Autor Thema: Chefduzen BAHN-Flugblatt  (Gelesen 2548 mal)

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Chefduzen BAHN-Flugblatt
« am: 16:21:53 Do. 23.Oktober 2003 »
Dieses Flugblatt wurde auf den Sitzen von Zügen und auf dem Kieler HBF ausgelegt:
Zitat
Fahrpreiserhöhung im Nahverkehr der Bahn
Es ist mal wieder soweit. Die Bahn braucht wieder Geld. Die Bahn will an die Börse. Und dafür muß sie ja schließlich Profite machen. Und dabei kann man auch an dem lästigen Kostenfaktor Personal sparen.

Nach "Tagesspiegel"-Informationen sollen die meisten der nahezu 3000 Arbeitsplätze bis Ende 2005 wegfallen. Abgeschlossen sein solle der Stellenabbau erst 2008. Im Vertrieb wolle die Bahn vor allem sparen, indem Kunden verstärkt Automaten oder das Internet für den Fahrkartenkauf nutzen. Dabei funktionieren schon heute viele der Automaten nicht und nehmen sowieso die Geldscheine nicht an, die man gerade dabei hat...

Und was bei einem privatwirtschaftlichen Bahnbetrieb herauskommt haben wir gerade erleben dürfen: Die FLEX AG hat Insolvenz angemeldet. Nach dem Reinfall mit der FLEX AG als vermeintlich billigstem Anbieter muss das Land Schleswig-Holstein übrigens für die Verbindung Hamburg-Flensburg bis Ende 2005 an die Connex-Tochter NOB rund 8,1 Millionen Euro mehr bezahlen als urspünglich mit der FLEX AG vereinbart worden war. Connex ist im übrigen ein sehr windiger (wenn nicht krimineller) Britischer Konzern.

Apropos Groß Britannien: Dort ist die Bahn schon neun Jahre privatisiert. Unpünktlich, chaotisch, marode und gefährlich. Die Infrastruktur ist infolge fehlender Investitionen völlig veraltet. Die Unfälle von Paddington und Hatfield, bei denen im Oktober 1999 und Oktober 2000 insgesamt 35 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt wurden, haben in den Augen der Briten gezeigt, daß die Sicherheit in der Profitrechnung der Konzerne als Posten nicht auftaucht. Die Mehrheit der Briten wünschen sich Umfagen zufolge eine Wiederverstaatlichung der Bahn.

Gerade jetzt versuchen Bahnvorstand und Bundesregierung die Privatisierung durchzupeitschen. Aber unaufhaltsam ist nichts. Schließlich tönte Bahnchef Mehdorn vor nicht langer Zeit, daß die Bahncard 50 (%) niemals wiederkehren werde. Und nach massiven Protesten ist sie schwupp-di-wupp wieder da. Da Bahnpersonal und Bahnkunden von den Folgen einer Privatisierung gleichermaßen betroffen wären, kann sich hier auch der Widerstand von beiden Seiten treffen. Doch die Bahner müssen auf der Hut sein, der einstimmige Beschluß vom Transnet-Gewerkschaftstag gegen die Zerschlagung und Privatisierung der Bahn droht vom Transnet-Hauptvorstand unterlaufen zu werden. Es wäre nicht das erste Mal, daß eine Gewerkschaftsführung sich gegen die Interessen ihrer Mitglieder entscheidet.

Daß sich die kritische Basis der Bahner als BAHN-VON-UNTEN organisiert hat, um unabhängig zu diskutieren und ggf. auch ihren Vertretern auf die Finger zu hauen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. www.bahnvonunten.de

Ein weiteres unabhängiges Diskussionsforum für den Raum Kiel gibt es unter www.chefduzen.de