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Billiglöhne im Schlachthof

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geishapunk:
Sorry, aber das siehst Du ein wenig sehr zu einfach! Wenn Du die Grenzen fallen läßt, so ganz und komplett, dann kannst Du Dir diese Forderungen mit "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" schenken!

Es verlangt auch niemand den Bau einer Mauer o.ä., sondern es geht einfach darum das die EU-Osterweiterung einfach viel zu früh war, eben aus solchen Gründen wie im ursprünglichem Posting beschrieben!


--- Zitat ---Eine EU-Osterweiterung wäre ja kein Problem, wenn die Arbeitsbedingungen im Osten auf Westbedingungen angeglichen werden.
--- Ende Zitat ---

Genau! Und das wird noch laaaaaaange dauern!

pagix:

--- Zitat ---Original von ManOfConstantSorrow
Häh? Wie meinen?

Alternativen zum Mauerbau?
Eine EU-Osterweiterung wäre ja kein Problem, wenn die Arbeitsbedingungen im Osten auf Westbedingungen angeglichen werden.

Vorerst sollten wir uns zumindest hier auf die simple Forderung einigen:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Niedrigere Bezahlung für Frauen oder Nicht-Deutsche gehören schließlich abgeschafft!!!
--- Ende Zitat ---

Wenn das mal so eben machbar währe. Ist sicher die beste Lösung, nur
wird da niemand mitspielen - das kostet ja schließlich alles Geld....

Wilddieb Stuelpner:
ARD/SWR, Sendung "Report aus Mainz": Tatort Schlachthaus - Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden

Report Mainz vom 28. Februar 2005

Moderation Fritz Frey:

So hatten wir uns das nicht vorgestellt mit der EU-Osterweiterung. Mehr als fünf Millionen deutsche Arbeitslose, und in vielen unserer Schlachthöfe schuften Slowaken und Polen unter Bedingungen, die nicht nur Gewerkschaftern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Unternehmerische Verantwortung - Fehlanzeige. Und die Staatsmacht tut sich schwer, dem oft kriminellen Treiben ein Ende zu machen.
Adrian Peter traf bei seinen Recherchen ausgebeutete Osteuropäer, Unternehmer ohne Skrupel und eben auch Deutsche ohne Arbeit, gefeuert, weil andere billiger sind.

Bericht:

Reinhard Bauch ist gelernter Schlachter. Der achtfache Familienvater ist arbeitslos. Die Kündigung kam pünktlich mit der EU-Osterweiterung im Mai vergangenen Jahres.

O-Ton, Reinhard Bauch:


"Wir haben am 1.05. haben wir die Kündigung bekommen. Man sagte uns, also wir würden zu viel Geld verdienen. Er könnte das nicht billiger machen und so. Und deswegen wird er die Arbeiter da nicht mehr behalten."

Bauchs gesamte Kolonne wurde gekündigt. Ersetzt durch Osteuropäer. Untergebracht sind die direkt neben Bauchs Haus im Osnabrücker Land. In diesem Wohnheim. Davor parken Autos mit polnischen Kennzeichen.

Als die Polen unsere Dreharbeiten bemerken, winken sie uns zu sich. Sie wollen mit uns über ihre Situation reden. Seit vier Tagen sind sie im Streik, erzählen sie, warten auf versprochene Löhne. Immer wieder werden sie vertröstet.

O-Ton:

"Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Das heute ist vier Tage, dass kein Geld. Alles Leute warten."

Das Wohnheim ist in einem miserablen Zustand. Vier Männer teilen sich ein Schlafzimmer. Doch an Schlaf ist ohnehin kaum zu denken. Einer der Polen schreibt uns die Arbeitszeiten auf. Von 4.30 Uhr bis 20 Uhr. Täglich rund 16 Stunden. Der versprochene Lohn - 1.000 Euro im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von gerade mal 3 Euro.

Seit der EU-Osterweiterung herrscht Goldgräberstimmung in der Schlachtbranche. Zu Tausenden werden Deutsche verdrängt von osteuropäischen Schlachtkolonnen, die über Subunternehmer in den Schlachtbetrieben angeheuert werden.

Chemnitz vor wenigen Tagen. Entlassene Schlachter und Zerleger treffen sich in einem Hotel. Sie waren bei einem deutschen Subunternehmer angestellt, der mit heimischen Arbeitskräften arbeitete. Doch der konnte nicht mithalten gegen einen slowakischen Konkurrenten. Er verlor den Auftrag, 60 deutsche Schlachter ihre Jobs.

O-Ton:

"Ich glaube, es sind alle Leute sauer bei uns hier. Wir haben dort gearbeitet für gutes Geld. Wir haben unsere Leistung gebracht, und dann wird der Betriebsvertrag gekündigt, und es kommen Tschechen oder Slowaken rein. Machen sie auch von der anderen Fleischindustrie, dass überall solche Sachen veranstaltet werden. Ich finde, das ist riesenhafte Sauerei."

O-Ton:

"Das ist schon an der Grenze der Legalität würde ich sagen. Ich würde das als kriminell bezeichnen."
Bei Gausepohl in Chemnitz machen jetzt Slowaken ihren Job. Angestellt sind sie bei einem slowakischen Subunternehmer, der Firma Eurokart. Scheinbar ganz legal. Schlachter- und Zerlegerarbeiten dürfen seit Mai vergangenen Jahres auch in die Slowakei vergeben werden. Vorausgesetzt, diese Firmen haben dort einen eigenen Betrieb, etwa einen Schlachthof.
Wir wollen wissen, hat Eurokart tatsächlich einen Schlachthof in der Slowakei. Zusammen mit dem Gewerkschafter Markus Dieterich fahren wir in die slowakische Kleinstadt Trencin, machen uns auf die Suche.

O-Ton, Markus Dieterich, Gewerkschaft NGG:

"So, wenn die Adresse stimmt, müsste das die Stefanikova 19 sein und es müsste dann ein Schild sein mit dem Namen Eurokart."

Laut Handelsregister hat die Firma zum Zeitpunkt unseres Besuches hier ihren Sitz. Doch statt eines Schlachthofes finden wir nur ein Bürogebäude. Und tatsächlich - hier findet sich das Firmenschild der Eurokart. Wir fragen nach.

Frage: Mich würde interessieren, ist das die Firma Eurokart?

O-Ton:

"Ja. "

Frage: Mich würde interessieren, arbeiten Sie für Gausepohl in Chemnitz?

O-Ton:

"Ja. "

Frage: Ich dachte, das wäre ein Schlachtbetrieb hier. Haben Sie keinen Schlachtbetrieb hier?

O-Ton:

"Nein, hier in der Slowakei nicht."

Möglicherweise ein Fall für die deutsche Justiz.

O-Ton, Bernard Südbeck, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

"Wenn wir feststellen, dass es in einem osteuropäischen Land beispielsweise nur ein Anwerbebüro gibt und keine aktive Produktionsstätte, beispielsweise Schlachthof, dann gehen wir davon aus, dass es sich, wenn die Ausländer dann hier arbeiten, um illegale Beschäftigung handelt. Die Ausländer sind dann hier in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Und wir haben dann zum einen Verstöße gegen das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz und auch Betrug zum Nachteil der Sozialversicherung."

Und die Firma Eurokart ist kein Einzelfall. Wir fahren weiter nach Levice. Auch hier müssten wir eigentlich auf einen Schlachthof stoßen. Doch auch hinter der Firma EURA verbirgt sich nur ein kleines Büro.

O-Ton:

"Uns wurde ja gesagt, dass die EURA lediglich ein Anwerbebüro sei. Das scheint sich hier zu verfestigen, der Verdacht. Und einen Schlachthof kann ich hier meilenweit nicht sehen."
Nach unserem Besuch behauptet der Geschäftsführer der EURA, er habe einen Schweinezucht- und Zerlegebetrieb in der Slowakei. Wo der sein soll, darüber allerdings schweigt er. Demgegenüber bestätigen uns zwei Gesellschafter der Firma EURA:

Zitat:

"Die Firma EURA s.r.o. betreibt weder eine Schweinezucht noch einen Zerlegebetrieb."

O-Ton, Markus Dieterich, Gewerkschaft NGG:

"Für mich ist das im Grunde genommen Menschenhandel, wie wir es aus der Prostitution kennen."
Zurück in Deutschland suchen wir die Arbeiter der Firma EURA. Wir finden sie in der Nähe von Coesfeld, Westfalen.

O-Ton:

"Firma? Firma EURA, ja. Arbeiten in Coesfeld Westfleisch."

Frage: Wie viel verdienen Sie denn im Monat?

O-Ton:

"Wie viel Geld ein Monat? 800 Euro."

Frage: Im Monat?

O-Ton:

"Im Monat."

Frage: Ist wenig, oder?

O-Ton:

"Ja. Ich muss. In Slowakei keine Arbeit und muss Arbeit."

Der Chef von Westfleisch, Helfried Giesen, einer der Großen der Branche. In seinem Betrieb schuften die Slowaken. Wir treffen ihn in Münster. Auf dem Podium redet er über Transparenz im Fleischmarkt.

Frage: Wie viele Slowaken arbeiten bei Westfleisch?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Kann ich Ihnen aus dem Kopf beim besten Willen nicht sagen."

Frage: Wie viele Osteuropäer?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Auch die Frage, mit Verlaub, Herr Peter, kann ich Ihnen aus dem Stegreif nicht beantworten. Wir haben über 3.000 Mitarbeiter. Wirklich so nicht zu beziffern."

Kein Wunder. Die Osteuropäer sind bei Subunternehmern oder Dienstleistern angestellt. Haben also offiziell mit Westfleisch nichts zu tun. So ziehen sich die großen Fleischfabrikanten häufig aus der Affäre. Aber:

O-Ton, Bernard Südbeck, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

"Die Verträge sind so ausgestaltet und vom Preisniveau mittlerweile so niedrig, dass man auch als Unternehmer erkennt: Das kann nur gehen, wenn ich sehr viele Stunden arbeiten lasse, also deutlich mehr als vereinbart. Oder wenn ich von ganz niedrigen Löhnen ausgehe."
Frage: Wissen Sie, was ein slowakischer Schlachter bei Ihnen am Band verdient?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Ich weiß nicht, ob wir slowakische Schlachtarbeiter am Band haben."
Frage: Sie haben slowakische Schlachter am Band.

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Wenn Sie das besser wissen, können wir das Interview jetzt damit ja auch beenden. Vielen Dank."
Angeblich ahnungslose Unternehmer, dubiose Dienstleister, ausgebeutete Osteuropäer. Auf der Strecke bleiben Menschen wie Reinhard Bauch.

Frage: Herr Bauch, wie schätzen Sie denn jetzt Ihre Chancen ein, wieder im Fleischgewerbe hier was zu kriegen?

O-Ton:

"Ganz ehrlich - gar nicht gut. Also ich denke, dass ich da nichts mehr bekomme."

Moderation: Fritz Frey
Bericht: Adrian Peter
Kamera: Guntram Fink, Thomas Kluge, Peter Linskens, Reinhold Maxl
Schnitt: Sylke Nattermann

aian19:
Sieht hier im Metallbereich genauso aus auf den Werften !!!

Nur das hier der Normal-Metaller so um die 800-900.-€ netto verdient !!!

Das heißt, das die hierher importierten als wohl noch weit weniger verdienen müssen, sonst würde sich das ja nicht lohnen !!!

Fragen, was die verdienen, kann man die ja nicht, weil die kein deutsch sprechen !!!  X( X( X( X( X( X( X(

Wilddieb Stuelpner:
Was der SWR-Report aus Mainz für die Schlachthäuser im Norden berichtete, das brachte die Sendung glasklar im Bayerischen Rundfunk für Schlachthäuser im Süden Deutschlands.

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