Autor Thema: [Kiel] Taxi-Idiotie  (Gelesen 15902 mal)

Taxifahrer

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« am: 19:50:49 Mi. 08.Januar 2003 »
Taxifahren ist in Kiel alles andere als lukrativ.

Der einzige Grund für diesen Job ist, man kann sich die Arbeit einteilen. Mal ausfallen lassen, mal verschlafen und und man is den Job trotzdem nicht los. Und wenn´s finanziell mal eng ist werden jede Menge Extraschichten geschoben.

Das war´s eigentlich auch schon. Die Wenigsten geben zu wie beschissen der Job bezahlt ist, sie lügen sich selbst was in die Tasche.

Aber wie überall sind die Meisten zu blöd, wenn´s eng wird ist jeder gegen jeden statt gemeinsam eine Verbesserung durchzusetzen.  Damals gab´s Situationen, wo Minicarfahrer und Taxifahrer einander wegen Nichtigkeiten auf´s Maul hauen wollten. Heute hassen die Festangestellten und diejenigen, die schwarzarbeiten, einander. Die Zentrale droht auseinanderzubrechen bei den Konflikten bei der Einführung einer Computerlesbaren Fahrerkarte, die jede Schwarzarbeit unmöglich macht. Bisher reicht ein Vertrag über wenige Arbeitsstunden um die zahlreichen Bullenkontrollen (wg. Schwarzarbeit) zu bestehen...
Einige Unternehmer wissen jedoch daß man legal nicht genug Arbeitskräfte zu diesen Bedingungen bekommt.

nightrider

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #1 am: 14:23:16 Sa. 01.März 2003 »
Taxifahrer sind schon ein komisches Völkchen. Es gibt da die alten Bildzeitungleser, die Ausländer, die sonst nirgends einen Job finden, die erfolglosen Künstler und die (abgebrochenen)Studenten. Diese so verschiedenen Leute können einander oftmals nicht gut riechen...

Eigentlich kann man eine solchen Haufen kaum organisieren. Man mag es kaum glauben, aber in Hamburg und Berlin wurden schon Taxiunternehmen bestreikt.

  • Gast
[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #2 am: 01:39:40 Di. 28.Oktober 2003 »
Frankreich: Taxifahrer - Streik in Saint Ouen
Ein gemeinsames Kommuniqué von SUD-Taxi und CFDT-Taxi über den Streik, den die Taxifahrer der Gesellschaft "G 7" in Saint Ouen seit dem 29.September 2003 führen: 7 Tage, je 10 Stunden für den Mindestlohn, so lauten kurz zusammengefasst die Arbeitsbedingungen der Fahrer, die zumeist aus der Migration kommen: 300 sind in den Streik getreten...

Nach einem völlig unfruchtbaren Treffen mit der Geschäftsleitung am 29.September 2003 haben die Beschäftigten (und "Pächter") beschlossen, vor der Garage in Saint Ouen eine Versammlung abzuhalten, um Verhandlungen zwecks Beendigung ihrer mittelalterlichen Arbeitsbedingungen (10 Stundentag an 7 Tagen die Woche für den SMIC - dh Mindestlohn) zu fordern. Nachdem diese verweigert wurden beschloss die "Intersyndicale" (gemeinsamer Ausschuss der im Betrieb vorhandenen Gewerkschaften) ab dem 7.Oktober die Zufahrt zur Garage zu blockieren.

Zwei der Beschäftigten, Abdelghani GHALFI von der CFDT und Mahécor DIOUF von der SUD beschliessen am 10.oktober einen Hungerstreik zur Unterstützung der Aktionen - die einzige Antwort des Besitzers besteht darin, sie vor Gericht zu bringen, das aber die Klage der Firma abweist und einen Vermittler nominiert. Dessen Amtsantritt kommt der Besitzer mit dem Vorschlag neuer Verhandlungen am 10.Oktober zuvor.

Als die gewerkschaftlichen Beauftragten der Streikenden zu diesen Verhandlungen kommen, bemerken sie, dass gekaufte elemente mit am Tisch sitzen sollen und weigern sich, zu verhandeln. Sie fordern neue Verhandlungen. Falls diese nicht zustandekommen, werden die unmenschlichen Arbeitsbedingungen durch den Kampf beseitigt werden.

Cabby

  • Gast
[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #3 am: 22:07:59 Mo. 24.November 2003 »
In einem Großeinsatz wurden gestern 88 kieler Taxen kontrolliert. Fast die Hälfte der Fahrer fuhren"schwarz". Jetzt wird also ernst gemacht mit den Bullenaktionen gegen Schwarzarbeiter.

Mal sehen, wie die Taxiunternehmer jetzt noch Fahrer finden wollen, wenn der Dreckslohn nicht zumindest mit der Sozialhilfe kombiniert werden kann...

Taxenknecht

  • Gast
[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #4 am: 17:05:40 Di. 09.Dezember 2003 »
Der Kampf um den immer kleiner werdenden Kuchen

                                    oder

Den Druck von oben läßt man unten aneinander aus

Die Leute haben weniger Geld und fahren weniger Taxi. Die Einsparungen im Gesundheitswesen führen zu wesentlich weniger von der Kasse bezahlten Krankenfahrten.

Statt sich zumindest gegen die Politik der Krankenkassen gemeinsam zu wehren, hat der ökonomische Druck dazu geführt, daß der Aggro untereinander gewachsen ist. Rassistische Sprüche sind häufiger geworden. Und man versucht sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen.

Der Taxen-Vorstand hat eine Einführung einer Fahrer-Karte beschlossen, was Schwarzarbeit in dem Bereich entscheident erschwert. Die Taxen-Unternehmer, die auf Schwarz-Personal angewiesen sind, versuchen den Vorstand mitsamt ihrem Projekt zu kippen. Es herrscht "ALLE GEGEN ALLE"-Stimmung. Die Herrschenden können sich die Hände reiben, das einfache Volk beschäftigt sich mit sich selbst. Ein selbst-fahrender Unternehmer rief die Arbeitsamts-Hotline gegen Schwarzarbeit an und hat Kollegen verpetzt! Namen, Adressen und alles an Fakten. Er wunderte sich schwer, daß es keine Folgen hatte. Hinter vorgehaltener Hand sprach die behördliche Abteilung Schwarzarbeit davon, daß der "soziale Frieden" gewahrt werden müsse. Man weiß bescheid, aber Schwarzarbeit ist Teil des Niedriglohn-Systems und bleibt somit erhalten.
Zitat
Original von Cabby


Mal sehen, wie die Taxiunternehmer jetzt noch Fahrer finden wollen, wenn der Dreckslohn nicht zumindest mit der Sozialhilfe kombiniert werden kann...

Insider sprechen davon, daß bei absoluter Verhinderung der Schwarzarbeit ein Drittel der Taxen nichtmehr besetzt werden könnte. Ansonsten müßten bessere Löhne her. Und genau das ist nicht gewollt!

taxiunternehmer680101

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #5 am: 18:51:39 Di. 23.Dezember 2003 »
Es ist wirklich bedenklich, was für ein Viertelwissen  der Verfasser hat und was ein Unsinn daraus entsteht!
Nicht der Taxen-Vorstand hat die Fahrerkarte beschlossen, sondern die Ordnungsbehörde der Landeshauptstadt Kiel hat dieses getan.
Warum dieses? Da die Beschwerden der Fahrgäste immer zahlreicher geworden sind und gewisse Taxiunternehmer die Daten über diese Fahrer vielfach nicht herausgegeben haben bzw. kaum zu ermitteln waren, sah sich die Ordnungsbehörde gezwungen, diese Ausweise einzuführen. Hier hat man sich von den Erfahrungen in Köln leiten lassen, wo seit dem 22.11 2001 dieses in der Taxi-Ordnung - genauso wie in Kiel - verankert ist. Mehrere Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe bei Taxifahrten haben das Vertrauen der Kölner Fahrgäste in das Taxi als sicheres öffentliches Verkehrsmittel empfindlich beeinträchtigt. Als Schwachpunkt hat sich dort herauskristialisiert, daß zwar das Fahrzeug anhand von Konzessionsnummer und Kennzeichen sowie Inhaberschild relativ leicht zu identifiezieren ist, die Person des Fahrers jedoch anonym bleibt. Der Fahrerausweis soll  das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, den mißbräuchlichen Einsatz eines Taxis erschweren und eine Serviceverbesserung  für die Fahrgäste darstellen. Dieses sind die Kölner Argumente. Wer nun meint in Kiel sei alles anders, dem kann ich nur Naivität unterstellen. Die Liste der Beschwerden ist unendlich lang, wobei nur die härtesten Fälle erwähnt werden, wie Nötigung, Bedrohung, Übervorteilung, sexuelle Belästigung, Körperverletzung des Fahrgastes.
Die Beschwerden die bei den Taxi-Zentralen eingehen sind derartig gestiegen. Aber wie hoch ist die Dunkelziffer? Einige Mehrwagen-Unternehmer sind nicht bereit oder nur unter großem Druck, die betreffenden Fahrer zu nennen. Mir ist nicht bekannt, daß man sich über die festbeschäftigten Fahrer beschwert! Überwiegend sind dieses Fahrer, die noch andere Einnahmequellen haben und sich wie Wanderheuschrecken verhalten. U.a aus diesem Grund hat sich das Fahrpersonal von Vineta und demnächst auch bei den 68er "anzumelden". Die Arbeit aus der Anonymität hat damit ein Ende. So ist man in der Lage, die schädigen Elemente des Taxi-Gewerbes zu entfernen. "Versucht man den Vorstand zu kippen" Müßte ich eigentlichwas von gehört haben! Dieses ist unfug! - Es sei denn man nimmt den Taxi-Unternehmer aus der Segeberger ernst, dem anscheinend "seine Felle davonzuschwimmen" drohen . Dazu müßte aber noch sehr viel Wasser die Schwentine ´runter laufen!
Und wenn demnächst ein Drittel der Taxen nicht zu besetzen ist, dann müssen die Leute sicherlich nicht zu Fuß gehen. Der "Rest" derer, die hauptberuflich davon leben wird sich freuen und mehr fahren, mehr verdienen und mehr zufriedene Fahrgäste haben! Und die anderen können endlich den Fortbildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes wacher folgen.

Regulator

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #6 am: 01:00:48 Mi. 24.Dezember 2003 »
@ taxiunternehmer680101

Hmm, ich stelle mir da nur die Frage wie es kommt, dass Taxifahrer mehr verdienen würden, wenn mehr Taxen unbesetzt blieben? Hat nicht jeder "Vollzeit-Taxifahrer" einen Arbeitsvertrag mit einem fixierten Gehalt in der Tasche? Da kommt doch der Verdacht auf, dass der Vertrag mit dem fixierten Gehalt nur eine Grundlage ist Steuern und den Arbeitnehmeranteil der Krankenversicherung zu berechnen... Oder bekommt jeder Taxifahrer dessen eingefahrender Lohn (meist 40% des Umsatzes) unter der im Arbeitsvertrag vereinbarten Entlohnung einen Zuschlag in Höhe der Differenz?
Oder ist das Gehalt im Arbeitsvertrag etwa ein fiktiver Lohn?
Ist das dann nicht ein Betrug am Arbeitsamt (z.B. im Falle einer Arbeitlosigkeit) oder dem Finanzamt (Lohnsteuer) oder gar gegenüber dem Fahrer, der in schlechten Zeiten ein zu versteuerndes Einkommen hat, dass er gar nicht erhält?? Ganz zu schweigen von den Krankenkassenanteil das er aufgrund seines Vertrages zahlen muss???

Da bin ich aber mal auf eine Antwort gespannt!

Gruß + fröhliches Fest

Regulator

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #7 am: 01:12:01 Mi. 24.Dezember 2003 »
Achja, noch ein kleiner Tipp zu dem Absatz  der Beschwerden bzw. Übergriffe der Taxifahrer....
Sollte wider Erwarten der Berufsstand der Taxifahrer Qualitativ aufgewertet werden, muss dieser Beruf natürlich auch adäquate Optionen bieten, wie z.B. Grundgehalt von dem man leben könnte etc... Ich denke dann wären sicherlich auch qualifizierte Leute bereit diesen Job zu machen. Zur Zeit muss ich leider sagen... Wer nichts wird, wird Taxifahrer (War selber für eine Zeit Taxifahrer in Kiel, daher bitte ich die wenigen guten Kollegen um Verzeihung)!

Leider ist die gesamte Branche, ebenso wie (s.o.) die Verträge, für nicht involvierte, sehr undurchschaubar....

Gruß

Regulator
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Taxenknecht

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #8 am: 15:09:47 Do. 25.Dezember 2003 »
Zitat
Original von taxiunternehmer680101


Es ist wirklich bedenklich, was für ein Viertelwissen der Verfasser hat und was ein Unsinn daraus entsteht!
 


Hier hast Du wohl ein wenig zu doll ausgeholt. Ich bin kein Taxiunternehmer und mache mir dementsprechend nur ein Bild von Aufgeschnapptem. Das halte ich aber weiterhin für nur in den Details ungenau.

Es ist doch wohl richtig, daß es einen Interessenskonflikt gibt zwischen den Unternehmern, die weiter mit Schwarzarbeit rummauscheln wollen (weil es sich für sie nicht anders rentiert) und denjenigen (zu denen du wohl auch gehörst), die wollen, daß diese Unternehmen von dem zu engen Kieler Markt verschwinden, denn so bleibt ein etwas größeres Stück vom (trockenen) Kuchen für die verbleibenden.

Egal ob man das mit Fahrerkarte oder automatischem einloggen von Fahren bei Funktouren erreicht (so würden Schwarzarbeiter keine Funktouren mehr kriegen können) oder mit noch anderen Methoden durchsetzt ist dabei relativ unerheblich.

Es hat auch halbkonspirative Treffen der Schwarzarbeits-Unternehmer-Fraktion gegeben.

Wie gesagt, gegen die Kürzungen im Krankenfahrten Bereich passierte nicht viel. Da hat man es wohl mit einem zu großen Gegner zu tun.

Ich will die Problematik mit schlechten Fahrern auch nicht wegleugnen, einige sind Arschlöcher. Es ist halt der letzte Job und da finden sich auch die letzten Leute...

Aber so toll sind die Alternativen nun auch nicht. Eine schlechtbezahlte Umschulung um Anschließend als Leiharbeiter zu enden füht nun auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen!

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #9 am: 04:17:22 Sa. 31.Januar 2004 »
Zitat
Original von tagesanzeiger.ch 31.1.04

In Mailand streikten auch die Taxifahrer. Hintergrund ist ein Streit mit der Stadtverwaltung um flexiblere Arbeitszeiten und um die Tarife. Die Chauffeure befürchten auch stärkere Konkurrenz, da die Stadtverwaltung weitere 500 Taxi-Lizenzen vergeben will.

«Man kann in einer solchen Krisenzeit die Konkurrenz unter den Taxifahrern nicht erhöhen», sagte ein Sprecher der Taxifahrer. (ben/sda)


topcab

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #10 am: 03:51:36 Mi. 28.Juli 2004 »
hallo,bin ganz zufällig hier,und muß viel wahres aber auch mist lesen.
allen kritikern des taxijobs muß ich sagen,es ist ein toller beruf.
es gibt zwar höhen und tiefen aber der job macht einen heiden spaß.
was die bezahlung betrifft kann man geteilter meinung sein.viel fahren viel geld,wenig fahren wenig geld, logo.
aber zum thema ausländer sag ich nur eins,ohne die ausländer gäbe es kein taxi mehr.oder welcher "dumme" deutsche würde gerne 13-14 std. nachtschicht fahren.ich hab sie alle kommen und gehen sehen.der deutsche rennt lieber zum arbeitsamt.
ich mach den job seit fast 10 jahren und ich liebe ihn.(und das als deutscher)

ManOfConstantSorrow

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #11 am: 19:20:05 So. 13.März 2005 »
10.03.05
Solidaritätsstreik von Taxifahrern in Ottawa
1.300 Taxifahrer führten einen eintägigen Solidaritätsstreik mit ihren Kollegen bei Capital Taxi und Blue Line Gloucester durch. Rund 600 Taxis beteiligten sich an einem eintägigen Konvoi zum Hauptquartier der Besitzer der beiden Taxigesellschaften. Diese wollen die Bedingungen für die Taxifahrer verschlechtern. So sollen Taxis vorübergehend stillgelegt und den Fahrern nur von Monat zu Monat Arbeit gegeben werden.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #12 am: 13:05:48 Mi. 30.März 2005 »
Zitat
Was ist los im Taxi-Gewerbe? Großkontrolle von Polizei und BGS

Massive Beschwerden von Fahrgästen, aber auch aus der Zunft selbst bringen das Taxi-Gewerbe immer wieder ins Visier der Kontrollgruppe von Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS).


Am Ostermontag kontrollierten 20 Beamte bei einer Schwerpunktaktion 55 Fahrer. In Verruf geraten ist die Branche, weil viele Fahrer "schwarz arbeiten, illegal sich aufhaltende Ausländer schleusen, die Beförderungsvorschriften nicht einhalten und Drogengeschäfte im Wagen abwickeln", erklärt Einsatzleiter Frank Marold vom BGS bei der Einsatzbesprechung. "Am Bahnhof werden sogar Fahrer drangsaliert, und zu Schlägereien ist es gekommen", sagt Matthias Glamann, verantwortlich bei der Polizei für die Kontrolle, und erzählt: Einige würden kurze Fahrten ablehnen und sich die langen Touren organisieren. "Es wurde in der Vergangenheit häufig das Faustrecht eingesetzt", sagt der Polizist, "doch angezeigt werden solche Verstöße nicht, weil die Betroffenen Angst vor Repressalien haben".
"Bei uns regiert die Eisenstange oder die Faust"Dass es zu Gewalt auf dem Bahnhofsvorplatz gekommen ist, bestätigt ein Fahrer bei der Kontrolle. "Bei uns regiert die Eisenstange oder die Faust." Nachdem er verjagt wurde, habe er den Platz für eine Zeit gemieden. Die Gewalttäter sind bekannt: Es soll sich um Klans von Türken und Kurden handeln. Angeblich zum Selbstschutz vor Überfällen haben viele Waffen wie Totschläger und Messer im Auto, eingesetzt werden sie dem Vernehmen nach gegen Kollegen.

Eine Stunde dauert die Überprüfung, immerhin ist die Polizei mit dem Ergebnis zufrieden (siehe untenstehender Bericht). Ein Fahrer wird vor Ort von einer Kollegin angezeigt, weil er Leistungsbezieher von Arbeitslosengeld ist, aber 40 Stunden in der Woche fährt. "Dahin verschwinden also unsere Steuergelder", sagt Glamann mit Galgenhumor, während er das Protokoll ausfüllt, das zur weiteren Ermittlung an die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll geht. Einen ähnlich gelagerten Fall ermitteln andere Kollegen. Die Taxen bleiben stehen, die Schlüssel können sich die Unternehmer auf der Polizeiwache abholen.

Gerade diese "Kollegen" sind den kleineren Unternehmern, die lieber anonym bleiben möchten, mehr als ein Dorn im Auge. Als Leistungsbezieher dürfe man nur zwei Schichten in der Woche fahren, doch daran würde sich kaum einer halten, empören sie sich und fordern mehr Kontrollen. Es müssten schon drei Überprüfungen in der Woche stattfinden, bzw. die Fahrer observiert werden. Und die Taxen stünden in der Auguste-Viktoria-Straße direkt vor dem Hauptzollamt, da müsse doch bloß einer rausgehen. "Wir wissen das alles", sagt Glamann, "und eigentlich zuständig für Schwarzarbeit ist die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll. Unser Schwerpunkt lag auf Verstößen gegen das Ausländerrecht. Wir machen das nebenbei mit".

In den Augen der kleineren Unternehmen war die Aktion nicht besonders erfolgreich, weil "diese Kontrolle bei den Großunternehmen seit sieben Tagen bekannt war. Die haben alle schwarzen Schafe aus dem Verkehr gezogen und nur die ,guten' auf den Bock gesetzt", sagt ein Fahrer. Erstaunen seitens der Polizei.

Bei den Großunternehmern wurde die Aktion begrüßt. Thomas Krotz, Geschäftsführer von Taxi Kiel mit 170 Pkw und 500 Fahrern, sagt: "Wir setzen Leistungsbezieher im Rahmen der erlaubten 15 Stunden in der Woche ein. Sie müssen sich bei uns mit einer Nummer einloggen, so dass wir genau wissen, wer wann fährt. Jede Fahrt wird aufgezeichnet." Krotz weiß, dass in Punkto Freundlichkeit und Service am Bahnhof einiges im Argen liegt. Er wünscht sich, dass das Ordnungsamt vor Ort kontrolliert, denn hier kommen Besucher das erste Mal mit Kiel in Kontakt. Michael Rulle von Vineta Taxi (70 Pkw, 330 Fahrer) kennt ebenfalls die Probleme. "Darum dürfen unsere Fahrer gar nicht am Bahnhof stehen", sagt er: Das Unternehmen wolle sich vom Image her absetzen, was am Fuhrpark und der Dienstkleidung sichtbar werde. "Wir setzen darauf, auf Grund unserer Qualität die meisten Aufträge per Funk zu bekommen."

Seit 2000 ist das Taxi-Gewerbe im Visier der Polizei, in der Woche vor Ostern wurden schon 40 Taxen überprüft. "Und es ist wünschenswert, wenn wir weiter das Beförderungsgewerbe kontrollieren, um für alle wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen", sagt Glamann. Von Günter Schellhase



nordClick/Kieler Nachrichten vom 30.03.2005

Die Arbeitsbedingungen im Taxengewerbe sind inzwischen (eigentlich waren sie nie toll) unfaßbar schlecht geworden. Und die Betroffenen verhalten sich wie Laborratten, denen man den Streß im Käfig erhöht: Sie gehen aufeinander los!

Man scheißt sich gegenseitig bei Behörden an, man bedroht einander und langt schon mal zu.

Daß weniger verdient werden kann liegt ja schließlich nicht an irgendwelchen Schwarzarbeitern, sondern daran, daß die Kundschaft wg. Lohnsenkunkungen und Hartz IV weniger Geld zum Ausgeben hat und weil die Krankenkassen viele Krankenfahrten nicht mehr bezahlen.

Es ist schließlich nicht ungewöhnlich, wenn man nicht organisiert das durchgesetzt kriegt, was man braucht, dann sucht man sich irgendwelche individuellen Notlösungen. Wenn man von der Stütze nicht leben kann einfach noch n paar schwarz Mark nebenbei. Wenn das Fahren nicht ausreicht noch irgendwelche krummen Geschäfte nebenbei.

Das ist zwar nicht toll aber sicher auch nicht verwunderlich.

Auch nicht verwunderlich ist, wenn sich die großen Unternehmen mit Hilfe der Behörden gegen die Kleinen durchsetzen wollen. Marktbereinigung mit polizeilichen Mitteln:
Zitat
In den Augen der kleineren Unternehmen war die Aktion nicht besonders erfolgreich, weil "diese Kontrolle bei den Großunternehmen seit sieben Tagen bekannt war. Die haben alle schwarzen Schafe aus dem Verkehr gezogen und nur die ,guten' auf den Bock gesetzt", sagt ein Fahrer. Erstaunen seitens der Polizei.

Es scheint, die Kieler Fahrer halten sich viel zu doll für Individualisten als daß sie gemeinsam versuchen die Misere anzugehen. So wird man sich wohl weiter gegenseitig hassen und in die Pfanne hauen!

ManOfConstantSorrow

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #13 am: 17:36:00 Sa. 15.Juli 2006 »
15.07.06
Die italienische Regierung von Ministerpräsident Prodi plant eine umfangreiche "Liberalisierung" von Dienstleistungen. Dazu gehört die freie Vergabe von Taxi-Lizenzen durch die Gemeinden, die Erlaubnis, mit einer Lizenz mehrere Taxis zu unterhalten und die vermehrte Ausgabe von Lizenzen für Großereignisse. Alles mit der Begründung, der Verbraucher würde davon durch niedrigere Preise profitieren. Die gut organisierten Taxifahrer, die für ihre Lizenzen teures Geld bezahlt haben, wehren sich dagegen. In Rom und mehreren anderen Städten stellten sie ihre Fahrten ein und belagerten mit ihren Taxis die Stadtzentren, was zu chaotischen Verkehrsverhältnissen führte.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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[Kiel] Taxi-Idiotie
« Antwort #14 am: 19:11:23 Mi. 19.Juli 2006 »
19.07.06 - Italienische Taxifahrer beenden Streik erfolgreich
Mit einem zweiwöchigen Streik hat die Gewerkschaft der Taxifahrer die italienische Regierungerfolgreich dazu gebracht, ihre geplante Verordnung über die Erhöhung der Zahl der Taxi-Lizenzen zurückzuziehen. Die Taxifahrer hatten mit ihren nicht angekündigten Streiks vor allem Flughäfen und Bahnhöfe in den Großstädten blockiert.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!