Autor Thema: Mal zu der sexarbeit...  (Gelesen 4729 mal)

rosaberlinerin

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Mal zu der sexarbeit...
« am: 23:13:27 So. 31.Januar 2010 »
Als Linke kann man entweder sozial-demokratisch oder halt revolutionaer sein. Der Unterschied, wie ich den verstehe, besteht darin: ein Sozialdemokrat heisst die Ausbeutung gut, nur wuerde er die Verhaeltnisse halt ein bisschen verbesssern.

In diesem Zusammenhang kann ich ueberhaupt nicht nachvolziehen, wie man (oder frau) sich gleichzeitig revolutionaer heissen kann und die Prostitution als "Beruf" akzeptieren, weil man sich (in eigenen Augen) um das Wohlergehen der Prostituierten schert. Dies ist sozialdemokratisch. Hat so viel mit dem revolutionaeren denken zu tun, wie einen Sklavenhalter zu bieten, seine Sklaven etwas besser zu behandeln.

Machen wir doch ein Deal: ich sage dir, wo die wirklich "guten" Bordellen sind, mit guter Bezahlung usw, vielleicht sogar ohne Zuhaelter, und deine Frau und Tochter geht dorthin, wenn ihr euch die Miete nicht mehr leisten koennt. Abgemacht? (wenn nicht, sage bitte WARUM nicht.)
Da mag dein Anstreicher streichen,
den Riß streicht er uns nicht zu!
Einer bleibt und einer muß weichen,
entweder ich oder du.
Und was immer ich auch noch lerne,
das bleibt das Einmaleins:
Nichts habe ich jemals gemeinsam
der Sache des Klassenfeinds.

Alex22

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #1 am: 14:25:00 Mo. 01.Februar 2010 »
Tja, ich bin weder Anbieter noch Kunde.
Egal ob das Gewerbe angeblich das älteste der Welt ist oder was auch immer die Spießer sagen, Ausbeutung hat viele Erscheinungsformen.
Wer gegen Ausbeutung ist kann nicht für Prostitution sein und diese auch noch "zivilisieren".
Ich will nicht, dass meine Töchter als Prostituierte anschaffen müssen und ich will auch nicht dass sie sich anderswie billig verkaufen müssen.
Aber ich will.
Was dann so passiert kann ich nicht allein beeinflussen.
Ich finde rosaberlinerin provoziert ganz gut.
Hartz IV opfer schaffen aber nicht an, denn das müssten sie der ARGE dann angeben und teilweise abgeben...... ;D
Hier stehen an manchen Stellen an der Antiken Straße die jungen Afrikanerinnen und warten unter den Oliven auf "Kunden".
Manchmal wäre ich froh blind zu sein und das tägliche Elend nicht sehen zu müssen.

Die Linke ist nicht wirklich links, schaut mal was wir da für "Persönlichkeiten" mit was für eigenartigen Vorstellungen haben. Da ist kaum ein echter Linker dabei. Was ist das aber auch?

Wenn das in Bayern so weiter geht, dann werde ich den Verein auch verlassen müssen und in informellen Zusammenschlüssen mitarbeiten.
Die Partei scheint mir ein neofeudales Unternehmen zur Domestizierung des Protestes zu sein.





rosaberlinerin

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #2 am: 14:36:49 Mo. 01.Februar 2010 »

Hartz IV opfer schaffen aber nicht an, denn das müssten sie der ARGE dann angeben und teilweise abgeben...... ;D


Vorsicht, ich habe da manche getroffen.. illegal halt. Und nur ab und zu, um was dazu zu verdienen. Denke mir, es werden immer mehr.
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Carpe Noctem

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #3 am: 22:52:40 Di. 02.Februar 2010 »
In diesem Zusammenhang kann ich ueberhaupt nicht nachvolziehen, wie man (oder frau) sich gleichzeitig revolutionaer heissen kann und die Prostitution als "Beruf" akzeptieren, weil man sich (in eigenen Augen) um das Wohlergehen der Prostituierten schert.

Mir fällt dazu spontan der Satz eines Mannes ein, der selbst missbraucht worden ist, als Erwachsener in Bordellen vögelte und sich irgendwann Gedanken machte über sein Verhalten:

"Freier sein ist irgendwie auch Missbrauch"

Grüsse - CN
Art. 1 GG: "Die Menschenwürde steht unter Finanzierungsvorbehalt"

rosaberlinerin

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #4 am: 23:09:47 Di. 02.Februar 2010 »

"Freier sein ist irgendwie auch Missbrauch"

Grüsse - CN

A ja... der mag auch Recht haben...
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Alex22

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #5 am: 19:19:14 Mi. 03.Februar 2010 »
zumindest fehlt es den Freiern an Erfüllung eines Bedürfnisses, dass nicht einfach nur von der Natur vorgegeben wird. Es ist eher in der Sozialisation entstanden und nun eine Schwäche.
Ich will nicht krank sagen, aber "normal" ist es nicht sich "Befriedigung" oder "Nähe" oder was immer für Geld zu kaufen.
Für mich ist es einfach unvorstellbar, warum Männer in ein Bordell gehen.

In diesem System missbrauchen sich die Menschen ständig gegenseitig und ihr Irrglaube ist Grund dafür, dass sie sich sogar selbst missbrauchen und besonders selbst belügen.

 :)

Carpe Noctem

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #6 am: 20:00:49 Mi. 03.Februar 2010 »
"Nähe" oder was immer für Geld zu kaufen.

Ich habe eher den Eindruck, dass Männer die ins Bordell gehen, genau das vermeiden wollen: Nähe.

Grüsse - CN
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rosaberlinerin

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #7 am: 20:35:14 Mi. 03.Februar 2010 »
"Nähe" oder was immer für Geld zu kaufen.

Ich habe eher den Eindruck, dass Männer die ins Bordell gehen, genau das vermeiden wollen: Nähe.

Grüsse - CN

Den Eindruck hatte ich auch.

Zu den "natuerlichen Beduerfnissen"... da gibt es schon sehr viele die es auch anders haben könnten, nur bei den "normalen" (ich sage: gleichberechtigten) Sexbeziehungen fehlt ihnen etwas. Und dabei alles was eine Prostituierte macht, koennen und tun andere Frauen auch, es sind meistens keine ausgefallenen Sachen. Nur, dieses Machtgefuehl, dass macht ja echt geil...

:(
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Mondenkind

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Re:Mal zu der sexarbeit...
« Antwort #8 am: 14:36:52 Do. 04.Februar 2010 »
In diesem Zusammenhang kann ich ueberhaupt nicht nachvolziehen, wie man (oder frau) sich gleichzeitig revolutionaer heissen kann und die Prostitution als "Beruf" akzeptieren, weil man sich (in eigenen Augen) um das Wohlergehen der Prostituierten schert. Dies ist sozialdemokratisch. Hat so viel mit dem revolutionaeren denken zu tun, wie einen Sklavenhalter zu bieten, seine Sklaven etwas besser zu behandeln.

Absolute Zustimmung!
Viele Organisationen die sich mit Prostitution beschäftigen, sagen ja, dass die Anerkennung als Beruf keinerlei Vorteile für die Prostituierten gebracht hat, sondern im Gegenteil dabei hilft, das Elend dahinter zu verdecken.

Und in Anbetracht der Tatsache, dass wohl ein sehr großer Prozentsatz der Frauen (ich hab mal was von 95% gelesen) in ihrer Kindheit bereits missbraucht wurden, und diesen "Beruf" wahrscheinlich nur ausüben können, weil sie zwangsläufig lernen mussten gut zu dissoziieren, ist das Ganze absolut widerlich!

Ich kenne leider Männer die meinen, die Frauen würden das ja freiwillig machen und manchmal bestimmt sogar Spaß daran finden.  X(
Wenn ich so einem dann erzähle, wie in der Regel der Hintergrund der Frauen aussieht (bei Wiederholungszwang durch Missbrauch kann man ja wohl kaum von Freiwilligkeit sprechen), ist er ganz erstaunt und mag es gar nicht glauben.


In diesem System missbrauchen sich die Menschen ständig gegenseitig und ihr Irrglaube ist Grund dafür, dass sie sich sogar selbst missbrauchen und besonders selbst belügen.


Traurigerweise ja. Die Manipulation, die mit Missbrauch in der Kindheit einhergeht, macht Kinder später zu gefügigen Erwachsenen. Es ist auch kein Wunder, dass in unserer Gesellschaft so wenig gegen dieses Verbrechen getan wird, denn missbrauchte Menschen sind nunmal gute Untertanen.