Autor Thema: Null Leben, nur Lernen.  (Gelesen 17589 mal)

ManOfConstantSorrow

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Null Leben, nur Lernen.
« am: 11:42:19 Do. 17.September 2009 »
"Der Druck hat sich massiv erhöht"
Studenten stehen unter Dauerkontrolle, sagt Klemens Himpele im FR-Interview. Er ist Autor einer Studie zum Bologna-Prozess.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1938219_Klemens-Himpele-Der-Druck-hat-sich-massiv-erhoeht.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Arwing

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #1 am: 14:55:32 Do. 17.September 2009 »
Naja, so spielt sich Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb eben selbst herunter und droht zu einer Randfigur zu verkommen. 

Die Schwerindustrie sowie die eigene Rohstoffknappheit lassen Deutschland keine Wahl als auf den Service- und vor allem Bildungssektor zu setzen, um gut qualifizierte (akademische) Facharbeiter zu erzeugen.

Nur sieht die Realität durch einen schlecht umgesetzten Bolognaprozeß, Studiengebühren und magere Bafögobergrenzen, die die Studis zum Nebenjob zwingen, anstatt sich auf das Studium konzentrieren zu können, sehr schlecht aus.
Das aktuelle Geldsystem ist auf die Gewinnmaximierung einer kleinen Elite ausgerichtet, die von der Gemeinschaft der Bürger Europas erbracht werden soll und die politische Elite fungiert als Handlanger.

Alan Smithee

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #2 am: 11:32:20 Di. 17.November 2009 »
@Arwing

da kann ich dir nur zustimmen. Ich bin ja leider schon jenseits von Gut und Böse was Leben und Lernen betrifft, aber eigentlich bin ich heilefroh, dass ich doch nicht mehr in dem Alter bin.... ::)
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Crazy_Jules

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #3 am: 14:15:05 Mo. 07.Dezember 2009 »
Ich kann das nur bestätigen, was hier gesagt wurde. Ich bin 22 studiere Erziehungswissenschaften mit schwerpunkt Sprach-Heilpädagogik und ich komm mit meinem Mini Bafög- Satz net weit, ich hab zwei nebenjobs, damit ich mein Studium finanzieren kann. Da ich nicht mehr zu hause wohne, muss ich auch noch meine Miete zusammenkriegen. Und meine Eltern haben beide im März den Arbeitsplatz verloren, die können mir kaum etwas zahlen. Ende vom lied ist im moment dass ich mit 22 kurz von einem Burn out stehe, seit september deswegen krankgeschrieben bin und jetzt in ne Reha muss. Aber gelebt hab ich noch net, eher nur glernt und gearbeitet wie ne maschine, das war kein Leben..
Fallen ist menschlich, liegen bleiben ist feige....

Pinnswin

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Bildung wird nicht benötigt
« Antwort #4 am: 12:40:04 Mi. 09.Dezember 2009 »
Nicht nur das Schulsystem hat schon länger geschnallt, das Bildung in D nicht benötigt wird. Vitamin B reicht völlig aus, damit das Töchterlein vom Staatssekretär in einen feschen Job reingefilzt wird. Deswegen auch das Beamtendeutsch.
Die Hartz4-(u.ä.)Ableger, die irgendwas mit höherem Bildungsweg machen wollen, sollen mal lieber wieder schnell unter dem Teppich abkriechen, wo se rausgekrochen kamen, die braucht keiner im deutschen Filz. Oder sie bringen ne Tonne geschnorrter Kohle für ihre Ausbilung mit, die sie dann nie wieder zurückzahlen können.



Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
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Alan Smithee

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #5 am: 15:46:32 Mi. 09.Dezember 2009 »
Was Pinnswinn schreibt ist absolut korrekt. Geh mal als Hartzler zur ARGE und frage nach Weiterbildung...lieber versenken die Ihre Kohle in absoluten Sinnlos-Pseudo-Weiterbildungen, als dass die auch nur annähernd was Vernünftiges bewilligen. Dies betrifft vor allem diejenigen, die eigentlich schon längst ausselektiert worden sind - aaaber dann noch per EGV zig Bewerbungen pro Monat vorweisen müssen oder darf´s noch das 10. Bewerbungstraining oder unbezahlte Praktikum sein??

So produziert man eine Armee an Billigstlöhnern, denen man dann auch noch vorwirft, trotz all der tollen Maßnahmen von ARGE immer noch auf (ZU-) Zahlungen vom Amt angewiesen zu sein..

Und selbst wenn man es irgendwie schafft, noch eine Ausbildung, Umschulung oder wirklich qualifizierende Maßnahme durchzuringen; auf der ARGE wird die ganze Vorbildung ignoriert und versucht, lustig wieder in Billigst-Jobs zu vermitteln.
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Pinnswin

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #6 am: 00:12:50 Do. 10.Dezember 2009 »
Begeistern statt vergraulen
http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Begeistern-statt-vergraulen-866738.html
[...] Mein Sohn studiert zur Zeit Elektrotechnik an der TU München. Er hat ein bayerisches Abitur mit Auszeichnung und ist Stipendiat. Die bisherigen Klausuren hat er gerade noch so bestanden. Wir dachten zunächst, dass der Umstieg vom Schulbetrieb auf das Studium gewöhnungsbedürftig sei und dass sich die Ergebnisse schon noch verbessern würden. Statt dessen kam es schlimmer und er musste Klausuren wiederholen.

Mein Mann ist selbst Ingenieur und wenn wir nicht wüssten, dass unser Sohn ein begabter Bastler und interessierter Forscher ist, würden wir ihm raten, in einen anderen fachlichen Zweig zu wechseln. Da wir aber überzeugt sind, dass er als Ingenieur ein Gewinn für unsere Gesellschaft sein kann, haben wir ihn ermutigt, die Richtung beizubehalten. Allerdings habe ich inzwischen erheblichen Zweifel an der Uni, an der er versucht zu studieren: Von den 700 Kommilitonen, die mit ihm begonnen haben, werden (oder besser gesagt dürfen) nach den ersten vier Semestern nur noch etwa 250 übrig sein. Das Verhältnis dürfte noch krasser ausfallen, wenn gleichzeitig die G9 und G8 Abiturienten auf die Hochschulen zukommen. [...] Inzwischen hat das neue Semester begonnen. Gleich in der ersten Vorlesung legte einer der Professoren eine Graphik mit den Durchfallquoten in seinem Fach auf, um den Studenten mit Stolz klarzumachen, wie hart es hier zugeht und wie schlecht die Vorgänger damit zurecht gekommen sind – da kam Begeisterung auf beim Ingenieursnachwuchs! [...]
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Hedgegina

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #7 am: 00:37:12 Do. 10.Dezember 2009 »
Da Studierendendemos für die Verbesserung von Studienbedingungen in der Bevölkerung (hab ich mehrere Male selbst erfahren dürfen)  kontinuierlich auf Unverständnis stoßen - ist sowas doch immer wieder schön zu lesen.   >:(

Arwing

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #8 am: 23:42:38 Do. 14.Januar 2010 »
Ja, unser deutscher Bildungs(un)weg ist herrlich. Ich selber werde wohl mit ca. 100€ für Lebensmittel, Kleidung, schuhe und sonstige anfallende Kosten -inkl. Lernmittel- auskommen müssen, möchte ich ab Oktober studieren...

Es vollzieht sich ein Rückfall ins Mittelalter, habe ich den Eindruck >:(
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Troll

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #9 am: 17:21:26 Mi. 07.April 2010 »
Zitat
WELCHE FOLGEN HAT DIE SCHULE FÜR DAS LEBEN?
von Markus Sommer

Dass die Verhältnisse, denen wir selbst in unserem Beruf ausgesetzt sind, sich auf unsere Gesundheit auswirken, glauben wir gerne. Wir sind überzeugt, dass ständiger Ärger zum Magengeschwür beiträgt, der Stress im Büro unserem Herz nicht gut tut und dass wir uns eigentlich mehr bewegen sollten, was aber nicht möglich ist, weil wir doch schon so früh zur Arbeit gehen und erst so spät zurückkommen. Dass es aber unseren Kindern schon ebenso gehen könnte, haben nicht alle im Bewusstsein und am wenigsten diejenigen, die keine Schulkinder (mehr) haben und die dennoch darüber entscheiden, wie deren Tage aussehen.
Eine Apothekerin (und frühere Mitschülerin von mir) erzählte mir kürzlich, dass Jahr für Jahr mehr besorgte Eltern zu ihr kommen und nach Medikamenten fragen, welche die Schulleistungen und das Konzentrationsvermögen bessern sollen, die Angst vor den Prüfungen mildern oder seelische Störungen - vom Schulbauchweh über Schlaflosigkeit bis hin zu ausgeprägter Depressivität - heilen. «Normale» Kinder scheine es gar nicht mehr zu geben, entweder sie erschienen als hochbegabt (und deshalb mit vielen Schwierigkeiten geschlagen) oder hätten ADHS.

Sind die Ängste der Kinder denn so unbegründet? Schon Grundschüler haben oft Furcht, dass von ihren Fehlern im Diktat ihr weiterer Lebensweg bestimmt ist. Die Entscheidung, dass sie «nur in die Hauptschule» müssen, trennt sie nicht nur von früheren Mitschülern, sie ist auch allzu oft mit dem Gefühl verbunden, damit endgültig verloren zu haben. Haben Lebensunsicherheit, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken damit auch die Kinder erreicht?

Natürlich war früher nicht alles besser (obwohl schon das älteste Schriftdokument der Menschheit, eine mesopotamische Tonscherbe, dies behauptet). Wer es nicht glaubt, der soll David Copperfield von Charles Dickens lesen und froh sein, dass wir in anderen Zeiten leben. Dennoch ist es eine Tatsache: Seit die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt wurde (eine Entscheidung, die maßgeblich von einem Ministerpräsidenten vorangetrieben wurde, der selbst zehn Jahre benötigte, weil er eine Klasse wiederholen musste), werden Arztpraxen und Apotheken öfter wegen seelischer Störungen von Schülern aufgesucht - obwohl gründliche Untersuchungen hierzu noch fehlen. Aber man weiß bereits, dass Jugendliche sich umso häufiger selbst töten, je früher sie einst eingeschult wurden. Rächt es sich nicht vielleicht doch, wenn die Kindheit zunehmend verschwindet, weil man glaubt, «der Wirtschaft» einen Gefallen zu tun, wenn man möglichst früh junge Menschen «zur Verfugung stellt», die an deren (angeblichen) Bedürfnisse «möglichst gut angepasst» sein sollen? Ein Kinderarzt unserer Praxisgemeinschaft hat ausgerechnet, dass ein durchschnittlicher 15- bis 16-jähriger Schüler heute weit mehr Stunden für die Schule leisten muss, als es das Jugendarbeitsschutzgesetz bei einem gleichaltrigen Lehrling zuließe. Sehr viele Schüler verbringen heute nicht nur die Vor-, sondern auch die gesamten Nachmittage hinter dem Schreibtisch — in der Schule und zu Hause.

Auch Fastfood-Restauraunts eröffnen nicht grundlos immer häufiger ihre Filialen in Schulnähe. Das mag bei den kurzen Mittagspausen praktisch erscheinen, trägt aber zum zunehmenden Übergewicht im Jugendalter bei, zumal die freie Zeit für Spiel und körperliche Aktivität schrumpft. Die erschreckende Zunahme der Diabeteshäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen liegt auch hierin begründet. Mit dieser Krankheit beginnt oft ein Leidensweg über Jahrzehnte, der viele gesundheitliche Störungen nach sich ziehen kann. Aber auch Bluthochdruck und Gefäßsklerose (mit ihren Spätfolgen Herzinfarkt und Schlaganfall) können durch die Kombination aus Fehlernährung und Bewegungsmangel in der Kindheit ihren Anfang nehmen. Diese Folgen werden wir z.T. erst in Jahrzehnten bemerken. Sie tragen dazu bei, dass unser Gesundheitssystem zunehmend unbezahlbar wird. Es kann also niemandem gleichgültig sein, wenn immer weniger Baumhäuser gebaut werden, weniger Drachen am Herbsthimmel fliegen und der Sportunterricht gekürzt wird. Wenn Schuldirektoren ernsthaft äußern, dass «ab dem siebten Schuljahr eigentlich keine Fortschritte mehr im Deutschunterricht erzielt werden», weil dann die Rechtschreibung einigermaßen beherrscht wird, und zudem glauben, dass man ruhig einen Teil der Stunden «für Wichtigeres» zur Verfügung stellen könne, dann übersehen sie, dass die Liebe zur Literatur einem die Möglichkeit verschafft, die Welt mit den Augen von Menschen anderer Herkunft, anderen Geschlechts, anderer Lebensweise zu erleben und damit Welterfahrung und Toleranz auszubilden. Wenn die Liebe zu etwas so «Nutzlosem» wie Lyrik geweckt wird und ein Verständnis für Metaphern, Rhythmus und Reimschema, dann wird nicht nur seelisches Feingefühl gefordert, sondern auch Abstraktionsvermögen. Wer gelernt hat, seine Gedanken in einem Aufsatz so strukturiert darzustellen, dass ein anderer sie nachvollziehen kann, der hat eine Fähigkeit erworben, die er sein ganzes Leben lang anwenden kann.
Es muss aber auch Raum bleiben, neben der Schule eigene Interessen zu entdecken und auszubilden. Wer gelernt hat, aus einfachen Dingen etwas zu machen und seine Zeit zu gestalten, wird später weniger verführbar sein. Vieles, was nicht vordergründig nützlich erscheint, wie z.B. der Musikunterricht oder das Erlernen eines Instrumentes, fordert die Fähigkeit, sich selbst und die Frustrationstoleranz auszubilden (übrigens ist als einzige Schulnote die für Musik mit einem Studienerfolg in Medizin verknüpft). Wer trotz Mühe anhaltend zu üben gelernt hat, bis er schließlich doch einen Erfolg erlebt, wird auch im späteren Leben lernbereiter sein als jemand, der immer nur das Pensum für die nächste Prüfung erarbeitet hat. Spätestens seit den fürchterlichen Amokläufen frustrierter, sich isoliert fühlender Schüler kann es uns nicht mehr gleichgültig sein, wenn Musik gekürzt wird, um beispielsweise mehr Informatikunterricht erteilen zu können.

Es ist gut belegt, dass musikalische Aktivität der Schüler das Gewaltpotenzial senkt. Wenn der Antrieb zum Lernen nicht aus dem Leistungsdruck entsteht, sondern aus dem Staunen über die Welt und dem Antrieb, sie zu verstehen, wenn nicht das Gefühl herrscht, der eigene Wert hänge von den Leistungen ab, sondern er stehe für einen liebevollen Lehrer unverbrüchlich fest, dann wird weitaus mehr zum Schutz getan als durch Metalldetektoren, die Mitnahme von Waffen in den Schulbereich unterbinden. Ich selbst blicke mit Dankbarkeit auf mein Schulleben zurück - ebenso wie die genannte Apothekerin. Wir hatten einen Lehrer, der einen Busführerschein besaß und in seiner Freizeit Schüler ins Theater einer entfernteren Stadt fuhr. Wir hatten Lehrer, die wir nachmittags und am Abend besuchten, um mit ihnen zu diskutieren und uns Bücher von ihnen zu leihen. Wir durften ganze Wochen in der Schule fehlen, um gründlich ein Museum zu erkunden, ein Seminar an der Universität zu besuchen oder einfach krank zu sein. Niemand fürchtete, dass danach der Schulstoff uneinholbar wäre. In unvergesslichen Stunden brachten uns Mitschüler bei, was eine Abseitsfalle beim Fußball ist, wie man strickt, eine Soße zubereitet, oder weckten Interesse an Platon und Aristoteles, wenn der vorgeschriebene jährliche Lehrstoff schon bewältigt war. Hier haben wir tatsächlich etwas «für das Leben» gelernt. Das geht aber nur, wenn bei allem Vorgeschriebenen noch Luft für spontane Initiative bleibt.
Schul- und Bildungspolitik ist keine Frage für Spezialisten - und sie geht auch nicht nur Eltern etwas an. Der Lebensabschnitt der Schulzeit hat Folgen für das ganze Leben und prägt die künftige Gesellschaft. Hoffentlich wird es auch in Zukunft viele Menschen geben, die im Rückblick auf die Schulzeit sagen: «Eigentlich ist es doch eine ganz schöne Zeit gewesen.» •

Markus Sommer, geb. 1966, Medizinstudium in München, klinische Erfahrung im Bereich Innere Medizin, Geriatrie, Neurologie, Pädiatrie und der praktischen Anwendung von anthroposophischer Medizin und Homöopathie Neben seiner Tätigkeit als niedergelassener Arzt ist er Autor und hält Vortrage.

Quelle: DM-Zeitschrift "alverde" März 2010, aus deml "a tempo" Teil
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Kuddel

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #10 am: 11:44:54 Mo. 11.Juli 2011 »
Zitat
Verordnung von Psychopharmaka bei Studenten steigt um 54 Prozent

In den vergangenen vier Jahren stieg die Verordnung von Psychopharmaka bei Studenten um 54 Prozent. Auch die Inanspruchnahme psychologischer Beratung an den 42 Beratungsstellen wächst. Die Gründe dafür reichen von einem hohen Leistungsdruck, über die Belastung durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, bis hin zum Absinken der Hemmschwelle, psychologische Hilfe anzunehmen.


Durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen stieg die Lernbelastung von Studenten. Mehr Stoff in kürzerer Zeit zu bewältigen, überfordert so manchen Menschen. Zudem zählen die Noten, die vor dem Examen geschrieben wurden, zur Gesamtnote. Darüberhinaus sollen die Studenten ihr Studium schnell abschließen, viel Auslandserfahrung sammeln und auch im Inland schon viele Praktika absolviert haben.
 
In den vergangenen vier Jahren stieg die Verordnung von Psychopharmaka bei Studenten um 54 Prozent. Auch die Inanspruchnahme psychologischer Beratung an den 42 Beratungsstellen wächst. 5 Prozent der Studentinnen und 3 Prozent der Studenten erhalten mittlerweile Medikamente gegen Depressionen. Diesen Angaben liegt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse zugrunde, welche Daten von 135.000 selbst versicherten Studenten der TK sichtete.
 
Experten streiten mittlerweile, ob die Gründe für das Ansteigen psychischer Erkrankungen in den gestiegenen Leistungsanforderungen liegen oder eher im Absinken der Hemmschwelle, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Zu den Problemen von Studenten zählen, neben den hohen gesellschaftlichen Anforderungen, oftmals Geldmangel und enorme Prüfungsängste, die jedoch fast alle Studenten betreffen. Auffällig ist, dass die Einnahme von Psychopharmaka ab einem Alter von 25 Jahren ansteigt
http://www.cecu.de/gesundheit-nachrichten+M578d6f34204.html

Hedgegina

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #11 am: 20:31:13 Fr. 15.Juli 2011 »
Zitat
Zudem zählen die Noten, die vor dem Examen geschrieben wurden, zur Gesamtnote.

Das geht doch bereits beim Abitur los....ich hab zur Examenszeit auch Baldrian gefressen ohne Ende (Wirkung setzte ca. nach einer halben Stunde ein, also mit Baldrian zur Prüfung und ne halbe Stunde vorher einwerfen)...Sozialkontakte sind dann überhaupt nicht mehr vorhanden, Beziehung kann in die Brüche gehen... und und und...nebenher noch arbeiten (wenn Mami oder Papi nicht zahlt). Hab mal zusammengerechnet, dass ich für meine 4 mündlichen Examensprüfungen 90 Bücher aufm Kasten haben musste. Als der ganze Spuk vorbei war, hab ich mit allen 4en ausgestreckt nur noch Soap Operas im Fernsehen geschaut. Möglicherweise ist dieser ganze Prüfungsdruck ja nicht meines, aber ich fand es doch etwas hart, mühlen- tretmühlenhaft.

Kuddel

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TK-Studie: Viele Schüler leiden unter Stress
« Antwort #12 am: 19:06:44 Mi. 28.September 2011 »
Eine neue Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) kommt zu dem Ergebnis, dass viele Schüler bereits unter Stress und Panikgefühlen leiden. Bei Grundschülern sind es 20 Prozent, bei Gymnasiasten 23 Prozent und bei Haupt-, Real- und Gesamtschülern 27 Prozent. Jeder fünfte Schüler insgesamt leidet öfter morgens unter Bauch- und Kopfschmerzen.

Troll

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #13 am: 18:44:07 Do. 26.April 2012 »
Zitat
Wirtschaftswissenschaftler Scholz: Bachelor ist "schlichte Katastrophe"

Christian Scholz, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Saarland, betonte, Deutschland sei das einzige Land, dass wirklich etwas umgestellt habe. Das hätte man - auch in europäischen Vergleich - einfacher und besser haben können. Der deutsche Bachelor sei eine "schlichte Karastrophe".

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Der Bachelor-Abschluss ist bei Unternehmern nicht so angesehen wie ein Diplom.
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Die Wirtschaft ruft, die Politik springt, beide offensichtlich an Dummheit kaum zu überbieten, billiger, schneller und besser geht nicht zusammen, aber wen interessiert schon die Realität, die Dummen haben die Oberhand und Prügeln auf die vielbeschworene Zukunft ein.
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Efeu

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Re:Null Leben, nur Lernen.
« Antwort #14 am: 01:49:47 Mo. 30.April 2012 »
... und und und...nebenher noch arbeiten (wenn Mami oder Papi nicht zahlt). Hab mal zusammengerechnet, dass ich für meine 4 mündlichen Examensprüfungen 90 Bücher aufm Kasten haben musste. Als der ganze Spuk vorbei war, hab ich mit allen 4en ausgestreckt nur noch Soap Operas im Fernsehen geschaut.
Das ist doch genau der Plan. Bildung nur noch für Reiche (wo Mami und Papi alles zahlen können). Und falls sich doch jemand aus einer anderen ("bonzen-/eliten-fernen" = "bildungsfernen") Schicht da durch quält kommt danach direkt die totale mediale Verseuchung durch Seifenopern ::)

Das gehört doch alles zusammen. Und da redet noch jemand von Verschwörungs"theorien"? Der Wahnsinn ist längst überall Normalität, deshalb sehen wir ihn nicht mehr. Die Pharmaindustrie kassiert auch noch kräftig mit ab...

arte-Doku: "Doping für den Job"
http://clips.team-andro.com/watch/6b6626e1f186f03c9a06/doping-fuer-den-job

"work hard - play hard": Horror-Dokumentation - Die Ressource Mensch muss optimiert werden!
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=25466.0