Autor Thema: Brauereistreik  (Gelesen 14300 mal)

Kuddel

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Brauereistreik
« am: 12:19:08 Di. 26.August 2008 »
Zitat
Scherdel: Streik spitzt sich zu

Der Streik bei der Brauerei Scherdel in Hof spitzt sich zu. Diese Einschätzung trifft die oberfränkische Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG. Hintergrund sei, dass die Arbeitgeberseite eine angebotene Notdienstvereinbarung während des Streiks abgelehnt habe.

Ursprünglich hätten diesbezügliche Verhandlungen am Vormittag geführt werden sollen. Laut Gewerkschaft, sei dieses Treffen jedoch wegen der Scherdel-Geschäftsleitung nicht zustande gekommen. Sollte es nun zu Schäden in der Brauerei kommen, gehe das voll auf die Kappe der Geschäftsleitung, so der Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken Michael Grundl wörtlich.

http://www.kanal8.de/default.aspx?ID=4406&showNews=268360

Abraxas

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Re: Brauereistreik
« Antwort #1 am: 14:44:58 Sa. 27.Dezember 2008 »
ja die brauer die kämpfen (manschmal)
bin mal gespannt was bei der binding abgeht wenn die stadt frankfurt den berg mit nobelwohnungen bepflastert.
"es ist eine dumme idee menschen schlecht zu behandeln, die mit deinem essen alleine sind"

ManOfConstantSorrow

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Streik bei Anheuser-Bush InBev in Belgien
« Antwort #2 am: 11:14:58 Fr. 15.Januar 2010 »
14.01.10 - In Belgien werden bestimmte Biersorten knapp. Seit Tagen streiken Arbeiter des Brauereikonzerns Anheuser-Bush InBev gegen die angekündigte Arbeitsplatzvernichtung. Allein in Westeuropa will der Getränkekonzern 800 Stellen vernichten und begründet dies mit dem sinkenden Bierkonsum. Die Arbeiter blockieren in Belgien zwei Brauereien und haben Anlieferung und Abtransport von Rohstoffen bzw. Bier unterbrochen.

http://www.rf-news.de/2010/kw02/14.01.10-streik-bei-anheuser-bush-inbev
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ManOfConstantSorrow

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Re:Brauereistreik
« Antwort #3 am: 15:46:40 Do. 21.Januar 2010 »
Zitat
Brauerei-Streik legt Belgien trocken
Von Michael Kieffer
Mit Mauern aus Bierkästen werden die Tore des weltgrößten Bierbrauers blockiert, jetzt wird der Gerstensaft im Supermarkt knapp ...

Protest bei Brauern: Vor dem Eingang des belgischen
Konzerns Anheuser-Busch InBev in Jupille haben
Gewerkschafter eine Mauer aus Bierkästen errichtet.
Grund sind Stellenstreichungen beim weltgrößten
Brauerei-Unternehmen


Brüssel - In den Supermärkten leeren sich die Bierregale, in den Kneipen bleiben immer häufiger die Zapfhähne zu: Für Belgiens Biertrinker sind harte Zeiten angebrochen. Mögen sich Flamen und Wallonen auch oft unversöhnlich gegenüberstehen, eint sie doch ihre Liebe zum heimischen Bier. Seit Tagen legt ein Streik beim Brauereigiganten Anheuser-Busch InBev Produktion und Auslieferung lahm. Die mehr als 2.700 Beschäftigten in Belgien protestieren gegen Sparpläne - fast jede zehnte Stelle soll wegfallen.

Und auch in Deutschland, wo Marken wie Beck's, Hasseröder oder Franziskaner zu dem belgischen Unternehmen gehören, setzt InBev den Rotstift an: 386 von rund 3000 Stellen sind bedroht.

Schuld an den Kürzungen sei der „anhaltend rückläufige Biermarkt“, argumentiert der Konzern. Tatsächlich geht der Durst seit Jahren zurück: In Deutschland beispielsweise lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch vor zwei Jahren bei 111 Litern - nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds waren es 1976 noch 151 Liter. Am Sitz von Beck's in Bremen machen die Beschäftigten ihrem Ärger bisher vor allem mit Worten Luft. „Wir werden diese Pläne nicht hinnehmen“, sagt ein Gewerkschafter.

Blockaden mit Mauern aus Bierkästen

Die Kollegen in Belgien greifen zu drastischeren Methoden: Seit zwei Wochen sind die Werkstore der InBev-Brauereien in Löwen und Lüttich blockiert - teils mit Mauern aus Bierkästen, berichten belgische Medien. Vor einer Woche machten auch die Mitarbeiter im flämischen Hoegaarden die Einfahrt dicht.

„Die Lagerhallen sind voller Bier, aber die Brauereien können nicht ausliefern“, beschreibt InBev die Lage. Deshalb wird Bier allmählich in den großen Lebensmittelketten knapp. „Ihnen gehen die Marken Stella, Jupiler, Hoegaarden und Leffe aus“, bestätigt eine Sprecherin des belgischen Handelsverbands Fedis. Auch in Gaststätten gehen die Vorräte zu Ende, wie es beim Brüsseler Berufsverband HoReCa heißt. Entsprechend groß ist derzeit das Aufsehen in Belgien, wo die InBev-Biere nach Unternehmensangaben 57 Prozent des Marktes abdecken.

Bier gehört zu Belgien wie das Manneken Pis zur Hauptstadt Brüssel. Laut einer Studie für den Verband „The Brewers of Europe“ (Die europäischen Brauer) gibt es 135 Brauereien in Belgien. Die Zahl fällt zwar deutlich kleiner aus als in Deutschland, wo an gut 1300 Stätten Bier gebraut wird. Trotzdem folgt Belgien beim Bierexport in Europa schon auf Platz zwei. Und im Hintergrund gehören die Belgier auf den weltweiten Biermärkten schon längst zu den Strippenziehern.

Die weiten Kreise von InBev

Obwohl Deutschland auch gemessen an der Jahresproduktion von rund 100 Millionen Hektoliter Bier noch immer die Brauereination Nummer Eins ist, gehört kein einziger deutscher Bierbrauer zu den großen internationalen Herstellern. Das Sagen haben Konzerne wie Carlsberg aus Dänemark, Heineken aus den Niederlanden, SABMiller aus Großbritannien - und eben Anheuser-Busch InBev aus Belgien, mit weltweit mehr als 200 Marken und einer 644-jährigen Geschichte.

Wenn Münchner im Biergarten ein „Helles“ der Marke Spaten oder Löwenbräu ordern, Bremer ein Pils aus dem Hause Beck genießen und Altbier-Trinker am Niederrhein zu einem Diebels greifen - immer steckt InBev dahinter. Das Unternehmen belegt Rang zwei unter den Brauereikonzernen in Deutschland. Immerhin: Ganz vorne liegt nach Auskunft des Deutschen Brauer-Bunds ein deutscher Konzern - die Radeberger Gruppe in Frankfurt (Radeberger, Jever, Schöfferhofer Weizen). Auf dem zersplitterten deutschen Biermarkt mit vielen kleinen Brauereien reicht dazu ein Marktanteil von rund 15 Prozent.

Bei InBev wollen sich Vertreter von Unternehmen und Gewerkschaften an diesem Freitag zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen. Die belgischen Bierliebhaber hoffen auf eine schnelle Lösung. (dpa)
http://www.sz-online.de/nachrichten/fotos.asp?artikel=2367626
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ManOfConstantSorrow

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Wilder Streik von dänischen Bierbrauern
« Antwort #4 am: 13:46:44 Di. 26.Januar 2010 »
23.01.10 - Heute morgen traten die Beschäftigten der dänischen Brauerei Carlsberg in Fredericia und Kopenhagen in einen selbständigen Streik. Der Grund ist, dass das Unternehmen jedem Arbeiter in einem Brief mitgeteilt hatte, dass es im Jahr 2010 keine Lohnerhöhung gebe. Daraufhin entschieden die Arbeiter gemeinsam, wieder nach Hause zu gehen, "um den Brief zu lesen". Zur Zeit laufen Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag.
http://www.rf-news.de/2010/kw03/23.01.10-selbstaendiger-streik-von-daenischen-bierbrauern
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Kuddel

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wilder Brauereistreik
« Antwort #5 am: 21:55:31 Mo. 12.April 2010 »
Zitat
Brauerei Carlsberg: Streik
Bierernste Botschaft

Bislang konnten sich die Mitarbeiter der dänischen Brauerei Carlsberg nach Belieben an Bier-Kühlschränken bedienen - doch nun sitzt die Belegschaft auf dem Trockenen.


"Es gibt kein Bier auf Hawaii" heißt es in einem bekannten Schlager aus den 1960er Jahren. Für Sänger Paul Kuhn Grund genug, dem pazifischen Inselparadies fernzubleiben. Doch nicht nur für deutsche Schlagerbarden hört der Spaß dort auf, wo Hopfen und Malz verloren sind: Hunderte Mitarbeiter der dänischen Brauerei Carlsberg sind in den Streik getreten, weil sie künftig am Arbeitsplatz kein Bier mehr trinken dürfen.

Anfang des Monats hatte die Unternehmensleitung strengere Alkohol-Richtlinien in Kraft gesetzt und sämtliche Bier-Kühlschränke in der Firma entfernt. Seitdem dürfen die Mitarbeiter nur noch in ihrer Mittagspause in der Kantine Bier trinken - zuvor konnten sie sich den ganzen Tag über an den Kühlschränken bedienen.

Die einzige Beschränkung bisher war, "dass man bei der Arbeit nicht betrunken sein durfte", sagte Unternehmenssprecher Jens Bekke. "Es war jedem einzelnen überlassen, sich verantwortungsvoll zu verhalten."

Aus Protest gegen die strengeren Regeln legten nun am Mittwoch und Donnerstag Hunderte Mitarbeiter die Arbeit nieder. Im Großraum Kopenhagen kam es daraufhin zu Verzögerungen bei der Bier-Auslieferung.

Die Carlsberg-Lastwagenfahrer schlossen sich dem Streik aus Solidarität an, obwohl sie laut Bekke von den neuen Richtlinien ausgenommen sind. Sie dürfen sich drei Biere aus der Kantine mitnehmen, weil sie häufig keine Zeit haben, dort ihr Mittagessen einzunehmen. Betrunkene Bier-Lieferanten gibt es dennoch nicht: Die Lastwagen der Brauerei sind laut Bekke mit Atemluftsensoren und Zündsperren ausgestattet, die verhindern, dass betrunkene Fahrer den Motor starten.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/976/508126/text/

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #6 am: 11:51:26 So. 27.März 2011 »
Zitat
Bundesweite Warnstreiks bei Brauereien

Bundesweit werden derzeit von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Warnstreiks im Brauereigewerbe durchgeführt. Sie richten sich gegen die Pläne der Unternehmer, in einem neuen Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) unter anderem eine Niedriglohngruppe einzuführen und damit die Beschäftigten in "Kern- und Randbelegschaften zu spalten". Die NGG fordert 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.
http://www.rf-news.de/2011/kw12/25.03.11-warnstreiks-bei-den-brauereien

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #7 am: 13:42:52 Di. 26.April 2011 »
Zitat
Bierbrauer im Streik
Kampf gegen Lohnsenkungen in ganz Bayern

Von Johannes Birk

In ganz Bayern haben bis zum Donnerstag noch einmal Hunderte Beschäftigte von Brauereien die Arbeit niedergelegt. Sie folgten damit einem Aufruf der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG), die im seit langem schwelenden Konflikt um Lohnsenkungen und die Einführung eines Niedriglohnbereichs in der Branche den Druck erhöhen will und mit unbefristetem Streik droht.

Die Warnstreiks erfaßten auch namhafte Betriebe wie die Brauerei Bischofshof (Regensburg), Spaten-Franziskaner-Bräu (München), Herrnbräu (Ingolstadt) und das Brauhaus Tegernsee, das sich im Besitz von Herzog Max von Bayern befindet.

Der Deutsche Brauerbund droht, mit der Kündigung des Bundesrahmentarifvertrags (BRTV) für die Bierbranche die Arbeitsbedingungen für bundesweit über 28000 Arbeiter und Angestellte wesentlich zu verschlechtern. Die Beschäftigten sollen systematisch in »Stammbelegschaften« und schlechter bezahlte »Randbelegschaften« aufgespalten werden. Zudem will der Unternehmerverband die Tür für weiteres Outsourcing von Unternehmensteilen offenhalten und Leistungszulagen streichen.

Nachdem die zentralen Tarifverhandlungen auf Bundesebene Anfang April ergebnislos geendet hatten, wurde die Tarifrunde auf die regionale Ebene verlagert. Um weiteren Konflikten mit der Belegschaft und der NGG aus dem Weg zu gehen, hat die Bremer Brauerei Beck’s inzwischen mit dem Abschluß eines Haustarifvertrags die Bestimmungen des BRTV wieder in Kraft gesetzt. Der Vereinbarung waren massive Warnstreiks und Proteste vorangegangen.

In Bayern könnte die Stunde der Wahrheit bei der nächsten regionalen Verhandlungsrunde Anfang Mai schlagen. Für den Fall, daß es dabei zu keiner für die Gewerkschaft akzeptablen Einigung kommt, rechnet der NGG-Landesbezirksvorsitzende Hans Hartl mit der Einleitung einer Urabstimmung über unbefristete Streiks. Somit könnte rechtzeitig zu Beginn der Sommersaison der Nachschub für bayerische Biergärten ins Stocken geraten.

Brauer und NGG fordern in der Auseinandersetzung auch eine Übernahme der Auszubildenden nach Ende ihrer Lehrzeit für mindestens zwölf Monate sowie eine Einkommenserhöhung von sechs Prozent. »Angesichts von zwei Prozent Teuerungsrate mit steigender Tendenz und steigenden Krankenkassenbeiträgen ist das bisherige Angebot des Brauerbundes von 2,1 Prozent viel zu wenig«, sagte Georg Schneider von der NGG Rosenheim gegenüber jW.
http://www.jungewelt.de/2011/04-23/041.php

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #8 am: 16:22:45 Mi. 30.September 2015 »
Zitat
Der gesunkene Bier-Konsum in Russland hat das 200-köpfige Personal einer Carlsberg-Brauerei im britischen Northampton zu dem sogenannten „italienischen Streik“ bewogen. Wie die Unite-Gewerkschaft am Dienstag mitteilte, beginnt der Streik an diesem Donnerstag.

„Löhne und Gehälter wurden seit April 2014 nicht indexiert. Ursache ist die schwere Lage auf dem Biermarkt in Russland, der durch die Entwertung der Landeswährung Rubel in Mitleidenschaft gezogen wurde“, sagte der örtliche Unite-Chef Sean Kettle. Die Indexierung sei auch für 2016 nicht geplant.

Den Angaben zufolge wird die Belegschaft einen regelrechten Streik beginnen, wenn die Carlsberg-Leitung keine Verhandlungen mit den Arbeitern aufnimmt. Beim „italienischen Streik“ werden alle Punkte der Anweisungen und internen Regeln peinlichst erfüllt, was normalerweise die Arbeit deutlich verlangsamt.

2014 hatte Carlsberg in Russland einen dreiprozentigen Rückgang beim Absatz gemeldet.
http://de.sputniknews.com/panorama/20150929/304596291/grossbritannien-carlsberg-russland-streik.html

Fritz Linow

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Re:Brauereistreik
« Antwort #9 am: 17:06:11 Mi. 30.September 2015 »
"Italienischer Streik" hört man hierzulande auch selten.
Prost!
Zitat
Wie Bier politisch wurde
Beim Rixdorfer Bierstreik im Jahr 1894 kämpften die Arbeiter für einen freien ersten Mai – indem sie bestimmte Biersorten boykottierten. Ein Gespräch mit dem Politologen Reinhard Wenzel
Bismarck hat 1881 in einer Rede vor dem Reichstag gesagt: „Es wird bei uns Deutschen mit wenig so viel Zeit totgeschlagen wie mit Biertrinken.“
Es mag Unterschiede gegeben haben zwischen norddeutscher Bierkultur und süddeutscher Weinkultur – aber getrunken haben sie damals alle. Das war übrigens auch keine Klassenfrage.

Bei welcher Gelegenheit war das Thema Bier denn für die deutsche Politik von zentraler Bedeutung? 
Ganz sicher beim Rixdorfer Bierstreik von 1894.
Worum ging es da?
Die Böttcher in Rixdorf sind in Streik getreten, weil sie einen Feiertag am ersten Mai durchsetzen wollten. Daraufhin haben die Brauereibesitzer die Böttcher ausgesperrt. Das ließen sich die übrigen Rixdorfer Arbeiter nicht zweimal sagen – und haben zum Boykott der Brauereien aufgerufen.

Das heißt, Bierkonsum – oder, präziser: Bierverzicht – wurde als politisches Druckmittel eingesetzt?
Ja. Die streikenden Böttcher haben natürlich zunächst einfach nur die Arbeit verweigert. Aber die solidarischen Arbeiter in Rixdorf, die haben dann aufgehört, das Bier der beteiligten Brauereien zu trinken.

Von wie vielen Streikenden sprechen wir?
Einige Zehntausende, vielleicht Hunderttausend. Rixdorf war damals der Arbeiter-Vorort Berlins! Die Rixdorfer Vereinsbrauerei war damals eine der größten Berliner Brauereien. Der Bierstreik hat Berlin insgesamt betroffen.

Wie lange hat das gedauert?
Ein halbes Jahr, von Mai 1894 bis Weihnachten. Bis irgendwann eine Lösung gefunden wurde. Die konnte man dann aber nicht mehr als Erfolg für die Arbeiter bezeichnen.

Welche Rolle hat Bier im neunzehnten Jahrhundert in der Arbeiterbewegung gespielt?
Es war ganz selbstverständlich, dass man sich zum Diskutieren getroffen und dabei Bier getrunken hat. Heute machen die Parteien Mitgliederversammlungen, Bürgerforen, und so weiter. Das war damals anders: Man hat sich zum „Zahlabend“ getroffen, an dem die Mitglieder ihre Beiträge entrichteten. Und diese „Zahlabende“ fanden in Kneipen statt: In Neuköln, Kreuzberg und im Wedding gab es an jeder Straßenkreuzung vier Eckkneipen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Arbeiterbewegung – und die Politik insgesamt – im neunzehnten Jahrhundert Männersache war. Bis 1907 war es Frauen verboten, Mitglieder politischer Parteien zu werden. Natürlich gab es einige wenige Ausnahmen, denken Sie an Rosa Luxemburg. Aber im Prinzip war Politik noch Männersache, und Männer haben Bier getrunken. Heute ist das etwas anders.

Welche Rolle spielt Bier heute in der Politik?
Eins hat sich nicht geändert: Entscheidungen werden durch gemeinsames Trinken besiegelt. Das ist in der Politik immer schon ein wichtiges Ritual gewesen, vermutlich auch schon vor 5.000 Jahren. Wenn man gemeinsam etwas erreicht hat, dann geht man Einen trinken: Das machen alle, von den Abgeordneten bis zu den Schulelternvertretern. Wo man zum Trinken hingeht, ist aber milieuabhängig. Aber das Bier spielt heute nicht mehr dieselbe Rolle wie in der Vergangenheit. Man muss auch sagen: Heute gibt es zunehmend Politiker, die sich an die Weisung des alten Arbeiterabstinentenbundes halten, dass politisch Engagierte durchsetzungsfähiger sind, wenn sie nüchtern bleiben. Vielleicht kann man sogar sagen: Die Politik insgesamt wird nüchterner und professioneller.
http://www.cicero.de/berliner-republik/bier-ist-politisch/54304

Rudolf Rocker

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Re:Brauereistreik
« Antwort #10 am: 18:28:47 Mi. 30.September 2015 »
Zitat
„italienischen Streik“
kenne ich unter dem Begriff "Bummelstreik"
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #11 am: 10:35:24 Fr. 27.April 2018 »
Zitat
Streik In Bremen
Beck’s-Mitarbeiter streiten um Geld



Mitarbeiter setzten bei Beck & Co. mit einem Warnstreik ein Zeichen. Sie fühlen sich vom Unternehmen unterbezahlt.

Die Beschäftigten fordern 240 Euro mehr. Sollte keine Einigung erzielt werden, gebe es weitere Lohnkämpfe.


Bremen Bei der Brauerei Beck & Co. wurde zeitweise kein Bier gezapft. Laut der Medienagentur „Nonstopmedia“ streikten die Mitarbeiter der Bierfabrik in Bremen, weil sie mehr Geld für mehr Gerechtigkeit fordern. Die Nachtschicht vom Montag auf den Dienstag habe mit rund 200 Mitarbeitern die Arbeit niedergelegt. Früh- und Spätschicht riefen ebenfalls auf, sich am Warnstreik am Dienstag von 12 bis 16 Uhr zu beteiligen. Hier seien es auch jeweils um die 200 Menschen gewesen.

Am heutigen Donnerstag sind neue Tarifverhandlungen angesetzt. Die Mitarbeiter fordern ein Festgeld von 240 Euro. Beck’s bietet laut Betriebsratsmitglied Markus Kornemann aktuell aber nur 75 Euro mehr an. „Der Konzern verdient sich dumm und dämlich. Für die Mitarbeiter bleibt nichts übrig.“, so Kornemann weiter. Jorge Jacinto, ebenfalls im Betriebsrat ist sauer: „Wir müssen immer betteln. Wir müssen auf diese Art und Weise auf uns aufmerksam machen. Das ist ein No-Go, dass man nicht vernünftig miteinander reden kann.“

Sollten beide Seiten nicht zu einer Einigung kommen, seien weitere Streiks laut Markus Kornemann vorprogrammiert: „Wir werden so lange streiken, bis wir unsere Forderungen durchgesetzt haben.“
https://www.nwzonline.de/bremen/bremen-streik-in-bremen-becks-mitarbeiter-streiten-um-geld_a_50,1,1926745723.html

Ich habe vor vielen Jahren dort gearbeitet. Habe meinen ersten wilden Streik da erlebt.
Jetzt finde ich es mit der Festgeldforderung von 240€ absolut vorbildlich. Verdi hat das ja beim Poststreik nicht hingekriegt.

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #12 am: 13:18:44 Sa. 28.April 2018 »
Zitat
Beck's-Mitarbeiter bekommen mehr Geld

Rückwirkend zum 1. Februar erhalten die Mitarbeiter der Brauerei Beck & Co sowie der Firma Roland Dienstleistungsservice in allen Lohngruppen jeweils 100 Euro mehr pro Monat. Nach NGG-Angaben bedeutet das für den Ecklohn Beck's  2,92 Prozent mehr und für den Ecklohn Roland 3,66 Prozent mehr. Außerdem erhält jeder zum Haustrunk, der zusteht, eine zusätzliche Biermarke mehr pro Monat. Darüber hinaus erhalten elf Mitarbeiter, die bisher einen zeitlich befristeten Vertrag haben, einen unbefristeten Vertrag. Und es wurde garantiert, dass vier Auszubildende übernommen werden.

Tarifvertrag läuft zum Jahresende aus
Eine lange Laufzeit hat dieser Tarifvertrag nicht. Er soll zum Jahresende auslaufen. Dieter Nickel sagte zu diesem Ergebnis: "Wir haben mit diesem Abschluss sowohl eine spürbare Erhöhung der Reallöhne durchgesetzt als auch für befristete Kolleginnen und Kollegen und Azubis eine Perspektive geschaffen. Dieses Ergebnis war allerdings nur möglich, weil unsere Mitglieder in beeindruckender Weise die
Tarifkommission unterstützt haben." Damit bezog sich der NGG-Geschäftsführer auch auf alle, die sich am Warnstreik sowohl Dienstagabend als auch am Mittwoch in den Mittagsstunden beteiligten. Ihnen dankte Nickel ausdrücklich.
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-wirtschaft_artikel,-becksmitarbeiter-bekommen-mehr-geld-_arid,1724417.html


Eine Festgelderhöhung und eine kurze Vertragslaufzeit. Das absolute Gegenteil dessen, was Verdi gerade fabriziert hat.
Als ich da gearbeitet hatte, war der NGG Organisierungsgrad nahezu 100%. Der Betriebsrat war scheiße.

Ein Kasten Haustrunk pro Monat mehr. Prost!

Kuddel

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Re:Brauereistreik
« Antwort #13 am: 21:33:38 Fr. 01.Juni 2018 »
Alarm!
Das Bier geht aus!

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