Autor Thema: 1€ in SH  (Gelesen 4174 mal)

ManOfConstantSorrow

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1€ in SH
« am: 13:59:43 Di. 04.Januar 2005 »
KN-Online.de

Auf der Suche nach Ein-Euro-Jobs: Landesweit sind bislang 6000 Stellen fest geplant oder eingerichtet

Kiel - Rund 6000 Ein-Euro-Jobs sind bisher in Schleswig-Holstein fest geplant und zum Teil bereits eingerichtet, weitere 1500 werden zurzeit geprüft. Dieses Angebot wird nach allgemeiner Einschätzung aber nicht reichen, um alle Interessenten zu versorgen.



Während vor einigen Arbeitsagenturen Demonstranten noch ihrem Unmut über Hartz IV Luft machten, waren drinnen die Mitarbeiter mit Umzug und Umorganisation beschäftigt: Seit gestern sind nun offiziell die dezentralen Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) für die Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II) zuständig. Zwei Ausnahmen gibt es: Die Kreise Nordfriesland und Schleswig/Flensburg versuchen in Eigenregie, ihre Klienten wieder in Lohn und Brot zu bringen.

Dabei ist allen Mitarbeitern klar, dass sie kaum geeignete reguläre Arbeitsplätze anzubieten haben. So werden in vielen Fällen nur die auf sechs Monate begrenzten Ein-Euro-Jobs bleiben. Vorläufer dieser Arbeitsgelegenheiten gibt es bei den Kommunen schon lange, aber auch in anderen gemeinnützigen Bereichen seit September 2004. Einer, der ein Vorläufermodell genutzt hat, ist Ernst Günter Graf: Nach drei Jahren Sozialhilfe war der Heizungsinstallateur froh, nicht mehr zu Hause herumsitzen zu müssen. Stattdessen hat er all die Arbeiten im Norderstedter Rathaus und im Corpernikus-Gymnasium übernommen, die sonst liegen geblieben wären. 130 Euro zusätzlich zur Sozialhilfe hat er so verdient. Doch wichtiger als das Geld war für den 48-Jährigen, "das Gefühl, endlich wieder gebraucht zu werden". Das bestätigt auch eine Kielerin, die alte Menschen unterstützt hat: "Nach langer Arbeitslosigkeit ist das eine Herausforderung, und wenn man merkt, man schafft das, dann ist man stolz und geht alles selbstbewusster an." Sie ist froh, dass sie ihren Ein-Euro-Job auch unter den neuen Bedingungen erst einmal weitermachen kann.

Die 6000 neuen Ein-Euro-Jobs entstehen in den verschiedensten Bereichen: Während Neumünster und die Kreise
Rendsburg/Eckernförde und Segeberg sich bei ihren 1000 neuen Arbeitsgelegenheiten auf die Gruppe der unter 25-Jährigen konzentriert haben, sind in Kiel erst einmal insgesamt 240 Ein-Euro-Jobs eingerichtet worden, die die Stadtteile lebenswerter machen sollen. Hinzu kommen 400 Angebote, die noch geprüft werden: Aufgaben wie Hilfe im Freilichtmuseum Molfsee, Nachmittagsbetreuung von Kindern in Schulen und soziale Hilfen für Behinderte und alte Menschen. Bewilligt wird aber nur das, was zusätzlich und gemeinnützig ist und weder reguläre Arbeitsplätze noch funktionierende Ehrenämter ersetzt. Als in Segeberg ein Kindergarten einen Ein-Euro-Jobber für den Abwasch haben wollte, wurde dies abgelehnt: Das Kriterium der Zusätzlichkeit war nicht erfüllt - der Abwasch wurde ja schon immer gemacht. stü/wit
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Pinnswin

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1€ in SH
« Antwort #1 am: 11:01:36 Mi. 05.Januar 2005 »
- das die "Armen" nie auf´s Geld kucken und gerne (auch für Lau) arbeiten würden, bloß um "mal wieder raus" zukommen... [?!]. Wenn man sich einen Strick nimmt, kommt man übrigens auch raus, vielleicht sollte der Autor dieses Artikels das auch mal erwähnen [?!]

- auch komisch, das man den unter 25 jährigen gleich beim Arbeitseinstieg die Motivation durch 1,-€ "Arbeitsgelegenheiten" (= sind keine Jobs) nimmt... (welche Motivation[?!])

- wie bitteschön, macht eine 1,- € Arbeitsgelegenheit einen Stadtteil lebenswerter?

... ich muß dringend mal wieder einen Leserbrief schreiben...
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

Galenit

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« Antwort #2 am: 11:47:52 Mi. 05.Januar 2005 »
ich finde es gut, das zumindeste eine stadt schonmal darauf achtet keine bestehenden tätigkeiten zu vergeben, also nix ist mit 1euro als abwaschsklave. (zusätzlichkeit, das ist die hauptmöglichkeit sich gegen skalvenarbeit zu wehren. wenn ich so einen job bekommen würde, würde ich auch sofort auf festeinstellung klagen, da keine zusätzlichkeit gegeben ist und somit eine festanstellung begründed ist.)

und ob die kinder- / behindertenbetreuung durch arbeitslose so gut ist sehe ich eher als fraglich an (zumindest für die gesellschaftliche integration selbiger als kritikfreie konsumenten, stimmvieh und duckmäuser), andererseits kann ich nur eins sagen:
lasst mich bitte eure kinder betreuen, schon in der kindheit fängt eine erziehung zum kritischen konsumenten und bürger an.
oder ums anders auszudrücken: wenn hänschen sich nicht zu wehren lernt, wird aus hans nie ein revoluzer.  :D
G.S. ehemaliger Bundeskanzler der B(ananen) R(epublik) D(eutschland):
"Was wir machen ist gut, die Menschen verstehen es nur nicht!"