Autor Thema: Arbeitsbedingungen der Radkuriere  (Gelesen 4266 mal)

ManOfConstantSorrow

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Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« am: 15:55:09 Mi. 20.Januar 2010 »
Wikipedia:
Zitat
Arbeitsbedingungen

Ein hauptberuflicher Fahrradkurier legt bei 10 bis über 35 Aufträgen pro Tag zwischen 50 und mehr als 200 Kilometer zurück. Der Energiebedarf liegt im Schnitt bei ca. 6.000 kcal und kann je nach Konstitution des Fahrers im Winter auf über 12.000 kcal. ansteigen. Hauptberufliche Fahrradkuriere fahren im Jahr oftmals über 20.000 Kilometer und haben deshalb einen sehr hohen Erholungsbedarf.

Inzwischen gibt es kaum noch reine Fahrradkurierdienste. Die meisten Firmen nutzen Kraftfahrzeuge und die Netzwerke der Over-Night-Dienstleister als Ergänzung und Erweiterung ihres Angebots.

In Deutschland sind Fahrradkuriere in der Regel selbstständige Unternehmer. Sie arbeiten als Subunternehmer für eine oder mehrere Kurierzentralen, von denen sie mit Aufträgen versorgt werden. Auch eigene Rechnungsstellung oder Barzahlung ist bei manchen Kundenverhältnissen möglich. Seltener finden sich auch klassische Arbeitsverhältnisse zwischen Kurier und Kurierdienst.

In der Schweiz sind selbstständige Fahrradkuriere selten, die meisten sind bei kleineren und mittleren lokalen Kurierunternehmen angestellt.

Wikipedia erwähnt nicht, daß diese anstrengende und gefährliche Arbeit mies entlohnt wird.
Vielen bedeutet dieser "hippe" Job so viel, daß man dann nicht mehr auf's Geld guckt.

Es gibt große Treffen, Radrennen und Parties, das sind z.T. internationale Meetings. Ideal um mit Fugblättern/Flyern die Arbeitsbedingugnen zu thematisieren. Nur scheint bisher noch niemand auf die Idee gekommen zu sein.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #1 am: 19:06:56 So. 16.April 2017 »
Zitat
12.04.17
Foodora-Mitarbeiter gründen in Österreich Betriebsrat

Fahrradzusteller wollen Betriebsvereinbarung, um Arbeitsbedingungen zu verbessern

Wien – Sie sind seit Jahren nicht mehr von den Straßen wegzudenken. Essenszusteller auf Lastenrädern oder mit bunten Kisten auf dem Rücken. Die hart umkämpfte Branche boomt. Nun haben die Fahrer des Essenslieferdienstes Foodora in Wien mit Ende März einen Betriebsrat gewählt.
(...)
Die Betriebsratsgründung bei Foodora in Wien könnte auch eine Signalwirkung für andere Länder haben, etwa im Heimatmarkt Deutschland. Im Herbst 2016 streikten die Foodora-Fahrer in Italien, weil dort anstatt eines Stundenlohnes nur noch pro Auftrag bezahlt wird.
(...)
http://derstandard.at/2000055808438/Essensbote-Foodora-gruendet-in-Oesterreich-Betriebsrat

Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #2 am: 11:00:23 Sa. 01.Juli 2017 »
Prekär to go

Eine fast subkulturelle Sparte boomt und entwickelt sich zu einem gängigen Modell extremer Ausbeutung.


Zitat
Essenslieferdienst
Delivery Hero legt größten Börsengang des Jahres hin

Es ist einer der größten deutschen Börsengänge seit Jahren: Der Essenslieferdienst Delivery Hero hat bei seinem Einstieg mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt. Der Kurs übertraf den Ausgabepreis deutlich.


Der Essenslieferdienst Delivery Hero ist erfolgreich an der Börse gestartet. Bereits der erste Kurs lag am Morgen bei 26,90 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. Nach einem zwischenzeitlichen Rutsch unter den Ausgabepreis schlossen die Papiere bei 27,80 Euro.

Das Unternehmen sammelte annähernd eine Milliarde Euro ein. Knapp die Hälfte davon fließt in die eigene Kasse; der Rest geht an die Alteigentümer, insbesondere an Hauptaktionär Rocket Internet. Insgesamt wurde Delivery Hero zum Ausgabepreis mit rund 4,4 Milliarden Euro bewertet. Es ist der bislang größte Börsengang des Jahres in Deutschland.

Delivery Hero wurde 2011 gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Das Unternehmen erreicht nach eigenen Angaben insgesamt 2,7 Milliarden Menschen und beschäftigt über 6000 Mitarbeiter sowie mehrere Tausend angestellte Fahrer. Seine Dienste bietet Delivery Hero demnach in mehr als 40 Ländern an, in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Lateinamerika und Asien. Zum Unternehmen gehören die Marken Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de.

Auch der Umsatz des Unternehmens entwickelte sich zuletzt positiv: 2016 stieg er von rund 166 auf etwa 297 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Jahres legte er Delivery Hero zufolge noch mal um 68 Prozent zu. Gewinn macht das Unternehmen bislang aber nicht. Trotzdem wurde es zum Börsenstart mit rund 4,4 Milliarden Euro bewertet - fast halb so hoch wie die Lufthansa.

Allerdings ist der Markt der Bestellplattformen und Lieferdienste für Essen stark umkämpft. Mittlerweile mischen selbst Silicon-Valley-Schwergewichte wie Uber und Amazon mit. In Deutschland gehören Deliveroo und Lieferando zu den großen Rivalen von Delivery Hero.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/delivery-hero-legt-groessten-boersengang-des-jahres-hin-a-1155362.html


Zitat
Radkuriere - eine Branche ohne Lobby

Pinke oder hellblaue, würfelförmige Rucksäcke auf den Rücken von Fahrradfahrern: In der Innenstadt sind Essens-Fahrradkuriere gar nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken. Doch die Arbeitsbedingungen sind hart - Wirtschaftsreporterin Lisa Splanemann hat zwei Kuriere begleitet und sich die Branche etwas genauer angeschaut.


Die Arbeitsbedingungen sind hart - inzwischen gibt es auch erste Versuche, eine gewerkschaftliche Interessenvertretung aufzubauen. Um dieses Thema geht es diesmal im Apropos Wirtschaft mit Lisa Splanemann.
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/apropos_wirtschaft/201706/139579.html


Zitat
Ok, Google: Bist du Monopolist oder Opfer der neidischen Konkurrenz?

Die EU-Kommission hat Google ein Rekordbußgeld von 2,42 Milliarden Euro auferlegt. Bei seinem Dienst Google Shopping benachteilige das Unternehmen Konkurrenten bei Suchergebnissen und nutze damit seine Marktmacht aus. Was die eine Seite nun als Sieg über die Allmachtposition des Internetriesen feiert, wertet die andere als Angriff eines Dinosauriers auf ein zeitgemäßes Geschäftsmodell.


Auch wenn sich Produkte, Vetriebswege und die gesetzliche Grundlage unterscheiden: Letztlich geht es immer um die Folgen der Kollision völlig neuer Geschäftsideen mit bestehenden Regelwerken, die das reale Marktgeschehen nicht mehr erfassen können. Die Konflikte zwischen alter und neuer Wirtschaftswelt, die sich hinter dem Modewort der ‚disruptiven Technologien‘ verbergen, lassen sich überall besichtigen: Das sogenannte Facebook-Gesetz, mit dem die Bundesregierung ab heute Hasskommentaren im Internet beikommen will, wurde schon vorher in der Luft zerissen. Gegen den Fahrdienstanbieter Uber wird weltweit wegen Verletzung von Beförderungsbestimmungen vorgegangen. Am Wohnungsvermittler Airbnb arbeiten sich Großstädte und Hotelverbände ab. Und nicht nur in Großbritannien stellen sich Arbeitsrechtler die Frage, ob Deliveroo-Fahrer angestellt oder selbständig sind.
http://www.juve.de/nachrichten/verfahren/2017/06/ok-google-bist-du-monopolist-oder-opfer-der-neidischen-konkurrenz

Zitat
IPO/ROUNDUP 2: Delivery Hero meistert Milliarden-Börsengang

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld, Pizza.de, Foodora) hat den größten deutschen Börsengang des Jahres hingelegt. Am Freitagmorgen startete die Aktie in Frankfurt mit 26,90 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. "Ich bin super glücklich", sagte Firmenchef Niklas Östberg. "Es ist ein großartiger Moment für uns alle." Zwischenzeitlich geriet der Kurs zwar unter Druck, bis zum Handelsschluss ging es aber kräftig auf 27,80 Euro nach oben - ein Plus von rund 9 Prozent im Vergleich zum Emissionspreis.

Östberg läutete zum Handelsbeginn zusammen mit Börsenchef Carsten Kengeter die traditionelle Glocke - gebracht von einem Foodora-Fahrradkurier mit dem typischen großen Liefer-Rucksack. Über dem Börsenneuling ging dabei ein Konfettiregen nieder.

EINES DER SELTENEN EINHÖRNER

Das erst 2011 gegründete Unternehmen sammelte bei seinem Sprung aufs Parkett annähernd eine Milliarde Euro ein; insgesamt war die Berliner Firma zum Ausgabepreis 4,4 Milliarden Euro wert und damit deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Davon profitiert nicht zuletzt Altaktionär Rocket Internet : Die Beteiligungsgesellschaft von Oliver Samwer hat im Zuge des Börsengangs Anteile im Wert von einer guten Viertelmilliarde Euro versilbert, wird aber Hauptaktionär bleiben.

Delivery Hero gehört zur seltenen Gattung der Einhörner - so nennt man junge Unternehmen mit einer Milliardenbewertung. Der gebürtige Schwede Östberg hat zusammen mit seinen Mitgründern binnen sechs Jahren aus dem Berliner Start-up ein Weltunternehmen gemacht: "Wir sind Marktführer in 35 Ländern."

HART UMKÄMPFTER MARKT

Allerdings ist der Markt der Bestell-Plattformen und Lieferdienste für Essen stark umkämpft. Mittlerweile mischen selbst Silicon-Valley-Schwergewichte wie Taxi-Schreck Uber und Online-Händler Amazon mit. In Deutschland gehören Deliveroo und Lieferando zu den großen Rivalen.

Die Unternehmen müssen viel Geld ins Marketing stecken, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Auch die Tausenden Radkuriere, die Lieferungen ausfahren, wollen bezahlt werden. Bis zuletzt schrieb Delivery Hero deshalb hohe Verluste. Die 465 Millionen Euro aus dem Börsengang, die nach Abzug aller Kosten in der Kasse des Unternehmens verbleiben, kommen da gerade recht. "Es gibt noch viel zu tun", sagte Östberg beim Börsengang.

STARKES WACHSTUM DURCH ZUKÄUFE

Delivery Hero wächst stark - im vergangenen Jahre hatte das Unternehmen den Umsatz auf 297 Millionen Euro fast verdoppelt. Das Geheimnis ist, dass Östberg lokale Lieferdienste und Bestellplattformen aufgekauft hat. Nachteil dieser Strategie ist allerdings, dass sich unter dem Dach von Delivery Hero zahlreiche Marken angesammelt haben, die gepflegt und beworben werden wollen. Alleine in Deutschland sind das Lieferheld, Pizza.de, Foodora.

Viele Firmengründer aus den einzelnen Ländern waren beim Börsengang in Frankfurt dabei. Östberg hatte insgesamt rund 100 Leute im Schlepptau - ungewöhnlich viel für einen Börsengang. Auch Östbergs Frau und seine zwei Jungs waren dabei.

KRITIK AN ARBEITSBEDINGUNGEN

Einen der wichtigsten Jobs hatte Ayan Mahmood. Der 21-Jährige arbeitet als Radkurier bei Foodora und überreichte seinem Chef am Morgen die Börsenglocke. "Die Arbeitsbedingungen bei Fodoora sind überhaupt nicht schlecht", sagte er, angesprochen auf die immer wieder geäußerte Kritik, dass Fahrer von Essenslieferdiensten schlecht bezahlt würden und kaum planen könnten. "Es ist ein sehr entspanntes Arbeiten und wir haben im Team ein gutes Betriebsklima", versicherte Mahmood, der Teamleiter in Frankfurt ist.

Mehr als 6000 Menschen in mehr als 40 Ländern arbeiten inzwischen für Delivery Hero, vor allem Europa, Asien sowie dem Nahen Osten. Hinzu kommen die Radkuriere.

Für jede Bestellung, über die Plattformen von Delivery Hero bei einem lokalen Restaurant aufschlagen, erhält das Unternehmen eine Provision. Fürs Bestellen samt Ausliefern wird noch mehr fällig - bei Foodara um die 30 Prozent, die das Restaurant vom Bestellpreis abzwacken muss und die der Kunde am Ende mit zahlt.

HOFFNUNG AUF STARKES WACHSTUM


Die Hoffnung der Anleger ist, dass der Markt der Bestell- und Lieferdienste weiter wächst und am Ende nur wenige große Spieler übrig bleiben, die sich den Kuchen aufteilen - dann sollen die Gewinne sprudeln. Auch diese Hoffnung dürfte den Aktienkurs am Freitag angetrieben haben.
http://www.boerse.de/ipo-nachrichten/IPO-ROUNDUP-2-Delivery-Hero-meistert-Milliarden-Boersengang/7783986

Zitat
Protest mit Schrott
Fahrradkuriere fordern bessere Bedingung


Kaputte Reifen, alte Fahrradgestelle, rostige Ketten: Vor der Zentrale des Lieferanten Deliveroo in der Schlesischen Straße in Kreuzberg liegt ein großer Haufen Schrott. Hingeworfen von Kurierfahrern, symbolisch für die verschlissenen Fahrradteile, die sie auf eigene Kosten ersetzen mussten.

Rund 70 Fahrradkuriere sind am Mittwoch zu einer Protestkundgebung zusammengekommen. Im Anschluss fuhren sie gemeinsam durch die Stadt, um für eine komplette Übernahme der Kosten ihrer Arbeitsmittel und für eine bessere Bezahlung zu demonstrieren.

„Bei Foodora erhalten wir zwar eine Regenjacke. Die ist aber schnell durchgeweicht, so dass sich viele selbst gute Jacken kaufen.“ Die Foodora-Fahrer fordern eine Lohnsteigerung von neun auf zehn Euro pro Stunde und eine garantierte Anzahl an Schichten pro Monat. Sie dürfe als Minijobberin 450 Euro verdienen, komme aber kaum auf diese Summe, sagt Palmer.

Allein in Berlin gibt es etwa 500 Kuriere. Während alle Foodora-Fahrer über einen Arbeitsvertrag verfügen, arbeitet Deliveroo auch mit Fahrern auf Honorarbasis. Ein Foodora-Sprecher erklärte am Mittwoch, eine anteilige Kostenübernahme von Betriebsmitteln wie Fahrrad oder Mobiltelefon werde geprüft. Bei der Schichtplanung solle es Verbesserungen geben.
http://www.berliner-zeitung.de/27878634

Zitat
Für 92 Cent Trinkgeld durch den Regen

Ob Foodora, oder das seit heute börsennotierte Unternehmen Delivery Hero: Immer mehr Unternehmen liefern Essen per Radkurier aus. Einige Fahrer sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen.


Ausgestattet mit pinken T-Shirts und klobigen Lieferboxen auf dem Rücken rollen die Foodora-Fahrer derzeit auf den Straßen von 24 deutschen Großstädten. Dort treffen sie auf die Konkurrenz in Türkis, die Lieferanten von Deliveroo - rund 1000 hierzulande in sechs Städten. Es ist ein harter Job, und viele Fahrer sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen. In dieser Woche demonstrierten sie in Berlin für mehr Lohn. Das Image der umweltfreundlichen Lieferdienste bekommt Risse.

Delivery Hero ist bereits in mehr als 40 Ländern aktiv. Dabei gibt es bei den Diensten einen Unterschied: Während Foodora eigene Fahrer beschäftigt, vermitteln Lieferheld und pizza.de Kunden an Restaurants, die selbst für die Lieferung sorgen.

Deliveroo und Foodora haben ein ähnliches Geschäftsmodell: Kunden können online und per App das Essen von lokalen Restaurants bestellen, die Fahrer liefern es binnen einer halben Stunde aus. So können sie auch bei Restaurants ordern, die keinen eigenen Lieferservice anbieten. Dafür kassieren die Unternehmen von den Restaurants rund 30 Prozent des Bestellpreises und zwischen zwei und vier Euro Liefergebühr vom Kunden. Doch die Expansion kostet noch Kraft: Deliveroo machte 2015 etwa 21 Millionen Euro Verlust, Delivery Hero 2016 sogar rund 200 Millionen. Da muss sehr genau kalkuliert werden.

Foodora-Fahrer Kornak schlängelt sich durch die vom Feierabendverkehr verstopften Straßen, vorbei an potenziellen Kunden. "Mittags und abends wird am meisten bestellt, außerdem bei Regen und im Winter", ruft er. Der 29-Jährige liefert schon seit eineinhalb Jahren im pinken Trikot aus. Er hat sich zum Senior Rider Captain hochgearbeitet, einer gehobenen Position als Fahrer. "Mit dem Trinkgeld komme ich auf 13 bis 14 Euro", sagt er. Kornak ist festangestellter Midi-Jobber, verdient monatlich mehr als 450 und maximal 850 Euro.

Den Großteil der Bestellungen liefern bei Foodora und Deliveroo Fahrradfahrer wie er aus, nur wenige sind mit Lastenrädern, Rollern oder Autos unterwegs. Doch die Kritik an beiden Unternehmen wächst. Foodora stellt zwar mittlerweile alle Fahrer fest an, sie verdienen zwischen neun und elf Euro pro Stunde plus Zuschläge. Der britische Konkurrent Deliveroo beschäftigt dagegen 40 Prozent der Kuriere hierzulande als Selbständige, sie werden pro Lieferung mit fünf bis sechs Euro entlohnt. Ohne Aufträge also kein Lohn. "Das ist Arbeit auf Abruf. Außerdem prüfen wir, ob es sich um Scheinselbständigkeit handelt", sagt Clemens Melzer von der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU). "Wir fordern von beiden Unternehmen mehr Lohn, ausreichende Schichten und eine Kostenübernahme der Arbeitsmittel." Derzeit müssen die Kuriere ihre eigenen Fahrräder und Smartphones mitbringen - der Verschleiß von Reifen und der Verbrauch von Datenvolumen wird nicht kompensiert. In Köln hatte sich Mitte Juni der erste Betriebsrat von Foodora in Deutschland gegründet.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/radkuriere-fuer-cent-trinkgeld-durch-den-regen-1.3565389

Zitat
Fahrradkuriere von Foodora und Deliveroo protestieren für bessere Arbeitsbedingungen



Die Berliner Fahrer der Essenslieferdienste fordern eine Kostenübernahme für ihre Arbeitsmittel und verlässlichere Schichtplanung. Foodora lenkt ein.

Erst flogen alte Räder auf den Bordstein vor der Firmenzentrale von Deliveroo in Kreuzberg, dann kaputte Fahrradlenker und Schläuche. Mit dem Haufen Schrott und anschließender Demo protestierten einige Dutzend Fahrer von Deliveroo und Foodora am Mittwochnachmittag gemeinsam mit der Basisgewerkschaft FAU für bessere Arbeitsbedingungen für die Essenslieferanten.

Liefer-Startups sollen Arbeitsmittel bezahlen

Sie fordern vor allem, dass die Firmen künftig alle Arbeitsmittel bezahlen, die für die Erfüllung ihres Jobs nötig sind, also Fahrrad, Reparaturen und Handykosten. Außerdem gefordert werden transparentere Abrechnungen. Vor allem bei Deliveroo würden Abrechnungen am Monatsende nicht klar aufschlüsseln, welche Stunden geleistetet und abgerechnet wurden. Einige Fahrer sagen, dass manche Stunden nicht bezahlt würden, sie das aber schlecht nachvollziehen könnten.

In der Kritik steht auch die Vergabe der Schichten. „Wir wissen am Monatsanfang nie, ob wir am Ende genug Schichten gehabt haben, um davon unsere Miete zu bezahlen“, rief eine Fahrerin ins Megafon. Die Schichten werden bei beiden Firmen jeweils für die Folgewoche zugeteilt. Da es in letzter Zeit auch geschehe, dass Schichten zugeteilt werden, die nur eine oder zwei Stunden lang sind, sei die Vergabepraxis nicht verlässlich genug, sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Foodora kommt Fahrern entgegen


Ursprünglich sollte der Fahrradkorso anschließend vor der Zentrale von Foodora enden. Doch Foodora hatte sich nach Angaben von FAU kurz vor der morgendlichen Pressekonferenz gemeldet und sowohl einen Gesprächstermin mit ihrer Geschäftsführung zugesagt als auch versichert, künftig Kosten für Reparaturen und Verschleiß zu übernehmen. Foodora bestätigte, dass man eine solche Verschleißpauschale bereits prüfe. Reparaturen seien schon jetzt erstattungsfähig. Außerdem verweist Foodora darauf, dass bereits seit Mitte 2016 alle Fahrer oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns bezahlt würden und durch Leistung und Zuverlässigkeit die Möglichkeit hätten, zusätzliche Boni zu erhalten. Zudem seien inzwischen alle Fahrer in Mini- oder Vollzeitjobs angestellt, worüber sie auch versichert seien. Foodora, ein Subunternehmen von der Rocket-Internet-Beteiligung Delivery Hero, will diesen Freitag an die Börse gehen.

Deliveroo äußerte sich derweil nicht gegenüber den Fahrern. Auch auf Anfrage des Tagesspiegels äußerte sich das Unternehmen nicht.
http://digitalpresent.tagesspiegel.de/fahrer-von-deliveroo-und-foodora-protestieren-fuer-bessere-arbeitsbedingungen

Zitat
Foodora offen, Deliveroo mauert
Basisgewerkschaft FAU will Essenslieferdienste an den Verhandlungstisch bringen




In pinken und türkisfarbenen T-Shirts radeln und laufen am Mittwochnachmittag rund 50 Menschen die Puschkinallee in Treptow entlang. Vor der Berliner Firmenzentrale des Essenslieferdienstes Deliveroo werfen sie symbolisch kaputte Fahrradteile ab. Es ist die zweite Demonstration von Fahrern der Unternehmen Foodora und Deliveroo, die beide seit rund zwei Jahren Essen von Restaurants zu Kunden bringen. Die Fahrer fordern bessere Arbeitsbedingungen.

Dazu haben sie sich an die Basisgewerkschaft FAU - Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion - gewendet. Zweimal hat die Gewerkschaft nach eigenen Angaben die Firmenleitungen zu Gesprächen aufgefordert. Die letzte Frist lief am Dienstag aus. Das Ergebnis formuliert Clemens Melzer, Sprecher der FAU in Berlin, so: »Deliveroo blockiert die Kommunikation, Foodora ist offen für Gespräche.« Noch am Dienstag habe Foodora signalisiert, sich mit der Gewerkschaft an einen Tisch setzen zu wollen.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1055730.foodora-offen-deliveroo-mauert.html

Video "Fahrrad-Essensboten begehren auf":
http://www.spiegel.de/video/foodora-deliveroo-fahrrad-essensboten-begehren-auf-video-1773595.html


Zitat
»Schichtvergabe dient auch der Disziplinierung«
Fahrer der Lieferdienste Foodora und Deliveroo verlangen, dass ihnen mehr Arbeitsstunden in der Woche garantiert werden. Gespräch mit Clemens Melzer




Am Mittwoch machten Fahrer der Lieferdienste Deliveroo und Foodora mit einer Raddemonstration in Berlin auf ihre Forderungen aufmerksam. Ihre Gewerkschaft, die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion, hat den Protest mitorganisiert. Was genau wollen die Beschäftigten erreichen?

Sie haben fünf zentrale Forderungen aufgestellt. Sie verlangen, dass die Firmen die Kosten für die Arbeitsmittel übernehmen, darunter auch die für die Reparaturen von Smartphones. Die Entgelte sollen um einen Euro pro Stunde erhöht werden beziehungsweise um einen Euro pro Zustellung für die Selbständigen von Deliveroo. Drittens fordern sie, dass ihnen mehr Arbeitsstunden pro Woche garantiert werden. Deliveroo soll endlich die geleisteten Arbeitsstunden komplett dokumentieren; bei Foodora muss für die Schichtplanung eine weitere Arbeitsstunde bezahlt werden.

Zunächst wandten wir uns schriftlich an die Unternehmen, um Gesprächstermine auszumachen. Darauf gingen aber weder Deliveroo noch Foodora ein. Also veranstalteten wir schon Mitte Mai eine erste Demonstration, an der sich 80 Fahrer beteiligten. Als wir danach wieder Gespräche verlangten, sagte Foodora uns ein Treffen mit der Geschäftsführung zu. Im Juli, spätestens im August, wird es erste Verhandlungen geben. Deliveroo kam unserer Aufforderung aber wieder nicht nach.

Die Anliegen klingen recht ungewöhnlich. Warum soll das Unternehmen für die Reparatur von Smartphones zahlen?


Mit Handy und Fahrrad haben wir die wichtigsten Arbeitsmittel benannt. Wer jeden Tag mit dem Fahrrad unterwegs ist, der verschleißt es natürlich schnell. Die Räder werden beschädigt, manchmal auch geklaut. Bisher müssen die Fahrer die anfallenden Kosten selbst tragen. Außerdem wird der Besitz eines Smartphones für diesen Job vorausgesetzt. Auch hier entstehen Kosten, etwa für das große Datenvolumen, das die Beschäftigten für ihre Arbeit brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass die Betriebe für diese Beträge aufkommen.

Sie sagten auch, dass den Beschäftigten mehr Arbeitsstunden in der Woche zugestanden werden sollen. Wie muss man sich deren Arbeitszeiten vorstellen?

Die meisten Fahrer sind in sogenannten Midijobs angestellt, das heißt, sie dürfen zwischen 450 Euro und 850 Euro im Monat verdienen. Die Firmen garantieren ihnen zehn Stunden Arbeit in der Woche. Doch nur damit kommen die Beschäftigten nicht an die 850 Euro heran. Die Fahrer wissen nie genau, wieviel sie im nächsten Monat verdienen. Sie müssen sich also Fragen stellen wie: »Kann ich die Miete überhaupt zahlen?«

Wie bestimmen Deliveroo und Foodora, wer wie lange arbeiten darf?

Jede Woche werden die Schichten neu vergeben. Weil es aber tendenziell zuwenig Schichten gibt, herrscht unter den Fahrern eine große Konkurrenz – jeder muss schauen, dass er überhaupt Arbeit bekommt. Boni für Arbeit am Wochenende oder unter widrigen Bedingungen wie schlechtem Wetter gibt es nicht. Vielmehr sind die Leute dazu gezwungen, auch diese Schichten anzunehmen.

Gerade bei Foodora ist die Schichtvergabe auch ein Disziplinierungsinstrument, denn dort geschieht sie über einen Algorithmus. Alle Daten der Beschäftigten werden gesammelt. Wer dann nicht schnell genug fährt, nicht verlässlich genug ist, der wird »kaltgestellt«, kriegt also weniger Wochenstunden zugewiesen.

Diese Probleme wollen Sie in einem Tarifvertrag mit den Unternehmen regeln?


Ja, das ist unser langfristiges Ziel. Wenn wir als FAU aber einen Tarifvertrag abschließen, dann ist uns dabei wichtig, dass weitergehende Mitbestimmungsrechte für die Beschäftigten festgehalten werden. Das auszuhandeln kann zu einem längeren Prozess werden.

Wie kam es, dass sich die Beschäftigten in Ihrer vergleichsweise kleinen Gewerkschaft organisierten?

Anfang des Jahres kamen Gruppen von Fahrern auf uns zu, seitdem kommen immer mehr von ihnen zu uns. Wir nehmen Teil an der internationalen Deliver Union Campaign, bei der auch Gewerkschaften aus Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien mitmachen. Das wussten auch die Kolleginnen und Kollegen, die zuerst zu uns kamen. Außerdem sind wir für sie attraktiv, weil wir basisdemokratisch organisiert sind – also entscheiden die Mitglieder selbst über die Aktionen. Deswegen wissen die Fahrer, dass diese Proteste wirklich Teil »ihrer« Kampagne sind.
https://www.jungewelt.de/artikel/313423.schichtvergabe-dient-auch-der-disziplinierung.html

dagobert

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #3 am: 22:56:06 Sa. 01.Juli 2017 »
Zitat
»Schichtvergabe dient auch der Disziplinierung«
Fahrer der Lieferdienste Foodora und Deliveroo verlangen, dass ihnen mehr Arbeitsstunden in der Woche garantiert werden.
[...]
Die Firmen garantieren ihnen zehn Stunden Arbeit in der Woche. Doch nur damit kommen die Beschäftigten nicht an die 850 Euro heran. Die Fahrer wissen nie genau, wieviel sie im nächsten Monat verdienen.
Das sollte über die Arbeitsgerichte zumindest teilweise zu erreichen sein.
Zitat
Amtlicher Leitsatz:
1
§ 12 Abs. 1 Satz 2 TzBfG erfordert die Festlegung einer Mindestdauer der wöchentlichen und der täglichen Arbeitszeit. Die Arbeitsvertragsparteien können wirksam vereinbaren, dass der Arbeitnehmer über die vertragliche Mindestarbeitszeit hinaus Arbeit auf Abruf leisten muss.
2
Die bei einer Vereinbarung von Arbeit auf Abruf einseitig vom Arbeitgeber abrufbare Arbeit des Arbeitnehmers darf nicht mehr als 25 % der vereinbarten wöchentlichen Mindestarbeitszeit betragen.
Bundesarbeitsgericht, 07.12.2005, 5 AZR 535/04

Aus der Urteilsbegründung:
Zitat
42
b) Der Arbeitgeber hat ein berechtigtes Interesse an einer gewissen Flexibilität der Arbeitsbedingungen. Die Erbringung von Arbeit in starren Arbeitszeitrastern ist heute kaum noch möglich. Kurzfristige Auftragsschwankungen erfordern flexible Arbeitszeitsysteme. Zahlreiche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen enthalten bereits seit längerer Zeit bedarfsorientierte Arbeitszeitregelungen. Bei einem Dauerschuldverhältnis wie dem Arbeitsverhältnis muss der Arbeitgeber die Möglichkeit haben, auf unterschiedlichen Arbeitsanfall rasch und angemessen reagieren zu können. Das Kündigungsrecht ist hierzu nicht geeignet, weil betriebsbedingte (Änderungs-)Kündigungen einen dauerhaften Wegfall von Beschäftigungsmöglichkeiten voraussetzen (vgl. BAG 27. November 2003 - 2 AZR 48/03 - BAGE 109, 40, 42 [BAG 27.11.2003 - 2 AZR 48/03] , zu B I 1 der Gründe) . Hinzu kommen häufig lange Kündigungsfristen, die einer kurzfristigen Änderung der Arbeitszeit entgegenstehen (dazuBAG 12. April 2002 - 2 AZR 256/01 - AP KSchG 1969 § 1 Betriebsbedingte Kündigung Nr. 120 = EzA KSchG § 1 Betriebsbedingte Kündigung Nr. 118) .Der Verweis auf die Änderungskündigung ist aber auch unter Berücksichtigung der Interessen der Arbeitnehmer nicht angemessen, weil hierdurch der Bestand des Arbeitsverhältnisses gefährdet wird. Die Änderungskündigung führt zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitnehmer nicht rechtzeitig Kündigungsschutzklage erhebt (§ 4 KSchG ).
43
c) Andererseits ist zu berücksichtigen, dass der Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse an einer fest vereinbarten Dauer der Arbeitszeit hat. Hiervon hängt regelmäßig die Höhe des von ihm erzielten Einkommens ab (vgl. BAG 27. Juli 2005 - 7 AZR 486/04 - NZA 2006, 40, auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen, zu B II 2 b bb (1) der Gründe) . Dem Arbeitnehmer wird eine umso größere Planungssicherheit ermöglicht, je weniger variabel der Umfang der Arbeitszeit ausgestaltet ist. Bei festen Arbeitszeiten kann der Arbeitnehmer seine Freizeit planen und prüfen, ob er ggf. ein weiteres Teilzeitarbeitsverhältnis eingehen kann und möchte.
44
d) Das Interesse des Arbeitgebers an einer Flexibilisierung der Arbeitszeitdauer und das Interesse des Arbeitnehmers an einer festen Regelung der Dauer der Arbeitszeit und der sich daraus ergebenden Arbeitsvergütung sind angemessen zum Ausgleich zu bringen. Hierzu kann auf die Grundsätze zurückgegriffen werden, die der Senat im Urteil vom 12. Januar 2005 (- 5 AZR 364/04 - AP BGB § 308 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 1, auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen) zur Wirksamkeit von Widerrufsvorbehalten aufgestellt hat (ähnlich im Ansatz ErfK/Preis 6. Aufl. §§ 305 - 310 BGB Rn. 54; Reichold RdA 2002, 321, 330 f.; Hanau ZIP 2005, 1661, 1662 ff.) . Danach darf der widerrufliche Anteil am Gesamtverdienst nicht mehr als 25 - 30 % des Gesamtverdienstes ausmachen. Bei der Festlegung dieses Prozentsatzes hat der Senat berücksichtigt, dass der Arbeitgeber in jenem Fall nicht nur die Gewährung einer übertariflichen Zulage zum Monatsentgelt widerrufen hatte, sondern auch eine Fahrtkostenerstattung. Hierbei handelte es sich nicht um eine unmittelbare Gegenleistung für die Arbeit, sondern um einen Ersatz von Aufwendungen, die der Arbeitnehmer an sich selbst tragen muss (Senat 12. Januar 2005 - 5 AZR 364/04 - aaO, zu B I 4 d der Gründe) . Bei der Prüfung der Angemessenheit einer Vereinbarung über Arbeit auf Abruf geht es dagegen allein um den Umfang der im unmittelbaren Gegenseitigkeitsverhältnis stehenden Arbeitspflicht. Das schließt einen über 25 % hinausgehenden Anteil abrufbarer Arbeitsleistung aus. Die vom Arbeitgeber abrufbare über die vereinbarte Mindestarbeitszeit hinausgehende Arbeitsleistung des Arbeitnehmers darf nicht mehr als 25 % der vereinbarten wöchentlichen Mindestarbeitszeit betragen. Bei einer Vereinbarung über die Verringerung der vereinbarten Arbeitszeit beträgt demzufolge das Volumen 20 % der Arbeitszeit.

Deliveroo soll endlich die geleisteten Arbeitsstunden komplett dokumentieren
Sind sie dazu nicht ohnehin gesetzlich verpflichtet?

Fritz Linow

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #4 am: 11:19:48 Mo. 07.August 2017 »
Zwar keine Radkuriere, aber auch ein schöner Strafenkatalog bei Smiley’s Pizza:



An alle Firmenwagenfahrer

Wichtig!!!!!

Rauchen und Essen ist verboten (sonst 30 €)
Wasser trinken ist erlaubt, nichts anderes! (sonst 30 €)
Am Ende der Schicht ist das Fahrzeug Vollständig aufgeräumt abzugeben (Zettel, Taschen. Jacken, EC-Geräte und persönliche Gegenstände sind zu entfernen (sonst 30 €)
Das Auto wird anständig geparkt (sonst 30 €)

Wer mit diesen Regeln nicht einverstanden ist, fährt keinen Firmenwagen mehr, fährst du mit dem Firmenwagen, bist du mit den Regeln einverstanden.

Mit freundlichem Gruß.

Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #5 am: 19:10:13 Mo. 29.Januar 2018 »
Weitere positive Entwicklungen:

Streikbewegungen bei Deliveroo in Belgien, den Niederlanden und Hongkong: Unternehmen droht Beschäftigten in ganz Europa

Streik der Fahrradkuriere zum Neujahrstag 2018 hier in AmsterdamNachdem Aktivisten der Kuriere von Deliveroo Belgien am Mittwoch, 24. Januar 2018, nach mehreren Streiktagen die Brüsseler Zentrale des Unternehmens besetzt hatten, erklärte sich die Unternehmensleitung bereit, ein Schlichtungstreffen unter Leitung eines von der Regierung dazu beauftragten Ministers durchzuführen.
http://www.labournet.de/?p=127259




Zitat
Foodora und Deliveroo Fahrer_innen protestieren in Berlin

engl./dt. mit dt. ut  | 8 min  |  2018

Am 24.01. 2018 haben Fahrer_innen von Foodora and Deliveroo in Berlin erneut gegen ihre prekären Arbeitsbedingungen protestiert. Sie müssen fast alle Reparaturkosten selbst bezahlen, was auch dazu führt, dass viele mit nicht verkehrsicheren Fahrädern durch die Stadt fahren, weil sie sich die Reparaturkosten nicht leisten können. Am Mittwoch warfen sie einen Haufen gebrauchter Fahrradteile vor das Delivery Hero Büro in Mitte, um dagegegen zu protestieren.

"Ich denke einige von euch Fahrern könnten locker ihr eigenes Fahrad komplett auf diesen Haufen werfen, runtergefahren wie es ist. (...) Foodora zwingt uns, mit unseren kaputten Fahrädern durch die Gegend zu fahren, bis wir uns die Reparaturkosten langsam und mühsam eingesammelt haben. (...) Foodora riskiert damit nicht nur unsere Sicherheit und unsere Gesundheit, sondern im schlimmsten Fall sogar unser Leben." (aus dem Video)

Derzeit finden überall auf der Welt Proteste von Fahradkurier_innen statt: Am 1. Januar 2018 haben Deliveroo Fahrer_innen in Haarlem gestreikt und konnten den Deliveroo Service für ein paar Stunden lahmlegen. In Hong Kong haben diese Woche hunderte Deliveroo Fahrer_innen gestreikt und es damit geschafft, eine neue Verschlechterung ihrer Arbeitsbedigungen abzuwenden.
Video: https://labournet.us13.list-manage.com/track/click?u=aad840f755c59eb83507caa26&id=1541bff43c&e=e025a64fe1


Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #6 am: 11:22:34 Sa. 10.März 2018 »
Zitat
Foodora und Deliveroo: Aufstand der Essenskuriere

Bei den Lieferdiensten Foodora und Deliveroo haben die Kuriere einen Betriebsrat gegründet. Den Unternehmen scheint das nicht zu passen.

(...)
Oft sprechen die Fahrerinnen gar nicht miteinander

Das Lieferdienst-Start-up Foodora ist derzeit in 36 Städten in Deutschland vertreten, 2.600 Kuriere eilen wie Yalcin auf Fahrrädern oder Rollern zwischen Restaurants und hungrigen Großstädtern hin und her, bei Wind und Wetter, bei Schnee und Regen. Den Konkurrenten Deliveroo, dessen 1.500 Fahrerinnen und Fahrer das Essen in einer türkisfarbenen Thermobox transportieren, gibt es in 15 deutschen Städten. Die beiden Firmen gelten als prominente Beispiele der Plattformökonomie – für ein Wirtschaftsmodell, bei dem ein Algorithmus im Hintergrund den Takt der Arbeit vorgibt, die App den Betrieb ersetzt und die Arbeitskräfte maximal flexibel angeheuert werden.
(...)
Der Organisationsforscher Ayad Al-Ani hat für eine Studie Menschen befragt, die von zu Hause Aufträge über Internetplattformen erledigen. Viele von ihnen hatten demnach nur verhaltene Erwartungen an Gewerkschaften und klassische Arbeitnehmervertreter, sie wollten allenfalls etwas Beratung, aber kaum Streikbeistand. Umso ungewöhnlicher ist, was derzeit in Köln passiert: Mitte Februar gründeten die Essenskuriere von Deliveroo dort einen Betriebsrat. Bei Foodora gibt es bereits seit vergangenen Sommer eine Vertretung, ebenfalls am Standort Köln, an dem Foodora 220 Fahrerinnen und Fahrer beschäftigt.
(...)
Das Aufbegehren bei Foodora begann mit einer Kleinigkeit. Plötzlich stand McDonald’s auf der Liste der Restaurants, bei denen die Fahrerinnen und Fahrer Lieferungen abholen sollten. Mitbestimmung können Beschäftigte bei solch einer Unternehmensentscheidung nicht fordern.
(...)
Per WhatsApp formierte sich schnell "eine Rebellengruppe", wie sie es nennt. Da versammelten sich Veganer und Konzernkritiker. Schnell wurde klar, dass McDonald's für sie nicht das einzige Problem war, wahrscheinlich nicht einmal das größte. Maier erkundigte sich bei Gewerkschaften, erst bei ver.di, dann bei der Gastrogewerkschaft NGG, organisierte eine Betriebsratsgründung und wurde wie auch Yalcin von ihren Kolleginnen und Kollegen direkt in das Gremium gewählt. Eigentlich hätte Foodora sie nun nicht mehr ohne Weiteres entlassen können – Betriebsräte genießen einen besonderen Kündigungsschutz, damit sie sich ohne Angst vor Konsequenzen für die Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen einsetzen können.

Eigentlich.

Caroline Maier hatte, wie viele Beschäftigte bei Foodora, einen Zeitvertrag für ein Jahr. Kurz nach der Wahl bekam sie plötzlich eine Mail vom Unternehmen, ausgerechnet an die neu eingerichtete Betriebs-Email-Adresse, wie sie sagt. Darin hätten die Gründe gestanden, warum ihr Vertrag nicht verlängert worden sei.
(...)
Mitte November kündigen Böhme und zwei weitere Fahrer in der Kölner Deliveroo-Geschäftsstelle an, dass sie eine Vollversammlung der Mitarbeiter einberufen wollen. Wenige Tage später bekommt Böhme Post aus der Berliner Geschäftsstelle: eine Abmahnung.
(...)
Einschüchterung und Abmahnung
(...)
Immer weniger Festangestellte
(...)
http://www.zeit.de/arbeit/2018-02/foodora-deliveroo-kuriere-betriebsrat/komplettansicht

https://www.facebook.com/liefernamlimit/

Nikita

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Ärger bei Foodora - Ein Fahrer zieht vor Gericht
« Antwort #7 am: 22:32:08 Mi. 14.März 2018 »
Fahrer von Foodora in Berlin und Köln sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen beim Lieferdienst. Geld verdienen als Schüler oder Student? Nicht so einfach, wie viele denken. Ein "Rider" aus Köln geht sogar bis vor das Arbeitsgericht. Wir haben mit Fahrradkurieren in Berlin und einem Rollerfahrer aus Köln gesprochen.
-------------------------------------------------------------

https://www.youtube.com/watch?v=2mnb-p7zVvM


Fritz Linow

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #8 am: 15:59:50 Mi. 28.März 2018 »
Zitat
28.3.18
»Selbständige« ausgebeutet

Streit um Status von Deliveroo-Kurieren in Belgien. Staatliche Kommission sieht Anzeichen für abhängige Beschäftigung

(...)
Der Widerstand der Beschäftigten beschränkt sich nicht nur auf Belgien: In den Niederlanden klagt ein 19jährige Kurier gegen Deliveroo. Die Behörden wollten seinen Ein-Mann-Betrieb nicht anerkennen, weil er nur einen einzigen Auftraggeber hat: Deliveroo. Das berichtete die Tageszeitung Trouw am 24. Januar. In Utrecht, Haarlem und Amsterdam legten Kuriere die Arbeit nieder. Eine Delegation reiste nach Brüssel, um dort die Kollegen zu unterstützen. »Wir haben alle mit demselben Arbeitgeber zu tun und derselben Problematik. Deshalb müssen wir die Kräfte bündeln«, so ein Vertreter der Jugendorganisation der niederländischen Gewerkschaft FNV im Januar in der Tageszeitung Algemeen Dagblad.

Auch aus der BRD waren Deliveroo-Kuriere nach Brüssel gekommen. In Deutschland sind die Arbeitsbedingungen für die Fahrer ähnlich miserabel wie in den Nachbarländern. Wem zum Beispiel ein Reifen platzt oder das Handy ausfällt, der muss für die Kosten selbst aufkommen. Wer kein Fahrrad hat, kann sich eines bei Deliveroo leihen – für fünf Euro am Tag. In der BRD hat sich die anarchosyndikalistische Gewerkschaft Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion (FAU) der Situation der Deliveroo-Kuriere angenommen.
https://www.jungewelt.de/artikel/329875.selbst%C3%A4ndige-ausgebeutet.html

Fritz Linow

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #9 am: 22:20:45 Fr. 27.April 2018 »
Freitag abends in Berlin:


Fritz Linow

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #10 am: 10:34:52 Sa. 28.April 2018 »
Zitat
25.4.18
Von Lieferbrüdern, Streiks und Papiertigerwelpen

Nicht nur Deliveroo und Foodora erregen international Aufsehen wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Auch in China boomt die Branche. Die gewerkschaftliche Organisation ist aber ein Problem. (...)
https://direkteaktion.org/von-lieferbruedern-streiks-und-papiertigerwelpen/

Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #11 am: 11:32:31 Mo. 30.April 2018 »
Zitat
Riders Versammlung in Bologna

In Bologna fand am 15. April 2018 die erste landesweite Versammlung der Rider statt. Der Zweck der Versammlung war, sich im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in der Essenszulieferung über die Stadtgrenzen hinweg zu organisieren. Die Versammlung folgte auf viele Streiks und Aktionen, besonders in Bologna und Turin.



Sie fand unmitelbar nach einer Urteilverkündung in Turin statt, wo sechs Auslieferer Foodora verklagt hatten: das Unternehmen hatte aufgehört, sie zu beschäftigen, nachdem sie 2016 an einem Kampf für faire Arbeitsbedingungen teilgenommen hatten.  

"Es ist klar, dass der Weg über die Gerichte nicht der enizige ist. Der Beweis dafür ist diese Versammlung.  Es gibt den Weg des Organisierens, des Kämpfens und der Politik. Dieses Urteil hält uns nicht auf, es gibt uns vieilecht sogar neuen Auftrieb." (aus dem Video)
Zum Video: https://de.labournet.tv/riders-versammlung-bologna

Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #12 am: 12:02:50 Mo. 30.April 2018 »
Und:

Kampf der Rider in Sydney

engl. mit dt. UT
https://de.labournet.tv/kampf-der-rider-sydney

Kuddel

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Re:Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #13 am: 17:10:19 Fr. 30.November 2018 »
Zitat
So umfährt Deliveroo Mitbestimmung
Im Februar hatte sich bei dem Lieferdienst eine Mitarbeitervertretung gegründet. Deliveroo hat nun die Verträge aller Betriebsräte auslaufen lassen.
https://www.zeit.de/arbeit/2018-06/lieferdienste-deliveroo-foodora-arbeitsminister-betriebsrat-gruendung-vertraege

Kuddel

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Re: Arbeitsbedingungen der Radkuriere
« Antwort #14 am: 10:53:04 Di. 19.Februar 2019 »
Zitat
Liebe Fahrer von „Liefern am Limit“!
Arbeitskampf Unsere Kolumnistin appelliert an die Auslieferer: Lasst euch nicht unterkriegen, kämpft!



Und du weißt, das wird passieren, wenn wir uns organisieren

Ich schreibe euch heute in diesem Franz-Josef-Wagner-Stil, weil ich nicht über euch schreiben will. Ich hoffe dieser Text erreicht euch – und andere. Ihr habt im vergangenen Jahr so viel Großartiges getan, ihr und eure Kolleginnen von der FAU habt die – mittlerweile weltweiten! – Arbeitskämpfe der Kurierfahrerinnen hierzulande sichtbar gemacht, immer wieder auf eure unhaltbaren Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht, etwa als ihr bei minus sechs Grad ausfahren musstet, Deliveroo und Foodora aber nicht für Winterausrüstung aufkamen. Ihr habt den ersten Betriebsrat bei Foodora gegründet – der dann entlassen wurde, weil Foodora das eben mit befristet Beschäftigten machen kann.

All das war großartig, aber das Papier, das eure Gewerkschaft NGG mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verfasst hat, ist ein großer Fehler. Darin steht zwar ganz richtig „Faire Arbeitsbedingungen und sozialer Schutz müssen auch in der Plattformökonomie gelten“. Was allerdings fehlt, ist eine Bestandsaufnahme, was die Plattformfirmen ausmacht: Sie sind Start-ups, die auf digitalen Programmen beruhen, denen Netzwerkeffekte zugrunde liegen, das heißt: Am Ende setzt sich eine Plattform durch, die mit den meisten Usern. Daher gibt es nur ein Facebook, ein Amazon – und deswegen konkurrieren Deliveroo und Foodora so hart.

Also reicht es nicht, an das soziale Gewissen der Plattformen zu appellieren, sondern es gilt sich dafür zu rüsten, dass sich einer der beiden durchgesetzt hat, die Regeln diktiert und keine Angst haben muss, dass die Kundinnen beim Konkurrenten bestellen und die Fahrerinnen dort anheuern.

Anderswo, in Großbritannien etwa, haben die Fahrer durchgesetzt, dass sie als Arbeiter, nicht als Unternehmer gelten. Unser Arbeitsrecht ist weniger liberal, warum also wollt ihr euch mit solchen Forderungen abspeisen lassen: „Soweit die Fahrer*innen als Arbeitnehmer*innen einzuordnen sind, ist der Mindestlohn zu zahlen.“ Ihr wolltet doch eine betriebliche Vertretung für alle, gleiche Rechte und gleichen Lohn, Ausrüstung und Arbeitsgerät für alle! Wo ist das geblieben? Stets habt ihr in euren Kampagnen darauf aufmerksam gemacht, wie viele Unfälle passieren. In anderen Ländern gab es bereits Tote. Das ist auch auf den Konkurrenzdruck, den Stress und die Überwachung durch die Apps zurückzuführen, über die die meisten Fahrerinnen klagen. Warum findet sich dazu nichts in eurem Papier?

Also, lasst euch nicht entmutigen, ich weiß, das ist leicht gesagt, aber dieses Papier ist eine falsche Befriedung zu früh. Ihr habt mehr Macht, viel Solidarität, ihr seid sichtbar, kämpft weiter!
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/liebe-fahrer-von-liefern-am-limit