Autor Thema: ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet  (Gelesen 10251 mal)

Eivisskat

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ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet
« am: 19:14:12 Mi. 05.November 2008 »
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Hotels beschäftigen Fremdfirmen, die Hungerlöhne zahlen

Zwischen 104 und 324 Euro kostet die Nacht in einem Vier-Sterne-Hotel in Hamburg. Eine Menge Geld - von dem diejenigen, die dafür sorgen, dass man sich wohlfühlt, nicht viel sehen: Die Zimmermädchen bekommen in vielen Hamburger Hotels nach wie vor nur Hungerlöhne, wie das Straßenmagazin "Hinz & Kunzt" in seiner November-Ausgabe aufdeckt.

Bald zwei Jahre ist es her, dass Antonia H. für Schlagzeilen sorgte. Die damals 23-Jährige putzte im Dorint Hotel am Alten Wall und bekam dafür nur 2,46 Euro pro Stunde. Brutto! Bald darauf startete der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga eine Initiative gegen Lohndumping, der sich 121 Hamburger Häuser anschlossen. Sie stehen seitdem für faire Löhne ein und versprechen den Dehoga-Tarif von 7,30 Euro pro Stunde bzw. den gesetzlichen Mindestlohn für Gebäudereiniger von 8,15 Euro pro Stunde bei Fremdfirmen.

Doch die Realität sieht anders aus. Laut "Hinz & Kunzt" verdienen die Zimmermädchen nicht nur in den 180 Hotels, die sich der Initiative nicht angeschlossen haben, sondern auch in den angeblich "fairen" oft deutlich weniger. Grund: Die Hotels beauftragen externe Reinigungsfirmen, und dabei wird ordentlich getrickst:

- Trick 1: Die Firmen zahlen nach Akkord. Das heißt: Sie zahlen pro geputztes Zimmer, nicht pro Stunde. "Akkordlohn ist illegal", sagt André Grundmann von der Gewerkschaft IG BAU.

- Trick 2: Die Firmen schließen 20-Stunden-Verträge zum Mindestlohn ab, geben dabei aber eine bestimmte Zimmerzahl vor. Wer die nicht schafft, muss länger arbeiten, kriegt weniger Geld - oder fliegt.

- Trick 3: Die Firmen stellen sogenannte freiberufliche Zimmermädchen an. André Grundmann: "Auch das ist illegal, denn es handelt sich um Scheinselbstständigkeit - die Arbeiter müssen für Renten-, Krankenversicherung und Steuern selbst aufkommen. Die Firmen nutzen es aus, dass in dieser Branche oft Ausländer arbeiten, die sich nicht auskennen oder die Angst haben, aufzufliegen."

Laut Lutz Nikolaus vom Dehoga hat sich die Lage gegenüber dem vergangenen Jahr dennoch gebessert: "Die Tendenz ist, dass die Hotels die Zimmermädchen wieder selbst einstellen, weil Fremdfirmen einen Unsicherheitsfaktor darstellen. Das Verantwortungsbewusstsein wächst."

Quelle: http://www.mopo.de/2008/20081105/hamburg/panorama/so_werden_sie_ausgebeutet.html



Zitat

Weiterhin verdienen Zimmermädchen in manchen Hotels Hungerlöhne.[/
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Es herrscht ein ungeschriebenes Gesetz: Wo kein Kläger, da kein Richter

Im Januar 2007 sorgte das Zimmermädchen Antonia H. bundesweit für Schlagzeilen: 2,46 Euro die Stunde hatte sie als Angestellte einer Reinigungsfirma in einem Hamburger Luxushotel verdient. Hinz&Kunzt deckte daraufhin auf, dass Dumpinglöhne in Hotels keine Seltenheit sind. Gut eineinhalb Jahre nach dem ersten H&K-Hotelreport zeigen neue Recherchen: Es hat sich offenbar nur wenig verändert.

Als Noufoh Bougonou an einem Juni-Sonntag das Hotel Stern an der Reeperbahn betritt, denkt sie, sie habe einen anständigen Job gefunden. Die 41-jährige Togolesin hat die 30-Wochenstunden-Stelle als Zimmermädchen von einer Agentur in Buchholz vermittelt bekommen. Deren Ansage war klar: 8,15 Euro die Stunde – der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn für Reinigungskräfte – werde sie in dem 308-Zimmer-Hotel verdienen, das sich seiner „günstigen Preise“ rühmt. Arbeitgeber der vormals Arbeitslosen ist die Hamburger Reinigungsfirma PM Landsmann. Nach drei Wochen Arbeit erhält Noufoh Bougonou ihren Arbeitsvertrag – und erlebt eine böse Überraschung. Im Vertrag steht: „Der Arbeitnehmer erhält einen Leistungslohn von 1,70 Euro/brutto (Abreise) und 0,5 Euro/brutto (Bleibe) pro Zimmer als Arbeitslohn.“ Das Ergebnis: Für eine Woche Arbeit im Juni bekommt sie 98 Euro brutto berechnet, für den Juli 535,60 Euro brutto.
Hätte Noufoh Bougonou nicht eine gute Freundin, sie würde vielleicht heute noch für einen Hungerlohn arbeiten – für eine Schwarzafrikanerin, die ein paar Brocken Deutsch spricht, ist der Arbeitsmarkt eng. So aber landet die Geschichte bei Rechtsanwalt Christian Lewek. Der ermittelt für Juni einen Lohnanspruch von 342,30 Euro brutto, für Juli sind es 1059,50 Euro brutto – zusammen mehr als das Doppelte dessen, was PM Landsmann berechnet hat. Auf sein erstes Schreiben reagiert die Reinigungsfirma zunächst nicht...

Wie Noufoh Bougonou doch noch zumindest einen Teil des ihr zustehenden Lohns bekam und wie es Zimmermädchen in anderen Hamburger Hotels ergeht, lesen Sie in der November-Ausgabe von Hinz&Kunzt, die auf Hamburgs Straßen erhältlich ist.

Ein Zimmermädchen berichtet: >> weiter und Quelle: http://www.hinzundkunzt.de/hk/strassenmagazin/ausgabe/stadtgespraech/~article~1019/

Andromeda

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Re: ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet
« Antwort #1 am: 19:50:08 Mi. 05.November 2008 »
Die Leute machen es aber auch und dann ist es kein Wunder wenn die Löhne immer weiter runter gehen. Die Reinigungsfirmen sind sind genau so eine Mafia wie ZAF ! So was muss bekämpft werden. Und wir schaffen das nur wenn alle zusammen halten.
Wenn schlimmes geschieht ist nicht nur der schuldig der es tut,sondern auch der es schweigent geschehen lässt.

tigerkralle

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ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet
« Antwort #2 am: 11:40:44 So. 14.Juni 2009 »
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Putzdienst des Bundestags zahlt weiter Dumping-Löhne

3,56 Euro - so viel verdienen Zimmermädchen nach SPIEGEL-Informationen pro Stunde bei dem Gebäudereiniger B+K, der auch im Bundestag putzt. Einen Verstoß gegen das Mindestlohngesetz sieht man bei dem Unternehmen nicht. Die Angestellten könnten sich ihr Salär ja mit Flaschenpfand aufbessern.

Das Serviceunternehmen B+K Dienstleistung, das unter anderem für die Reinigung des Reichstagsgebäudes verantwortlich ist, verstößt nach SPIEGEL-Informationen massiv gegen den gesetzlichen Mindestlohn der Branche. Neben der Bundestagsverwaltung unterhält B+K auch mit Hunderten Hotels bundesweit Verträge über die Reinigung von Hotelzimmern.
Die bei B+K angestellten Zimmermädchen erhalten ihren Lohn nicht pro Stunde, sondern pro gereinigtem Zimmer. In den Dresdner Luxushotels "QF" (Quartier an der Frauenkirche) und "Elbflorenz" beispielsweise erhielt eine Reinigungskraft jüngst umgerechnet einen durchschnittlichen Stundenlohn von 3,56 Euro, obwohl in Ostdeutschland der gesetzliche Mindestlohn von 6,58 Euro gilt.

Die Geschäftsführung von B+K Dienstleistung argumentiert, der Mindestlohn sei bei Zimmermädchen nicht anzuwenden, da diese überwiegend mit "Servicetätigkeiten" und nicht mit "Reinigungstätigkeiten" beschäftigt seien. "Wenn bei uns wirklich ein Mädchen nur 3,56 Euro pro Stunde verdient, dann ist es eben die Falsche für den Job", so Geschäftsführer Thorsten Benthin.
Im Übrigen gestatte man ausdrücklich, dass die Zimmermädchen leere Flaschen aus den Hotelzimmern sammeln dürfen, um sich mit dem Pfand den Verdienst aufzubessern. Zudem gebe es Trinkgeld.

Im Jahr 2007 machte die IG Bau bekannt, dass B+K Dienstleistung einen Teil der Mitarbeiter, die im Bundestag putzen, mit Dumping-Löhnen abspeist. Damals gelobte Benthin auf Druck der Bundestagsverwaltung Besserung und zahlte rückwirkend die Tariflöhne nach.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630324,00.html
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tigerkralle

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ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet
« Antwort #3 am: 09:57:36 Mi. 17.Juni 2009 »
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Enthusiasmus für 3,56 Euro

Von Janko Tietz

In der Branche der Gebäudereiniger gilt ein gesetzlicher Mindestlohn. Viele Zimmermädchen verdienen weit weniger - mit dubiosen Begründungen.

Direkt am historisch rekonstruierten Dresdner Neumarkt liegt das mintgrün-getünchte Luxushotel QF ("Quartier an der Frauenkirche"). Verarbeitet wurden edelste Materialien, das puristische Design stammt vom italienischen Stararchitekten Lorenzo Bellini. Das freilich hat alles seinen Preis: Das billigste der 96 Zimmer kostet 169 Euro, die Suite ist für 349 Euro pro Nacht zu haben.

Ramona Sonntag dagegen ist schon für 2,71 Euro die Stunde zu haben. Dafür arbeitet sie ab 8.30 Uhr im QF. Um 15.30 Uhr ist Feierabend, dann hat sie drei Classic-Zimmer gereinigt und vier Superior-Unterkünfte - und am Ende des Tages insgesamt 19 Euro verdient.

Manchmal schafft sie auch 24 Euro am Tag, dann reinigt sie lediglich die kleineren Classic-Zimmer und erledigt in fünf Stunden rund zwölf Räume. Sie wechselt die Bettwäsche, wischt überall Staub, saugt, reinigt Waschbecken, Badewanne und Toilette, füllt die Minibar auf. Zwischen zwei Euro und drei Euro bekommt sie pro Zimmer.

Im Mai lag ihr durchschnittlicher Stundenlohn bei 3,56 Euro, im April betrug der Monatsverdienst netto 372,04 Euro, 100 Euro einmalige Prämie inklusive. Hätte sie den gesetzlichen Mindestlohn von 6,58 Euro pro Stunde erhalten, hätte sie fast das Doppelte verdienen müssen.

Obwohl Ramona Sonntag für das QF arbeitet, arbeitet sie nicht beim QF. Angestellt ist sie bei der Berliner Firma B+K Dienstleistung, die für Hunderte Hotels bundesweit die Zimmer und Suiten reinigt. Das Unternehmen zählt mit mehr als 3.100 Beschäftigten zu den Großen der Branche. Eine Vielzahl von Hotels, darunter namhafte Häuser, haben ihre Zimmermädchen outgesourct. Auch das Hotel Elbflorenz, in dem Ramona Sonntag gelegentlich arbeitet. Vollmundig verspricht B+K den Luxusherbergen: "Entlasten Sie Ihre Mitarbeiter und Ihr Budget gleich mit."

Die Lasten dieses Sparvorschlags trägt das Reinigungspersonal. Kaum ein Hotelmanager weiß, wie viel seine Zimmermädchen am Ende verdienen, er will es wohl auch nicht wissen.

"Ich habe einen Vertrag mit B+K, der Rest interessiert mich nicht", sagt Maria Daniela Schulze, die QF-Direktorin. "Ich zahle zwischen sieben und neun Euro für die Reinigung eines Zimmers an meinen Dienstleister. Das ist oberstes Niveau. Dem Hotel die niedrigen Löhne anzulasten, ist deshalb unfair."

Man könne die Debatte ja auch einmal anders führen, sagt die Managerin. "Es gibt viel zu wenige geeignete Arbeitskräfte, die qualifiziert, mit hoher Arbeitsmoral und Enthusiasmus ihren Job verrichten." Enthusiasmus für 3,56 Euro pro Stunde?

Sonntag hatte keine Wahl, sie musste den Job annehmen, obwohl sie in Dresden Englisch und Architektur studiert und in einem Architekturbüro in Washington gearbeitet hatte. Weil ihr Visum auslief, kehrte sie im April vorübergehend nach Deutschland zurück. Diese Zwischenzeit wollte sie sinnvoll nutzen. Doch sie fand keine Arbeit, so wurde sie Zimmermädchen.

"Es sind die Nebenaufgaben, die das Erreichen des gesetzlichen Mindestlohns unmöglich machen", sagt sie. Zustellbetten müssen aufgebaut, die Etagenwagen mit Shampoo-Fläschchen und Utensilien für die Minibar bestückt werden. Doch das findet außerhalb des Hotelzimmers statt - und wird deshalb nicht bezahlt.

"Die Zimmermädchen sammeln leere Flaschen aus der Minibar und bringen sie zur nächsten Lidl-Filiale, um ihren Verdienst aufzubessern", erzählt die 31-Jährige. Und der reicht dennoch nicht. Sie und fast alle ihre Kolleginnen beziehen Lohnzusatzleistungen von den Arbeitsagenturen. Bei ihr sind es 130 Euro im Monat. "In gewissem Sinne sind die teuren Hotelzimmer auch noch staatlich subventioniert", sagt Sonntag.

Er wisse, dass die Zimmermädchen "einen Knochenjob haben", sagt Thorsten Benthin, Geschäftsführer von B+K Dienstleistung. Deshalb gestatte man ja ausdrücklich, dass die Flaschen aus den Hotelzimmern gesammelt werden dürfen. Zudem gebe es ja auch Trinkgeld.

Und außerdem: "Wenn bei uns wirklich ein Mädchen nur 3,56 Euro pro Stunde verdient, dann ist es eben die Falsche für den Job", so Benthin. "Dann ist sie zu langsam." Im Übrigen bestreitet er, dass der gesetzliche Mindestlohn für Zimmermädchen überhaupt gilt, weil diese, so seine Argumentation, überwiegend nicht mit Reinigungs-, sondern mit "Servicetätigkeiten" beschäftigt seien.

Das sieht selbst der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks anders. "In der gewerblichen Gebäudereinigung ist es unstreitig", so die Industriegewerkschaft Bau und der Verband in einer gemeinsamen Erklärung, "dass der Zeitaufwand bei der Zimmermädchentätigkeit zu über 70 Prozent aus Reinigung besteht und daher der Gebäudereinigung zuzuordnen ist."

Mit ihrer eigenwilligen Rechtsauffassung geriet Benthins Firma schon einmal in die Schlagzeilen. Im Jahr 2007 machte die IG Bau bekannt, dass B+K einen Teil der Mitarbeiter, die im Bundestag putzen, mit Dumping-Löhnen abspeist. Damals gelobte Benthin auf Druck der Bundestagsverwaltung Besserung und zahlte rückwirkend die Tariflöhne nach.

Ramona Sonntag war jedenfalls geschockt, als sie ihre erste Lohnabrechnung sah. "Ich dachte, solche Löhne gibt es vielleicht in Rumänien oder der Slowakei. Aber nicht in Deutschland."

So schnell wie möglich will sie jetzt wieder ins Ausland, um als Architektin arbeiten zu können. Als sie ihrer Arbeitsvermittlerin von ihrem Vorhaben erzählte, sagte die nur: "Was anderes kann ich Ihnen leider auch nicht empfehlen."

(Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,630737,00.html )
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Kuddel

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Re: ZIMMERMäDCHEN - So werden sie ausgebeutet
« Antwort #4 am: 09:47:28 Mi. 22.September 2021 »
Der Kapitalismus bringt gesellschaftliche Rückschritte im Sauseschritt.
Wir haben langsam wieder feudalistische Verhältnisse. Dienstmägde, Zimmermädchen, Haushaltshilfen. Der Diensboteneingang kommt bestimmt auch bald wieder.

Zitat
Sklavin mitten in London
Armut. Analiza Guevarra landete als Haushaltshilfe in England – heute rettet sie andere Frauen aus dieser brutalen Ausbeutung


(...) Im November 2015 kam sie nach einem langen, anstrengenden Flug in Doha an. „Ich dachte, sie würden mir mein Zimmer zeigen oder etwas zu essen geben. Aber meine neue Arbeitgeberin sagte: ,Stell deine Tasche hin und fang an zu arbeiten!‘ Es war mitten in der Nacht, aber sie ließ mich sofort die Böden sauber machen.“ (...) Die Familie erwartete, dass die Haushaltshilfen 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche arbeiteten. Die Hausherrin schrie sie an, weil sei angeblich nicht genug arbeiteten, forderte die Kinder auf, sie zu beleidigen, anzuspucken oder an den Haaren zu ziehen. „Als wären wir keine Menschen.“ (...)
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/sklavin-mitten-in-london