arbeitgeber der Orchester der Staatsoper, der Deutschen und der Komischen Oper ist die Stiftung Oper in Berlin, die wiederum vom Land Berlin bezuschusst wird. Das Orchester des Konzerthauses wird direkt vom Senat bezahlt.
http://www.ad-hoc-news.de/berliner-opernorchester-setzen-streik-fort--/de/News/21659414

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Re:Stage-Hands
« Antwort #25 am: 14:00:48 Mo. 18.Oktober 2010 »
Zitat
Orchestermusiker brechen Auftritte vorzeitig ab

Ein Meistersinger ohne Sangesgrundlage? Die Berliner Orchester haben die Arbeit niedergelegt, um bessere Arbeitszeiten und Verdienste zu erstreiten. Die Fronten sind verhärtet.



Opernbesuche sind in diesen Tagen in Berlin ein ganz besonderes Erlebnis,
da die Orchester nicht alle Stücke komplett spielen

Wer es am Sonntag nicht rechtzeitig zur „Tiefland“-Vorstellung um 18 Uhr in die Deutsche Oper geschafft hatte, konnte aufatmen: Die Aufführung begann eine halbe Stunde später, das Orchester streikte. Kein Einzelfall. Eine Woche zuvor mussten Publikum und Tänzer bei „Schwanensee“ nach der Pause aufs Orchester verzichten, die Ballett-Aufführung in der Deutschen Oper ging mit Klavierbegleitung weiter. Und sollten demnächst die mehr als fünfstündigen „Meistersinger von Nürnberg“ in der Komischen Oper im letzten Teil bestreikt werden, dann könnte man angesichts des verkürzten Abends wenigstens noch zu einer zivilen Zeit essen gehen.

Opernbesuche sind also in diesen Tagen in Berlin ein ganz besonderes Erlebnis. Und zwar ausnahmsweise nicht wegen einer vermeintlich skandalösen Regie, sondern allein deshalb, weil man nicht genau weiß, was einen musikalisch erwartet. Wobei es, ein völlig neuer Aspekt, ja zumindest eine Inszenierung an der Komischen Oper gibt, die gewissermaßen streikresistent ist, weil Regisseur Nicolas Stemann in „La Périchole“ das Orchester mitten in den schwungvollsten Jacques-Offenbach-Klängen inne halten lässt. Es wäre tatsächlich schwer zu erkennen, was regievorgegeben und was streikbedingt ist.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1421675/Orchestermusiker-brechen-Auftritte-vorzeitig-ab.html

Zitat
Streik - Oper will Musiker aus Polen einfliegen

Die Musiker der Berliner Opernhäuser drohen mit Streik - die Deutsche Oper plant vor: Man überlege, Orchester aus dem Ausland zu engagieren.


Im Tarifkampf der Berliner Opernorchester denkt die Deutsche Oper an den Einsatz ausländischer Musiker gegen Streiks im eigenen Haus. „Wir überlegen, ob man Orchester aus anderen Ländern wie Polen oder Rumänien einfliegen kann“, sagte Pressesprecher Felix Schnieder-Henninger. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) warnte vor einer solchen Maßnahme: „Öl ins Feuer zu gießen ist kontraproduktiv.“

Am Sonntagabend hatte das Orchester der Deutschen Oper bei einer Aufführung von „Tiefland“ nur bis zur Pause gespielt. Der zweite Akt wurde mit Klavier begleitet. Das Land Berlin und die DOV streiten, ob in Zukunft Musiker unentgeltlich in den jeweils anderen Orchestern der Berliner Opernstiftung als Aushilfe spielen sollen.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1426525/Streik-Oper-will-Musiker-aus-Polen-einfliegen.html

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Re:Stage-Hands
« Antwort #26 am: 16:59:48 Di. 19.Oktober 2010 »
Zitat
Streik an Berliner Bühnen
Deutsche Oper will verhandeln
Im Tarifkampf der Berliner Bühnen widersprach die Deutsche Oper Äußerungen, der Einsatz von ausländischen Musikern als Streikbrecher sei geplant. Am Sonntag hatte das Orchester der Oper nur bis zur Pause gespielt.
http://www.ftd.de/lifestyle/entertainment/:streik-an-berliner-buehnen-deutsche-oper-will-verhandeln/50183896.html

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Re:Stage-Hands
« Antwort #27 am: 19:15:20 Mi. 20.Oktober 2010 »
Zitat
Thalia-Theater Halle
Proteste von Verband und Gewerkschaft


Halle (Saale)/MZ/AHI. Der Widerstand gegen die Schließung des Thalia-Theaters in Halle findet weitere Unterstützung: Nachdem zuvor die Betriebs- und Personalräte von Bühnen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig gegen die Kürzungspläne an ihren Häusern protestiert hatten, meldete sich am Dienstag auch der sachsen-anhaltische Berufsverband Bildender Künstler zu Wort. Er fordert, "gerade vor dem Hintergrund beständiger Einschränkungen im Kulturbereich, dieses Bildungsangebot weiterhin bestehen zu lassen - es mit Blick auf die Zukunft der hier heranwachsenden Generation eher noch zu erweitern!"

Bei der von der Gewerkschaft ver.di organisierten Demonstration in Leipzig hatten die Teilnehmer analog zu den Banken einen Rettungsschirm für Theater, Bühnen und Orchester gefordert. "Kunst und Kultur sind unverzichtbar für die Gesellschaft und daher systemrelevant", heißt es in dem Appell. Ein hochwertiges kulturelles Angebot gehöre zur öffentlichen Daseinsvorsorge und müsse daher Pflichtaufgabe sein. "Keine Stadt, kein Landkreis und kein Bundesland können ihre finanziellen Probleme auf Kosten der Kultur lösen."

Unterdessen wartet der Vorstand der Kinder- und Jugendtheaterorganisation Assitej weiter auf Antworten auf jenes Protestschreiben, das er an die Aufsichtsratsmitglieder der Kultur GmbH Halle verschickt hat. Wie Geschäftsführerin Meike Fechner erklärte, stehe man für konzeptionelle Beratung weiter zur Verfügung - gerade die inhaltliche Debatte über das "nicht zu ersetzende Angebot" fehle derzeit. Am Mittwoch will die Assitej gemeinsam mit dem Deutschen Kinder- und Jugendtheaterzentrum einen Offenen Brief vorlegen.
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1287466811284

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Re:Stage-Hands
« Antwort #28 am: 13:34:56 Sa. 23.Oktober 2010 »
Zitat
Worum es beim Orchesterstreik wirklich geht
Von Volker Blech

Die Berliner Orchester streiken derzeit um bessere Arbeitszeiten. Deshalb brechen manche Stücke nach der Hälfte ab. Ein Ende der Halb-Opern ist noch nicht in Sicht, denn das Ultimatum der Opernstiftung ist nun abgelaufen.


Das Ultimatum der Opernstiftung, dem Arbeitgeber der drei Opernorchester lief ins Leere. Die Gewerkschaft auf der anderen Seite, die Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV), hat das Berliner Angebot abgelehnt. Ein „Spitzengespräch zeitnah“ sei jetzt vereinbart, versichert Operngeneraldirektor Peter F. Raddatz. Es gäbe Verhandlungsspielräume, räumt er ein. Bis dahin kann es jeden Abend in den Opernhäusern und im Konzerthaus – es geht um vier der sieben Berliner Klangkörper – zum Streik kommen. So die DOV will.

Eigentlich passt so viel Aufbegehren gar nicht mehr zum gesättigten, befriedeten Berliner Opernbetrieb. Zum Vergleich sei an eine Geschichte aus dem Jahre 1830 erinnert, als das Brüsseler Publikum nach der Vorstellung von Aubers „Die Stumme von Portici“ wütend von der Oper zum Rathaus zog. Die durch die Opernaufführung ausgelösten Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führten schließlich zur Unabhängigkeit Belgiens. Wenn dieser Tage, wie in der Deutschen Oper geschehen, die Musiker in der Pause streikend ihre Instrumente zusammen packen und das zahlende, treue Publikum vergrämt in sich hinein brummelt, dann stehen auf der Tagesordnung ganz banale Tarifverhandlungen. Es geht, zumindest auf den ersten Blick, nicht um Ungerechtigkeiten oder künstlerische Revolutionen, sondern um „positive Signale“ bezüglich der Arbeits- und Vergütungsbedingungen von Orchestermusikern.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1430890/Worum-es-beim-Orchesterstreik-wirklich-geht.html

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Re:Stage-Hands
« Antwort #29 am: 15:41:59 Fr. 18.Februar 2011 »
Zitat
Berliner Opernmusiker - künftige Leiharbeiter?
Zum Streik der Berliner Opernorchester

Von Bernd Reinhardt
18. Februar 2011

Schon Monate dauern die Tarifauseinandersetzungen zwischen den Orchestern der Berliner Opernstiftung (Komische Oper, Staatsoper, Deutsche Oper) sowie dem Konzerthausorchester und dem Deutschen Bühnenverein. Teilweise bestreikten die Musiker die Vorstellungen. Opern begannen später oder wurden nach der Pause nur noch vom Klavier begleitet. Seit der Aussetzung der Streiks über Weihnachten ist es ruhig geworden.

Die Musiker wollen eine bessere Bezahlung, die dem Tarif vergleichbarer Spitzenorchester im Bundesgebiet entspricht. Dort verdienen die Kollegen an die 12 Prozent mehr. Die Berliner Musiker wollen erreichen, dass der neue bundesweite Flächentarifvertrag für Deutsche Kulturorchester, seit Januar 2010 in Kraft, auch wieder für die Berliner Orchester der Opernstiftung gilt. Dann wäre auch die bis dahin übliche Ankoppelung ihrer Gehälter an die Tarifentwicklung des Öffentlichen Dienstes wieder gewährleistet.

Beidem entzog sich das Land Berlin 2003 durch seinen Ausstieg aus dem öffentlichen Arbeitgeberverband unter dem damaligen und heutigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dem damaligen Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS/Linke), Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und dem Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur Thomas Flierl (PDS/Linke). Dies kostete nicht nur die Berliner öffentlich Beschäftigten, die bald einen gesonderten Berliner Tarifvertrag akzeptieren mussten, 10 Prozent ihres Einkommens. Auch die Gehälter der Berliner Opernorchester und des Konzerthausorchesters wurden bis heute auf dem tariflichen Stand von 2002 eingefroren.

Bereits vor über zehn Jahren unter Kultursenator Stölzl (CDU) wurde in der „Kulturhauptstadt Berlin“ über eine „Opernreform“ diskutiert. Es gab die Überlegung, eines der drei Opernhäuser zu schließen oder zwei Häuser miteinander zu verschmelzen. Der Spiegel schrieb im Jahr 2000 in diesem Zusammenhang von 353 geplanten Stellenstreichungen, darunter 77 Musikerstellen (fast ein gesamtes Orchester). Anvisiert waren auch neue Lohntarife. Im Jahr 2004 wurde die „Stiftung Oper in Berlin“ gegründet, eine öffentlich-rechtliche Stiftung, „zur Sicherung der Betriebe“, die neben den drei Opernhäusern auch das staatliche Ballett umfasste.

Im vergangenen Jahr äußerte sich der Trompeter Matthias Kamps in der Presse zur Situation an der Komischen Oper: „Gerade wir in der Komischen Oper haben einen riesigen Sparbeitrag von einer Million Euro jährlich geleistet, seitdem die Stiftung Oper in Berlin ins Leben gerufen wurde. Fünf Stellen wurden gestrichen, Gehälter neu eingestellter Musikerinnen und Musiker wurden gekürzt, unsere Gehälter werden Monat für Monat später ausgezahlt, und eine zusätzliche Sparsumme muss jedes Jahr aus dem laufenden Budget des Orchesters erbracht werden.“

Dass die Gründung der Opernstiftung lediglich darauf abzielte, die gescheiterten Fusionsvorstellungen des CDU-Kultursenators durch eine rot-rote Hintertür durchzusetzen, zeigt nicht nur die Gründung einer Zentralen Theaterwerkstatt, die die vorherigen theatereigenen Werkstätten ablöste, sondern auch ein Punkt der derzeitigen Tarifauseinandersetzung, gegen den sich die Musiker vehement wehren.

Bisher bekamen Musiker es honoriert, wenn sie neben ihrem Dienst in anderen Orchestern aushalfen. Dies soll in Zukunft nach den Vorstellungen der Arbeitgeber nur noch unentgeltlich möglich sein. Die Musiker befürchten zu Recht, dass es dabei zu Stellenabbau und Arbeitsplatzverlusten kommt. Es sei natürlich bequemer, so Kamps, „sich einen Musiker für umsonst in einem anderen Orchester auszuleihen, als einen dringend benötigten Musiker neu einzustellen“. Letztlich würde das „auf eine Oper mit drei verschiedenen Spielstätten“ hinauslaufen, heißt es besorgt in einem Musiker-Internetforum. Das wäre ein „Musiker-Pool, aus dem, je nach Bedarf, in Leiharbeiter-Manier für die einzelnen Häuser geschöpft wird“.

Ein Kosten sparender Musiker-Stellenpool hätte künstlerische Konsequenzen. Jedes Orchester ist ein sensibler Organismus, dessen spezielle Qualität das Ergebnis eines jahrelangen, man kann ohne Übertreibung sagen, jahrzehntelangen Reifeprozesses ist. Mit ständig wechselnden Musikern und Dirigenten ist diese Qualität nicht zu halten. Auch der Leistungsdruck auf die Musiker steigt durch Aushilfsdienste per Dienstanweisung. Bisher hilft nur ein geringer Teil der Spitzenmusiker in anderen Orchestern aus, weil deren unterschiedliches Repertoire auch zusätzliche, aufwendige Vorbereitungszeit auf dem Instrument erfordert.

Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Kultursenator und Vorsitzender des Stiftungsrats der Berliner Opernstiftung ist, zeigte für die Proteste der Musiker keinerlei Verständnis. Auch die Presse, wenn sie denn über den Arbeitskampf berichtete, war mehrheitlich verwundert bis empört über die „privilegierten“ Opernmusiker. Sie versuchte, die Orchestermusiker demagogisch gegen die schlechter bezahlten Musiker der freien Szene auszuspielen, die die Opernmusiker jedoch teilweise unterstützen.

Die Geschäftsleitung der Deutschen Oper reagierte besonders scharf und drohte, aus Rumänien Musiker als Streikbrecher einfliegen zu lassen.

Die Streikaktionen der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), die kleine Gewerkschaft der Orchestermusiker, waren allerdings eher halbherzig organisiert und hatten vor allem symbolischen Charakter. Auch der Änderung der Aushilfsklausel hatte die Gewerkschaft längst zugestimmt, nämlich schon 2009 im bundesweiten Flächentarifvertrag. Das wusste auch die Geschäftsleitung der Deutschen Oper. Dennoch wurde eine öffentliche Schlammschlacht ausgetragen, die der DOV eine Militanz andichtete, die die Gewerkschaft überhaupt nicht besitzt.

Denn die von der Politik getroffenen Entscheidungen sind für die DOV, wie für jede andere Gewerkschaft, die akzeptierte Grundlage ihrer Protestaktionen. So erklärte Gerald Mertens von der DOV gegenüber der WSWS, es sei eine politische Entscheidung, drei Opernhäuser in Berlin zu haben, die Politik müsse auch entscheiden, welche Qualität der Orchester sie wolle. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gewerkschaft (natürlich unter Protest) alle Entscheidungen der Politik mitträgt. So ist die DOV durchaus mitverantwortlich für die Kürzungen in der Kultur.

Seit 1992 sind deutschlandweit 35 Orchester geschlossen worden, 27 davon im Osten Deutschlands. Musiker-Planstellen sanken in der Zeit von 12.159 auf unter 10.000, was einem Stellenabbau von 35 Prozent im Osten und 7 Prozent im Westen entspricht.

Ende 2008 beklagte die DOV die deutschlandweite Situation: „Junge Musiker werden seit drei Jahren in vielen Orchestern mit schlechteren Verträgen eingestellt (abgesenkte Vergütung, Erhöhung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit um 50 (!) Prozent). An etlichen Orchesterstandorten verzichten Musiker sogar schon seit Jahren auf Gehalt, um ihr Orchester in Stadt und Region zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern.“

2008 kam es zu den größten Orchesterstreiks seit den 1950er Jahren. Zwei Jahre später warnte der „Leipziger Appell der Betriebs- und Personalräte an Theatern und Bühnen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt“ die Politik: „Die Sparpotentiale sind ausgeschöpft! Ohne Einschnitte in die künstlerische Substanz sind weitere Kürzungen nicht mehr möglich.“

Das klingt weniger nach Kampfansage als nach Warnung vor der steigenden Wut der Beschäftigten. Generell werden Kürzungen in der Kultur von Gewerkschaften und Betriebsräten nicht abgelehnt. So erinnerte ein von etlichen Gewerkschaftsfunktionären und Betriebsräten unterzeichnetes, an den Berliner Bürgermeister gerichtetes Papier vom November 2009 an die Kooperationswilligkeit der Orchestergewerkschaft während der vorangegangenen Jahre: „Dies war seinerzeit für die Beschäftigten vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Lage nachzuvollziehen und wurde als Beitrag zur Konsolidierung mitgetragen. Dennoch haben sich die Künstler nach Kräften und mit Erfolg bemüht, Berlin als wesentlichen kulturellen Standort zu stärken [...].“

Die DOV zeigt mit ihren Erklärungen, dass sie sich mehr um regionale Wirtschaftsstandorte Sorgen macht, als um die Künstler. Die Verteidigung sogenannter „Kulturstandorte“ heizt den Konkurrenzkampf an und fördert wie in der Industrie Billigarbeit, Stellenabbau und Spaltung der Beschäftigten. Momentan betrachtet die DOV den niedrigeren Lohn der Berliner Opernmusiker als Standortnachteil, weil junge Spitzenmusiker sich nach besser bezahlten Stellen in anderen Orchestern umsehen. Das gilt selbst innerhalb der Opernstiftung, begünstigt durch den speziellen Hausvertrag, der vor Jahren für das Orchester der Staatsoper unter dem berühmten Dirigenten Daniel Barenboim ausgehandelt wurde.

Offenbar gibt es noch andere Berliner „Standortnachteile“, die nun mit dem neuen Tarifvertrag behoben werden sollen. In einer gemeinsamen Presseerklärung vom 17. Dezember 2009 stellten DOV und Deutscher Bühnenverein gemeinsam fest, dass etliche Neuerungen in den neuen Flächentarifvertrag aufgenommen worden sind, „die den veränderten Umständen Rechnung tragen, unter denen heute ein Orchester tätig ist. So wurde insbesondere die Gestaltung der Arbeitszeit flexibilisiert, [...] und Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Orchestern verstärkt.“

Bezüglich der Berliner Musiker sind sich DOV und Deutscher Bühnenverein weitgehend einig. Rückwirkend zum Januar 2010 soll es rund 4,5 Prozent mehr Lohn geben, zuzüglich 65 Euro monatlich. Bis 2014 sollen die Löhne der Musiker dem Tarif des öffentlichen Dienstes von Berlin entsprechen, 2017 der bundesweite Standard erreicht sein (beim Konzerthausorchester gibt es Abweichungen in Details).

Andere Lohnbestandteile werden dagegen drastisch gekürzt. Zum zwischen DOV und Bühnenverein ausgehandelten Vertrag gehören auch die Streichung des Urlaubsgeldes, die Kürzung des 13. Monatsgehaltes und das Einfrieren bestimmter Ortszuschläge. Dafür soll es zwei einmalige Ausgleichszahlungen von je 300 Euro geben. Die neue Aushilferegelung soll nicht erst mit Inkrafttreten des neuen Flächentarifvertrags 2017, sondern schon ab der Spielzeit 2015/16 in Kraft treten, ein Entgegenkommen der Gewerkschaft für ein paar lächerliche Prozent weniger Kürzung beim 13. Monatsgehalt. Derzeit werden 82 Prozent gezahlt. Statt der vom Bühnenverein ursprünglich geforderten Absenkung auf 72 Prozent sollen die Musiker zukünftig 79 Prozent erhalten.

Es ist zweifelhaft, ob die Berliner Opernmusiker unter diesen Voraussetzungen etwas gewinnen werden. Musiker fragen sich im Internet besorgt, ob die finanziellen Zugeständnisse der Arbeitgeber überhaupt ausreichen, um die tariflich festgelegten Kürzungen damit auszugleichen. Einen zusätzlich schlechten Beigeschmack bekommt das Ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass der Tariftrend im Öffentlichen Dienst eher in Richtung Stagnation bzw. Reallohnsenkung geht. Mit der Einigung auf die späte Übernahme des bundesweiten Flächentarifvertrages im Jahre 2017 folgt die DOV dem Tarifabschluss von ver.di vom Oktober 2010, der unter Berücksichtigung der „besonderen Lage in Berlin“, in der angeblich gespart werden müsse, zustande gekommen war.

Schon während der Streiks äußerten Musiker Unzufriedenheit über die schlechte Information der Gewerkschaft. Man fände „so gut wie keine konkreten Informationen, weder auf der Website der DOV, noch anderswo, was genau verhandelt wird“. Dass sich die DOV „bei Ankopplung an den Flächentarifvertrag mit den gegenseitigen kostenlosen Aushilfen einverstanden erklärt“, erfuhren die Musiker scheinbar auch erst aus der Presse. „Das kann’s ja dann auch nicht sein. Für ein bisschen mehr Kohle wird der Ast abgesägt, auf dem wir sitzen“, äußert ein Trompeter.

Die Orchester, die in Kürze über den Vertrag abstimmen, werden sich hoffentlich gegen den geplanten Abschluss stellen. Es besteht die reale Gefahr, dass sich der Tarifabschluss mit der neuen Aushilferegelung als Türöffner zur Durchsetzung schlechterer Arbeitsbedingungen und künftiger Kürzungen erweist. Die DOV spielt die Bedeutung der Aushilfeklausel herunter, sie sei nur ein kleiner Baustein im Tarifgefüge und bundesweit noch nie angewendet worden, so Gerald Mertens gegenüber der WSWS.
http://www.wsws.org/de/2011/feb2011/oper-f18.shtml