Autor Thema: Palästina - Israel  (Gelesen 40586 mal)

Onkel Tom

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4428
Re:Palästina - Israel
« Antwort #105 am: 22:32:59 Mo. 23.Juli 2018 »
Jo, Dogmatismus kann anbei nur schaden, war auch nicht meine Absicht..

Ich vermute, das Friedensbewegung in Israel so kompliziert erscheint, weil
bei manchen politischen Entscheidungen subtile Einflüsse von Bibelsprüchen
angenommen werden, statt Politik und Religion mal endlich streng voneinander
zu trennen..
Lass Dich nicht verhartzen !

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2085
Re:Palästina - Israel
« Antwort #106 am: 23:28:20 Mo. 23.Juli 2018 »
(...), statt Politik und Religion mal endlich streng voneinander
zu trennen..

Diese Wunsch nach Trennung von Politik und Religion ist meiner Meinung ein Fehler und geboren aus dem verständlichen Willen in der Zeit der Aufklärung, die Fesseln der Macht zu sprengen. Dabei ging man aber damals davon aus, dass sich der Mensch entsprechend entlang eines Idealtypus entwickelt und er irgendwann einmal schon alleine aufgrund seiner Vernunftbegabung Religion als Mumpitz betrachtet. Seitdem sind 300 Jahre vergangen und die Aufklärung ist für’n Arsch.

Das Bedürfnis nach Religion/Glauben hat sich immer in den bestehenden Machstrukturen eingenistet und wurde dementsprechend missbraucht, egal ob es jetzt als Staatsreligion, als geduldete Religion oder ausdrücklich als entscheidungsferne und somit absolut private Religion behandelt wurde. Selbst bei größtem Widerstand ist Religion auf einmal integrierender Bestandteil der Herrschaftsstrukturen geworden. Gerade beim Christentum gibt es da die dollsten Geschichten. Und ansonsten enstehen halt Strukturen, die trotz aller Religionsferne auch nicht unbedingt geil sind.

Eine bloße Trennung von Politik und Religion hilft da also nicht weiter, weil damit lediglich eine Politik, die nichts anderes als Gier im Sinn hat, die Entscheidungen trifft, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme der Religion. Da aber Religion trotz aller strikten Trennungswünsche immer auch Einfluss auf die Politik hat, macht es Sinn, die Leute mit ihrem Religionsbedürfnis ernstzunehmen. Zumindest in Bezug auf das Christentum wurde da irgendwie ziemlich viel Potential gleich zu Anfang und immer wieder zwischendurch bis hin zu einem marxistisch-leninistischen Vulgäratheismus vergeudet.

Doch nun zurück zu Palästina-Israel

Onkel Tom

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4428
Re:Palästina - Israel
« Antwort #107 am: 12:27:25 Di. 24.Juli 2018 »
Oki, muss mir deine Ansichten dazu mal durch meine Hirnwindungen
zergehen lassen.. Ich musste halt über das "Religion geht denen am
Arsch vorbei " rumhüsteln..

Uuups, hätte nicht gedacht, das der Begriff "Öl" sich im neuen Testament
nicht nur symbolisch auf wertvollen Rohstoff wie z.B Lampenöl bezieht.
Das alte Testament war mir doch zu viel und habe da nur kleine Bröckchien
gelesen.

Das Israel reich an Ölvorkommen ist, ist mir neu und damit wird aus dem
Bibelspruch "Es wird Kriege um Öl und Macht geben" ein Schuh draus, den
man tatsächlich als Vorhersage annehmen könnte..

Soo, Bibel und OT bei Seite..  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #108 am: 17:47:00 Di. 24.Juli 2018 »
Ich wollte nicht, daß man sich an Details festhält oder meint, jetzt sein gesamtes Wissen zu dem Bereich zum Besten geben zu müssen.

Ich fand, Onkel Toms Beitrag hatte den Grundtenor, daß das alles festgeschriebene und unabänderliche Tatsachen sind und alles in der Region so laufen muß, wie es läuft.

Ich wollte gegen diese hoffnungslose Behauptung der Unabänderlichkeit gegenanschreiben und darauf hinweisen, daß auch schlimme Situationen und Zeiten Ansätze für Änderung bieten.

Es ist halt nicht richtig, daß die Palästinenser sich in erster Linie entlang der Religion organisieren, noch ist es richtig, daß "die Israelis" alle religiös hirngewaschen sind. Auch der israelischen Regierung ist der religiöse Kram bestenfalls ein Vorwand und Vehikel. Sie verteidigt keinesfalls ihre Religon auf Teufel komm raus. Schwarzhäutige Juden werden diskriminiert und teilweise ausgewiesen, obwohl sie der selben Religion angehören.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/israel-rassismus-polizeigewalt-proteste-aethiopische-juden
Nichts ist unumstößlich, auch der scheinbar unumstößliche religiöse Scheiß nicht. Es sind weder alle Palästinenser, noch alle Israelis religiös. Orthodox oder fundamentalistisch ist jeweils nur eine Minderheit.


P.S.: In dem Matthäus - Kapitel 24 stand nichts von "Es wird Kriege um Öl und Macht geben".
Wenn ein texanischer Ölmagnat meint, in der Bibel den Auftrag zum Ölbohren in Israel gefunden zu haben, wundert es mich ebesowenig, wie wenn der Coca Cola Hersteller auf göttliches Geheiß braunes Zuckerwasser in alle Welt verkaufen würde.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Onkel Tom

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4428
Re:Palästina - Israel
« Antwort #109 am: 11:12:47 Mi. 25.Juli 2018 »
...
Ich fand, Onkel Toms Beitrag hatte den Grundtenor, daß das alles festgeschriebene und unabänderliche Tatsachen sind und alles in der Region so laufen muß, wie es läuft.
...


Den Tenor wollte ich nicht vermitteln.. Sorry, wenn ich mein Leben für mich so
einrichten würde, wäre es völlig sinnlos sich noch für irgendwas ein zu setzten.

Das finde ich überings sehr wiederlich, wie sich die Kirchen Christlicher Natur
dazu verhalten..

Ich musste mich als Kind im katholischen Kinderheim gegen das Nonnengeschwader
durchsetzen, die in Glauben waren, Wir müssen den Onkel Tom missionieren und
Respekt vor der katholischen Kirche beibringen !"

Als 10 jähriger Heimzögling, der sowiso nur am besten die Fresse hält und nur
parrieren soll, wagt es unser Geschwätz als Lügen und Heuchelein ab zu tun ?

Goil, damit bekam ich endlich ein Hausverbot der Kirche und musste Weihnachten
nicht mehr 3 Stunden in der kalten katholischen Kirche stramm stehen und mir dieses
Geheuchel anhören..

Ich halte nix davon, das sich Menschen allein dazu versammeln um ihren Gott an zu
himmeln und noch weniger dazu hin zu nehmen, "das man sowiso nix gegen machen
könne", was gerade aktuell unter den Nägeln brennt..

Wie die Palästinenser.. Und was sie im Koran finden, kann ich nicht mitreden da ich
da noch nicht meine Nase rein gesteckt habe..

Sie kämpfen um ihr gestohlenes Land und gegen den Alltag, den sie damit haben.

Ich denke, man sollte sich nicht über Religion streiten.. Viel Rauch um (meist) nichts.

Alles gut und schönen sonnigen Tach  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #110 am: 10:05:53 Do. 26.Juli 2018 »
Bei den "Troubles" in Nordirland standen sich katholische und protestantische Bevölkerungsgruppen gegenüber. In dem Bürgerkrieg sind mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen. Da erntet man keinen Widerspruch wenn man sagt, das war kein religiöser Konflikt.

Bei dem Palästinakonflikt sehe ich die Situtation kaum anders. In beiden Fällen leben verschiedene Bevölkerungsgruppen in der gleichen Region, sind jedoch mit unterschiedlichen Rechten und unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen ausgestattet. Das ist die Grundlage beider Konflikte. Es wird mit allen schmutzigen Tricks gearbeit, gerade im Nahen Osten. Man nutzt Religion, Nationalismus, Rassismus und Waffengewalt. All das sind Methoden und Folgen der Auseinandersetzung, jedoch nicht die Ursachen.

Deshalb wollte ich zurück zu den ökonomischen und politischen Grundlagen. Wenn man den Menschen dort das Hirn vernebelt mit religiösem Scheiß und sie damit gegeneinander aufhetzt, dann sollten wir nicht auch noch auf den Zug aufspringen und einen religiösen Konflikt diskutieren.

Ausserdem ist es nicht hilfreich Bibelzitate zu bringen, die nicht in der Bibel stehen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Onkel Tom

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4428
Re:Palästina - Israel
« Antwort #111 am: 10:56:24 Do. 26.Juli 2018 »
Jo, du hast Recht.. Ich habe die Bibel noch mal ausgekramt und habe falsch
zitiert und habe unbewusst das Wort Volk mit Nation ersetzt.. Sorry, mach ich
nie wieder.. Damals hatte ich mir Erklärungen darin gesucht, in wie weit Religion
im Nahostkonflikt negativ mitschwingt. Dazu habe ich das 24.Kapitel von
Mathäus gelesen und war darüber entsetzt, das es so massiv mit dem Golfkrieg
vergleichbar war.. Und später stellte sich es ja auch raus, das es anbei
hauptsächlich um den Zugriff auf Öl ging. Das gab meinen Vermutungen eine
Bestätigung.

Was so ein Buch an Irrtümer auslösen kann  ::) Hab was dazu gelernt..

M.s.G. Tom  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #112 am: 11:00:08 Do. 26.Juli 2018 »
Kein Problem. Wir haben uns ja nicht übel gestritten. Es waren unterschiedliche Blicke auf eine Situation. Unterschiedliche Einschätzungen. Dazu sind Diskussionen ja da.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #113 am: 21:02:56 Fr. 03.August 2018 »
Zitat
Proteste in Jerusalem
Zehntausende bei Gay-Pride-Parade


Zehntausende haben bei der Gay-Pride-Parade in Jerusalem protestiert. Die Demonstration fordert gleiche Rechte für alle.



Auf der Gay-Pride-Parade in Jerusalem haben nach Angaben der Veranstalter rund 35.000 Menschen demonstriert. Sie forderten gleiche Rechte für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle (LGBT) sowie eine Änderung des Leihmutterschaftsgesetzes. "Das Gesetz ist diskriminierend gegen schwule Männer", sagte Eran Globus, Vorsitzender des Veranstalters Jerusalem Open House.

Die Polizei setzte nach Medienberichten 2.500 Sicherheitskräfte ein. Zwei Gegendemonstrationen waren zugelassen.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/proteste-in-jerusalem-zehntausende-bei-gay-pride-parade-100.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #114 am: 13:39:11 Do. 09.August 2018 »
Zitat
Die Lage rund um den Gazastreifen eskaliert seit Mittwochabend. Die radikalislamische Hamas schoss bis in die Morgenstunden mehr als 150 Geschosse auf Israel ab, erstmals seit dem letzten Krieg 2014 auch auf die Großstadt Aschdod. Israels Raketenabwehr fing zig Geschosse in der Luft ab, dennoch wurden Wohnhäuser und Fabriken direkt getroffen.

„Seit Jahren waren wir einem Krieg mit Gaza nicht so nah wie heute“, sagt ein hochrangiger Offizier der israelischen Armee, dessen Name nach den Regularien der Streitkräfte nicht genannt werden darf.

Israels Luftwaffe bombardierte laut eigenen Angaben mehr als 140 militärische Ziele in Gaza. Insgesamt starben dabei bis zum Morgen mindestens drei Palästinenser, auf israelischer Seite wurden sieben Menschen zum Teil lebensgefährlich schwer verletzt. Die Armee verlegt weitere Raketenabschussbatterien in den Süden und zieht Landstreitkräfte rund um Gaza zusammen.

Erstmals sprechen israelische Offiziere davon, Dörfer in Grenznähe im Vorfeld einer Militäroperation zu evakuieren. „Die Hamas muss in den kommenden Stunden verstehen, was sie die ganzen letzten Monate nicht verinnerlicht hat“, warnte der hochrangige israelische Offizier in Androhung weiterer Militärschläge.
https://www.welt.de/politik/ausland/article180848644/Israel-Seit-Jahren-waren-wir-einem-Krieg-mit-Gaza-nicht-so-nah.html

Verdammte Scheiße!

Wir werden um Lichtjahre zurückgeworfen, wenn soziale Konflikte in militärische übergehen.
(Dem Krieg in Syrien gingen soziale Proteste des arabischen Flühlings voraus. Es gab immer mehr Einmischung von außen und die Einschleusung bewaffneter Kräfte. Am Ende ein schreckliches Desaster,  aus dem die Rüstungsindustrie als Hauptprofiteur herausgeht.)
Die Hamas kämpft nicht für die Interessen der Palästinenser, sondern für eigene Interessen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5283
  • Sapere aude!
Re:Palästina - Israel
« Antwort #115 am: 13:08:46 So. 12.August 2018 »
Zitat
Tel Aviv Zehntausende Israelis demonstrieren gegen Nationalstaatsgesetz

Tel Aviv - Die Proteste gegen das neue Nationalstaatsgesetz in Israel dauern an: Zehntausende arabische Israelis und ihre Unterstützer sind am Samstagabend in Tel Aviv gegen das neue Gesetz auf die Straße gegangen. Sie forderten „Gleichberechtigung“ und bezeichneten die israelische Regierung als „Apartheid-Regime“. An der Demonstration nahmen auch israelische Juden teil. Die Teilnehmer riefen abwechselnd auf Arabisch und Hebräisch „Gleichheit, Gleichheit“ und „Apartheid wird nicht durchkommen“.

Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/politik/tel-aviv-zehntausende-israelis-demonstrieren-gegen-nationalstaatsgesetz--31096688#
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #116 am: 13:24:37 Fr. 12.Oktober 2018 »
Zitat
Krise in Gaza: Proteste gegen die Hamas nehmen zu



(…)Die Demonstranten beschuldigten die Funktionäre und Aktivisten der Hamas der Korruption. Sie würden ihre Unterstützer der Bevölkerung im Allgemeinen gegenüber bevorzugen. Die meisten Bewohner des Gazastreifens sind arbeitslos und angesichts der vielen allwöchentlichen Toten und Verletzten demoralisiert. Es handelt sich um kleine Demonstrationen, doch erinnern sie an die Proteste gegen die Stromsperren im Gazastreifen im Januar 2017, die von den Sicherheitskräften der Hamas brutal unterdrückt wurden. Ein Bewohner von Khan Yunis berichtete Al-Monitor am 2. Oktober, die Proteste in dem Flüchtlingslager im Süden des Gazastreifens hätten vor einem Monat begonnen. Zunächst hätten einige Dutzend Palästinenser nach dem Freitagsgebet, zeitgleich mit den wöchentlichen Ausschreitungen am Grenzzaun zu Israel, spontan demonstriert. In den folgenden Tagen sei die Zahl der Demonstranten auf mehrere hundert gestiegen. (…) Es handele sich nicht um eine kleine Gruppe Unzufriedener, sondern die Mehrheit der Bewohner des Flüchtlingslagers mache die Hamas dafür verantwortlich, dass sie am Rande des Abgrunds stünden. (…)
https://www.mena-watch.com/krise-in-gaza-proteste-gegen-die-hamas-nehmen-zu/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7080
Re:Palästina - Israel
« Antwort #117 am: 09:45:37 Mi. 05.Dezember 2018 »
Zitat
Großdemonstration in Israel
Vereint gegen die Männergewalt

Nach dem Mord an zwei jungen Frauen protestieren in Tel Aviv Zehntausende arabische und jüdische Aktivisten gegen häusliche Gewalt.
Eine Frau hält eine andere im Arm, drum herum halten weitere Frauen Schilder hoch



Die Wut der Aktivistinnen ist groß – aber auch die Trauer 

TEL AVIV taz | Ihr Anliegen haben die Demonstranten großflächig am Rathaus von Tel Aviv angebracht. Die rot ausgeleuchteten Bürofenster auf der Fassade des Verwaltungsgebäudes ergeben das Wort „Genug“. Die Aktivisten haben genug von Frauenmorden, genug von häuslicher Gewalt in Israel. 30.000 Menschen sind nach Veranstalterangaben am Dienstagabend auf den Rabin-Platz im Herzen der Mittelmeermetropole gekommen, um ihre Stimme zu erheben.

Nachdem zwei junge Frauen getötet worden waren, ist eine landesweite Debatte über Gewalt gegen Frauen entbrannt. In beiden Fällen waren die mutmaßlichen Täter Männer aus dem Umfeld der Opfer. Am Montag vor einer Woche wurde in Tel Aviv ein 12-jähriges Mädchen aus Eritrea mutmaßlich von einem Ex-Partner ihrer Mutter vergewaltigt und getötet. Am selben Tag wurde im arabischen Dorf Jish im Norden des Landes eine 16-Jährige ermordet in einer Mülltonne aufgefunden. Tatverdächtig ist ein ebenfalls aus Jish stammender 28-Jähriger.

Bereits 24 Frauen sind in Israel in diesem Jahr von männlichen Familienmitgliedern oder Partnern getötet worden. Das ist im Verhältnis etwa ein Drittel mehr als in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Opfer hatte wegen häuslicher Gewalt zuvor die Behörden eingeschaltet – auch die beiden getöteten Teenager baten die Polizei wenige Tage vor ihrem Verschwinden um Hilfe. Auch deshalb ist die Wut der Demonstranten groß.

Viele Menschen am Rabin-Platz sind rot gekleidet. Über den Tag haben Aktivisten das Wasser in mehreren Brunnen in Tel Aviv rot gefärbt – Symbol für das Blut der ermordeten Frauen. Die 27-jährige Noga hat sich eine rote Mütze aufgesetzt, um ihrer Anteilnahme für die Opfer Ausdruck zu verleihen. Etwas abseits von der Kundgebung verteilt sie Plakate und Klatschstäbe. „Das ist ein historischer Moment“ sagt die frisch diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin mit den kurzen Haaren und der Nickelbrille. „Endlich tun sich Frauen zusammen, die sonst wenig miteinander zu haben – zum Beispiel arabische und jüdische Frauen.“ In der Tat sind Schilder und Slogans auf der Kundgebung zweisprachig arabisch und hebräisch. Auf der Bühne wechseln sich arabische und jüdische Rednerinnen ab.

Kritik an der Regierung


Der Kundgebung vorangegangen war am Dienstag ein landesweiter Frauenstreik, der von mehr als 300 Organisationen, Kommunen und Unternehmen unterstützt wurde. Aktivistinnen blockierten öffentliche Plätze und Straßenkreuzungen in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem, sogar am Flughafen Ben Gurion legten Mitarbeiterinnen die Arbeit nieder. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat ihren Beschäftigten frei gegeben, um an den Veranstaltungen teilnehmen zu können. Man scheint sich der Tragweite des Problems bewusst zu sein. Sogar Staatspräsident Reuven Rivlin schloss sich den Protesten an – nicht aber Premierminister Benjamin Netanjahu.
Zitat

Gewalt gegen Frauen in Israel


Eine Studie der Ben Gurion Universität kommt zu dem Schluss, dass 40 Prozent der 16 bis 48-jährigen Frauen in Israel verbale, physische oder psychische Gewalt durch Partner erfahren haben.

Laut Angaben des Netzwerks gegen sexuelle Gewalt (ARCCI) hat jede dritte israelische Frau sexuelle Übergriffe erfahren, jede siebte wurde demnach vergewaltigt.

In 85 Prozent der Fälle kannte das Opfer den Täter, berichtet ARCCI.
Aktivisten werfen der rechten Regierung unter Netanjahu vor, Gewalt gegen Frauen nicht entschieden genug zu bekämpfen. „Wenn junge Mädchen bei einem Terroranschlag ermordet würden, würde die Regierung das in aller Welt verurteilen. Gewalt gegen Frauen wird aber nicht als Akt des Terrors verstanden“, sagte Orit Sulitzeanu, Direktorin eines Netzwerks gegen sexuelle Gewalt (ARCCI), der israelischen Zeitung Haaretz am Dienstag.

„Die Behörden müssen Beschwerden wegen häuslicher Gewalt ernster nehmen“, fordert auch Aktivistin Noga. Außerdem sollen endlich die knapp 60 Millionen Euro für Präventionsprojekte und Frauenhäuser bereitgestellt werden, die die Regierung seit 2017 verspreche.

Der politische Druck auf Netanjahu dürfte sich durch die Kundgebung am Dienstag erhöht haben. Trotz der großangelegten israelischen Militäraktion gegen die Hisbollah an der libanesischen Grenze berichteten alle großen israelischen Medien prominent über die Anti-Gewalt-Kundgebungen. Auch Aktivistin Noga ist deshalb überzeugt: „Das könnte der Beginn von etwas Großem sein!“
http://www.taz.de/Grossdemonstration-in-Israel/!5556970/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5283
  • Sapere aude!
Re:Palästina - Israel
« Antwort #118 am: 18:23:24 Do. 27.Dezember 2018 »
Zitat
Israel - Netanjahu muss auf wachsende Kritik an Rechtsentwicklung seiner Regierung reagieren

Am 24. Dezember gab Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Beschluss zur Auflösung der Knesset (israelisches Parlament) mit 102 von 120 Stimmen bekannt und damit vorgezogene Neuwahlen für den 9. April 2019.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw52/netanjahu-muss-auf-wachsende-kritik-an-rechtsentwicklung-seiner-regierung-reagieren
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 15271
  • Fischkopp
Re: Palästina - Israel
« Antwort #119 am: 10:48:47 Di. 28.Mai 2019 »
Zitat
Israel
Proteste gegen Netanjahu




Tausende Menschen haben in Tel Aviv gegen den rechtskonservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu und einen befürchteten Umbau des Justizsystems in Israel demonstriert . Zu dem Protestzug am Samstagabend hatten unter anderen das oppositionelle Bündnis Blau-Weiß von Ex-Militärchef Benny Gantz sowie Bürgerrechtsorganisationen aufgerufen. Nach Medienberichten bemüht sich Netanjahu um ein Gesetz, mit dem das Parlament Entscheidungen des Höchsten Gerichts aushebeln könnte. Damit will er demnach einer Strafverfolgung in mehreren Korruptionsfällen entgehen. Ein Mitglied von Netanjahus Likud wirbt zudem für ein Gesetz, das Abgeordneten und Regierungsmitgliedern Immunität gewährt. Netanjahu drohen in drei Fällen Anklagen. Die Vorwürfe lauten Bestechlichkeit sowie Betrug und Untreue - es geht um den Verdacht der Beeinflussung von Medien und teure Geschenke. Netanjahu streitet alle Vorwürfe ab.
https://www.sueddeutsche.de/politik/israel-proteste-gegen-netanjahu-1.4463284

Zitat
Angst vor Erdoğanisierung

Israels Opposition ist aus der Schockstarre erwacht. Sie protestiert gegen die Aushöhlung der Demokratie und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden.



Proteste gegen Netanjahu in Tel Aviv. Die Kopfbedeckung Fes steht dabei türkische Verhältnisse

(...)Korruptionsvorwürfe gegen einen Regierungschef sind in Israel nichts Neues. Ex-Ministerpräsident Ehud Olmert musste für Jahre hinter Gitter, weil ihn die Gier bestechlich werden ließ, und er war längst nicht der einzige korrupte Politiker. Den Anstoß für die Massenproteste am Samstag gab nicht der Verdacht gegen Netanjahu sondern erst sein feiger Versuch, den Kopf auf Kosten der Gewaltenteilung per Gesetzesreform aus der Schlinge zu ziehen.
Anzeige

Es war die Skrupellosigkeit des noch amtierenden Regierungschefs, die die Massen mobilisierte. Netanjahus stetes Untergraben der Grundpfeiler der Demokratie – „der einzigen im Nahen Osten“, wie er gern selbst betont – ist Grund zur Sorge. Viele der Demonstranten trugen einen Fes, eine in der Türkei übliche Kopfbedeckung, und zogen damit den Vergleich zum türkischen Präsidenten. „Erdoğan ist hier“, hieß es auf einem Schild.(...)
http://www.taz.de/Kommentar-Netanjahu-Proteste/!5595162/