Autor Thema: Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel  (Gelesen 13342 mal)

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Vor 100 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #15 am: 13:57:11 Sa. 03.November 2018 »
Heute vor 100 Jahren versammelten sich 250 Matrosen und Arbeiter vor dem Gewerkschaftshaus, um die Freilassung inhaftierter "Meuterer" zu fordern.

Die roten Fahnen an dem Gebäude haben etwas operettenhaftes in Zeiten, in denen die DGB Gewerkschaften für Sozialpartnerschaft und sozialen Frieden (Friedhofsruhe!) in den Betrieben stehen.



Der örtliche DGB Chef und Sozialdemokrat Frank Hornschu mimte mit einer roten Armbinde den Revoluzzer



und hieß hohe Militärs willkommen.



Eine Bonzenkarre mit Berliner Kennzeichen fuhr zu den Feierlichkeiten zum Verrat an der Revolution.



Es wurden angesichts der Feierlichkeiten von Militärs und Bonzen aus Politik und Gewerkschaft andere Stimmen laut.



Gegen die Vernichtung von Erinnerungskultur



Verrat damals und heute.



Die Forderungen der revolutionären Matrosen sind noch gültig.



In wenigen Worten:



Eine geschichtliche Erinnerung zum Treffen der Bonzen:



Das Transparent provozierte Reaktionen, neben Zustimmung erlebten wir einige Gesichstsentgleisungen und wußten, daß sie zur Partei Noskes gehörten.

Kuddel

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Re:Vor 100 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #16 am: 18:29:06 Sa. 03.November 2018 »
Das lokale Schmierblatt Kieler Nachrichten beschrieb die Feierlichkeiten der Arschlöcher aus Politik, Gewerkschaft und Marine in der Onlineausgabe so:

Kiel auf den Spuren der Revolution

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sprach von einem Ereignis von nationalgeschichtlicher Bedeutung: "Die Kieler Matrosen beschritten den Weg in eine freiheitliche, demokratische und entmilitarisierte Gesellschaft – auch wenn der Einsatz nicht in Gänze erfolgreich war." Die Ereignisse des 3. November 1918 bezeichnete Kämpfer als "Weltgeschehen - made in Kiel."



Landes-Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, "auch heute braucht es wieder Mut, für die richtige Sache einzustehen. Daran soll uns 1918 erinnern."




Bildungsministerin Karin Prien im Gespräch mit Reiner Hoffmann, dem Bundesvorsitzenden des DGB.


Im Gespräch von links : Prof. Jörn Leonhard vom Historischen Seminar an der Christian- Ludwigs Universität Freiburg, Christian Bock, Flottillenadmiral und Frank Hornschu, Geschäftsführer des DGB Kiel Region.

Die Grußworte von Flottillenadmiral Christian Bock, der den Matrosenaufstand als historisches Lehrbeispiel für die Bundeswehr bezeichnete, wurden kurzfristig von Aktivisten gestört.



Diese entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Krieg dem Terror: Nato zerschlagen" entrollten.




Protestaktion störte lauthals den Vortrag von Flottillenadmiral Christian Bock

http://www.kn-online.de/Kiel/Matrosenaufstand-Kiel-Gedenkveranstaltungen-und-Demos-zum-100.-Jahrestag




Das eklige Panoptikum posiert zum Gruppenbild


Von links: Frank Hornschu, Geschäftsführer DGB Kiel Region, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Bildungsministerin Karin Prien und Reiner Hoffmann, Bundesvorsitzender des DGB.
Der Chefduzen-Stylewatch empfiehlt den Blick nach rechts: Alle Typen im Bildhintergrund tragen rasierte Glatze.

Fritz Linow

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Re:Vor 100 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #17 am: 21:40:00 Sa. 03.November 2018 »
Zwischendurch mal ein Foto von Norbert Gansel zusammen mit Lothar Popp, einem der treibenden Kräfte während des Matrosenaufstandes, Ende der 70er:

Quelle: kurkuhl.de
Gansel, der alte Drecksacksozialdemokrat, hatte kurz nachdem er in den Bundestag gewählt worden war, dafür gesorgt, dass die staatlichen Rüstungsaufträge auch weiterhin nach Kiel kamen. Das widersprach seinem pazifistischen und sozialistischen Juso-Gelaber zuvor in krassester Art. Später hat dieser schmierlappige und gläserne Abgeordnete dann als Bürgermeister alle stadteigenen Wohnungen verscherbelt, was heutzutage zu massiven sozialen Problemen führt. In eben dieser traurigen Tradition muss auch der jetzige Bürgermeister Ulf Kämpfer gesehen werden. Verlogen bis zum Gehtnichtmehr, aber immer interessiert…


admin

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Vor 100 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #18 am: 21:42:36 Sa. 03.November 2018 »
Zu diesem Moment läuft die 3. große Aktion des Tages: Die sozialrevolutionäre Abenddemo.
Ich habe entschieden, meine müden Knochen auszuruhen und stattdessen ein wenig Medienarbeit in der Sache zu machen.

Ich kann nicht gut schätzen, gehe aber von bis zu 1500 Teilnehmern bei der Demo aus, die um 14:30 vom Platz der Matrosen am Haupbahnhof startete (wobei ich nicht die Demo verschweigen möchte, die zuvor am Iltisbunker in Kiel-Gaarden begann).












Es ist wohl von der DKP überregional mobilisiert worden. Noch nie sah ich in der Stadt so viele Fahnen dieser Partei.





Immerhin fehlten hier die sonst bei jeder Demo auftauchenden SPD Fahnen, nicht einmal die Jusos wagten es, sich mit ihren Flaggen zu zeigen. Ufff.


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Vor 100 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #19 am: 10:35:52 So. 04.November 2018 »






Der Beitrag des kieler Chefduzen-Stammtischs:







Wer war für den Besetzung des Lautsprecherwagens zuständig? Man hatte da kein glückliches Händchen.
Bei den Reden schliefen einem die Füße ein. Es wurden die schlechtesten historischen Aufnahmen der bekanntesten Arbeiterlieder runtergeleiert. Es hätte sich da auch niemand über einen Redebeitrag von Walter Ulbricht gewundert.





Eines der meistfotografierten Transparente der Demo.







Der historisierende und Kulturlastige Programmablauf auf dem Rathausplatz ließ keine sonderlich revolutionäre Stimmung aufkommen.



admin

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #20 am: 10:50:05 So. 04.November 2018 »






Die Stimmung änderte sich erst, als vom Rathausbalkon Ansprachen gehalten wurden.



Wohl wegen technischer Probleme begannen die Reden ohne Lautsprecherverstärkung, recht authentisch und zur Situation vor 100 Jahren passend. Es wurden Teile von Reden der revolutionären Soldaten und Arbeiter gehalten und gemischt mit Bezügen zur heutigen Situation. Die in Kiel dominierende Rüstungsindustrie wurde ebenso thematisiert, wie die unmenschliche Politik gegen Migranten, sowie das Sterben flüchtender Menschen im Mittelmeer.



Es war bewegend, als Nachdrucke historischer Flugblätter vom Rathausbalkon geworfen wurden, denn die Forderungen der Revolutionäre haben ihre Gültigkeit nicht verloren.

Gegen Krieg und Autoritäten! Alle Macht den Räten!



Wir waren bei der Fortsetzung des Demonstrationszuges aus historischen Pfaden nicht mehr dabei, denn wir wollten uns den Totengäbern der Revolution widmen. Wir zogen mit dem Transparent zum SPD Haus.



Das ins Wanken geratene Kaiserreich versuchte mIt Hilfe von Sozialdemokraten seine Macht zu retten und Reichskanzler Prinz Max von Baden schickte Gustav Noske nach Kiel, um dort die Lage zu beruhigen. Noske wurde zwar umgehend zum Vorsitzenden des örtlichen Arbeiter- und Soldatenrates gewählt, vermochte aber nicht das Übergreifen der Revolution auf das gesamte Reichsgebiet zu verhindern.



Noske war als Volksbeauftragter für Heer und Marine verantwortlich für die Niederschlagung des Januaraufstandes 1919 (Spartakusaufstand), bei der auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden.



Es gab viele positive Reaktionen auf unsert Transparent. Einer beanstandete, daß ein weiterer Verräter der Revolution unerwähnt geblieben ist: "Friedrich Ebert. Der gehörte auch zu den Totengräbern. Und heute ist eine Stiftung nach ihm benannt."

Zitat
Friedrich Ebert, seit 1913 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und amtierte von 1919 bis zu seinem Tode als erster Reichspräsident der Weimarer Republik.

Während des Krieges vertrat er nachdrücklich und bis zum Schluss die Politik der „Vaterlandsverteidigung“ und des innenpolitischen Stillhaltens (Burgfriedenspolitik).

 In den Jahren 1919 bis 1923 ließ Ebert mehrere Aufstände von revolutionären Sozialisten mit Waffengewalt niederschlagen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ebert


Onkel Tom

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #21 am: 15:12:52 So. 04.November 2018 »
Schön, das die Bonzen von heute den Matrosenaufstand nicht so für sich
intrumentallisieren konnten, wie sie sich das zuvor vorstellten.
Lass Dich nicht verhartzen !

counselor

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #22 am: 15:46:01 So. 04.November 2018 »
Die sozialdemokratischen Bonzen sind echt ekelhaft.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

BGS

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #23 am: 16:07:46 So. 04.November 2018 »
Die sozialdemokratischen Bonzen sind echt ekelhaft.

In der Tat.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

NachbarArsch

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #24 am: 16:38:06 Mi. 07.November 2018 »
Von Classless Kulla gibt es nen netten Vortrag zu den Ereignissen damals. Leider hab ich den Vortrag verpasst, aber man kann ihn hier "fernsehen".
https://www.youtube.com/watch?time_continue=5316&v=yQ12EUHV3ag

Er beginnt mit der Vorarbeit und zeigt das all das nicht vom Himmel gefallen ist. Was folgt sind verschiedene Ereignisse und fortführende Kämpfe innerhalb der nächsten 5 Jahre. Letzendlich zeigt er auch auf was das alles mit der Machtergreifung der Nazis 10 Jahre später zu tun hat.
Schönes Schlusswort: " Klassenkampf ist nicht alles, aber ohne Klassenkampf ist alles nichts"

Hier der Blog von Classless:
https://www.classless.org/

counselor

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Re:Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #25 am: 20:28:04 Fr. 09.November 2018 »
Zitat
9. November 1918 - Heute vor 100 Jahren: Ausrufung der sozialistischen Republik

Heute vor 100 Jahren rief in Berlin - mitten im auflodernden revolutionären Kampf von Arbeitern, Soldaten und breiten Massen - Karl Liebknecht vom Spartakusbund die sozialistische Republik in Deutschland aus.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw45/buergerliche-oder-sozialistische-republik-richtungskampf-in-der-novemberrevolution-hat-heute-bedeutung
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Kuddel

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Re: Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #26 am: 19:54:24 Mi. 30.Januar 2019 »
Proteste erfolgreich!


Bis zum bitteren Ende: Das 1987 entstandene Revolutionsbild von Shahin Charmi bleibt bis auf Weiteres so, wie es jetzt ist. Der Siegerentwurf eines städtischen Wettbewerbs, der das Bild eigentlich ersetzen sollte, wird voraussichtlich an anderer Stelle realisiert.

http://www.kn-online.de/Kiel/Kiel-Bunkerbild-in-Gaarden-bleibt-Stadt-will-es-nun-doch-nicht-ersetzen

Kuddel

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Re: Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #27 am: 15:50:49 Di. 12.Februar 2019 »
Zitat
Nah an Noske

Wolfgang Thierse (SPD) brachte das Gedenken an den Bürgerkrieg vor 100 Jahren und die Rolle seiner Partei dabei in der Leipziger Volkszeitung auf den Punkt: »Es gab radikalisierte Elemente in der Arbeiterschaft. Die waren nun mit Waffengewalt zu besiegen. Das bleibt ein schmerzlicher Vorgang, auch im Rückblick, aber man kann doch wissen, dass der Weg, der dann eingeschlagen wurde, der bessere war.«

Wer der Frage nachgeht, wie in Deutschland weniger als 14 Jahre nach dem massenhaften Versuch einer Revolution die Nazis an die Macht kommen konnten, findet einen Großteil der Erklärung im Terror, mit dem die Regierung Ebert und ihr Kriegsminister Noske gegen die aufständischen ArbeiterInnen vorgingen. Im Januar 1919 setzten sie in Berlin zum ersten Mal Freikorps zusammen mit Freiwilligen aus dem Bürgertum als Sturmtruppe der Konterrevolution ein. In den folgenden Monaten gingen sie in ganz Deutschland gegen die massiven Streiks und die Versuche zur Ausrufung einer Räterepublik mit Tanks, Flugzeugen, Artillerie und Minenwerfern vor. Bei der blutigen Niederschlagung des Berliner Generalstreiks vom März 1919 hatten sie mit einem Schießbefehl die Erlaubnis zum offenen Terror auch gegenüber Zivilisten gegeben, was nicht einmal das alte Preußen gekannt hatte. Karl Heinz Roth schreibt im Vorwort zu Klaus Gietingers Buch »November 1918 − der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts« (Nautilus 2018): »(Gustav Noske) hatte einen durch seine Parteiführung gedeckten Schießbefehl erlassen, der die Kontinuität zu den deutschen Kolonialmassakern zu Beginn des Jahrhunderts und zu den während des Ersten Weltkriegs begangenen Kriegsverbrechen herstellte und nun auf die eigene Bevölkerung – darunter auch Teile der eigenen Parteibasis – übertrug.«

Der aktuelle Grünenchef Robert Habeck hat vor zehn Jahren ein Theaterstück über 1918 geschrieben, in dem Gustav Noske recht positiv wegkommt; von der FAZ im Juni 2018 darauf angesprochen, erklärte er: »Als ich das mit meiner Frau schrieb, befand ich mich in einer Situation, in der ich politisch mehr Verantwortung übernehmen wollte, deswegen war mir die Noskesche Situation schon sehr nahe.«
https://www.wildcat-www.de/wildcat/103/w103_edi.html

NachbarArsch

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Re: Vor 90 Jahren: Matrosenaufstand in Kiel
« Antwort #28 am: 14:35:59 Do. 15.August 2019 »
Hier ein Video zur revolutionären Demo zum ArbeiterInnen-Matrosenaufstand.
Sie begann, nach der Nachmittagsbündnisdemo, um 18 Uhr am 3.11 am Platz der Matrosen in Kiel.