Autor Thema: Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn  (Gelesen 4920 mal)

ManOfConstantSorrow

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Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn
« am: 11:04:34 Sa. 29.Mai 2010 »
Zitat
Billig-Personal
Bahn verdirbt die Preise
Gewerkschaften schlagen Alarm, Mitarbeiter sind empört: Mit eigenen Zügen und Niedriglohn-Personal von fremden Firmen will die Deutsche Bahn leichter an Aufträge für neue Strecken kommen.

Von Peter Kirnich

Die Deutsche Bahn bewirbt sich derzeit um ein Eisenbahnnetz rund um die Ostseestadt Rostock. Das ist nicht ungewöhnlich. Und doch gibt es im Ringen um das Warnow-Netz in Mecklenburg-Vorpommern ein Novum: Die Deutsche Bahn will zwar eigene Züge stellen, Lokführer und Zugbegleiter aber möchte sie über Subunternehmen anheuern. Der Vorteil für die Bahn. Sie muss die Beschäftigten nicht nach Tarif bezahlen, sondern kann sie geringer entlohnen. Das Angebot wird günstiger, die Chance, die Ausschreibung zu gewinnen, steigt.

Klar, dass die Gewerkschaften angesichts dieses dreisten Treibens Alarm schlagen. Schon seit längerem müssen sie mit anschauen, wie die Deutsche Bahn bei Ausschreibungen im Nahverkehr nur noch mit Tochterfirmen ohne Tarifbindung antritt.

Nun setzt die Bahn allerdings noch einen drauf, und ordert gleich fremdes Personal. Sie begründet dies mit einer Notlage. Teilweise liege der Tariflohn der Bahn 30 Prozent über dem Niveau der Wettbewerber.

Gewerkschaften alarmiert


Aus Sicht des Konzerns ist dies ein entscheidender Grund, weshalb sie seit 2003 rund 40 Prozent der Ausschreibungen in den Ländern an die Konkurrenz verloren habe. Die Bahn sieht sich in der Zukunft verstärkt vor dem Dilemma, entweder mit niedrigeren Löhnen um die Strecken zu kämpfen oder auf Aufträge zu verzichten.

Wenn man so will, ist dies die Kehrseite der Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs. Nirgendwo in Europa tummeln sich mehr Wettbewerber auf Schienen als in Deutschland. Dies hat das Geschäft belebt und das Niveau erhöht. Auch die Länder leben gut damit, können sie doch auf das günstigste Angebot zurückgreifen und auf diese Weise viel Geld sparen - wohlwissend, dass dieser Kosten-Wettbewerb in großem Stil auf dem Rücken tausender Bahn-Beschäftigter ausgetragen wird.

Es gäbe allerdings einen Weg, um das Problem zu lösen: Ein Tarifvertrag, der die Gehälter für die gesamte Branche regelt. Das Problem: Um die kräftig auseinanderdriftenden Löhne einander anzugleichen, müssten entweder die privaten Bahnkonkurrenten die Tarife ihrer Beschäftigten anheben, oder die Deutsche Bahn die Gehälter ihrer Arbeitnehmer senken.

Die Bahn-Gewerkschaften lassen allerdings nicht locker und wollen in der im Juni anstehenden Tarifrunde einen Branchentarifvertrag durchsetzen. Klappt das nicht, drohen sie mit Streik. Es könnte ein heißer Sommer bei der Bahn werden.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2696397_Billig-Personal-Bahn-verdirbt-die-Preise.html
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Paradiesvogel

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Re:Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn
« Antwort #1 am: 16:16:52 Mo. 16.August 2010 »
Da kann ich ein Lied von Singen, wie gut dass ich in diesem Fall aufgrund meiner RotGrünBlindheit im dem Auswahlverfahren der Deutschen Bahn AG zum Ausbildungsberuf "Kaufmann für Verkehrsservice" ausgemustert worden bin.

Eigentlich bin ich überzeugter Eisenbahner mit Leib und Seele habe ich immer von einer Karriere bei der Bahn geträumt. Wenn man mal sieht was die BahnReform gebracht hat, bekomme ich echt das Kotzen !!!!! Erstmal der dubiose Personalabbau

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahn1160.html

gleichwohl es immer dementiert wird und alles schön geredet wird, weise ich auf die dubiosen Unterfirmen hin wie zum Beispiel die Odeg oder UBB oder die neue DB Zeitarbeit !!!! Wusste gar nicht dass die Deutsche Bahn jetzt sogar ne betriebsinterne Zeitarbeitsfirma hat.

Als ich letzte Woche nach Rostock Hbf gefahren bin, sah ich auf der Strecke von Berlin in den kleinen Dörfern wo mal der Zug ab und zu hielt zerfallene Bahnhofsgebäude mit Graffiti besprüht sowie fehlendes Personal. Eigentlch sollte an jedem Bahnhof Stationspersonal vorhanden sein...sowie eine Aufsicht...und Personal für den Fahrkartenverkauf.

Desweiteren ist mir u.a aufgefallen dass viele Regionalzüge zum Beispiel von Oranienburg nach Templin oder von Rostock nach Wismar überhaupt gar keine Zugbegleiter mehr haben, --- dass hier Personal nicht abgebaut werden tut, halte ich doch für eine Lüge !!!!

Zudem finde ich es kriminell dass die Bahn, die InterRegios und die alten D-Züge abgeschafft hat, mit der Folge dass man mit den unbequemen RE Zügen oder überteuerten ICE Zügen vorlieb nehmen muss.

Der Bahnhof in Rostock Hbf ist nicht mehr so betriebsam wie er einstmal vor 20 Jahren mal war, hier könnt ihr euch mal ein Bild machen, wie der Bahnhof mal aussah.

Deutsche Reichsbahn,Rostock HBF.1990

Wenn man bedenkt, dass es noch durchgehende Züge direkt von Prag/Berlin via Rostock nach Kopenhagen gab und dass für einen bezahlbaren fairen Preis und seit 1995 schluss ist, kriege ich echt das Kotzen !!!!

Wer heute nach Kopenhagen will, darf erstmal die S-Bahn nach Seehafen nehmen, findet sich verlassen an einem Autobahnausgang wider, darf  30 Minuten zu fuss laufen zur Fähre - fährt dann 2 Stunden mit der Fähre nach Gedser , muss dann die Bushaltestelle in Gedser suchen um nach Nykobing zu kommen um dann endlich auch dort nur den RE Zug zu kriegen, wer diese strapazen über sich ergehen lassen will, den kann ich die Hand drücken ...ansonsten ist das Pase mit der Bahn und den direktverbindungen nach Kopenhagen.

Systematisch wird die Bahn zerstört und erschreckend finde ich dass es keinem Interessiert, es sei dann die Hetze gegen Arbeitslose geht voll Wallungen.

ManOfConstantSorrow

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Re:Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn
« Antwort #2 am: 19:18:32 So. 13.März 2011 »
Zitat
Lokführer drohen mit massiver Streikwelle

Die Lokführergewerkschaft GDL hat mit einer massiven Ausweitung der Streiks gedroht. Der Arbeitskampf werde die Streikwelle von 2007 und 2008 an Härte noch übertreffen, sagte GDL-Chef Weselsky der "Welt am Sonntag". Voraussichtlich werde man aber früher zu einer Einigung kommen als damals. Es werde schneller aufeinander folgende Streiks geben. Unbefristete Arbeitsniederlegungen schloss Weselskys aber aus. - Bis kommenden Dienstag sind Streiks erst einmal ausgesetzt.
dradio.de/nachrichten

Großartig!
Die Medien haben Probleme Stimmen gegen den Streik zu finden und müssen lange nach entsprechenden Idioten suchen.

In diesem Streik wird nicht nur gegen den Niedergang bei den Arbeitsbedingungen gekämpft, sondern auch gegen Outsourcing und Zersplitterung der Belegschaften.


Zeigt Solidarität! Flugis, Pappschilder, Flyer, Grafities, Transparente! Seid dabei!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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  • Fischkopp
Re:Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn
« Antwort #3 am: 20:31:03 Sa. 11.Juni 2011 »
Ist ja wirklich irre.
Es wurde massig Propaganda gegen die Bahnstreiks gemacht, doch die Bevölkerung hatte weiterhin absolutes Verständnis für diesen Arbeitskampf. Die neue Taktik: Ein mächtiger und langwieriger Streik wir einfacht totgeschwiegen.

Eivisskat

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Re:Outsorcing und Lohndumping bei der Bundesbahn
« Antwort #4 am: 20:13:19 Di. 17.Juli 2012 »
Zitat
Bahn will Fachkräfte aus Südeuropa einstellen

Im Fokus sind dabei Arbeiter aus Krisenregionen. Es geht um 80.000 Stellen, die in den kommenden zehn Jahren neu besetzt werden müssen.

Hamburg/Berlin.  Die Deutsche Bahn prüft, ob sie Fachkräfte aus den Euro-Krisenländern Spanien, Griechenland oder Portugal gewinnen kann. „Wir denken durchaus in diese Richtung“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber dem Wirtschaftsmagazin „Capital“.

 "Über unsere ausländischen Tochterfirmen bei Schenker Rail oder Arriva haben wir dafür gute Voraussetzungen und diskutieren derzeit mit unseren Kollegen vor Ort, was wir machen können." Konkrete Maßnahmen seien aber noch nicht geplant.

 Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat schon vor einem Jahr gezielt in südeuropäischen Krisenregionen um Fachkräfte geworben. Spanien, Griechenland und Portugal stecken in einer tiefen Rezession mit einer hohen Arbeitslosigkeit.

 In den kommenden zehn Jahren muss die Bahn dem Bericht zufolge 80.000 Stellen neu besetzen. „Wir haben gerade eine engere bundesweite Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit verabredet“, sagte Weber. (dpa)


http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article2341684/Bahn-will-Fachkraefte-aus-Suedeuropa-einstellen.html