Autor Thema: Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?  (Gelesen 2412 mal)

AbYsS

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 11
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« am: 23:11:24 Sa. 21.Juni 2008 »
Hallo

ich hab ein Problem, ich hab die Angewohnheit bei einer Arbeit bzw neuen Arbeit immer gleich nervös und in Stress zu geraten, dadurch mach ich dann fehler und brauch dann zu lange um eine Arbeit fertig zu bringen, auch hab ich dann Probleme mich zu konzentrieren, kann mir nur schwer was merken, hab dadurch schon so einige Jobs verloren.

Mit meinen Freunden und Familie will ich auch Scham nicht darüber reden, ich fühl mich im Moment total beschissen, schlaf kaum und weiss nicht was ich machen soll.

Hab mir schon überlegt zu einem Psyschologen zu gehn, aber ob das was bringt, weiss ich nicht.

Was würdet ihr mir raten was ich machen könnte, bin für jede hilfe sehr dankbar

Irrlichtprojektor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 876
  • Kapitalismus abschaffen, Bedingungslos!
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #1 am: 00:12:54 So. 22.Juni 2008 »
Hallo AbYsS,
Vielleicht setzt du dich gleich zu Beginn zu sehr unter Druck. Eine neue Arbeit oder neue Arbeitsschritte brauchen immer eine gewisse Zeit. Stress führt genau zu dem was du beschreibst, Konzentrationsschwierigkeiten, vergessen usw. Das hat nichts mit Dumm o.ä. zu tun.
In der Arbeitswelt nimmt man auf Mensch kaum Rücksicht. Manch einer kann sich sehr gut neuen Bedingungen anpassen, manch einer braucht länger und mit zunehmendem Alter sowieso. Von Branche zu Branche mag dies stark variieren. Ich kann mir gut vorstellen das man am Fließband recht schnell die Norm bringen muß um zu bestehen, wogegen auf dem Bau in dieser Hinsicht mehr Freiheiten bzw. Spielraum existiert.

Ich könnte dir jetzt raten zum Psychologen zu gehen. Der wird sicher Wege und Mittel haben dich an den Produktionsprozess besser anzupassen. Dass ist sein Job! Nur würde ich mich da nicht sonderlich gut fühlen, denn es ist dein Leben. Vielleicht ist der bessere Weg der, den ich dir nach meiner Überzeugung anraten würde, Dich mit dir selbst auseinander zu setzen was du möchtest. Wo deine Stärken liegen, die Schwächen ausloten usw. Um dann innerlich gestärkt evtl. deinem Chef mitzuteilen (übertrieben jetzt dargestellt) das diese Maschine eine Fehlkonstruktion ist, da sie deinen Bedürfnissen nicht gerecht wird. Es mag ironisch klingen, ich meine es aber so und natürlich wirst du dies deinem Chef nicht sagen können. Der wird dich für ein Alien halten, also gar nicht verstehen was du ihm da mitteilen könntest aber für dich wäre es beruhigend und gibt dir Sicherheit. Mit dem Ergebnis das Stress gar nicht mehr aufkommt bzw. Druck nicht mehr so entstehen kann.

Wir definieren uns allg. viel zu sehr über Arbeit. Wer Arbeit hat und "gut" ist, ist dabei, wird gesellschaftlich anerkannt und darf in den Urlaub fahren. Letztendlich funktionieren diese Helden der Arbeit nur absolut und merken noch nicht mal wie Dumm sie eigentlich sind.
Das auseinandersetzen mit den Begriff Arbeit usw. könnte dir evtl. ebenso helfen. Das Wissen dazu verschafft dir Sicherheit welches dir hilft zu bestehen und nach meiner Erfahrung dem Leben dich ein Stück weit näher bringt.

gruß irrlicht

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #2 am: 00:28:56 So. 22.Juni 2008 »
@AbYsS

lese dir doch mal den thread unten durch, da werden viele Dinge angesprochen, die dir vielleicht weiterhelfen, auf jeden Fall aber zeigen, daß du mit dem Problem nicht alleine bist ...

http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=13220&page=1

Gruß, Kater

Schraubenwelle

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1089
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #3 am: 07:49:24 So. 22.Juni 2008 »
Kann dich total verstehen.
Es ist ja auch so das,das Selbstwertgefühl nach einiger Zeit gegen 0 geht. Je länger man Arbeitslos ist  um so schwere wird es für einen und um so mehr baut sich ja auch ein Druck auf...so nach dem Motto...ich muss es ja schaffen..ich muss.
Sicherlich ich mache mir auch Gedanken..das bleibt nicht aus..aber ich denke mir dann..ok du machst den Job jetzt...und wenn es nicht klappt...egal..das leben geht dann ja weiter.
Familie..hmm die verstehen meist nicht was los ist in der jetzigen Welt.
Wenn du einen sehr guten Freund hast..kann man meist mit dem reden ..ein wirklich guter Freund versteht dich dann auch.
Also versuche den Druck von dir zu nehmen ..einfach denken..ok ich probiere es aus..und wenn man dann mit dir nicht zufrieden ist ok dann ist es so.
Du bist wichtig..und nicht ein Job an dem man dann kaputt geht.

Ziggy

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5021
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #4 am: 10:52:06 So. 22.Juni 2008 »
Ich bin der Meinung, wenn die Situation so extrem ist, kann ein Gang zum Psychologen/Psychiater helfen. Allerdings ist das ein Glücksspiel, manche verschreiben nur irgendwas und nehmen sich keine Zeit für den Patienten.
Daß man da nicht mit Freunden oder Familie drüber spricht, ist verständlich, allerdings geschieht das weniger aus Scham als vielmehr aus der Angst heraus, die könnten das dann künftig auch gegen einen benutzen und sticheln oder so.
Nach langer Arbeitslosigkeit "endlich wieder einen Job" zu haben, bringt leider auch immer die Angst mit sich, diesen auch gleich wieder zu verlieren. Also will man alles superrichtig machen, bloß keine Fehler, die denken sonst, man ist blöd ... da schaukelt man sich manchmal selber dermaßen auf, daß man nicht mehr runterkommt davon.
Dagegen gibt's leider keine Pillen, und auch Alkohol hilft nicht (beides längst selbst probiert und für untauglich befunden).

An meinem jetzigen Arbeitsplatz hänge ich sehr. Ich hatte anfangs ziemliche Versagensängste (weil ich wusste, daß vor mir schon andere Bewerber an der Aufgabe gescheitert waren), und wollte auf keinen Fall Fehler machen. Ich hab mich wirklich sehr angestrengt und kam auch einigermaßen klar, aber es war aufreibend. Nach 2 oder 3 Wochen fragte mich mein Vorgesetzter, wie's denn läuft. Nach kurzer Überlegung sagte ich einfach die Wahrheit: "Ich tue mich schwer damit, aber ich bin dran und würde es gerne weiter versuchen!" In dem Moment, wo ich es sagte, hätte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen, es war praktisch ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Da nickt der aber und sagt zu mir: "Wenn du jetzt was anderes gesagt hättest, wärst du bei mir unten durch gewesen. Ich war nicht immer Meister. Die Arbeit, die du jetzt grade machst, hab ich auch schon gemacht. Die ist nicht einfach. Da braucht's eine lange Einarbeitungszeit. Du machst das sehr gut!" ...

Mit dieser kleinen Ankedote will ich nur aufzeigen, daß wir selber oft eine falsche Wahrnehmung von uns haben. Unsere Umwelt sieht uns völlig anders als wir uns selber. Wir DÜRFEN Fehler machen, ja, es wäre höchst verdächtig, wenn wir immer alles richtig machten. Meiner Erfahrung nach ist es viel wichtiger, Fehler ZUZUGEBEN als peinlichst Fehler zu vermeiden oder gar zu vertuschen.

Eine schöne Geschichte hab ich noch, sie ist schon eine Weile passiert, aber wahr:
1986 kam ich gerade aus dem Knast, und ich hatte ziemliche Alkoholprobleme, die ich gerade versuchte, in den Griff zu kriegen, sprich: Ich war gerade ein paar Wochen trocken, da bekam ich ein Jobangebot vom Amt für eine Baufirma (ich war als Bauhelfer gemeldet). Ich rief da an, es war Freitagnachmittag, und bekam einen Termin für Montag 17 Uhr. Die Firma war in meiner Nähe, am Bau wurde gut gezahlt, ich wollte diesen Job! Unbedingt! So, und jetzt hatte ich das gaaaanze laaaange Wochenende zu überbrücken, und in meinem Kopf lief schon das Vorstellungsgespräch. Schon die zu erwartende Eingangsfrage: "Was haben Sie denn zuletzt gemacht?" stellte mich vor große Probleme. Ich legte mir ein paar Geschichten und Ausreden zurecht, aber ich fühlte mich ganz elend, konnte nicht schlafen, am Montag war ich schon um 16 Uhr bei der Firma, ging auf der Straße auf und ab, und als ich reinging, musste ich noch länger warten. Kurz und gut: Als ich zum  Gespräch gebeten wurde, war ich so fertig, mit mir hättste den Boden wischen können ...
Also gut, Shakehands, Platz nehmen, und dann: "Erzählen Sie mal, was haben Sie denn zuletzt gemacht?" Tja, und genau in diesem Moment war da in meinem Kopf ein großes schwarzes Loch. Alles weg. Schlagartig. Ich saß da, und mir fiel keine meiner Geschichten mehr ein. Worst Case. Au Mann.
Da sagte ich, ohne es eigentlich zu wollen: "Ich komme direkt aus dem Knast, ich hab ein Alkoholproblem, bin im Suff gewalttätig, aber ich bin dran, ich kämpfe dagegen, bin schon ein paar Wochen trocken, ich will es schaffen ..." Ich dachte, Gott, was rede ich für einen Scheiß, und der guckte mich an ... Da stand ich auf und gab ihm diem Hand und sagte: "Ich danke Ihnen für die Einladung, aber ich sehe schon, es hat keinen Zweck. Entschuldigung. Auf Wiedersehen." Ich wollte nur noch raus! Ich bekam keine Luft mehr! Nur weg, weg! Da hält der meine Hand fest und sagt: "Hören Sie, ich weiß was Alkoholismus ist, hab einen Fall in der Familie. Wenn's Ihnen ernst ist ... Ihre Ehrlichkeit gefällt mir. Wann können Sie anfangen ..." So bekam ich den Job.

Sorry für den vielen Text. Muß aber auch mal sein.
Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.

Sektsauferle

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1693
  • Alleinerziehend, pleite
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #5 am: 13:07:50 So. 22.Juni 2008 »
hallo :)

kann auch was dazu sagen.

habe eine neue stelle angefangen, bei der auch gleich betont wurde, das man eine lange einarbeitungszeit benötigt, wegen der vielfalt und den kleinstteieln usw.

ich hab auch regelmäßig tage, an einem läufts gut, am nächsten schlecht. das ist normal.
bin auch in der situation, das mir meine probleme im moment das leben schwer machen, ich unkonzentriert bin, mir das eine oder andere nicht merken kann, was vergesse usw.

ist schwierig aber aufgeben bringt nichts.
ich schreibe mir alles auf (haben die anderen auch so gemacht) und versuche durchzuhalten, es geht ja schließlich um  mich und meinen job, was die anderen sagen, interessiert mich nicht.

mach dir keinen kopf, wenn du nervös bist, machst du automatisch fehler.
wir sind alle nur kleine ameisen in einem großen ameisenbau, sonst nichts. wenn was kaputt geht oder sowas, macht die firma auch nicht gleich pleite deswegen.

warum du mit freunden und familie nicht reden willst, leuchtet mir nicht ganz ein, scham ist da nicht angebracht, würde ich sagen.
dafür sind die doch da, schlimmer ist es, wenn es aussieht als wolltest du nicht recht oder so.

allerdings, wenn das problem schon länger besteht, würde ich zumindest mal einen netten hausarzt befragen, was zu tun wäre.

ich hoffe, ich konnte dir helfen.

grüßle :froehlich>
In Memory of Menschenrechte !!!

AbYsS

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 11
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #6 am: 13:38:39 So. 22.Juni 2008 »
Hallo

danke erstmal für die tipps, ich hab ja erst mitte letzter Woche angefangen und der eine der mich anlernt verlangt schon das ich alles auswendig kann, wärs nicht so viel auf einmal wärs sicher kein Problem, bloss das ist schon ne menge und wenn ich zu lange brauch kommen die anderen Arbeiter in Verzug, da Akkordarbeit

wenn es nicht klappt versuch ich mit dem Meister zu reden, ansonten muss ich mir was einfallen lassen oder es aufgeben, es macht mich echt ziemlich fertig, bin nach der Arbeit meist total down :(

Danke euch trotzdem, sich mal luft verschaffen hat gut getan, mit meinen Freunden will ich über sowas nicht reden, fühl mich dann wie ein Versager

Sektsauferle

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1693
  • Alleinerziehend, pleite
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #7 am: 14:07:26 So. 22.Juni 2008 »
jetzt mal ganz langsam!


tief durchatmen bitte!

ich sag dir jetzt mal was, ich hab in meinem leben schon viel gemacht, akkordarbeit, stressiges band,schwere metallteile gedreht mit selbst programmieren usw (hab ich keine ahnung von gehabt) und und und.

aller anfang ist schwer, wenn dein anlerner so ein trottel ist, ist das nicht dein problem, es fällt nunmal kein meister vom himmel, und damit basta.
wenn die stückzahl der anderen drunter leidet, sind sie selbst schuld, dann müssen sie eben mehr leistung bringen bis du es kannst, oder dich an dem leichtesten platz einsetzen, fertig.

wenn bei uns einer nicht so schnell war oder n scheiß tag hatte mußten eben die anderen schneller machen und da gibts dann auch keine streitereien oder so.

so und nicht anders wird das gemacht, und mach nicht den fehler nach so kurzer zeit aufzugeben oder zum meister zu rennen, wenn nicht ein wirklich gravierendes problem vorliegt.

hinschmeißen oder davonlaufen kann man immer , ob heute oder in einem halben jahr, also nimm in dem fall das halbe jahr, das wird schon, du wirst sehen.

du bist im recht, nicht die kollegen und nicht dein anlerndepp, der anscheinend etwas minderbemittelt ist X(

weißt, was man als erstes in einem meisterkurs lernt?
im zweifelsfall ist immer erstmal der vorgesetzte schuld, nicht der untergebene!

und so ist auch.

also mach dich nicht verückt, nimm dir das nicht so zu herzen.
In Memory of Menschenrechte !!!

Ziggy

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5021
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #8 am: 16:33:00 So. 22.Juni 2008 »
Noch ein paar Gedanken dazu:

1. Hör auf, von dir selbst zu erwarten, alles richtig zu machen. Je mehr du es willst, desto mehr misslingt es.

2. Jeder Job benötigt Einarbeitungszeit ("Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen").

3. Jeder Mensch ist anders, einer findet sich leichter rein, der andere braucht etwas länger, das sagt aber nichts über die langfristige Qualität und Zuverlässigkeit.

4. Ob dein Vorarbeiter ungeduldig ist oder nicht, kanst du schlecht beurteilen, der ist vielleicht auch nur nervös, aber aus anderen Gründen.

5. Es wird immer wieder Tage und Dinge geben, die dir nicht gelingen. Manchmal ist man einfach einer Aufgabe nicht gewachsen.

6. Du bist ein Mensch und keine Maschine.

7. Wenn dein neuer Arbeitgeber dich da hinstellt und verlangt, daß du das in kürzester Zeit auswendig lernst, ist er ein dummes Arschloch. Manchmal hilft es - obwohl es schwer ist - auch mal in die Offensive zu gehen á la: "Wenn du einen hast, der's besser kann - nur zu!" Hab ich schon gemacht, hat gewirkt! Manchmal vergessen Arbeitskollegen einfach, wie lange sie selber gebraucht haben, sich einzuarbeiten. Das ist wie beim Autofahren, man ärgert sich über einen Fahrschüler/-anfänger, obwohl man sich seinerzeit noch viel blöder angestellt hat.

Zum Schluß: Gib dir niemals selber Noten! Wenn du am Abend ehrlich feststellst, daß du dein Bestes gegeben hast, dann war da eben an diesem Tag nicht mehr drin und fertig! Kein Grund zur Unzufriedenheit!

Komischerweise fällt mir gerade jetzt - obwohl es nichts damit zu tun hat  ... oder doch? - der holländische Fußballer ein, dessen Kind am Mittwoch direkt nach der Geburt starb. Der SPIEGEL schrieb: "Der holländischen Fußball-Nationalmannschaft und besonders ihrem Spieler Boulahrouz wurde auf brutalste Weise vor Augen geführt, daß es im Leben weit wichtigere Dinge gibt als Fußball." Das möchte ich dir im übertragenen Sinn mitgeben: Nimm es nicht so wichtig, wenn etwas nicht so läuft, das ist nur ein Steinchen im Mosaik des Großen Ganzen.
Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.

Andreas71

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 20
Verunsicherung bei Arbeit, was tun ?
« Antwort #9 am: 10:06:26 Mo. 23.Juni 2008 »
Hallo,
meiner Meinung nach hängt es viel von den Arbeitskollegen und dem Chef ab wie ein Angestellter arbeitet.
Kann mich noch gut an die Zeit erinnern als ich noch als Maler und Lackierer unterwegs war. Dazu muß ich aber sagen das der Beruf von Anfang an nichts für mich war ( Einen Witz als Lehrbetrieb, rumschreiende und schikanierende Gesellen usw. )
Jedenfalls nach 3 Jahren Schikane die Lehre abgeschlossen und vom Arbeitsamt immer wieder auf diesen schönen Beruf vermittelt wo ich dann bis man mich rauswarf fertig gemacht wurde und man mir erzählte wie schlecht und wie langsam ich bin.
Hatte Tage dabei da zweifelte ich an mir selber und hatte mir wirklich gedacht : So, heute strenge ich mich besonders an weil es ja nicht sein kann das ich wirklich so schlecht bin.
Dann den ganzen Tag reingestresst, wirklich rumgerannt wie blöd und das mehrfach....
Was war das Ende vom Lied...
Irgendein Geselle oder Meister kam dann, glotzte mich blöd an und meinte: Waaaas weiter bist du noch nicht???? Das was du an einem Tag machst mache ich in 10 Minuten. Was willst du eigentlich im Malerberuf du bist eh zu langsam und kannst nichts und jede Hausfrau macht das besser wie du.
Wenn man sich mehrmals am Tag solche Sprüche von verschiedenen Leuten anhören muß hat man irgendwann keine Lust mehr.
Dadurch wechselte meine Stimmung zwischen agressiv und depressiv.
In der Zeit hatte ich eigentlich nur Magenschmerzen und wenn früh der Wecker klingelte hats mir schon für den ganzen Tag gereicht.
Irgendwann ist man soweit das man sich überlegt wie man wohl von dem Beruf wegkommen könnte. Man weiß ja das es nichts ist. Habe mir 7 Jahre einen abgestrampelt...
Dann nach ein paar Monaten wieder aus der Firma geflogen und es dauerte auch gar nicht lange da hatte ich wieder einen Brief vom Arbeitsamt im Briefkasten liegen wo dieser schöne Satz draufstand: Hiermit freue ich mich Ihnen folgende Arbeitstelle mitteilen zu können, Tätigkeit Maler und Lackierer.
Da kann man sich vorstellen mit welcher Freude ich in die Firma bin.
Man reibt sich den ganzen Tag nervlich auf weil man sich immerwieder denkt das man ja zu schlecht und zu langsam ist. Irgendwann ist man der Meinung das es ja stimmen muß wenn es schon so viele Leute zu einem sagen (Komisch ist nur das wenn ich bei Verwandten mal was gearbeitet habe die voll zufrieden waren). Irgendwie wartet man dann schon auf einen Anschiss weil wieder einer was gefunden hat was ich falsch machte.
Irgendwann ist man so fix und fertig, hat Magenschmerzen und kann nicht mehr.
Es lag mit Sicherheit auch am Lehrbetrieb da man mir schon in den ersten Tagen jeden Spaß und jede Lust an dem Beruf genommen hat.
Viele Sachen die man als Maler eigentlich können müßte wurden mir gar nicht gezeigt.
Im nachhinein denke ich mir das mich mein Chef des Lehrbetriebes rausekeln wollte ( er hat mich eingestellt weil er meinen Opa kannte )nur das hat er nicht geschafft.
Hatte meinen Chef auch öfter darauf angesprochen das ich gerne was lernen würde weil ich damals noch dachte es ist nur in der Lehre so schlimm.
Der Betrieb hat nichts anderes gemacht wie streichen und lackieren. Ein paar vereinzelte hatten tapeziert und Putz aufgezogen.
Mir wurden solche Sachen gar nicht gezeigt. Es ist irgendwo klar das wenn man sich nach der Lehre als Maler bewirbt der neue Betrieb davon ausgeht das man die Sachen kann die im Lehrplan stehen.
So war das bei mir ein wandern von Malerfirma zu Malerfirma und zog sich durch wie ein roter Faden.
Hatte mich zwar immerwieder in anderen Bereichen beworben aber leider nichts bekommen.
Irgendwann war ich dann so psychisch fertig das man mich gar nicht mehr ansprechen brauchte (hatte mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht ob ich nicht von der Baustelle aus in einen Firmenwagen steigen sollte und mich damit gegen einen Baum fahre oder mir auf dem Firmenklo die Pulsadern aufschneide o.ä.). Am Ende war ich soweit das ich mich Sonntags mit Magenschmerzen vor die Uhr setzte und die Zeiger anschaute und mir so einbildete das die Zeit nicht so schnell vergeht, weil ich ja Montag wieder arbeiten mußte.
Zum Schluß war ich so fertig das es nicht mehr ging. Bin dann irgendwann zum Psychologen und habe dem mein Problem und meine Gedanken erzählt. Der hat mir dann zum Glück geholfen ( Ärztliches Attest).
Man hatte mir damals in der Schule erzählt: Lerne halt irgendwas, ist doch egal, hinterher kannst du immernoch was anderes machen. Hauptsache man hat einen Beruf.
Das ist der größte Schwachsinn wie ich finde, aber damals wär ich so blöd und hab das geglaubt.
Jedenfalls hatte ich die letzten Jahre in einer Siebdruckerei gearbeitet und zum erstenmal erfahren wie es ist wenn man in einer Firma nicht wie Dreck behandelt wird. Wir waren nur 3 Leute, alles war familiär, man hat sich mal mit dem Chef hingestellt und sich unterhalten, hin und wieder brachte der Chef einen Kaffee vorbei.
Der Chef hat sich für seine Leute interessiert und ging auch auf Probleme und Verbesserungsvorschläge ein.
Es gab nie gravierende Probleme und die Kunden waren mit uns voll zufrieden weil jeder durch die ganze Umgangsweise motiviert war und Spaß an der Arbeit hatte. Leider sind irgendwann die Aufträge weniger geworden und einer mußte gehen.
Deswegen bin ich arbeitssuchend.
Viele Firmen verstehen es nicht das es mit Fairness, Zusammenhalt und Freundlichkeit viel schöner Arbeiten läßt.

Viele Grüße
Andreas
Jeder normale Bürger sollte menschenwürdig behandelt und nicht nach Strich und Faden abgezockt werden.