Autor Thema: Stunk bei den Kieler Nachrichten!  (Gelesen 47969 mal)

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #15 am: 11:03:11 Sa. 19.Juni 2010 »
Druck von unten bewirkt einiges:
Ein gewerkschaftliches Flugblatt, das nicht "Equal Pay" fordert, sondern gegen Leiharbeit ist.

Geht doch! ;D


Kuddel

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #16 am: 13:00:32 Mo. 21.Juni 2010 »
Hier findet man Links zu diversen Presseberichten über den Fall:
http://www.labournet.de/branchen/medien-it/druck/index.html

admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #17 am: 19:52:42 Do. 24.Juni 2010 »



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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #18 am: 18:19:36 Mi. 30.Juni 2010 »
Zitat
Im Paket gefeuert
PREKÄRE BESCHÄFTIGUNG 389 Leiharbeiter der "Kieler Nachrichten" stehen ab 30. Juni 2010 auf der Straße. Gekündigt wurde ihnen kurz vor ihrer ersten Betriebsratswahl.
Von Karin Flothmann
   

Peyn (R.), Zuske (L.), Akbag (2.v.L.)
   
   
KARIN FLOTHMANN ist Journalistin in Berlin

BetriebsRATsbedingte Kündigung!" Auf einem großen Bettlaken tragen die Leiharbeiter die Botschaft am 1. Mai durch die Kieler Innenstadt. Rund 80 Produktionshelferinnen und -helfer von den "Kieler Nachrichten" (KN) sind gekommen, um mitzudemonstrieren. Einer der Demonstranten ist Markus Rohwer. Er klettert am Ende des Marschs auf die Bühne und erklärt den Kielern, was Sache ist: "Die komplette Produktion der ,Kieler Nachrichten' wird in die Hände von ein paar hundert Leiharbeitern gelegt! Wussten Sie das?" Rohwer hebt seine Stimme: "Wir fordern, dass die ,Kieler Nachrichten' uns Leiharbeiter zurück in ihre Belegschaft einbinden." Und endet: "Schluss mit dem Prekariat!" Markus Rohwer war im März zum Ortsvorsitzenden des ver.di-Fachbereichs Druck und Medien in Kiel gewählt worden. Auch er hatte Ende Januar seine Kündigung erhalten. Da war er noch einer von 389 Produktionshelfern im Druckzentrum der KN - neben 50 Druckerhelfern, die auch Leiharbeiter einer anderen Firma sind und nochmal sovielen Druckern, die man als Stammbelegschaft bezeichnen kann.

KÜNDIGUNG WEGEN BR-GRÜNDUNG_ Die 389 Produktionshelfer fanden am 19. Januar ein Schreiben ihrer Leiharbeitsfirma Tabel GmbH am Schwarzen Brett des Kieler Druckzentrums. "So haben wir von unseren Kündigungen erfahren - per Aushang", erzählt Marcus Peyn. Das war genau zwei Wochen vor der geplanten Betriebsratswahl der Leiharbeiter. Anfang Februar wählten die Produktionshelfer Marcus Peyn dann zu ihrem ersten Betriebsratsvorsitzenden. Für Peyn liegt es auf der Hand, dass die Kündigungen der 389 Leiharbeiter mit der Gründung seines Betriebsrates zusammenhängen. Schon zweimal in den letzten zehn Jahren hätten Kollegen versucht, einen Betriebsrat für die Leiharbeiter zu gründen. Jedes Mal wurde Druck ausgeübt. Wer versuchte, sich zu engagieren, hatte schnell die Kündigung in der Hand. "Die Einschüchterungen hatten immer Erfolg", weiß Peyn. Doch der 27-Jährige ließ sich nicht kleinkriegen. Er holte sich Hilfe bei ver.di, erhielt Unterstützung von Politikern der Linksfraktion im Bundestag und von der Kieler SPD, und beim dritten Anlauf klappte es.

"Auch wir sind KN", prangt mitten auf einem kleinen Button. Der 27-jährige Betriebsrats-Vorsitzende der Leiharbeiter Marcus Peyn trägt ihn stolz am Revers, als er am 11. März seine erste Betriebsversammlung eröffnet. Der junge Mann mit der punkigen Frisur gestikuliert gern mit ausladenden Bewegungen, wenn er erzählt. Er hat die Vorgeschichte recherchiert: Die Leihfirma TB Personaldienste GmbH, bei der er beschäftigt ist, war im August 1998 von einem leitenden Angestellten der "Kieler Nachrichten" gegründet worden. Das kam billiger. Wer als festangestellter Produktionshelfer bei den KN 12,90 Euro Tariflohn verdient hatte, bekommt heute 6,14 Euro pro Stunde.

Später wurde die TB an die Tabel-Gruppe, einen Personaldienstleister, verkauft. Die kommuniziert vorzugsweise per Aushang mit ihren Mitarbeitern. Wenige Tage nach der Kündigungsinfo am Schwarzen Brett hatte der NDR über die Massenentlassungen berichtet. Daraufhin fanden die Leiharbeiter des Druckzentrums wieder einen Zettel an ihrer Pinnwand: "Sehr geehrte Damen und Herren", hieß es da, "heute möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Interviews, egal, ob für Fernsehen oder Radio, vorher ausdrücklich von der Geschäftsleitung genehmigt werden müssen." Unter diesem Text befand sich in Kopie ein Auszug aus den Arbeitsverträgen, der darauf hinweist, dass ein Zuwiderhandeln gegen "die Verschwiegenheitsverpflichtung" eine fristlose Kündigung und eine Vertragsstrafe in Höhe von mindestens 250 Euro nach sich zieht.

BETRIEBSVERSAMMLUNG_ Sie ließen sich nicht einschüchtern. 150 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter versammeln sich Mitte März in der kleinen Kantine des KN-Druckzentrums in Kiel. Die Geschäftsleitung der Tabel-Gruppe hat wieder ein knappes Fax geschickt. Betriebsrat Peyns auffälliger Spitzbart wippt, als er daraus vorliest. "Wir wünschen Ihnen für Ihre Versammlung viel Erfolg." Gekommen ist keiner der Chefs. "Die kneifen", ruft einer der Arbeitnehmer laut. Marcus Peyn erinnert zu Beginn der Sitzung noch einmal, wie es zu der heutigen Situation gekommen ist. Man habe mit den "Kieler Nachrichten" über eine höhere Vergütung des Dienstleistungsvertrags der TB GmbH verhandelt, "um letztlich auch Ihre Stundenlöhne zu erhöhen." Es sei zu keiner Einigung gekommen, die Entlassungen seien die Folge.

Die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sind empört. Unter ihnen Rentnerinnen, die ihre Altersversorgung mit der Schichtarbeit aufbessern, Studenten und Hilfsarbeiter oder Frauen wie Babette Zuske. Die ausgebildete medizinisch-technische Assistentin kam vor neuneinhalb Jahren zur Leiharbeit, eher "per Zufall". "Ohne uns würde der Laden hier nicht laufen", sagt die 43-Jährige. Denn zum Schluss muss bei aller Automatisierung doch an vielen Stellen Hand angelegt werden. Die Produktionshelfer sorgen dafür, dass den "Kieler Nachrichten" Werbung beigelegt wird, die Zeitungen verpackt und palettenweise auf Lkws geladen werden.

Babette Zuske hat einen Teilzeitvertrag ohne Stundenangaben. Für ihre Nachtschichten bekommt sie wöchentlich einen neuen Arbeitsplan, der ihr die Tage und Anfangszeiten ihrer Schichten nennt. Wann sie fertig ist, weiß sie nie im Voraus. "Manchmal, wenn ich um 22 Uhr beginne, heißt es schon nach vier Stunden, um zwei Uhr nachts: Jetzt kannst du gehen", erzählt sie. Dann fährt kein Bus mehr, und Babette Zuske hat nur die Wahl, 50 Minuten zu Fuß nach Hause zu laufen oder den Tagesverdienst für ein Taxi auszugeben. An anderen Tagen arbeitet sie 14 oder 16 Stunden am Stück.

Mal kommt sie so auf eine 20-Stunden-Woche, ein andermal auf 55 Stunden. Zu Anfang des Monats weiß sie nie genau, wie viel sie am Ende im Portemonnaie haben wird. "Das ist ein ständiges Jonglieren", beschreibt sie ihr Leben. Und sie streift sich resolut eine blonde Strähne aus dem Gesicht. "Du weißt nie, ob der Kühlschrank am Ende des Monats voll ist oder leer bleibt."

Ihrem Kollegen Kadim Akbag geht es ähnlich. Seine Berufsausbildung konnte der heute 38-Jährige aufgrund eines Unfalls nicht abschließen. Bei Tabel begann er als 400-Euro-Jobber. "Ob ich damals Schichten bekommen habe, war reinstes Roulette-Spiel", sagt Akbag. Denn immer montags ab 14 Uhr müssen die 400-Euro-Kräfte die Disponentin von Tabel anrufen, um neue Arbeitsschichten zu bekommen. "Manchmal habe ich von zwei bis fünf am Telefon gesessen, und immer war besetzt", erzählt der Vater einer Tochter. Erwischte Kadim Akbag später jemanden am Telefon, hieß es: "Tut uns leid. Alle Schichten für diese Woche sind vergeben. Versuchen Sie es nächsten Montag wieder."

Heute arbeitet Akbag wie Babette Zuske mit einem Zeitvertrag ohne Stundenangaben. Rund 900 Euro verdient er so monatlich bei den KN. Viele seiner Kollegen haben am Ende des Monats weniger - die bekommen aufstockend Hartz IV. "Wie können die Gesetze in diesem Land so sein, dass der Staat noch zuzahlt, obwohl ich arbeite?", fragt sich Kadim Akbag und schüttelt den Kopf.

Manchmal wird seine Arbeit bei der KN auch einfach erzwungen. Wie am Freitag. Kadim Akbag wollte um acht Uhr morgens nach zehn Stunden Arbeit nach Hause gehen, "da sagte der Pförtner zu mir: Ich kann dich nicht rauslassen - Anweisung von oben!" Vorsorglich waren die Türen abgeschlossen. Akbag ging zurück in die Halle und arbeitete bis zehn Uhr weiter. Er traute sich nicht, Rabatz zu machen. "Das nächste Mal rufst du mich sofort an", sagt Betriebsratsvorsitzender Peyn zu ihm. "Das ist Freiheitsberaubung!"

"Eure Arbeitszeit darf maximal zehn Stunden betragen", erklärt Marcus Peyn seinen Kollegen während der Betriebsversammlung. "Wer länger arbeitet, verliert den Versicherungsschutz!" Der Betriebsratsvorsitzende fordert alle Kolleginnen und Kollegen auf, solche Vorfälle künftig den Schichtleitern zu melden. Die Leiharbeiter reagieren verunsichert. Immerhin brauchen sie alle das Geld, da kommt eine lange Schicht nicht ungelegen.

DAS ERINNERT AN GALEERENSKLAVEN_ "Lasst euch nicht einschüchtern!", appelliert auch Heino Stüve auf der Betriebsversammlung an die Leiharbeiter. "Immerhin habt ihr es nach zehn Jahren erstmals geschafft, euch einen Betriebsrat zu wählen." Der ver.di-Mann kümmert sich um die mehr als 130 Kündigungsklagen, die inzwischen von den Leiharbeitern eingereicht wurden. Und kann erste Ergebnisse verbuchen: Zumindest die Kündigungen der Betriebsratsmitglieder sind hinfällig, stellt er klar.

Als die Kündigungen ausgesprochen waren, bot ver.di den Produktionshelfern Rechtsschutz und Beratung. Rund 250 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter wurden daraufhin Gewerkschaftsmitglieder. Stüve ist glücklich. So viele neue Gewerkschaftsmitglieder auf einen Schlag gab es in Kiel nicht, solange er denken kann. Zusammen mit dem Betriebsrat will der ver.di-Mann deshalb jetzt auch die miserablen Arbeitsbedingungen in dem Laden umkrempeln: Häufig gibt es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder im Urlaub, und der Nachtzuschlag beträgt gerade mal 25 Prozent anstatt der üblichen 50 Prozent. Stüve meint: "Eure Arbeit hier erinnert doch an Galeerensklaven!"

"Genau", ruft einer, "wir sollten streiken!" Kadim Akbag lacht. Gleichzeitig weiß er nicht so recht, ob er dem neuen Kampfgeist seiner Kollegen trauen soll: "Wenn ich sage, ich geh jetzt und streike, kriege ich anschließend keine Schichten mehr", gibt er zu bedenken. Einige Kollegen sehen die verzwickte Lage auch so. "Solche Repressalien wird es mit ver.di nicht mehr geben", verspricht Stüve.

Seit der Betriebsversammlung im März hat sich einiges getan. Inzwischen geht es Marcus Peyn und seinen fünf Betriebsratskollegen in erster Linie darum, einen Sozialplan mit seinem Arbeitgeber, dem Personaldienstleister Tabel-Gruppe zu verhandeln. Denn den Werkdienstleistungsvertrag für die 389 Produktionshelfer, die im Paket geheuert und gekündigt wurden, haben die "Kieler Nachrichten" nach den Kündigungen neu ausgeschrieben. Ende April war dann klar: Tabel erhält den Zuschlag nicht mehr. Bei einem Treffen mit dem Entleiher, der Geschäftsleitung der "Kieler Nachrichten", wurde den Betriebsräten der Leiharbeiter erklärt, die Firma Tabel habe einen "gravierenden Wettbewerbsnachteil" gegenüber ihren Konkurrenten, denn sie haben in ihrer Kalkulation neben einem Stundenlohn von 7,56 Euro auch noch Mittel für den Betriebsrat veranschlagt. Andere Firmen würden solche Probleme nicht mitbringen.

Statt der Firma Tabel werden ab dem 1. Juli künftig drei Zeitarbeitsfirmen Produktionshelfer an das Kieler Druckzentrum verleihen: die Stark-Unternehmensgruppe aus Bremen, die Firma Mahnsen aus Kiel, an der auch der Vertriebsleiter des "Kieler Express", Horst Stölting, beteiligt ist, und die Leiharbeitsfirma TMI aus Ahrensburg. Laut KN werden sie Stundenlöhne zwischen 7,60 Euro und 11,40 Euro bezahlen.

Im Gespräch mit der Geschäftsführung der KN "wurde uns beteuert", so erzählt Marcus Peyn, "dass man den neuen Firmen ans Herz gelegt habe, möglichst viele Leute von der Tabel-Gruppe zu übernehmen". Die Einstellungspolitik der neuen KN-Auftragsfirmen spricht eine andere Sprache: Die Stellenanzeige der Firma TMI, die Mitte Mai bei der Arbeitsagentur einging und nach neuen Produktionshelfern ab 1. Juli sucht, trägt den Hinweis: "Bitte beachten - keine ehemaligen Tabel-Mitarbeiter buchen!"

 Kiel während der Demo zum 1. Mai: "KN - so viel Lohndumping muss sein!", steht sarkastisch auf einem Banner neben der Redner-Bühne. Betriebsrat Marcus Peyn und seine Kollegen sammeln Unterschriften für ihr Anliegen. Sie fordern, dass die KN die Zusammenarbeit mit Leiharbeitsfirmen aufkündigt und ihre bisherigen Leiharbeiter zu Tariflöhnen einstellt. Viele Kieler sind empört über die Zustände vor ihrer Haustür. Auch die ehemalige Ministerpräsidentin des Landes Heide Simonis. Sie unterzeichnet den Aufruf der Leiharbeiter sofort.
http://www.boeckler.de/107_107466.html

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #19 am: 11:43:32 Do. 01.Juli 2010 »

Zitat
Stellungnahme zum Tabel-Konflikt

In Kiel hat sich der Konflikt um die MitarbeiterInnen der Tabel GmbH, die per Werk-/Dienstvertrag an die Kieler Nachrichten (KN) ausgeliehen werden in den letzten Monaten zugespitzt. Nachdem eine Betriebsratsgründung mit Hilfe der Partei Die Linke der KN und ver.di abgenötigt wurde, entschloss sich die KN, den Vertrag mit der Firma Tabel zu kündigen. Die Arbeit soll künftig von mehreren Leiharbeitsfirmen wie TMI, Mahnsen und der Starkgruppe übernommen werden.
Als Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) Kiel erklären wir uns solidarisch mit allen Beschäftigten im KN-Verbund, die unter prekären Bedingungen arbeiten. Die Situation der Tabel-Mitarbeiter ist dabei besonders prekär und zeigt, dass es sogar zur Leiharbeit noch eine Verschlechterung geben kann.

Der Konflikt zeigt, dass bestehende Gesetze die Arbeiterinnen nur unzureichend schützen. Es zeigt auch, dass die Gründung eines Betriebsrates noch nicht mit einem nachhaltigen Erfolg gleichzusetzen ist. Betriebe werden in virtuelle Unternehmen mit mehreren Subunternehmen umgewandelt , um nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“ flexibler gegen unliebsame Forderungen der Arbeiterinnen vorzugehen.

Es kann hierbei aber für Gewerkschaften nicht darum gehen, die verschiedenen Mitarbeiterinnen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, die Solidarität zwischen allen Betroffenen herzustellen. In diesem Zusammenhang ist auch der KN-Betriebsrat scharf zu kritisieren, der es bislang nicht geschafft hat, sich mit den outgesourcten Kräften zu solidarisieren.

Die FAU Kiel fordert die Kieler Nachrichten auf, die bestehenden Arbeitsplätze in die bestehende Firmenstruktur einzubeziehen, anstatt weiter auf eine Zersplitterung zu setzen. Darüber hinaus fordern wir von dem Betriebsrat der KN und ver.di, den Arbeitskampf der Tabel-Mitarbeiter zu unterstützen. ArbeitnehmerInneninteressen dürfen kein Spielball von Machtinteressen sein.

Die Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) lehnt eine Stellvertreterpolitik von ArbeiterInneninteressen ab. Im Mittelpunkt gewerkschaftlicher Arbeit müssen die unmittelbaren Interessen der Arbeiterinnen stehen. Die FAU betrachtet Leiharbeit und andere prekäre Beschäftigungsverhältnisse als Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung des Prinzips gleicher Lohn für gleiche Arbeit und tritt daher für eine Abschaffung dieser Beschäftigungsverhältnisse ein.
FAU Kiel, http://www.fau.org/ortsgruppen/kiel/



Zitat
Demo gegen Entlassungen bei den KN
30. Jun. 2010 15:30

Kiel (ots) „Gegen Leiharbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei den Kieler Nachrichten“ – unter diesem Motto rief die Gewerkschaft ver.di zu einer Solidaritäts-Demonstration mit den 389 Tabel-Beschäftigten auf, die im Zuge der Auseinandersetzungen bei den Kieler Nachrichten (KN) ihren Job verloren haben.

Die Demonstration begann am Mittwoch  um 10:30 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf dem Asmus-Bremer-Platz in der Kieler Innenstadt, führte weiter zum Hauptbahnhof und endete gegen 12 Uhr mit der Abschlusskundgebung auf dem Asmus-Bremer-Platz.

Nach der Ausgliederung der Weiterverarbeitung im Jahr 2000 lag die Bezahlung der bei der Leiharbeitsfirma „Tabel“ Beschäftigten mehr als die Hälfte unter dem Tariflohn der Stammbelegschaft. Die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich rapide: Mindestpausen wurden nicht gewährt, Höchstarbeitszeiten nicht eingehalten, ein Sitzverbot eingeführt. Die Gründung eines Betriebsrats in diesem Jahr wurde mit der Kündigung der Beschäftigten zum 30. Juni beantwortet.

Katharina Boehling, stellvertretende Vorsitzende des ver.di Ortsvereins Fachbereich 8 Kiel und selbst bei Tabel beschäftigt, erklärt dazu: „Die Kündigung der 389 Beschäftigten hängt unseres Erachtens offensichtlich mit der Gründung eines Betriebsrats zusammen. Dass miese Arbeitsbedingungen und Lohndumping von den Betroffenen nicht mehr hingenommen wurden, passte den Kieler Nachrichten nicht. Wir befürchten, dass mit der Verhinderung eines Betriebsrats noch lange nicht Schluss ist, sondern auf Perspektive das gesamte Druckzentrum ausgegliedert werden soll.“

Marcus Rohwer, Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins FB8: „Wir fordern, dass die Tabel-MitarbeiterInnen übernommen und in die Stammbelegschaft der Kieler Nachrichten integriert werden. Betriebsratsarbeit und die Wahrnehmung von Mitbestimmungsrechten dürfen nicht weiter behindert werden!“
http://www.rtntvnews.de/news/1780/Demo-gegen-Entlassungen-bei-den-KN/



Im übrigen haben die KN in der Nacht zu heute ihren Wachschutz aus Angst vor Anschlägen verstärkt.

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #20 am: 15:52:14 Fr. 02.Juli 2010 »
Zitat
Ganz nach Gutsherrenart
Massenentlassungen im Druckzentrum der Kieler Nachrichten beschäftigen Arbeitsgericht

Das neue Jahr hatte gerade begonnen, als mehr als 380 Beschäftigten des Druckzentrums der Kieler Nachrichten (KN) – alle im Niedriglohnbereich – zum 30. Juni gekündigt wurde, teilweise mit fünf verschiedenen Schreiben. Nun befasst sich auch das Kieler Arbeitsgericht mit dem Vorgang.


Gleich drei Kammern des Arbeitsgerichtes in Kiel müssen über rund 180 Fälle urteilen, in denen gekündigte Beschäftigte des KN-Druckzentrums den Klageweg beschritten haben. Beklagt wird dabei die in Kiel tätige Zeitarbeits-Firmengruppe Tabel aus Laatzen bei Hannover. Ferner haben die Arbeitsrichter darüber zu befinden, ob eine Anfang Februar erfolgte Betriebsratswahl rechtens war, was Tabel bestreitet.

Es geht um viele logistische Tätigkeiten in der Druckerei, ohne die keine einzige Zeitung ausgeliefert werden könnte. In Kiel sind viele dieser Arbeiten nach einem Outsourcing-Prozess seit 2000 in Form von Mini-Job-Verhältnissen oder Werktätigen-Verträgen über Tabel abgewickelt worden. Ein Brutto-Verdienst von 6,14 Euro in der Stunde veranlasst die Gewerkschaft ver.di unter anderem zu prüfen, ob hier nicht das Kriterium der Sittenwidrigkeit vorliegt.

Der Trick mit den Sprachkenntnissen

Die Tabel-Gruppe, bestehend aus Tb Personaldienste GmbH, Tabel GmbH und PND Service GmbH, hat in Kiel sowohl Schüler und Studierende als auch finanziell nicht gut situierte Alleinstehende, Beschäftigte mit Migrationshintergrund und Rentner auf ihrer Gehaltsliste. Bei der Schichtzuteilung ist meist darauf geachtet worden, dass nur selten ein Vollzeiteinsatz stattfindet. Die neuen Tabel-Konditionen mit einer laut Kieler Nachrichten zweistelligen Preiserhöhung seien nun der Grund gewesen, weshalb man sich von der Firmengruppe getrennt habe. Auch nach einer neuen Ausschreibung für die zu erledigenden Arbeiten kommt Tabel nicht mehr zum Zuge.

Dabei wird von den Beschäftigten aber gemutmaßt, dass sie die »rote Karte« nur deshalb bekommen haben, weil sie es gewagt hatten, einen Betriebsrat zu wählen. Dessen rechtmäßiges Zustandekommen wird nun von Tabel beklagt, weil mehrere ausländische Mitarbeiter oder Beschäftigte ausländischer Herkunft angeblich wegen mangelnder Sprachkenntnisse das Wahlverfahren nicht verstanden haben sollen.

Dem Gericht wurden dazu als vermeintlicher Beweis zwei Listen vorgelegt. Doch nach Befragungen stellte sich heraus, dass entweder über Dolmetscher sehr wohl das Wahlprozedere erklärt worden war beziehungsweise dass unter den aufgeführten Namen sich unter anderem ein US-Bürger mit abgeschlossenem Germanistik-Studium befand. Ein anderer hatte in Deutschland schon als Werftarbeiter bei HDW mehrmals an Betriebsratswahlen teilgenommen.

Ver.di ist nun bemüht, den klagenden Kolleginnen und Kollegen eine höhere Abfindung als Tabel sie anbietet zukommen zu lassen. Auch will man ausloten, inwieweit eine Weiterbeschäftigung möglich ist. »Wir sind dabei, einen Sozialplanentwurf aufzustellen«, war seitens der Gewerkschaft zu erfahren.
Der KN-Betriebsrat schwieg zu den Vorgängen

Dieser Sozialplanentwurf ist dann Verhandlungsgegenstand für den Betriebsrat in den Gesprächen mit Tabel. Denn das Arbeitsgericht deutete bereits an, dass bis zu einer Entscheidung in Sachen Betriebsrat dieser als gewähltes Gremium und damit im Amt anzusehen ist, selbst wenn es über den 30. Juni hinaus gar keine Anstellungen mehr gibt.

Inzwischen haben die KN, deren Betriebsrat zu den Vorgängen geschwiegen hat, die Aufträge für das Druckzentrum neu vergeben. Ab 1. Juli kümmert sich unter anderem die TMI Service GmbH aus Ahrensburg um die Beilagenverarbeitung. Auf der eigenen Homepage heißt es bei TMI dazu, man sei unter anderem wegen des besonders fairen Umgangs mit den Mitarbeitern ausgewählt worden.

Ferner kommen die bundesweit agierende Stark-Gruppe sowie die Kieler Firma Mahnsen zum Einsatz. Von dort gibt es bis jetzt noch keine Signale, ob und welche bisherigen Tabel-Beschäftigten weiter arbeiten können. Immerhin heißt es, die Vergütung solle angehoben werden Die Betroffenen machten in Kiel jüngst auf der Mai-Kundgebung auf ihre Situation aufmerksam und erfuhren auch Solidarität von der ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD).
»Entwürdigende Strukturen«

Die prekären Zustände – so gibt es im Krankheitsfall oder im Urlaub keine Lohnfortzahlung – werden auch von der LINKEN kritisiert. Dort, wo auch Zeitungen aus und für Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern produziert werden, herrschen »Lohndumping und Ausbeutung«, sagt Meike Lüdemann aus dem Landesvorstand der Partei. Sie spricht anhand dieses Beispiels von »autoritären und teils entwürdigenden Strukturen vordemokratischer Zeiten«.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/170639.ganz-nach-gutsherrenart.html

Zitat
KN zensiert Lesermeinung zu Tabel-Mitarbeitern

Einige Leute, wie auch ich haben festgestellt, dass Kommentare bei der Kieler Nachrichten, z.B. zu den Bildungsprotesten, die auch die Situation der prekär beschäftigten Tabel-Mitarbeiter ansprechen konsequent zensiert werden. So viel hält man da also von der Meinungsfreiheit. Offenbar hat man Angst vor der Wahrheit. Ich fordere die KN auf Stellung zu beziehen! Wir werden es nicht weiter dulden, dass die KN sich hier in Kiel als moralischer Wächter präsentiert, gar über Leiharbeit kritische Artikel schreibt und tatsächlich das Leben ihrer Mitarbeiter zum Teil aufs Spiel setzt. Die KN muss als das demaskiert werden, was sie ist: Ein unverantwortiches Unternehmen, dass sich einen Dreck um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter schert.

Am 30.6. wird es eine Demo in Kiel geben, die u.a. von ver.di und auch der FAU Kiel unterstützt wird.
http://kielkontrovers.wordpress.com/2010/06/21/kn-zensiert-lesermeinung-zu-tabel-mitarbeitern/




Zitat
Belegschaft kieloben

Im Druckzentrum der Kieler Nachrichten wurde Hunderten Leiharbeitern gekündigt. Sie hatten es gewagt, einen Betriebsrat zu gründen.


von Gaston Kirsche

»Wir fordern, dass die Kieler Nachrichten uns Leiharbeiter zurück in ihre Belegschaft einbinden«, rief Markus Rohwer am 1. Mai bei der Kundgebung der Gewerkschaften in Kiel von der Bühne. Seit März ist er Vorsitzender des Fachbereichs Druck und Medien im Verdi-Ortsverein Kiel/Plön. Gemeinsam mit anderen Produktionshelfern aus dem Druckzentrum der Kieler Nachrichten (KN) kämpft er gegen die Entlassung durch den Subunternehmer Tabel, nachdem sich die Leiharbeiter gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu wehren begonnen hatten. Für 385 Personen soll es deswegen ab dem 1. Juli keine Arbeit mehr geben.

Im Druckzentrum der KN stellt Tabel die Weiterverarbeitung zahlreicher Zeitungen sicher, darunter der Kieler Express, die Hamburger Morgenpost, der Blitz Mecklenburg sowie zahlreiche Hamburger Wochenblätter. Bereits vor zehn Jahren hatten die KN diesen Teil ihrer Druckerei in das eigens dafür gegründete Tochterunternehmen ausgelagert. Seitdem werden jene Arbeiten untertariflich ­bezahlt. Der Tariflohn der Druckindus­trie sieht einen Bruttostundenlohn von 12,90 Euro vor, bei Tabel liegt er bei nur 6,14 Euro. Seit Ende 2009 halten die KN keine Anteile mehr an dem Subunternehmen.

Die Arbeitsbedingungen in der Weiterverarbeitung sollen lange Zeit katastrophal gewesen sein. »Allen Frauen in der Halle wurden die Hocker weggenommen, damit sie sich nicht mehr hinsetzen konnten«, erzählt Marcus Peyn von der Belegschaft gegenüber der Jungle World. »Das Trinken wurde auch schon verboten, bis dann mal eine ältere Dame während einer 14-Stunden-Schicht umgekippt ist.« Peyn berichtet auch von verweigerten Entgeltfortzahlungen im Urlaub oder Krankheitsfall, von Staubbelastung ohne Atemschutz, von unzureichenden Sicherheitsbestimmungen und endlosen Arbeitszeiten. »Die Leute haben teilweise bis zu 18 Stunden am Stück gearbeitet und mussten dann nach sechs Stunden schon wieder antanzen«, so Peyn.

Die Beschäftigten wollten das ändern und wählten im Februar einen Betriebsrat. Peyn wurde dessen Vorsitzender. Bereits in den Jahren davor gab es Versuche, einen Betriebsrat zu gründen, diese scheiterten unter anderem an gezielten Kündigungen. Da diese Kündigungen jeweils erfolgten, nachdem man sich vertrauensvoll an den zuständigen Verdi-Fachbereich gewendet hatte, sieht sich dessen damaliger Vorstand, Richard Ernst, der auch Betriebsratsvorsitzender der KN ist, dem schweren Vorwurf ausgesetzt, mit der Geschäftsführung der KN kooperiert und die Aktiven gemeldet zu haben. Handfeste Beweise dafür haben die Tabel-Beschäftigen jedoch nicht, sondern nur »Anhaltspunkte«, wie auch Peyn zugeben muss. Dass Misstrauen gegenüber Ernst war jedoch so groß, dass der langjährige Bereichsvorstand im März durch Markus Rohwer, einen Leiharbeiter, ersetzt wurde, nachdem 150 Tabel-Beschäftigte Verdi beigetreten waren und sich an der Wahl beteiligt hatten.

Tatsache ist, dass es erst Ende 2009 gelang, eine Betriebsratswahl zu organisieren, ohne dass die Aktiven bereits vor der Wahl entlassen wurden. Rüdiger Tabel, der Geschäftsführer der Tabel-Gruppe, beteuerte, die KN hätten ihm, als die Wahl nicht mehr zu verhindern war, signalisiert, dass sein Werkvertrag nicht verlängert werden würde. Der technische Leiter der KN, Sven Fricke, habe ihm gegenüber erklärt, dass der neue Betriebsrat ein »Wettbewerbsnachteil« sei. In offiziellen Erklärungen betonte die Geschäftsführung der KN dagegen, durch eine Preiserhöhung sei der Subunternehmer zu teuer geworden. In der Folge erhielten die Tabel-Beschäftigten ihre betriebsbedingte Kündigung zum 30. Juni, darunter auch – trotz Kündigungsschutzes – die Wahlvorstandsmitglieder und Kandidaten für die Betriebsratswahl.

Die KN haben nun die Weiterverarbeitung ab dem 1. Juli an andere Subunternehmer vergeben. Eines davon, ein Tochterunternehmen des Springer-Verlags, versah seine Stellenausschreibung bei der Bundesagentur für Arbeit gar mit der Information, dass es »keine ehemaligen Tabel-Mitarbeiter« wünsche. Die stehen nun auf der Straße, geben sich aber noch nicht geschlagen und organisieren derzeit Proteste gegen die KN.
http://jungle-world.com/artikel/2010/26/41226.html

Zitat
Mitarbeiterprotest
Die Kieler Nachrichten und ihre Leiharbeiter

Sie bedienen die Maschinen, die am Ende des Herstellungsprozesses der Kieler Nachrichten die Beilagenwerbung einfügen. Sie stapeln die Zeitung auf Paletten und entsorgen den dabei anfallenden Müll. Sie fühlen sich als Teil der einzigen Kieler Tageszeitung und ihnen wurde zum 30.06.2010 gekündigt. Jetzt protestieren sie auf dem Asmus-Bremer-Platz dafür, dass die wahren Arbeitsbedingungen und die wahren Gründe für die Gründung eines Betriebsrats für diese Mitarbeiter wahrgenommen werden und eine Lösung für ihre Probleme gefunden wird, weil es ihre Zeitung nicht tut.

Die Gründe


2000 führte die Kieler Nachrichten Leiharbeiter im Bereich der Beilagenwerbung ein. Später wurden diese Mitarbeiter durch die Firma Tabel aus Laatzen gestellt. Im Zuge dieser Umstrukturierung wurden vielen tariflich bezahlte Mitarbeitern aus dem Tarif gelöst und so deutlich geringer bezahlt. Dazu wurden die Nacht- und Feiertagszuschläge deutlich gekürzt und Urlaubsgeld nicht mehr gezahlt. Mittlerweile beschäftigt die Firma Tabel auch eine große Zahl an Mitarbeitern auf 400 Euro Basis. Dies ändert die Kieler Nachrichten nun zum 01.07.2010, in dem sie über neue Auftragnehmer einen Lohn von 7,60 Euro zahlen möchte und keine 400 Euro Jobber mehr beschäftigen möchte.

Doch es geht den Gründern des Betriebsrats überhaupt nicht um Geld. Es waren die Zustände, in denen die Beschäftigten arbeiten mussten. Das Verhältnis zwischen KN-Mitarbeitern und Leiharbeitern ist extrem gespannt. Einer der Auslöser war zum Beispiel die Entfernung der Hocker an den Maschinen. Während einer Betriebspause, wenn zum Beispiel durch eine Panne an den Maschinen nicht gearbeitet wurde, standen Hocker zum Sitzen bereit. Außerdem wurde die feste Pausenregelung abgeschafft und nur noch Pausen je nach Situation erlaubt. All diese Regelungen und Probleme wurden durch die Betriebsführung der Kieler Nachrichten im Druckzentrum hervorgerufen. Daher wird sie auch von den Leiharbeitern direkt für diese Zustände verantwortlich gemacht. Um die Situation, gemeinsam mit dem Auftraggeber, zu verbessern, wurde von diesen Mitarbeitern ein Betriebsrat gegründet.

Die Kündigung

Doch schon kurz nach der Gründung des Wahlvorstandes reagierten sowohl die Kieler Nachrichten als auch Tabel. Die Firma Tabel verlangte mehr Geld von den Kieler Nachrichten, da sie wahrscheinlich von einer höheren Gehaltsforderung der Mitarbeiter ausgingen, woraufhin die Kieler Nachrichten den Auftrag an Tabel kündigten. Die Kieler Nachrichten schrieben den Auftrag neu aus und boten auch Tabel an sich an dieser Ausschreibung zu beteiligen. Auf Nachfrage durch den Fördeflüsterer bei Tabel, ob man sich auch erneut beworben habe, kam leider keine Antwort. Auch gegenüber den Mitarbeitern schweigt sich Tabel aus. Es gab keine Aushänge, keine Versammlungen oder andere Mitteilungen, dass den Tabelmitarbeitern zum 30.06.2010 gekündigt wurde. Sie mussten es kurz vor der Wahl des Betriebsrats durch ihre Zeitung erfahren.

Die Antwort der Kieler Nachrichten

Diesen Donnerstag, 22.04.2010, schrieb die Kieler Nachrichten, dass sie nun „klare Verhältnisse im Druckzentrum Moorsee“ geschaffen habe. „Wir sind froh, dass wir durchaus vorhandene Probleme im Druckzentrum lösen konnten“, so das Blatt mit einem Zitat des Geschäftsführers Christian Heinrich weiter. Die Zeitung betont erneut, dass die Kündigung des Auftrags nicht mit der Gründung des Betriebsrats zusammen hinge. Man sei aber besorgt, dass Außenstehende Betriebsräte für ihre eigenen Ziele instrumentalisieren. Welche „Außenstehenden“ dies seien und welche Ziele diese verfolgen, schreibt die Kieler Nachrichten nicht. Dazu kommt eine weitere Frage, denn wenn die Kieler Nachrichten wegen der Preiserhöhung der Firma Tabel den Vertrag gekündigt hat, warum zahlt sie nun mehr Geld an neue Auftragnehmer? Eine Antwort wird nicht gegeben. Daher nun auch diese Proteste, um die Forderungen der Leiharbeiter den Kielern näher zubringen.

Die Zukunft

Fakt ist, dass die Mitarbeiter der Firma Tabel zum 30.06.2010 ihren Job verlieren und für keinen der Tabel-Mitarbeiter klar ist, wie es nach diesem Tag weitergeht. Einige werden sicherlich von den neuen Auftragnehmern übernommen. Aber es ist nicht klar, ob sich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessern, oder ob sie wieder nur an den nächsten weiterverkauft werden. Es ist nicht klar, ob die neuen Aufragnehmer eine neue Probezeit verlangen. Es nicht klar, was mit den Mitarbeitern passiert, die nicht übernommen werden. Daher fordern die Leiharbeiter, dass ein Sozialplan erstellt wird, für die Kollegen, die nicht erneut eingestellt werden. Die Frage des Lohns ist für die Mitarbeiter zweitrangig, da sie alles wollen, nur nicht ihren Job verlieren.
http://foerdefluesterer.de/Artikel/News/Die-Kieler-Nachrichten-und-ihre-Leiharbeiter.2297.html


Aloysius

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #21 am: 14:19:58 Di. 06.Juli 2010 »
Na, in Beröin wird der Bundesangie ganz schwummerig beim KN-Gutsherrn

Zitat
Zur Eröffnungsfeier des Madsack-Medienzentrums an der Spree erschien viel Prominenz

Die KN haben in Berlin ein neues Zuhause
Mit viel Prominenz aus Politik und Medien hat die Verlagsgruppe Madsack, die auch an den Kieler Nachrichten beteiligt ist, ihr neues Berliner Büro eingeweiht. Auch aus Schleswig-Holstein waren zahlreiche Gäste angereist.



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http://www.segeberger-zeitung.de/schleswig_holstein/landespolitik/140771-Die-KN-haben-in-Berlin-ein-neues-Zuhause.html

Hier noch ein anderer Artikel sur KN:

Aus eins mach drei

Das schlägt langsam überregionale Wellen - mal schaun, wan es rein wirtschaftlich wie bei Schlecker ein massives Minusgeschäft wird

admin

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #22 am: 21:38:28 Sa. 17.Juli 2010 »
Zitat
Stellenabbau in der Produktion:
"Kieler Nachrichten" streichen 58 Stellen



Beim Verlag der "Kieler Nachrichten" fallen 58 Stellen weg. Das teilte der Verlag am Freitagnachmittag mit. Die Kürzungen betreffen hauptsächlich Service-Personal bei der telefonischen Kunden- und Leserbetreuung und Angestellte der Satzherstellung. Künftig sollen Externe die Jobs übernehmen. Der Verlag hat die Mitarbeiter bereits am Donnerstag in Kenntnis gesetzt.

Hintergrund ist einmal mehr die Anzeigenkrise - der Schwund betrage 35% in den vergangenen drei Jahren, so Chefredakteur und Geschäftsführer Jürgen Heinemann - vor kurzem erst ins Amt gehievt. "Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat uns wie alle Verlage in einer bisher nicht erlebten Härte getroffen. Wellenbewegungen im Geschäftsverlaufs hat es immer gegeben, aber seit 2007 befinden wir uns in einer ständigen Abwärtsbewegung", so Heinemann.

Die Sparten Vermarktung, Vertrieb und Druck bleiben offenbar verschont, ebenso die Redaktion. "Unsere Leser müssen sich keine Sorgen machen, dass wir am redaktionellen Teil sparen", verspricht der Chef.

Dennoch: "Nachdem wir in allen Bereichen unsere Kosten auf ein Mindestmaß reduziert haben, die Vertriebspreise angepasst haben, sind jetzt personelle Maßnahmen, auch in dieser Größenordnung unvermeidbar", so Heinemann - auch wenn dies schmerzhaft sei.

Laut IVW setzt die Gesamtausgabe der "KN" 105.015 Exemplare ab, rund 90% gehen an Abonnenten. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 107.000, im ersten Quartal 2008 verkauften die "KN" 107.637 Exemplare. Im Vergleich zu den Kioskverkäufen gingen die Abo-Zahlen in den vergangenen Quartalen überproportional stark zurück.
http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/105271-stellenabbau-in-der-produktion-kieler-nachrichten-streichen-58-stellen.html

Auferstanden

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #23 am: 09:00:45 So. 29.August 2010 »
und auch hier wird einem vergegenwertigt, dass die instrumentalisierten Ämter und Behörden, insbesondere die der Argen,
wesentlich am asozial-gezielten Umbruch zugunsten flächendeckender Ausbeutung und Sklavenarbeit
beteiligt sind.

Aloysius

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #24 am: 11:23:05 Fr. 15.Oktober 2010 »
Hallo,

die KN hat ein neues Feature, das massenhaft dazu genutzt werden sollte, um sie aufzufordern über dies selbst zu berichten, denke ich:

http://www.kn-online.de/kontaktform/

Denn mal zu :)

Aloysius

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #25 am: 10:40:30 Di. 16.August 2011 »
Gerade auf 'kn-online:

Zitat
Hinweis in eigener Sache


Kiel. Wegen eines Streiks kann kn-online nicht wie gewohnt aktualisiert werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.

http://www.kn-online.de/top_themen/246419-Hinweis-in-eigener-Sache.html

vinci

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #26 am: 01:15:53 Fr. 30.November 2012 »
Alte Bekannte - neue Deals:

Zitat
WAZ-Gruppe verkauft Töchter an Personaldienstleister


Essen/ Hagen. Die WAZ-Mediengruppe hat ihre beiden Versand- und Weiterverarbeitungsfirmen an den Druckstandorten Hagen und Essen verkauft. Über den Verkauf der Versand- und Weiterverarbeitung Hagen (VuW Hagen) zum 1. Juli 2012 an Holger Stark,  einen der Gesellschafter der Unternehmensgruppe Stark, wurde der Betriebsrat der VuW Hagen am Dienstag, 20. Juni informiert. Bereits zwei Tage später stellten sich die neuen Geschäftsführer den 240 Beschäftigten vor.

Die Zeitarbeitsfirma Stark, die nach eigenen Angaben 2500 Mitarbeiter beschäftigt, bezeichnet sich selbst als einer der führenden Mediendienstleister in Europa. Die VuW Hagen soll auf dem Wege eines Werkvertrages Einlegearbeiten und den Versand  für das Druck- und Verlagszentrum in Hagen erledigen. Nach Informationen des Betriebsrats der VuW Hagen sollen dort auch Mitarbeiter der Presse- und Verlagsservice GmbH  (PVS) eingestellt werden. Denen war zum 31. Oktober gekündigt worden. Diese werden nun nach BR-Informationen ab dem 1. Juli direkt zu noch schlechteren Konditionen bei der Unternehmensgruppe Stark beschäftigt. Der Betriebsrat befürchtet nun, dass die Beschäftigten gegeneinander ausgespielt werden, um das Lohnniveau insgesamt noch einmal zu drücken. Die PVS-Beschäftigten hatten, so ver.di-Sekretär Rainer Sauer aus Essen, als Leiharbeiter  Verpackungs- und Einlegearbeiten in den WAZ-Druckhäusern erledigt. Etwa zehn PVS-Beschäftigte versuchen nun, über einen Fachanwalt für Arbeitsrecht ihre Beschäftigung bei der VuW Essen beim Arbeitsgericht einzuklagen.

Die Versand- und Weiterverarbeitung Essen (VuW Essen) ist zeitgleich  an einen anderen großen Personal-Dienstleister in der Medienbranche verkauft worden: Die tabel Gmbh in Hannover.  Die VuW Essen hat zur Zeit 200 Beschäftigte. Auf Nachfrage hat die WAZ-Mediengruppe mitgeteilt, dass sich für die Beschäftigten aus dem Verkauf keinerlei arbeitsvertragliche Veränderungen ergeben. Die Verträge und deren Laufzeiten würden von den beiden Dienstleistern übernommen. Dies sei Bestandteil der Verkaufsverträge.  Die Geschäftsführung des Druck- und Verlagszentrums Hagen, so teilt die WAZ-Mediengruppe weiter mit, habe mit der VuW Hagen genauso wie das Druckhaus WAZ mit der VuW Essen einen neuen mehrjährigen Werkvertrag abgeschlossen.

Offensichtlich sind die Verkäufe von langer Hand vorbereitet worden. Die VuWs in Essen und Hagen hatten lange Zeit unter einem gemeinsamen Firmendach firmiert, bis sie im vergangenen Jahr in zwei eigenständige GmbHs auseinanderdividiert wurden.  fbi
Quelle: http://www.medienmoral-nrw.de/2012/07/waz-gruppe-verkauft-tochter-an-personaldienstleister/

vinci

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Re:Stunk bei den Kieler Nachrichten!
« Antwort #27 am: 11:28:40 Sa. 29.Dezember 2012 »
http://www.neues-deutschland.de/artikel/808403.staendig-unter-druck.html

Ständig unter Druck

Tabel GmbH versucht Betriebsrat loszuwerden
Von Haidy Damm 28.12.2012 / Gewerkschaftliches
www.neues-deutschland.de/artikel/808403.staendig-unter-druck.html

Angefangen hatte alles mit der Übernahme des Betriebes zum 1. Juli 2012. Nur zwei Wochen vorher wurde die Belegschaft informiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es in dem Essener Betrieb bereits zwei Belegschaften. Neben den rund 200 Beschäftigten der VuW arbeiteten rund 160 Beschäftigte als LeiharbeiterInnen beim Presse- und Verlagsservice Nordrhein (PVS), die in den WAZ-Druckhäusern Zeitungen verpackten oder Werbematerial einlegten. Ihnen war ohne Angaben von Gründen bereits Ende Mai zum 31. Oktober gekündigt worden. Sie sollten bei einem Tochterunternehmen der Tabel GmbH »zwischengeparkt« werden. »Alle sollten die Aufhebungsverträge unter Druck unterschreiben«, sagt der Betriebsratsvorsitzende Ümit Demir. Zehn Beschäftigte weigerten sich, »die durften gleich zu Hause bleiben«. Sie konnten sich später erfolgreich einklagen.

Auch die Beschäftigten der VuW gerieten unter Druck. Bei den Neuverträgen sollte die bisherigen Berufsjahre im Betrieb nicht anerkannt werden, eine Probezeit von sechs Monaten wurde verlangt, »auch wenn die gleichen Leute zum Teil schon seit zehn oder mehr Jahren im Betrieb waren«, so Demir. Zudem wird keine Mindestarbeitszeit festgelegt.

»Wenn es nicht genug Werbung einzulegen gibt, werden sie nicht gebraucht«, erklärt Christian Nohr. Damit werde das Wettbewerbsrisiko auf die Beschäftigten verlagert. Der Arbeitsrechtler hat für die Beschäftigten bereits zehn Klagen gewonnen, für die 20 verbleibenden haben die Gerichte bereits ähnliche Urteile signalisiert. Aber trotz der juristischen Erfolge verschlechterte sich das Klima im Betrieb weiter. Neu eingesetzte Teamleiter überwachen jetzt die Arbeit, Pausen werden eingeschränkt, essen und trinken an den Maschinen verboten. »Die Leute haben Angst, viele sind mit den Nerven runter«, erklärt Ümit Demir. Dabei waren sie gewarnt, denn Tabel hatte bereits vorher von sich Reden gemacht.

Vor zehn Jahren hatten die Kieler Nachrichten die Weiterverarbeitung der Zeitung an die Leiharbeitsfirma ausgelagert. Die Folgen: sechs statt zwölf Euro die Stunde, Befristungen, Minijobs, willkürliche Arbeitszuweisungen mit viel Leerlauf und enormen Verdichtungen, Sitzverbot, Streichung von Pinkelpausen. Als sich vor zwei Jahren ein Betriebsrat gründete, kündigten die Kieler Nachrichten den Werkvertrag mit Tabel und alle 389 Beschäftigten standen auf der Straße. »Das wussten wir alles«, sagt Demir, »aber trotzdem, so etwas habe ich noch nicht erlebt«.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat sich eingeschaltet. Rainer Sauer, Gewerkschaftssekretär für den Bereich Bereich Medien, Kunst und Industrie war Ende November bei einer Betriebsversammlung. »Unser Ziel ist eine starke Belegschaft, mit der wir für den in der Druckindustrie geltenden Tarifvertrag kämpfen können.« Das sei besser als einzelne Klagen vor dem Arbeitsgericht, so Sauer. Für den Betriebsrat wird die Situation immer schwieriger. Als die Geschäftsführung Ende November weitere Pausen einsparen will und anbietet, dafür Weihnachtsgeld auszuzahlen, weigern sich die Arbeitnehmervertreter. In einer Betriebsversammlung erhalten sie Rückendeckung. Tabel rudert zurück.

Als es kurz danach wieder einmal Ärger gibt wegen der Pausen, schaltet sich Savas Demir ein. Der 36-Jährige ist seit vier Jahren im Betriebsrat aktiv. Er geht zum Schichtleiter und verlangt eine Pause. Später wird der Schichtleiter sagen, Savas Demir habe ihn »angewiesen«, die Maschinen anzuhalten. Demir bekommt Hausverbot, kurz danach folgt die fristlose Kündigung. Mitte Januar entscheidet das Arbeitsgericht Essen über seine Klage.