Autor Thema: 3,50 Euro Lohn für Saisonarbeiter  (Gelesen 5688 mal)

Kuddel

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3,50 Euro Lohn für Saisonarbeiter
« am: 16:42:08 So. 26.Juli 2009 »
Verdacht auf Ausbeutung gegen Gemüsebauer

Nürnberg - Wegen der Ausbeutung von Saisonarbeitern und Sozialversicherungsbetrugs ist ein Nürnberger Gemüsebauer ins Visier der Justiz geraten. Der Firmenchef habe 24 beschäftigten Rumänen lediglich einen Hungerlohn von 3,50 Euro pro Stunde gezahlt. Dieser sei auch noch gekürzt worden, wenn Großhändler die Ware wegen Mängeln nicht abgenommen oder wenn die Arbeiter zu langsam gearbeitet hätten, berichtete das Hauptzollamt Nürnberg. Zudem bestehe der Verdacht, dass der Landwirt für seine Saisonkräfte keine Sozialbeiträge an die Kassen abgeführt habe. Als katastrophal habe sich bei einer Durchsuchung die Unterbringung der Saisonkräfte erwiesen. In den Matratzenlagern, die in gestapelten Containern untergebracht waren, hätten sich zwei Personen eine Matratze teilen müssen. Warmes Wasser habe es in dem Quartier nur zeitweise gegeben. Für die Nutzung eines Kühlschranks habe der Landwirt von jedem 25 Euro kassiert. Der Gemüsebauer habe seinen Betrieb im sogenannten Nürnberger Knoblauchsland.

Die Missstände waren aufgeflogen, nachdem der Landwirt vier Rumänen die Auszahlung des ihnen noch zustehenden Lohns verweigert hatte. Mit Hilfe eines dolmetschenden Taxifahrers gingen die Rumänen daraufhin zum Hauptzollamt. Dieses überprüfte daraufhin den Betrieb. Eigene Aufzeichnungen der Rumänen ergaben, dass der Gemüsebauer nur 72 der 261 geleisteten Arbeitsstunden bezahlt hatte. Die Saisonkräfte selbst hätten eingeschüchtert gewirkt. Die am Körper getragenen Stundenaufzeichnungen hätten sie erst herausgegeben, als sie verstanden, dass die Zollbeamten ihnen helfen wollten.dpa

http://www.sueddeutsche.de/D5638N/2975152/3,50-Euro-Lohn-fuer-Saisonarbeiter.html

Kuddel

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Re: 3,50 Euro Lohn für Saisonarbeiter
« Antwort #1 am: 15:00:30 Mi. 24.März 2021 »
Zitat
Erneut Vorwürfe gegen Agrarbetrieb wegen Ausbeutung von Arbeitern

Berlin (ots) - Wieder wird einem deutschen Agrarbetrieb Ausbeutung von ausländischen Saisonarbeitern vorgeworfen: Die Tageszeitung "taz" (Montagausgabe) zitiert Rumänen, sie hätten von einer Baumschule in Nordrhein-Westfalen weniger als den Mindestlohn bekommen, Vorgesetzte seien ausfallend und handgreiflich geworden, die Pässe einbehalten worden. "Ich habe mich wie ein Sklave gefühlt", sagte einer der Landarbeiter.

Für zwei Wochen habe der Mann 635 Euro ausgezahlt bekommen, sagt Catalina Guia, die für "Arbeit und Leben", eine unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund getragenen Weiterbildungseinrichtung, Wanderarbeiter berät. Sie hat dem Mann und 9 weiteren Rumänen geholfen, die Baumschule zu verlassen. Wenn der Landarbeiter - wie er sagt - 108 Stunden gearbeitet hat und zu dem Auszahlungsbetrag noch 130 Euro für die von der Baumschule übernommene Anfahrt aus Rumänien und 71 Euro für die laut Sozialrecht geltende Unterkunftspauschale hinzukommen, betrug der Stundenlohn nur knapp 8 Euro. Das liegt weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,50 Euro. Abrechnungen habe ihm die Baumschule nicht gegeben, erzählt der Mann.

Für seinen Lohn leistete der Rumäne sehr harte Arbeit: "Ich habe täglich 250 Bäume in ein Verpackungsmaterial eingewickelt und dann auf einen Lkw geladen", sagt der Mann. "Jeder Baum wog 30 bis 40 Kilogramm, wenn er trocken war, wenn er nass war, noch mehr, und meistens waren sie nass." Auf dem Feld habe er Setzlinge gepflanzt, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Den Arbeitsvertrag auf Deutsch habe er unterschreiben müssen, obwohl er ihn nicht verstanden habe, erzählt der Rumäne weiter. "Ich habe auch keine Kopie bekommen."

Ein Kollege des 20-Jährigen erhob ähnliche Vorwürfe. Der Inhaber der Baumschule habe einem Rumänen gedroht, ihn mit einem Messer oder einer Pistole zu verletzen, wenn er schlecht arbeite. Die Wohncontainer seien kaum geheizt gewesen. Anti-Corona-Masken hätten sich die Arbeiter selbst besorgen müssen.

Beraterin Guia erzählt, dass auch mehrere andere Rumänen die Vorwürfe bestätigt hätten. Als sie sich beschwerten, sei ihnen fristlos gekündigt worden. Sie hätten den Betrieb und die Wohncontainer sofort verlassen müssen. "Sie saßen stundenlang vor dem Werkstor, ohne Pässe und ohne Geld und in der Kälte", so Guia. Erst als die Polizei anrückte, habe die Baumschule die Pässe herausgegeben, und nur nach Intervention der Beratungsstelle hätten sie ihren Lohn bekommen.

Die Baumschule wies die Vorwürfe als falsch zurück. Belege führte sie nicht an. Das Unternehmen schrieb der taz lediglich, es könne nicht auf Details eingehen, weil die Behörden sich mit dem Fall befassten. Die zuständige Staatsanwaltschaft Krefeld teilte mit, sie prüfe, ob ein Anfangsverdacht vorliege.

300.000 Saisonkräfte, die vor allem aus Osteuropa kommen, reisen in normalen Jahren ein. Die Landwirte brauchen sie etwa für die in wenigen Wochen beginnende Spargelernte. Danach holen Erntehelfer zum Beispiel Erdbeeren vom Feld.

Die Bundesregierung diskutiert derzeit, ob Landwirt*innen die Arbeitskräfte wie im Coronajahr 2020 bis zu 115 Tage ohne reguläre Sozialversicherung beschäftigen dürfen sollen, um die Zahl der reisenden Helfer*innen und somit das Coronarisiko zu reduzieren. In den Jahren ohne Pandemie hatte die Schwelle bei 70 Tagen gelegen. Mit Folgen für die Aushilfen: Auf diesem Weg angestellte Osteuropäer*innen müssen laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) die Behandlungskosten mitunter selbst zahlen. Zudem würden der deutschen Sozialversicherung hohe Summen an Beiträgen verloren gehen. Für die Arbeitgeber sind Verstöße etwa gegen das Mindestlohngesetz nur Einzelfälle. Zudem würden die meisten Betriebe eine private Krankenversicherung für ihre Saisonkräfte abschließen.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-03/52360230-erneut-vorwuerfe-gegen-agrarbetrieb-wegen-ausbeutung-von-arbeitern-007.htm

In Italien üblich: die aktive Beteiligung der Mafia mit Einschüchterungen und Waffeneinsatz.
In Deutschland weiß ich nur von dem Zusammenschlagen aufmüpfiger Arbeiter durch Vorarbeiter in Schlachthöfen.