Autor Thema: Indien  (Gelesen 254 mal)

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7081
Indien
« am: 14:02:04 Mo. 23.Dezember 2019 »
Indien wird scheinbar von der Linken anders gesehen und die derzeitigen Proteste werden nicht in die Reihe der globalen Aufstände gestellt. Indien war einst ein Sehnsuchtsort der Hippies und die Esoszene verklärt den Subkontinent mit Vorstellungen von Transzendenz, Gewaltlosigkeit und "Östlichem Denken" (was auch immer das sein mag).

Die hindunationalistische Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) ist aber nicht tranzendent und gewaltlos, sondern faschistisch. Es wäre mal an der Zeit, das zu thematisieren, auch den Esospinnern gegenüber.

Ein paar Ausschnitte aus einem Telepolisartikel:
Zitat
Indien: Spalte und herrsche
Narendra Modi und seine Hindu-Extremisten haben den Bogen überspannt und trotzdem ihr Ziel erreicht: Kaum einer redet über die wirklichen Probleme des Landes


Am 11. Dezember hatte die Modi Regierung im Parlament die Citizenship (Amendment) Bill, 2019 (CAB) verabschiedet. Zum ersten Mal in der Geschichte Indiens werden Staatsbürgerschaften an Flüchtlinge nach religiösen Maßstäben vergeben: Muslimische Flüchtlinge werden ausgeschlossen. Dabei ist Indien ein säkularer Staat: Die Artikel 25 bis 28 der Verfassung sagen, dass der Staat keine Religions-Gruppe bevorzugen oder diskriminieren darf.

Auf Ausschreitungen in West-Bengalen hatte die Zentralregierung von Narendra Modi und ihr Scharfmacher, Innenminister Amith Shah, nur gewartet: Shah warf der Chief-Ministerin von West-Bengalen, Mamata Banerjee, vor, die Ausschreitungen angezettelt zu haben und die Menschen gegen die Zentralregierung aufzuhetzen. Banerjee ist die einflussreichste Kritikerin von Narendra Modi und seiner Politik der Spaltung. Dazu drehte Innenminister Shah den Spieß um, und warf Mamata vor, Hindus und Muslime gegeneinander aufzuhetzen.

Modi und sein Innenminister Shah stammen aus der radikalen Hinduorganisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), die sich viele Ideen und Rituale von Mussolinis Faschisten abgekupfert hat.

So wird Modi weiter die Muslim-Karte spielen und das Land spalten, damit er weiter regieren kann. Nur so bleiben Wasserkrise, verdreckte Flüsse, Arbeitslosigkeit und die wachsende Ungleichheit außerhalb des Fokus'.

Doch in Kolkata haben Modi und Shah den Bogen überspannt: Neben täglichen Großdemonstrationen sind jeden Abend kleine Umzüge von Frauengruppen, Gewerkschaftlern und Aktivisten zu sehen - andere Bewohner schließen sich spontan an...
https://www.heise.de/tp/features/Indien-Spalte-und-herrsche-4621626.html?seite=all
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7081
Re: Indien
« Antwort #1 am: 13:34:41 Di. 07.Januar 2020 »
Zitat
Indien
Landesweite Proteste nach Angriff auf Elite-Uni

Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen auf dem Universitätscampus in Delhi ist es landesweit zu studentischen Protesten gekommen. Seit Wochen gibt es an zahlreichen Universitäten des Landes Streiks gegen das umstrittene neue Staatsbürgerschaftsrecht und sowie die Anhebung der Studiengebühren.




Der Angriff maskierter Schlägertrupps auf Studenten und Dozenten der renommierten Nehru-Universität in Delhi am Sonntagabend hat landesweite Proteste und Solidaritätskundgebungen ausgelöst.

In Mumbai, Bangalore und Kalkutta demonstrierten am Montagabend tausende Studenten gegen die Gewalt auf dem Universitätscampus in Delhi, gegen die angebliche Untätigkeit der Polizei und gegen die Regierung.

Am Sonntagabend waren mit Schlagstöcken und Eisenstangen bewaffnete Männer auf das eigentlich abgeriegelte und bewachte Gelände der Nehru-Universität in der indischen Hauptstadt eingedrungen und hatten Studenten und Dozenten verprügelt und mindestens 30 verletzt.

„Drei Studenten macht die Polizei gar nichts“

Dies sei ein gezielter Angriff auf die regierungskritische Universität gewesen, sagte Yogendra Yadav, ein linker Politiker und Dozent für Sozialwissenschaften dem Fernsehsender NDTV:

„Einer bewaffneten Bande wird erlaubt, auf das Universitätsgelände zu kommen. Die Polizei macht drei Stunden lang gar nichts, die können machen, was sie wollen. Und am Ende können sie unbehelligt abziehen. Nicht ein einziger wurde von der Polizei festgehalten. Das zeigt doch nur, dass das ein organisierter Angriff war, unter dem Schutz der Polizei. Wenn wir das zulassen, zerstört das die Grundlage unserer Demokratie.“

Die als liberal geltende Eliteuniversität, zu deren Absolventen führende Politiker, namhafte Künstler und sogar ein Nobel-Preisträger gehören, spielt eine führende Rolle bei den landesweiten Protesten gegen das umstrittene Staatsbürgerschaftsrecht der hindunationalistischen Regierung unter Premierminister Narendra Modi. Die Studentenvertretung der Universität machte einen rechten, der Regierungspartei nahestehenden Studentenverband für die Gewalt verantwortlich. Sargam Sharma, eine junge Absolventin der Jawarharlal Nehru Universität, kurz JNU:

„Die JNU wird attackiert, seit dieses Regime an die Macht gekommen ist. Die beschimpfen die Universität als anti-national und behaupten die Universität wolle das Land zerstören. Wenn man dafür sorgt, dass Bildung nicht mehr für alle zugänglich ist, dann kommt es offensichtlich auch zu Gewalt. Und die Leute draußen sagen dann auch noch, die Gewalt sei gerechtfertigt.“

Streit zwischen linken und rechten Studentengruppierungen

Seit Wochen gibt es an der JNU und zahlreichen anderen Universitäten im ganzen Land Streiks und Proteste nicht nur gegen das umstrittene neue Staatsbürgerschaftsrecht, sondern auch gegen eine Anhebung der Studiengebühren. An manchen Universitäten, u.a. an der JNU, sollen sie dem Vernehmen nach fast verdoppelt werden. Der Gewalt am Sonntagabend war ein Streit zwischen linken und rechten Studentengruppierungen über die Fortführung oder Einstellung der Proteste vorausgegangen.

Die führenden indischen Gewerkschaften riefen für morgen zu einem landesweiten Generalstreik auf, um gegen die Politik der Regierung zu protestieren. Mehr als 60 Studentenvereinigungen unterstützten den Streik.
https://www.deutschlandfunk.de/indien-landesweite-proteste-nach-angriff-auf-elite-uni.1773.de.html?dram:article_id=467316
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

RoterProlet

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 66
  • Arbeiter*innen aller Länder, vereinigt euch!
Re: Indien
« Antwort #2 am: 15:04:48 Di. 07.Januar 2020 »
Indien wird scheinbar von der Linken anders gesehen und die derzeitigen Proteste werden nicht in die Reihe der globalen Aufstände gestellt.

Ist leider so! Hier mal ein paar Sachen zu den letzten Monaten

Zitat
INDIEN: 17 tote bei Fakenencounter im Jahr 2012
Die indische Regierung musste den Mord an 17 Dorfbewohnern im Jahr 2012 zugeben.

Im Juni 2012 wurden im Dorf Sarkeguda, in Chhattisgarh 17 Adivasi (Kostenlose), darunter sechs Kinder, durch Kräfte der Zentralen Reserve-Polizei und der Bundespolizei Chhattisgarhs erschossen. Der Vorfall wurde von offiziellen Stellen als eine Aktion gegen die Kommunistische Partei Indiens (maoistisch) und die Volksbefreiungsguerillaarmee dargestellt.

Schon damals haben Angehörige der Getöteten diese Version vehement abgestritten und erklärt, dass die Ermordeten nichts mit der CPU(Maoist) oder der PLGA zutun hatten. Sie seien lediglich auf einer Dorfversammlung gewesen, als die Polizeikräfte kamen und ohne Warnung das Feuer eröffneten. Im Kugelhagel wurden auch mehrere Polizisten verletzt, wie sich herausstellte durch Friendly-Fire.

Aufgrund des großen Drucks durch das Volk und Menschenrechtsorganisationen sah sich die BJP-Regierung gezwungen einen Untersuchungsausschuss ermitteln zu lassen. Dieser kam in seinem Abschlussbericht, welcher am Montag veröffentlicht wurde, zu dem selben Ergebnis wie die nichtstaatlichen Organisationen, die sich zuvor dem Vorfall angenommen hatten. Die getöteten waren keine Maoisten und sie haben nicht geschossen, es war ein Fakeencounter.

Fakeencounter sind ein viel genutztes Mittel der indischen Reaktion im Kampf gegen den Volkskrieg. Meist werden Bauern ermordet und anschließend in Uniformen der PLGA gesteckt. So will der Staat zum einen Erfolge im sogenannten „Anti-Terror-Kampf“ vorzeigen, aber vor allem den Terror gegen das Volk und den Volkskrieg intensivieren. Seit Einleitung des Volkskriegs wurden mehr als 1.000 Menschen in Fakeencountern durch den indischen Staat ermordet.

Doch auch wenn der indische Staat versucht die Revolution im Blut zu ertränken so wird es doch nicht gelingen. Das Blut wird den Kampf nur bewässern
http://www.demvolkedienen.org/index.php/de/asien/3808-indien-17-tote-bei-fakenencounter-im-jahr-2012

Zitat
Indien: Neue Aktionen im Vokskrieg
Die Volksbefreiungsguerillaarmee hat unter der Führung der Kommunistischen Partei Indiens (maoistisch) mehrere Aktionen in der letzten Woche durchgeführt.

22. November

Im Bundesstaat Jharkhand überfielen Mitglieder der PLGA einen Transporter mit Polizisten im Bezirk Latehar. Bei der Aktion wurden drei Polizeikräfte getötet und einer verletzt. Die Repressionskräfte waren auf dem Rückweg von einer Veranstaltung der reaktionären indischen Volkspartei (BJP).

In Manipur, wurden zwei Angehörige der Zentralen Reservepolizei-Einheiten im Distrikt Imphal West schwer durch eine Handgranate schwer verletzt.

Im Bundesstaat Chhattisgarh wurde ein Polizist des 168. CRPF-Bataillons verletzt, als er während einer Anti-Guerilla-Operation, von einer provisorischen Mine getroffen wurde.

24. November

Kombattanten der PLGA setzten in Chhattisgarh, nahe der Grenze zu Dantewada, neun Fahrzeuge eines Bauunternehmens in Brand.

27. November

Ein Polizeiinformant und Kongressabgeordneter im Dorf Rengrahatu in der Region West Singhbhum durch die PLGA entführt und später im nahe gelegenen Wald erschossen. 

28. November 

In Maharashtra wurde eine wichtige Hauptstraße durch gefällte Bäume blockiert.  Außerdem wurden  Transparente aufgehängt und Flugblätter zurückgelassen, welche zur Unterstützung der „Woche der PLGA“ vom zweiten bis zum achten Dezember stattfindet.   

W ährenddessen plant der indische Staat die Truppen, die aus dem besetzten Jammu und Kashmir zurück kehren, in Telenaga und Chhattisgarh zu stationieren um gegen die PLGA und die CPI (maoistisch) zu kämpfen.
http://www.demvolkedienen.org/index.php/de/asien/3785-indien-neue-aktionen-im-vokskrieg
 
„Einen Finger kann man brechen, aber fünf Finger sind eine Faust!“
Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD
Geboren am 16.04.1886 – Von den Nazis ermordet am 18.08.1944

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8667
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Indien
« Antwort #3 am: 09:41:09 Do. 09.Januar 2020 »
Zitat
Proteste in Indien
Millionen Arbeiter gegen Privatisierungen

Millionen Inder sind gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung auf die Straße gegangen. Die Proteste richten sich vor allem gegen den geplanten Verkauf von staatlichen Unternehmen.

Mit landesweiten Streiks haben Millionen Arbeiter aus Protest gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung von Premier Narendra Modi Teile des öffentlichen Lebens lahm gelegt. In einzelnen Bundesstaaten hatte die Protestaktion, zu der mehrere Gewerkschaften aufgerufen hatten, Auswirkungen auf den Bahn- und Straßenverkehr.

Rajbir Singh ist einer der Demonstranten in Amritsar, im nördlichen Bundesstaat Punjab. Das ganze Land beteilige sich am Streik, erzählt er. Alle Banken seien geschlossen. "Wir protestieren gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik der Zentralregierung und gegen die geplanten Privatisierungen. Wir wollen der Regierung zeigen, dass sie die Arbeiter beteiligen muss an ihren Entscheidungen, andernfalls werden wir immer weiter protestieren."
...

Quelle: tagesschau

Klasse, bei dem letzten großen Streik mit etwa 200 Mio. Beteilligten wurde es u.a. nicht groß publiziert weil die Anzahl der Streikenden nicht verifiziert werden konnte (war wenn ich mich richtig erinnere die dpa), dieses mal haben sie offensichtlich mitgezählt, nicht die tagesschau, irgend jemand dem langweilig war und der bis 250 Mio. zählen konnte.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7081
Re: Indien
« Antwort #4 am: 18:17:13 Fr. 10.Januar 2020 »


„Was Indien an diesem Tag erlebt hat, war mehr als ein Protest-Generalstreik: Es war ein Aufbegehren gegen eine Regierung, die einen neoliberalen Klerikalfaschismus systematisch vorantreibt“

https://www.labournet.de/?p=160439
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

RoterProlet

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 66
  • Arbeiter*innen aller Länder, vereinigt euch!
Re: Indien
« Antwort #5 am: 15:47:19 Mo. 27.Januar 2020 »
Zitat
VOLKSKRIEG IN INDIEN: Aktion gegen Sextourismus-Hotel
Kombattanten der Volksbefreiungs-Guerilla-Armee haben ein Hotel in Attamala, im Distrikt Wayanad, in Kerala, angegriffen, welches für die sexuelle Ausbeutung von Adivasi-Frauen durch Touristen genutzt wurde.

In den Morgenstunden des 15. Januar stürmten die PLGA-Mitglieder die neu errichtete Anlage (https://anovademocracia.com.br/noticias/12767-india-maoistas-atacam-grande-hotel-que-servia-de-centro-para-turismo-sexual), schlugen die Fenster ein und setzten die Möbel in Brand. Vor dem Rückzug hängten sie Plakate an die Wände. Auf einem von ihnen stand: "Der Angriff richtet sich dagegen, Adivasis als Schaustück vor Touristen darzustellen. Alle Resort-Eigentümer, die eine Bedrohung für die friedliche Existenz von Adivasis darstellen, werden  gewaltsam vertrieben".

In den letzten Jahren gab es mehrere Aktionen gegen Sextourismus-Hotels durch die PLGA in Wayanad.  Im Jahr 2014 wurde das Agraham Resort in Thirunelli angegriffen, und 2015 ein staatliches Hotel in der gleichen Gegend.  2019 wurde ein Aktion gegen das Upavan-Resort in Vythiri durchgeführt.
http://www.demvolkedienen.org/index.php/de/asien/3939-volkskrieg-in-indien-aktion-gegen-sextourismus-hotel
„Einen Finger kann man brechen, aber fünf Finger sind eine Faust!“
Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD
Geboren am 16.04.1886 – Von den Nazis ermordet am 18.08.1944

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2087
Re: Indien
« Antwort #6 am: 13:41:27 Do. 11.Juni 2020 »
Schöne Grüße aus Ghana an alle Ghandifans: