Autor Thema: Stammtisch in Kiel  (Gelesen 228316 mal)

RoterProlet

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #885 am: 12:30:08 Di. 12.Mai 2020 »
Hier nochmal eine kleine Nachlese.
Es ist stets eine andersgemischte Stammtischrunde.
Vorausgegangen ist ein Konflikt bei der Stadtteilarbeit. Dort haben haben Linksradikale einen kämpferischen Menschen aus der Gruppe vergrault, weil er sich nicht im Rahmen politischer Korrektheit bewegt hat.

Die Welt ist nicht so, wie wir sie uns wünschen. Die Menschen in armen Stadtteilen sind ruppig im Umgang miteinander. Rassismus und Sexismus sind weit verbreitet. Das hat eine lange Vorgeschichte. Wir werden daran nichts ändern, wenn wir uns zurückziehen und es nur noch mit Gleichgesinnten zu tun haben wollen.

Es waren einige in unserer Runde mit jahrzehntelanger Erfahrung in politischer Arbeit. Bei der Betrachtung der momentanen Situation war so mancher Stoßseuzer zu hören. Die derzeitige Begeisterung für Stadtteilpolitik und neue Klassenpolitik wurde weitgehend als heiße Luft und kurzlebige Mode bewertet.

Die linke Szene ist nicht wirklich an den Menschen im Stadtteil und im Betrieb interessiert. Sie will nicht mit diesen Menschen arbeiten und kämpfen. Sie will bestenfalls, daß die Leute sich ihrem Kampf anschließen, ansonsten kämpft man halt als Stellvertreter für sie. Sie will eine Gemeinschaft mit Ihresgleichen, mit Menschen mit den gleichen Mode- und Sprachcodes.

Ein weiteres Problem ist, daß es eine Szene Bessergebildeter ist. Gymnasiasten und Studenten. Sie mögen kämpferisch und mutig sein. Wenn ihr Studium vorbei ist, verschwinden sie wieder. Die Diskussionen bei unseren letzten Stammtischen kamen immerwieder zu dem gleichen Schluß: Wenn wir ernsthafte Kämpfe entwickeln wollen, bedarf es einer Vorarbeit von gut 10 Jahren. Eine Vorarbeit dieser Art bedeutet, sich nicht von Durststrecken und Rückschlägen abschrecken zu lassen.

Mit der kurzlebigen Kampagnenpolitik, wie die Linke sie seit Jahrzehnten betreibt, lassen sich keine ernstzunehmenden und systemsprengenden Kämpfe entwickeln. Diese bitteren Erkenntnisse teilten alle, auch diejenigen, die sich ihr Leben lang in dieser Szene bewegt haben.

Es wurde noch ein langer Abend.

Ich sehe die Probleme ähnlich und auch wir (politische Gruppe in der ich organisiert bin) haben auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Mich würde aber sehr interessieren, was hier in Kiel, abgelaufen ist? Gerne auch per Privat Nachricht ;)

Solidarische Grüße!
„Einen Finger kann man brechen, aber fünf Finger sind eine Faust!“
Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD
Geboren am 16.04.1886 – Von den Nazis ermordet am 18.08.1944

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #886 am: 21:14:57 Di. 02.Juni 2020 »
So, jetzt wollen wir uns erstmalig wieder regulär in der Bambule zum Stammtisch treffen.



Donnersstag, den 4.6. ab 18°° in der Bambule Iltisstraße 49, Kiel-Gaarden

RoterProlet

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #887 am: 15:12:59 Mi. 03.Juni 2020 »
So, jetzt wollen wir uns erstmalig wieder regulär in der Bambule zum Stammtisch treffen.



Donnersstag, den 4.6. ab 18°° in der Bambule Iltisstraße 49, Kiel-Gaarden

Sehr cool. Ich werde auch versuchen zu kommen, habe leider viel zu erledigen diese Woche und kann noch nicht 100% zusagen.
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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #888 am: 13:04:34 Fr. 05.Juni 2020 »
Ein kleiner Rückblick:

Am Nachbartisch hatte sich eine größere Gruppe zusammengerottet. Einer stand auf und sprach alle Gäste im Hinterzimmer an: "Wir sind kieler Musiker, die wegen der Coronakrise keine Auftrittsmöglichkeiten haben..." und ich dachte schon, gleich gehen die mit dem Hut rum. Sie schmetterten jedoch nur diverse komische Lieder, begleitet von einer Wandergitarre. Wir hatten Probleme uns zu unterhalten.

Eine deutliche Auswirkung von Corona. Die Leute halten das Alleinsein nicht mehr aus. Es gibt ein riesiges Bedürfnis an Gemeinsamkeit.

An unserem Tisch konnte man der Coronakrise viel Positives abgewinnen. Verkehr, Lärm, Streß, die Horden shoppinggeiler Idioten, alles ist auf ein erträgliches Minimum gesunken, dank Covid19. Möge es so bleiben!

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #889 am: 13:40:18 Do. 25.Juni 2020 »
Der nächste Stammtischtermin ist liegt kuz nach dem Monatswechsel. Nicht verpassen!

Am Donnerstag, den 2.7. 19°° in Kiel-Gaarden in der Bambule, wenn es nicht regnet im Biergarten, ansonsten Raucherraum.


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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #890 am: 20:20:33 Sa. 01.August 2020 »
Der nächste umstürzlerische Umtrunk findet am 6.8. ab 19°° im Biergarten der BAMBULE in Kiel-Gaarden statt.


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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #891 am: 16:58:16 Mo. 31.August 2020 »
Der nächste Stammtisch der Ausgebeuteten findet am Donnerstag, den 3.9. ab 19°° statt,



wie gehabt in der Bambule in Kiel-Gaarden.

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #892 am: 08:41:23 Sa. 19.September 2020 »
In guter Tradition!

Zitat
Linke Kaderschmiede

Die Kneipe war schon immer ein Zufluchtsort für Proletarier. Hier wurden Gewerkschaften gegründet und Revolutionen geplant. Auch daran sollte sich die Linke erinnern


Die Linke soll wieder an die Stammtische gehen, forderte unlängst ihr Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Jan Korte. – Nun, vielleicht sollten Linke überhaupt mehr trinken. Ist doch der Alkoholismus, wie Wolfgang Neuss sagt, der berühmte dritte Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus: „offen für jedermann, leicht zu begehen und von schnellem Erfolg gekrönt“. Noch besser wäre es, wenn bei den Genossen endlich Männer und Frauen gemeinsam picheln würden, Jan Korte etwa mit Simone Barrientos, der womöglich einzigen Arbeiterin in seiner Fraktion. (Nur so als Vorschlag!) Etliche Missverständnisse ließen sich so aus dem Weg räumen, auch in Zeiten von Corona. Denn der schlimmste Feind ist immer noch der Feind in den eigenen Reihen. Wo könnte man besser innerparteiliche Feindbilder abbauen? Unter Wahrung des Abstandsgebotes, versteht sich.

Back to the roots! Erinnern wir uns: Die Wiege der Linken stand in einer Spelunke. Während sich das Bürgertum in Kaffeehäuser begab, um Geschäfte abzuwickeln oder über Kunst und Kultur zu disputieren, trafen sich die städtischen Handarbeiter schon immer in den Wirtshäusern. In den Schriften des Frühsozialisten Wilhelm Weitling erscheint das Lokal eines Gesellenvereins als erstes Symbol einer selbstverwalteten Kollektivwirtschaft. Schon bald avancierte die Arbeiterkneipe zum Kristallisationspunkt proletarischen Selbstbewusstseins. Im alten Kaiserreich betrieb die SPD ganze Volkshäuser. Friedrich Ebert begann seine Parteikarriere als Kneipenwirt. Im Wirtshaus sah Karl Kautsky ein „Bollwerk der politischen Freiheit des Proletariers“.

Der Kulturwissenschaftler Dietrich Mühlberg resümiert über die Kaschemmen des 19. Jahrhunderts: „Zunächst sicherten sie die alltägliche Versorgung der vielen jungen, unverheirateten Arbeiter, die in die Stadt gezogen waren und nur als Schlafburschen unterkommen konnten. Sie hatten für ihre anfangs karge Freizeit keine anderen Orte als Straße und Wirtshaus. Die Kneipe war Zufluchtsort vor Kälte, Regen und Hitze. Schnaps, Bier und Wein gehörten zu den ersten Genüssen, die Arbeiter sich über die elementare Versorgung hinaus leisten konnten. Sie beförderten – im Unterschied zu den nüchternen ‚bürgerlichen‘ Getränken Kaffee und Tee – eine egalitäre Geselligkeit, in der die Distanz zu Fremden mit gleichem Schicksal rasch überwunden war.“ Die Kontakte im Wirtshaus hätten Beziehungen geschaffen, die über Fabrik, Familie und unmittelbare Nachbarschaft hinausgingen. Der hier betriebene Erfahrungsaustausch über Arbeitsbedingungen und Lohnhöhe, über freie Stellen und die proletarische Lage überhaupt habe die Kneipen zu Zentren der Arbeiteröffentlichkeit werden lassen, zu „Keimformen proletarischer Organisation“. Die proletarischen Bildungsvereine seien hier entstanden, wo auch die gewerkschaftlichen Kämpfe beraten und Streiks geleitet wurden.

Trinken hilft! Über die Zeit des Sozialistengesetzes schrieb der SPD-Vordenker Karl Kautsky 1891: „… als alle Vereinigungen der Arbeiter aufgelöst waren, und die Sozialdemokratie trotzdem fortfuhr, als einheitlicher politischer Körper fortzuleben, suchten Polizisten und Staatsanwälte mit verzweifelter Rührigkeit nach der geheimen Organisation, die die ganze sozialistische Arbeiterschaft zusammenhalte. Sie übersahen bei ihren erfolglosen Suchen, dass jedes von Parteigenossen besuchte Wirtshaus einen Geheimbund bildete, der Einmütigkeit im Denken und Handeln verbreitete und den Zusammenhang unter den einzelnen Genossen aufrechterhielt …“ Und heute, Genossen? Der lange Marsch durch die Institutionen darf nicht an der Kneipe vorbeigehen!
https://www.freitag.de/autoren/karsten-krampitz/linke-kaderschmiede

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #893 am: 17:35:15 Do. 01.Oktober 2020 »
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1.10. 19°° Stammtisch in der Bambule Kiel-Gaarden

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Re: Stammtisch in Kiel
« Antwort #894 am: 12:46:15 Fr. 02.Oktober 2020 »
Ankündigung:

Der reguläre Termin für den nächsten Stammtisch wäre der 5.11. als erster Donnerstag im Monat. Dann findet jedoch eine Chile Veranstaltung statt, bei der chefduzen Mitveranstalter ist. Wir ziehen deshalb unseren Stammtischtermin einen Tag vor.

Der Novemberstammtisch findet am Mittwoch, den 4.11. statt.