Autor Thema: Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden  (Gelesen 15706 mal)

Kater

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RBB, Klartext, von Mi 18.11.09 22:05

Zitat
Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden

Schwarzarbeit, schätzen Experten, verursacht auch in Berlin-Brandenburg Milliardenschäden. Zunehmend treffen die Kontrolleure vom Zoll auf Arbeitslosengeld-Empfänger, die als billige Arbeitskräfte im Bau- und Reinigungsgewerbe illegal dazuverdienen. Jetzt fordert die Berliner FDP, Arbeitslose stärker in Fördermaßnahmen einzubinden, um ihnen keine Zeit für Schwarzarbeit zu lassen.

Wenn Sie Reparaturen an Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung durchführen lassen müssen, dann wissen Sie: Die Kosten für Handwerker sind enorm. Das liegt an den relativ hohen Löhnen und den Lohnnebenkosten. Der Effekt: Viele beschäftigen Schwarzarbeiter. Doch das schadet der Wirtschaft und geht natürlich zu Lasten der Steuerzahler, die immer weniger einsehen, warum sie Arbeitslose finanzieren sollen, die sich Schwarzgeld dazu verdienen. Jetzt haben Politiker einen Trick entdeckt, der solche schwarzen Nebenverdienste einschränken soll. Iris Marx mit Hintergründen.

Hartmut Knospe und seine Kollegen vom Zoll kontrollieren fast täglich Baustellen im Raum Brandenburg. Der Zoll ist eines der wichtigsten Mittel bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit. Knospe und seine Kollegen haben im vergangenen Jahr rund 10.000 Arbeitnehmer kontrolliert.

Die überraschende Erkenntnis: Die Mehrzahl der Schwarzarbeiter bilden nicht mehr die ausländischen Arbeiter, sondern deutsche Arbeitslosengeldempfänger.

Hartmut Knospe, Hauptzollamt Potsdam
„Hier bei uns in der Gegend, also in unserem Bereich hier OPR und OHV – also Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin und Havelland - sind das in der Regel Leistungsbezieher, die nebenbei ein bisschen arbeiten.“

Auf diese Weise hat das Baugewerbe in Berlin und Brandenburg inzwischen sein eigenes Lohnsystem etabliert. Der sogenannte Kombilohn. Der besteht aus Arbeitslosengeld plus Schwarzarbeit. Ein Lohn der besonderen Art.

Schwarzarbeit und Leistungsbetrug in Kombination – ein Dauerproblem in der Region, so die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg

Wolf Burkhard Wenkel, FG Bau Berlin und Brandenburg e.V.
„Die Schwarzarbeit ist das Hauptproblem der Bauwirtschaft in Berlin und Brandenburg. In Berlin arbeitet jeder zweite Bauarbeiter schwarz, in Brandenburg jeder dritte.“

Experten schätzen, dass 2009 bundesweit rund 352 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet werden. Die Summer ist größer als der gesamte Bundeshaushalt. Berlin und Brandenburg gehören zu den Spitzenreitern.

Wolf Burkhard Wenkel, FG Bau Berlin und Brandenburg e.V.
„Wir werden nur noch überflügelt von Italien und Griechenland.“

Für die Beamten vom Zoll ist die Kontrolle der Arbeiter auf dem Bau eine regelrechte Sisyphosarbeit. Mit viel Geduld befragen die Zollbeamten die Arbeitnehmer:

Zollbeamtin
„Beziehen Sie Leistungen vom Arbeitsamt?“

Trotz einiger Erfolge: Der Zoll allein kommt gegen die Schwarzarbeit im Baugewerbe nicht an. Es kann nicht jede Baustelle in Berlin und Brandenburg überwacht werden. Viele Arbeiter werden jahrelang nicht kontrolliert.
Bauarbeiter
„Ich bin seit ‘99 auf dem Bau, und es ist das zweite Mal – bis jetzt.“

Was also tun? Schon 2006 hatte die Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen eine Idee. Um Leistungsmissbrauch zu bekämpfen, ordnete die Regionaldirektion an, dass Arbeitslose speziell aus Branchen, die anfällig sind für Schwarzarbeit, gezielt an ganztägigen Schulungen teilnehmen müssen – egal, ob sie die Schulung brauchen konnten oder nicht. Schulungen, die vereinzelt ohnehin jede Agentur anordnet, um Erwerbslose zum Beispiel für Bewerbungen zu trainieren. So wurden vor allem den Bauarbeitern die Zeit für Schwarzarbeit genommen.

Der Effekt der Maßnahme war überraschend. Die Arbeitsagentur in Sachsen-Anhalt/Thüringen hat gegenüber KLARTEXT bestätigt, dass ganze 47 Prozent eher auf ihr Arbeitslosengeld verzichten als an der Schulung teilzunehmen.

Die Zahl mag mit Vorsicht zu genießen sein, denn sicherlich ist nicht jeder von ihnen ein Schwarzarbeiter. Auch löst das Projekt nicht das Problem der Schwarzarbeit insgesamt. Aber vielleicht einen kleinen Teil. Den Versuch sollte es auch in Berlin/Brandenburg wert sein. Das finden die Kontrolleure vom Hauptzollamt Berlin, so deren Leiter Dennis Kolberg.

Dennis Kolberg, Hauptzollamt Berlin
„Sehr geschickt, dass man einfach sagt: ‚Ich biete euch eine Schulung an.‘ Und dann stellt man fest, dass einfach Leute, oder eine erhebliche Zahl von Leuten sich dann abmeldet, weil die können gar nicht an der Schulung teilnehmen, weil sie nämlich Vollzeit arbeiten. Und wenn solche Maßnahmen einfach dazu führen, dass die Leute von sich aus schon dann den Weg des Rechtes wieder beschreiten und sagen: ‚Ich bin überhaupt nicht berechtigt, Leistungen zu beziehen und deswegen melde ich mich jetzt selber ab.‘ Dann ist das eine super Sache. Weil wir können natürlich im Rechtsstaat nicht alles durch Repressionen lösen.“

Ein nachvollziehbares Argument.

Daher ist das Beispiel aus Sachsen-Anhalt/Thüringen nachahmenswert. Meint jedenfalls die FDP in Berlin. Sie beantragte im Abgeordnetenhaus, dass die Arbeitsagentur Berlin/Brandenburg dem Beispiel aus den Nachbarländern folgen solle.

Das Abgeordnetenhaus lehnte dies jetzt ab. Ein Hauptgrund: Bestimmte Berufsgruppen würden durch die Schulungen stigmatisiert.

Christoph Meyer (FDP), Fraktionsvorsitzender Abgeordnetenhaus Berlin
„Nein, wie gesagt, es geht nicht um Stigmatisierung. Es geht nicht darum verdachtsunabhängig jetzt gesamte Branchen unter einen Generalverdacht zu stellen, sondern diejenigen, die dieses Schulungsangebot annehmen. Denen wird ja gerade durch die Schulungen geholfen. Deswegen geht es darum zum einen, diejenigen die bereit sind, sich weiter zu qualifizieren und zu lernen, eine Möglichkeit an die Hand zu geben, sich so auszubilden, dass sie auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben. Die schwarzen Schafe kriegt man als Nebeneffekt aber auch.“

Unabhängig von der Entscheidung im Abgeordnetenhaus könnte die Arbeitsagentur Berlin/Brandenburg aber selbst darüber entscheiden, ob sie das Modell aus Sachsen-Anhalt/Thüringen aufgreift.

Doch die Regionaldirektion will nicht.

Dabei geht es ihr aber nicht darum, dass man Arbeiter bestimmter Berufe unter Generalverdacht stellt, oder die Schulungen für diesen Zweck zu teuer oder zu aufwendig wären. Nein. Sie weisen die Verantwortung einfach von sich, denn:

Zitat
„Die Bekämpfung der Schwarzarbeit ist grundsätzlich Aufgabe des Zolls.“

Bei einem so dicken Problem wie der Schwarzarbeit eine dünne Antwort. Vor der Kamera wollte man uns das nicht erklären.

Christoph Meyer (FDP), Fraktionsvorsitzender Abgeordnetenhaus Berlin
„Es zeigt einmal mehr, dass die Arbeitsagentur nicht verstanden hat, dass sie zusammen arbeiten muss mit Bund und Ländern. Die Aufgabe der Arbeitsagentur muss es auch sein, in der Tat Schwarzarbeit zu bekämpfen. Es geht um Steuergelder, es geht um das Geld von allen. Schwarzarbeit schadet der gesamten Gesellschaft. Deswegen muss auch die Arbeitsagentur hier einen Beitrag leisten.“

Macht sie aber nicht. Aber vielleicht soll Schwarzarbeit grundsätzlich ja gar nicht so massiv bekämpft werden.

Wolf Burkhard Wenkel, FG Bau Berlin und Brandenburg e.V.
„Schwarzarbeit ist das Liechtenstein des kleinen Mannes. Da kann jeder ein bisschen nebenher verdienen und seine Haushaltskasse aufbessern. Im Übrigen haben wir festgestellt, dass ungefähr 75 Prozent der Bevölkerung schwarz arbeitet. Also die Bekämpfung der Schwarzarbeit bedeutet den Kampf gegen das Volk. Und den nimmt kein demokratisch gewählter Politiker auf.“

Denn die Schwarzarbeiter lassen schließlich auch die Kasse klingeln. Irgendwo muss das Geld ja bleiben.

Beitrag von Iris Marx


http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_18_11/kampf_gegen_schwarzarbeit.html

Alan Smithee

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #1 am: 10:48:56 Do. 19.November 2009 »
Was also tun? Schon 2006 hatte die Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen eine Idee. Um Leistungsmissbrauch zu bekämpfen, ordnete die Regionaldirektion an, dass Arbeitslose speziell aus Branchen, die anfällig sind für Schwarzarbeit, gezielt an ganztägigen Schulungen teilnehmen müssen – egal, ob sie die Schulung brauchen konnten oder nicht. Schulungen, die vereinzelt ohnehin jede Agentur anordnet, um Erwerbslose zum Beispiel für Bewerbungen zu trainieren. So wurden vor allem den Bauarbeitern die Zeit für Schwarzarbeit genommen.

Ja glaubt denn ernsthaft noch jemand, dass diese Maßnahmen irgendeinen anderen Sinn außer Kontrolle und Disziplinierung haben? Das Deckmäntelchen "Förderung der Arbeitslosen durch Maßnahmen" wird durch diesen Bericht sehr schön enttarnt. :D
Auch wenn es dabei um die Bekämpfung von  gesetzlich illegaler Schwarzarbeit handelt: Die Arbeitslosen werden unter Generalverdacht gestellt.

Im Übrigen haben wir festgestellt, dass ungefähr 75 Prozent der Bevölkerung schwarz arbeitet. Also die Bekämpfung der Schwarzarbeit bedeutet den Kampf gegen das Volk. Und den nimmt kein demokratisch gewählter Politiker auf.“

Ach so, dann zählen Arbeitslose nicht mehr zum wählenden Volk....
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ColinArcher

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #2 am: 06:36:54 Sa. 21.November 2009 »
Die Frage für den Endverbraucher lautet doch: Wie kann ich mir bei einem eigenen Stundenlohn von 10 € Unternehmerlöhne von 35 € bis 70 € leisten? Im Grunde genommen geht das nicht. Der einzig verbleibende Ausweg ist es auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden, Bekannten zurückzugreifen und diese zu entlohnen. Ohne Schwarzarbeit wäre viel volkswirtschaftliches Vermögen nicht entstanden. Auf den Dörfern in Ostwestfalen in denen ich lebte war Schwarzarbeit angesagt und dabei sind ganze Siedlungen entstanden.

Vernünftig wäre es meiner Meinung nach die Thematik der Schwarzarbeit anders anzugehen. Unternehmer beschäftigen Ihre Mitarbeiter im Rahmen der Tarifverträge. Nehmen wir beispielsweise folgendes an:

Mitarbeiter A muss auf Grund der Tarifverträge 170 Monatszeitstunden arbeiten und bekommt 10 € Bruttostundenlohn dann würde er ab der 171 Stunde den Bruttolohn als Nettolohn beziehen. Krankenkassen-, Sozialversicherungs- und Rentenversicherungsbeiträge würden nur bis zu dieser Höhe fällig. Welcher Mitarbeiter hätte dann noch Lust auf Schwarzarbeit?

Alan Smithee

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #3 am: 09:34:14 Sa. 21.November 2009 »
Ich sehe das wie ColinArcher: um wirklich Schwarzarbeit auszuschalten, müssen für alle Parteien bestimmte Rahmenbedingungen her, die es ermöglichen, Arbeit auch regulär in Auftrag zu geben.

Das Problem in Deutschland ist, dass diese Rahmenbedingungen nicht oder nur sehr schwammig existieren. Solange der Gesetzgeber sich nur mit der Bekämpfung der Schwarzarbeit beschäftigt, aber offenbar die Gründe dazu nicht einmal im Ansatz bekämpft, ist das Ganze zum Scheitern verurteilt. Bis auf das man einzelne arme Säue für dieses System verantwortlich macht, wird das Problem nicht im Geringsten kleiner...  >:(

Vielleicht sollte man mal auf die Gründe sehen, warum in der BRD erst gar keine Rahmenbedingungen für Arbeit durchgesetzt werden...... ;) ;) ;)
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Strombolli

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #4 am: 16:38:01 Di. 17.August 2010 »
Wie in Bundesdeutschland gelogen und betrogen wird kann man hier nachlesen.

Ich zitiere:

Zoll entdeckt Schwarzarbeiter auf "Stuttgart 21"-Baustelle

Verdeckte Subventionen und geschönte Kostenplanung: Das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" steht massiv in der Kritik. Jetzt kommt womöglich ein handfester Skandal hinzu: Bei einer Routinekontrolle des Zolls konnten rund 80 Prozent der überprüften Arbeiter keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen.

Stuttgart - Die Disponenten der Bauunternehmen waren entweder unglaublich unverschämt oder blöd. Anders lässt sich wohl kaum erklären, wie sie dazu kamen, ausgerechnet auf der derzeit meistbeobachteten und angefeindeten Baustelle Deutschlands Schwarzarbeiter einzusetzen. Das Hauptzollamt Stuttgart hat einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge am Nordflügel des Bahnhofsgebäudes in der baden-württembergischen Landeshauptstadt gleich mehrere Bauarbeiter aufgespürt, die weder Ausweis noch Sozialversicherungskarte vorlegen konnten. Die Zöllner ermitteln deshalb wegen des dringenden Verdachts auf Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung.

Eine nach Angaben der Polizei verdachtsunabhängige Überprüfung habe bei neun von elf Bauarbeitern Ungereimtheiten ergeben, erklärte die Behörde der Zeitung. Sollte sich der Verdacht in allen Fällen erhärten, dann betrüge die Schwarzarbeiterquote rund 80 Prozent. "Das wäre selbst im Baugewerbe eine außergewöhnlich hohe Zahl", bestätigte der Sprecher des Hauptzollamts Stuttgart, Thomas Böhme, SPIEGEL ONLINE. Die Hauptzollämter prüfen bundesweit bei Baustellen-Inspektionen, ob die Arbeitnehmer sozialversichert sind und ihre sozialen Rechte wahrnehmen können, also beispielsweise Urlaubs- und Krankheitstage gewährt werden.

Ganze Palette regelwidriger Beschäftigungsverhältnisse

Die Vorwürfe decken nach Auskunft des Sprechers die ganze Palette regelwidriger Beschäftigungsverhältnisse ab. Sie reichten von Scheinselbständigkeit über Leistungsbetrug bei Empfängern von Arbeitslosengeld II, Beschäftigung unterhalb des Mindestlohns bis hin zu illegaler Arbeitnehmerüberlassung zwischen zwei Firmen. Die Verstöße ließen sich im Einzelfall schnell nachweisen, da Bauarbeiter vor der Arbeitsaufnahme angemeldet werden müssten. Ein Abgleich mit dem Register der Sozialversicherung schaffe daher sofort Klarheit. In welchem Ausmaß die Sozialkassen um Versicherungsbeiträge und Leistungen betrogen worden seien, werde noch geprüft.

Bei den beanstandeten Firmen handele es sich um Subunternehmen der dritten oder vierten Ebene, sagte Böhme, ohne jedoch konkrete Namen zu nennen. Der Sprecher betonte, dass die beanstandeten Beschäftigungsverhältnisse keine Besonderheit von der Baustelle am Stuttgarter Bahnhof seien. Auch lasse sich von den jetzt aufgedeckten Fällen illegaler Beschäftigung keinesfalls auf das gesamte Bauvorhaben schließen. "Es gibt innerhalb der Baubranche große Unterschiede, was die Verbreitung der Schwarzarbeit betrifft", erklärt er. Besonders anfällig seien die Bereiche, die vornehmlich Arbeiter mit geringer Qualifizierung einsetzten.

Auf einer der größten Baustellen Europas werde es daher weitere Kontrollen geben, kündigte er an.

Unbill droht dem Riesenprojekt aber auch von anderer Seite: Der Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann hat der Bahn mit einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gedroht, weil ihm der Einblick in die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Deutschen Bahn verwehrt wurde.

"Es ist aberwitzig, dass ein Parlament die Ausgabe von Steuergeldern in Milliardenhöhe nicht kontrollieren kann", sagte Hermann in der ZDF-Sendung "Frontal 21". Sowohl die Bahn als auch das Bundesverkehrsministerium hätten die Vorlage der genauen Kosten-Nutzen-Rechnung verweigert. Die Begründung sei, dass es sich um Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse handele.

Auch die Protestaktionen gegen das Bahn-Projekt, das den Abriss von Gebäuden und die unterirdische Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs vorsieht, halten unvermindert an: Am Montagabend versammelten sich rund 5000 Gegner am Nordflügel des Hauptbahnhofs. Nach der Veranstaltung gelang es laut Polizei rund 300 Menschen, auf das Baugelände zu gelangen, indem sie offenbar mit Werkzeugen einen Teil des Bauzauns entfernten.

mik/apn - Spiegel Online v. 17. August 2010

Volkes Meinung im SP.-Forum dazu: "Der Staat sollte mal lieber die Hintermänner überprüfen anstatt die Jungs vor Ort zu knechten. Sobald der kleine Mann auch nur 1 € nicht ordentlich nachgewiesen und versteuert hat wird er durch das Dorf gehetzt wie die letzte Sau. Wenn Zumwinkel und Co. Millionen am Staat vorbei schleusen, dann kriegen die lächerliche Strafen (im Verhältniss zum Vergehen). Tut mir Leid, aber dass kann nicht sein. Ich bin schon der Meinung, dass auch auf einer Baustelle alles mit Rechten Dingen zugehen sollte aber nicht wenn man gleichzeitig die großen Jungs in diesem Land an der lange Leine hällt. Ich will gar nicht wissen, wass an Schwarzgeld bei der Auftragsvergabe geflossen ist."

Zitatende

Lug und Betrug. Darauf fußt diese Republik! ... Auch nur, möchte ich hinzufügen.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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Sir Vival

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #5 am: 20:59:12 Di. 17.August 2010 »
Lug und Betrug...........klar!

Und wenn ich mir dann meine Geschichte so anschaue, wie das war..........mit Anzeige wg. Schwarzarbeit. Da ist nix passiert. Da soll auch nix passieren.

Ob der Zoll jetzt was unternommen hat (ich hab das anonym angezeigt), werde ich wohl nie erfahren.
Es tofft viel Spass in Steckifee.........

Auferstanden

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #6 am: 12:50:07 Sa. 11.September 2010 »
wen verwundert es, ist das hier Lesbare nur eine "kleines" weiteres Beipiel
dieses degenerierten deutschen Gesellschaftssystems. 

Strombolli

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #7 am: 20:26:40 Fr. 17.September 2010 »
Und selbst "Schwarzarbeit des kleinen Formates" wird mittlerweile zu teuer für den Normalbürger. Der Billiglohn und das Sub-Sub-Sub-Unternehmertum reißen das ganze Land in einen Abwärtsstrudel. Mindestens hier in der ostdeutschen Pampa.

Aber Strombolli erzählt schon wieder Grütze, weil ja die Brüderle'sche Wirtschaft brummt, wie in den letzten 20 Jahren nicht.

Ich frage mich ernsthaft wer hier den falschen Film schaut!
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raim792

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #8 am: 19:18:55 Di. 19.Oktober 2010 »
Hallo,

Weiß nicht ob meins auch zum Thema Schwarzarbeit gehört. Wer kann mir per PM Tipps und Tricks mitteilen? Geht um folgendes, seit geraumer habe ich ein Nebenjob von der Firma hatte ich immer zwischen 160 Euro und 200 Euro gekriegt.
Aber nun hat mir mein Chef mitgeteilt das das Geld auf 350 Euro erhöht wird. Da freut sich aber nur die scheiß ARGE. Ich nicht. Die ARGE kassiert über 200 Euro ein Und ich habe nur bisschen über 100 Euro. Das ist der grüßte Betrug sage ich. Ich arbeite für das Geld und nicht die ARGE.
Und dann wird überall wegen Schwarzarbeit rum geschrien. Von mir aber nicht mehr ganz klar. Mir stehen die die ganzen 350 Euro zu weil das kapieren die Leute nicht ICH ARBEITE DAFÜR.

Strombolli

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Re:Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #9 am: 20:48:41 Di. 19.Oktober 2010 »
raim, leider keinen Tipp.

Danke für eine Facette der Bestätigung dessen, was ich meinte.
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Kuddel

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Re: Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #10 am: 12:45:34 So. 25.August 2019 »
Diskussion aus der BZ

Zitat
„Wenn netto wenig bleibt, lohnt nur noch Schwarzarbeit“



Wir ziehen die Bilanz der Debatte, die in den vergangenen Tagen auf Facebook geführt wurde.

Viel kommentiert wurde ein Artikel über eine groß angelegte Schwarzarbeit-Razzia in Berlin.

Leser Salih schreibt: „Bei offenen Grenzen ist es sehr sehr schwierig, den Nachweis zu erbringen, obwohl man fast keine deutschen Bauarbeiter mehr sieht. Beim einem Bau an der Müllerstraße habe ich schon damals nur Ost-Kennzeichen und Ostarbeiter gesehen, also sind die Baukosten gesunken.“

Thor bringt Verständnis für die Schwarzarbeiter auf: „Wenn vom legalem Nettoeinkommen immer weniger bleibt, lohnt nur noch Schwarzarbeit.“

Cosmin findet, dass für Paket-Dienstleister mehr gemacht werden sollte: „Ja, bei Schwarzarbeit machen die immer Kontrolle, aber für Paket-Sklaven machen die gar nichts.“

Diskutiert wurde auch der Plan des Berliner Senats, Platz für 200.000 Wohnungen zu schaffen, auf ganz Berlin verteilt.

„Auf dem BER ist genug Platz für Wohnungen“, schreibt Sven Rodig und macht sich über den immer wieder verschobenen Hauptstadtflughafen lustig.

Margritt Cherry fragt: „Sind da auch bezahlbare Wohnungen dabei?“

Und Oliver Garsch konstatiert: „Wer soll die denn bauen … mit diesem Rot-Grünen Senat möchte doch keiner wirklich zusammenarbeiten. Ich kann Investoren, Gesellschaften und Baufirmen verstehen, die eine Zusammenarbeit ablehnen.“
https://www.bz-berlin.de/berlin/wenn-netto-wenig-bleibt-lohnt-nur-noch-schwarzarbeit

Kuddel

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Re: Kampf gegen Schwarzarbeit - Fehlende Konzepte trotz Milliardenschäden
« Antwort #11 am: 16:53:36 Do. 25.März 2021 »
Zitat
Hoher Millionenschaden
Schwarzarbeit und Ausbeutung steigen in der Pandemie kräftig

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Schattenwirtschaft ist 2020 deutlich auf 816,5 Millionen Euro gewachsen. Dabei bleibt wohl vieles unentdeckt – es fehlen mehr als 2000 Kontrolleure.


In der Coronapandemie haben Schwarzarbeit und Verstöße gegen das Mindestlohngebot einem Bericht zufolge deutlich zugenommen. Der bei Finanzkontrollen aufgedeckte volkswirtschaftliche Schaden durch Schwarzarbeit und Arbeitsausbeutung sei im vergangenen Jahr um 8,2 Prozent auf 816,5 Millionen Euro gestiegen, schreibt die »Augsburger Allgemeine« unter Berufung auf eine Regierungsantwort auf eine Anfrage der Grünen.
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Insgesamt wurden demnach 653 Millionen Euro Sozialbeiträge nachgefordert – 43 Prozent mehr als 2019. Der Gesamtbetrag setzt sich nach Angaben der Bundesregierung aus nicht gezahlten Sozialversicherungsbeiträgen, nicht gezahlten Steuern sowie nicht bezahlten Mindestlöhnen, vorenthaltenen Urlaubslöhnen sowie zu Unrecht erhaltenen Sozialleistungen zusammen.

Deutlich weniger Kontrollen

Zugleich könnte laut Bundesregierung die Dunkelziffer noch weiter angestiegen sein, da die Zahl der Kontrollen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung pandemiebedingt von 54.700 auf knapp 45.000 zurückgegangen ist. Vor allem im Bereich der Speditions- und Logistikbranche sowie der Leiharbeit gingen die Kontrollen demnach stark zurück.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-krise-schaeden-aus-schwarzarbeit-und-ausbeutung-steigen-kraeftig-an-a-2822d152-fb32-427a-a4f3-a762f671d6c9

Diese Schattenwirtschaft ist Teil der bundesdeutschen Wirtschaft. Scheinbar hat sie einen wirtschaftlich gewünschten Effekt. Dieser Bereich wird bewußt erhalten durch minimale Kontrollen. Es fehlt kein Geld für Kontrollen, sie würden sich selbst finanzieren. Daß ausgerechnet in den Bereichen Speditionen und Logistik, sowie Leiharbeit (meine speziellen Freunde!) die Kontrollen heruntergefahren wurden, spricht eine deutliche Sprache.