Autor Thema: griechenland  (Gelesen 376143 mal)

Troll

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Re: griechenland
« Antwort #1440 am: 19:46:30 Mi. 07.Oktober 2020 »
Ok, ich war zu langsam, dann halt doppelt:

Zitat
Rechtsextreme "Goldene Morgenröte"
Kriminelle Organisation statt Partei

Griechenlands Justiz hat ein wegweisendes Urteil gegen Rechtsextreme gesprochen. Die Richter erklärten die ehemals drittstärkste Partei "Goldene Morgenröte" zur kriminellen Organisation. Auslöser war der Mord an einem Musiker.

Die rechtsextreme Partei "Goldene Morgenröte" aus Griechenland hat laut einer Gerichtsentscheidung als kriminelle Organisation agiert. Sieben frühere Abgeordnete einschließlich Parteichef Nikos Michaloliakos wurden schuldig gesprochen, die kriminelle Organisation angeführt zu haben. Der Holocaust-Leugner und Nazi-Verehrer Michaloliakos stand gemeinsam mit 67 weiteren Angeklagten vor Gericht.

Ihm und den anderen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis, die Urteilsbegründung und das Strafmaß werden in den nächsten Tagen erwartet.
...

Audio dazu:
Quelle: tagesschau
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re: griechenland
« Antwort #1441 am: 21:07:44 Do. 08.Oktober 2020 »
Zitat
Am Mittwoch, den 7. Oktober 2020, wurde in Griechenland zum ersten Mal in der Geschichte des modernen griechischen Staats eine politische Partei aus dem nationalsozialistischen Lager als "verbrecherische Organisation" verurteilt. Die juristische Einstufung entspricht dem, was im deutschen Sprachgebrauch allgemeinhin als "kriminelle Vereinigung" eingestuft wird.
(...)
Das Urteil hat für Griechenland historische Ausmaße.
(...)
Vor dem Gebäude des Berufungsgerichts in Athen an der Alexandras Avenue waren Zehntausende versammelt. Sie reagierten mit Jubelschreien auf die Verkündung des Urteils, das die nationalsozialistische Goldene Morgenröte zur kriminellen Vereinigung macht.

Der Jubel währte nicht lang, weil kaum anderthalb Minuten später die Einsatzpolizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten vorging. Trotz der polizeilichen Repressionen gab es bis in die späten Abendstunden im gesamten Land zahlreiche Demonstrationen gegen Nazis.
(...)
"Die griechische Justiz, die der verfassungsmäßigen Regel treu bleibt, dass politische Parteien dem freien Funktionieren des demokratischen Staates dienen müssen, hat ihre Pflicht heute unbeeinflusst, überzeugend und gründlich erfüllt. Die Angeklagten sind jetzt verurteilt und die Goldene Morgenröte ist nichts anderes als eine kriminelle Vereinigung, die unter der Verantwortung des Strafvollzugssystems und nicht des politischen Systems steht", kommentierte der Parlamentspräsident Konstantinos Tassoulas.
(...)
Ihre Kriminalisierung durch die griechische Justiz und ihre Definition als kriminelle Organisation stellen keinen Grund zur Selbstzufriedenheit dar. Im Gegenteil, es fördert den Kampf gegen den Nationalsozialismus, damit das Schlangenei in Griechenland nicht wiedergeboren wird.
    Zentralrat der Juden
(...)
https://www.heise.de/tp/features/Das-Urteil-gegen-die-Goldene-Morgenroete-4923887.html?seite=all

Kuddel

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Re: griechenland
« Antwort #1442 am: 10:25:10 Fr. 16.Oktober 2020 »
Zitat
Am Tag der Urteilsverkündung hatten sich rund 40.000 Menschen vor dem Gericht in Athen versammelt. In dem Moment, als eine Kollegin am Mikrofon gesagt hat, dass die Führungsriege schuldig gesprochen wurde, haben wir alle spontan geschrien, gelacht, sind in Tränen ausgebrochen. Es war ein einmaliger und zauberhafter Moment. Freude und Erleichterung herrschten. Allerdings nicht lange, denn direkt danach hat die Polizei die Kundgebung mit Tränengas aufgelöst.



Obwohl es uns so nicht erlaubt wurde, den Moment auf der Straße vor dem Gericht gemeinsam zu feiern, am Gerichtsurteil ändert sich nichts: die Goldene Morgenröte ist eine kriminelle Vereinigung und wir dürfen mit hohen Gefängnisstrafen für die Führungsriege rechnen. Das ist das wichtigste, und dafür werden wir den 7. Oktober 2020 für immer in Erinnerung behalten.

In den griechischen Medien ist die Stimmung nach dem Urteil plötzlich gekippt: dieselben Journalist*innen, die vor ein paar Jahren der Goldenen Morgenröte viel Raum gegeben haben, ihre Abgeordneten interviewten, mit ihnen scherzten, von einer «seriösen» Partei sprachen und die Nazi-Tätowierungen als Lifestyle banalisiert haben, haben am 7. Oktober plötzlich deren Verurteilung gefeiert. Als sich die Organisation während des langen Prozesses intern zerlegte, Hunderte von Mitgliedern verlor, viele ihrer Büros zugemacht hat, verloren die Massenmedien das Interesse und berichteten zwischenzeitlich gar nicht mehr über die Goldene Morgenröte. Wir sind also froh darüber, dass die Medien in Griechenland über diese Terrorgruppe endlich als solche berichten, auch wenn wir wissen, dass diese Stimmung genauso leicht wieder in die andere Richtung kippen kann. Aber für eine kurze Weile dürfen wir uns freuen!
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ein-moment-der-gerechtigkeit

ManOfConstantSorrow

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Re: griechenland
« Antwort #1443 am: 18:21:20 Mi. 24.Februar 2021 »
Zitat
Proteste geben Bildungsgesetz:
Opposition wirft Regierung erhöhte Polizeigewalt vor

In Griechenland verschärfen sich Proteste gegen ein neues Bildungsgesetz. Am Montag räumte die Polizei eine Hochschule in Nordgriechenland, die von Studenten besetzt worden war. Die Opposition kritisiert undemokratisches Verhalten der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia.


Derzeit finden in der griechischen Öffentlichkeit heftige Debatten statt. Einerseits gelangen immer neue Details über sexuelle Misshandlungen Minderjähriger durch den bisherigen künstlerischen Leiter des Nationaltheaters Dimitris Lignadis ans Tageslicht. Ein weiteres Thema ist der vor 50 Tagen begonnene Hungerstreik des Terroristen Dimitros Koufontinas, dessen Gesundheit an einem seidenen Faden hängt. Hinzu kommen Proteste gegen geplante Veränderungen im Bildungsbereich.
Am Montag (22.2.) verübten Unbekannte einen Anschlag vor dem politischen Büro der Bildungsministerin Niki Kerameos sowie am Eingang des Fernsehsenders „Action 24“. Die Täter erklärten, dass es sich dabei um ein Bekenntnis der Solidarität für Koufontinas handle. Außerdem wollten sie damit gegen das neue Bildungsgesetz Front machen und auf den Lignadis-Fall aufmerksam machen.
In einer Mitteilung erklärte Kerameos, dass man sich nicht erpressen lasse. Vielmehr werde man die begonnenen Reformen fortsetzen. Sowohl der Bildungsbereich als auch allgemein das Land hätten diese Reformpolitik nötig. Regierungssprecher Christos Tarantilids stellte fest, dass die Regierung „die Demokratie und den Rechtsstaat verteidigt“.

„Universitäten erinnern an die Türkei Erdogans“
Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückten auch Auseinandersetzungen, die sich am Montag auf dem Gelände der Aristoteles Universität Thessaloniki in Nordgriechenland abgespielt haben, als die Polizei eine Besetzung räumte. Dabei wurden 31 Personen – hauptsächlich Studenten – festgenommen, darunter auch der Sekretär der Jugendorganisation der größten Oppositionspartei des Landes, dem Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA). Diese Partei sprach daraufhin von Polizeigewalt, durch die eine antidemokratische Einstellung der konservativen Regierung unter der Nea Dimokratia deutlich zum Ausdruck komme.
Die Universitäten würden derzeit „an die Türkei Erdogans erinnern“, fügte SYRIZA hinzu. Auch die Bewegung der Veränderung (KinAl) kritisierte Polizeigewalt während einer „friedlichen Aktion von Studenten gegen das Universitätsgesetz“. Die KinAl-Sozialisten forderten „mehr Dialog und mehr Demokratie“.
https://www.griechenland.net/nachrichten/politik/28837-proteste-geben-bildungsgesetz-opposition-wirft-regierung-erh%C3%B6hte-polizeigewalt-vor
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ManOfConstantSorrow

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Re: griechenland
« Antwort #1444 am: 09:25:15 Do. 25.Februar 2021 »
Notruf!

Zitat
Dimitris Koufontinas droht zu sterben
Griechenland Der autoritäre Kurs der Regierung beschleunigt sich und geht weit über Corona-Maßnahmen hinaus. Jüngstes Beispiel ist die Willkür gegen einen Inhaftierten im Hungerstreik.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/dimitris-koufontinas-droht-zu-sterben

Solidarität ist notwendig!
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Kuddel

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Re: griechenland
« Antwort #1445 am: 17:01:43 Mo. 08.März 2021 »
Zitat
Seit über 50 Tagen ist Dimitris Koufontinas in einem griechischen Gefängnis im Hungerstreik. Dimitris Koufontinas gehörte der bewaffneten Gruppe 17. November an, die in der Folge der griechischen Militärdiktatur 1975 entstanden ist und 25 Jahre existierte. Der Gruppe wurden einige bewaffneten Aktionen vorgeworfen, darunter die Erschießung des CIA-Chefs für Südosteuropa. Weitere Anschläge auf US-Offizielle folgten wegen der Verbindung zwischen Nato-USA und griechischen Putschisten, die jahrelang ein Terrorregime über Griechenland installierten. Andere Anschläge richteten sich gegen griechische Politiker und Journalisten. (...)
https://non.copyriot.com/presseerklaerung-vom-08-03-2021-von-ehmaligen-gefangenen-aus-der-raf-und-der-bewegung-2-juni-zum-hungerstreik-des-griechischen-gefangenen-dimitris-koufantinas/

Kuddel

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Re: griechenland
« Antwort #1446 am: 10:02:24 So. 14.März 2021 »
In ganz Athen beginnen derzeit Nachbarschaftsversammlungen gegen das autoritäre Regime. Teilweise guter Zulauf.


ManOfConstantSorrow

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Re: griechenland
« Antwort #1447 am: 11:51:35 So. 14.März 2021 »
Ich bin froh, hier nicht die Todesnachricht von Dimitris Koufontinas verbreiten zu müssen.

Zitat
Dimitris Koufontinas beendete seinen Hungerstreik

“Was da draußen passiert, ist viel wichtiger als das, wofür es angefangen hat. Angesichts der Macht dieser Kämpfe erkläre ich meinerseits, dass ich mit Herz und Verstand hier und unter euch bin“, sagte Dimitris Koufontinas heute (14.3.2021) über die Massenproteste der letzten Zeit. Mit dieser Aussage per Telefon aus der Intensivstation des Krankenhauses in Lamia unterbrach er den Hungerstreik nach 66 Tagen.

Er stellte fest, dass „die herrschende Familie gezeigt hat, wie rücksichtslos sie bei dem Brechen von Gesetzen und der Verfassung, bei der Kontrolle der Justiz ist. Die Menschen, die auf die Straße gehen, werden sie beurteilen.“ Gleichzeitig dankte er „Freunden und Kameraden, die solidarisch waren. Ich danke allen fortschrittlichen Menschen für ihre Unterstützung, die nicht die Unterstützung einer Person war, sondern ein Kampf gegen eine unmenschliche Macht.“

„Solidarität und Unterstützung haben gezeigt, dass es lebende soziale Kräfte gibt, die sich gegen Willkür, Gewalt und Autoritarismus widersetzen. Und das ist eine neue Hoffnung“, fügte er hinzu.
https://griechenlandsoli.com/2021/03/14/dimitris-koufontinas-beendete-seinen-hungerstreik/
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ManOfConstantSorrow

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Re: griechenland
« Antwort #1448 am: 18:56:42 Di. 23.März 2021 »
Zitat
Die Jugend in Griechenland rebelliert. Obwohl seit Januar mehrmals wöchentlich tausende Menschen auf die Straße gehen, berichten bürgerliche Medien in Deutschland praktisch gar nicht darüber. Die autoritäre Entwicklung des griechischen Staates hat seit letztem Jahr besonders Fahrt aufgenommen – sie stößt aber auch auf erheblichen Widerstand.
https://lowerclassmag.com/2021/03/17/autoritaerer-wind-unter-der-akropolis/
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ManOfConstantSorrow

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Re: griechenland
« Antwort #1449 am: 19:58:29 So. 08.August 2021 »
Dieser Brief einer linken Aktivistin aus Athen erreichte mich über einen Mailverteiler:

Zitat
Uns geht es gut, aber die Situation war wirklich furchtbar. 45 Grad und eine Atmosphäre voller gefährlicher Partikel und Asche in ganz Athen. Abgesehen von den Menschen, die ihre Häuser, landwirtschaftlichen Felder und Autos dort verbrannt sahen, wo die Feuer brannten, hat der Teil der Athener Bevölkerung, der keine Klimaanlagen in seinen Häusern hat (d.h. die Ärmsten), in den letzten Tagen sehr gelitten.

Natürlich gibt es eine politische Diskussion über die Geschehnisse. Die wichtigsten Punkte sind die folgenden:

- Die Linke und der erste Diskurs der Regierung haben den Klimawandel als Schuldigen für die Waldbrände ausgemacht.

- Innerhalb der Linken, der antiautoritären Szene und eines bedeutenden Teils der betroffenen Bevölkerung gibt es eine Kritik an der systematischen Aushöhlung des Forstdienstes und der Feuerwehr (d.h. an den reduzierten materiellen Ressourcen und den eingesetzten Arbeitskräften) als Teil des allgemeinen "neoliberalen" Angriffs auf die sozialen Dienste (Gesundheit, Bildung, Infrastrukturen, etc.). Damit verbunden ist eine Kritik an der Erhöhung der Ausgaben für die Polizei, die in den zwei Jahren der Regierung Mitsotakis in die Höhe geschnellt sind.

- Was den letzten Punkt anbelangt, so ist die Anwesenheit von Tausenden von Polizisten anstelle von Feuerwehrleuten und Feuerlöschgeräten ein sehr symbolträchtiges Ereignis bei der Bewältigung der Waldbrände durch die Regierung. Die Rolle der Polizisten bestand hauptsächlich darin, die Evakuierung der Gebiete durchzusetzen und Plünderungen zu verhindern. (Ähnlich sieht es z. B. bei der Bewältigung von Katrina aus). Viele Menschen greifen die Regierung an, weil zum ersten Mal die Evakuierung Vorrang hatte und die Bemühungen zur Brandbekämpfung sehr schwach und unorganisiert waren. In der Tat können wir uns an keinen anderen Fall erinnern, in dem die Zerstörung von Häusern, Unternehmen und Infrastruktur so umfangreich war und gleichzeitig von der Regierung und den meisten Massenmedien so heruntergespielt wurde.

- Es gab Widerstand gegen die Evakuierungen durch die Einwohner, die versuchten, ihre Dörfer vor dem Feuer zu retten, vor allem in Nordeuböa, das viele Tage lang fast hilflos zurückgelassen wurde, weil die Bekämpfung des Feuers in den nördlichen (und hauptsächlich reichen) Vororten Athens Vorrang hatte. Dies wirft auch eine wichtige Frage in Bezug auf die Evakuierungen auf: Die Selbstorganisation der lokalen Gemeinschaften gegen die Waldbrände war in der Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der Brandbekämpfung; eine Strategie, die der Evakuierung Vorrang einräumt, untergräbt die Wirksamkeit der Brandbekämpfungsmaßnahmen völlig.

- Eine Antwort auf diese Frage lautet, dass Mitsotakis um jeden Preis eine Wiederholung der Katastrophe in Mati vermeiden will, bei der mehr als 100 Menschen starben und die ein wichtiges Ereignis für den Sturz von Syriza war. Wir sind uns nicht sicher, ob dies der Fall ist, oder ob hinter der neuen Strategie tiefere Gründe stecken.

- Die Anwesenheit von Polizisten wird auch mit dem Kampf gegen angebliche Brandstifter begründet. Nach dem anfänglichen Diskurs über den Klimawandel haben die rechten Medien und regierungsnahe Kreise Gerüchte über die Anwesenheit von Brandstiftern, Agenten-Provokateuren usw. verbreitet, deren Identität ziemlich unklar ist (von "illegalen Einwanderern", "Agenten der Türkei" über "Anarchisten" bis hin zu "SYRIZA" usw.) Dies wird auch von der extremen Rechten gefördert.

- Die Rechtsextremen haben die Regierung mit nichtssagenden Schimpfwörtern angegriffen ("Mitsotaki fick dich", "Schwulenregierung"), die jedoch außerhalb ihrer Reihen recht erfolgreich waren (das erste Schimpfwort war auch innerhalb der Linken erfolgreich). Eine Gruppe von ihnen hat auch ein Fernsehteam angegriffen - von dem Fernsehsender, der paradoxerweise der Regierung am kritischsten gegenübersteht. Einige linke Journalisten haben diese Gruppe als faschistische Hooligans identifiziert, die mit dem Fußballverein Olympiakos in Verbindung stehen, der von einem der Familie Mitsotakis sehr nahestehenden Schiffsmagnaten geleitet wird. Die Polizei griff nicht ein, und es kam zu keinen Verhaftungen.

- Innerhalb des linken/antiautoritären Milieus gibt es auch einen Zusammenhang zwischen den Bränden und neuen kapitalistischen Entwicklungsplänen, die die wilde Natur zerstören (z.B. die Installation von Windgeneratoren). Dies ist im Hinblick auf die Auswirkungen richtig, d.h. dass es nach den Bränden zu einer privaten Aneignung der Flächen für die Ausdehnung der Stadt oder für die Installation von Generatoren kommen kann, wie es in der Vergangenheit zu beobachten war. Ein solcher Diskurs enthält jedoch ein starkes Element konspirativen Denkens (d. h. dass die Brände von bezahlten Tätern gelegt werden, damit die Entwicklungspläne umgesetzt werden können).

- Schließlich müssen wir feststellen, dass der Norden Euböas, der immer noch brennt und völlig zerstört ist, ein sehr armes Gebiet ist. Vor 30 Jahren waren die meisten Menschen Bergleute oder arme Bauern. Jetzt arbeiten die meisten Menschen im Tourismussektor oder sind arme selbständige Landwirte (Imker, Harzsammler, Viehzüchter usw.) Niemand weiß, was mit ihnen geschehen wird, wenn das Feuer gelöscht ist. Es ist sehr gut möglich, dass viele von ihnen in die städtischen Zentren abwandern werden...
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Re: griechenland
« Antwort #1450 am: 18:17:41 Mi. 23.Februar 2022 »
Zitat
ALLE 1080 BESCHÄFTIGTEN SOLLEN ENTLASSEN WERDEN - Privatisierung des Nickelunternehmens Larco

Seit 1985 kontrolliert der griechische Staat als Mehrheitseigner Larco. Larco beutet als inzwischen einziger Nickelproduzent in der EU die griechischen Vorräte an Nickel in verschiedenen Minen aus und verarbeitet sie zu industriellen Vorprodukten (Ferronickel). Der Abbau erfolgt an allen Nickelvorkommen Griechenlands vorzugsweise im Tagebau.

Larco besitzt Minen auf Euböa, im nordgriechischen Kastoria und nahe Larymna auf dem Festland gegenüber von Euböa. Seit dem Jahr 2000 beträgt die jährliche Nickelproduktion ca. 18.000  Tonnen. Die griechische Regierung veröffentlicht seit Jahren keine konkreten Förderzahlen. In einer großen Fabrik in Larymna erfolgt auch das Einschmelzen des geförderten Erzes und seine Verarbeitung. Zu Larco gehören auch ein eigener Hafen zur Verschiffung der Produkte und eine Mine in Servia bei Kozani, um Braunkohle für die Nickelproduktion zu fördern. 1970er und 1980er Jahren wurden auch 300 Wohnungen gebaut.

Larco soll an Investoren verkauft werden
Mehr als 85% des gewonnenen Nickels wird – nach seiner Verarbeitung zu Ferronickel – für die Produktion von Edelstahl verwendet. Es wird auch für die Batterieproduktion benötigt, dafür werden bislang ca. 5% verwendet, durch die wachsende Nachfrage im Zuge der Elektromobilität wird diese Verwendung allerdings stark wachsen. Larco rechnet sich zu den fünf größten Produzenten von Ferronickel weltweit. Der griechische Staat ist Eigentümer des Nickel-Werkes Larco. Larco soll an Investoren verkauft werden und dazu wurden erstmal 1080 Arbeiter entlassen, und damit werden sie auch die 300 Werkswohnungen verlieren.

Larco-Arbeiter haben lange Kampferfahrungen
Die Larco-Arbeiter haben eine lange Geschichte des Kampfes. Sie werden Verkauf und Entlassungen nicht kampflos hinnehmen. Die harten und unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei Larco sind in ganz Griechenland bekannt. Bis 1992 ereigneten sich in dem Werk 34 tödliche Unfälle. Noch sehr lebendig ist der Streik vor 40 Jahren, der erfolgreich endete. Sie hatten mitten im Winter, am 27. Januar, begonnen, und endeten im Frühjahr, am 10. Mai 1977. 110 Tage kämpferische Entschlossenheit und Klassensolidarität. Es waren 1200 Arbeiter im Winter täglich unterwegs. Die Einwohner von Larymna organisierten die Solidarität. Die Arbeiter bei Nea Kokkino in Theben führten einen Solidaritätsstreik durch.

Letzten Sonntag Großkundgebung in Larymna - Stimmen von Kollegen
Bei einer Großkundgebung in Larymna am letzten Sonntag gegen die Entlassungen zeigten die Arbeiter deutlich, dass sie nicht nachgeben wollen. An der Kundgebung beteiligten sich Arbeiter, Selbstständige, Studenten und Schüler, Frauen, viele aus Mittelgriechenland, Attika und sogar aus Thessaloniki. Aber auch Landwirte, die ihre Traktoren bei den Blockaden eine Zeit lang stehen ließen, um den kämpfenden Arbeitern und ihren Familien zur Seite zu stehen. Die große Solidarität ist überwältigend.

Dimitris, ein Arbeiter, der seit 2,5 Jahren dort arbeitet: „Mein Vater hat hier gearbeitet und ist mit 67 Jahren an Krebs gestorben, der Bruder meiner Mutter ist hier gestorben und war 32 Jahre alt. Sie wollen uns rausschmeißen? Wenn sie sich zu kommen trauen, sollen sie kommen. Wir sind entschlossen, und heute haben wir gezeigt, dass wir nicht allein sind, sondern dass wir alle anderen Arbeiter auf unserer Seite haben. Wir werden den ganzen Weg gehen."

Dimitris Papageorgiou: "Sie wollen das Gold, das wir herstellen. Wen braucht Larco bei so vielen Tonnen Edelmetallen, die wir pro Monat fördern? Warum ist sie angeblich verschuldet und kann sich nicht modernisieren? Das ist inakzeptabel. Das ist ein Verbrechen und wir werden es nicht zulassen. Wir bleiben auf unseren Posten und lassen uns von der Bereitschaftspolizei oder wem auch immer aus dem Weg räumen. Sie werden das ganze Volk gegen sich haben."

Fotis Doskoris, 50 Jahre alt und Vater eines kleinen Kindes, der Arbeiter, der 2018 durch eine Explosion in einem Gießereieimer am Kopf verbrannt wurde, berichtet voller Wut: "Wir haben unsere Stücke hier drin gelassen. Ich könnte einer von Dutzenden unserer toten Kollegen sein. Sie können uns nicht wie ausgepresste Zitronen wegschmeißen. Wir können nicht akzeptieren, dass wir unter noch schlechteren Bedingungen und zu noch schlechteren Löhnen als heute für den Profit arbeiten."

Frauen, Kinder, Handwerker, Landwirte - alle sind von der Arbeitsplatzvernichtung betroffen
Neben den Arbeitern von Larco sind auch ihre Kinder betroffen. Anna, 13 Jahre alt, gehört zu den Kindern des Larymna-Gymnasiums, die das Transparent mit der Aufschrift "Larco-Arbeiter lehren uns eine Lektion fürs Leben" halten. Wie sie sagt, vertreiben sie ihre Familie aus der Siedlung. "Ich kann nicht verstehen, warum mein Vater ohne Arbeit dasteht und uns das Haus weggenommen wird. Ich fühle mich sehr schlecht. Wir werden nirgendwo mehr wohnen können. Es macht mich traurig, wenn ich sehe, wie sich meine Eltern Sorgen machen. Deshalb bin ich mit den anderen Kindern, die das gleiche Problem haben, hierhergekommen. Um meine Familie und Larco zu retten. Und heute ist es sehr schön zu sehen, dass so viele Menschen uns unterstützen, und auch sie sagen, dass Larco geöffnet bleiben soll und dass meine Familie ihr Zuhause nicht verlassen muss."

Landwirt Giorgos Meletios: "Wir haben die Traktoren bei den Blockaden von Agios Ioannis in Livadia zurückgelassen und sind hierhergekommen". Meine Neffen und Nichten, meine Verwandten arbeiten hier. Schon jetzt werden die Junglandwirte ausgerottet, junge Kinder verlassen den Ort, und wenn sie das durchsetzen, was sie für Larco planen, wird der Ort verödet sein. Wenn sie privaten Eigentümern überlassen wird, werden sie die Löhne und die Arbeitsplätze für ihren Profit reduzieren, was eine Verringerung unseres mageren Einkommens bedeutet. Ob es nun an private Eigentümer übergeben oder geschlossen wird, es wird eine Katastrophe für uns sein, unser Ort wird noch mehr veröden."

Auch viele Handwerker nahmen an der Kundgebung teil. Einer von ihnen war George Tsouratakis, ein Mechaniker aus Korydallos, der sagt: "Die Entwicklung bei Larco schadet der Metallindustrie im Allgemeinen. Zu welchen Preisen und in welcher Qualität werden wir den Rohstoff demnächst bekommen? Denn heute ist sie ausgezeichnet. Das Know-how ist hier enorm. Mit dem, was die Regierung fördert, werden nur die großen Unternehmen begünstigt, und unser eigenes Aussterben wird beschleunigt. Aber wir wissen aus erster Hand, was es bedeutet, wenn einem das Haus weggenommen wird. Zwangsversteigerungen sind in unserem Land an der Tagesordnung. Jeden Tag erhalten Hunderte von uns die Zwangsvollstreckungsunterlagen aufgrund von Schulden. Unsere Solidarität mit dem Kampf der Larco-Beschäftigten ist eine Selbstverständlichkeit und wird sich noch verstärken."

Die Ehefrauen der Larco-Beschäftigten leisteten einen besonderen Beitrag zur Organisation und zur massenhaften Teilnahme an der Kundgebung und verliehen den Kämpfen der Larco-Frauen eine würdige Kontinuität. Die Frauen bildeten zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der örtlichen Schulen symbolisch eine Kette um die Kundgebung und sandten mit ihren bunten Plakaten mit Slogans eine Botschaft der Einheit und Entschlossenheit, das Leben und die Zukunft ihrer Familien zu verteidigen.

Ein Schüler, Kind eines Larco-Arbeiters "Sie kündigten unseren Vätern, unseren Müttern, unseren Onkeln und unseren Paten an, dass sie in zwei Wochen entlassen und wir aus unseren Häusern vertrieben werden. Wir, die Kinder, die Neffen, die Patenkinder der Arbeiter und die Schüler der Bezirksschulen sind hier, an der Seite aller Arbeiter, und wir kämpfen mit ihnen, erhobenen Hauptes und mit lauter Stimme, um die Ohren derjenigen zu erreichen, die es sich in ihren Sesseln bequem gemacht haben und die zynisch und gefühllos solche Entscheidungen treffen: Wir werden nicht aus unseren Häusern gehen, wir werden zusammen mit den Arbeitern unser Recht finden! Alle zusammen mit erhobenem Haupt! Wir werden für uns selbst eintreten!"

Am 26. Februar sind die Largo-Arbeiter auf dem Syntagma-Platz in Athen
Am Ende der Kundgebung wurde dazu aufgerufen, am Samstag sich in Athen vor dem Synthagma zu treffen, um den Kampf zu verstärken. Dort werden wir - die Larco-Arbeiter und die Petroleum- Arbeiter von Kavalla sein, die auch um ihre Arbeitsplätze und gegen Entlassungswellen kämpfen, die Kollegen aus dem Schiffbau und den Reparaturzonen in Piräus und die Cosco-Arbeiter. Auch viele Bauarbeitergewerkschaften mobilisieren darauf. Es werden viele Athener mitmachen und ihre Unzufriedenheit mit der Armutswelle, der hohen Inflation und den Folgen des kriminellen Umgangs mit der Pandemie auf die Straße zu bringen. Wir werden sehen, wie lange die Mitsotakis-Regierung unsere Stimme ignorieren wird!

Quelle: https://www.rf-news.de/2022/kw08/privatisierung-des-nickelunternehmens-larco
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Re: griechenland
« Antwort #1451 am: 04:35:39 Sa. 09.April 2022 »
Zitat
BEDEUTENDER ARBEITERKAMPF - Griechenland am 6. April: Generalstreik in 70 Städten!

Der Generalstreik in 70 Städten in Griechenland wurde erfolgreich durchgeführt. So was hat Regierungschef Mitsotakis schon lange nicht mehr gesehen! In Athen überall Arbeiterblöcke, die auf den Syntagma-Platz marschierten. Dort führten Zehntausende eine Kundgebung durch. Es war etwas Neues diesmal!

Quelle: https://www.rf-news.de/2022/kw14/griechenland-generalstreik-in-70-staedten
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Re: griechenland
« Antwort #1452 am: 18:15:34 So. 10.April 2022 »
Zitat
ATHEN - Selenskyj und Asow-Faschisten sprechen im griechischen Parlament

Der 7. April 2022 wird als Tag der Erstürmung des griechischen Parlaments und als Beleidigung des griechischen Volkes in die Geschichte eingehen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach per Videoschalte im griechischen Parlament - einen Tag, nachdem die griechische Arbeiter- und Volksbewegung mit einem Generalstreik in 70 Städten mit Nachdruck für ihre sozialen Rechte und gegen den imperialistischen Krieg Stellung genommen hatte. Überraschen unterbrach Selenskyj eine Rede und übergab das Wort an zwei andere Redner, "Verteidiger von Mariupol", wie er sagte. Beide gehören der griechischen Minderheit im ukrainischen Mariupol an und sind Bestandteil des faschistischen Asow-Regiments. Einer trat sogar vermummt auf. Die Botschaft der Ukraine in Athen reagierte mit einer Stellungnahme. Sie stellte sich demonstrativ hinter das Asow-Regiment, das sie als wichtige Stütze der Landesverteidigung lobte.

Quelle: https://www.rf-news.de/2022/kw14/selenskyj-und-asow-faschisten-sprechen-im-griechischen-parlament
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Re: griechenland
« Antwort #1453 am: 19:13:35 Sa. 14.Mai 2022 »
Zitat
GRIECHENLAND - Antikriegsdemonstrationen und Streiks um Löhne und gegen miserable Arbeitsbedingungen

Griechenland unter der Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis steht an der Spitze des ungebremsten Anstiegs der Energiepreise in ganz Europa, vor allem mit einem enormen Anstieg der Strompreise. Griechenland zahlt durchweg die teuerste Megawattstunde in Europa.

Quelle: https://www.rf-news.de/2022/kw19/antikriegsdemonstrationen-und-streiks-um-loehne-und-gegen-miserable-arbeitsbedingungen
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