Autor Thema: Erfolgsmeldungen über "Ausbildungspakt"  (Gelesen 2148 mal)

ManOfConstantSorrow

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Erfolgsmeldungen über "Ausbildungspakt"
« am: 16:34:04 Mo. 06.Dezember 2004 »
Erfolgsmeldungen über "Ausbildungspakt" stellen Realität auf den Kopf


Die "Selbstverpflichtung" der Unternehmer zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze endete in den letzten Jahren regelmäßig damit, dass im Vergleich zum Vorjahr noch mehr Jugendliche ohne Lehrstelle da standen. Nun wird der zwischen Unternehmerverbänden und Berliner Regierung geschlossene "Ausbildungspakt" vollmundig als "Trendwende" verkauft. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) meldet insgesamt 53.000 "neue" Ausbildungsplätze in Industrie und Handwerk. Für Wirtschaftsminister Clement ein "ermutigendes" Ergebnis.

Im "Ausbildungspakt" waren 30.000 "neue" Lehrstellen versprochen worden, von Anfang an jedoch unter dem Vorbehalt, dass dies keineswegs "zusätzliche" Ausbildungsplätze sein müssten. Rechnet man die zwischenzeitlich weggefallenen Lehrstellen weg, bleiben selbst nach den DIHK-Zahlen nur noch rund 15.000 zusätzliche Lehrstellen übrig. IG Metall-Vorstandsmitglied Erwin Vitt kritisierte jedoch die gesamte Rechenmethode, mit der die Unternehmerverbände und Bundesregierung die diesjährige Ausbildungsbilanz schön rechnen. Statt die gesamte Entwicklung in den Blick zu nehmen, griffen sie nur die Veränderungen bei denjenigen Jugendlichen heraus, die noch im September keine Lehrstelle hatten. Deren Zahl habe sich zwar bis November auf 23.500 verringert. Gleichzeitig hätten sich im Oktober und November 24.400 neue Bewerber gemeldet, so dass derzeit insgesamt 47.900 ohne Ausbildungsplatz seien.

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke prangert an, dass mehr als 100.000 Jugendliche ohne Ausbildung für kurze Zeit in schulischen Maßnahmen untergebracht würden. Dies ließe zwar die Statistiken besser aussehen, bringe den jungen Menschen aber keinen Ausbildungsplatz. Andere Jugendliche würden durch eine in diesem Jahr erstmals praktizierte verschärfte Selektion als "nicht vermittelbar" abgestempelt und tauchten damit ebenfalls in der Statistik nicht mehr auf. "In den Betrieben wurde im Vergleich zum Vorjahr kein einziger zusätzlicher Ausbildungsplatz geschaffen", kritisiert Werneke. Es gäbe sogar 17.000 betriebliche Ausbildungsplätze weniger als im vorangegangenen Ausbildungsjahr.
DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbock rechnet vor, dass seit dem Jahr 2000 von den Unternehmen 100.000 Ausbildungspätze wegrationalisiert wurden.

Quelle: rf-news
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Erfolgsmeldungen über "Ausbildungspakt"
« Antwort #1 am: 13:40:19 Mi. 08.Dezember 2004 »
Wohl keine seltene Geschichte, daß man sich bei einer Ausbildung fragt, warum man sich so einen Mist überhaupt gibt...

Statistisch sieht es folgendermaßen aus:

Jeder 5. Lehrvertrag wird aufgelöst

Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden 22 Prozent der Ausbildungsverträge vor Ende der Ausbildung aufgelöst. Im Handwerk sind es sogar 27 Prozent im Durchschnitt. Nur ein Drittel der Betroffenen beenden ihre begonnene Ausbildung dann in einem anderen Betrieb.