Autor Thema: Drogenpolitik  (Gelesen 113627 mal)

Troll

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #210 am: 15:08:31 Mo. 24.September 2018 »
Wenn das Medizinische dabei nicht auf der Strecke bleibt wäre die bittere Kröte zu schlucken, aber Pharma hat im Medizinbereich die Macht und eine Cannabis-Legalisierung heißt nicht automatisch eine bezahlte medizinische Cannabis-Therapie. Im medizinischen Bereich ist Cannabis eigentlich ja heute schon legalisiert, aber die Patienten müssen nach wie vor gegen Windmühlen kämpfen, die politischen Betonköpfe tun sich bei der eigenen Gesetzgebung schwer weil sie ein populistisches Resultat sind das sie eigentlich ablehnen, und des Ministers wohlfühlen steht über jedem Gesetz, auch dem selbst geschriebenen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Rudolf Rocker

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #211 am: 19:36:17 Do. 04.Oktober 2018 »
Der Vorteil bei medizinische Cannabis ist, das die Dosierung immer die Gleiche ist.
So wie z.B. bei Ibuprofen in jeder Tablette die Gleiche Wirkdosis ist, ist es beim med. Cannabis auch.
Außerdem ist es frei von "Zusatzstoffen" (Streckmittel), wie sie bei "Stoff" aus dubiosen Quellen vorkommt.
Grade das Problem der Dosierbarkeit ist aus medizinischem Blickwinkel nicht unbedeutend.

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #212 am: 10:08:03 Fr. 05.Oktober 2018 »
Schon, dennoch muss ich schon anfangen zu lachen wenn Schulmediziner über die tödlichen Gefahren von Naturheilmitteln warnen, da kam mal ein Artikel über Pflanze "weiß nicht mehr" die in Massen (>kg) verzehrt tödlich sein kann, in Naturheilmitteln aber nur in mg bis Gramm verwendet wird, na da möchte ich mal eine ähnliche Sichtweise auf pharmazeutische Wirkstoffe lesen, da braucht man nicht mal kg zu essen um tot umzufallen.
Nicht chemische Wirkstoffe scheinen grundsätzlich als gefährlicher bewertet zu werden, vielleicht weil der Mensch bei Beschwerden gerne unmäßig reagiert, viel hilft viel, ist aber auch schulmedizinisch weit verbreitet. Erst schießen, dann fragen.
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Onkel Tom

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #213 am: 20:18:12 Fr. 05.Oktober 2018 »
Ich muss da auch lachen anhand von Drogenaufklärung durch den Lehrer..

Meine jüngere Schwester kam von der Schule, hatte Unterlagen zum Untericht
Thema Drogen, mit der sie mich austestete ob ich Ahnung zum Thema habe.
Die Kommunikation wurde turbulennt, wie es um Cannabis ging und vom Sucht-
potenzial dem Heroin gleich gestellt wurde.. (macht sofort süchtig)..

Später, in meiner Berufsausbildung bekam ich in der Berufsschule den gleichen
Müll serviert. Ich hörte nur genau zu und zum Ende sagte ich dem Lehrer etwa
folgendes : Ich finde Drogenaufklärung ok, aber hat ein großes Manko. Stellen
sie sich vor, jemand lernt hier irgendwann eine Tüte kennen und stellt nach ein
paar Tagen fest, das Cannabis doch nicht süchtig macht..
Glauben sie dann wirklich, das die wahrheiten über Heroin dann auch noch
geglaubt werden ?

Heerlicher Anblick, wie ihm die Kinnlade runter fiel.

Er hat es dann soweit korregiert, das Cannabis seelich süchtig machen kann.
Lass Dich nicht verhartzen !

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #214 am: 09:52:03 Sa. 06.Oktober 2018 »
Wer beim aufklären lügt erweist sich einen Bärendienst.
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Rudolf Rocker

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #215 am: 09:58:48 So. 07.Oktober 2018 »
Schon, dennoch muss ich schon anfangen zu lachen wenn Schulmediziner über die tödlichen Gefahren von Naturheilmitteln warnen, da kam mal ein Artikel über Pflanze "weiß nicht mehr" die in Massen (>kg) verzehrt tödlich sein kann, in Naturheilmitteln aber nur in mg bis Gramm verwendet wird, na da möchte ich mal eine ähnliche Sichtweise auf pharmazeutische Wirkstoffe lesen, da braucht man nicht mal kg zu essen um tot umzufallen.
Nicht chemische Wirkstoffe scheinen grundsätzlich als gefährlicher bewertet zu werden, vielleicht weil der Mensch bei Beschwerden gerne unmäßig reagiert, viel hilft viel, ist aber auch schulmedizinisch weit verbreitet. Erst schießen, dann fragen.

Schon der alte Paracelsus wusste: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“
Es ist eben eine Grundvorrausetzung für die Zulassung eines Medikaments, das die Wirkdosis immer gleich ist.
Aber eigentlich wäre es das Sinnvollste, wenn jeder THC- haltiges Cannabis selbst anbauen dürfte.

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Re:Drogenpolitik
« Antwort #216 am: 17:38:46 So. 07.Oktober 2018 »
Habe schon in Studien über die Dosisfindung gelesen, die Ärzte waren "überrascht" weil eine geringere Dosis größere Wirkung erzielte, als Laie würde man mit einer niederen Dosierung anfangen und dann langsam steigern bis zum besten Nutzen, als Laie halt, Experten machen es eben anders, Laie kann das nicht verstehen.
War glaube ich Fingolimod, jetzt Gilenya, ein Wirkstoff der aus einem Pilz gewonnen wurde, heute chemisch nachgebaut.
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Re: Drogenpolitik
« Antwort #217 am: 14:12:56 So. 10.Februar 2019 »
Zitat
Kurze Durchsage der WHO:

The World Health Organization has suggested that cannabis should be downgraded, or "rescheduled," given the mounting evidence showing that the drug could prove beneficial in treating a number of health problems.

Quelle: Fefes Blog

Doch so schnell, ärztlich verschriebenes Cannabis über eine Apotheke zu beziehen ist trotz Zulassung mehr als ein Glücksspiel, es ist so gut wie nicht zu bekommen.
Wo war/ist das nochmal mit der Mangelwirtschaft, all Furz sind wichtige Medikamente in Deutschland nicht mehr zu bekommen, jeden Dreck gibt es hier im Überfluß aber wichtige Medikamente, die schnappt wohl die unsichtbare Hand des Marktes weg.
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Kuddel

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #218 am: 11:24:27 Mi. 20.Februar 2019 »
Zitat
Massive Kritik an Dutertes tödlicher Antidrogenpolitik

20.000 Tote innerhalb von drei Jahren - das ist die Bilanz des philippinischen Kriegs gegen Drogen.


Sein Kampf gegen die Drogenkriminalität hat bislang 20.000 Menschen das Leben gekostet. Wenn es nach Rodrigo Duterte geht, dem philippinischen Präsidenten, dann ist das erst der Anfang seines Kriegs gegen Drogen. „Adolf Hitler hat drei Millionen (sic!) Juden massakriert. Nun, wir haben drei Millionen Drogenabhängige. Ich würde sie gerne abschlachten“, sagte er 2016. Wer Zweifel daran hatte, dass er’s ernst meint, den belehrte der philippinische Außenminister jetzt eines Schlechteren. „Ich sage Ihnen etwas: Ich habe das selber schon gesagt, bevor er es gesagt hat“, sagte Teodore L. Locsin Jr.. und lehnte im Gespräch mit der ARD am Rande der Botschaftseröffnung in Berlin eine Entschuldigung oder Distanzierung ab: „So hat er sich ausgedrückt. Seine Politik hat allen Umfragen nach größeres Vertrauen geschaffen. Warum sollten wir das aufgeben?“

Niels Annen (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, sagte dem Tagesspiegel, jeder Vergleich der einzigartigen Gräueltaten des Holocaust verbiete sich. Unabhängig davon gelte: "Die mit dem sogenannten Krieg gegen Drogen zusammenhängenden Tötungen sind völlig inakzeptabel und stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar." Die Bundesregierung kritisiere das Vorgehen der philippinischen Regierung "von Beginn an konsequent".
https://www.tagesspiegel.de/politik/philippinen-massive-kritik-an-dutertes-toedlicher-antidrogenpolitik/24012810.html

"Die Bundesregierung kritisiere (...) konsequent..."

Blablabla.

War against drugs is war against the poor!


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Re: Drogenpolitik
« Antwort #219 am: 09:57:59 Do. 07.März 2019 »
Zitat
Wie die Droge Spice in Manchester wütet

Für Obdachlose wirkt die Droge wie eine Erlösung. Doch Spice richtet Menschen zugrunde – und breitet sich in Großbritannien rasant aus.
Sie nennen es die Zombiedroge. Weil Spice das aus dir macht. Einen, der im Stehen schläft, einen, an dem die Tage vorbeidämmern. Einen, der mehr tot zu sein scheint als lebendig.
Es ist ein kurzer Fußweg von Manchesters Hauptbahnhof Piccadilly Station bis zum Straßenbahnstopp Piccadilly Gardens. Die 600 Meter Richtung Stadtzentrum geben dem, der darauf achtet, eine Ahnung davon, wie verbreitet Spice hier ist. Vor Supermärkten, Hotel- und Hauseingängen kauern Dutzende Männer und eine Handvoll Frauen. Schmutzige Gesichter, Schatten unter den Augen, eingefallene Wangen, oft nicht mehr Besitztümer als einen Quadratmeter Pappkarton, auf dem sie sitzen, und die Kleidung, die sie tragen. Manche betteln. Manche sind dazu nicht in der Lage. An einem Ampelmast vor einem Supermarkt sitzt Richard. Er hat nur noch wenige Zähne, zerfurchte Haut, seine blauen Augen schauen aus tiefen Höhlen. Er sagt: „Wenn ich auf Spice bin, ist es, als ob mir jemand das Gewicht von den Schultern nimmt.“
Spice ist eine Droge, die sich in den vergangenen Jahren rapide in Großbritannien verbreitet hat. Zuerst ist sie als so genanntes Legal High in den Umlauf gekommen, als Substanz, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fiel und im regulären Handel vertrieben werden konnte. Im vergangenen Sommer richteten sich 20 Polizeikommissare mit einem offenen Brief ans britische Innenministerium, sie warnten, Spice sei die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit seit Jahrzehnten. In Manchester ist sie offensichtlich.
Quelle: Tagesspiegel

Via NDS

Egal wo man hinblickt, Neoliberalismus ist der Stall des Augias, leider ganz real und global wütend.
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Kuddel

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #220 am: 13:30:32 Mo. 17.Juni 2019 »
Eine radikale Wende in der Drogenpolitik ist notwendig.
Entkriminalisieren!
Zitat
Drogenpolitik:
Abhängige sind Patienten, keine Kriminellen

Wegen Drogenkonsum muss in Portugal niemand ins Gefängnis. Seit 2001 ist das so. Damals fürchteten Kritiker Chaos. Heute ist klar: Mehr Menschen überleben, weniger fixen.


..."Wir sehen Abhängige als Patienten, die medizinische Versorgung benötigen. Wir wollen ihnen helfen, nicht ihre Krankheit bestrafen", sagt Manuel Cardoso, Mediziner, Experte im Gesundheitswesen und stellvertretender Generaldirektor der nationalen Suchtpräventionsbehörde Sicad. Dieser Ansatz basiert auf den zwei Grundsätzen der portugiesischen Drogenpolitik: Humanismus und Pragmatismus. Ersteres, weil Sucht eine äußerst menschliche Eigenart ist. Und Letzteres, weil die Kriminalisierung eher selten den Konsum unterbindet. "Die Drogen verschwinden nicht, nur weil man sie verbietet", sagt Cardoso.

Mit der Reform machte Portugal Besitz und Konsum von Drogen zum Thema des Gesundheitswesens. Zuvor war es den Ressorts Justiz und Inneres zugeordnet...
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-05/drogenpolitik-therapie-entkriminalisierung-drogenkonsum-portugal?utm_source=pocket-newtab

Das Beispiel Portugal beweist, daß es funktioniert.

Kuddel

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #221 am: 10:35:51 Di. 13.August 2019 »
Drogenpolitik ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema.
Kriminalisierung schützt niemanden.
"War against drugs is war aigainst the poor."

Zitat
Verbot ohne Wirkung
Nie war es so leicht und billig, sich illegal zu berauschen. Konsumenten zu kriminalisieren, hilft nicht


In Deutschland ist der Drogenkonsum auf dem Vormarsch. Und das liegt nicht daran, dass das Unternehmen Kunstmühle Reisgang in Bayern kürzlich Roggenmehl zurückrufen musste, das Halluzinationen auslösen konnte, weil es zu viele Alkaloide enthielt – jene Stoffe, die im Mutterkorn entstehen und auf deren Grundlage LSD synthetisiert wurde. Nein, der jahrelangen Prohibitions- und Kriminalisierungspolitik zum Hohn nimmt der Konsum illegaler Substanzen seit 2012 wieder kontinuierlich zu. Cannabis ist dabei Spitzenreiter, doch auch harter Stoff wird immer beliebter. Dank sinkender Preise und verbesserter Verfügbarkeit durch Internet und Lieferservice ist es nie so leicht und so billig gewesen, sich zu berauschen.

Noch immer haftet sogenannten harten Drogen der Ruf des Verruchten, Amoralischen, Hedonistischen an. Es mag stimmen, dass sie nach wie vor zuvorderst dem „Befindlichkeitsmanagement“ dienen, als Wach- und Glücklichmacher, so sind vor allem Aufputschmittel wie Amphetamin längst auch ein Leistungstreibstoff moderner Gesellschaften. Schon über Adorno gibt es die von Marcel Reich-Ranicki überlieferte Anekdote, dass er zu einer Fernsehsendung erschien und sich dafür entschuldigte, bereits Amphetamin konsumiert zu haben, um das Arbeitspensum des Tages zu bewältigen. Heute nutzen Studenten lernintensiver Fächer wie Medizin oder Jura in jeder Universitätsstadt das legale Ritalin, das gegen ADHS verschrieben wird und chemisch mit Amphetaminen verwandt ist, um Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Dieser Leistungs-Konsum korrespondiert mit den Formen internalisierter Ausbeutung einer neoliberalen Gesellschaft.

Was nicht wirkt, ist die Politik

Doch der hedonistische Konsum macht nach wie vor den Großteil der Drogennutzung aus. In Berlin ist die Partyszene längst ein Wirtschaftsfaktor geworden. Hunderttausende Touristen strömen in die Clubs der Stadt, auf der Jagd nach der authentischen Berlin-Erfahrung. Am beliebtesten sind dabei nach wie vor Amphetamin, bekannt als „Speed“ oder „Pep“, und MDMA, in Form von Ecstasy-Pillen oder kristallin. Dazu kommen das ebenfalls sehr beliebte Narkotikum Ketamin sowie einige weniger verbreitete Stoffe wie Mephedron, Crystal Meth oder GHB. Am drastischsten nimmt wohl der Kokainkonsum zu. In den letzten drei Jahren haben sich die Koks-Rückstände im Abwasser verdoppelt. Kein Wunder also, dass der Tagesspiegel vor einigen Wochen schrieb, der Stadt drohe eine „Kokain-Epidemie“. Auch was die Drogentoten angeht, nimmt Berlin die Spitzenposition in Deutschland ein. 191 waren es 2018. Davon gehen über 100 allerdings auf das Konto des Opiats Heroin, das eine Sonderrolle einnimmt. Es spielt weder als Leistungssteigerungsmittel noch in der Partyszene eine sonderlich große Rolle und ist zugleich eine der gefährlichsten Drogen.

Die deutsche Drogenpolitik zeichnet sich dabei durch Ignoranz und Inkompetenz aus. Die Linie der Politik ist einfach: Repression und Kriminalisierung, Prävention durch Bildungsarbeit, die meist in Form von „Wirf dein Leben nicht weg“-Kampagnen auftritt. Das Problem: Nichts davon scheint besonders gut zu wirken. Die meisten Erstkonsumenten stellen recht schnell fest, dass ein moderater Konsum von Partydrogen, Kokain oder Ketamin – von Cannabis ganz zu schweigen – durchaus zu vereinbaren ist mit einem Leben, das in normalen Bahnen verläuft. Die Justiz ist überlastet. Die meisten Drogendelikte, die vor Gericht kommen, sind Konsumentendelikte. Nimmt man denen die Drogen weg, kaufen sie halt neue. An die Händler, das organisierte Verbrechen, kommen die Fahnder selten ran. Und selbst große Funde an den Häfen und Flughäfen des Landes können dem Preis nichts anhaben – er fällt seit Jahren, für alle Drogen. Und wenn es sinnvolle Präventions- oder Suchtprogramme gibt, dann wurden sie der Politik in der Regel abgetrotzt. Das gilt für die seit Ende der 1980er bestehenden Substitutionsprogramme für Heroinabhängige genauso wie für das Drug-Checking-Programm, das bald in Berlin starten soll.

Dabei sollen Konsumenten ihre gekauften Drogen auf Wirkstoff, Dosierung und Streckungsmittel untersuchen lassen können. Vorbild sind ähnliche Programme in Wien und Zürich. Ziel ist, den Konsum sicherer zu machen. Die Proben können anonym eingereicht werden; bis das Ergebnis eintrifft, dauert es aber ein paar Tage. Der Realität des Konsums dürfte das nicht gerecht werden. Viele kaufen die Drogen erst kurz vor dem Club-Besuch beziehungsweise im Club selbst. Um Drug-Checking effektiv zu gestalten, müsste es eigentlich vor Ort im Schnellverfahren gemacht werden.

Aufklärung über sicherere Konsumformen und Risiken wird bisher vor allem von der Zivilgesellschaft betrieben. Im Internet gibt es Seiten, auf denen Ecstasy-Pillen nach Form und Farbe gesucht werden können, um den Wirkstoffgehalt zu erfahren. In Berliner Clubs bemüht sich seit einiger Zeit ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen namens „Sonar“ um Aufklärung, was Risiken des Konsums angeht und wie er sicherer gestaltet werden kann.

Der Opposition in der Hauptstadt ist das Drug-Checking freilich ein Dorn im Auge. Man schaffe so weitere Konsum-Anreize. Die Argumentation gleicht der in der Flüchtlingspolitik: Wer Risiken minimiert, verleite erst dazu. Doch angesichts von wachsendem Konsum, fallenden Preisen und mehr Drogentoten könnte das Scheitern der bisherigen Politik kaum offensichtlicher sein. Der von der Deutschen Aidshilfe und dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit Anfang Juli herausgegebene „Alternative Drogen- und Suchtbericht“ fordert ein Umdenken. Im Zentrum steht dabei das Plädoyer, der Kriminalisierung der Konsumenten ein Ende zu bereiten. In ihrer Liberalität gehen die Experten unterschiedlich weit. Während manche am Verbot nicht rütteln, jedoch Besitz zwecks Eigenbedarf entkriminalisieren wollen, fordern andere langfristig die Freigabe selbst harter Drogen. Diese könnten dann kontrolliert und sicher abgegeben werden. Nebenbei würde dem organisierten Verbrechen ein gewaltiger Geschäftsbereich entzogen werden.

Polizisten lenken ein

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), beschränkt ihr Festhalten am Status quo meist auf Aussagen, die man als „Drogen sind verboten, weil sie illegal sind“ paraphrasieren kann. Angesichts ihres Wechsels ins Europaparlament fordern Experten, auf den Posten gehöre endlich jemand, der etwas von der Angelegenheit verstehe – und kein Politiker.

Bei den Sicherheitsbehörden scheint sich langsam etwas zu bewegen, zumindest in Berlin. Im Tagesspiegel-Report kamen hochrangige Beamte der Berliner Polizei zu Wort, die gar für einen Rückgriff auf Paragraf 31a BtMG plädierten. Dieser erlaubt es, von der Strafverfolgung abzusehen, wenn jemand „Betäubungsmittel lediglich zum Eigenverbrauch in geringer Menge anbaut, herstellt, einführt, ausführt, durchführt, erwirbt, sich in sonstiger Weise verschafft oder besitzt“. Für Cannabis ist das in Berlin seit Jahren Realität, in anderen Bundesländern gilt die Regelung auch bei Heroin und Kokain bis zu einem Gramm. Infolge der hohe Eigenbedarfsgrenze von 15 Gramm pro Person ist Gras in der Hauptstadt faktisch legalisiert. Eine ähnliche Handhabe von Kokain und Co. würde Polizei und Justiz massiv entlasten – und die Konsumenten weniger in die Illegalität treiben.[/b]
https://www.freitag.de/autoren/lfb/verbot-ohne-wirkung


Kuddel

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #222 am: 16:53:20 So. 22.September 2019 »
Zitat
Zeuge der Toten
Philippinen. Ein katholischer Missionar widersetzt sich dem brutalen Anti-Drogen-Krieg des Präsidenten
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/zeuge-der-toten

Ein recht langer und wirklich finsterer Bericht.

Zitat
Fischer sollen auf Befehl von PNP-Beamten im Hafen von Manila Leichen ins Wasser geworfen haben. Frauen wurden erpresst und zum Sex gezwungen, wenn sie verhindern wollten, dass ihren männlichen Familienmitgliedern etwas zustößt. Leichen sind nach Einbruch der Dunkelheit auf Bordsteinen und in Häuserecken aufgetaucht, die Köpfe in Packband eingewickelt, um die Folterspuren zu verbergen, mit Botschaften versehen, die sie auf einem Karton um den Hals trugen: „Pusher Ako“ („Ich bin ein Drücker“). Solche Inszenierungen sind an den Schauplätzen und Tatorten des Anti-Drogen-Krieges alltäglich. Die Internetseite Rappler, die oppositionelle Nachrichtenagentur der Philippinen, weist darauf hin, dass Beutel mit Shabu (das Methamphetamin, das im Mittelpunkt des Drogenkrieges steht), so häufig und offensichtlich in den Taschen der Opfer auftauchen, dass der Gedanke naheliegt, sie seien dort platziert worden. Fast ebenso oft liegt eine Waffe – meist eine verrostete Kaliber 38 – neben der Leiche oder in der Hand des Opfers. In manchen Fällen treffen die Rettungswagen schon vor der Polizei an der Wohnung der Zielperson ein, und künden so von der bevorstehenden Gewalt.

Am Finstersten ist wohl dies:
Zitat
Doch trotz all des Blutvergießens und so alarmierend dieses Vorgehen auch erscheinen mag, erfreut sich Duterte nach wie vor großer Beliebtheit.

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #223 am: 20:07:40 So. 26.Juli 2020 »
Zitat
Riskiert die Freigabe von Drogen!

Das Betäubungsmittelstrafrecht muss dringend neu ausgerichtet werden. Denn eine übertriebene Kriminalisierung verursacht mit das Elend, das es zu bekämpfen gilt.
https://www.sueddeutsche.de/politik/kolumne-heribert-prantl-dorgensucht-cannabis-legalisierung-bundesverfassungsgericht-1.4977733?reduced=true

Leider verschwindet der Kommentar von Heribert Prantl hinter der Bezahlschranke.

Es geht hier nicht einfach um die Interessen irgendwelcher Kiffer. Es geht auch um sogenannte "harte Drogen". Es ist ein enorm wichtiges politisches Thema. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Der Krieg gegen Drogen ist ein Krieg gegen die Armen!

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Re: Drogenpolitik
« Antwort #224 am: 12:22:50 Mo. 27.Juli 2020 »
Die Reichen werden sich kaum ihre Drogen nehmen lassen bzw. selbst weg nehmen, Drogenkonsum in diesen Kreisen scheint eh eine vernachlässigbare Ausnahme.
Drogen sind ein zu gutes Geschäft und Machtinstrument.
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