Autor Thema: Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?  (Gelesen 11058 mal)

Sir Vival

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #15 am: 14:25:43 Fr. 16.April 2010 »
Arbeitsschutzrecht = Arbeitsschutzgesetz!
Arbeitszeitgesetz
Arbeitnehmerschutzgesetz
Arbeitnehmerrecht
usw.
usw.

Das alles sind geschriebene Gesetze, Geschichten aus der Welt der Märchen, wie es eigentlich ablaufen sollte und die nur eins sollen:
Darstellen, daß bei uns in D alles geregelt und OK ist!
Nichts anderes!

Ich habe jedenfalls diese Erfahrung gemacht. Mein Ex-Chef hat gegen jedes einzelne der o.g. Gesetze verstoßen (und gegen mehr: Betrug usw.), ich habe es alles angezeigt, ich hatte ALLE Stundenbücher seit März 2006 dabei und alleine im Betrieb wäre es bei einer Überprüfung SOFORT zur Schliessung gekommen (Arbeitsschutzgesetz).

Und was war das Ende der Gschicht?

GAR NIX IST PASSIERT!
Absagen über Absagen.
Staatsanwaltschaft, Bundes-/Landesarbeitsgericht, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit, Bundesministerium für Arbeit und Assoziales, usw. usw.
Ich weiss schon gar nicht mehr, wem ich NICHT geschrieben habe.
Das sind allesamt asoziale Arschlöcher,.....sorry, ich meinte, es sind asoziale Individuen, denen das Wohl des Volkes sowas von am Arsch vorbeigeht, daß man einen Film drehen könnte.
Das ist ein System, das auch so laufen soll. Da gibt es ein Drehbuch!
Wo wären wir denn, wenn es wirklich ALLEN gut ginge?
Dann ginge es einigen da oben auch gut, aber nicht so gut wie jetzt!

Bin zwar kein Lehrling mehr, aber es ist im Endeffekt das gleiche.
Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
- der andere nichtmal das!

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #16 am: 18:23:17 Fr. 16.April 2010 »
Als Azubi bleibt oft dann nur noch die Möglichkeit, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln. Es passiert nix, wenn man anzeigt und meist steht man dann alleine, weil der Rest lieber Scheisse frisst.
Ich habe auch den Lehrbetrieb gewechselt, weil der dort angestellte Meister ein Choleriker und überzeugter Nazi war. Den polnischen Gesellen hat er als Kanaken tituliert, die zwei vietnamesischen Bäckergehilfen kamen auch nicht besser weg und "wären unterm H...sowieso vergast worden". Beschimpfungen wie "blöde Sau" oder "du bist doch viel zu blöd dazu" waren für ihn normal. Und "unterm Herrn H...würde das sowieso alles noch ganz anders laufen.." Ich habe es bei der Handwerkskammer, beim Arbeitsamt und bei der Innung angezeigt - passiert ist nix, obwohl der wohl mehr als offensichtlich ungeeignet war, um Jugendliche auszubilden. Vielleicht waren ja die durchschnittlich guten Noten unter dem Nazispruch- und Beleidigungsdrill aussagekräftiger.
Die Kollegin, die mit mir angefangen hat, ist dort geblieben. Hat von ihren Eltern zu hören bekommen - na was wohl? Lehrjahre sind keine Herrenjahre  :tongue:
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt Albert Einstein

Sir Vival

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #17 am: 18:32:17 Fr. 16.April 2010 »
Da kann man nur noch froh sein, wenn sowas nicht abfärbt auf das spätere soziale Verhalten der Lehrlinge.

Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #18 am: 18:52:13 Fr. 16.April 2010 »
Das traurige ist aber, dass es sehr oft abfärbt...nämlich wenn der Lehrling zum Gesellen aufgestiegen ist und selber welche unter sich hat. Nach dem Motto: Warum soll`s dem besser gehen als mir damals? Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass es eher ungern gesehen wird, wenn man sich dem Lehrling gegenüber zu sozial verhält.
Hat der andere Fuzzi doch eindeutig zum Besten gegeben..."da müssen wir alle durch, ich hab auch Scheisse gefressen" . Das ist genauso so zum Kotzen wie Sprüche prügelnder Eltern, dass "ihnen eine harte Hand auch nicht geschadet habe" . Anscheinend aber schon, wenn man dieser Ansicht ist.
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vampyrella

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #19 am: 23:40:56 Di. 20.April 2010 »
Schade, das man als Azubi immer nur der Arsch ist.
Moralische Unterstützung durch die Eltern hat fast keiner, die bereits genannten Sprüche kommen bei jedem. Und wenn dir was nicht passt kannste ja gehen. Toll. Sieht gut aus im Lebenslauf wenn man eine Lehre abgebrochen hat :(
Ich denke unter diesem Aspekt ziehen viele das auch nur durch. Und machen dann was ganz anderes.
o
L_/
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Sir Vival

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #20 am: 10:22:11 Mi. 21.April 2010 »
.....so wie ich...... 8)
Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
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ManOfConstantSorrow

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Re:Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?
« Antwort #21 am: 16:09:09 Do. 24.August 2017 »
Zitat
Ausbildung mangelhaft

Zahnarzthelferinnen putzen Fenster, Kaufleute bauen Messestände auf: In der Ausbildung von Fachkräften läuft vieles schief. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

von Morten Freidel

Jugendliche in Deutschland werden vielerorts mangelhaft und unter unwürdigen Bedingungen ausgebildet. Nach Recherchen dieser Zeitung müssen sie vor allem in Kleinbetrieben regelmäßig Überstunden machen, die ihnen weder auf den Urlaub angerechnet noch bezahlt werden. Viele verrichten Arbeiten, die nichts mit dem Inhalt ihrer Ausbildung zu tun haben. Zahnarzthelferinnen putzen jahrelang die Fenster und wischen den Boden, angehende Kaufleute bauen Messestände auf. So lernen sie nur einen Bruchteil dessen, was ihren Beruf eigentlich ausmacht. Stehen die Abschlussprüfungen in der Berufsschule an, fallen sie durch – sofern sie überhaupt dort erscheinen. Denn manche Betriebe wollen vermeiden, dass die Jugendlichen auch nur einen Tag fehlen, und setzen sie so unter Druck, dass ihre Lehrer sie kaum zu Gesicht bekommen.

Besonders schlimm ist die Lage nach Auskunft von Berufsschullehrern und Auszubildenden bei Friseuren, in Zahnarztpraxen, Reisebüros, in der Gastronomie sowie der Hotel- und Reinigungsbranche. In einigen Wäschereien werden Auszubildende etwa systematisch gezwungen, Überstunden zu leisten. Steht ein Feiertag an, sollen sie schon im Vorfeld die Stunden ausgleichen, die sie später fehlen werden. Also arbeiten sie in den Wochen vor dem Feiertag jeden Tag eine Stunde länger, manchmal auch den ganzen Samstag. Bezahlt wird die Arbeit häufig nicht, denn die Vorgesetzten halten die Überstunden selten offiziell fest. Auch bei manchen Discountern haben Überstunden System. Dort werden die Azubis angehalten, zwei Stunden vor der eigentlichen Schicht zu erscheinen. Weil aber in den Dienstplänen nichts davon steht, haben Beschwerden gegen diese Praxis fast nie Aussicht auf Erfolg.

Mit den Überstunden häufen sich in der Berufsschule die Fehltage. Normalerweise dürfen die Jugendlichen dort pro Jahr höchstens fünf Tage fehlen, wenn zusätzliche Arbeit im Betrieb ansteht. Die Unternehmen müssen das beantragen, tun es aber oft nicht. Stattdessen fordern sie die Jugendlichen auf, den Unterricht zu schwänzen, und schüren ihre Angst, nach der Ausbildung keine Festanstellung zu bekommen. So verantworten die Azubis ihre Fehltage am Ende selbst.

Auszubildende ersetzen häufig Praktikanten

Solche Missstände treten nicht nur in den genannten Branchen auf, sondern teilweise auch in Ausbildungsberufen, die unter Jugendlichen besonders begehrt sind, zum Beispiel bei Regieassistenten. Und das, obwohl in Deutschland Fachkräftemangel herrscht. Seit acht Jahren gibt es jedes Jahr mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Man sollte also meinen, dass die Unternehmen sich Mühe geben, damit sie überhaupt Auszubildende bekommen. Viele tun das auch. Trotzdem bleibt eine Gruppe von Schulabgängern, die niemand haben will. Wenn Firmenchefs solche Leute ausbilden, dann oft nur aus einem Grund: Bei ihnen ersetzen die Auszubildenden die Praktikanten.

Früher war es an diesen, lästige Arbeiten zu übernehmen. Doch seit zwei Jahren müssen Unternehmen Praktikanten den Mindestlohn zahlen, da kommen schnell 1500 Euro im Monat zusammen. Auszubildende sind billiger, in manchen Branchen kriegen sie gerade mal 500 Euro im Monat. Und man kann sie nach drei Jahren auf die Straße setzen. Das spricht sich zwar herum, trotzdem finden die Betriebe immer wieder neue Azubis – jene, die froh sind, dass sie überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen. Zum Beispiel Hauptschüler mit besonders schlechten Noten. Dabei profitieren die Unternehmen davon, dass Auszubildende nur selten die Stelle wechseln. Manche haben Angst davor, andere können oder wollen ihren Heimatort nicht verlassen.

Alles nur Einzelfälle? Tobias Wunsch, bei der IG Metall für Ausbildung zuständig, sagt: nein. „Als Unternehmer kann ich das System entweder nutzen, um jemanden sehr gut, auch technisch, auszubilden. Oder ich kann es nutzen, um jemanden günstig drei Jahre lang zu beschäftigen. Und natürlich sind das nicht alles nur Einzelfälle oder schwarze Schafe.“ Nach einer Statistik des Deutschen Gewerkschaftsbunds sind Jugendliche seit Jahren unzufrieden mit der Ausbildung in Branchen wie der Gastronomie oder dem Hotelgewerbe.

Bei wem liegt die Verantwortung für die Misere?


Für diese Probleme ist die Politik mitverantwortlich. Im Jahr 2003 senkte die rot-grüne Bundesregierung die Hürden für Unternehmen, Jugendliche auszubilden. Damals gab es fünf Millionen Arbeitslose im Land, viele Schulabgänger hatten große Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Deshalb entschied die Regierung, dass Ausbilder keinen Lehrgang mehr machen mussten, um jemanden auszubilden. Ein Formular reichte.

Eine der schwierigen Branchen: Berufsschullehrer und Auszubildende berichten, dass in der Gastronomie Überstunden üblich sind – häufig zulasten des Berufsschulunterrichts.


Zwar wurde diese Regelung 2009 wieder abgeschafft. Doch Ausbilder, denen es in jenen Jahren gestattet wurde, ohne entsprechenden Nachweis auszubilden, dürfen das weiterhin. Darunter leidet die Qualität der Ausbildung. So erzählen Berufsschullehrer, dass sie Ausbilder nicht erreichen konnten – weil es sie nämlich nicht gab. Die Unternehmenschefs hatten Ausbilder benannt, die nur auf dem Papier existierten. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung kommt außerdem zu dem Schluss, dass Azubis in solchen Betrieben viel häufiger durch die Abschlussprüfungen fallen als andere.

Obwohl all das schon lange bekannt ist, tut kaum jemand etwas dagegen. Eigentlich müssten die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern über die Qualität der Ausbildung wachen. Nur sie können Betrieben die Ausbildungserlaubnis entziehen. Das geschieht aber so gut wie nie. Die Handwerkskammer in Frankfurt hat in 25 Jahren nur einmal einer Firma die Ausbildungserlaubnis entzogen. Und in der örtlichen Industrie- und Handelskammer ist kein Fall aus den letzten zehn Jahren bekannt.

Warum greifen die Kammern nicht durch? Anne-Kathrin Reich, Schulleiterin der Modeschule in Frankfurt, sagt, die Kammern würden vor allem die Interessen der Unternehmen vertreten. Die müssten immerhin Geld bezahlen, um Mitglied der Kammern zu sein. „Man pinkelt sich doch nicht gegenseitig ans Bein.“ Tobias Wunsch von der IG Metall bestätigt das: „Die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern könnten durchgreifen, tun es aber nicht. Weil sie immer wieder die Interessen der Wirtschaft vertreten, nicht die der Jugendlichen.“ Hinzu kommt: Die Kammern verlangen von den Azubis, ihnen handfeste Beweise für das Fehlverhalten ihres Betriebs zu liefern, bevor sie tätig werden. Doch die Jugendlichen schrecken vor einem solchen Schritt oft zurück.

Die Parteien tun wenig, um die Ausbildung zu verbessern

Dabei wäre es für die Kammern ein Leichtes, die Betriebe selbst zu überprüfen. In jedem Bezirk des Landes beschäftigen sie einen Ausbildungsberater, der für mehrere Branchen und Betriebe zuständig ist. Dieser Mitarbeiter darf jederzeit unangekündigt Unternehmen besuchen und sich ein Bild über die Zustände am Ort machen. Doch auch das passiert so gut wie gar nicht, wie es etwa aus der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt heißt. Man wolle mit den Unternehmen zusammenarbeiten statt gegen sie.

Auch die Parteien tun wenig, um die Ausbildung zu verbessern. Im Programm der Union für die kommende Bundestagswahl steht nur, das Überangebot an Ausbildungsplätzen in Deutschland zeige, dass es dem Land gutgehe. Die FDP will sich zwar für eine „Aufwertung und Ausweitung“ der dualen Ausbildung einsetzen. Damit meint sie allerdings nur: mehr digitalen Unterricht. Die Grünen fordern wie die SPD einen Mindestlohn für Auszubildende. Doch obwohl die Sozialdemokraten seit 2013 im Bund mitregieren, haben sie kaum etwas unternommen, um die Ausbildungsqualität zu verbessern. Vielleicht liegt es daran: Die meisten Azubis dürfen noch nicht wählen.
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!