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Studentendemos & Unistreiks

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Wilddieb Stuelpner:
Neues Deutschland - Online: Die Würfel sind gefallen

Bildungsexperten: Studiengebühren-Urteil kündigt sozialen Konsens auf

Von Jürgen Amendt

Nachdem das Bundesverfassungsgericht (BVG) gestern das Gebührenverbot im Hochschulrahmengesetz gekippt hat, ist die Diskussion um den Zugang zur universitären Bildung entbrannt.

»Die Würfel sind gefallen« – mit drastischen Worten kommentierte der »freie zusammenschluss von studentInnenschaften« (fzs) die Entscheidung des Karlsruher Gerichts. Allerdings sei mit dem Urteil für die Studierenden noch nichts entschieden, meinte Nele Hirsch vom Vorstand des fzs. »Ein bundesweites Gebührenverbot ist nach wie vor unerlässlich, um die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sicherzustellen.« Der Geschäftsführer des »Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS) beim fzs, appellierte an die Länder, von jeglichen Plänen zur Einführung von Studiengebühren Abstand zu nehmen.

Dass die Länder den Studenten-Appellen folgen werden, ist indes unwahrscheinlich. Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) kündigte unmittelbar nach Urteilsverkündung an, ab kommenden Jahr Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester zu erheben. Ähnlich äußerten sich seine Amtskollegen Peter Frankenberg (CDU) aus Baden-Württemberg sowie Thomas Goppel (CSU) aus Bayern. Ein »sozial ausgewogenes System einer Kostenbeteiligung der Studierenden«, forderte Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos). Vor allem dürfe nicht der Fall eintreten, dass sich Studierende wegen Geldmangels keine Hochschulbildung mehr leisten könnten.

Das befürchten jedoch Vertreter mehrerer Bildungsorganisationen. Die Gebühren-Befürworter seien den Nachweis schuldig geblieben, dass ihre Modelle Kinder aus sozial unterprivilegierten Familien nicht von einem Studium abschrecken würde, meinte ABS-Geschäftsführer Sascha Vogt. Als einen »schwarzen Tag für die Studierenden und den Sozialstaat« bezeichnete die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, das BVG-Urteil.
Der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), Hans-Dieter Rinkens, fürchtet, dass die Karlsruher Entscheidung »die soziale Selektion im deutschen Hochschulwesen weiter verschärfen wird«. Bereits heute würden vier Fünftel aller Kinder aus einkommensstarken Familien studieren, jedoch nur zehn Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Familien. Der DSW-Präsident warnte vor einer Zersplitterung der Hochschullandschaft in Deutschland. Ohne ein einheitliches Vorgehen der Länder und der Hochschulen entstünde ein Wildwuchs. Die Obergrenze von Studiengebühren müsse bundesweit auf 500 Euro pro Semester und Studierenden festgelegt werden. Zusammen mit dem Kreditanteil beim Bafög dürfe der Beitrag der Studenten zur Studienfinanzierung 10000 Euro nicht überschreiten, forderte Rinkens.

Wie die Politik in den Ländern reagieren wird, die sich gegen Studiengebühren ausgesprochen haben, ist indes noch unsicher. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte eine neue Form des Finanzausgleichs zwischen den Bundesländern. Sobald Unionsländer Gebühren ab dem ersten Semester erhöben, werde es gegenüber gebührenfreien SPD-Ländern sonst zu »gravierenden Wettbewerbsverzerrungen« kommen. Ein anderes Modell favorisiert Bremens Bildungssenator Willi Lemke (SPD), der das Erststudium nur noch für Bremer Landeskinder gebührenfrei halten will. Dagegen wird es in Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft keine Studiengebühren geben, wie Bildungsminister Hans-Robert Metelmann (parteilos) und die Vorsitzende der PDS im Schweriner Landtag, Angelika Gramkow, gestern übereinstimmend betonten.

(ND 27.01.05)

ManOfConstantSorrow:
DIW-Chef Zimmermann im Handelsblatt-Interview

„500 Euro Studiengebühr sind nur Einstieg“

DIW-Chef Klaus Zimmermann rechnet mittelfristig mit Studiengebühren in Höhe von 2500 Euro pro Semester. Lesen Sie hier das Handelsblatt-Interview mit dem Wirtschaftsforscher:

Welche Bedeutung hat die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das generelle Verbot von Studiengebühren zu kippen?

Ich bin sicher, dass wir gestern einen historischen Augenblick erlebt haben: Das Urteil markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die deutsche Bildungspolitik. Die Entscheidung des Gerichts öffnet die Tür für mehr Wettbewerb im Hochschulwesen – und das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass unsere Universitäten international konkurrenzfähig werden können.

Kritiker fürchten, dass es zu einem Ansturm der Studenten auf die Unis kommt, wo das Studium weiter kostenlos ist.

Der Wettbewerb wird dieses Problem lösen. Schließlich sind Universitäten, die Geld von ihren Studenten verlangen, gezwungen, dafür auch eine bessere Leistung anzubieten. Mittelfristig wird kein Bundesland darum herumkommen. Die Finanznot ist in allen Ländern groß, und die Leistungskraft der Universitäten gering – es wird einen Domino-Effekt geben. In ein paar Jahren wird es selbstverständlich sein, dass ein Student für sein Studium bezahlen muss.

Wie hoch sollten die Gebühren sein?

Klar ist, dass die 500 Euro pro Semester, die derzeit diskutiert werden, nur ein Einstieg sein können. Auf die Dauer ist das viel zu wenig, um den Universitäten Anreize zu geben, ihre Studenten als Kunden zu betrachten. Ich rechne damit, dass ein Studiengang an einer durchschnittlichen deutschen Uni in fünf Jahren etwa 2500 Euro pro Semester kosten wird. Das klingt nach viel, wäre aber im internationalen Vergleich immer noch wenig. Spitzenhochschulen in den USA verlangen von ihren Studenten pro Semester 30 000 bis 40 000 Dollar.

Was passiert dann mit Studenten, die aus kleinen Verhältnissen kommen und so viel Geld nicht haben?

Der Blick ins Ausland zeigt, dass sich dieses Problem lösen lässt. Die Länder, die Studiengebühren erheben, haben gleichzeitig ein Stipendien- und Darlehenssystem für junge Leute, die fachlich qualifiziert sind, aber kein Geld haben. Wenn das der Markt nicht aus eigener Kraft schafft, wäre der Staat gefragt – zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Die Fragen stellte Olaf Storbeck.

HANDELSBLATT, Mittwoch, 26. Januar 2005,

Wilddieb Stuelpner:
ARD, Sendung "Plusminus": Zahlende Studenten - Studium bald ein Privileg für Wohlhabende?

Von Achim Pollmeier

Seit Jahren taucht die Hochschulpolitik immer wieder in die Debatte um Studiengebühren ein. Die Befürworter halten sie für ein wichtiges Instrument zur Verbesserung des deutschen Hochschulsystems, Gegner sprechen vom Ausverkauf des Grundrechts auf Bildung und vom Ausschluss ärmerer Schichten von der Hochschulbildung. Ganz so einfach ist die Wahrheit allerdings nicht: Auch unter sozialen Gesichtspunkten kann man Hochschulgebühren durchaus als gerecht empfinden, andererseits sehen auch Befürworter von Studiengebühren die Gefahr, dass ein falsches Gebührenmodell Kinder aus ärmeren Familien vom Studium abschrecken könnte.

Wer profitiert, soll auch einen Beitrag leisten

Selbst zahlreiche Experten, die lange gegen eine Einführung von Studiengebühren votierten, haben ihre Position inzwischen gewechselt: „Man kann die Umverteilungswirkung einfach nicht länger übersehen“, sagt der renommierte Bildungsökonom Dieter Dohmen vom Kölner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS), der selbst ein Studiengebührenmodell entwickelt hat. Die „Bildungsexpansion“ der vergangenen 30 Jahre habe nämlich nicht dazu geführt, dass der Anteil von Kindern aus bildungsfernen Schichten an den Hochschulen deutlich erhöht wurde. Daraus ergebe sich die Situation, dass die breite Masse mit ihrem Steueraufkommen die Hochschulausbildung von Beamten- und Akademikerkindern finanziere, die dadurch wiederum künftig ein besseres Gehalt erzielen. „Insofern ist es durchaus sozial gerechtfertigt, diese Menschen auch an den Kosten ihrer Ausbildung zu beteiligen“, so Dohmen.

Ähnlich sieht es auch der „Wirtschaftsweise“ Bert Rürup von der TU Darmstadt. Bereits in seinem letzten Jahresgutachten im Herbst 2004 hatte der Sachverständigenrat ein Umsteuern in der deutschen Bildungsfinanzierung gefordert: Bildungsbereiche, deren Leistungen vor allem der Allgemeinheit zugute kommen, sollen demnach aus Steuern finanziert werden. Je mehr der Einzelne von der Bildung profitiert, desto größer könne auch der private Finanzierungsanteil sein. „In Deutschland machen wir jedoch genau das Gegenteil: Im Hochschulbereich, wo in hohem Maße individuelle Erträge durch höhere Einkommen generiert werden, machen wir eine hundertprozentige Steuerfinanzierung, aber beispielsweise im vorschulischen Bereich, wo Sprachkompetenz und Bildungsnähe vermittelt wird, finanzieren wir zu 40 Prozent über Beiträge und das ist völlig falsch“, so Rürup.

In dieser Kritik sehen sich viele Bildungsexperten auch durch die PISA-Studie bestätigt, die dem deutschen Bildungssystem nicht nur durchschnittliche Leistungen bescheinigt, sondern vor allem, dass es Kinder auf ihrem Bildungsweg stärker nach sozialer Herkunft selektiert als in anderen Ländern. Rürup fordert daher, zusätzliche Steuermittel zur Stärkung des vor- und primarschulischen Bereichs einzusetzen, etwa für ein obligatorisches und gebührenfreies Vorschuljahr. Im Hochschulbereich sieht der Wirtschaftsprofessor aber schon wegen der klammen öffentlichen Haushalte keinen Spielraum für zusätzliche Steuermittel: „Die Unterfinanzierung des deutschen Hochschulsystems resultiert im wesentlichen aus dem Fehlen einer privaten Finanzierungskomponente. Deswegen brauchen wir Hochschulgebühren auch als Finanzierungsinstrument – was aber auf keinen Fall dazu führen darf, dass die staatlichen Mittel für die Hochschulen reduziert werden. Auf diese Weise wird man mehr Geld ins System bringen können und die Finanzierung wird gerechter, da die persönlichen Bildungsrenditen zu einem Teil auch selbst finanziert werden.“

Verschuldung für Bildung

Studierendenverbände sind da erwartungsgemäß ganz anderer Auffassung. Sie wehren sich zum einen gegen eine „Ökonomisierung der Bildung“ und gehen zum anderen davon aus, dass Studiengebühren gerade für Kinder aus ärmeren Familien abschreckend wirken. „Wir haben in der Tat ein hoch selektives Bildungssystem, aber es macht doch keinen Sinn, da jetzt noch eine weitere Hürde zur Hochschule aufzubauen“, sagt Nele Hirsch, Vorstandsmitglied im Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften. Ihr Argument: Gerade ärmere Studenten müssten zusätzlich zum Bafög Kredite aufnehmen, um die Studiengebühren zu finanzieren. Das werde viele vom Studium abschrecken. Diese Gefahr sieht auch Bert Rürup. Sollten die Bundesländer Studiengebühren einführen, fordert er daher eine Aufklärungskampagne: „Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Hochschulstudium die beste Investition auch in ein höheres Einkommen ist, und dass das höhere Einkommen durchaus auch dazu führt, den mit einem Studienkredit verbundenen Schuldendienst zu kompensieren.“

Das Modell Witten/Herdecke

Als Beispiel für ein sozialverträgliches Modell der Studienfinanzierung wird vielfach das Konzept der Privatuniversität Witten/Herdecke angeführt. Für das gesamte Studium muss hier jeder Studierende einen Finanzierungsbeitrag von rund 15.000 Euro aufbringen. Dies kann er entweder sofort in monatlichen Beiträgen tun oder aber in Form von so genannten „nachgelagerten Studiengebühren“ nach Abschluss seines Studiums. Dabei müssen die Studierenden acht Jahre lang acht Prozent ihres künftigen Einkommens abführen, sofern es die Untergrenze von 1.700 Euro überschreitet. Das Risiko, bei bescheidenem beruflichen Erfolg auf einem riesigen Schuldenberg sitzen zu bleiben, ist also relativ gering: Wer später wenig verdient, zahlt auch weniger zurück, Spitzenverdiener zahlen dafür mehr. Für Dieter Dohmen vom FIBS sollte sich auch ein allgemeines Studiengebührenmodell an diesem Prinzip orientieren: „Sonst haben sie einfach die Gefahr der Abschreckung, und das wäre ein schlimmer Effekt: Denn um den Ersatzbedarf an Akademikern in den nächsten 20 bis 25 Jahren decken zu können, muss deren Anteil pro Jahrgang nahezu verdoppelt werden.“

Weitere Informationen:

„Studiengebühren: Front der Gegner bröckelt“
Welche Bundesländer Studiengebühren einführen wollen
WDR-Wirtschaftsmagazin markt (24.01.2005)

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS)

Freier Zusammenschluss von Studentinnenschaften

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtsch. Entwicklung

Carpe Noctem:
So, der finale Abortus der in der Geschichte der BRD fast einzigen halbwegs funktionierenden Keimzelle gesellschaftlichen Widerstandes ist perfekt - der Staat sorgt in jeder Richtung vor:

"KARLSRUHER URTEIL

Gebührende Klarheit

Von Jan Friedmann

Die Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe haben den Weg für allgemeine Studiengebühren ab dem ersten Semester freigemacht. Sie seien keine Bildungspolitiker, betonten die Rechtsgelehrten - und krempeln doch mit ihrem Urteil die deutsche Hochschullandschaft gründlich um.

AP
Kippten Verbot von Studiengebühren: Verfassungsrichter
Das Bundesverfassungsgericht macht keine Bildungspolitik: Das stellte der Vorsitzende Richter Winfried Hassemer gleich zu Beginn der mit Spannung erwarteten Entscheidung klar. Die Richter beschränkten sich darauf, über ein Kompetenzgerangel zwischen der rot-grünen Bundesregierung und sechs unionsgeführten Bundesländern zu befinden. Im Detail ging es bei der heutigen Entscheidung vor allem um einen Satz, den die rot-grüne Bundesregierung vor rund drei Jahren ins Hochschulrahmengesetz (HRG) schreiben ließ: "Das Studium bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss ist studiengebührenfrei."

Damit pfusche der Bund den Ländern ins Handwerk, argumentieren die sechs Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt - sie klagten vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Verfassungsrichter folgten dieser Argumentation weitgehend - und werden damit zu Bildungsreformern wider Willen.

Umstrittene Zuständigkeiten
 
DPA
Studentenprotest: Das Kreuz mit den Studiengebühren
Denn längst haben sich Bund und Länder im Streit um die Zuständigkeiten in der Bildungspolitik so weit ineinander verkeilt - siehe Föderalismus-Kommission und den Dauer-Streit über Eliteuniversitäten -, dass ohne einen Anstoß von außen kaum Veränderungen in Gang kommen können. Zu hart prallen das Machtbewusstsein der Länderregenten und das Sendungsbewusstsein sozialdemokratischer Bildungspolitik aufeinander.

Deshalb geht der heutige Urteilsspruch in seinen Folgen weit über den verfassungsrechtlichen Konflikt zwischen Bund und Ländern hinaus und rührt an die zentrale Frage der Hochschulpolitik: Sollen und müssen hunderttausende Hochschüler für ihre akademische Ausbildung bald einen Beitrag aus der eigenen Tasche leisten?

Sie müssen, diese Konsequenz des Urteils scheint bereits heute sicher. Entsprechende Pläne liegen längst in den Schubladen der Gebührenbefürworter.

Diese hatten sich schon im Vorfeld siegessicher gegeben. Bereits in der Frage der Juniorprofessur hatte das Bundesverfassungsgericht der Klage Bayerns und anderer unionsregierter Länder stattgegeben. Selbst SPD-regierte Bundesländer rechneten nicht mehr mit einem Erfolg der Bundesregierung: "Am unwahrscheinlichsten ist es, dass das Bundesverfassungsgericht alles so lässt, wie es ist", hatte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner vor dem Urteil gemutmaßt.

Den ersten Schritt werden wohl Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg wagen. Die Bildungsminister dieser Bundesländer, Peter Frankenberg (CDU), Thomas Goppel (CSU) und Jörg Dräger (parteilos), führten in der bisherigen Diskussion das Wort für die Gebührenfans.

Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg Vorreiter

Bayern will laut Goppel vielleicht schon zum kommenden Wintersemester loslegen, spätestens zum Sommersemester 2006. Baden-Württemberg wird folgen, in einer nächsten Stufe könnten dann Niedersachsen und das Saarland nachziehen. Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) kündigte an, das Land wolle spätestens in zwei Jahren Studiengebühren einführen.

Die Gebührenbefürworter setzen große Hoffnungen in die Campus-Maut: Sie wollen den egalitären und lähmenden Geist der 70er Jahre und der damaligen Bildungsexpansion aus Hörsälen und Bibliotheken vertreiben und dort eine neue Kultur des Wettbewerbs und der Kundenorientierung etablieren. "Studierende werden nicht mehr als 'Lehrbelastung' beklagt, sondern als Mitfinanzierer der Hochschulen umworben", meint etwa Frankenberg.

Außerdem sollen den darbenden Hochschulen dringend benötigte Mittel für Labore und Computerarbeitsplätze zufließen und sich die Studienbedingungen für die zwei Millionen Studenten in Deutschland entscheidend verbessern. Bayerns Wissenschaftsminister Goppel betrachtet Gebühren als "ein Stück Qualitätssicherung für Hochschulen", sie ließen die "Bereitschaft aller Beteiligten zur Qualitätskontrolle" steigen.

Werben um zahlungskräftige Kundschaft

Am Ende des Reformprozesses, so träumen manche Gebührenfans, könnten in einigen Jahren öffentlichkeitsbewusste Hochschulen stehen, die sich im Ausland gut als Bildungsmarken "made in Germany" verkaufen lassen und dort zahlungskräftige Kundschaft anziehen. Einzelne Universitäten wie etwa die Universität Heidelberg oder die TU München treten bereits jetzt sehr PR-bewusst auf.
 
DPA
Gebührenfans (von links): Peter Frankenberg, Jörg Dräger, Thomas Goppel, Jürgen Schreier
In den Startlöchern stehen auch Banken und private Finanzanbieter, die auf ein Geschäft mit Bildungskrediten hoffen. Der Wirtschaftsexperte Bert Rürup beispielsweise äußerte vor einigen Tagen die Erwartung, dass sich die Investition in die Karrieren junger Akademiker durchaus lohnen könne.

Die Kritiker fürchten hingegen, dass Studiengebühren abschreckend für Studenten aus ärmeren Verhältnissen wirken könnten. So habe die Einführung einer Gebühr von rund 360 Euro pro Semester in Österreich für sinkende Studentenzahlen gesorgt. "Genau dasselbe wird in Deutschland kommen, wenn Studiengebühren eingeführt werden", so der Bildungsforscher Bernhard Nagel von der Universität Kassel.

Furcht vor Zugriff der Finanzminister

Außerdem, so die Befürchtung, könnten die Gebühreneinnahmen vor allem den klammen Länderhaushalten zugute kommen, die Unis könnten leer ausgehen. Die Erfahrung mit Langzeitstudiengebühren zeige, so der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, Achim Meyer auf der Heyde, dass "das Geld früher oder später im allgemeinen Haushalt" lande.

"Wer künftig auch noch zusätzlich für Studiengebühren jobben muss, wird zwangsläufig auch länger studieren", argumentiert auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange.

Die Gebührenbefürworter drehen das soziale Argument dagegen um: Warum soll eigentlich eine Krankenschwester durch ihre Steuern die Ausbildung künftiger Ärzte subventionieren? Warum kostet ein Kindergartenplatz mehrere Hundert Euro im Jahr, während das Studium gebührenfrei bleibt?

Dabei verweisen sie gerne auf Erhebungen, wonach in kaum einem anderen Land der Zugang zu höherer Bildung so stark an soziale Voraussetzung gekoppelt ist wie im gebührenfreien Deutschland. "Wenn durch die bessere Ausstattung der Hochschulen der Studienerfolg sicherer erscheint, könnte dies bislang risikoscheue junge Menschen aus bildungsfernen Schichten anziehen", argumentiert Frankenberg.

Billigland Bundesrepublik

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, die von ihren Studenten kein Geld für das Erststudium verlangen. Ähnlich großzügig geben sich etwa die Skandinavier, wo Studenten zusätzlich ein elternunabhängiges Grundeinkommen von einigen Hundert Euro ausgezahlt bekommen. Weitgehend ungeschoren kommen Studenten auch in Frankreich davon, im Mittelfeld liegen Österreich, Spanien und Italien mit moderaten Studiengebühren.

DPA
Transparent in Würzburg: "Kein Spiel mit Bildung"
Eine Undergraduate-Studium in den Niederlanden kostet dagegen satte 1500 Euro im Jahr, ein Master 1600 Euro; der Bachelor in Großbritannien schlägt mit rund 1650 Euro pro Jahr zu Buche. Australien, von Gebührenbefürwortern gerne als Modellland angeführt, bittet Studenten im Nachhinein durch nachlaufende Gebühren zur Kasse, mit mehreren tausend Euro pro Jahr. Klassische Gebührenländer sind dagegen Japan und die USA; ein Studium an einer amerikanischen Eliteuniversität kann leicht 30.000 Dollar (23.000 Euro) im Jahr kosten.

Die Studiengebühren, die deutsche Studenten in Zukunft bezahlen werden, werden nicht annähernd diese Größenordnung erreichen. In einer ersten Stufe werden wohl 500 Euro verlangt werden, eine Zahl, die in Entwürfen immer wieder genannt wurde. Dieser Beitrag fällt eher niedrig aus, vergleicht man ihn mit den Gesamtkosten eines gebührenfreien Studiums von durchschnittlich 40.000 Euro.

Fakt ist: Der eher symbolische Obolus von 500 Euro deckt auch nicht annährend die Kosten des laufenden Bildungsbetriebes. Würden zwei Millionen Studenten 500 Euro pro Semester bezahlen, kämen im Jahr gerade einmal zwei Milliarden Euro zusammen - das entspricht nur einem Zehntel der staatlichen Aufwendungen für die Unis."

QUELLE: http://www.spiegel.de/unispiegel/geld/0,1518,338599,00.html
und dazu dieser Kommentar des LAT (Landes Asten Treffen) NRW:

"Die Verfassungsrichter haben in ihrem Urteil auch die bundeseinheitliche
Regelung zur verfassten Studierendenschaft für verfassungswidrig
erklärt. Damit ist die Zukunft der legitimen Interessenvertretungen der
Studierenden an den Hochschulen ungewiss. Den im Zuge eines
großanglegten Deformierungsprozesses droht ein Abbau demokratischer
Mitbestimmung in allen Gremien der Universitäten. Die von dieser
Vermarktung des Bildungssektors Betroffenen sind nicht nur die
Studierenden, sondern auch die Lehrenden und letztlich die gesamte
Gesellschaft." (QUELLE: LAT Mailingliste)

Grüsse - CN

aian19:
Igrendwann wird ihnen klar werden (müssen), das...

ein schlauer Mensch auch ohne Geld ein schlauer Mensch, und...

ein dummer Mensch auch mit Geld ein dummer Mensch...

bleiben wird !!!!

Gegrüßt sei das Feudalsystem !!!

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