Autor Thema: Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens  (Gelesen 2478 mal)

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens
« am: 21:48:56 Mo. 09.Juni 2008 »
Zitat
Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens

Dem mobilen Arbeiten gehört die Zukunft. In immer mehr Unternehmen werden die Mitarbeiter mit modernen Telekommunikationsmöglichkeiten ausgestattet, um von unterwegs tätig werden zu können. Doch das kann enormen Stress verursachen.

Sie können etwa per Internet-Bildtelefon mit Kunden, Kollegen oder der Sekretärin sprechen. Oder sie loggen sich mit dem Notebook ins Firmennetzwerk ein, um an Datensätze zu gelangen. Per Blackberry werden von überall Nachrichten empfangen und versandt. Weil der Mitarbeiter nicht mehr an sein Büro gebunden ist, soll seine Produktivität steigen. Schließlich kann er auch während der Zugfahrt zum Kunden arbeiten - eine Zeitspanne, die er früher nicht so effektiv nutzen konnte.

Diese Art des Arbeitens mag zwar produktiver für den Arbeitgeber sein. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies aber nicht selten eine zusätzliche Belastung. Wurde früher von ihm verlangt, bei einem Außentermin voll aufnahmefähig zu sein und Leistung zu erbringen, konnte er sich zumindest während der An- und Abreise per Flugzeug oder Zug oft erholen. Heute wird von Mitarbeitern hingegen nicht selten erwartet, dass sie diese Zeiten ebenfalls zum Arbeiten nutzen.

Die permanente Erreichbarkeit der Mitarbeiter kann für sie auch sozial zum Problem werden. Familie, Freunde und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wird anstrengend. Dem Magazin "NeueNachricht" gegenüber erklärte die Soziologin Regine Rundnagel von der Technologieberatungsstelle Hessen: "Von entscheidender Bedeutung für die mobilen Beschäftigten sind die Sozial- und Selbstkompetenzen. Dazu gehört das Setzen von Prioritäten sowie die Fähigkeit, Arbeit und Privates auszubalancieren." Wer keinen Ausgleich findet und zudem unterwegs viel arbeitet, läuft auf die Dauer Gefahr, irgendwann ausgebrannt zu sein. Hierdurch wird nicht nur die Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst. Auch die sozialen Kontakte leiden, was die emotionale Abwärtsspirale der mobilen Arbeiter verstärken kann.

Die Burnout-Fachberatung ist der Ansicht, dass in der Schweiz rund 40 Prozent der Erwerbstätigen an Schwäche und Energielosigkeit leiden. Den dadurch verursachten volkswirtschaftlichen Schaden schätzen die Experten auf 7,8 Milliarden Franken jährlich. Würden diese Zahlen auf Deutschland übertragen, das rund zehnmal größer ist, entstünde durch Burnout und Stress jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 27 Milliarden Euro. Beim mobilen Arbeiten sollte länger anhaltender extremer Stress deshalb nach Möglichkeit vermieden werden.

http://de.news.yahoo.com/gp/20080609/ttc-die-schattenseiten-des-mobilen-arbei-a8a9a5f.html

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens
« Antwort #1 am: 22:05:42 Mo. 09.Juni 2008 »
hier ein Beispiel und Gegenwehr in Kanada...

Zitat
Blackberry macht Angestellte allzeit verfügbar

Aerbeitswelt. Die kanadische Gewerkschaft will den Einsatz des Handcomputers im Tarifvertrag regeln.

Ottawa. Ed Cashman spricht gerne von der „guten alten Zeit“. Damit meint der für die kanadische Hauptstadtregion Ottawa zuständige Vize-Präsident der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes aber nicht die graue Vorzeit der Gewerkschaftsbewegung. „The good old days“ waren für ihn „vor fünf bis sechs Jahren“. Damals war die Arbeitszeit in den Behörden klar definiert. Aber im Zeitalter des Blackberry ist die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verwischt. „Die Erwartung ist, dass man 24 Stunden sieben Tage die Woche verfügbar ist.“ Daher hat die „Public Service Alliance of Canada“ den Blackberry auf den Verhandlungstisch gelegt. Künftig soll bei Tarifrunden auch über Überstunden durch Blackberry-Nutzung gesprochen werden. „Wir wollen darüber reden, was von Angestellten erwartet und wie es honoriert wird“, sagt Cashman.

Regelungen aus siebziger Jahren
Der Blackberry hat die Arbeitswelt verändert. Rufbereitschaft und „Callback“, also die Möglichkeit, wegen dringender Arbeiten am Abend oder am Wochenende ins Büro zurückkehren zu müssen, haben eine andere Bedeutung: Heute kann die Arbeit von zu Hause erledigt werden – dank Internet, E-Mail und elektronischen Dateien. Am anderen Morgen hat der Boss die Akte auf dem Tisch. Sein Mitarbeiter hat die Arbeit auf der Couch zu Hause erledigt und muss nun sehen, wie er seine Arbeit vergütet bekommt. „Es kommt vor, dass unsere Leute hören: Du hast dein Haus nicht verlassen, also hast du keinen Anspruch auf Entschädigung.“

Ähnlich verhält es sich mit der Rufbereitschaft: Mussten vor einigen Jahren die Mitarbeiter zu Hause bleiben, sind sie heute dank Handy und Blackberry mobil. Im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst in Kanada gibt es keine Regelung, dass auch die Erreichbarkeit per Handy zur Rufbereitschaft gehört und vergütet wird. „Die Klauseln wurden in den siebziger Jahren in den Tarifvertrag geschrieben“, sagt Cashman.

Genauso stört ihn, dass Behördenleiter ihre Mitarbeiter nach Dienstschluss belästigen. „Da kommen manchmal mehrere E-Mails am Abend“, schimpft er. Aber auch ihm ist klar, dass die Schuld nicht nur bei den Chefs liegt. „Wir sagen unseren Leute, ihr müsst die E-Mails am Abend nicht beantworten. Aber wir hören immer wieder, dass diese kleinen Maschinen die Kontrolle über ihr Leben erlangt haben.“ Nicht umsonst heißt der Blackberry auch „Crackberry“ oder „Managerdroge“.

„Schaltet das Ding am Abend ab!“
„Wer eine höhere Verfügbarkeit seiner Mitarbeiter will, soll dafür zahlen“, fordert der Gewerkschafter. Er glaubt, dass die Zahl der Anrufe nach Feierabend deutlich zurückgehen würde, wenn dafür bezahlt werden muss. „Vorsicht“, mahnt Christopher Higgins, Professor an der Richard Ivey School of Business an der University of Western Ontario in London westlich von Toronto. „Das kann nach hinten losgehen.“ Er glaubt, dass eine Regelung im Tarifvertrag als Rechtfertigung dienen könnte, noch mehr den Blackberry nach den offiziellen Dienstzeiten einzusetzen. „Die Leute müssen Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnen“, sagt Higgins: „Schaltet das Ding am Abend ab und sagt euren Kollegen, dass ihr erst am Morgen auf E-Mails reagiert.“ Der Professor fürchtet zudem, dass bei den Verhandlungen auch der persönliche Gebrauch von Blackberry und Computer im Dienst auf den Tisch kommen könnte: Ergebnisse von der Eishockey-WM, Facebook, YouTube.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/384578/index.do?_vl_backlink=/home/wirtschaft/economist/index.do

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Die Kehrseite moderner Kommunikationsmittel
« Antwort #2 am: 17:49:42 Mi. 17.Juni 2009 »
Zitat
Stress: Die Kehrseite moderner Kommunikationsmittel

Handy, E-Mail, mobiles Web und Arbeiten vom heimischen Internet-Anschluss aus haben den Arbeitsalltag in vielen Branchen nachhaltig verändert. Doch sie bedeuten nicht nur mehr Flexibilität, sondern können enormen Stress verursachen und so zu einer gesundheitlichen Belastung für den Arbeitnehmer werden. Mobiltelefone und Blackberrys sorgen dafür, dass viele Berufstätige heute für ihre Arbeitgeber und Geschäftspartner rund um die Uhr an jedem Tag der Woche erreichbar sind. Eine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben ist hierbei nicht mehr in jedem Fall gegeben. Anstatt den Sonntagmorgen ungestört mit seinen Kindern zu verbringen, muss so mancher Familienvater sogar von unterwegs aus über das Internet auf das Firmennetzwerk zugreifen und Arbeiten erledigen. Viele dieser Tätigkeiten hätten noch vor ein paar Jahren bis zum Montag warten können, als es die entsprechenden Fernzugriffs-Technologien noch nicht gegeben hat.

Zudem wird häufig über E-Mails kommuniziert, und das oft ausgiebiger, als es früher auf anderen Wegen der Fall gewesen ist. Die Folge ist eine regelrechte E-Mail-Flut, die über Berufstätige hereinbricht. Laut dem Magazin "Silicon.de" verschickt und empfängt ein Angestellter täglich rund 180 elektronische Nachrichten. Diese permanente Überflutung mit Informationen und auch die ständige Erreichbarkeit über neue elektronische Geräte stören ein Drittel der Erwerbstätigen und sind die zweithäufigste Ursache für berufsbedingten Stress. Das geht aus der aktuellen Studie "Kundenkompass Stress" hervor, die von der Techniker Krankenkasse in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z-Institut erstellt worden ist.

In vielen Betrieben ist es zudem so, dass die modernen Medien verstärkt in die Informationsbeschaffung mit einbezogen oder gar aktiv mit Inhalten bestückt werden müssen. Diese neuen Tätigkeiten kommen zu den klassischen Arbeitsfeldern hinzu, durch Online-Arbeiten entsteht also nicht selten eine Mehrbelastung. Diese und weitere Faktoren führen häufig dazu, dass vertraglich festgelegte Arbeitszeiten nicht mehr ausreichen, um die anfallende Arbeit erledigen zu können - Überstunden sind die Folge. Laut dem "Kundenkompass Stress" fühlen sich von den Menschen, die viele Überstunden leisten, 94 Prozent gestresst. Fast jeder Zweite ist demnach häufig oder ständig im Stress. Diese Entwicklung ist alarmierend, denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Deutschland noch immer die meisten Todesfälle verursachen, treten bei den Menschen unter ständigem Druck doppelt so häufig auf wie bei den wenig bis gar nicht Gestressten.

http://de.news.yahoo.com/12/20090617/ttc-stress-die-kehrseite-moderner-kommun-a8a9a5f.html

Wilddieb Stuelpner

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8919
Re: Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens
« Antwort #3 am: 18:32:29 Mi. 17.Juni 2009 »
Wenn früher Arbeitspferde ins Zuggeschirr gespannt wurden, so spannen heute Arbeitgeber ihre Arbeitskräfte in moderne Kommunikationstechnik ein. Mittelalterliche Fronarbeit mit modernen Mitteln und Methoden für die geistlichen und die weltlichen Herren, neudeutsch Leistungselite mit ihrer christlichen Lightkultur.

Leistungselite und Lightkultur - Das erinnert an Herrenmenschen und KdF der Nazis.

Fronleichnam

siehe auch Leibeigenschaft

Trotz Anwendung moderner Technik und Technologie, bleiben doch die Macht- und Ausbeutungsmethoden auch im Kapitalismus rückständig.

 

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Umfrage: Viele Arbeitnehmer immer erreichbar
« Antwort #4 am: 13:10:37 Di. 11.August 2009 »
Zitat
Umfrage: Viele Arbeitnehmer immer erreichbar

Berlin (dpa) - Wegen Handy und Internet können viele Arbeitnehmer laut einer Umfrage auch im Feierabend nicht komplett «abschalten». Fast drei Viertel der berufstätigen Internetnutzer sind außerhalb der Arbeitszeit für Kollegen, Kunden oder Vorgesetzte erreichbar.

Dies geht wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hervor. Bei 30- bis 49-Jährigen, die oft Positionen mit höherer Verantwortung haben, sind demnach sogar 83 Prozent nach Feierabend für die Firma ansprechbar. Bei Jüngeren bis 29 Jahre sind es 53 Prozent. Männer (77 Prozent) sind eher jederzeit erreichbar als Frauen (68 Prozent).

Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge vom Institut Aris 1000 Menschen ab 14 Jahre in Privathaushalten befragt.

http://de.news.yahoo.com/26/20090811/tde-umfrage-viele-arbeitnehmer-immer-err-b33f0ce.html

Eivisskat

  • Gast
Re:Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens
« Antwort #5 am: 13:37:22 Di. 11.August 2009 »
Viele Menschen machen sich aber auch ganz bewußt selbst "immer erreichbar", anscheinend ist das besonders cool und gut für den Selbstwert, weil man (endlich) das Gefühl bekommt unentbehrlich zu sein.

Ganz schlimm sind die Leute, die den vollen U-Bahnwagon lautstark mit ihren Banalitäten belästigen, um dann das Gespräch, immerhin über Satellit im Weltraum mit einem "dann bis gleich" zu beenden.  ::)

Selbst Handwerker, die in die Wohnung kommen, sind inzwischen mehr am Handy um ihre Arbeitsabläufe  zu organisieren (Sekretärin wurde ja eingespart...), als mit ihrer eigentlichen Aufgabe beschäftigt.

Die Abschalttaste scheint bei den neuen Handys nicht mehr vorhanden zu sein.

Was für eine Welt...


unkraut

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2641
Re:Die Schattenseiten des mobilen Arbeitens
« Antwort #6 am: 07:35:20 Mi. 12.August 2009 »
Ich habe das mit der gewünschten ständigen Erreichbarkeit durch meinen AG / ZAF so geregelt :
Wünscht er mich rund um die Uhr zu erreichen hat er mir Bereitschaftsdienst zu vergüten. An sonsten bin ich nur zu den üblichen Arbeitszeiten bei meinem Entleiher auf / über dessen Betriebstelefonnummer erreichbar . Reiche das nicht , stelle mir der AG eben ein Firmen-Handy zur Verfügung .

Und außerdem sehe ich auf meinem Festnetztelefon und Handy wer anruft und kann immer noch selbst entscheiden ob ich ran gehe .

MfG
Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945