Autor Thema: Die Kirche und das liebe Geld  (Gelesen 51998 mal)

Marko S.

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #45 am: 10:35:24 Mi. 13.September 2006 »
Hallo Pyroskop,

ich bin gestern über diesen Artikel von dir in der Suchmaschiene gestolpert und das lässt mich hier mehr umschauen.

Es ist wirklich so wie du beschreibst, deine Ansichten zu Kirche sind zur Zeit nicht mehrheitsfähig, ich find es aber sehr schön, daß es Menschen wie dich gibt, denn dann bin ich mit meinen Ansichten auch nicht allein.


Alle anderen würde ich gern mal fragen, seit ihr in eurem Bereich sozial aktiv und spielt Seelsorge bei euch eine Rolle und wird in eurem Bereich auch seelsorgerlich ausgebildet?




Eines schmeckt mir bei Kirche allerdings auch nicht richtig, Kirche ist mir zu oft gegen "Links" schon im Grundsatz dagegen, aber ich erkenne es ändert sich.



Mit freundlichen Grüßen Marko

jensen-ex

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #46 am: 11:11:36 Mi. 13.September 2006 »
Irrenhaus

Baudelaire ging
als psychiater
verkleidet ins irrenhaus.
Er blieb
zwei monate,
und als er ging
mochte ihn das
irrenhaus so sehr,
dass es ihm durch
ganz kalifornien
folgte,
und baudelaire
lachte, wenn sich
das irrenhaus
an seinem bein
rieb wie eine
seltsame katze.

(aus: der galiläa-tramper von richard brautigan)
So it goes.

Kurt Vonnegut

Marko S.

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #47 am: 11:28:05 Mi. 13.September 2006 »
Hallo jensen-ex,

ich hab mir zur Angewohnheit gemacht das anzuschauen, worüber ich rede, dein Beitrag soll ja irgendwie mit diesem Thread zusammenhängen, wie ist es zu verstehen?

Deinen Beitrag kann ich auf viele Institutionen anwenden, welche Institution meinst du?
Eine Verallgemeinerung würde auf Engstirnigkeit schließen lassen, es würde mir für dich leidtun, aber ich glaub da werde ich wohl was falsch verstanden haben?



Mit freundlichen Grüßen Marko

jensen-ex

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #48 am: 11:49:53 Mi. 13.September 2006 »
'tschuldige, war nur poesie ...
So it goes.

Kurt Vonnegut

jensen-ex

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #49 am: 00:03:10 Fr. 15.September 2006 »
Zitat

aus tom robbins: Salomes siebter Schleier

Frühe Religionen waren wie schlammige, mit Laub bedeckte Teiche. In ihren Tiefen tummelten sich die Seelenfische, dort fanden sie ihre Nahrung. Doch im Laufe der Zeit verwandelten sich die Religionen in Aquarien. Dann in regelrechte Zuchtbecken. Vom kleinen Fisch zum tiefgefrorenen Filet ist es nur ein Flossenschlag.

Natürlich werden die allgegenwärtigen Verteidiger der Religion sich beeilen, auf den Trost zu pochen, den sie Kranken, Geschlagenen und Enttäuschten spendet. Mag sein. Aber Gott vertrödelt seine Zeit nicht mit Trostspenden. Wer danach trachtet, das Gesicht des Göttlichen zu erblicken, muß aus dem Aquarium ausbrechen, der Fischzucht entfliehen, wilde Wasserfälle bezwingen, in tiefe Fjorde tauchen. Er muß das Labyrinth des Riffs, die Schatten der Wasserlilien erforschen. Wie beschränkt und welche Beleidigung, sich Gott als gütigen Vater vorzustellen, als einen fernen Manager der Zucht, der uns im "Trost" künstlicher Teiche gefangen hält, wo seine Vertreter keimfreie Flocken industriell hergestellten Futters auf unsere Gewässer streuen.

Die Sehnsucht nach dem Göttlichen ist tief im Homo Sapiens verwurzelt. Wir nähern uns dem Göttlichen, indem wir unsere Seelen öffnen und uns erleuchten lassen. Diese beiden Ziele zu erreichen könnte der Sinn unseres Lebens sein.

Gut und schön. Doch solcherlei Aktivitäten laufen den Bestrebungen von Kommerz und Politik zuwider. Politik ist die Wissenschaft von der Herrschaft, und Menschen, die nach Erweiterung ihres Bewußtseins und Erleuchtung streben, sind für ihre Unbeherrschbarkeit bekannt. Um mithin ihre ureigenen Interessen zu schützen, haben sich Politiker vor langer Zeit die Religion dienstbar gemacht. Könige bestachen Priester mit Land und Schmuck. Gemeinsam legten sie die schattigen Teiche trocken und ersetzten sie durch Zuchtbecken. Die Wände der Becken bestanden aus Ignoranz oder Aberglauben und wurde mittels Angst und Schrecken zusammengehalten. Man nannte diese Becken "Synagogen", "Kirchen" oder "Moscheen". Kaum waren diese Becken da, redete man nicht mehr viel von der Seele. Stattdessen sprach man jetzt vom Geist. Die Seele ist heiß und schwer. Der Geist ist kühl, abstrakt und distanziert. Die Seele steht in Verbindung mit der Erde und ihren Wassern, der Geist dagegen mit dem Himmel und seinen Gasen. Aus den Gasen entspringt das Feuer. Feuerkraft. Jemand hat mal gesagt, Krieg sei die logische Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Als die Religion politisiert worden war, konnte man absehen, daß ihre Ausübung früher oder später ebenfalls zum Krieg führen mußte. "Krieg ist die Hölle". Daher stürzten uns religiöse Überzeugungen kopfüber in die Hölle. Die Geschichte scheint diese Ansicht immer wieder zu belegen. (Jede moderne Religion protzt damit, daß sie und sie allein mit der Gottheit auf du und du steht, und ihre Anhänger waren stets bereit zu sterben - oder zu töten -, um ihre hochtrabenden Behauptungen zu untermauern.

Natürlich konnte nicht jede verborgene Wasserstelle trockengelegt werden. Die Seelenfische, die in den wenigen vergessenen Tümpeln blubbernd nach Luft schnappen, wurden "Mystiker" genannt. Sie galten als Außenseiter, exotisch und minderwertig. Wenn sie zuviel herumplanschten, hielt man sie für bedrohlich und versuchte sie auszurotten. Die furchtsamen Flundern in den Becken, die mittlerweile von den süchtigmachenden Geistesflocken psychisch abhängig waren, hatten vergessen, daß sie vor langer Zeit selbst einen Sinn für das Mystische besessen hatten. In dem Augenblick, da wir versuchen, den Mystizismus zu organisieren, zerstören wir seine innere Natur. Religion ist also Mystizismus, in dem das Mystische abgebaut wurde.


So it goes.

Kurt Vonnegut

ManOfConstantSorrow

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #50 am: 00:22:09 Fr. 15.September 2006 »
Ach,
dieses abgelutschte Thema...

...das Gros der Bevölkerung ließt eher BILD und das abergläubische Volk empfängt Benedetto-johlend ihren rechtsradikalen Führer aus dem Vatikan.

Das sind so Trends aus dieser Zeit...
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Marko S.

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #51 am: 00:41:02 Fr. 15.September 2006 »
Hallo jensen-ex,

deine Kritik ist berechtigt, aber ich hoffe du siehst in Stalin und Hitler auch Menschen die sich als Religionszentrum errichten wollten.

Kirche und Religion stehen nicht immer wirklich zusammen, oft eben wie du beschrieben hast ist dann Kirche und Politik zusammen.

Dennoch ging es mir um eine Frage, wo findet ihr das, was Kirche für Notfälle verspricht, eben Hilfe in Not.
Auch noch eine andere Frage, gibt es in euren Traumgesellschaften Schaffung von Kultur, würde die nicht sinnlos?

Wie sieht deine Traumgesellschaft aus, was bietet die?



Mit freundlichen Grüßen Marko

jensen-ex

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Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #52 am: 22:31:54 Sa. 16.September 2006 »
Zitat
Original von Marko S.
Hallo jensen-ex,

deine Kritik ist berechtigt, aber ich hoffe du siehst in Stalin und Hitler auch Menschen die sich als Religionszentrum errichten wollten.

Kirche und Religion stehen nicht immer wirklich zusammen, oft eben wie du beschrieben hast ist dann Kirche und Politik zusammen.

Dennoch ging es mir um eine Frage, wo findet ihr das, was Kirche für Notfälle verspricht, eben Hilfe in Not.
Auch noch eine andere Frage, gibt es in euren Traumgesellschaften Schaffung von Kultur, würde die nicht sinnlos?

Wie sieht deine Traumgesellschaft aus, was bietet die?



Mit freundlichen Grüßen Marko

hallo marko,

was die kirche für notfälle verspricht: schlimmstenfalls das himmelreich, zumal
die gegenwärtige überformung der gesellschaftlichen verhältnisse tatsächlich zum ziel hat, caritativen organisationen den ball der verwaltung sozialen elends zuzuspielen.

 dieses mag in meinen augen kaum als gesellschaftliche fortentwicklung gelten. zumal im selbstverständnis organisierter religiosität der obrigkeitsglaube dominant ist: ein jedes habe seinen platz zu wirken und über allem steht GOtt. GOtt, der jedem sein schicksal zuteil werden lässt: ''Du bist der fußabstreifer der gesellschaft? so sei es. das ist dein schicksal. komm lass dich in meine tröstenden arme nehmen, sei untertan der obrigkeit, es geht in deinem weltlichen leben halt nicht immer so gerecht zu, wie du es dir wünscht. man kann es halt nicht jedem recht machen, aber wenn du schon am boden liegst, dann friss, was ich dir vor die nase setze ...''

Traumgesellschaften:

würdest du meine träume kennen, wüsstest du vermutlich, was du um keinen preis haben möchtest, denn meine träume sind größtenteils alpträume, sind alpträume, genauso wie die von mir erlebte realität und genauso, wie ich meine alpträume zu bändigen versuche, wünsche ich mir die gesellschaft nach meinem maß: mit distanzierter neugierde fragend.
So it goes.

Kurt Vonnegut

Kuddel

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Kuddel

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #54 am: 20:11:56 Fr. 18.Juli 2014 »
Kirchenaustritte nehmen um mehr als 50 Prozent zu

Die Beliebtheit des neuen Papstes gleicht die Enttäuschung über Ex-Bischof Tebartz-van Elst nicht aus. Die Zahl der Austritte erreicht das Niveau von 2010, als die Missbrauchsfälle bekannt wurden.




http://www.welt.de/politik/deutschland/article130306812/Kirchenaustritte-nehmen-um-mehr-als-50-Prozent-zu.html

Troll

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #55 am: 09:23:13 Sa. 19.Juli 2014 »
Ein paar kluge Reden über die elenden Zustände der Welt reichen halt nicht aus, es hat ja keine Konsequenzen, daß war wie das Verständnis von Merkel für die Blockupy-Bewegung. Eingeständnisse, und dann weiter so wie bisher.  Am Ende bleibt Verarmung und Elend doch nur ein in Kauf zu nehmender Kollateralschaden des vermeintlichen Erfolges.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #56 am: 15:44:12 So. 20.Juli 2014 »
Na, vielleicht gibt's ja doch sowas wie Evolution! ;D

Kuddel

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #57 am: 13:36:49 Mo. 08.September 2014 »
Zitat
ARD-Film über reiche Bistümer:
Die Kohle der Kirche

Jeder Konzern muss seine Bilanzen offenlegen. Nur die Kirche verbirgt ihren Besitz hinter Weihrauch, Purpur und Briefkastenfirmen. Die ARD-Doku "Vergelt's Gott" forscht nach - und legt Obszönes offen.


(...)In Freising etwa halten die Verantwortlichen das Diözesanmuseum für so bedürftig, dass sein Erhalt mit 30 Millionen Euro gesichert ist - während für das katholische Obdachlosenheim der Stadt laut ARD-Recherchen schlappe 64.000 Euro fehlen. Das Heim wird geschlossen.

Im deutschen Handelsregister gibt allein der Suchbegriff "katholisch" 3032 Treffer. Dazu gehören Banken, Immobilienfirmen, Verlagskonzerne, Filmfirmen, Getränkefabriken, Weingüter und Wälder - vor allem Wälder! Die sind zwar ordentlich im Grundbuch eingetragen, können aber nicht einmal von den Ämtern den verwirrend vielen kirchlichen Trägern zugeordnet werden. Schwintowski schätzt alleine in Deutschland den Grundbesitz auf 200 Milliarden Euro. Jährlich fließen fünf Milliarden an Steuergeldern, von denen ein Teil für den Betrieb von Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen oder Hochschulen verwendet wird. Hinzu kommen rund 500 Millionen Euro staatlicher Zuwendungen, mit denen unter anderem Reinhard Marx' Gehalt bezahlt wird.

Diese halbe Milliarde geht auf den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zurück, in dem Entschädigungen für enteignete Abteien vereinbart wurden.
(...)
http://www.spiegel.de/kultur/tv/kirche-und-finanzen-vergelt-s-gott-ueber-den-reichtum-von-bischoefen-a-990374.html

Mo, 08.09., 22:45 Uhr

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/swr/08092014-story-im-ersten-vergelts-gott-100.html

Kuddel

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #58 am: 18:38:16 Mi. 17.September 2014 »
Proteste gegen Millionen Euro teuren Katholikentag in Leipzig

Die Stadt Leipzig steht finanziell nicht gut da und ist deshalb gespalten, was den Katholikentag betrifft, der 2016 stattfinden soll.

Eine Million Euro soll dieser die arme Stadt kosten, weshalb es zu Streit und Protesten kam. Auf dem Marktplatz steht deshalb bereits eine nachgebaute Steintafel des 11. Gebots: "Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen."

Nun entscheidet der Stadtrat über das heikle Thema.

http://www.shortnews.de/id/1109490/proteste-gegen-millionen-euro-teuren-katholikentag-in-leipzig

Kuddel

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Re:Die Kirche und das liebe Geld
« Antwort #59 am: 09:15:16 Mo. 03.November 2014 »
Zitat
Schwaben
Vier Millionen Euro in Kloster gefunden


Im Kloster Neresheim auf der Schwäbischen Alb ist ein bislang unbekanntes Millionen-Vermögen aufgetaucht. Woher das Geld stammt, ist bislang unklar.
Es bestehe der Verdacht der Geldwäsche, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/schwaben-vier-millionen-euro-in-kloster-gefunden-1.2201938