Autor Thema: Immer weniger halten bis zur Rente durch  (Gelesen 2205 mal)

Kater

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7112
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« am: 18:36:06 Mo. 02.Juni 2008 »
Zitat
Immer weniger halten bis zur Rente durch
DGB-Studie: Arbeitnehmer schätzen sich schlechter ein
Matthias Loke

BERLIN. Immer mehr Arbeitnehmer rechnen damit, nicht bis zum Rentenalter arbeitsfähig zu bleiben. Das geht aus einer Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. Nach den Index-Ergebnissen für 2007 gehen nur 50 Prozent der Befragten davon aus, ihre Tätigkeit unter den aktuellen Arbeitsbedingungen bis zum Rentenalter ausüben zu können, 33 Prozent sagen dagegen "Nein, wahrscheinlich nicht". 17 Prozent können keine Angaben machen.

In einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2004 gaben noch 59 Prozent der Befragten an, bis zum Renteneintritt arbeiten zu können, 24 Prozent gingen nicht davon aus. Das bedeutet: Der Anteil derjenigen, die nicht glauben, in ihrer Tätigkeit bis zur Rente durchhalten zu können, ist im Vergleich der beiden Erhebungen von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen. In dem DGB-Index Gute Arbeit werden repräsentativ Selbsteinschätzungen von Arbeitnehmern zur Qualität ihrer Arbeit erfasst.

Akademiker optimistischer

Insbesondere bei den Gesundheitsberufen, den Metallerzeugern und -bearbeitern sowie den Bauberufen gehen deutlich weniger Beschäftigte davon aus, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Renteneintritt arbeiten zu können. Bei den Gesundheitsberufen sank ihr Anteil von rund 60 Prozent im Jahr 2004 auf unter 40 Prozent im Jahr 2007. Bei den Bauberufen fiel dieser Anteil von 38 auf nur noch 22 Prozent.

Großen Einfluss auf die Selbsteinschätzung der Beschäftigten haben dem Index zu Folge die Faktoren Berufsabschluss und Betriebsgröße. Immerhin gehen 62 Prozent der Beschäftigten mit Fach- oder Hochschulabschluss davon aus, bis zur Rente arbeiten zu können. Lediglich 42 Prozent sind es bei Beschäftigten ohne Ausbildung. In Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geben 48 Prozent an, bis zur Rente arbeiten zu können, in Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten sind es 60 Prozent.

Mit Abstand den stärksten Einfluss auf die Selbsteinschätzung haben jedoch die Faktoren körperliche Schwerarbeit, Zeitdruck und "unwürdige Behandlung". So geben nur 13 Prozent der Befragten, die "in sehr hohem Maße" körperlicher Schwerarbeit ausgesetzt sind, an, ihre Arbeit bis zur Rente ausüben zu können.

Werden Beschäftigte nicht mit körperlicher Schwerarbeit und Zeitdruck belastet, geben 76 Prozent der Befragten an, wahrscheinlich bis zur Rente arbeiten zu können. Kommen dazu noch Wertschätzung durch Vorgesetzte und keine Belastung durch Lärm, steigt dieser Anteil auf 82 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht zwei Tendenzen in den Ergebnissen der Befragung. Positiv sei, dass bei den Arbeitsbedingungen immer Gestaltungsspielräume vorhanden seien: "Die Reduzierung von schwerer Arbeit, Lärm und Zeitdruck sowie die Wertschätzung durch Vorgesetzte macht Menschen am Arbeitsplatz zufriedener", sagte DGB-Sprecherin Marion Knappe. "Wenn Arbeitgeber mit offenen Augen und Ohren durch ihr Unternehmen gehen, lässt sich also noch vieles verbessern."

Die schlechte Nachricht sei jedoch, dass sich die Selbsteinschätzung der Beschäftigten in nur drei Jahren massiv verschlechtert habe. Als einen Grund nannte Knappe die Rente mit 67. Schon heute würde nur jeder Fünfte von einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in die Rente wechseln. "Kein Wunder", so die Sprecherin, "dass vielen die Aussicht, unter den gegebenen Bedingungen bis zu zwei Jahre länger arbeiten zu müssen, unvorstellbar erscheint."

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0602/wirtschaft/0029/index.html

Ratrace

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2625
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« Antwort #1 am: 00:54:04 Mi. 04.Juni 2008 »
Kein Wunder, wenn die Arbeitsbedingungen sowie die Lohnzahlungen in kaum noch menschlich ertragbare Dimensionen geschraubt werden.

Der vielzitierte Manager kann sich vielleicht aufgrund seines Einkommens mit Mitte 40 zur Ruhe setzen, aber der Durchschnittsackerer hat die "Traumvorstellung" einer Armutsrente jenseits der 70 Jahre - und unter 400 Euro. Und das Ganze bei steigendem Druck und sinkenden Lohnzahlungen. Alleine diese Perspektive kann krank machen. Wundert mich, daß es noch keine Toten gab.
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

BakuRock

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1753
  • Sich fügen heißt lügen. E. Mühsam
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« Antwort #2 am: 02:14:34 Mi. 04.Juni 2008 »
Wie ist der letzte Satz gemeint? ......

http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid
Zitat
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass es weltweit etwa eine Million Suizide pro Jahr gibt und dass 10 bis 20 Mal so viele Suizidversuche scheitern. Die Länder mit der höchsten Suizidrate sind Litauen, Russland, Weißrussland, Lettland, Ukraine, Ungarn, Sri Lanka, Slowenien, Kasachstan, Estland, Japan und Finnland (WHO-Statistik).

In der Europäischen Union begehen nach einer Meldung der EU-Kommission aus dem Jahr 2005 jährlich 58.000 Menschen Suizid, wobei die meisten dieser Fälle von Personen begangen werden, die an Depressionen leiden. An anderen Todesursachen führt dieselbe Meldung jährlich 50.700 Verkehrstote und 5.350 Opfer von Gewaltverbrechen an.

Deutschland

Im Durchschnitt sterben in Deutschland jährlich zwischen 11.000 und 12.000 Menschen durch Suizid (etwa 14 je 100.000 Einwohner), wobei zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Diese Zahl entspricht ca. 1,3 Prozent aller Todesfälle und übersteigt damit die Anzahl der Verkehrstoten (5.362 Todesopfer im Jahr 2005) bei weitem. In der Altersgruppe der 15- bis 35-Jährigen ist der Suizid die zweithäufigste Todesursache (nach dem Unfalltod). Allerdings ist die verbreitete Annahme, dass Suizid in dieser Altersgruppe besonders häufig verübt wird, ein Trugschluss: Suizid ist in dieser Altersklasse neben Mord und Unfall aufgrund der weniger häufigen Krankheiten die nahezu einzig mögliche Todesursache.

Die Zahl ernsthafter Suizidversuche liegt bei ca. 100.000 bis 150.000 (auch hier sind genaue Erkenntnisse aufgrund der hohen Dunkelziffern schwierig), also um den Faktor 10 bis 15 über der der ausgeführten Suizide. Mit anderen Worten: Etwa jeder zehnte Suizidversuch geht tödlich aus. Die Zahl der Suizidversuche ist bei Frauen etwas höher als bei Männern (131 gegenüber 108 Versuche je 100.000 Einwohner [1]).

Die Zahl erfolgreicher Suizidversuche ist jedoch bei Männern deutlich höher als bei Frauen mit weiter steigender Tendenz: Drei Viertel aller erfolgreichen Suizide werden von Männern begangen. Von den 10.733 Suiziden im Jahr 2004 in Deutschland wurden 7939 (74 %) von Männern und 2794 von Frauen begangen. Die Suizidrate von Ärzten ist bis zu 3,4-mal höher als die anderer Bürger, bei Ärztinnen ist die Rate sogar um bis zu 5,7-mal erhöht [2].

Im Jahr 1982 lag die Suizidhäufigkeit in der Bundesrepublik bei 30 je 100.000 Einwohner, in der DDR bei 44[3]. Forscher führen dies jedoch weniger auf die Gesellschaftsordnung, sondern eher darauf zurück, dass das Territorium der DDR hauptsächlich Gebiete wie Sachsen und Mecklenburg umfasste, die schon im Deutschen Reich erhöhte Suizidraten aufwiesen[4]. In der Folgezeit ging diese Häufigkeit jedoch zurück und liegt heute für Männer bei 20 und für Frauen bei 7[5]. Die Zahl der Suizidversuche stieg in den letzten Jahren jedoch an.

Als Gründe für den Rückgang werden verbesserte fachärztliche Versorgung und Enttabuisierung psychischer Erkrankungen genannt.

Die Selbsttötungen häufen sich im höheren Alter: von weniger als fünf pro 100.000 in der Gruppe der unter 20-jährigen bis auf fast 50 pro 100.000 bei den über 70-jährigen.[6].

Von den 11.150 Suiziden in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2004 wurden folgende Todesursachen erfasst:

    * Erhängen/Ersticken 5538 (50 %)
    * Sturz in die Tiefe 1100 (10 %)
    * Vergiftung durch Medikamente 940 (8 %)
    * Erschießen 572 (5 %)
    * Sich vor den Zug oder vor Autos werfen 556 (5 %)
    * Abgase ins Auto leiten 216 (2 %)

Quelle: Statistisches Bundesamt

"...... kaum noch menschlich ertragbare Dimensionen geschraubt........" erzeugen Depressionen. Und die gehoeren ja wohl in den Bereich der psychischen Erkrankungen.

Dazu zaehlst du bitte noch diejenigen, welche am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Malooche verletzt wurden und in der "Folgebehandlung" durch die gesetzlichen oder privaten Versicherungen fertig gemacht werden. Die stuerzen ebenfalls in ein tiefes Loch, da sie meistens erkennen muessen, dass sie auf die eine oder andere Art "behindert" sind, und deshalb von ueberall her "geschnitten" werden.

Die "Falschbehandlungen" und "Fehldiagnosen" der (meistens von den Versicherungen bezahlten und somit abhaengigen) Aerzte habe ich hier nicht mit angegeben.

Es herrscht Buergerkrieg - es gibt verdammt viele Tote, auch wenn sie (noch) am Leben sind.......

Schau auch mal hier: http://www.unfallopfer.de
---
Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

Eigentumsfragen stellen!

Wer sind FAUistas

Ratrace

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2625
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« Antwort #3 am: 09:58:57 Fr. 06.Juni 2008 »
Sorry, blöd ausgedrückt: Bei der mangelnden Perspektive auf ein lebenswertes Leben im Alter müßte hier eigentlich landunter sein und im Land vor Krawallen kaum noch ein Stein auf dem anderen stehen.

Das meinte ich mit: "Wundert mich, daß es noch keine Toten gab."

Natürlich gab es Tote und den unter dem System leidenden Menschen, keine Frage. Gerade das Krankheitsbild Depression, das durch die hiesigen Umstände gefördert wird, ist extrem gefährlich.
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

blackplanet 666

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 24
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« Antwort #4 am: 15:45:00 Fr. 06.Juni 2008 »
depressionen sind sicher auch ein übel dieser immer kälteren gesellschaft. geht aber durch alle schichten. egal ob arbeitslos oder manager.
ich verstehe auch die leute die überhaupt keinen bock mehr haben sich irgendwie aufzuraffen, sei es zum amt zu latschen und sich dämlich vollseiern zu lassen wenn man nur das haben möchte was einem zusteht oder zur maloche zu kriechen und in die ellenbögen seiner kollegen und vorgesetzten zu rennen.
manchmal habe ich auch keinen bock mehr aufzustehen, die krankheitstage sind bei mir in diesem jahr auf rekordniveau gestiegen aber das kanns ja auch nicht sein. kaum rennt man wieder hin weiß irgend son schlauscheißer alles besser und man fühlt sich schon wieder beschissen und krank.
scheiß drauf, ich leiste mir jetzt psychologische beratung, vielleicht kriegt die mich ja wieder soweit hin, dass ich wie früher bin : pflichterfüllung ( familie, job und was sonst so anliegt) so viel wie nötig und den gesamten rest nur spaß am leben, konnte ich doch früher auch, was ist bloß passiert?
naja, wird schon wieder werden
schönes we
@ ratrace
von welcher cd ist denn dein zitat, ich habe eine scheibe von killing joke da ist "the wardance" drauf, habe leider den titel vergessen und in meinen cd- ständern ists leider chaotisch- muss ich mal aufräumen dass ich was finde :-)
Zitat
Confined in the helpless safety of desires and dreams
We fight our insignificance
The harder we fight
The higher the wall
( Anne Clark )

Ratrace

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2625
Immer weniger halten bis zur Rente durch
« Antwort #5 am: 10:18:36 Mo. 09.Juni 2008 »
Zitat
von welcher cd ist denn dein zitat, ich habe eine scheibe von killing joke da ist "the wardance" drauf, habe leider den titel vergessen und in meinen cd- ständern ists leider chaotisch- muss ich mal aufräumen dass ich was finde :-)
Ist auf dem Album "Killing Joke" aus dem jahre 2003, das Stück "Blood on your hands":

LAUT.de
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.