Autor Thema: Ausbeutung von Burn-Out-Kranken in wirtschaftsgesponserten Behindertenwerkstätten  (Gelesen 11903 mal)

flipper

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heute hat mir schon wieder ein betroffener und informant aus der szene psychisch kranker über das blühende ausbeutergeschäft der jetzt voll neoliberalisierten reha-industrie berichtet:

die deutschen "partystudium und krankfeier"-sozialarbeiter schicken seit jahren und seit hartz4 immer mehr in grossem "workfare"-stil die bewohner von wohnheimen mit "betreutem wohnen"  in drittem-reich-ähnlicher zwangsarbeit zu 50c/h in sog. "behindertenwerkstätten",

die anscheinend sehr profitabel von einem korrupten filz aus wohnheimsozialarbeitern und betreibern dieser "gGmbHs"(?) unter der duldung von behörden und amtlichen betreuern betrieben werden. wer sich weigert, das fremdbestimmte und ausbeuterische "tagesstrukturangebot", dass wie jede sog. "arbeitstherapie" jeder wissenschaftlichen medizinischen indikation entbehrt (ausser gestellt von neoliberalen medizinern, die gesellschaftliche beschränkungen gerne in persönliche beschränktheiten der patienten umlügen und hartz4 zuarbeiten)

und nur der vorbereitung zur leichteren entsorgung durch die ARGEn in spätere 1€-jobs dient (demnach wären ja auch unternehmer, die ihre tagesstruktur selbst bestimmen, derart "behandlungsbedürftig" und wer glaubt oder behauptet er würde mit dem eintrag im lebenslauf noch an irgendeinem noch so billigen personalentscheider vorbeikommen, der braucht wirklich einen neurologen),  anzunehmen, bekommt erst gar keinen wohnheimplatz oder fliegt fristlos auf die strasse.

angeblich kämen die an dieser korruption beteiligten sozialarbeiter jedes jahr mit einem neuen auto zur arbeit (seltsam bei dem bekannt geringen gehalt von der stadt, das die wert sind) und die geschäftsführer dieser behindertenwerkstatt fahren bmw der oberklasse.

das ist nachvollziehbar, denn ein gewisser hersteller von hochdruckreinigern z.b. zahlt gut genug für das outsourcingangebot dieser rehabonzen für "Ersatzteilverpackung" auf kosten der anscheinend profitabel verwertbaren restarbeitskraft psychisch kranker und behinderter.

mein informant kopiert gerade alle unterlagen, insbesondere sein "mietvertrag" und "arbeitsvertrag" zum auseinandernehmen hier.  :aggressiv>
sittenwidrig, 50c/h, der leistungsdruck ist nicht 1/20 sondern min. 1/2 dem von akkordverpacker/innen, aus denen will er jetzt arbeitslohn vorm arbeitsgericht rausklagen.
ich hab ne anoyme anzeige wegen steuer- und sozialabgabenhinterziehung empfohlen, kommt bestimmt auch gut gegen solche "ratten&schmeissfliegen" (c) F.J.Strauss, die über die schwächsten der gesellschaft herfallen  :evil:

viel glück  :cheer:

P.S.: das "antipsychiatrie-netzwerk" einer gewissen amerikanischen commerzsekte bleibt mir bitte aus diesem thread.
"Voting did not bring us further, so we're done voting" (The "Caprica Six" Cylon Model, BSG)

flipper

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irgendwie erinnert mich das an Ulrike Meinhof und Ihr damaliges engagement für heimkinder in den widerlichen kinderheimen der BRD der 60er jahre  :(

solche zustände haben wir heute wieder.
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1984

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Zitat
Original von flipper

angeblich kämen die an dieser korruption beteiligten sozialarbeiter jedes jahr mit einem neuen auto zur arbeit (seltsam bei dem bekannt geringen gehalt von der stadt, das die wert sind) und die geschäftsführer dieser behindertenwerkstatt fahren bmw der oberklasse.

Das kann schon sein. Der Durschschnittsozialarbeiter verdient zwar, sofern er nach Tarif bezahlt wird, relativ wenig. Dazu kommt, dass es in diesem Bereich nicht unüblichist, dass viele früher reguläre Stellen mit Honorarkräften (Scheinselbstständige) besetzt werden, die für 5 Euro die Stunde arbeiten müssen / sich ausbeuten lassen.

Erklärt wird dies dadurch, dass es leider nicht anders ginge, da weniger Geld zur Verfügung stünde und den "armen Menschen" doch geholfen werden müsse (wobei die Realität so aussieht, dass Sozialarbeitern ihren Klienten sehr oft mehr schaden als helfen).

Aber! Es stimmt zwar, dass oft weniger Budget vorhanden ist. Damit lässt sich die enorme Ausbeutung in diesem Bereich jedoch nicht alleine erklären.

Die Trägervereine leisten sich inzwischen meist fachfremde Geschäftsführer (Betriebswirte), die die neolibaralen Konzepte durchpeitschen. Diese Geschäftsführer werden dafür ordentlich entlohnt.

Zudem hat sich in vielen Bereichen eine Kaste übertariflich bezahlter Sozialarbeiter (ich habe selbst eine Stellenausschreibung mit einem Startgehalt von über 60.000 Euro im Jahr gesehen). Diese Menschen haben dann offiziell eine Leitungsfunktion. Dazu gehört z.b. die Abstimmung mit der Geschäftsführung. Kontakt zu Klienten, bzw. Kunden wie es heute heisst, haben diese "Edel-Sozialarbeiter" kaum noch.

Dafür stellen sie sich dann z.b. gerne vor das Sozialarbeiter-Fussvolk (die dann z.b. knapp 12 Euro die Stunde verdienen) und die Klienten (meist ALG II Empfänger) hin und brüsten sich damit, dass der Volvo nicht mehr gut genug sei und als nächstes Auto doch ein schicker Benz hermüsste. (habe ich selbst erlebt)

Von daher bin ich sehr geneigt, das oben genannte mit den Autos zu glauben.

flipper

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Zitat
Original von 1984
Diese Menschen haben dann offiziell eine Leitungsfunktion.

für mich sind das keine sondern so wesen die gern trüffel mögen.
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1984

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Hier mal ein Beispiel für die Ausbeutung durch "Sozialarbeitsvereine":

Die Taschen des Frankfurter Designer Labels "Affentor" werden bei der Werkstatt Frankfurt von Ein-Euro-Jobbern gefertigt.
Quelle: Labournet: Tatort Werkstatt Frankfurt
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/allg/werkstatt.html

Die taschen werden dann zu schicken preisen verkauft. Könnt Ihr Euch selbst mal angucken:

http://www.affentor.de

Wieso sollte man also die Produktion nach Asien verlegen? Geht doch auch hier! *gggrrrrrrrrr"

Hamburgerin

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Zitat
Original von 1984

Wieso sollte man also die Produktion nach Asien verlegen? Geht doch auch hier! *gggrrrrrrrrr"

Und Bummeln gilt nicht! Wer bummelt wird sanktioniert. Schließlich müssen die 38,5 Arbeitsstunden 100%ig ausgefordert werden.

*Arrrrrgh*, 38,5 Stunden = 38,50 Euro/Woche, oder gibts 1,50/std?, dann sind es 57,75/Woche = 157,- bzw. 231,- Euro im Monat. Bei uns in HH gibts maximal 180,- im Monat, ganz egal wie lange die dich im EEJ knechten. Und dabei kommen die sich auch noch großzügig vor.
Eine Tasche kostet mindestens 29,- die teuerste 139,- - da muss die EEJobberin aber lange die Maschine schnurren lassen, um sich so ein Edeltäschchen zu kaufen. Pfui.

Hartzhetzer

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Zu diesen Thema kann ich auch einiges Erzählen da ich aufgrund meiner psychischen Erkrankung auch schon einige Erfahrungen mit Betreuern, Ärzten, Behindertenwerkstätten gesammelt habe.

Diese Erfahrungen haben dazu geführt das ich mir über folgende Punkte völlig im klaren bin:

Nie wieder Betreuung
Keine Arbeit in einer Behindertenwerkstatt

Zur Betreuung:

1. Ambulante Wohnbetreuung (Verein über den die Betreuung läuft ist der Wege eV )

Diese läuft im Dezember dieses Jahres bei mir ab, ich habe sie nicht verlängert.
Man muss sich das so vorstellen das man eine/n Betreuer/in hat mit der man sich einmal pro Woche für ca. 1 Stunde trifft und dann über seine Probleme redet. Der Witz an der Sache ist bloß der das einen diese Leute nicht wirklich helfen können diese Probleme zu lösen. Das einzige was sie tun können ist einen zu einer Behörde zu begleiten oder beim ausfüllen eines Antrages behilflich zu sein, das jedoch kann auch ein normaler Sozialarbeiter den ich bei Bedarf freiwillig aufsuchen kann.
Ich wurde über ein Jahr lang Betreut, während dieser Zeit wurde die Person die mich betreut ausgewechselt, worüber ich im nach hinein ganz froh bin, denn die Betreuerin die ich nach den Wechsel bis zum Ablauf meiner Betreuung habe behandelt mich wenigstens wie einen gleichwertigen Menschen. Sie gibt offenen zu das sie mir nicht groß helfen kann und gibt mir keine dummen Antworten.

Bei der Betreuerin Frau 1 die ich vorher hatte sah das anders aus, hierzu muss ich aber etwas weiter ausholen.

Ich hatte Anfang 2008 eine sehr schwere Erkrankung die mich als Nachwirkung in eine schwere Depression gestürzt hatte, die mehrere Monate anhielt. Während meiner Depression war ich erst Stationär, dann Tagesklinisch in Behandlung. Da es mir sehr schlecht ging hatte ich überhaupt kein Interesse mehr am Leben und erst recht nicht daran mich um irgendwelchen Behördenmist zu kümmern. Daher habe ich mich dafür stark gemacht das ich einen Amtsbetreuer bekomme der sich um meinen Papierkram kümmert. Dieser Amtsbetreuer hat nichts mit der ambulanten Wohnbetreuung zu tun, auf ihn komme ich später noch zu sprechen.

Es war im Sommer 2008 da erhielt ich die Nachricht das mein Mitbewohner (zu diesen zwang mich die ARGE 2006, da meine Wohnung deren Meinung nach zu groß war) ausziehen wollte. In dieser Zeit war ich bereits Empfänger einer niedrigen EU Rente die mit Sozialhilfe aufgestockt werden muss. Da die Sozialhilfeleistung auf ähnliche Gesetze wie ALG II beruht stand nun nach Auszug meines Mitbewohners wieder das gleiche Problem im Raum, dass meine Wohnung zu groß für mich sei.
Da es mir zu dieser Zeit sehr schlecht ging wurde mir von Seiten der Uni Klinik  Empfohlen ins Haus CHIRON (findet man auf der Website des Wege eV, gelbe Schrift) zu ziehen. Es wurde mir zugesagt das man sich um alles kümmern werde, unter anderem auch darum wo ich meine Möbel unterstellen könnte. Mein Amtsbetreuer kündigte im September 2008 auch gleich meine Wohnung, denn das Ziel war ja das ich im Januar 2009 im Haus CHIRON einziehen würde.

Ende September 2008 wurde ich aus der Tagesklinik entlassen und sollte mich mit ambulanten Hilfsangeboten über Wasser halten. Die Zeit verging, inzwischen war es schon Anfang November 2008 und niemand hatte sich bei mir gemeldet zwecks Unterstellung meiner Möbel usw..
Während dieser Zeit kamen bei mir auch bedenken bezüglich des Haus CHIRON auf.
Zu folgenden Bedingungen muss man dort leben:

  • Wohnt man in dieser so genannten Familienorientierten Wohngemeinschaft “Haus CHIRON” wird die gesamte Rente und Sozialhilfe die man bezieht Einbehalten. Man bekommt pro Monat 100 € Taschengeld, viel zu wenig Geld um sich Handy, Tabak, Monatskarte und darüber hinaus mal ein extra leisten zu können.
  • Pro Woche darf man eine Nacht (von Samstag zu Sonntag) außerhalb verbringen. Will man darüber hinaus mal woanders schlafen muss man Urlaub beantragen, man hat im Jahr 30 Tage Urlaub zur Verfügung.
  • Will man Besuch empfangen muss man das vorher anmelden.
  • Wohnen tut man in einem kleinen Zimmer das ca. 10-15m2 groß ist.
  • Mehrere Bewohner auf einer Etage müssen sich WC und Dusche teilen.
hhh
Eines der Ambulanten Hilfsangebote bestand darin das ich im Haus CHIRON für 1€ am Tag Mittagessen durfte, damit sollte erreicht werden das ich mich dort schon mal einleben kann. Dabei musste ich feststellen das das Klima in dieser Einrichtung wenig familiäres an sich hatte. Bis auf einen Bewohner mit dem man sich Unterhalten konnte waren alle anderen schweigsam. Man musste denen jedes Wort aus der Nase ziehen, was dann auf Dauer dazu führt das man es lieber sein lässt mit diesen Leuten in Dialog zu treten. Mir kam das dort alles irgendwie so gezwungen vor und ich konnte mir auch nicht vorstellen mit solchen Menschen Tag für Tag auf so engen Raum zusammen zu leben.
Dann habe ich einen Betreuer gefragt ob es auf dem Zimmern Antennenanschlüsse gibt damit man sich ab und zu mal etwas im Fernsehen anschauen kann, insofern man ein Fernseher besitzt. Zur Antwort bekam ich das es keine Antennenanschlüsse gebe und man den Fernseher auf seinen Zimmer nur für Video und DVD usw. nutzen könnte. Aber eigentlich, so meinte er sei das ja auch gar nicht erwünscht das die Leute in ihren Zimmern allein Fernsehen, schließlich gäbe es ja einen Fernsehraum. Ganz ehrlich, auf so eine Art von Zwangsgemeinschaft in der ich mit anderen noch über das TV Programm  diskutieren muss kann ich gern verzichten.
Aber es kommt noch besser, ich fragte Ende Oktober die Leiterin des Hauses wo ich den nun meine Möbel unterstellen könnte, daraufhin antwortete sie mir das sie dafür nicht zuständig sei obwohl sie bei den damaligen Gespräch wo mir Hilfe in dieser Angelegenheit zugesagt wurde mit dabei war.

Diese Aussage war für mich der endgültige Bruch mit dem Haus CHIRON. Ich wendete mich zwar in dieser Angelegenheit noch an einen Sozialarbeiter der Uni Klinik der für Mitte November 2008 eine Helferkonferenz zu der Thematik organisierte, suchte mir aber parallel dazu eine eigene neue Wohnung, da ich das Vertrauen zu diesen Leuten bereits verloren hatte.
Die Wohnungssuche erfolgte unter enormen Zeitdruck, da meine alte Wohnung ja bereits zu ende Dezember 2008 gekündigt war und wir es schon Anfang November hatten. Da es ja so schon schwer ist eine Wohnung zu Hartz IV Bedingungen zu finden kann sich bestimmt jeder vorstellen wie schwer das ist wenn einen die Zeit im Nacken sitzt. Unter diesen Voraussetzungen war es mir nur möglich eine Preiswerte 1 Raum Wohnung am Stadtrand zu finden.

Kaum hatte ich mir die neue Wohnung organisiert war es schon wieder Mitte November und die Helferkonferenz fand statt. Bei der Konferenz waren die Leiterin des Haus CHIRON, der Sozialarbeiter der Uni Klinik, mein Amtsbetreuer und Frau 1 vom ambulant betreuten Wohnen anwesend.
Auf meine Frage hin was den nun wegen der Unterbringung meiner Möbel sei antwortete mir Frau 1 folgendes:
"Entschuldigung das sich solange niemand um diese Angelegenheit gekümmert hat aber wir konnten erst Anfang November tätig werden da der KSV (kommunaler Sozialverband, quasi ein übergeordnetes Sozialamt) uns vorher noch keine Zusage erteilt hat das er die Kosten für die ambulante Wohnbetreuung übernimmt.
Wir haben uns kundig gemacht und müssen ihnen mitteilen das der KSV die Lagerung ihrer Möbel nicht bezahlt, dies müssten sie von ihrem Taschengeld selbst bezahlen. Aber normalerweise ist es ja so, dass sich diejenigen die in so eine Einrichtung ziehen von ihren Möbeln, Technischen Geräten usw. trennen. Schließlich bekommt man ja Geld für einen Erstbezug wenn man aus der Betreuungseinrichtung wieder auszieht."

Anmerkung:
Na klar Frau 1 ich tue alle Dinge die ich mir bis jetzt angeschafft habe unter Verlust Verkaufen, Entsorgen und Verschenken, bloß um dann zu den bereits genannten Bedingungen in einer Zwangsgemeinschaft mit lächerlichen 100 € Taschengeld im Monat leben zu müssen.
Außerdem glaube ich kaum das, dass Geld was einen der KSV nach Bittstellung zahlt ausreicht um sich alle Dinge von denen man sich getrennt hat NEU (nicht gebrauchter Dreck) kaufen zu können.

Als ich diese Aussage von Frau 1 erhalten hatte, habe ich den dort anwesenden Herrschaften nur Mitgeteilt das ich mir bereits eine neue Wohnung besorgt habe und ich auf keinen Fall in das Haus CHIRON ziehen werde.

Da es jetzt schon Mitte November war hatte ich noch ca. 6 Wochen Zeit die neue Wohnung Bezugsfertig (Tapezieren, Malern usw.) und die alte Wohnung leer und Übergabebereit  zu machen. Zu der sehr knappen Zeit kam noch hinzu das es mir gesundheitlich schlecht ging und die Tatsache das ich ja gezwungen war an meinen eigenen Untergang zu arbeiten. Mit dem arbeiten am eigenen Untergang meine ich das Leerräumen und demontieren meiner alten Wohnung in der ich sehr gern gewohnt habe.

Das ende vom Lied war das der Umzug bis Ende Januar gedauert hat, ich also im Januar doppelte Miete zahlen musste. Das ich den Großteil der Umzugszeit Stationär auf der Psychiatrie verbracht habe, was bedeutet das viele Umzugsarbeiten an meinen Freunden hängen geblieben sind. Selbst im Februar 2009 war ich noch Stationär, ich bin dann fast täglich für ca. 5 Stunden von der Klinik zu meiner neuen Wohnung gefahren um diese Einzurichten. Das war ein Chaos in der neuen Wohnung, denn die Umzugsfirma hatte sämtliche Möbel, Geräte usw. aus meiner 3 Raum Wohnung in die neue 1 Raum Wohnung gebracht und erst mal dort abgestellt wo Platz war. Alles stand durcheinander Schrankteile, Geräte, Umzugskartons, man musste alles mehrmals hin und her räumen bis dann alles seinen endgültigen Platz hatte.
Von der wirtschaftlichen Seite her bedeutet dieser Zwangsumzug für mich einen sehr hohen Verlust. Viele Einrichtungsgegenstände musste ich entsorgen, an dritte (Familie, Freunde) weggeben und einiges ist bei der Demontage kaputt gegangen. Diesen Entstandenen Schaden ersetzt mir natürlich niemand, das ist einzig und allein mein privates Problem. Im Gegenteil es werden noch weiter Unkosten auf mich zukommen, denn ich habe es nicht geschafft meine alte Wohnung wieder herzurichten (Übergabefertig zu machen).

Natürlich hatte ich in dieser schweren Zeit von offizieller Seite (Betreuung, KSV) sehr viel Unterstützung bekommen. Mein Amtsbetreuer organisierte eine Umzugsfirma für 390 € für ende Januar 2009. Diese 390 € wurden sogar vom KSV als einmalige Umzugsbeihilfe übernommen. Kosten die über diese lächerlichen 390 € hinaus gingen zB. für Tapete, Farbe, Arbeitsplatten für die Küche, um mal einiges zu nennen waren natürlich auch wieder mein Privatvergnügen.
Frau 1 muss ich hier auch noch mal erwähnen, sie gab mir den Tipp im Supermarkt nach Bananenkartons zu fragen. Dann half sie mir beim Ausräumen meiner Küche mit, wobei ich mir anhören musste das ich ja viel zu viel Kücheninventar besitze. Ihrer Meinung nach sollte ich mich doch von einigem trennen, der Haken an der Sache war bloß der, dass Frau 1 nicht bereit war ihre Geldbörse zu öffnen und mir jeden Gegenstand von dem ich mich trenne zum Neupreis zu ersetzen.

Als ich dann im Mai 2009 nochmals Tagesklinisch in Behandlung war fragte ich den dortigen Sozialarbeiter ob den die finanzielle Unterstützung meines Umzugs nicht höher ausgefallen wäre, wenn ich erst nach schriftlicher Aufforderung des KSV meine Unterkunftskosten zu senken umgezogen wäre.
Er meinte ja, aber so wie es gelaufen ist war es schon gut.

Was war daran gut? Wirkliche Hilfe wäre doch gewesen mir zu empfehlen erst mal solange in meiner Wohnung zu bleiben bis der KSV von mir eine Senkung der Unterkunftskosten verlangt. Denn da mein Mitbewohner ja erst im November 2008 ausgezogen ist hätte ich nach Aufforderung des KSV (diese wäre vor Dezember 2008 nicht gekommen) erst zum Sommer 2009 meine Unterkunftskosten senken müssen. So weit ich weiß geben die einen dazu 6 Monate Zeit, in der Zeit hätten die auch die tatsächlichen Kosten meiner Wohnung getragen.
In diesen 6 Monaten hätten sich dann meine Betreuer in Zusammenarbeit mit den Ärzten der Uni Klinik dafür stark machen können, das mir Aufgrund meiner Erkrankung kein Umzug zuzumuten ist und ich in meiner Wohnung bleiben kann. Hätten die das nicht geschafft wäre mir immer noch mehr Zeit als 6 Wochen geblieben um Umzuziehen.

Sonstige Dialoge mit Frau 1 die ich hier gesondert erwähnen möchte:

Im Dezember 2008 äußerte ich Frau 1 gegenüber das mich der ganze Umzugsmist nervt und ich endlich mal wieder meine Ruhe haben will, damit ich wieder gesund werden kann. Frau 1 antwortete mir allen ernstes, Herr S wären sie in die Haus CHIRON gezogen dann hätten sie in Ruhe gesund werden können. Da bin ich dann etwas laut geworden, habe die hier schon im Forum genannten Lebensbedingungen im Haus CHIRON aufgezählt, sie daran erinnert das ich mich von meinen ganzen Möbeln und Geräten hätte trennen müssen und sie gefragt wie man unter solchen Voraussetzungen gesund werden soll. Ich bin sogar noch einen Schritt weiter gegangen in dem ich äußerte das solche miserablen Lebensbedingungen einen zusätzlich krank machen.
Die Reaktion von Frau 1 war mich darauf hinzuweisen das ich mich doch Sachlich äußern solle und sie auf so einem Niveau nicht diskutieren würde.
Man muss sich das überlegen, die Frau 1 erzählt mir so einen Müll und erwartet tatsächlich das ich ruhig bleibe?

Einmal habe ich mich Frau 1 gegenüber geäußert das mein Geld kaum reicht um über den Monat zu kommen, da hat mir Frau 1 die Tafel empfohlen.
Darauf hin habe ich Frau 1 Fakten über die Tafel genannt, die ich unter anderem aus diesen Forum erhalten habe. Das hat Frau 1 nicht im geringsten beeindruckt, im Gegenteil sie blieb bei ihrer Meinung das ich doch zur Tafel gehen könnte.

Bei einem anderen Gespräch erwähnte ich Frau 1 gegenüber das es eine Sauerei sei, das man trotz Erwerbsunfähigkeit und 40 % Schwerbeschädigung von diesem geringen Hartz IV Hungergeld leben müsse. Frau 1 war natürlich auch hier wieder voll in ihrem Neoliberalen  Element als sie mir antwortete das ich doch froh sein könnte das ich überhaupt Geld vom Staat bekomme, in Südamerika würden die psychisch Kranken schließlich gar nichts bekommen.

Die beste Aussage von Frau 1 war jedoch die, das die Lebensqualität nicht von der wirtschaftlichen Lage in der man sich befindet abhängig ist. Man kann also ihrer Meinung nach auch ohne Geld glücklich und zufrieden Leben. Bei solch einer Äußerung drängt sich mir die Frage auf wer wohl eher in die Psychiatrie gehört, ich oder Frau 1?

Fazit:

Man muss sich überlegen das der KSV ca. 300 € im Monat an den Wege eV für meine Betreuung zahlt. Der KSV zahlt diese Kosten nur dann wenn man ein Sozialfall ist und weniger wie 2600 € Ersparnisse hat, ansonsten muss man die Betreuung aus eigener Tasche bezahlen.
Aber selbst wenn der KSV wie in meinen Fall die Kosten übernimmt werden die Eltern finanziell bis auf die Knochen durchleuchtet um über diese eventuell die Betreuung mitfinanzieren zu können.
Meine Mutter fand das natürlich weniger schön, genauso wenig wie ich. Als ich Frau 1 deswegen ansprach meinte diese bloß das sie es legitim finde das die Eltern auch bei Volljährigkeit zur Finanzierung der Betreuung gezwungen werden.
Meiner Meinung nach wäre es Sinnvoller die Betreuung wegzulassen und das Geld was der KSV für diese bezahlt direkt an den Betroffenen zu Überweisen. Mithilfe des zusätzlichen Geldes könnte der Kranke dann sein leben freier, selbstständiger  und unabhängiger gestalten, anstatt mit irgendwelchen neoliberalen Gefasel abgespeist zu werden und weiterhin in Armut leben zu müssen.

2. Mein Amtsbetreuer:

Anfang Sommer 2009 (da ging es mir noch schlechter) war der Mann bei mir zum Hausbesuch. Er fragte mich was ich den machen würde wenn bei mir ein technisches Gerät kaputtgeht. Da antwortete ich das ich mir da eigentlich nur den Strick nehmen kann, weil ich kein Geld habe mir ein neues Gerät zu kaufen. Darauf entgegnete der Betreuer, aber Herr S wer braucht den schon technische Geräte zum Leben.
Auf diese Aussage bin ich damals nicht eingegangen weil sie mir einfach zu dumm war.

Vor kurzem war er wieder bei mir schaute in meine Papierablage und sah meinen Überprüfungsantrag . Daraufhin fragte er mich was ich den mit der ARGE zu tun habe. Ich erklärte ihn in meiner Antwort kurz um was es geht. Er antworte mir das er davon wüsste.
Nun frage ich mich wieso er mich von selbst nicht auf die Thematik hingewiesen hat, schließlich hat er ja davon gewusst.
Handelt er damit in meinem Interesse?

Ich glaube eher das der Mann hauptsächlich dazu da ist die Armut in der man leben muss zu Verwalten.
Mal ein Beispiel dazu:

Herr X lebt auf Hartz IV Niveau und hat einen Betreuer. In der 3. Woche des Monats hat Herr X kein Geld mehr zur Verfügung und das mehrere Monate hintereinander. Der Betreuer der das Konto von Herrn X stichprobenartig kontrolliert wird feststellen das Herr X mit seinen wenigen Geld nicht über den Monat kommt. Er muss eingreifen, was macht er?
Er schlussfolgert das Herr X mit sein Geld nicht umgehen kann und geht dazu über Herrn X sein weniges Geld über den Monat zuzuteilen, was eine zusätzliche Entmündigung für Herrn X bedeutet.
Jedoch die wahre Ursache für die Geldknappheit von Herrn X liegt doch nicht darin das er nicht wirtschaften kann, sondern das, dass Geld was er im Monat zur Verfügung hat einfach zu wenig ist. Würde der Betreuer Herrn X wirklich helfen wollen müsste er doch darum kämpfen das Herr X künftig mehr Geld pro Monat bekommt.



Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

Hartzhetzer

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3. Die Behindertenwerkstatt

Im Frühjahr 2009 entschloss ich mich mir einen Arbeitsplatz in einer Behindertenwerkstatt zu besorgen. Meine Hoffnung war das ich dann mehr Geld im Monat zur Verfügung habe. Mit Hilfe der Tagesklinik der Uni Leipzig organisierte ich mir ein Besichtigungstermin in folgender Werkstatt " Stötteritzer Werkstätten ", da dies die einzige Werkstatt in LE für psychisch Kranke ist.

Für den Besichtigungstag in der Werkstatt hatte ich mir mit Frau 1 ausgemacht das wir uns um 900 Uhr an der Haltestelle Kolmstraße treffen. Inzwischen war es 910 Uhr Frau 1 war nicht da. Da habe ich mir gedacht ich suche allein das Werkstattgelände auf und sehe mir das dort alles Selbstständig an. Nachdem ich das Gelände selbstständig aufgesucht und mich kurz Vorgestellt hatte sollte ich draußen noch einen Moment warten. Während ich wartete rief mich Frau 1 an und teilte mir mit das sie es verschlafen hat und gleich da wäre. Hätte ich also wie Vereinbart auf Frau 1 an der Haltestelle gewartet wäre ich zu spät gekommen.

Frau 1 war inzwischen da und der Werkstattrundgang ging los.
In einem Raum haben die Arbeiter Stifte für Heißklebepistolen sortiert. In einem 2 Raum wurden Kartons mit AOK Werbung gepackt und gefaltet. Im Pausenraum saßen auch einige die haben LWB Werbeaufkleber auf Sauerkrautdosen geklebt. Diese wurden dann von der LWB als Einzugsgeschenke an Neumieter verteilt. Das bloß mal um einen Eindruck zu Vermitteln was da für tolle Arbeiten verrichtet werden. Frau 1 war auch gleich ganz begeistert dies ließ sich zweifelsfrei an ihrer Aussage erkennen, na Herr S ist es nicht schön hier?

Nach der Besichtigung ging es ins Büro der Sozialarbeiterin, folgende Informationen erhielt ich dort:

Wenn die Rentenkasse die Arbeitserlaubnis für die Werkstatt erteilt (Antrag auf teilhabe am Erwerbsleben), kommt man in der Werkstatt auf eine Warteliste. Da die Wartelisten dort Momentan voll sind kann es bis zu ein 1/2 Jahre dauern bis man Anfangen kann in der Werkstatt zu arbeiten. Während dieser Zeit hätte man natürlich die Möglichkeit mehrere Praktika mit 14 Tage Dauer zu verrichten, natürlich unbezahlt.
Hinzu kommt das die Rentenkasse in etwa auch ein halbes Jahr braucht bis sie den Antrag auf teilhabe am Erwerbsleben bearbeitet hat.
Also nichts mit schneller und unbürokratischer Arbeitsstelle.

Wenn man dann tatsächlich mit Arbeiten beginnt hat man eine 2 Jährige Ausbildungszeit, was mich bei den Hochqualifizierten Arbeiten die dort so verrichtet werden natürlich nicht verwundert. Während der Ausbildungszeit kann man von der Rentenkasse Übergangsgeld bekommen. Die Bedingungen für dieses Geld findet man heraus wenn man das gelbe Wort anklickt.
Darüber hinaus bekommt man in dieser Zeit keine Entgeltliche Vergütung. Die Monatskarte bekommt man bezahlt, sowie ein gratis Mittagessen pro Tag. Nach den 2 Jahren entscheidet die Rentenkasse ob man wieder tauglich für den ersten Arbeitsmarkt ist oder ob man einen Dauerhaften Arbeitsplatz in der Werkstatt bekommt. Erst dann wenn man einen Dauerhaften Arbeitsplatz in der Werkstatt hat bekommt man seine Arbeit mit 100 bis 170 € pro Monat vergütet.
Die Tatsache das ich 4 Jahre Lebenszeit in das Projekt Werkstatt investieren muss bevor ich das erste Geld auf meinen Konto sehe hat mich natürlich ungemein motiviert.

Die tägliche Arbeitszeit dort beträgt 7 Stunden. Komisch das ich aber bei voller Erwerbsunfähigkeit nur 3 Stunden täglich auf den 1. Arbeitsmarkt Arbeiten darf. Da jedoch so ein Werkstättchen ja kein Betrieb des 1. Arbeitsmarktes ist sind täglich 7 Stunden unentgeltliches Arbeiten für einen Zeitraum von 2 Jahren OK.
Ich stehe bestimmt nicht früh um 500 Uhr auf, verlasse um 600 Uhr das Haus um dann von einem Stadtende zum anderen zu fahren und dort dann 7 Stunden ohne Entgelt zu arbeiten.

Eine wirklich Hilfe wäre es doch wenn man den Betroffenen eine Stelle auf den 1. Arbeitsmarkt anbieten würde. Diese Arbeitsstelle müsste mit 350 € im Monat Anrechnungsfrei vergütet werden. Die tägliche Arbeitszeit dürfte nicht länger wie 3 Stunden sein und Arbeitsbedingungen müssten Entschärft werden (geringer Stress und Zeitdruck). Firmen die so etwas unterstützen würden wären wirklich sozial.
Firmen die ihre Aufträge an Behindertenwerkstätten abgeben machen das Hauptsächlich wegen der für sie geringen Kosten. Dafür dürfen sie sich dann sozial nennen und der Staat fördert so etwas auch noch. Ich zitiere hierzu mal einen Text von der Webseite der Stötteritzer Werkstätten.

Zitat
Mit einem Auftrag helfen unsere Kunden nicht nur Arbeitsplätze zu sichern, sondern können darüber hinaus ihrem sozialen Engagement Ausdruck verleihen. Zum beiderseitigen Vorteil sind wir an stabilen und langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert. Unsere Geschäftspartner profitieren dabei in erster Linie von unserer Termintreue und einem sehr günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem können sich Unternehmen (gem. § 140 SGB IX) den Betrag für die auf der Rechnung ausgewiesenen Leistungen auf die zu zahlende Ausgleichsabgabe von ihrem jeweiligen Integrationsamt anrechnen lassen.

Zu dem letzten Satz im Zitat:

Ich habe hier ( Quelle ) nachgeschaut was eine Ausgleichsabgabe ist. Salopp gesagt ist es eine Strafgebühr wenn man die Arbeitsplätze des eigenen Unternehmens nicht zu einer vom Staat festgelegten Quote mit Behinderten besetzt. Dieser § 140 SGB IX ermöglicht es dem Unternehmen mit Bezahlung des Auftrags an die Werkstaat diese Strafgebühr erlassen zu bekommen. Der Unternehmer braucht tatsächlich keine Quote mehr zu erfüllen, den diese hat er Geldlich erfüllt sobald er der Werkstaat den Auftrag bezahlt.
So etwas fördert natürlich die Bereitschaft von Firmen enorm Behinderte zu einen ordentlichen Lohn bei ihrer Firma einzustellen.
Das alles ist in etwa genau so sozial wie die Tafeln.

Damit beende ich meine Beiträge, für dessen Länge ich mich entschuldigen möchte. Namen habe ich absichtlich nicht genannt. Diese Beiträge sollen andere kranke und behinderte ermutigen ihre eigenen Erfahrungen mit der neoliberalisierten reha-industrie und deren Handlanger zu schildern.

Schlusswort, wenn es einen wirklich sehr schlecht geht hilft einen die Psychiatrie schon, zumindest insofern das man wieder auf die Beine kommt. In allem was darüber hinausgeht sorgt sie hauptsächlich dafür die Betroffenen mit ihrem Schicksal zu versöhnen und diese so weit in Nullstellung zu bringen das sie für die Profitinteressen des ersten Arbeitsmarktes wieder attraktiv werden.
Hauptziel ist die Erschaffung von willigen Arbeitsvieh das anstandslos bereit ist ohne jegliches Wiederwort zu jeder noch so schlechten Bedingung zu leben.

Damit verabschiede ich mich

mfg



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Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

Zoe

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  • Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein
Hey Hartzhetzer,

und wie geht das jetzt weiter? Hast Du noch einen Betreuer? Warst du in der K.-T.-Str. in der Tagesklinik?
Gib mal ne Info!

Zoe
Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein

Alan Smithee

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@ hartzhetzer: Danke für deinen Bericht. Auch ich habe leider schon Erfahrungen mit dieser "Sozialindustrie" machen müssen; nur nicht so krass wie du. (Beiträge unter "Arbeit(?) und Krank"). Ich habe mich immer dagegen verwehrt, in diese "Sozialschiene" gedrückt zu werden, meine Maßnahmen basieren darauf, dass ich unfreiwillig von ARGE dazu verdonnert wurde. Ich habe Erfahrungen machen dürfen/müssen mit Sozialunternehmen, die helfen sollten, den Kranken / Behinderten angeblich in den "Arbeitsmarkt" zu integrieren. Um was für einen "Arbeitsmarkt" es sich handeln sollte, wurde nie definiert.

Das lief dann so ab, dass z.B ein gewisses Sozunternehmen und deren Tochterunternehmen  (Namen will ich nicht nennen, sind allerdings sehr bekannt in ganz D) mit diversen Maßnahmen an die ARGE tritt, und man dann als entsprechend Eingestufterin in einer dieser Maßnahmen zwangszugewiesen wird.

Zuallererst fängt es immer relativ harmlos an: bisschen BlaBla über Bewerbungen, teilweises Eingehen auf die schwierige Situation gerade für Kranke / Behinderte am Arbeitsmarkt blabla. Dann wird es schon persönlicher: Einzelgespräche mit den Sozarbeitern, die einen überwiegend nur über Krankheit / Behinderung aushorchen wollen (Scheinheiliges Pack; dabei haben sie schon längst alles über die ARGE erfahren, dürfen dieses Wissen allerdings nicht zeigen, weil sonst ja Schweigepflichtsverletzung durch Med. Dienst via ARGE) Ab und zu rutscht ihnen versehentlich was über die Lippen; und da weiß man schon: im Grunde ist der Sozarbeiter längst über alles informiert.

Ich habe nie was von mir erzählt, nur allgemeines Bla über Wetter, ja ja schon schlimm das mit den ganzen Arbeitslosen...-Und wenn dieser Typ dann so ganz "unauffällig" auf mich persönlich zu sprechen kam, habe ich mich extrem blöd gestellt, so:"... wie kommen sie darauf, dass ich in der Richtung krank bin? Ich verstehe jetzt nicht, was sie von mir wollen und worauf sie hinaus wollen...warum genau wollen sie das wissen?"  Aber ich war dabei nicht aggresiv, sonder habe äußerst erstaunt getan. Nach einem ganzen Vormittag mit diesem Sozarbeiter und dessen Verhör persönlichem Gespräch hat er dann ärgerlich abgebrochen und war dann auf einmal gar nicht mehr freundlich..da dachte ich mir: jetzt sehe ich dein wahres Gesicht!

Auf diese Ausfragerei Gespräche sind alle in dem Kurs eingegangen, außer ich. Die haben nicht nur von ihrer Erkrankung erzählt, sondern auch alles drumherum, Freunde, Lebensumstände e.t.c. Sie fanden auf Nachfrage meinerseits außerhalb des Kurses die ach so freundlichen Sozarbeiter auch noch toll und haben sich über mein Mißtrauen aufgeregt. Nach dem Motto: "Bist ja selber schuld, du willst dir ja nur nicht helfen lassen. Jetzt sei doch froh, dass man sich so individuell um dich bemüht. Bei der ARGE nimmt sich keiner die Mühe und Zeit..."

Ich habe dann meinen Mund gehalten. Das war zwecklos; die mußten ihre Erfahrungen eben erst selber machen.

Nach dieser ganzen Ausfragerei Anfangsphase sah man dann den Grund für dieses ganze Getue: Man sollte in Wirtschaftsunternehmen vermittelt werden, wo man auf unbestimmte Zeit ein unentgeltliches "Praktikum" absolvieren sollte. (Dieses riesige Sozunternehmen betreibt ganz zufälligerweise eine Zeitarbeitsfirma für prekär Beschäftigte...ist doch praktisch; so hat man gleich den passenden Betrieb parat..)

Mich konnte man dort leider nicht in ein Praktikum vermitteln; da sie offiziell nichts von meinen Erkrankungen wussten, war ihnen die Gefahr zu groß, dass ich dort krank werde oder einen Unfall aufgrund meiner Behinderung erleide, und somit der gute Ruf dieses Sozunternehmens geschädigt werden könnte. (hatten die doch in ihrer Broschüre: wir kümmern uns individuell um Menschen mit körperlicher und psychischer Erkrankung. Wir gehen auf ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse einfühlend ein...das übliche Gedöhns.) Nur leider war das nicht meine erste Maßnahme in der Richtung; ich wußte, dass ich dort so lange für umme ausgenutzt werde, und wenn die Gelder von der ARGE nicht mehr fließen, kümmert sich auch kein ach so freundlicher Sozarbeiter mehr um einen. Du musst die Hosen runterlassen, intimstes von dir preisgeben, auf das man dich "artgerecht" in eine unbezahlte Vollzeitstelle drückt.

Ich habe übrigens gleich in der "Anfangsphase" Telefonnummern mit 4 anderen Teilnehmern ausgetauscht. (Wichtiger Tip: bei egal welcher Maßnahme: gleich am Anfang ausloten, mit wem man sich gut versteht, und fragen, ob man die Telnummern austauschen könnte. Das kann sehr nützlich sein; denn von öffentlicher Seite wird ja immer der großer Erfolg von diesen Maßnahmen bejubelt..)

Jedenfalls mußten 2 von ihnen das "Praktikum" vorzeitig beenden; trotz der Kenntnisse, die die Sozarbeiter über diese beiden hatten, sind sie an Stellen vermittelt worden, die absolut unpassend (gesundheitlich) für sie waren. Ein andererer erzählte mir, dass er zwar die vollen 9 (!) Monate dort durchgezogen hatte, er wurde dort aber wie der letzte Dreck behandelt, weil alle Kollegen wussten, aus welcher Maßnahme er vermittelt worden ist. (ER hatte das denen nicht erzählt..). Eine andere (studierte Innenarchitektin) hat ebenfalls ihr Zeit abgearbeitet; allerdings durfte sie dies dann sehr "artgerecht" in der Spülküche eines Hotels; sie fühle sich komplett ausgenützt und herabgewürdigt.

Ich muss noch dazu sagen, dass die Länge der Praktikas von dem Bedarf des Unternehmens abhing; es ging von 4 Wochen bis hin zu 9 Monaten. Man wurde also überwiegend als Urlaubs- oder Krankheitsersatz kurzfristig über diese Sozunternehmen vermittelt.

Uii, jetzt ist gleich 11 Uhr, hab um 11.30 nen Termin beim Doc; meds holen für die Feiertage..aber war eh schon am Ende. Grüße an alle, die´s so lange mit meinem Bericht durchgehalten haben.












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Hartzhetzer

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Hey Hartzhetzer,

und wie geht das jetzt weiter? Hast Du noch einen Betreuer? Warst du in der K.-T.-Str. in der Tagesklinik?
Gib mal ne Info!

Zoe
Ich hatte gestern ein Schreiben von der Rentenstelle bekommen, die haben mich für den 29.12. zu einem Beratungsgespräch zwecks Rehabilitationsberatung eingeladen. Da ich da nicht in LE bin habe ich mir einen Termin für den 7.1.2010 geben lassen.
Ich weiß noch nicht so recht was ich denen dort sagen soll.

Denn:
Zitat
Eine wirklich Hilfe wäre es doch wenn man den Betroffenen eine Stelle auf den 1. Arbeitsmarkt anbieten würde. Diese Arbeitsstelle müsste mit 350 € im Monat Anrechnungsfrei vergütet werden. Die tägliche Arbeitszeit dürfte nicht länger wie 3 Stunden sein und Arbeitsbedingungen müssten Entschärft werden (geringer Stress und Zeitdruck).
so etwas werden die mir bestimmt nicht anbieten.

Den Antrag auf teilhabe am Arbeitsleben habe ich nicht gestellt weil ich scharf darauf bin jeden Tag früh bei Zeiten aufzustehen um dann irgendwo hinzugehen und dort mehrere Stunden unter Zeitdruck auf Anweisung eines dritten funktionieren zu müssen.

Nein ich habe den Antrag aufgrund der Armut in der ich leben muss gestellt, in der Hoffnung durch das verrichten einer fremd bestimmten Tätigkeit am Monatsende wenigsten so viel Geld zu haben das man einigermaßen befreit von dieser Hartz IV Armut ist.

Die Angebote die, die mir dort machen werden bedeuten für mich bestimmt früh bei Zeiten aufzustehen um dann irgendwo hinzugehen und dort mehrere Stunden unter Zeitdruck auf Anweisung eines dritten funktionieren zu müssen, das jedoch ohne finanzielle Vergütung.
Kurzum ein weiteres Leben in Armut gepaart mit den Daumenschrauben der Erwerbsarbeit.

Na und mit dem ersten Arbeitsmarkt kann mich auch niemand locken. Das bedeutet für mich Hartz IV gepaart mit Sklavenarbeit.
Was sonst soll mich denn auf den ersten Arbeitsmarkt erwarten?

Nehmen wir mal an man findet einen interessanten, gut bezahlten Job und bewirbt sich dort. Sobald die in deinem Lebenslauf lesen das du eine Erwerbsminderungsrente bezogen, in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet hast landet deine Bewerbung im Müll.
Denn wenn ein Chef die Auswahl aus 30 Bewerbungen pro freie Stelle hat sucht er sich den mit den besten Referenzen heraus und nicht jemand mit dem es eventuell Probleme geben könnte weil er höchstwahrscheinlich den Arbeitsanforderungen nicht gerecht wird.

Am liebsten würde ich den Leuten dort genau das sagen was ich hier in diesen Beitrag geschrieben habe.
Jedoch geht das nicht, denn wer sich diesen Leuten gegenüber so äußert hat die falsche Einstellung, ist ein fauler Sozialschmarotzer.
Vielleicht kann mir da jemand ein paar Tipps geben.

Zu den anderen Fragen:

Meinen Amtsbetreuer habe ich noch für die nächsten ein 1/2 Jahre. Ich habe diesen aber schon mitgeteilt das ich die Betreuung auf keinen Fall verlängern werde. Er meinte dazu, mal sehen wie es ihnen dann geht.
Für mich steht fest egal wie schlecht es mir in ein 1/2 Jahren geht ich werde alles daran setzen diesen Armutsverwalter wieder los zu werden.

Nein ich war nicht in der K.-T.-Str. sondern in der Uni Klinik LE in der Tagesklinik.

mfg
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

Alan Smithee

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@hartzhetzer: Also eine Bekannte von mir (die mit den psychischen Problemen; u.a. Angstzustände, soziale Phobie) spielt gerade ernsthaft mit dem Gedanken, sich eine Amtsbetreuung zuzulegen. Ich selbst kenne mich da nicht aus; kannst du mal näher gerade auf die Amtsbetreuung eingehen? Sie hat konkret die Befürchtungen, dass er sie in noch größere Schwierigkeiten mit der ARGE führen kann, wenn er irgendwelche Deals hinter ihrem Rücken mit der ARGE macht..ist diese Befürchtung gerechtfertigt? Auf was genau muss sie achten? Vielleicht meldet sich hier noch jemand anderes mit Erfahrungen auf diesem Gebiet. Nicht, dass sie vom Regen in die Traufe kommt.
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Ziggy

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Eine Amtsbetreuung ist sicher nicht wünschenswert. Besser wäre ein/e vom Gericht bestellter Betreuer/in, möglichst aus dem familiären Umfeld. Natürlich müsste da das persönliche Verhältnis intakt sein.

Meiner LG ist vom Gericht die Betreuung für ihren behinderten Bruder angetragen worden (auf  seinen Wunsch hin), sie hat angenommen und macht das jetzt schon einige Jährchen. Einmal im Jahr muß sie einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen.

Das Ganze hat Vor- und Nachteile: Zum einen hat man damit natürlich Arbeit, weil man eben als Betreuer bei allen wichtigen Entscheidungen kontaktiert wurd und dafür oder dagegen sein muß (den Schreibkram erledige meist ich, das ist meine Stärke). Das kann durchaus mal in Arbeit ausarten. Es gibt die Möglichkeit, eine Aufwandsentschädigung zu beantragen, das sind so ca. 600 EUR im Jahr. Aber Vorsicht damit: Sollte der Betreute einmal zu '"Vermögen" kommen, muß ER/SIE das aus eigener Tasche zurückerstatten ...!!! Deshalb verzichten wir darauf lieber.

Vorteil an unserer Geschichte ist, daß der Betreute möglichst selbstbestimmt lebt und halt auch mal "Funfe grade" sind, was bei einem Amtsbetreuer gar nicht geht. Es ist aber ganz wichtig, daß das persönliche Verhältnis stimmt, denn da gibt's auch mal richtig Zoff und es muß trotzdem funktionieren. Besser als amtlich ist es aber allemal.
Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.

Hartzhetzer

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@Alan Smithee der Ablauf ist im groben wie folgt:

Deine Bekannte sucht einen Sozialarbeiter auf. Diesen kann sie in einem psychosozialen Gemeindezentrum oder in der Ambulanz einer Klinik für Psychiatrie finden. Diesem teilt sie dann mit das sie gern eine Betreuung für Behördenangelegenheiten hätte.

Der Sozialarbeiter stellt dann beim Vormundschaftsgericht einen Antrag auf Betreuung.

Das Vormundschaftsgericht kontaktiert einen dann nach Eingang des Antrages. Nach dem es einen kontaktiert hat bekommt man einen Termin zum persönlichen Gespräch mit einem zuständigen Angestellten des Gerichtes. Sollte man es aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen das Gericht aufzusuchen besucht einen der/die Angestellte/r.

Bei diesem Termin wird dann mit den Betroffenen abgesprochen worin die Schwerpunkte der Betreuung liegen sollen, wie der Gesundheitszustand des Betroffenen ist, wie lange die Betreuung gehen soll und wer seiner Meinung nach der Betreuer sein sollte.
Das kann wie Ziggy es sagt jemand aus der Familie sein, es kann aber auch ein guter Freund oder hauptberuflicher Amtsbetreuer sein.

Nachdem der Mitarbeiter des Gerichtes die genannten Infos eingeholt hat teilt er diese dem Richter mit. Der Richter holt nun noch mittels eines unabhängigen Arztes ein medizinisches Gutachten ein. Sprechen die gesammelten Infos, das medizinisches Gutachten für eine Betreuung und ist auch die als Betreuer gewünschte Person damit einverstanden teilt einen der Richter vom Vormundschaftsgericht dann in einem persönlichen Gespräch mit wann die Betreuung beginnt und welche Schwerpunkte sie umfassen soll.

Schwerpunkte sind zum Beispiel Behördenangelegenheiten, Vermögensangelegenheiten, Gesundheitsfürsorge, um mal drei zu nennen.

Das ganze dauert in etwa ein dreiviertel Jahr. (bei mir hat es zumindest so lange gedauert bis alles geregelt war)

Persönliche Meinung zum Thema:

Es ist immer das beste wenn man von einer Person betreut wird der man vertraut/ die man persönlich kennt. Wie Ziggy schon sagt:
Zitat
Eine Amtsbetreuung ist sicher nicht wünschenswert. Besser wäre ein/e vom Gericht bestellter Betreuer/in, möglichst aus dem familiären Umfeld. Natürlich müsste da das persönliche Verhältnis intakt sein.
Deine Bekannte könnte im persönlichen Gespräch dem Mitarbeiter des Gerichtes mitteilen das sie gern von dir Betreut werden möchte. Das Vormundschaftsgericht würde sich dann diesbezüglich mit dir in Verbindung setzen. Bloß mal als Idee, so könntest du auf jeden Fall das:
Zitat
Sie hat konkret die Befürchtungen, dass er sie in noch größere Schwierigkeiten mit der ARGE führen kann, wenn er irgendwelche Deals hinter ihrem Rücken mit der ARGE macht..ist diese Befürchtung gerechtfertigt?
verhindern.

Ich selbst habe mich für einen Amtsbetreuer entschieden weil niemand aus meiner Familie oder Freundeskreis dafür in Frage kam. Das Problem war auch nicht das fehlende Vertrauen sondern die fehlende Freizeit der möglichen Personen.

Was die Befürchtungen deiner bekannten anbetrifft, so sind diese nicht ganz unbegründet. Der Amtsbetreuer ist meiner Meinung nach nichts weiter als ein Armutsverwalter den dein persönliches Schicksal egal ist. Das Problem ist nicht das er Absprachen hinter deinen Rücken trifft, sondern das diese Absprachen nicht in deinem Interesse sondern im Interesse der Behörden gemacht werden.

Hierzu mal zwei Beispiele:

Die Arge verlangt von deiner Bekannten die Unterkunftskosten zu senken. In diesem Fall wird der Betreuer sich nicht darum kümmern das deine Bekannte ihre Wohnung behalten kann, sondern darum der Auforderung der Behörde nachzukommen, quasi billigere Wohnung finden und Umzug organisieren.

Die Arge fordert von deiner Bekannten eine hohe Summe zu unrecht erbrachter Leistungen zurück. Der Betreuer wird sich in dem Fall nicht die Arbeit machen beim zuständigen Sozialgericht dagegen zu klagen. Nein, er vereinbart mit der Arge eine Rate für die Rückzahlung und wenn deine Bekannte es finanziell nicht schafft die Rate regelmäßig zu zahlen wird dieser ihr ihr Geld so zuteilen das die Rate an die Arge gedeckt ist.

Ich hoffe ich konnte dir mit dieser Auskunft etwas helfen @Alan Smithee

mfg





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Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

Alan Smithee

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@Ziggy & Hartzhetzer: vielen Dank für eure Auskünfte; jetzt steig ich da ein bisserl durch. Ich würde meiner Bekannten gerne persönlich in Sachen Amtsbetreuung zur Seite stehen; sie ist ein ganz lieber Mensch und hat es echt nicht verdient, so behandelt zu werden, wie es die ARGE gerade mit ihr macht X(

Das Problem ist, sie wohnt über 450 km weg von mir; ist jetzt nur über Weihnachten in der Nähe, und besucht ihre Tochter. Und die hätte es im Falle eines Falles auch nicht näher als ich; und da sie ebenfalls Hartz IV bezieht, ist finanziell eine persönliche Betreuung und eine Begleitung zum Amt (um was es ihr glaube ich am dringlichsten geht) auch nicht mal eben kurz drin. Und was fremde Leute betrifft, ist sie sehr mißtrauisch. Das kommt zum Teil von ihrer Erkrankung, zum anderen ist sie in ihrem Leben insgesamt schon oft verarscht worden; vielleicht meint sie ja, das kann ihr mit einem Amtsbetreuer auf der ARGE nicht so sehr passieren kann...

Jedenfalls kann sie ihren Schriftverkehr sehr gut selbst erledigen; wie gesagt ich denke es liegt an der ganzen persönlichen Behandlung dort, dass sie schon Nächte vor ihrem Termin nicht schlafen kann und dort dann fix und alle antanzt, und die nutzen das zum Teil gnadenlos aus..Sie hat auch schon oft EGV´s unterschrieben, wo Forderungen an sie gestellt werden, die sie schon mal aufgrund ihres Zustandes gar nicht erfüllen kann. Nur weil ihr SB im drohenden Ton gesagt hat: Sie müssen das jetzt hier unterschreiben, ansonsten muss ich ganz anders mit ihnen verfahren...Die ziehen auf der ARGE halt knallhart ihr Ding durch, ob sie krank ist oder nicht (das ist übrigens schon  längst dort bekannt). Gut, bisher ist sie ohne Sanktionen davongekommen, weil sie einen echt guten Psychiater hat, der sie sofort krankschreibt, wenn es bei ihr nicht mehr geht.

Nur die auf der ARGE meinen wahrscheinlich sie ist ein Simulant, dem man  mit irgendwelchen  Maßnahmen erst mal die Leviten lesen muss. Ihr Arzt hat schon gemeint, dass es das beste  wäre, wenn sie in Frührente / Grundsicherung geht, da wird sie nicht so unter Beschuss genommen. Bloß der med. Dienst spielt da bei ihr nicht mit, du muss heute echt schon den Kopf unter dem Arm tragen, damit die ARGE dich mit komplett kontraproduktiven Maßnahmen in Frieden lässt.

Ansonsten hat sie glaube ich noch ihre Mutter, die ist aber aufgrund ihres Alters selbst schon ein Pflegefall. Ich werde auf jedenfall nochmal mit ihr reden, und ihr das umschreiben, was ihr geschrieben habt. Vielleicht weiß sie ja was von einer Arbeitslosenini in ihrer Gegend; aber das Problem mit ihr ist, dass sie halt ihre sozialen Phobien hat und sich meist nicht mal ans Telefon traut und äußerst mißtrauisch ist, was fremde Menschen angeht...

Ach, alles so verzwickt, wie man es dreht und wendet: man soll die Leute, die sowieso keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, einfach nur in Frieden lassen. Aber gerade auf die stürzt man sich wie die Aasgeier, kann man doch mit denen noch einen Haufen Schotter via Sozialunternehmen machen X(
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