Autor Thema: Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket  (Gelesen 5123 mal)

Wilddieb Stuelpner

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Videotexttafel 118, MDR, Fr.10.12.04 13:41:41

Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket

Nach dem angekündigten Wegfall von 9500 Stellen wird bei Opel offenbar bereits das nächste Sparpaket geplant.

Wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, sollen die verbleibenden 22.000 Beschäftigten auf einen Großteil ihrer übertariflichen Leistungen verzichten. Außerdem sollen sie teilweise länger arbeiten, um ihre Standorte zu sichern. Der Mutterkonzern General Motors erhoffe sich so Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich.

Erst gestern hatte der Konzern den Abbau von 9500 Stellen in westdeutschen Opel-Werken angekündigt. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

aian19

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Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket
« Antwort #1 am: 16:47:42 Fr. 10.Dezember 2004 »
Tja, jetzt dämmert ihnen, das die Gewerkschaften sie verkauft haben mit ihrer Abstimmungs-Schein-Veranstaltung !
Und jetzt werden die Demo´s bei weitem nicht mehr so effektiv sein, da wieder die typisch deutsche Eigenschaft durchkommt: Viele der Beschäftigten stehen auf dem Standpunkt: "Wenn ich mich möglichst ruhig verhalte, erwischt es mich vielleicht nicht !" - Sie lernen´s eben nicht ! :( ;(
"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

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Wilddieb Stuelpner

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Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket
« Antwort #2 am: 21:22:07 Fr. 10.Dezember 2004 »
Das gleiche gilt für die scheinheilige Rechtskonstruktion Beschäftigungs- und Auffanggesellschaft. Diese von der Wirtschaft beim Gesetzgeber angeregte Rechtsschöpfung dient mehreren Zwecken:
  • massenhafte Kosteneinsparung für die entlassenden Unternehmen bei den AN durch vertraglich abgerungenen Klageverzicht (Kündigungsschutz, Lohnansprüche)
  • Unterbindung von sich flächenhaft ausbreitenden Streiks, die das Kapital in der Republik sonst in ihren Grundfesten erschüttern könnten, wenn sich nur alle AN und Erwerbslose gemeinsam einig wären und Solidarität üben würden. Aber die Erinnerung in die Wirtschaftswunderjahre gauckelt ihnen eine Scheinsicherheit vor. Es wird angeblich nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird. Diesen Selbstbetrug werden die in einer Starre verharrten Bundesbürger sehr bald bitter bereuen.
  • Verhinderung von Sozialplänen
  • Abwälzung des Auffangens auf den Staat BRD, der die bei ihm entstehenden Kosten in verkappter und vertuschter Form über Steuern, Abgaben, Gebühren, Beiträge von jedem Bundesbürger wiederholt und sich so von der Last befreit.
  • durch diese eingerichtete Warteschleife setzt die sicher bevorstehende Arbeitslosigkeit lediglich später ein.
Auffang- und Beschäftigungsgesellschaften nutzen nur einem in Milliadenhöhe - den nach Maximalprofit strebenden Unternehmerpack. Es ist ein Erpressungsmittel und faktisch massenhaft praktizierte Nötigung und Diebstahl an künftigen Arbeits- und Rentenansprüchen. Auffang- und Beschäftigungsgesellschaft ist juristisch andere Personen. Ist einmal ein AN dort angelangt sind ihm die Rechte zu seinem Herkunftsunternehmern abgeschnitten worden. Politiker, Beamte, Juristen, die diesen Prozeß unterstützen, sind die Hehler. Diese Eigenschaft kann man zunehmend den Gewerkschaften zuschreiben. Den Stehler habe ich bereits genannt. Es ist im Prinzip diese Masche bekannt wie man Unternehmenskosten auf den Staat und somit auf alle Bürger dieser Republik abwälzt - Stichworte: Vorruhestand und Mannesmannaffäre. Die Zielrichtung ist Schaffung von Massenarbeitslosigkeit, Aushebeln von AN- und Tarifrechten, auf lange Sicht werden so die Gewerkschaften überflüssig und es bleibt nur das Scheißkapital übrig, was Terror und Gewalt nach Gutdünken praktiziert. Billiglöhne sind nur als Übergang zur Sklavenarbeit da. Das wird eintreten, wenn nicht endlich diese Duckmäuser von bundesdeutschen Spießbürgern nicht endlich aus ihrer Lethargie aufwachen.DKP: unsere zeit - Zeitung der DKP - Siemens legt "sozialverträgliches" Mäntelchen" ab .Junge Welt: Eskalation möglich
Stern:
Beschäftigungsgesellschaft - Hilfe für die Opelaner

aian19

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Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket
« Antwort #3 am: 19:00:30 Sa. 11.Dezember 2004 »
Dazu passt ja folgender Artikel:

SPIEGEL vom 10.12.2004

Zitat
GM saniert Opel auf Staatskosten

......General Motors kann beim Arbeitsplatzabbau bei seiner deutschen Tochter auf Staatsgelder hoffen. Die harten Einschnitte bei Opel werden die Kassen der Bundesagentur für Arbeit mit Millionenbeträgen belasten.
Wer sich für die Beschäftigungsgesellschaft entscheidet, bekommt während der Kündigungsfrist noch 100 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Danach kann er mit 85 Prozent rechnen. Dafür wird das Transferkurzarbeitergeld von Opel entsprechend aufgestockt. Bei einem Nettogehalt von 2000 Euro müsste die Bundesagentur für einen kinderlosen Arbeitnehmer 1200 Euro bezahlen, für einen Familienvater 1340 Euro. Wie hoch die Belastung der Opel-Sanierung ausfallen werden, lässt sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit noch nicht beziffern.

Der US-Konzern General Motors sollte nach Ansicht der FDP entsprechend die Sanierungskosten für seine angeschlagene Tochter Opel in vollem Umfang übernehmen. Es sei gut, dass kein Werk in Deutschland geschlossen und kein Beschäftigter in die Arbeitslosigkeit entlassen werde, sagte der Arbeitsmarktexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Dirk Niebel, am Freitag der dpa in Berlin. "Es kann aber nicht angehen, dass Unternehmensgewinne in Aktien und Dividenden gehen, Verluste aber sozialisiert und vom deutschen Beitragszahler getragen werden."

Weitere Sanierungsschritte stehen an......
Der ganze Beitrag ist unter obigem Link zu finden.... X( X( X(
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Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #4 am: 15:52:19 So. 12.Dezember 2004 »
aian19 schrieb:
Zitat
Es sei gut, dass kein Werk in Deutschland geschlossen und kein Beschäftigter in die Arbeitslosigkeit entlassen werde, sagte der Arbeitsmarktexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Dirk Niebel, am Freitag der dpa in Berlin. "Es kann aber nicht angehen, dass Unternehmensgewinne in Aktien und Dividenden gehen, Verluste aber sozialisiert und vom deutschen Beitragszahler getragen werden."
Dirk Niebel ist ein falscher Fuff'zger in der FDP, der Partei der Superbesserverdienenden. Der Öffentlichkeit redet er nach dem Maul und hinter den Kulissen stimmt er diesem Treiben zu.Er befürwortet die Auflösung der Bundesagentur für Arbeit zum Zweck des völlig unkontrollierten und direkten Ausplünderns öffentlicher Mittel. So aber bekommt der nachdenkende und zahlende Teil der Bevölkerung hier und da noch etwas von den Schweinereien mit, was sonst völlig verborgen bliebe.

aian19

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Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket
« Antwort #5 am: 22:16:21 So. 12.Dezember 2004 »
Habe auch nur zitiert. Wenn sowas auch meine persönliche Meinung wiedergeben würde, würde ich das durch ein Statement deutlich machen.
Ich finde es eben nur besser, wenn man Auszüge aus den verlinkten Beiträgen postet, damit man weiß, worum es geht, als nur ein : Hier - so eine Sauerei !

 ;)
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Financial Times Deutschland: Opel schnürt das nächste Sparpaket
« Antwort #6 am: 13:17:07 Mi. 15.Dezember 2004 »
Die hervorragende Bochumer Site "bo-alternativ" berichtet:

Opel: JA des Betriebsrates zu betriebsbedingten Kündigungen?


LabourNet hat jetzt "ein Forum zur Selbstorganisierung und zur Debatte der Bochumer Opel-Belegschaft" eingerichtet. Hier schreiben Andreas Felder, Mitglied der Vertrauenskörperleitung bei Opel in Bochum und Jürgen Schwartz, Mitglied des Betriebsrats bei Opel- Bochum: "Zur Opel-Betriebsvereinbarung „Restrukturierung“ (2004/0123/A)
1. Ein JA des Betriebsrats zu dieser Vereinbarung bedeutet Zustimmung zum Abbau von 8500 Arbeitsplätzen bei Opel und damit auch Zustimmung zum Abbau von mindestens 2.900 Arbeitsplätzen (lt. BR-Vors. D. Hahn) in Bochum.
2. Der Punkt III der Vereinbarung erfordert die Entscheidung zum sogenannten freiwilligen Ausscheiden bis zum 31.1.05. Zentral ist die Frage dann: Was passiert, wenn sich jetzt in Bochum keine 2.900 Freiwillige finden ?
Dann bedeutet laut Punkt II der Vereinbarung ein JA des Betriebsrats auch die Zustimmung zum Einigungsstellenverfahren ab 1.2.05 „nach Maßgabe der Paragraphen 111 und folgende des Betriebsverfassungsgesetzes.“ In § 112 a BetrVG werden Entlassungen von Arbeitnehmern durch betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich als Verhandlungsgegenstand der Einigungsstelle genannt, mit dem Zusatz: „Als Entlassung gilt auch das vom Arbeitgeber ... veranlasste Ausscheiden von Arbeitnehmern auf Grund von Aufhebungsverträgen.“
Damit steht fest: melden sich nicht genug Freiwillige, dann bedeutet ein JA des Betriebsrats zu dieser Vereinbarung gleichzeitig auch ein JA zu betriebsbedingten Kündigungen.
Diesen Sachverhalt der zur Abstimmung vorliegenden Vereinbarung kennen bisher die wenigsten Belegschaftsmitglieder bei Opel in Bochum.
Wer behauptet, dass „in der Vereinbarung keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen sind“ (IG Metall extra Nr.6, Dezember 2004), der lügt."
Der Zweite Bundesvorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat in einer Pressemitteilung z.B. erklärt: "„Es gibt bei Opel keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Standortschließungen, das ist die wichtigste Botschaft an die Belegschaften“.
Auf der Webseite der IG-Metall Bochum ist veröffentlicht: Zu den Standortverhandlungen - Der Betriebsrat informiert. Auch hier heißt es: "Betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen sind mit diesen Maßnahmen verhindert worden."


und hier kann man im von Labournet eingerichteten OPEL-Forum die interne Diskussion mitlesen:

http://labournet.de/phpbb/viewforum.php?f=5
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!