Autor Thema: Stunk bei den Kieler Nachrichten!  (Gelesen 47133 mal)

ManOfConstantSorrow

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Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« am: 21:28:25 Mi. 12.Mai 2010 »
Kieler Nachrichten servieren Drucker ab

Die Kieler Nachrichten wollen ihre Druckerei-Belegschaft auswechseln. Mit der Gründung eines Betriebsrats habe das nichts zu tun, so die Zeitung. Die bisherigen Mitarbeiter werden dennoch ausgeschlossen.
VON KRISTIANA LUDWIG

Streikende Redakteure der "Kieler Nachrichten":
 Bisher hat sich ihr Betriebsrat nicht mit den Leiharbeitern in der Druckerei solidarisiert.



Offiziell haben die Kieler Nachrichten (KN) nichts gegen Betriebsräte. "Nach unserer Erfahrung ist ein kompetenter Betriebsrat generell und besonders in Krisenzeiten unverzichtbar", ließ sich Geschäftsführer Christian Heinrich Ende April in seiner Zeitung zitieren. Nicht so gern sieht es die Geschäftsführung aber offenbar, wenn die 389 Leiharbeiter des zeitungseigenen Druckzentrums einen Betriebsrat gründen: Die Tabel-Gruppe, bei der die Leiharbeiter angestellt sind, ist zum 1. Juli raus - das war demselben Artikel zu entnehmen.

Bei Tabel bekommen die Arbeiter einen Stundenlohn von 6,14 Euro. Die Leiharbeitsfirmen TMI aus Ahrensburg, Stark Unternehmensgruppe aus Bremen und Mahnsen aus Kiel, die nun den Zuschlag für die Druckerei bekommen haben, sollen laut KN Stundenlöhne zwischen 7,60 Euro und 11,40 Euro bezahlen. Gerade wegen dieser Eckdaten "in Bezug auf Lohn und Gestaltung der Arbeitsverträge" seien sie ausgewählt worden, ließ die Zeitung wissen. Allerdings wollte auch Tabel sich im Falle eines Zuschlags für mehr Lohn einsetzen.

Ganz überraschend kam die Nachricht für die Leiharbeiter in der Druckerei nicht. Bereits im Februar, wenige Tage vor der Gründung des Betriebsrats, war ihnen von der Tabel-Gruppe gekündigt worden - vorsorglich, wie der Geschäftsführer Rüdiger Tabel später beteuern sollte. Die Kieler Nachrichten hätten ihm schon damals signalisiert, dass der Auftrag nicht verlängert werde. Der technische Leiter der KN, Sven Fricke, habe ihm gegenüber erklärt, dass der neue Betriebsrat ein "Wettbewerbsnachteil" sei.

Womöglich in der Hoffnung, den Auftrag doch noch zu bekommen, hatte die Tabel-Gruppe die Betriebsratswahl noch im Februar angefochten. Nach Auskunft des Betriebsrats zeigte der von Tabel eingesetzte Geschäftsführer vor Ort bei Klagen jedoch auf die Kieler Nachrichten, die in der Druckerei nach wie vor das Hausrecht haben und leitende Positionen besetzen. Ihm sei etwa beschieden worden, das "Büro im 1. OG des Druckzentrums", das als Betriebsratsbüro fungierte, könne nicht länger vermietet werden, "da in den nächsten Tagen dort unsere Trägerlohnabrechnung einzieht". Beschäftigte berichten, der Raum habe seitdem leer gestanden.

Nach dem Aus für Tabel Ende April versuchten die Kieler Nachrichten den Eindruck zu zerstreuen, sie hätten etwas gegen einen Betriebsrat in der eigenen Druckerei. In einem Gespräch mit Vertretern von Ver.di Kiel-Plön, den neuen Druckerei-Betriebsräten und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels habe die Leitung der Kieler Nachrichten "glaubhaft entkräften können", dass die mittlerweile arbeitsrechtlich geschulte Belegschaft bei den neuen Firmen nicht wieder eingestellt werde, sagte Ver.di-Geschäftsführerin Susanne Schöttke.

Die interne Stellenanzeige der TMI Service GmbH, die Anfang vergangener Woche bei der Agentur für Arbeit einging, widerspricht dem allerdings deutlich. "BITTE BEACHTEN …", steht dort: "KEINE ehemaligen Tabel-Mitarbeiter buchen."

Beschäftigte der Firma Mahnsen, die bereits einen Auftrag im Vertriebsbereich am Druckzentrum hat, haben in der vergangenen Woche neue Kollegen mitgebracht. Tabel-Arbeiter berichten, dass sie sich zu ihnen an die Geräte gestellt hätten, um "einfach mal zuzuschauen". Die Stark Holding GmbH sucht per Stellenanzeige im Anzeigenblatt Kieler Express schon ab Mitte Juni nach "Staplerfahrer/innen" - obwohl die alte Belegschaft noch bis zum 30. Juni beschäftigt sein wird.

Ohne eingearbeitete Mitarbeiter bräche der Druckereibetrieb zusammen, sagt der Betriebsratsvorsitzende der Tabel-Leiharbeiter, Marcus Peyn. Dann könnten die Kieler Nachrichten externe Druckaufträge wie den der Hamburger Morgenpost verlieren. Die Leiharbeitsfirmen, die laut Ver.di-Sekretär Heino Stüve ebenfalls für Fehler belangt werden können, scheinen das Risiko des Personalaustauschs in Kauf zu nehmen.

Im Gegensatz zu den Betriebsräten der Hamburger Morgenpost und der Bergedorfer Zeitung hat der Betriebsrat der Kieler Nachrichten bisher noch keine Solidarität zu den 389 entlassenden Leiharbeitern bekundet. Der Betriebsratsvorsitzende Richard Ernst möchte dazu "keine Auskunft geben."

http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/kieler-nachrichten-servieren-drucker-ab/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Hedgegina

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #1 am: 16:13:32 Do. 13.Mai 2010 »
War ja klar. Die Kieler Nachrichten sind ein qualitativ schlechtes Käseblätt mit teilweise schlecht recherchierten Beiträgen - und von der politischen Gesinnung eher im rechten/konservativen Feld einzuordnen. Dass die nix für ihre ArbeitnehmerInnen tun, erstaunt mich nicht....  >:(

WeckerWeg

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #2 am: 15:49:30 Mi. 19.Mai 2010 »
Moin,
Samstag gibts ne Diskussionsrunde mit den LeiharbeiterInnen im Subrosa, bei Interesse wird sie fortgesetzt.
Im Web gibts noch zwei Artikel zu dem Konflikt:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/170639.ganz-nach-gutsherrenart.html
http://foerdefluesterer.de/Artikel/News/Die-Kieler-Nachrichten-und-ihre-Leiharbeiter.2297.html

Der Einladungsflyer geht so:

Zitat
LeiharbeiterInnen bei den Kieler Nachrichten wehren sich!

Gegen Leiharbeit und miese Arbeitsbedingungen!


Im Jahr 2000 haben die Kieler Nachrichten in ihrem Druckzentrum einen großen Teil der ArbeiterInnen entlassen um sie mittels Leiharbeit neu einzustellen. Zu Löhnen, die nur noch halb so hoch waren. Auch die Arbeitsbedingungen wurden seitdem massiv verschlechtert. Aber die 380 LeiharbeiterInnen, angestellt bei der Firma Tabel, wehren sich seitdem dagegen. Unter anderem haben sie dieses Jahr einen Betriebsrat gegründet. Deshalb hat die KN die Verträge mit der Leiharbeitsfirma gekündigt. Ende Juni droht den ArbeiterInnen die Entlassung.

Wir laden ein zu einer Inforunde mit den kämpfenden LeiharbeiterInnen. Sie werden uns Aktuelles über ihre Situation erzählen und wir wollen gemeinsam eine mögliche Unterstützung ihres Kampfes und eine breitere Bewegung gegen Ausbeutung und Leiharbeit in Kiel diskutieren.

Samstag, 22. Mai, 17:30 Uhr
Subrosa, Elisabethstraße 25, Kiel - Gaarden
Es lädt ein: Kieler Krisentreffen
Infos im web: www.chefduzen.de (Betriebe in Kiel)
we don´t work for the manni!

dejavu

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #3 am: 01:53:27 So. 23.Mai 2010 »
Und, wie ist es gegangen im Subrosa? Gibt es einen Bericht?
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #4 am: 18:32:15 Fr. 28.Mai 2010 »
Das Treffen war sehr gut.
Es sind nun Unterstützungsaktionen geplant.
Am 10.6. soll es eine Kundgebung geben.

Und jetzt der Hammer:
Da die Arbeiter durch noch billigere Leihkeulen ersetzt werden sollen, und diese noch nicht vorhanden sind, springt das Jobcenter ein: Ein Sklavenhändler, der scheinbar nichteinmal über ein eigenes Büro verfügt, erhält Räumlichkeiten des Arbeitsamtes um Vorstellungsgespräche zu führen.

Das Jobcenter finanziert Lohndumping und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in einem kieler Betrieb!



dejavu

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #5 am: 04:45:30 Sa. 29.Mai 2010 »
Das ist ja wirklich frech, diese Nummer des Arbeitsamtes! Schätze mal, ich werd es schaffen am 10.06. in Kiel anzutanzen!
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

WeckerWeg

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #6 am: 14:31:00 Sa. 29.Mai 2010 »
Also, ich finde auch, dass die Inforunde im Subrosa eine gute Sache war. Es waren etwa 20 Leute da, darunter vier von den betroffenen LeiharbeiterInnen und ansonsten eine recht bunte Meute. Und durch das Verteilen und Kleben der Flyer für die Veranstaltung haben auch sehr viele Leute von dem Konflikt überhaupt erstmal etwas gehört. Insgesamt haben wir ca. 1200 Flyer verteilt.

Da die meisten noch nicht sehr viel von der Auseinandersetzung wussten, haben die Tabel-Leute zu Beginn einiges über die Geschichte des Konfliktes erzählt.

Da gibt es auch noch einen Blog mit umfangreichen Informationen:
http://kielkontrovers.wordpress.com/2010/05/20/mazak-kn-unsoziale-arbeitsbedingungen-in-kiel-teil-i/
http://kielkontrovers.wordpress.com/2010/05/26/politblog-aus-kiel-mazak-kn-–-unsoziale-arbeitsbedingungen-in-kiel-–-teil-ii/

Anschließend haben wir uns gemeinsam Gedanken darüber gemacht, wie wir von Aussen den Kampf unterstützen können. Anfangs gab es da etwas Ratlosigkeit. Vielleicht nicht trotz der recht heftigen Zustände in dem Druckzentrum, sondern grade deswegen. Da scheinen einem die kleinen Ideen, die man so im Kopf hat nicht angemessen. Da müsste viel mehr passieren....
Zusätzlich haben wir uns noch über die Situation in anderen Betrieben und in den Jobcentern ausgetauscht.

Aber es wurde dann doch konkreter, da ist die vom Admin angekündigte Kundgebung nur ein Teil. Es gab auch Ideen, wie Transpis an Brücken aufzuhängen und andere Aktionen um mehr Öffentlichkeit herzustellen. Heute ist, wie (fast) jeden Samstag auch wieder ein Infostand von den LeiharbeiterInnen in der Innenstadt. Ist zwar jetzt etwas spät, aber bis 17 Uhr sind sie noch dort.

Nächste Woche sollen übrigens schon die ersten von den neuen LeiharbeiterInnen in den Betrieb kommen um Notfalls die Produktion aufrecht zu halten.
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WeckerWeg

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #7 am: 00:49:43 Fr. 04.Juni 2010 »
Noch zur Info: die Kundgebung am 10.Juni findet nicht statt! Dafür soll es eine Demo und ein Fest geben, ich schreib nächste Woche mal mehr.
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admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #8 am: 13:34:54 Fr. 04.Juni 2010 »
Kurz nochmal zum konkreten Hintergrund. Es ist ja nichts neues, daß Leiharbeiter als Lohndrücker eingesetzt werden. Hier haben Leiharbeiter begonnen sich zu wehren und einen Betriebsrat gegründet. Jetzt wollen die KIELER NACHRICHTEN sich der Aufmüpfigen der Firma TABEL entledigen, indem sie eine andere Leihfirma anheuert. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Leiharbeit. Die Arbeitskräfte sind nicht mehr eine zusammenhängeden Gruppe, sondern zersplittert, vereinzelt und flexibel von dem Auftraggeber einsetzbar und absetzbar. Die gewerkschaftliche Forderung nach "EQUAL PAY" ändert nichts an dieser Situation, ein Unternehmer wird auch bei einem gleichen Lohn die Flexiblität und Rechtlosigkeit der Leiharbeiter vorziehen!

Mir liegt ein Interview mit einigen Betroffenen vor. Ich zitiere mal daraus:

Zitat
Bevor wir den Betriebsrat hatten, kam es häufiger vor das die Leute Schichten von 16 oder 18 Stunden machen sollten und aber nach 10 Stunden nach Hause wollten. Da hat man diese Stundenzettel einfach weggenommen, verschlossen, und so konnte keiner mehr seinen Zeitnachweis aufschreiben. Wenn er nach Hause gegangen wäre, hätte er für Lau gearbeitet. Das kann sich keiner bei uns leisten.
Zitat
Die Gespräche über Verträge werden mit KN-Verantwortlichen geführt?

Nein, das war eine Disponentin von Tabel. Die war vorher bei der KN und ist 2004 rüber nach Tabel gewechselt und wird jetzt wieder KN-Angestellte.

Sie hatte nämlich in ihrem Arbeitsvertrag geregelt, dass sollte Tabel irgendwann da rausgehen wird sie wieder die Möglichkeit haben zur KN zurückzukommen. Das wurde auch so vollzogen, ab 1.Juli wird sie wieder KN-Angestellte sein.
Zitat
Es gibt auch Leute die sind nie über 12 Stunden rübergekommen und andere die regelmäßig auch 18 Stunden gemacht haben. Je nachdem mit wem sie es machen können. Wer sich das gefallen lässt...

Vor kurzen wurde auch eine Kollegin vom Einlegen weggenommen um nur noch zu sortieren. Weil wenn sie die Maschine hochgedreht haben hat diese Frau, die mittlerweile über 70 Jahre alt ist Probleme gehabt da noch das Papier zu bewegen. Da wird auch keine Rücksicht drauf genommen. Und selbst wenn sie mal eine Ablöse brauchte oder an einer Beilage stand die unheimlich schwer war, ihr wisst wie schwer Papier sein kann, über 10 Stunden hinweg ohne Pause oder die Möglichkeit sich mal hinzusetzen. Im Jahr 2006 wurden ja auch noch alle Stühle entfernt aus reiner Schikane. Die Frau konnte so nicht mehr arbeiten und hat sich dann mit einem aus der KN-Geschäftsleitung angelegt. Sie meinte es geht so nicht, so könnt ihr mich nicht behandeln. Sie leistet da schon seit 15 Jahren einen super Job, trotz ihres Alters, sagte sie zu dem. Die Folge war, dass sie dann nur noch kleine Tätigkeiten machen durfte. Ihr wurden keine Schichten mehr zugeteilt. Sie wurde dann auch aus dem Druckzentrum versetzt. Dann durfte sie bei den KN nur noch Botengänge machen über drei Stunden. Sie hat also gar keine Stunden mehr zusammen gekriegt Sie fällt ja auch aus allen Rentengeschichten raus, ihr Mann hat nicht richtig für sie geklebt, sitzt dann da alleine und kriegt grad mal eine Grundsicherung die noch unter Harz IV-Niveau ist. Die ist anwiesen auf so eine Scheiße, muss irgend einen Job machen wo sie ihre 400 Euro zusammen-kriegt.

Samstag ist am Asmus Bremer Platz wieder Infostand von ca. 10 bis 17 Uhr von den KN-Leihkeulen.

Kuddel

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #9 am: 21:34:20 Fr. 04.Juni 2010 »
Der schlechte Ruf dieses Blattes ist inzwischen auch bei Wikipedia angekommen:

Über die KN:
Zitat
Aktuell werden Dumping-Löhne, Entrechtungen und Einschüchterungen bei den Kieler Nachrichten kritisiert, so z.B. in einem Bericht der Bundestagsabgeordneten der Linken, Cornelia Möhring.

Dann habe ich mal auf der HP von Cornelia Möhring geschaut:
Zitat
Das häßliche Gesicht des Kapitalismus: Outsourcing, Lohndumping, Entrechtung, Einschüchterung

Im Druckzentrum der Kieler Nachrichten stellen die Firmen TB Personaldienste GmbH, Tabel GmbH und PND Service GmbH (Tabel Gruppe) mit 389 Teilzeitarbeitnehmer/innen die Produktion und Weiterverarbeitung diverser Zeitungen (unter anderem die Kieler Nachrichten, Kieler Express, Hamburger Morgenpost, Blitz Mecklenburg, Hamburger Wochenblätter) sicher. Die Arbeitsbedingungen sind alles andere als „Gute Arbeit“: Dort gibt es nur Teilzeitbeschäftigung ohne Stundenbeschränkung. Der Stundenlohn von 6,14€ ist nicht einmal bei einer Vollzeitstelle existenzsichernd, er entspricht 1062,-€ brutto bei einer Vollzeitstelle. Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer/innen zum großen Teil unregelmäßig eingesetzt werden und ihnen keine feste Stundenzahl garantiert ist. Wer auf das Geld angewiesen ist, ist zu „Wohlverhalten“ erpressbar, sonst gibt es keine Schichten. Von dieser Disziplinierungspraxis wird bei der Tabel Gruppe auch Gebrauch gemacht.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche, einen Betriebsrat zu installieren, um sich nicht alles widerspruchslos gefallen lassen zu müssen. Diese Versuche wurden jedoch durch gezielte Kündigungen und massiven Druck jedesmal sofort verhindert.
Seit Oktober 2009 werden die Kolleginnen und Kollegen durch ein starkes Team aus der Gewerkschaft Ver.di, der Bundestagsabgeordneten Cornelia Möhring und dem Betriebsratscoach Wolfgang Behrs unterstützt und haben die Betriebsratswahl auf den Weg gebracht.

Die Geschäftsführung der Tabel Gruppe reagierte: Mit Aushang vom 19.1.2010 wurde allen Mitarbeitern ihre betriebsbedingte Kündigung angekündigt. Dabei stellt die Tabel Gruppe den Vorgang so dar, dass die Kieler Nachrichten den Verarbeitungsauftrag erst gekündigt habe, nach dem vergeblichen Versuch, die Preise dort zu erhöhen, um den Kolleginnen und Kollegen höhere Löhne zahlen zu können. Man werde sich selbstverständlich für den neuen Auftrag bewerben. In den Tagen danach gingen den Kolleginnen und Kollegen die betriebsbedingten Kündigungen zu, mittlerweile schon bis zu acht einzelne Kündigungen, da einige Formfehler enthielten.

Am 25.1.2010 fand im Gewerkschaftshaus eine Versammlung der Kolleginnen und Kollegen statt. Ca. 200 von ihnen haben inzwischen Rechtsschutz bei Ver.di beantragt und erheben Klage gegen diese Kündigung. Ver.di hat dazu allen neuen Mitgliedern von der ersten Minute der Mitgliedschaft an Rechtschutz gewährt, damit die Kolleginnen und Kollegen vor Gericht gut vertreten sind.

Die Kündigungen sind der dreiste Versuch der Tabel Gruppe, die Betriebsratswahl doch noch zu verhindern und ihre Beschäftigten einzuschüchtern. Merke: Wenn Du einen Betriebsrat willst und mehr Geld verlangst als 6,14 €, dann verlieren wir leider den Auftrag und Du den Job. Auch die Wahlvorstandsmitglieder sowie die Kandidaten zur Betriebsratswahl wurden trotz eindeutigen gesetzlichen Kündigungsschutzes gekündigt.

Und es kommt noch besser: Nachdem das Schleswig-Holstein Magazin sich für die Angelegenheit interessiert, versuchte die Geschäftsführung der Tabel Gruppe, den Beschäftigten per Aushang einen Maulkorb zu verpassen und drohte ihnen –völlig rechtswidrig - 250,-€ Vertragsstrafe an, wenn sie der Presse über ihren Fall berichten.

Jedoch wächst auch die Unterstützung für die Belegschaft der Tabel Gruppe. Die Ratsfraktionen von SPD, Grüne und Linke im Kieler Rathaus ließen sich gestern das Geschehen bei der Tabel Gruppe vom Ver.di-Sekretär Heino Stüve berichten und waren entsetzt über diese Vorgänge, auch sind die ersten Abo-Kündigungen bei den Kieler Nachrichten eingegangen.
 
Deutschland 2010: Wie kommt es zu einem solch dreisten Fall von Lohndumping, Ausbeutung und unwürdigen Arbeitsbedingungen ?


Schon seit einigen Jahren erodiert in Deutschland das „Normalarbeitsverhältnis“. Immer weniger Menschen haben gute Arbeitsbedingungen und unbefristete Arbeitsverhältnisse. Immer mehr Unternehmen trennen sich von Belegschaftsteilen, die sie nicht zur „Kernkompetenz“ ihrer Unternehmung zählen und kaufen deren Leistung zu. So hat auch die KN im Jahre 2000 das Verarbeitungszentrum „outgesourct“ und lässt es von Personaldienstleistern betreiben.

Diese Branche hat sich seit der Liberalisierung der Leiharbeit durch die erste rot-grüne Bundesregierung und die Hartz -Gesetze mit ihren „Personalserviceagenturen“ und ihrem Druck, so gut wie jeden Arbeitsplatz annehmen zu müssen, ausgebreitet wie eine Grippewelle. Statt Auftragsspitzen abzudecken, was eine sinnvolle Funktion der Zeitarbeit sein könnte, (die in Ländern wie Österreich und Frankreich übrigens auch gut bezahlt wird), ist sie für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer längst zur Dauerfalle geworden: Es gibt ihn nicht, den von den Politikern versprochenen massenhaften „Klebeeffekt“, der dazu führen soll, dass Arbeitnehmer dem Auftraggeber ihres Arbeitseinsatzes gut gefallen, und dort ein festes Normalarbeitsverhältnis finden. Stattdessen gibt es für diese Kolleginnen und Kollegen nur noch schlecht bezahlte Stellen in Zeitarbeitsfirmen oder Arbeitslosigkeit. Und ganze Arbeitsbereiche florierender Firmen gehen zur Profitsteigerung an diese Branche, die dann von schlecht bezahlten Zeitarbeitnehmern in Dauerstellung –wie bei den KN- abgearbeitet werden.

Was tun?


Die Liberalisierung der Zeitarbeit muss sofort rückgängig gemacht werden, die dringendste Maßnahme dabei ist die gesetzliche Anordnung von „Equal Pay“, gleichem Lohn für gleiche Arbeit- egal, ob der Arbeitgeber ein Betrieb der Druckindustrie oder eine Zeitarbeitsfirma ist. Dieses politische Ziel der LINKEN müssen wir weiter propagieren und versuchen, zur gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Ob der dazu nötige gesellschaftliche Druck erreicht werden kann, ist angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht auszumachen.

Aber als Sofortmaßnahme hilft das den Kolleginnen und Kollegen der Tabel Gruppe nicht: Es wird darauf ankommen, dass der neu gewählte Betriebsrat alles versucht, um die Weiterführung des Unternehmens und die Rücknahme der Kündigungen zu erreichen. Dazu reichen die Rechte eines Betriebsrates bei Weitem nicht aus, dafür braucht es politischen und ökonomischen Druck, vor allem auf die KN und die anderen Zeitungen, die in Kiel verarbeiten lassen. Und dazu benötigen die Kolleginnen und Kollegen die Unterstützung von Ver.di sowie unsere Unterstützung durch Know-How und Öffentlichkeitsarbeit.

Zweitbeste Lösung wäre ein materiell gut ausgestatteter Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten .
Lasst uns die Kolleginnen und Kollegen mit allen Kräften, die wir haben, unterstützen. Lasst uns hier ein Exempel statuieren, damit Deutschland nicht für einen großen Teil der Bevölkerung, nämlich für alle prekär Beschäftigten Kolleginnen und Kollegen zurückfällt in die autoritären und teils entwürdigenden Strukturen vordemokratischer Zeiten.

Meike Lüdemann (LAG Betrieb & Gewerkschaft)
http://www.cornelia-moehring.de/politik/veroeffentlichungen/detail/zurueck/veroeffentlichungen-2/artikel/das-haessliche-gesicht-des-kapitalismus-outsourcing-lohndumping-entrechtung-einschuechterung/


Kuddel

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #10 am: 12:30:37 Sa. 05.Juni 2010 »
Ich war da. Der Stand am Asmus-Bremer-Platz war aber von einer Aktion gegen die Gesundheitskarte und den gläsernen Patienten.

Der Tabel Stand ist 100m weiter im Holstentörn, neben Café Fiedler.
Da war man guter Dinge, berichtete von 1500 Unterschriften und zahlreichen KN-Abokündigungen.

admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #11 am: 14:15:11 Sa. 05.Juni 2010 »
Hier ist die Anzeige des Sklavenhändlers, der gegen das "betriebsratsverseuchte" TABEL Unternehmen Billiglöhner anheuern soll:



TMI, eine Tochter des Springer Konzerns!

admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #12 am: 19:18:29 Mo. 14.Juni 2010 »
Was hier in Kiel passiert, verdient bundesweit Beachtung.
Leiharbeiter funktionieren nicht immer als Schachfiguren im Spiel der Profitmaximierung. Leiharbeiter sind nicht immer Opfer, sie können sich auch organisieren und kämpfen.

Nach den Leiharbeitern bei VW in Hannover gibt es nun in Kiel einen weiteren Beleg, daß sich in diesem Bereich etwas bewegt. Dies kam von den Betroffenen selbst.

Man machte, wie auch die Kollegen in Hannover mit der Gewerkschaft erstmal schlechte Erfahrungen:

Zitat
Etwa der Richard Ernst, der BR-Vorsitzende von den Kieler Nachrichten, der hat sich niemals um unsere Belegschaft gekümmert. Obwohl der BR das eigentlich noch hätte tun müssen, da die KN nämlich lange lange Zeit noch an diesem Scheiss-Verein beteiligt war. Weil die ja die TB Verlagsdienstleistungen selbst gegründet haben. Die wurden erst 2004 vollkommen an Tabel verkauft. Aber es gab noch Minderheitenanteile bis Oktober 2009, die sind aber nicht ganz nachzuvollziehen – auch im Handelsregister nicht. Ver.di behauptet aber immer, dass es das gab, da ist die Frage wie ver.di da informiert ist. Richard Ernst ist der BR-Vorsitzende der KN und gleichzeitig hat er die Position inne, die jetzt Marcus Rohwer hat. Nämlich Ortsvorsitzender vom ver.di-Fachbereich 8. Und immer wenn jemand zu ver.di gegangen ist und hat gesagt, er möchte einen BR gründen bei der Firma Tabel, da hat der Heino Stüwe erstmal gesagt „Ja super, machen wir“. Irgendwann dringt es dann zu Richard Ernst durch, der hat die Geschäftsleitung informiert über die Person. Und zack, waren die Leute weg.

In Hannover haben einge ihre Gewerkschaftsausweise öffentlich verbrannt. In Kiel blieb man zäh und übernahm gewerkschaftliche Strukturen:
Zitat
Im Ortsverein ist der jetzt weg. Das haben wir quasi übernommen. Am 7. März sind wir mit einer guten Anzahl an Mitgliedern und Beteiligten aus der Tabel GmbH dort aufgeschlagen und Marcus hat sich zur Wahl gestellt. Er hat mit großer Mehrheit gewonnen gegen Richard Ernst, und ist jetzt der Ortsvorsitzende. Der gesamte Ortsvorstand besteht nur noch aus Tabel-Mitgliedern außer JP der bei Litho und Scannertechnik arbeitet.


Kuddel

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #13 am: 13:56:53 Do. 17.Juni 2010 »
Zitat
UNRUHE UNTER LEIHARBEITERN

Leiharbeiter organisieren Widerstand gegen Lohndumping durch die KIELER NACHRICHTEN. Jobcenter unterstützt verschärfte Ausbeutung und Entledigung von einer Belegschaft mit kämpferischischem Betriebsrat.



Das Erfolgsrezept Leiharbeit stößt für die Kapitalisten an ihre Grenzen. Die Flexibilität und der geringere Preis der Arbeitskraft sind eben nicht alles. Einige Betriebe haben ihre Versuche mit Leiharbeitern gemacht und sie wieder aufgegeben. Die Leiharbeiter haben sich an ihre neue Rolle angepaßt und sich mit ihr arrangiert. Eine „Scheißegal-Haltung“ hat sich ausgebreitet und für schlechtere Arbeitsbedingungen leistet man auch entsprechend weniger. Und während die Kollegen aus der Stammbelegschaft Angst haben ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wissen die Leiharbeiter, daß es andere Leihbuden wie Sand am Meer gibt, also was soll man schon fürchten!?!

Bisher galten ja Leiharbeiter als quasi unorganisierbar, doch dies scheint vorbei zu sein. Sie beginnen sich selbst zu organisieren. Im letzten Jahr waren es Leiharbeiter (bei VW) in Hannover, die begannen zu kämpfen. Als sie sich von der IG Metall im Stich gelassen fühlten, verbrannten sie öffentlich ihre Gewerkschaftsausweise und kämpften weiter. Sie machten einen Hungerstreik, protestierten, sammelten Unterschriften und zogen kollektiv vor's Arbeitsgericht. Ihr Kampf war erfolgreich.

Nun lohnt es, nach Kiel zu blicken: Die Kieler Nachrichten ersetzten einen großen Teil ihres Personals in Produktion und Vertrieb durch Leiharbeiter. Diese wollten sich Dumpinglohn und Arbeitshetze nicht auf Dauer bieten lassen. Ihre Versuche einen Betriebsrat zu gründen, wurde vom Betriebsratsvorsizenden der Kieler Nachrichten sabotiert. Hier verbrannte man nicht die Gewerkschaftsausweise, sondern es gelang, sich  einen Teil der Gewerkschaftsstrukturen anzueignen. Mit einer großen Zahl von Leuten von der Leiharbeitsfirma TABEL GmbH ging man in den Ortsvorstand von Verdi, wählte dort den verhaßten KN-Vertreter ab und ersetzte ihn durch einen Tabel-Kollegen. Die Kieler Nachrichten schäumten, weil sie es plötzlich mit einer Leiharbeitsfirma mit einem (echten!) Betriebsrat zu tun hatten. 400 Mitarbeiter der Tabel GmbH sollen nun auf die Straße gesetzt werden, um duch eine Belegschaft eines nicht „betriebsratsverseuchten“ Sklavenhändler ersetzt zu werden.

Ein besonderer Skandal ist hier die Mitwirkung des Jobcenters bei dem Untergraben von Arbeitsbedingungen und dem Aushebeln einer gewerkschaftlichen Vertretung. Der Sklavenhändler, der eine neue Belegschaft rekrutieren soll, verfügt in der Stadt nichteinmal über über ein eigenes Büro. Nun kann man in ein Büro des Jobcenters zum Vorstellungsgespräch kommen für den Job eines Streikbrechers, bzw. zu dem Brecher aller Errungenschaften des Kampfes.

Die Aktivisten von TABEL sind keine Politprofis. Sie haben jedoch keinerlei Berührungsängste bei der Suche nach Unterstüzung. Man suchte Kontakt zu den Parteien und zeigte sich offen für die sozialen Bewegungen. Von der Linkspartei erfuhr man spürbare Unterstützung und traf sich auch mit Leuten von der FAU und Aktivisten von Chefduzen („Forum der Ausgebeuteten“). Da die KN über ein Meinungsmonopol in der Region verfügen, wurde es zu einem Problem die Öffentlichkeit zu erreichen. Schon ein Artikel in der TAZ bewies sich als hilfreich. Man schrieb auch für kleine linke Zeitungen und schaffte es, den Wikipedia-Eintrag über die Kieler Nachrichten um einen Absatz über die Lohndumpings-Politik des Verlags zu ergänzen.

Die Zusammenarbeit mit sozialen Bewegungen und linken Aktivisten hat Früchte getragen. Es gab eine Informationsverantaltung mit Aktivisten des Tabel-Kampfes im Subrosa (Kneipe der Polit-Szene). Zur Unterstützung kam es auch zu Transparentaktionen. In der ganzen Stadt wurden Flyer und Plakate zur Information über die Machenschaften der Kieler Nachrichten verklebt und seit Wochen betreiben die Leiharbeiter Samstags einen Infotisch in der Kieler Fußgängerzone. Flublätter wurden erstellt und bisher über 1500 Unterschriften gesammelt.  Die KN haben Abokündigungen zu verzeichnen.




Für den 30.6. planen die 400 Leiharbeiter eine Demo durch Kiel.
http://de.indymedia.org/2010/06/284238.shtml

Revolutzer

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #14 am: 18:26:00 Fr. 18.Juni 2010 »
Auch hier nochmal der Hinweis das die Kieler Nachrichten zu der SHZ gehören. Zu der SHZ gehören fast alle Lokalen Käseblätter in Schleswig Holstein, die meiner Meinung nach alle nicht lesbar sind.

Vielleicht liegen auch bei den anderen Käseblätter schon solche asozialen Pläne vor.


Oh Alkohol, oh Alkohol
du bist mein Feind das weiß ich wohl
Doch in der Bibel steht geschrieben
du sollst deine Feinde lieben.