Autor Thema: Drogenpolitik  (Gelesen 108713 mal)

Kuddel

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Drogenpolitik
« am: 14:59:08 So. 09.Mai 2010 »
Rassismus in der Drogenpolitik

Die Geschichte und Gegenwart der Drogenpolitik ist geprägt von Rassismus. Seit dem Beginn der modernen Drogenpolitik vor etwas mehr als 100 Jahren wurde der Drogenkonsum der „Anderen“ immer wieder dämonisiert. Im Namen des moralischen und gesundheitlichen Schutzes der weißen Mehrheitsgesellschaft vor dem verderblichen Einfluss dieser Drogen werden bis heute diskriminierende und menschenverachtende Repressionsmaßnahmen gerechtfertigt.

Das erste in der Moderne erlassene Gesetz gegen den Opiumkonsum wurde am 15. November 1875 vom Verwaltungsrat von San Francisco beschlossen. Es war eines von mehreren rassistischen Gesetzen, welche die Kultur und Lebensbedingungen der ansässigen Chinesen einschränkte. Die chinesischen Einwanderer waren zur Zeit des Baus der transkontinentalen Eisenbahnstrecke als duldsame und billige Arbeitskräfte geschätzt, ihr Opiumkonsum wurde nicht nur geduldet, sie sind teilweise sogar direkt mit Opium bezahlt worden. Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke siedelten sich zehntausende Chinesen im Großraum San Francisco an und wurden dort schnell Opfer rassistischer Anfeindungen. So wurden aus den genügsamen Arbeitskräften Lohndrücker und eine Gefahr für die amerikanische Wirtschaft. Die Sitte des Opiumrauchens wurde Teil des rassistischen Bildes von der gelben Gefahr, die für alle Arten von Verbrechen und sonstigem unerwünschtem Verhalten verantwortlich gemacht wurde. Die politischen Reaktionen auf die „Chinesenfrage“ waren im Bereich Drogenpolitik höchst selektive Gesetze, welche das chinesische Opiumrauchen stigmatisierte und kriminalisierte, den oralen Opiumkonsum der Weißen jedoch kaum tangierten.

Welchen weitreichenden Einfluss der Rassismus auf die frühe Drogenpolitik hat, wird durch die zweite internationale Opium-Konferenz 1925 in Genf deutlich. Auf dieser Konferenz wurden die ersten weltweiten Kontrollmaßnahmen, unter anderem für Cannabis, eingeführt, welche die Grundlage für das 1961 beschlossene und bis heute gültige Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel bilden. Die Initiative Cannabis neben Heroin und Kokain in das internationale Abkommen aufzunehmen ging von den Vertretern Südafrikas, Ägyptens und der Türkei aus. Die weiße Minderheitenregierung Südafrikas wollte mit Cannabis die Droge der schwarzen Bevölkerungsmehrheit und dem damit verbundenen Dagga-Kult, illegalisieren. Soziale oder gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit mit Cannabis waren damals kaum bekannt, einzig Portugal vermeldete, in seiner Kolonie Angola seien Fälle von „schwarzer Aufsässigkeit nach Hanfgenuss“ vorgekommen. Dennoch wurde der Antrag durchgewinkt, wohl als Zeichen guten Willens gegenüber den Antragsstellern und weitgehendem ökonomischem sowie politischem Desinteresse.

Die Kampagnen gegen Cannabis und Kokain in den USA in den 20er und 30ern waren ebenfalls Teil einer rassistischen Hetze, in diesem Fall gegen Mexikaner und Afroamerikaner. Die Mexikaner nahmen laut der Boulevardpresse den aufrichten weißen Amerikanern die Arbeitsplätze weg, waren für allerlei Kriminalität verantwortlich und die farbigen Jazz-Musiker rauchten nicht etwa das gut bekannte Hanf, es war das fremde Marijuana, das sie auf abwegige Ideen brachte, so zum Beispiel dass sie „ebenso gute Menschen seien wie die Weißen“. Der Ausspruch „Reefer makes darkies think they're as good as white men." wird Harry J. Anslinger, dem damaligen Vorsitzender des Federal Bureau of Narcotics (FBN) und einer der schärfsten Befürworter einer Cannabis-Prohibition, zugeschrieben.

In Deutschland wurde wenig später gegen den tabakhandelnden Juden gehetzt, woraus nach 1945 das Konstrukt des ausländischen Drogendealers als Sinnbild des Bösen entwuchs.

Ebenso wenig wie sich das Personal von RKA im Wandel zum BKA oder anderen Ministerien änderte, wandelte sich die Drogenpolitik und so erfolgte die Geburt der deutschen Drogenpolitik aus dem Geist der Rassenhygiene.

Dieser Rassismus besteht bis heute weiter, sowohl in Deutschland als auch den USA. Paranoide Konstrukte, wie das des dämonischen Drogendealers, der Schulhöfe bevölkert und mit Heroin versetztes Haschisch an wehrlose Jugendliche verschenkt, um sie zu willenlosen Süchtigen zu machen, und ansonsten auch eine allgegenwärtigen Gefahr für den anständige Bürger darstellt, wurden bis heute nicht durch die nüchterne Realität dekonstruiert, sondern immer weiter von Konservativen aller Couleur befeuert.

Der tödliche – und politisch bis weit in die Mitte der Gesellschaft gewollte – rassistische Grundtenor unserer Drogenpolitik lässt Deutschland auch nicht einmal vor dem Brechmitteleinsatz zurückschrecken. Dessen Anwendung – fast alle Betroffenen waren dunkelhäutig – ist, wie die allgemein Verfolgungspraxis bei angeblichen Drogendealern, von Rassismus geprägt. Er wurde trotz mehrerer Todesfälle lange Zeit rechtsstaatlich geduldet und die Drogenpolitik griff dabei auf ein Mittel zurück, das vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Folter bezeichnet wird und, liest man die Protokolle der damit zusammenhängen Todesfälle, den Humanismus eines unprofessionell durchgeführten "water boarding" besitzt.

Besonders beschämend war die Einführung des Brechmitteleinsatzes in Hamburg durch die rot-grüne Koalition im Juli 2001. Dieser erfolglose Versuch im Wahlkampf der Law-and-Order Politik von CDU und dem erstmalig antretenden „Richter Gnadenlos“ Roland Schill etwas entgegenzusetzen war nicht nur für die GAL ein menschenrechtlicher und drogenpolitischer Sündenfall. Die Hamburger SPD war unter dem Ersten Bürgermeister Hennig Voscherau einer der Vorreiter einer humanen Drogenpolitik gewesen. Voscherau brachte bereit 1990 den Vorschlag Heroin zur Behandlung von Abhängigen einzusetzen – 3 Jahre nachdem Methadon überhaupt wieder eingesetzt wurde und 20 Jahre bevor die Abgabe von Heroin an Abhängige als Behandlungsmöglichkeit ermöglicht wurde. Diese „fatale Fehlentscheidung“, wie die GAL-Innenpolitikerin Antje Möller die Entscheidung im Nachhinein bezeichnete, macht deutlich wie weit selbst progressive Kräfte in der allgemeine Drogenhysterie bereit sind zu gehen.

In den USA gelten bis heute Drogengesetze, die den Umgang mit primär von Afroamerikanern konsumiertem Crack – welches schlicht eine rauchbare Form von Kokain darstellt – um den Faktor 100 härter bestrafen als die gleiche Menge Kokain, der Droge des weißen Mittelstandes

Auch für die Droge Cannabis gilt: Die Weißen kiffen, aber die Schwarzen werden verhaftet. Darüber im nächsten Artikel dieser Reihe...


Wenn man den Originalartikel anklickt, findet man interessante weitere Links:

http://www.freitag.de/community/blogs/maximilian-plenert/rassismus-in-der-drogenpolitik

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #1 am: 11:33:59 Fr. 29.Juli 2011 »
Zitat
Im Bundestag notiert: Cannabis
Umwelt/Antwort - 27.07.2011
 Berlin: (hib/VER) Dass der Konsum von Alkohol legal und der von Cannabis illegal sei, begründet die Bundesregierung in ihrer Antwort (17/6620) auf die Kleine Anfrage (17/6402) der Fraktion Die Linke mit der ”Haschisch-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts vom 9. März 1994 (BVerfGE 90). Darin heißt es, Alkohol habe gegenüber Cannabis eine ”Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten, denen z.B. auf Seiten der rauscherzeugenden Bestandteile und Produkte der Cannabispflanze nichts Vergleichbares entgegensteht“. Alkoholhaltige Substanzen dienten als ”Lebens- und Genussmittel“, die berauschende Wirkung des Alkohols sei bekannt und werde ”durch soziale Kontrolle überwiegend vermieden“.

Quelle: hib-Meldungen

Durch die "soziale Kontrolle" der Bildzeitung z.B., die besagt das jeder ALG II-Bezieher ein potentieller Alkoholiker ist.
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Kuddel

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #2 am: 14:13:37 Mi. 03.August 2011 »
Zitat
Der big deal

Vernunft und Haschisch passen normalerweise nicht zusammen. Doch für so manchen Staat wäre es - ökonomisch gesehen - vernünftig, Cannabis zu legalisieren. Dieses Rechenbeispiel zeigt, warum.


Das Sommerloch hat sein Gutes. Aus ihm quellen manchmal Nachrichten, die das Licht der politischen Hauptsaison scheuen. So beauftragte zum Beispiel die französische Tageszeitung Le Monde den Ökonomen Pierre Kopp mit einer interessanten Kosten-Nutzen-Analyse. Sein Ergebnis: der Kampf gegen den Haschisch-Konsum kostet den französischen Steuerzahler 300 Millionen Euro im Jahr. Würde man Haschisch freigeben und mit der Tabaksteuer belegen, ergäbe das eine Steuereinnahme von etwa 1 Milliarde Euro.

Wer zehn Mal im Monat Haschisch konsumiert gilt statistisch als regelmäßiger Kiffer. In Frankreich soll es davon 1,2 Millionen geben. Der französische Markt wird von Cannabisharz aus Marokko dominiert. Die Blätter dagegen stammen zum größten Teil von 150 000 französischen Produzenten. Neben ihnen leben etwa 100 000 Kleinhändler vom Cannabisvertrieb. Sie verdienen allerdings nur zwischen 4500 und zehntausend Euro im Jahr. Dieses Einkommen dient wohl in erster Linie als Aufbesserung der Sozialhilfe.

Nach der Schuldenkrise, melden die heutigen Zeitungen, hat Obama mit der Stagnation zu kämpfen. Pierre Kopps Rechnung könnte da Hilfe bringen. Die USA geben pro Jahr vierzig Milliarden Dollar für die Drogenbekämpfung aus. Pro Jahr werden siebenhunderttausend Menschen wegen Cannabis-Besitz verhaftet. Siebenundvierzig Prozent der erwachsenen Amerikaner sollen Cannabis probiert haben, fünf Prozent sollen regelmäßige Konsumenten sein, das sind mehr als 15 Millionen Menschen. Freigabe und Tabaksteuer würden dem US-Haushalt ein tüchtiges Stück weit helfen. Etwas Vergleichbares machten die USA schon einmal: Die Aufhebung der Prohibition, die Freigabe und Besteuerung der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke unter Franklin D. Roosevelt, im Jahr 1933. Der New Deal war auch ein big deal.
http://www.fr-online.de/kultur/der-big-deal/-/1472786/8746670/-/index.html


Kuddel

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #3 am: 16:45:38 Di. 24.Januar 2012 »
Zitat
Die Linke fordert Cannabis-Klubs
In Deutschland soll Hanf zum Eigengebrauch legalisiert werden


Mit der Einführung von Cannabis-Klubs möchte die Linke die grüne Droge legalisieren. Der entsprechende Antrag wird im Bundestag diskutiert. Union und FDP sind empört.
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/cannabis_clubs_die_linke_1.14502461.html

Die Forderung is absolut überfällig!

P.S.: Ich persönlich mache mir nix aus dem Kiffen.


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Re:Drogenpolitik
« Antwort #4 am: 19:16:29 Di. 24.Januar 2012 »
Habe es endlich geschafft einige Ausschnitte (Aussagen) aus einer ARTE-Doku zusammenzuschnippeln.
AdSvER - Ausschnitte zum Theam Drogenkrieg

Arte

(Video-Anbieter geändert)
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Kuddel

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #5 am: 15:16:08 Fr. 27.Januar 2012 »
Zitat
Einkaufen im staatlich lizenzierten Haschladen

Neuer Schwung in der Legalisierungsdebatte: Auch Münsters Polizeipräsident will seine Ressourcen nicht länger auf Kleinkonsumenten verschwenden
http://www.freitag.de/politik/1204-einkaufen-im-staatlich-lizenzierten-haschladen

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #6 am: 18:12:48 Mi. 08.Februar 2012 »
Zitat
Zentralamerika: Freigabe von Drogen soll Zahl der Morde senken – USA dagegen

Angesichts der blutigen und opferreichen Kämpfe zwischen Drogenkartellen und Sicherheitskräften in Zentralamerika hat sich der Präsident von Guatemala für eine Legalisierung des Rauschgiftkonsums in der Region ausgesprochen.
Das Problem müsse »so bald wie möglich« angegangen werden, erklärte kürzlich der konservative guatemaltekische Staatschef Otto Pérez Molina. Eine Freigabe von Drogen müsse allerdings unter allen Staaten der Region und mit den USA abge­stimmt werden.
....
Nach Ansicht des guatemaltekischen Kriminologen David Martínez-Amador müsste gut überlegt werden, welche Drogen freigegeben werden und ob Mexiko und Kolumbien den ersten Schritt machen sollten. Dass die USA den Konsum innerhalb der eigenen Grenzen bekämpfen und die junge Bevölkerung für das Problem sensibilisieren wollen, hält er für »sehr wichtig«. Die USA sollten Militär in die Viertel entsenden, in denen seit jeher Drogen verkauft und umgeschlagen würden, forderte der Experte. Damit könnten sie das Rezept, das sie Lateinamerika verordnet hätten, an sich selbst erproben.

Martínez-Amador, der an mehreren Universitäten in Mexiko und Zentralamerika lehrt, sieht die Freigabe von Drogen allerdings auch als schwieriges Unterfangen. »Zwischen den kriminellen Banden gibt es zu viel Blutvergießen und Rivalität«, sagte er. »Selbst wenn wir den Konsum von Marihuana, Heroin und Kokain nicht mehr unter Strafe stellen, wäre die Legalisierung synthetischer Drogen, die zurzeit die höchsten Einnahmen bringen, ein enormes Risiken. Denn sie schädigen das zentrale Nervensystem.«
....

Quelle und vollständiger Artikel: womblog.de
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Re:Drogenpolitik
« Antwort #7 am: 18:53:22 Fr. 09.März 2012 »
Zitat
Drogenkrieg: US-Vizepräsident will ihn beibehalten

Joe Biden wiederholt bei Treffen mit Präsidenten Zentralamerikas alte Argumente Von Peter Clausing

Tegucigalpa. Für die USA ist die Legalisierung von Drogen kein Thema. Dies machte Vizepräsident Joe Biden bei seiner Reise nach Mexiko und Honduras klar, in derem Rahmen er auch am Treffen der zentralamerikanischen Präsidenten teilnahm. Die Reise ist als Reaktion auf den von den Präsidenten Costa Ricas, Guatemalas, Kolumbiens und Mexikos geäußerten Wunsch zu verstehen, über die Entkriminalisierung des Drogenkonsums zu diskutieren.

Hintergrund der Debatte ist, dass trotz massiver Anstrengungen im "Krieg gegen den Drogenhandel" der Konsum nicht gesunken, sondern gestiegen ist. Zudem sterben von Jahr zu Jahr mehr Zivilisten in diesem Krieg. In diesem Zusammenhang haben sich die amtierenden Präsidenten mehrerer lateinamerikanischer Länder jetzt für eine Öffnung der Diskussion ausgesprochen. Das ist ein bislang einmaliger Vorgang, der die Dramatik der Situation verdeutlicht. Die Debatte sei legitim, sagt Biden, aber die USA beharren auf ihrer Position, dass eine Politik der Drogenentkriminalisierung keine Option ist. Dabei hob der Economist in seiner Dienstagausgabe die Verschlissenheit der Argumente hervor, die Biden auf seiner Pressekonferenz am Montag ins Feld führte.
....

Quelle und vollständiger Artikel: amerika21.de

Nur keine Veränderung, klar, die Bilanz des Drogenkrieges der letzten Jahrzehnte eilt ja auch von Erfolg zu Erfolg. Asoziale Betonköpfe!
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Re:Drogenpolitik
« Antwort #8 am: 11:34:08 Mi. 16.Mai 2012 »
Zitat
Die USA und der Drogenkrieg in Mexiko
Die Weltmacht schweigt zum Morden vor der Haustür

Vor der Haustür der USA, in Mexiko, tobt ein Drogenkrieg, der immer mehr Opfer fordert. Doch die Regierung in Washington bleibt auffallend still. Dabei sind die Vereinigten Staaten selbst das größte Problem im Kampf gegen die Drogenkartelle im Nachbarland.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington


Vom mexikanischen Monterrey bis zur amerikanischen Grenze sind es 200 Kilometer, weniger als von Stuttgart nach München. In Monterrey wurden in den vergangenen Tagen 49 Männer und Frauen tot im Straßengraben aufgefunden. Ihre Mörder hatten ihnen Köpfe, Hände und Füße abgehackt. Ein Massaker vor der Haustür Amerikas, doch die Weltmacht schweigt. Beim täglichen Pressegespräch im Weißen Haus und im Außenministerium waren die Toten von Mexiko kein Thema. An den Drogenkrieg in Mexiko hat man sich in Washington offenbar gewöhnt.

"Der Einfluss der Amerikaner ist begrenzt", meint Eric Olsen vom Mexiko Institut in Washington. "Die Amerikaner können ja nicht in Mexiko einmarschieren", sagt er. Die USA könnten nur das tun, was die Mexikaner ihnen erlauben. "Und sie tun eine Menge, vor allem was Geheimdienstarbeit und den Austausch von Informationen betrifft, wer wo aktiv ist. Sie arbeiten eng zusammen", so Olsen.

Der Süchtige, der seinen Dealer ausschalten soll

Doch das Dilemma ist: Die USA sind selbst Teil des Problems. Die Nachfrage nach Drogen in Hollywood und an der Wall Street, an Schulen und in Armenvierteln halten dieses tödliche Geschäft in Gang. Amerika ist der Süchtige, der seinen Dealer ausschalten soll. 90 Prozent des Kokains, das in den USA geschnupft wird, kommt aus Mexiko, schätzen Drogenfahnder. Die USA sind der größte Markt, auf dem die Kartelle ihr Kokain, Heroin und Marihuana verkaufen.
....
.... Die Amerikaner liefern auch noch die meisten Waffen, mit denen in den letzen zehn Jahren 50.000 Menschen ermordet wurden. An der Grenze zu Mexiko findet man mehr Waffenhändler als gefälschte Handtaschen. 90 Prozent aller Waffen in Mexiko stammen aus den USA, denn die Mexikaner haben ein sehr strenges Waffengesetz. In den USA kann man dagegen leichter eine Waffe kaufen als einen Tequila.
....

Quelle und vollständiger Artikel: tagesschau.de
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ManOfConstantSorrow

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #9 am: 20:51:08 So. 24.Juni 2012 »
Es ist schon  absurd. Die Linke Szene zeigt sich absolut unfähig zu einem zentralen Problem eine brauchbare Haltung zu entwickeln. Drogenpolitik ist ein Wirtschaftsthema, es geht auch um seelische Bedürfnisse und Lust, um Sein und Schein, um Freiheit und Unterdrückung. Um Dinge, zu denen man eigentlich viel sagen könnte und müßte.

Es kommen inzwischen recht gute Lösungsvorschläge eher von staatlichen Stellen und gelegentlich sogar Konsevativen, denn von Linken. Die sind scheinbar zu ängstlich, dogmatisch und lustfeindlich.

Wir hatten Mitte der 80er ein Flugblatt erstellt um auf die Verlogenheit in der Drogendiskussion aufmerksam zu machen. Die US Regierung hatte erst zu einem "War an Want" geblasen, einem "Krieg gegen die Bedürfnisse" und wollten die Menschen auf ein Leben in Armut vorbereiten. Man soll nichts mehr "wollen" neben dem Überlebensnotwendigen.  Der Nächste Schrit war der "War on Desire", der Krieg gegen die Sehnsüchte. Es ging ums Eingemachte, ums Innere, um Träume und Lüste. Das sollte nicht länger Sache des Einzelnen sein, sondern des Staates und der Kirche.

Ja, all das wurde wohl von den "Linksradikalen" schön verinnerlicht. In einem autonomen Zentrum prangt im Konzertsaal "Love Music - Hate Sexism". In diesem Klima wurde schon heftiges Angebaggere als Sexismus angepragert. Die Katholische Kirche wird stolz auf Euch sein! Und in der hiesigen Anarchokneipe wird das Rauchverbot strikt durchgesetzt, während die traditionellen Spießerkniepen das Gesetz gerne brechen.

Die USA sind ein Land, in dem Monsanto in der Regierung sitzt, die lebensfeindliche Auto- und Ölindustrie mit nahezu unbegrenzter Macht ausgestattet wurde und der arme Teil der Bevölkerung in den Kriegen des Landes verheizt wird. Und diese US Kultur maßt sich an Rauchen, Sex vor und außerhalb der Ehe, Kiffen und anderes als Sünde und Verbrechen zu geißeln? In den Mangermeetings der Großkonzerne wird Koks gereicht, auch republikanische Politker gönnen sich gern ne Nase (auch unser Richter Gnadenlos Ronald Schill). Diese Regeln gelten halt nur für das einfache Volk.

Unser Flugblatt forderte eine radikale Dekriminalsierung aller Drogen, auch der harten. In der Roten Flora in Hamburg, einer Hochburg der autonomen Szene, wollte man die Verteilung des Flugblatt verhindern. Als wir es dennoch verteil hatten, wurde schleunigst ein Gegenflugblatt gemacht.

Es ist schon erbärmlich. Die Moralapostel stehen links. Es war ein sozialdemokratischer Richter aus Lübeck, der mit dem Argument, der Mensch habe ein "Recht auf Rausch" die Dekriminalisierung des Kiffens einführte. Inzwischen finden sich selbst europäische Polizeichefs, die auch einer Dekriminalisierung harter Drogen positiv gegenüberstehen. Selbst Republikanische US Politiker, mit Wirkungsbereich in der Nähe der Mexikanischen Grenze, sehen eine Entkriminalisierung die einzige Möglichkeit den Drogenkrieg zu beenden, der bereits ca. 50.000 Menschenleben gekostet hat.

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Eivisskat

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #10 am: 21:03:23 So. 24.Juni 2012 »
In dem Zusammenhang sei auch an die wichtige Arbeit und die Bücher - gerade auch über Drogenpolitik - von Günter Amendt erinnert, der leider letztes Jahr bei einem absurden Autounfall ums Leben kam.

http://de.wikipedia.org/wiki/Günter_Amendt

http://www.guenteramendt.de/

ManOfConstantSorrow

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #11 am: 21:25:02 So. 24.Juni 2012 »
Danke für diesen Hinweis!

Günther Amnend* war ein hervorragender Beobachter und Analytiker der Drogenpolitik.
Ein Autor voller Menschlichkeit und Humor.

Er fehlt. Ich sehe auch niemanden, der in seine Fußstapfen tritt.

* auch ein führender Dylantologe dieses Landes...  ;)
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Eivisskat

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #12 am: 00:06:03 Mo. 25.Juni 2012 »

Eivisskat

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #13 am: 07:24:55 Mo. 25.Juni 2012 »
Günther Amendt R.I.P

Zitat
Zur Erinnerung an Günter Amendt: ein Videoschnipsel aus dem Jahre 2000 im Schanzenpark auf dem Hamburger Hanffest.(im Anschluss an seinen Vortrag "No Drugs - No Future" im Museum für Völkerkunde.)




Wege zu einer zeitgemäßen Drogenpolitik - LSD Symposium 2006

Zitat
Wege zu einer zeitgemässen Drogenpolitik
Mit Günter Amendt, Mathias Bröckers, Roger Liggenstorfer, Luc Saner, Moderation: Thomas Kessler

Der amerikanische «War on Drugs» bildet nur den sichtbaren Höhepunkt einer internationalen Drogenpolitik, die mit verschiedenen Ellen misst und stark von wirtschaftlichen Interessen und irrationalen Motiven bestimmt wird. Eine zeitgemässe Drogenpolitik sollte sich an der Gefährlichkeit der Drogen orientieren, nicht daran, ob sie legal oder illegal sind.

Die Schweiz -- und insbesondere die Stadt Basel -- spielt eine Vorreiterrolle bei der Suche nach einer pragmatisch orientierten Drogenpolitik; wenngleich der Nationalrat letztes Jahr die Chance verpasst hat, neue -- schon ausgearbeitete -- fortschrittliche Gesetzesgrundlagen zu diskutieren.

Eine Runde von Drogenexperten, Politikern, Publizisten und Aktivisten skizziert Auswege aus der verfahrenen Situation hin zu einer vernünftigen und zeitgemässen Drogenpolitik.

LSD-Kongress Symposium Info: http://www.lsd.info
Medienprojekt PSI-TV: http://www.psi-tv.de

Kuddel

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #14 am: 16:08:53 Mo. 02.Juli 2012 »
Zitat
Drogen
Uruguay will staatlichen Verkauf von Marihuana organisieren

Wo der Bedarf zum Kiffen zum Geschäft für den Staat wird: Im südamerikanischen Land Uruguay plant die Regierung, künftig Marihuana staatlich zu vertreiben - bei strikter "Kontrolle über die Abgabe und Produktion".


Die Regierung im südamerikanischen Uruguay will den staatlichen Verkauf von Marihuana erlauben. "Wir glauben, dass ein Verbot bestimmter Drogen mehr Probleme für die Gesellschaft schafft als die Drogen selbst - mit desaströsen Folgen", sagte Verteidigungsminister Eleuterio Fernández Huidobro vor Journalisten in der Hauptstadt Montevideo.

Ziel des Plans sei eine "strikte staatliche Kontrolle über die Abgabe und Produktion" von Cannabis. Das Vorhaben ist Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem die Regierung gegen Gewalt vorgehen will.

Dem Kongress in Uruguay liegen derzeit drei Vorschläge zur Legalisierung des Hanf-Anbaus zum eigenen Gebrauch vor. Die Regierung lehnt diese ab. Sie befürchte, Uruguay könnte dann als "internationales Zentrum für den Anbau und die Verteilung von Drogen" gelten, sagte Fernández Huidobro. Er schätzt, dass in seinem Land jährlich Marihuana im Wert von 75 Millionen Dollar (gut 59 Millionen Euro) illegal konsumiert wird.
http://www.sueddeutsche.de/politik/kampf-gegen-drogen-kriminalitaet-uruguay-will-staatlichen-verkauf-von-marihuana-erlauben-1.1389219