Autor Thema: Führte die Weltwirtschaftskrise in den Zweiten Weltkrieg?  (Gelesen 1632 mal)

Jens95

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Führte die Weltwirtschaftskrise in den Zweiten Weltkrieg?
« am: 17:09:36 Mi. 05.November 2008 »
F: Was hatten Deutschland, Japan und Italien gemeinsam?

A: Sie waren hochbevölkerte Länder die sich nicht selbst mit Rohstoffen und Lebensmitteln versorgen konnten.

F: Wie kommen diese Länder an die benötigten Rohstoffe und Lebensmittel?

A: Sie müssen sie kaufen.

F: Woher haben sie das Geld dafür?

A: Sie müssen dafür exportieren.

F: Was passierte in der Weltwirtschaftskrise von 1929?

A: Niemand kaufte mehr. Der Welthandel brach sogar zusammen.

F: Wie kommen diese Länder dann an die benötigten Rohstoffe und Lebensmittel?

A: Gar nicht!

F: Was ist der Ausweg?

A: Krieg! Zur Eroberung der Rohstoffe und Lebensmittel!



Aus Hitler Denkschrift zum Vierjahresplan vom August 1936:

„Es ist aber gänzlich belanglos, diese Tatsachen immer wieder festzustellen, d. h. festzustellen, daß uns Lebensmittel oder Rohstoffe fehlen, sondern es ist entscheidend, jene Maßnahmen zu treffen, die für die Zukunft eine endgültige Lösung, für den Übergang eine vorübergehende Entlastung bringen können.
Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes. Es ist die Aufgabe der politischen Führung, diese Frage dereinst zu lösen. […]

Ich stelle damit folgende Aufgabe:
I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.
II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.“


Aus dem Vortrag des Bankiers und Vorstandsmitglieds der Deutschen Bank, Georg Solmssen
vor dem Arbeitsausschuß für landwirtschaftliche Fortbildungskurse in Stettin am 8. April
1929:

„Deutschlands Nahrungsnot, landwirtschaftliche Betrachtungen eines Wirtschaftlers

[…]

Von dem Gesamt-Lebensmittelverbrauch werden mithin nur 83,3% von der heimischen
Landwirtschaft und 16,7% durch Einfuhr aus dem Ausland bestritten. Auf die
Bevölkerungsziffer angewandt, bedeutet diese Relation, dass beinahe der sechste Teil der
gesamten deutschen Bevölkerung in seiner Ernährung davon abhängig ist, dass uns die Mittel
zur Verfügung stehen, um diesen Ernährungsanteil aus dem Auslande zu beziehen. […] Um
im Ausland einkaufen und die ausländischen Waren mit ausländischen Valuta bezahlen zu
können, muss die Nation als ganzes den entsprechenden Überschuss an Kaufkraft aufbringen.
Dieser Überschuss lässt sich nur dadurch erzielen, dass die Ziffer unserer Exporte in
entsprechender Höhe die Ziffer unserer Importe übersteigt und wir entsprechend in
genügendem Ausmaße über Forderungen an das Ausland verfügen, um sie gegen die
Ausgaben, welche die notwendige Lebensmitteleinfuhr verursacht, aufzurechnen. Leider zeigt
 unsere Handelsbilanz, d.h. die Vergleichung der sich für unsere Gesamtwirtschaft aus
Einfuhr und Ausfuhr ergebene Warenwerte, keine Überschüsse, sondern ein Minus. […]
Dieses Missverhältnis zwischen Einahmen und Ausgaben der Gesamtwirtschaft im Verhältnis
zum Ausland konnte nur durch Aufnahme von Darlehen im Auslande ausgeglichen werden
[…] Diese Entwicklung ist so schlüssig und klar, dass man sich immer wieder darüber
wundern muss, wie wenig die darin liegende, unheimliche Logik bisher in weiteren Kreisen
des Volkes begriffen worden ist. […] Wir sehen also, wir mögen die Dinge drehen und
wenden wie wir wollen, immer wieder die Gefahr auftauchen, dass eines Tages die
Möglichkeit fehlt, um das auf Auslandsnahrung angewiesene Sechstel der deutschen
Bevölkerung durch Auslandszufuhr zu ernähren. Die Nahrungsunfreiheit ist das Gespenst,
dass unsere Zukunft beschattet, und die Sorge seiner Abwehr muß sich als Alp auf die Brust
eines jeden legen, der nicht gedankenlos dem Augenblicke lebt.“

Quelle: Georg Solmssen, Beiträge zur Deutschen Politik und Wirtschaft 1900-1933, Gesammelte Aufsätze und Vorträge, München/Leipzig 1935, Band 2, S. 781 ff.




Warum singen sie uns das Hitler-Märchen?

Nestor

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Re: Führte die Weltwirtschaftskrise in den Zweiten Weltkrieg?
« Antwort #1 am: 16:26:05 Fr. 07.November 2008 »
Natürlich könnte Deutschland genug Nahrung produzieren.
Das Problem liegt wohl mehr dadrin, dass Unternehmen nur an die produzieren und Verkaufen, welche über das nötige Geld verfügen; doch sind die Unternehmen auch gleichzeitig für die Auszahlung des Geldes verantwortlich.
Jeder Kapitalist will, dass alle anderen Kapitalisten ihrer Belegschaft möglichst viel Geld auszahlen, damit so möglichst viel Geld in Umlauf ist; dann lässt sich mehr verkaufen, denn Geld ist Nachfrage. Aber seiner eigenen Belegschaft möchte der Kapitalist möglichst garnichts auszahlen, um so den persönlichen Profit zu steigern. Das führt dazu, dass die Leute kaum Geld mehr haben für Nahrungsmittel, und so auch keiner für sie diese produzieren will.
Der Export ist dann nur zum Gelderwerb der eigenen Bevölkerung wichtig, damit die Unternehmer auch bereit sind, ihnen was dafür zu verkaufen.
Deutschland ist also abhängig vom Export, wie alle anderen Länder auch, die sich im Kapitalismus befinden.

Nestor

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Nationalökonomie Von Kurt Tucholsky
« Antwort #2 am: 16:17:21 So. 28.Dezember 2008 »
Nationalökonomie
Von Kurt Tucholsky

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.

Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. "Geld". Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da - meist nicht da.

Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfuß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird in den Staatsbanken der sog. "Diskont" ausgewürfelt; es ist den Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.

Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten. Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert. Dafür hat der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger Wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, ruft er die andern an und sie bilden einen Trust, das heißt, sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.

Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, also deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import, welches im Plural eine Zigarre ist.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. "Stützungsaktion", bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr. Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dies den "Ernst der Lage".

Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Jede AG hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die AG haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die AG keine Steuern zahlen kann, werden in einer sog. "Bilanz" zusammengestellt.

Die Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt - am nächsten Tag - das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.

Ich hoffe, dass diese Angaben so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen, Wechselunterschriften und andern Handelsverpflichtungen - also ohne jedes Obligo.

Erschienen unter dem Pseudonym Kaspar Hauser in: Die Weltbühne, 15. September 1931 (leicht gekürzt)

Strombolli

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Re: Führte die Weltwirtschaftskrise in den Zweiten Weltkrieg?
« Antwort #3 am: 16:56:41 So. 28.Dezember 2008 »
Eben, Nestor.

Und nun fragen wir mal stichprobenartig die 10 nächsten, fremden Menschen, die uns zufällig begegnen mal nach Kaspar Hauser. Als erstes Hilfsmittel dann das Stichwort Kurt Tucholsky und dann Weltbühne ...

Es wird katastrophale Bildungsdefizite unserer Bevölkerung offenbaren.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig