Autor Thema: Billiglöhne im Schlachthof  (Gelesen 43327 mal)

telefonfreak

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Billiglöhne im Schlachthof
« am: 03:05:43 Mo. 28.Februar 2005 »
Guten Abend!

Unter http://www.abendblatt.de/daten/2005/02/26/403977.html gibt es einen Bericht über die Lohnhöhe im Schlachthof. Bald ist das 1 Euro Niveau pro Stunde wohl erreicht  :baby:

Schöne Grüsse
Der Telefonfreak

geishapunk

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #1 am: 11:23:11 Mo. 28.Februar 2005 »
Ich habs doch gesagt das die EU-Osterweiterung keine gute Idee ist.... *kotz*  X(

ManOfConstantSorrow

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #2 am: 13:43:52 Mo. 28.Februar 2005 »
Zitat
Original von geishapunk
Ich habs doch gesagt das die EU-Osterweiterung keine gute Idee ist.... *kotz*  X(

Ich halte es für keine gute Lösung das Hochziehen dichter Grenzen zu fordern. Schließlich werden wir auch nicht von denjenigen bedroht, die noch mehr am Arsch sind als wir und deshalb für so niedrige Bezahlung arbeiten, sondern von denjenigen, die von Lohndumping profitieren. Und mit denen haben wir es hier zu tun!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

pagix

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #3 am: 13:49:25 Mo. 28.Februar 2005 »
Gibt es denn alternativen im augenblick?
Du bist Deutschland,
Du bist Bananenrepublik ...

ManOfConstantSorrow

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #4 am: 13:56:47 Mo. 28.Februar 2005 »
Häh? Wie meinen?

Alternativen zum Mauerbau?
Eine EU-Osterweiterung wäre ja kein Problem, wenn die Arbeitsbedingungen im Osten auf Westbedingungen angeglichen werden.

Vorerst sollten wir uns zumindest hier auf die simple Forderung einigen:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Niedrigere Bezahlung für Frauen oder Nicht-Deutsche gehören schließlich abgeschafft!!!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

geishapunk

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #5 am: 14:11:47 Mo. 28.Februar 2005 »
Sorry, aber das siehst Du ein wenig sehr zu einfach! Wenn Du die Grenzen fallen läßt, so ganz und komplett, dann kannst Du Dir diese Forderungen mit "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" schenken!

Es verlangt auch niemand den Bau einer Mauer o.ä., sondern es geht einfach darum das die EU-Osterweiterung einfach viel zu früh war, eben aus solchen Gründen wie im ursprünglichem Posting beschrieben!

Zitat
Eine EU-Osterweiterung wäre ja kein Problem, wenn die Arbeitsbedingungen im Osten auf Westbedingungen angeglichen werden.

Genau! Und das wird noch laaaaaaange dauern!

pagix

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #6 am: 14:15:18 Mo. 28.Februar 2005 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Häh? Wie meinen?

Alternativen zum Mauerbau?
Eine EU-Osterweiterung wäre ja kein Problem, wenn die Arbeitsbedingungen im Osten auf Westbedingungen angeglichen werden.

Vorerst sollten wir uns zumindest hier auf die simple Forderung einigen:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Niedrigere Bezahlung für Frauen oder Nicht-Deutsche gehören schließlich abgeschafft!!!

Wenn das mal so eben machbar währe. Ist sicher die beste Lösung, nur
wird da niemand mitspielen - das kostet ja schließlich alles Geld....
Du bist Deutschland,
Du bist Bananenrepublik ...

Wilddieb Stuelpner

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #7 am: 15:15:58 Di. 01.März 2005 »
ARD/SWR, Sendung "Report aus Mainz": Tatort Schlachthaus - Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden

Report Mainz vom 28. Februar 2005

Moderation Fritz Frey:

So hatten wir uns das nicht vorgestellt mit der EU-Osterweiterung. Mehr als fünf Millionen deutsche Arbeitslose, und in vielen unserer Schlachthöfe schuften Slowaken und Polen unter Bedingungen, die nicht nur Gewerkschaftern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Unternehmerische Verantwortung - Fehlanzeige. Und die Staatsmacht tut sich schwer, dem oft kriminellen Treiben ein Ende zu machen.
Adrian Peter traf bei seinen Recherchen ausgebeutete Osteuropäer, Unternehmer ohne Skrupel und eben auch Deutsche ohne Arbeit, gefeuert, weil andere billiger sind.

Bericht:

Reinhard Bauch ist gelernter Schlachter. Der achtfache Familienvater ist arbeitslos. Die Kündigung kam pünktlich mit der EU-Osterweiterung im Mai vergangenen Jahres.

O-Ton, Reinhard Bauch:


"Wir haben am 1.05. haben wir die Kündigung bekommen. Man sagte uns, also wir würden zu viel Geld verdienen. Er könnte das nicht billiger machen und so. Und deswegen wird er die Arbeiter da nicht mehr behalten."

Bauchs gesamte Kolonne wurde gekündigt. Ersetzt durch Osteuropäer. Untergebracht sind die direkt neben Bauchs Haus im Osnabrücker Land. In diesem Wohnheim. Davor parken Autos mit polnischen Kennzeichen.

Als die Polen unsere Dreharbeiten bemerken, winken sie uns zu sich. Sie wollen mit uns über ihre Situation reden. Seit vier Tagen sind sie im Streik, erzählen sie, warten auf versprochene Löhne. Immer wieder werden sie vertröstet.

O-Ton:

"Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Das heute ist vier Tage, dass kein Geld. Alles Leute warten."

Das Wohnheim ist in einem miserablen Zustand. Vier Männer teilen sich ein Schlafzimmer. Doch an Schlaf ist ohnehin kaum zu denken. Einer der Polen schreibt uns die Arbeitszeiten auf. Von 4.30 Uhr bis 20 Uhr. Täglich rund 16 Stunden. Der versprochene Lohn - 1.000 Euro im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von gerade mal 3 Euro.

Seit der EU-Osterweiterung herrscht Goldgräberstimmung in der Schlachtbranche. Zu Tausenden werden Deutsche verdrängt von osteuropäischen Schlachtkolonnen, die über Subunternehmer in den Schlachtbetrieben angeheuert werden.

Chemnitz vor wenigen Tagen. Entlassene Schlachter und Zerleger treffen sich in einem Hotel. Sie waren bei einem deutschen Subunternehmer angestellt, der mit heimischen Arbeitskräften arbeitete. Doch der konnte nicht mithalten gegen einen slowakischen Konkurrenten. Er verlor den Auftrag, 60 deutsche Schlachter ihre Jobs.

O-Ton:

"Ich glaube, es sind alle Leute sauer bei uns hier. Wir haben dort gearbeitet für gutes Geld. Wir haben unsere Leistung gebracht, und dann wird der Betriebsvertrag gekündigt, und es kommen Tschechen oder Slowaken rein. Machen sie auch von der anderen Fleischindustrie, dass überall solche Sachen veranstaltet werden. Ich finde, das ist riesenhafte Sauerei."

O-Ton:

"Das ist schon an der Grenze der Legalität würde ich sagen. Ich würde das als kriminell bezeichnen."
Bei Gausepohl in Chemnitz machen jetzt Slowaken ihren Job. Angestellt sind sie bei einem slowakischen Subunternehmer, der Firma Eurokart. Scheinbar ganz legal. Schlachter- und Zerlegerarbeiten dürfen seit Mai vergangenen Jahres auch in die Slowakei vergeben werden. Vorausgesetzt, diese Firmen haben dort einen eigenen Betrieb, etwa einen Schlachthof.
Wir wollen wissen, hat Eurokart tatsächlich einen Schlachthof in der Slowakei. Zusammen mit dem Gewerkschafter Markus Dieterich fahren wir in die slowakische Kleinstadt Trencin, machen uns auf die Suche.

O-Ton, Markus Dieterich, Gewerkschaft NGG:

"So, wenn die Adresse stimmt, müsste das die Stefanikova 19 sein und es müsste dann ein Schild sein mit dem Namen Eurokart."

Laut Handelsregister hat die Firma zum Zeitpunkt unseres Besuches hier ihren Sitz. Doch statt eines Schlachthofes finden wir nur ein Bürogebäude. Und tatsächlich - hier findet sich das Firmenschild der Eurokart. Wir fragen nach.

Frage: Mich würde interessieren, ist das die Firma Eurokart?

O-Ton:

"Ja. "

Frage: Mich würde interessieren, arbeiten Sie für Gausepohl in Chemnitz?

O-Ton:

"Ja. "

Frage: Ich dachte, das wäre ein Schlachtbetrieb hier. Haben Sie keinen Schlachtbetrieb hier?

O-Ton:

"Nein, hier in der Slowakei nicht."

Möglicherweise ein Fall für die deutsche Justiz.

O-Ton, Bernard Südbeck, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

"Wenn wir feststellen, dass es in einem osteuropäischen Land beispielsweise nur ein Anwerbebüro gibt und keine aktive Produktionsstätte, beispielsweise Schlachthof, dann gehen wir davon aus, dass es sich, wenn die Ausländer dann hier arbeiten, um illegale Beschäftigung handelt. Die Ausländer sind dann hier in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Und wir haben dann zum einen Verstöße gegen das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz und auch Betrug zum Nachteil der Sozialversicherung."

Und die Firma Eurokart ist kein Einzelfall. Wir fahren weiter nach Levice. Auch hier müssten wir eigentlich auf einen Schlachthof stoßen. Doch auch hinter der Firma EURA verbirgt sich nur ein kleines Büro.

O-Ton:

"Uns wurde ja gesagt, dass die EURA lediglich ein Anwerbebüro sei. Das scheint sich hier zu verfestigen, der Verdacht. Und einen Schlachthof kann ich hier meilenweit nicht sehen."
Nach unserem Besuch behauptet der Geschäftsführer der EURA, er habe einen Schweinezucht- und Zerlegebetrieb in der Slowakei. Wo der sein soll, darüber allerdings schweigt er. Demgegenüber bestätigen uns zwei Gesellschafter der Firma EURA:

Zitat:

"Die Firma EURA s.r.o. betreibt weder eine Schweinezucht noch einen Zerlegebetrieb."

O-Ton, Markus Dieterich, Gewerkschaft NGG:

"Für mich ist das im Grunde genommen Menschenhandel, wie wir es aus der Prostitution kennen."
Zurück in Deutschland suchen wir die Arbeiter der Firma EURA. Wir finden sie in der Nähe von Coesfeld, Westfalen.

O-Ton:

"Firma? Firma EURA, ja. Arbeiten in Coesfeld Westfleisch."

Frage: Wie viel verdienen Sie denn im Monat?

O-Ton:

"Wie viel Geld ein Monat? 800 Euro."

Frage: Im Monat?

O-Ton:

"Im Monat."

Frage: Ist wenig, oder?

O-Ton:

"Ja. Ich muss. In Slowakei keine Arbeit und muss Arbeit."

Der Chef von Westfleisch, Helfried Giesen, einer der Großen der Branche. In seinem Betrieb schuften die Slowaken. Wir treffen ihn in Münster. Auf dem Podium redet er über Transparenz im Fleischmarkt.

Frage: Wie viele Slowaken arbeiten bei Westfleisch?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Kann ich Ihnen aus dem Kopf beim besten Willen nicht sagen."

Frage: Wie viele Osteuropäer?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Auch die Frage, mit Verlaub, Herr Peter, kann ich Ihnen aus dem Stegreif nicht beantworten. Wir haben über 3.000 Mitarbeiter. Wirklich so nicht zu beziffern."

Kein Wunder. Die Osteuropäer sind bei Subunternehmern oder Dienstleistern angestellt. Haben also offiziell mit Westfleisch nichts zu tun. So ziehen sich die großen Fleischfabrikanten häufig aus der Affäre. Aber:

O-Ton, Bernard Südbeck, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

"Die Verträge sind so ausgestaltet und vom Preisniveau mittlerweile so niedrig, dass man auch als Unternehmer erkennt: Das kann nur gehen, wenn ich sehr viele Stunden arbeiten lasse, also deutlich mehr als vereinbart. Oder wenn ich von ganz niedrigen Löhnen ausgehe."
Frage: Wissen Sie, was ein slowakischer Schlachter bei Ihnen am Band verdient?

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Ich weiß nicht, ob wir slowakische Schlachtarbeiter am Band haben."
Frage: Sie haben slowakische Schlachter am Band.

O-Ton, Helfried Giesen, Vorstand Westfleisch:

"Wenn Sie das besser wissen, können wir das Interview jetzt damit ja auch beenden. Vielen Dank."
Angeblich ahnungslose Unternehmer, dubiose Dienstleister, ausgebeutete Osteuropäer. Auf der Strecke bleiben Menschen wie Reinhard Bauch.

Frage: Herr Bauch, wie schätzen Sie denn jetzt Ihre Chancen ein, wieder im Fleischgewerbe hier was zu kriegen?

O-Ton:

"Ganz ehrlich - gar nicht gut. Also ich denke, dass ich da nichts mehr bekomme."

Moderation: Fritz Frey
Bericht: Adrian Peter
Kamera: Guntram Fink, Thomas Kluge, Peter Linskens, Reinhold Maxl
Schnitt: Sylke Nattermann

aian19

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #8 am: 12:42:20 Do. 03.März 2005 »
Sieht hier im Metallbereich genauso aus auf den Werften !!!

Nur das hier der Normal-Metaller so um die 800-900.-€ netto verdient !!!

Das heißt, das die hierher importierten als wohl noch weit weniger verdienen müssen, sonst würde sich das ja nicht lohnen !!!

Fragen, was die verdienen, kann man die ja nicht, weil die kein deutsch sprechen !!!  X( X( X( X( X( X( X(
"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin

Wilddieb Stuelpner

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #9 am: 14:42:04 Do. 03.März 2005 »
Was der SWR-Report aus Mainz für die Schlachthäuser im Norden berichtete, das brachte die Sendung glasklar im Bayerischen Rundfunk für Schlachthäuser im Süden Deutschlands.

ManOfConstantSorrow

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #10 am: 20:33:39 Fr. 25.März 2005 »
Das Thema ist ein Dauerbrenner, da hier Türen geöffnet werden für verschäfte Ausbeutung in anderen Branchen.  Aktuell hat´s der Stern auch wieder aufgenommen:
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/538042.html?nv=hp_rt

Ich muß aber noch auf den TV-Tiltel: ARD/SWR, Sendung "Report aus Mainz": Tatort Schlachthaus - Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden eingehen...

Ich hasse das Fernsehen und seine Journalisten + Redakteure!
Zitat
Warum Tausende deutsche Arbeiter gefeuert werden
Möchte wetten, darunter war so manch Türkischer und Vietnamesischer Arbeiter. Das Problem ist doch nicht die Nationalität, sondern daß es Leute gibt, die man zwingen konnte zu noch mieseren Bedingungen zu arbeiten! Wenn man das an Nationalitäten festmacht dann hätten die Dänen auch Grund die Deutschen als Lohndrücker zu hassen.

Wir sollten aber lieber die Unternehmer hassen, die mit solchen Bedingungen ihre Betriebe führen und Politiker, die das ermöglichen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Wilddieb Stuelpner

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #11 am: 00:13:01 Sa. 26.März 2005 »
Die Journalisten und Redakteure durch die Bank als Geschäftemacher mit dem Elend zu diffamieren, bringt es auch nicht. Für gut und sachlich recherchierte Informationen sollten wir dankbar sein und diese Inforationen als Argumentationsmittel gegen Arbeitsvermittler aus der BA, aus den PSAs, den Zeit- und Leiharbeitsfirmen, gegen Beamten und Politiker und gegen schlafmützige Gewerkschaftsfunktionäre verwenden.

Was wir brauchen sind europäisch festgeschriebene Mindeststandards in sozialen und arbeitsrechtlichen Belangen in allen Mitgliedsländern. Das gleiche gilt für Steuern, für's Arbeits- und Sozialrecht, für Mindestlöhne und -renten. Das Mindeste sollte sich nicht am Schlechtesten, sondern am vorhandenen höchsten Niveau orientieren. Wir brauchen die Angleichung der Konkurrenzbedingungen in ganz Europa. Denn was anderes gibt es nicht. Der angebliche Wettbewerb ist doch wieder nur ein verschleierter und gefälschter Begriff der Bourgeoisie für Konkurrenz und Profittreiberei.

Den faulen, von der Wirtschaft geschmierten Beamtensäcken im Bundeswirtschaftsministerium, die diese Genehmigungen zum Lohn-, Sozial- und Steuerdumping bewilligten, sollte man die Stühle unter dem fetten Hintern anzünden oder gleich das Bundeswirtschaftsministerium, das Europaparlament, die europäischen Parlamente der Politiker und die Firmen von Profitgeiern in Wirtschaft und Banken lodern lassen. Am besten zur gleichen Zeit in ganz Europa.

Georg Büchner sagte schon richtig im Hessischen Landboten:

"Friede den Hütten, Krieg den Palästen!"

Doch dazu bedarf es echter Arbeiter- und Bauernparteien, eines einheitlichen Programms, freiheitlichen Volkswahlen, ein sich solidarisch verhaltenes Volk und der Enteignung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Wenn die Eigentums- und Aneignungsverhältnisse im Produktionsprozess als Quelle der Ausbeutung beseitigt sind, hat das Kapital seine Existenzberechtigung verloren. Solange das phlegmatische Volk seine Schinder erduldet, ist ihm nicht zu helfen.

Man könnte Die Internationale intonieren, dann würde es deutlich werden:

...

2. Strophe

Es rettet uns kein höh'res Wesen,
Kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen,
Können wir nur selber tuen!
Leeres Wort, des Armen Rechte!
Leeres Wort, des Reichen Pflicht! ---> So ein leeres Wort ist die Sozialverflichtung im Grundgesetz
Unmündig nennt man Euch und Knechte!
Duldet die Schmach nun länger nicht!

...

4. Strophe

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
Wir sind die stärkste der Parteien!
Die Müßiggänger schiebt beiseite,
Diese Welt soll unser sein!
Unser Blut sei nicht der Raben
Und der mächt'gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben,
Dann scheint die Sonn' ohn' Unterlaß!

...

Abscheulich blähn sich diese Götzen,
die Herrn von Schacht und Eisenbahn.
Sie machten unser Blut zu Schätzen,
sie haben unser Gut vertan.
In Stahltresoren liegt's vergraben.
Wann machen wir die Rechnung glatt?
Das Volk will ja nur wiederhaben,
was man dem Volk gestohlen hat.

Die Herrscher machten uns betrunken.
Der Zauber muss zu Ende sein.
Drum werft ins Heer der Freiheit Funken!
Dann schlägt es mit dem Kolben drein.
Wenn sie uns zwingen, die Barbaren,
Soldat zu spielen noch einmal,
wir werden unsre Kugeln sparen
für unsren eignen General

--> zur letzten Strophe - Wann begreifen denn die amerikanischen, britischen, deutschen und anderen Soldaten nicht, daß sie ihren Kopf und Leben riskieren für die Geldtöpfe des Kapitals?

Warum verhalten sich die Soldaten nicht wie beim Matrosenaufstand von Kiel und Wilhelmshafen? Die Bundeswehr, die Bundesmarine und die Luftwaffe brauchen an Ihren Kasernentoren keine Namen von Kriegshelden der Wehrmacht und Waffen-SS. Man sollte die Namen von Arbeitersoldaten den Kasernen verpassen, sofern es sich denn mit der BRD um einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat handeln würde. Arbeiter und Angestellten sind die größte soziale Klasse in diesem Land. Und Demokratie heißt bekanntlich Volksherrschaft

Wie wäre es mit Albin Köbis und Max Reichpietsch, den Matrosen von Cattaro, mit Kämpfern aus den Internationalen Brigaden im Spanienkrieg. Das Cattaro des kuk. Österreichs-Ungarn heißt heute Kotor und liegt in Montenegrien. Aber das kann man ja nicht von einem Kapitalistenstaat erwarten. Die Genannten würden Europa würdig vertreten.

klaus72

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  • Nieder mit der Unterdrückung und Armut !
Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #12 am: 07:33:47 Sa. 26.März 2005 »
Hallo J. Kühnel und Mitleser/innen,

ich möchte gerne Wissen, weshalb die "Deutschen" sehr phlegmatisch verhält.
Ich fühle mich ja sehr bedroht, da die Mehrheit anscheinend über die Lohnsenkung und steigende Mieten still zustimmen. Wäre dieses Problematik in Frankreich der Fall, sind wirklich sehr viele mündige Stimmen der franz. Bürger recht laut.  8o

Wilddieb Stuelpner

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #13 am: 10:21:32 Sa. 26.März 2005 »
Sein Verhalten und die Beweggründe dafür, sollte sich jeder selbst beantworten können. Jedenfalls war die deutsche Bevölkerung auch mal aufgeweckter und voller Selbstvertrauen.

Evtl. liegt es an der Korrumpierbarkeit durch ein wenig Wohlstand, Besitz und Eigentum. Wer über ein gewisses Maß an Hab und Gut verfügt, kann seinen sozialen Stadard auch wieder verlieren. Er wird für die Herrschenden erpreßbar. Also hält er stll, um seinen sozialen Status zu halten.

Wer nichts weiter hat als seine Ketten zu verlieren, der wehrt sich, wenn es ihm an die Existenzgrundlage geht. Und die bedrohte Existenz ist der Entzug von Arbeit. Arbeitslosigket ist nichts anderes als von Unternehmern verfügtes Berufs- und Arbeitsverbot mit Duldung der Regierung und der Behörden.

Es stellt sich also die Frage: Warum bestraft man die Täter - die Unternehmer - nicht und zwingt sie, wenn sie wirtschaftlich belastbar sind, arbeitswillige Arbeitslose zu existenzsichernden Bedingungen zu beschäftigen?

Die Antwort darauf: Man schützt ungerechtfertigt das Privateigentum an Produktionsmitteln und die in ihm innewohnenden Eigentums- und Machtfrage - den Erhalt der Ausbeutungsverhältnisse durch Erzielung von Maximalprofiten.

aian19

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Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #14 am: 15:03:12 Sa. 26.März 2005 »
@ Topic

Nicht nur in den Schlachtereien, auch bei uns auf dem kläglichen Rest, was noch an Werften geblieben ist, ackern die. Klar bin ich sauer, aber auch ich gebe die Schuld dafür nicht den Polen, Russen oder was auch immer !
Die Politik und die Firmen bzw. ihre Manager sind Schuld, auf die bin ich sauer.

BTW.: Der Zoll hat auf der einen Werft hier ´ne Razzia gemacht, die Polen hier warten auch seit 3 Monaten auf ihren Lohn, haben noch keinen Cent gesehen. Der eine von denen hatte seinen 10jährigen Sohn mitgebracht zum helfen.

Zum anderen...
Zitat
...ich möchte gerne Wissen, weshalb die "Deutschen" sehr phlegmatisch verhält.
Zum einen stimme ich da dem Joachim zu, zum anderen liegt es immer noch daran, daß das Klassensystem und die Neidkampagne der Regierung hier voll aufgeht ! Schau mal ins Tacheles-Forum oder z.T. auch hier, da gibt´s einige Arbeitslose, die sich für bessere Arbeitslose halten als andere und dementsprechend auftreten ! Sei es, weil sie aus dem Angestelltenbereich kommen oder aus der akademischen Richtung oder sie denken, sie seien bessere Arbeitslose als andere, weil sie dem "Reform-Programm" in der Allerwertesten kriechen. Die wachen erst auf, wenn sie trotzdem von diesem unsozialen und undemokratischem System getreten werden !
"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin