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Wie Auszubildene massiv ausgebeutet werden! Traumberuf Koch?

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Sir Vival:
hatte ich doch auch.
1985 angefangen mit einer Lehre zum Werkzeugmacher.
 Werkzeugmaschinenbedienung ja, aber das waren noch Dinger mit dem Reichsadler drauf.
Nix CNC, wie alle anderen MitLehrlinge aus anderen GROSSEN Betrieben das gelernt haben.
Was komisch ist: Ein Betrieb darf doch nur ausbilden, wenn er den Lehrstoff in der Praxis auch vermitteln kann, oder?
Also bei mir war es so, daß ich ohne große Worte ausgenutzt wurde. Total!
Als Arbeitssklave wurde ich eingesetzt zu Arbeiten, die ein Hilfsarbeiter macht (normalerweise). Diese haben die aber eingespart.

Leute, das war schon damals so und wird sich nie ändern. Da können die "dafür verantwortlichen" Oberwichser nichts ändern, da werden sie auch nix ändern.
Du mußt einfach Glück haben und in eine Firma mit Lehrwerkstatt kommen (oder eben eine Lehrlingsabteilung).
Ich bin eigentlich ein GUTER Werkzeugmacher. Ich verstehe was von der Materie und habe in meinem 2 Lehrjahr Werkzeuge gebaut, da wußten meine Mitlehrlinge noch nichtmal, wie ein Werkzeug aufgebaut ist.
Das ist aber auch alles. An die Zukunft wurde da gar nicht gedacht!
CNC, Pneumatik, Hydraulik. Das alles war im Lehrplan, aber NICHTS davon in der Praxis gelernt, da nicht vorhanden. Super.

Die Schule war von einem Riesenkonzern gesponsort, der Druckmaschinen herstellt. Im Firmennamen kommt noch der Name einer schönen Stadt am Neckar vor :-))
Die Lehrlinge dieser Frima wussten bis zum Abschluss nicht, wie ein Werkzeug funktioniert, da bei denen auf was ganz anderes aufgebaut wurde. Nämlich Spezialisierung auf einzelne Zerspanungstechniken. BlaBlaBla.......will nicht langweilen, aber ich wußte damals schon, daß da was schief lief.
Als ich mal einen Lehrer angesprochen hatte, der mir ein 6 gab für eine Arbeit, die auf Lehrmaterial aufgebaut war, welches ich in der Praxis gar nicht kannte, hiess es nur: "Pech, das müssen Sie sich so aneignen."
Da wurde gar nicht gefragt, ob man das im Betrieb mit dem Meister nicht geübt hatte. Eiskalt!

Dementsprechend war auch meine Abschlußprüfung:
Theorie 2
Praxis eine knappe AUSREICHEND. Aber nur auf Gnade!
Und dann wurde ich auch noch blöd angeschaut von meinem Chef damals. hohoho!

Daß ich da keine Lust mehr auf diesen Scheißberuf hatte, is ja klar, oder?
Schon damals wurde einem alles verpfuscht!

Und was hat sich bis heute geändert?
NIX! IS NUR NOCH SCHLIMMER GEWORDEN!

Wenn man bei der Ausbildung an Qualität spart, zahlt man das später mit nichtskönnenden Technokraten in der Industrie, die das andere Leute machen lassen. Die Segel aus der Hand geben, nennt man das.
Man wird schon in der Lehrzeit auf´s "Ausgebeutetwerden" eingetrimmt.

Rudolf Rocker:
Ich habe 1995 mal eine Lehre als Tischler angefangen! Ich durfte die Halle fegen, Wochenlang schleifen, und bei Montage und Messebau als Handlanger mitfahren!mal
Arbeitszeiten von 14 -16 Stunden pro Tag während der Messe- Saison waren auch keine Seltenheit. Einmal mussten wir sogar 24 Stunden arbeiten! Auch Samstags und Sonntags ohne Freizeitausgleich!!

Als ich einmal Samstags nicht konnte sprach ich meinen Chef an, ob ich frei haben könnte. Der  meinte aber nur: "Arbeit geht vor Privatleben!"
Bin dann am Samstag nicht hin und musste mir am Montag einen Anschiss abholen!!
Mein Berufschullehrer meinte, ich soll mir das nicht bieten lassen!
Nach einem Jahr habe ich dann Hingeschmissen weil ich eh nichts gelernt habe!

x-ray:
Gerade das Handwerk bietet jede Menge Spielraum für Ausbeutung. Da gibt es die eine Seite, in der eine Horde Lehrlinge genau dieselbe Arbeitsleistung wie die Gesellen bringen müssen, aber mit einem mickrigen Azubigehalt abgespeist werden. Dümmster Kommentar meines Meisters dazu "ich muss euch schliesslich auch einen Tag pro Woche für die Berufsschule bezahlen" Da verlangt der von seinen Lehrlingen gutes Kopfrechnen und kommt nicht drauf, dass wir nachvollziehen könnten, dass diese Rechnung trotzdem lächerlich ist  :P und man für Übungen oft auf den Feierabend verwiesen wird.
Auch wenn`s nicht schön war - man hat wenigstens etwas für seine Prüfung gelernt. Denn da gibt es noch die anderen, die sich einfach denken, dass ein Lehrling immer noch billiger ist als ein Hilfsarbeiter oder eine Putzfrau ,und der dann seine Lehrzeit lang putzt, Äpfel schält, Zwetschgen entsteint, den Gesellen ihren Dreck wegräumt und hinterherspült und sich sein Wissen und seine Übung gefälligst in der Berufsschule anzueignen hat. Sagt man was, wird man von den Gesellen noch frech angerotzt, das sie zu "teuer" für diese Arbeiten wären und dass das gefälligst der Lehrling zu machen hat. Nur leider gibt es bei der Gesellenprüfung keine Arbeitsproben im Spülen, Putzen, Bleche schrubben, Regale putzen,Äpfelschälen etc.

Ein paar Sachen muss man als Lehrling sicher schlucken, aber oft kann man es wirklich nur Ausbeutung nennen.

Gehtsnoch:
Bei der letzten Werkstatt wo ich war, wurde der Azubi auch massiv ausgebeutet. Er ist nicht der hellste...aber was will man erwarten, wenn man dem Jungen nichts beibringt ausser putzen (KFZ)???

Der Chef hat hinterruecks auch immer behauptet wie dumm der Junge ist und das lernen nichts bringt.

Tja...mich hat es einen feuchten interessiert und ich habe versucht den Burschen was beizubringen. Die Arbeit hat sich dadurch rausgezoegert ...doch der Junge war auf einmal (oh wunder ::)) voller Begeisterung. Leider hat der Chef ihn immer wieder abgezogen fuer niedrige Arbeiten.

Achja....war einer der Kuendigungsgruende vom Arbeitgeber aus, das ich mich um ihn gekuemmert hab...(neben der Weigerung ein Neuwagen zu kaufen)....

Sir Vival:
Und offiziell kommen die immer damit durch!
Denkt da mal jemand drüber nach?

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