Autor Thema: Ausbeutung 2.0  (Gelesen 603 mal)

dagobert

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Ausbeutung 2.0
« am: 20:17:02 Do. 27.April 2017 »
Zitat
Ausbeutung 2.0

Polnische Arbeiter werden in Deutschland oft um ihren Lohn gebracht. Die Verantwortlichen müssen kaum etwas befürchten

An den Polnischen Sozialrat werden sich jedes Jahr 5000 Arbeiter, die sich von deutschen Arbeitgebern übers Ohr gehauen fühlen. Sie sprechen wenig deutsch und können sich kaum wehren gegen endlose Geflechte von Subunternehmen und Firmen, die nur aus einem Briefkasten bestehen. Bei einem deutsch-polnischen Anwalt in Berlin melden sich jeden Tag bis zu zehn Betroffene.


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In der EU herrscht Arbeitnehmerfreizügigkeit. Jeder soll in jedem Land in Europa arbeiten können, zu gleichem Lohn. Doch für polnische Arbeiter, die auf deutschen Baustellen mauern, Pakete ausliefern oder Senioren pflegen, gilt das häufig genug nicht. Sie werden ausgebeutet von dubiosen Arbeitsvermittlern, können sich ohne Sprachkenntnisse und gewerkschaftliche Vertretung kaum wehren und kehren nach einigen Monaten oft frustriert in ihre Heimat zurück.
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Artur Schulz, ein aus Polen stammender Berliner Anwalt für Arbeitsrecht, erzählt von hunderten Betrugsfällen jedes Jahr. Täglich meldeten sich in seiner Kanzlei fünf bis zehn Arbeiter, die über Ausbeutung durch deutsche Chefs klagten. Doch er könne nur wenigen helfen. Die meisten geben an, dass ihre Überstunden nicht bezahlt werden. Bis der Lohn in der Bauindustrie ausgezahlt wird, sind oft Wochen oder sogar Monate vergangen. Dann können die Betrogenen ihre Arbeitszeiten nur noch schwer nachweisen.

„Fehlende Sprachkenntnisse werden ausgenutzt“, sagt Schulz. „Arbeiter in dieser Branche müssen damit rechnen, für ihre Arbeit nicht oder nur teilweise bezahlt zu werden.“ Er schätzt, dass Migranten auf Baustellen im Schnitt um ein Fünftel ihres Lohns gebracht werden. Die Gewinne kommen jenen Firmen zugute, die höher in der Hierarchie der Subunternehmen stehen. Und den Bauherren, die von günstige Preisen profitieren.

Für die Sub-Sub-Sub-Unternehmen ist das Risiko gering: „Die Arbeiter werden ausgenutzt und betrogen, dann gehen sie und es kommen neue“, sagt Kamila Schöll-Mazurek vom polnischen Sozialrat in Berlin, einem privaten Verein, der seit über drei Jahrzehnten Polen in Deutschland berät. „Die Vertreter der Firma verschwinden einfach. Und die Arbeiter haben niemanden, an den sie sich wenden können.”
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Auch der Mindestlohn wird oft unterlaufen, indem die Arbeiter als Scheinselbständige nicht nach Stunden, sondern nach unrealistischen Stückzahlen bezahlt werden. Schulz erzählt von einer Polin, die die Treppenhäuser von Wohnhäusern putzte. Rechnete man die vereinbarte Anzahl an Treppenhäusern auf einen Stundenlohn um, sollte sie etwa sechs Euro pro Stunde erhalten. Aber sie wurde zwei Monate lang überhaupt nicht bezahlt. Als sie ihren Lohn einklagen wollte, konnte sie nicht nachweisen, dass sie die Arbeit überhaupt getan hatte.

„Ich weiß nicht, wie es ist, zwei Monate zu arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden“, sagt Artur Schulz. „Ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlt. Es ist Gewalt.“
https://correctiv.org/recherchen/arbeit/artikel/2017/04/27/ausbeutung-polnischer-arbeiter-deutschland/

Tiefrot

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Re:Ausbeutung 2.0
« Antwort #1 am: 20:28:52 Do. 27.April 2017 »
Nimmt solcher Scheiß denn gar kein Ende mehr ?  X( kotz
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

counselor

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Re:Ausbeutung 2.0
« Antwort #2 am: 22:06:52 Fr. 07.Dezember 2018 »
Zitat
Menschenrechtsbericht kritisiert Ausbeutung

Berlin (kobinet) "Ausbeutung ist ein risikoloses Geschäft", so titelt das Deutsche Institut für Menschenrechte die Presseinformation zum aktuellen Menschenrechtsbericht, der u.a. schwere Ausbeutung von Arbeitsmigranten, Zwang in der Psychiatrie und die Rüstungsexportkontrolle behandelt. Zum dritten Mal stellt das Deutsche Institut für Menschenrechte seinen jährlichen Bericht über die Entwicklung der Menschenrechtssituation in Deutschland vor. "Menschenrechte müssen immer wieder errungen und bekräftigt werden. Sie erscheinen zwar heute selbstverständlich, in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen sind sie es jedoch keineswegs, auch hierzulande", sagte die Direktorin des Instituts, Beate Rudolf, heute in Berlin.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/39212/Menschenrechtsbericht-kritisiert-Ausbeutung.htm
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!