Autor Thema: [Motorola] Flensburger Absturz  (Gelesen 61697 mal)

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[Motorola] Flensburger Absturz
« am: 00:44:00 Di. 23.September 2003 »
Seit Tagen beobachten wir die IGM-Website und hofften vergebens auf ein Diskussionsforum vergleichbar mit dem für die Heidelberger -(Kiel) und Panasonic (NMS) - Kollegen eingerichten Foren. Da die ohnehin gebeutelte Stadt Flensburg auch über kein Gewerkschaftsunabhängiges Forum, wie CHEFDUZEN verfügt, wollen wir hiermit eine Plattform zur Verfügung stellen.



Zitat
(dpa-Meldung aus Heise-online)
Rund 1500 Menschen protestieren gegen Massenentlassung bei Motorola
Etwa 1500 Menschen haben am Freitag in Flensburg gegen den beschlossenen Abbau von 600 Arbeitsplätzen in der Handy-Fabrik des US-Industriekonzerns Motorola protestiert. "Subventionen kassieren und tschüs!" und "Kein Sterben auf Raten, die Produktion muss bleiben", hieß es auf Transparenten. Die Industriegewerkschaft Metall hatte zur Kundgebung vor dem Werk aufgerufen. Während der Demonstration wehte anstelle der US-Flagge, die dort normalerweise zu sehen ist, die Schleswig-Holstein-Fahne.  
 
Die Arbeitnehmer seien "wütend, zornig, enttäuscht und ohnmächtig gegenüber der Entscheidungsmacht in den USA", sagte der Vorsitzende der Vertrauensleute der Motorola-Fabrik, Hans-Peter Unrau. "Für uns ist das ein Sterben auf Raten, wir haben kein Vertrauen in die Zukunft", meinte er, begleitet von einem Pfeifkonzert. Von Angst und Hoffnungslosigkeit sprach die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Floris Kujat. Sie forderte, dass die Geschäftsleitung nun die geplante Qualifizierungsgesellschaft finanziell unterstützt. Diese soll jene Beschäftigten aufnehmen, die Anfang 2004 ihren Hut nehmen müssen.

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsstaatssekretär Michael Rocca sicherte volle Unterstützung für eine Auffanggesellschaft zu. Die Landesregierung habe 2001 erfolgreich für den Erhalt des Motorola-Standorts Flensburg gekämpft. "Und so wird es auch bleiben mit unserer Solidarität", sagte Rocca. Außer einer Anpassungs-Qualifizierung würden alle anderen geeigneten Projekte unterstützt, die in der Region Arbeitsplätze schaffen. Nach Angaben Roccas hat Motorola allein in den vergangenen sieben Jahren insgesamt rund 20 Millionen Euro Fördergelder aus der Bund/Länder-Gemeinschaftsaufgabe erhalten. Außerdem seien Technologieprojekte unterstützt worden, die gleichfalls dem Unternehmen zugute kamen.

Auch der Flensburger SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Lothar Hay versprach Hilfe: Seine Fraktion werde die Regierung auffordern, an das Land zurückfließende Fördermittel voll zur Schaffung neuer Arbeitsplätze einzusetzen. Auch sollten jene Entlassenen davon etwas erhalten, die keine Chance mehr auf eine neue Stelle haben.

Motorola hatte am vergangenen Dienstag angekündigt, rund ein Drittel der zurzeit 1800 Stellen zu streichen. Ein wesentlicher Teil der Mobiltelefon-Produktion soll aus Kostengründen nach China verlagert werden. (dpa)

ManOfConstantSorrow

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #1 am: 12:33:39 Di. 23.September 2003 »
Ich habe bei Google ein paar Informationen zum Thema zusammengesucht:
 
eine Meldung von 1999:
Zitat
Sonntagsarbeit bei MOTOROLA
 
Während die Öffentlichkeit das Für & Wider der Öffnung von Geschäften am Sonntag diskutiert, wurde fast unbemerkt von der Öffentlichkeit in Flensburg eine Sondergenehmigung zur Arbeit auch am Sonntag für den Mobilfunk-Hersteller MOTOROLA erteilt.


 
die IGM Flensburg berichtet:
Zitat
Motorola: Randstad-Zeitarbeitnehmer für 12,04 Mark
Bereits über 300 arbeiten zu Dumpinglöhnen

Schon über 300 Zeitarbeitnehmer der Firma Randstad arbeiten bei Motorola in Flensburg zu Löhnen, die 40 Prozent unter dem Metall-Tarif liegen.

Die Betroffenen erhalten nur einen Stundenlohn von 12,04 Mark, den sie allerdings auf sagenhafte 13,29 Mark steigern können, wenn sie auf neun Tage Urlaub verzichten. Möglich macht das ein "Tarifvertrag" zwischen dem Zeitarbeitsunternehmen und der früheren DAG.

Die IG Metall Flensburg hat gegen den "Dumping-Einsatz" protestiert. Doch das Arbeitsamt sieht keinen Grund einzugreifen. Im Gegenteil: Von Motorola Entlassene sollen vom Arbeitsamt aufgefordert worden sein, sich bei Randstad als Zeitarbeiter zu verpflichten.

"Motorola und Randstad unterlaufen das Tarifsystem", sagt Flensburgs IG Metall-Bevollmächtigter Meinhard Geiken. "Die IG Metall wird bundesweit alle Anstrengungen unternehmen, damit die Randstad-Beschäftigten einen Betriebsrat und endlich akzeptable Tarifbedingungen erhalten."



aus heise.de newsticker 3.9.03
 
Zitat
Motorola-Werke in Flensburg und Brasilien auf gleichem Kostenniveau

 Mobiltelefone lässt das Unternehmen außer in Flensburg nur noch in China, Singapur, Mexiko und Brasilien fertigen. "Trotz der deutschen Löhne arbeiten wir auf dem Kostenniveau von Mexiko und Brasilien", sagt Werksleiter Christoph Hollemann. Gründe hierfür seien unter anderem die Automatisierung und der Schichtbetrieb. In Flensburg wird rund um die Uhr in 12-Stunden-Schichten gearbeitet.

Als Gründe für die Standortwahl nannte das Unternehmen 1998 die erstklassige Infrastruktur, Zuverlässigkeit und Flexibilität der gut ausgebildeten Arbeitskräfte und die damit verbundene hohe Produktivität. Das Wall Street Journal schrieb 1997 nach der Grundsteinlegung gar von den Flensburger "Übermenschen", die es geschafft hätten, nach einem internationalen Standortvergleich die Handy-Fabrik nach Deutschland zu holen.

Das Motorola-Engagement ist Berichten zufolge von 1994 bis 1999 mit etwa 33 Millionen Euro öffentlich gefördert worden.
 
Motorola hat in Flensburg derzeit rund 1.800 Beschäftigte -- zu Hoch-Zeiten waren es gut 3.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen heute bis zu 450 Leiharbeitnehmer. Damit ist das Unternehmen im Arbeitsamtsbezirk Flensburg der größte Arbeitgeber. "Wenn das Unternehmen eine Grippe hat, fängt Flensburg an zu husten", sagt der Sprecher des örtlichen Arbeitsamtes, Winfried Schramm. Das Flensburger Werk gehört zur deutschen Motorola GmbH (Wiesbaden). Sie erzielte 2002 mit 3.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #2 am: 03:55:30 Mi. 24.September 2003 »
Motorola Thema im Landtag

Zum Auftakt der dreitägigen Parlamentssitzung wollen die Abgeordneten in einer Aktuellen Stunde erörtern, in wie weit der Handy-Hersteller Motorola nach dem angekündigten Abbau von 600 Arbeitsplätzen in Flensburg Fördergelder in Millionenhöhe zurückzahlen muss.

dpa/regioline vom 24.09.2003

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #3 am: 04:12:42 Mi. 24.September 2003 »
Yahoo! Finanzen 22.9.03:

Lichtblick zu Wochenbeginn waren dagegen die Aktien von Motorola, die sich um 8,8 Prozent auf 12,06 USD verbesserten.

k

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #4 am: 12:20:53 Do. 02.Oktober 2003 »
Zur Entscheidung des Motorola-Konzerns, in Flensburg 600 Arbeitsplätze zu streichen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Heiner Garg: "Die wirtschaftsfreundlichen Sonntagsreden des Wirtschaftsministers nehmen die Unternehmen genau als das wahr, was sie sind: Die Ankündigungsrhetorik eines Ministers, der sich im rot-grünen Luftschlosskabinett nicht durchsetzen kann.

Die Unternehmen passen sich den tatsächlichen Wirkungen der rot-grünen Politik an: Auf wirtschaftsfeindliche Politik reagieren sie mit dem Umzug in Regionen mit wirtschaftsfreundlicherer Politik", sagte Garg.


Es ist ja schon rührend, was FDP-Garg da sagt.

Die Lohnkosten bei Motorola sind in der Höhe von denen in Brasilien. Sollen wir sie jetzt auf das chinesische Niveau absenken?

Reicht nicht? Gewerkschafter von Todesschwadronen verschwinden lassen? Renten und Krankenkasse abschaffen, denn das sind störende Lohnnebenkosten?

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #5 am: 18:18:32 Mo. 13.Oktober 2003 »
Wärhrend das Schlottern der Belegschaft darüber, wer bleibt und wie es weitergeht, heftig ist, stecken sich die Aktionäre kräftig in die Tasche:
(aus Börse-online 7.10.03)


"Wir sind der Meinung, mit der Bildung von zwei unabhängigen Unternehmen mehr Wert schaffen zu können", kommentierte Motorola-Chef Christopher Galvin den aufsehenerregenden Beschluss, den Konzern in zwei eigenständige Unternehmen aufzuspalten.
In Zukunft will sich Motorola vor allem dem Handy-Geschäft widmen. Dort ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14,6 Prozent der weltweit zweitgrößte Anbieter. Allerdings mit einem gewaltigen Abstand zu Nokia, deren Marktanteil bei 35,9 Prozent liegt.

Das zweite wichtige Standbein, die defizitäre Chip-Sparte, will Motorola entweder an die Börse bringen oder alternativ an einen Konkurrenten verkaufen. Interesse wird etwa Europas Branchenführer STMicroelectronics nachgesagt.

Einen guten Anhaltspunkt, wieviel das Chip-Segment von Motorola Wert sein könnte, liefert aufgrund der ähnlichen Größe der deutsche Halbleiter-Konzern Infineon.
Der Umsatz des Münchener Unternehmens lag 2002 bei 5,2 Milliarden Euro, die Börsenbewertung beträgt aktuell 8,4 Milliarden Euro. Das ergibt eine Umsatzmultiple von 1,6.

Wendet man diese Kennzahl auf Motorolas 2002er Chipumsätze von 4,8 Milliarden Dollar an, kommt ein Unternehmenswert von rund 7,7 Milliarden Dollar heraus.

Damit wird auch klar, dass die Aktie von Motorola nur etwas für harte Spekulanten ist. Denn zieht man die Summe von den 31,4 Milliarden Dollar ab, mit denen der Gesamtkonzern an der Börse gehandelt wird, ergibt das immer noch 23,7 Milliarden Dollar für das Restunternehmen.

Das entspricht in etwa dem 15-fachen des für 2004 erwarteten Gewinns (operativ und ohne Chip-Bereich).

ManOfConstantSorrow

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #6 am: 00:53:35 Mi. 22.Oktober 2003 »
Frage aus Kiel:

Wie sieht´s aus bei Motorola? Alle frustriert und und verängstigt? Versuchen einige gegen den Strom zu schwimmen?
Was macht der Betriebsrat?
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #7 am: 15:07:01 Mi. 22.Oktober 2003 »
Handyproduktion
Schließt Motorola Flensburg ganz?
   
 
 
Nach dem angekündigten Abbau von 600 Stellen im Flensburger Handy-Werk von Motorola befürchten die Beschäftigten die komplette Schließung des Standorts. Es liege noch kein vernünftiges Zukunftskonzept vor, sagte der Betriebsratsvorsitzende Dieter Neugebauer. Zwar habe die Geschäftsführung den Erhalt des Werkes zugesagt. "An diese Zukunft glaubt hier derzeit aber niemand mehr, eher daran, dass hier in ein bis zwei Jahren alles dicht gemacht wird", so Neugebauer. Aus Kostengründen soll ein Teil der Produktion Anfang 2004 nach China gehen. Dann werden noch 1.200 Beschäftigte in Flensburg arbeiten.

 
 Bürgermeister ist zuversichtlich

Neugebauer wies darauf hin, dass die Beschäftigten seit Jahren wiederholt Opfer gebracht hätten, um Arbeitsplätze zu erhalten - zum Beispiel durch längere Schichten. Daher falle es ihnen jetzt schwer, an die neue Zusage zu glauben. Flensburgs Oberbürgermeister Hermann Stell und die Industrie- und Handelskammer sind dagegen zuversichtlich, Motorola in der Region halten zu können. "Man muss allerdings sehen, dass Europa für Motorola ein relativ schwacher Markt ist", sagte Stell. Daher sei es nicht verwunderlich, wenn das US-Unternehmen sich Gedanken über seine Standorte in Übersee mache. IHK-Sprecher Jörg Nielsen betonte, es komme nun darauf an, die Stärken der Region wie UMTS-Knowhow und Infrastruktur weiter auszubauen.

 
"Millionen Euro an Subventionen abgeschöpft"

 
 
 
IG-Metall-Bezirksleiter Frank Teichmüller bezeichnete die Entlassung von 600 Arbeitnehmern als „gesellschaftspolitischen Skandal“. Erst schöpfe Motorola mehre Millionen Euro an öffentlichen Subventionen ab, dann gehe der Konzern nach China. Kiels Wirtschaftsminister Bernd Rohwer äußerte sich bestürzt über die Pläne des Konzerns. "Wir müssen enttäuscht hinnehmen, dass das Engagement der Belegschaft und des Standortes Flensburg gegen die Arbeitskostenvorteile Asiens keine Chance hatte," sagte Rohwer. Für die Stadt Flensburg und den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein sei die Verlagerung der Produktion nur schwer zu verkraften.

 
 Produktionssitz besteht seit 1986

Flensburg ist seit 1986 einer der Produktionssitze für Mobilfunktelefone von Motorola. 1998 zogen die seinerzeit gut 2.000 Angestellten aus mehreren Betriebsstätten in der Innenstadt in eine nagelneue Fabrik am südwestlichen Stadtrand um. Dort war auf 30.000 Quadratmetern Nutzfläche eines der weltweit modernsten Handy-Werke entstanden. Die Investition für den Neubau betrugen mehr als 100 Millionen Euro. Land, Bund, EU und Kommune steuerten insgesamt rund 33 Millionen Euro direkte sowie indirekte Fördermittel bei. Langfristig sollte die Fabrik einmal 3.000 Beschäftigte zählen – ein Versprechen, das der US-Konzern nie einlöste. Immerhin entstanden rund 500 zusätzliche Stellen bei Motorola-Partnern und Zulieferfirmen in der Region.

 
Krise begann im Frühjahr 2001

 
 
 
Im Frühjahr 2001 kam es zur ersten Krise. Der flaue Handy-Markt verursachte umfangreiche Kurzarbeit. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte in den Folgemonaten von 2.400 auf 2.000. Im April 2001 drohte die Schließung. Der Konzern entschied, den anderen europäischen Produktionsstandort in Schottland mit 3.000 Mitarbeitern dicht zu machen und die gesamte europäische Handy-Herstellung auf Flensburg zu konzentrieren. Von Flensburg aus exportiert das Unternehmen Mobiltelefone in rund 70 Länder.

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #8 am: 15:16:24 Mi. 22.Oktober 2003 »
Gewerkschaft: bei Motorola Flensburg Arbeitskampf möglich

Im Flensburger Motorola-Werk, wo am Jahresende 600 und damit ein Drittel aller Arbeitsplätze wegfallen, ist nach Angaben der regionalen Metall-Gewerkschaft ein Arbeitskampf nicht ausgeschlossen. Die Arbeitnehmerseite lehne es ab, dass die Abfindungen für die zu kündigenden Mitarbeiter mit der Finanzierung einer Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft verrechnet werden sollen, teilte die IG Metall am Mittwoch mit. Sollte es notwendig werden, könne es zu einem Arbeitskampf in der Handy-Fabrik kommen.  

Bei Motorola wurde laut Gewerkschaft eine Tarifkommission für die weiteren Verhandlungen gewählt. Hauptforderung sei die Qualifizierung aller von Arbeitsplatzverlust betroffenen Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft ohne die Anrechnung von Abfindungen sowie "ein Zukunftskonzept für den Reststandort". Die Gewerkschaft startete dazu eine betriebliche und öffentliche Unterschriftenaktion. In der Werksleitung war am Mittwoch kein Sprecher für eine Stellungnahme zu den Forderungen und Konzepten erreichbar. Nach den bisherigen Plänen sollen in der Gesellschaft die -- noch nicht benannten -- Mitarbeiter zwei Jahre lang für eine neue berufliche Zukunft qualifiziert werden.

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #9 am: 15:27:18 Mi. 22.Oktober 2003 »
1999, als das neue Gebäude von Motorola mit großem Brimborium eingeweiht wurde, verkündete Ministerpräsidentin Simonis sitzend neben dem amerikanischen Botschafter Kornblum und dem Deutschland-Manager Quinkert , „..... ich hoffe, dass unsere deutschen Unternehmer auch mal ein bisschen ernsthafter sich mit den amerikanischen Lebens- und Arbeitsbedingungen beschäftigen, damit nicht immer nur der Satz kommt: In Amerika ist alles anders. Es ist gar nicht so ganz anders.“

Plede

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #10 am: 15:39:41 Mi. 22.Oktober 2003 »
sinngemäßer O-Ton bei einem Mot-Flens Recruiting  vor zwei Jahren:

"Wir sind eine atmende Farbik. Bei Bedarf atmen wir mal 200 Leute
ein. Bei Bedarf atmen wir aber auch mal wieder 200 Leute aus"

Nun hat Mot-Flens wohl Asthma-Bronchiale: Unterfunktion beim Einatmen
gepaart mit starkem Keuchhusten.

no comment

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #11 am: 07:12:47 Do. 23.Oktober 2003 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow

Frage aus Kiel:

Wie sieht´s aus bei Motorola? Alle frustriert und und verängstigt? Versuchen einige gegen den Strom zu schwimmen?
Was macht der Betriebsrat?


Kommt drauf an in welchem Pool du bist.
Diesmal sieht es so aus, daß die qualifizierteren Stellen fast komplett wegfallen. Also die Techniker, Einrichter, ect. brauchen sich ihre Punkte nicht auszurechen, die sind sowieso weg, bis auf wenige Ausnahmen. Bei den Monatgehelfern gibt es noch eine geringe Chance, einige werden ins DC wechseln.

Der Produktionsstandort wird defacto geschlossen. Bei einer Probelinie (mit einer Hand voll Leuten) + einer Produktionslinie (mit zwei Hand voll Leuten), die nur tagsüber läuft, kann von einer Produktion nicht mehr die Rede sein. Die UMTS-Volumenproduktion findet nämlich in Zukunft auch in Asien statt. Und weil in der Produktion schon lange keine 600 Leute mehr arbeiten, wird es diesmal auch (endlich) einen Kahlschlag bei den Angestellten geben.

Flensburg als DC-Standort wird sicherlich auch  nicht mehr lange überdauern. Die Tatik liegt wohl darin, die Kunden langsam von einem Standort in D zu entwöhnen.

Zur Erinnerung, das Ganze wegen 2 Dollar pro Gerät in einer Milchmädchenrechnung.  :D

bye bye

ManOfConstantSorrow

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #12 am: 14:27:48 Do. 23.Oktober 2003 »
Frage von einem Nicht-Insider:

Was bedeutet bei Euch "Pool"? Abteilung? Produktionsstraße?

und "DC" :?:  :?:  :?:
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #13 am: 15:48:39 Do. 23.Oktober 2003 »
Handelsblatt 23.10.03
Zitat
Die Zukunft der Mobilfunktechnik


Das ganz große Missverständnis


Von P. Brors und K. Slodczyk


Die Atmosphäre gleicht der einer Intensivstation. Die Menschen tragen weiße Kittel, manche arbeiten mit Handschuhen und Pinzetten. Dazu blinken und piepen unzählige Maschinen wie Herz-Frequenz-Messgeräte im immer gleichen Takt. Hier, am Stadtrand von Flensburg, auf einem campusähnlichen Gelände mit großem Teich, firmeneigenem Kindergarten und Fitness-Center hat die neue Mobilfunk-Ära begonnen. Hier fertigt Motorola, der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller, in vier Schichten rund um die Uhr mit mehr als 1 000 Mitarbeitern die Geräte für die neue Mobilfunktechnik UMTS.


DÜSSELDORF. Darunter ist auch das A920, Motorolas neues Modell, 700 bis 800 Einzelteile High-Tech. Das Mobiltelefon sieht aus wie ein Taschencomputer, es kann als Handy, Video- und Fotokamera genutzt werden, als MP3-Player, Organizer und Spielekonsole. Jürgen Plähn wiegt das chromglänzende Lifestyle-Objekt in seinen Händen. "Halten Sie es mal", sagt er, "das fühlt sich doch klasse an – und funktioniert auch so."

Plähn, ein groß gewachsener Mann mit schon lichtem dunklem Haar, leitet für Motorola Deutschland das Projekt UMTS-Einführung. Er sagt: "Wann es mit UMTS hier endlich losgeht, das entscheiden allein die Provider" – die großen Mobilfunkfirmen also, wie T-Mobile und Vodafone.

Was nichts anderes heißt, als dass sich der Start weiter verzögert. Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg, nennt einen der Hauptgründe: "Die Netzbetreiber verdienen noch gutes Geld mit der GPRS-Technik und befürchten durch UMTS Kannibalisierungseffekte."

Auch in diesem Jahr wird in Deutschland kein Euro mit der neuen Technik verdient, werden die Firmen nicht einen Cent ihrer gewaltigen Investitionen einspielen. Nachdem die Mobilfunkkonzerne den UMTS-Start mehrfach verschoben haben, trauen sie sich nicht mehr, einen neuen Termin zu nennen. Erst auf der nächsten Cebit im März 2004 werden wohl wieder UMTS- Fahrpläne vorgestellt. Noch immer fehlt eine genügende Auswahl an Geräten. Längst sind Unternehmen wie Mobilcom und Quam an UMTS gescheitert. Und die anderen verbuchen gerade wieder steigende operative Gewinne – und scheuen sich, diese durch weitere Investitionen in die Einführung neuer Dienste zu schmälern.



Kieler Nachrichten 23.10.03
Zitat
Simonis setzt weiter auf Hightech - Erregte Debatte um Motorola
Kiel - "Rote Karte, Frau Simonis" war auf Schildern zu lesen, die die rund 300 Gewerkschafter mit sich führten. Sie protestierten gestern vor dem Landeshaus gegen Kürzungen von Weihnachts- und Urlaubsgeld bei den Beamten. Im Plenarsaal hatten zu diesem Zeitpunkt schon Mitarbeiter von Motorola Platz genommen, die Massenentlassungen und damit noch weit Schlimmeres fürchten müssen. Aus der "Aktuellen Stunde" zu dem angekündigten Abbau von 600 Stellen bei dem Flensburger Handy-Hersteller wurde schnell eine Grundsatzdebatte über die Förderpolitik des Landes – mit heftigen Schuldzuweisungen.

Motorolaner

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[Motorola] Flensburger Absturz
« Antwort #14 am: 20:01:16 Do. 23.Oktober 2003 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow

Frage von einem Nicht-Insider:

Was bedeutet bei Euch "Pool"? Abteilung? Produktionsstraße?

und "DC" :?:  :?:  :?:

Hallo,
zu Deinen Fragen,
"Pool" heisst bei Uns in welchem Topf gewisse Berufsgruppen fallen!
Es werden Berufsgruppen mit annähernd gleichen Funktionen zu einem sog. Pool zusammen gefasst um anschließend zu sagen, daß 80% dieses Pools entlassen werden!
DC heisst bei Uns Versandzentrum (Distributions-Center)
Gruß
von einem vermutlichem Ex-Motorolaner :twisted: