Autor Thema: Biosprit macht arm  (Gelesen 1307 mal)

1984

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Biosprit macht arm
« am: 16:15:25 Sa. 28.Juni 2008 »
Nachdem ich keinen extra Thread über Biotreibstoff gefunden habe, mache ich mal einen auf.

Zitat
Benzin vom Acker macht arm.
Die gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen raubt 30 Millionen Menschen die Lebensgrundlage - so das Ergebnis einer Studie.
Die gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen hat in den vergangenen Jahren 30 Millionen Menschen in die Armut getrieben, schätzt die britische Umweltgruppe Oxfam in einem neuen Bericht. Bei weiteren 100 Millionen Menschen sei die Lebensgrundlage durch die Nachfrage nach Benzinersatz aus Pflanzenprodukten bedroht.
(...)

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/automobil/artikel/246/182679/

Der Artikel ist leider erwas einseitig, da er z.b. die Spekulation mit Rohstoffwerten an den Börsen als weiteren wichtigen Faktor gar icht beachtet und ein recht einseitiges Erklärungsmodell für komplexe Hintergründe anbietet. Aber besser als die Sache einfach zu ignorieren ist das schon.

CubanNecktie

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Biosprit macht arm
« Antwort #1 am: 20:30:15 Sa. 28.Juni 2008 »
Zitat
Brasilien
Vernichtender Biosprit-Boom
Die globale Nachfrage nach Energiepflanzen zur Herstellung von Biosprit vernichtet den tropischen Regenwald. Dieser Tatsache verstärkt nicht nur den Klimawandel, sondern trägt massiv zu Menschenrechtsverletzungen bei. Für fairkehr sprach Tina Kleiber, Brasilienreferentin der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, mit Tarcisio Feitosa da Silva. Feitosa wurde 2006 wegen seines Einsatzes für Schutzgebiete im Amazonasgebiet mit dem renommierten Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet.

 
     

fairkehr: In Brasilien werden in den nächsten acht Jahren drei bis vier Millionen Hektar Land zusätzlich für den Anbau von Energiepflanzen zur Herstellung von Ethanol benötigt. Das wäre eine Fläche so groß wie Baden-Württemberg. Halten Sie das für realistisch?

Feitosa: Das brasilianische Programm zur Förderung der Biospritproduktion wird hier gehandelt als sichere Treibstoffversorgung und Rettung Brasiliens. Sobald die Agrotreibstoffe einen guten Preis auf dem Markt erzielen werden alle Zuckerrohr oder ölhaltige Pflanzen anbauen, die sich auf diesem Markt verkaufen lassen.

fairkehr: Worauf stützen Sie Ihre Vermutungen?

Feitosa: Ich erinnere mich gut daran, wie es mit dem Mahagoni lief: Es gab eine enorme Nachfrage und die Regierung hat es nicht geschafft, den Handel zu kontrollieren. Mahagoni wurde überall geschlagen, selbst in den indigenen Schutzgebieten.

fairkehr: Welche Auswirkungen hat der Biotreibstoffboom auf die Bauern?

Feitosa: Die Kleinbauern geraten unter Druck, Agrotreibstoffe zu produzieren. Es besteht das Risiko, dass sie darüber ihren traditionellen Anbau von Nahrungsmitteln wie Kaffee, Kakao, Reis, Bohnen, Mais und Maniok und die Nutzung von Produkten des Waldes wie Kautschuk oder Baumöle aufgeben. Es gibt zwar positive Erfahrungen mit nachhaltigen Landwirtschaftsmethoden, sogenannten Agroforstsystemen, die Baumschutz mit Feldanbau kombinieren. Wenn es aber keine entsprechenden Steuerungsmechanismen gibt, werden diese positiven Entwicklungen nicht weitergeführt.

fairkehr: Werden die brasilianischen Umweltbehörden aktiv?

Feitosa: Das Problem ist die schwierige Kontrolle. Die Satellitenüberwachung greift zu spät. Sie zeigt die Zerstörung erst, wenn sie bereits geschehen ist. Großproduzenten können also auf weiten Flächen Wald roden und die Regierung merkt es erst, wenn die Bäume in Flammen stehen oder bereits gefällt sind.

fairkehr: Was ist also zu tun?

Feitosa: Die ausländischen Konsumenten der Agrotreibstoffe müssen von produzierenden Ländern wie Brasilien fordern, dass sie Waldschutz betreiben. Und zwar nicht nur zum Schutz des amazonischen Regenwaldes, sondern auch des Savannenwaldes oder des Strauchwaldes – sämtliche Ökosysteme sind bedroht. Treibstoffe auf Pflanzenbasis können Waldflächen in eine einzige große grüne Wüste verwandeln, in eine einzige Plantage, so wie es bereits in Mato Grosso der Fall ist mit dem Soja.

fairkehr: Gibt es Alternativen?

Feitosa: Die Fachleute der Staaten, die Biotreibstoffe verwenden wollen, müssen Produktionsformen finden, die den Mischanbau ermöglichen. Der Anbau muss in das erwähnte Agroforstsystem integriert sein. Auf diese Weise wäre tatsächlich eine bessere CO2-Bilanz durch Agrotreibstoffe gegeben. Als Problem kommt hinzu, dass der Anbau in Monokultur für Brasilien immer gleichbedeutend ist mit der Konzentration von Landbesitz in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer.

fairkehr: Was heißt das für die dort lebenden Menschen?

Feitosa: In Amazonien regiert das „Gesetz des 12ers“. So benennt die einheimische Bevölkerung die herrschende Gewalt. 12 steht für das Kaliber einer Waffe, wie sie von Banditen und Milizen eingesetzt wird. Diese werden von Farmern, sogenannten Grileiros, angeheuert, die sich riesige Waldstücke angeeignet haben. Viele einheimische Familien, sogenannte Ribeirinhos, das sind Flussanwohner, wurden durch das „12er-Gesetz“ gezwungen, ihr Stück Land, ihre Kautschuk- oder Paranusspflanzungen aufzugeben. Heute leben diese Familien in schwierigen Verhältnissen am Rand der amazonischen Städte in der Hoffnung, eines Tages dorthin zurückkehren zu können, wo sie einst beheimatet waren. Deshalb sind die kombinierten Schutz- und Nutzgebiete – die ResEx (Reservas Extrativistas) – so wichtig: Sie ermöglichen den Ribeirinhos die Rückkehr.

fairkehr: Wie sieht Ihr Konzept der ResEx-Schutzgebiete aus?

Feitosa: Die Sammelreservate ResEx werden ein sicherer Ort, denn dort verpflichtet sich der brasilianische Staat die physische, kulturelle und soziale Integrität eines Gebietes und seiner Bewohner zu schützen. Außerdem steht in den ResEx die Artenvielfalt – der Wald und seine Flüsse – unter Schutz. Das ist eine sehr wichtige Maßnahme, denn die völlig vernachlässigte traditionelle Bevölkerung hat dadurch erstmals die Möglichkeit, ihre Rechte geltend machen zu können: Die Bevölkerung taucht aus der Unsichtbarkeit auf und verschafft sich auf lokaler, regionaler und sogar internationaler Ebene Gehör.

fairkehr: In Deutschland hoffen viele Menschen, dass der Import von Pflanzentreibstoffen zertifiziert wird, damit sichergestellt ist, dass der Anbau der Energiepflanzen sozial verträglich und ökologisch erfolgt. Sehen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zertifizierung in Brasilien kommt?

Feitosa: Ich glaube fest daran. Wir müssen wissen, woher das Fleisch kommt, das Öl oder das Soja, das wir täglich essen. Diese Produkte dürfen nicht aus Konfliktgebieten kommen, wo Rinderherden einheimische Kleinbauern und indigene Völker vertreiben und wo Sklavenarbeit, Gewalt und Vernichtung des Waldes feste Bestandteile der Produktion sind. Die Zertifizierung und Offenlegung der eingesetzten Mittel sind der einzige Weg, mit den gravierenden Missständen aufzuräumen.
     
     Foto:http://www.goldmanprize.com
     „Hier in Amazonien gibt es den weltweit größten Korridor von zusammenhängenden Schutzgebieten. Es ist wichtig, das Leben der hier ansässigen und vom Wald abhängigen Bevölkerung zu schützen sowie den Fortbestand des Waldes und der natürlichen Ressourcen zu garantieren. Dies müssen die lokalen, regionalen und nationalen brasilianischen Behörden jetzt verbindlich umsetzen.“
Tarcísio Feitosa da Silva

 
Tarcisio Feitosa da Silva kommt im
September 2007 für eine Vortragsreise
nach Deutschland. Interessenten bitte
melden bei: ASW – Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V., Hedemannstr. 14; 10969 Berlin, http://www.asw net.de, E-Mail: tina.kleiber@aswnet.de

Der macht nicht nur arm, er vernichtet auch den Wald & Umwelt ...

http://www.fairkehr.de/
Vorstellungsgespräch bei einer Leihbude?
ZAF Fragebogen
Passwort: chefduzen.de

flipper

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Biosprit macht arm
« Antwort #2 am: 04:07:30 So. 29.Juni 2008 »
Zitat
Original von CubanNecktie
Feitosa: Ich glaube fest daran. Wir müssen wissen, woher das Fleisch kommt, das Öl oder das Soja, das wir täglich essen. Diese Produkte dürfen nicht aus Konfliktgebieten kommen, wo Rinderherden einheimische Kleinbauern und indigene Völker vertreiben und wo Sklavenarbeit, Gewalt und Vernichtung des Waldes feste Bestandteile der Produktion sind. Die Zertifizierung und Offenlegung der eingesetzten Mittel sind der einzige Weg, mit den gravierenden Missständen aufzuräumen.

nett und wird seit über dreissig jahren versucht, aber hat uns nicht annähernd zur schwelle der wirksamkeit gegen das herrschende system gebracht.
ein paar cooperativen sollen das schaffen was der ganze ostblock nicht durchsetzen konnte?

halt ich für unmöglich. die leichenberge für biosprit für die strassengeländewagen mancher PS-idioten hier werden sich weiter türmen, und die geilen sich an solch "offengelegten zuständen" glatt noch auf wie ich die kenne, auch daher bezweifele ich die wirkung solchen marketings  :(
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Kuddel

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