Autor Thema: Handy Apps statt Zentrale  (Gelesen 1071 mal)

Kuddel

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Handy Apps statt Zentrale
« am: 12:40:27 Fr. 25.Juni 2010 »
Zitat
Handy-Apps greifen Taxizentralen an

Neue Handy-Dienste machen Deutschlands Taxizentralen Konkurrenz. Anrufen ist gar nicht mehr nötig. Die Fahrer staunen - weniger über die Technik, sondern vielmehr, dass sie so umschwärmt werden.

von Annette Berger

Der Fahrer ist sauer. 20 Minuten vor dem Hotel gewartet - und dann schnappt ihm ein Konkurrent den nächsten Fahrgast vor der Nase weg. Dass ihm seine Zentrale jetzt eine Fuhre über mehr als 20 Euro vermittelt hat, tröstet ihn etwas. Dennoch ist er fest entschlossen: Demnächst meldet er sich bei "dieser neuen App" an. Weniger warten, mehr verdienen - das wäre schön.

Warten gilt als eines der größten Ärgernisse im Taxigewerbe. Bis zu 75 Prozent ihrer Arbeitszeit stehen die Fahrer Branchenangaben zufolge angeblich in der Gegend herum. Und egal, ob sie fahren oder nicht - eine feste Gebühr für die Zentrale fällt immer an.

Das animierte jüngst gleich mehrere Branchenfremde zu einem Wagnis. Ihre Idee: Anstelle der Zentrale vermittelt eine Software auf dem Handy Taxifahrten. Für den Fahrer fällt nur eine Gebühr pro Fahrt an.

Dazu laden sich sowohl Kunden als auch Fahrer die Anwendung aufs Telefon herunter. Ein sanfter Druck auf das Gerät, und schon sieht der Kunde, ob ein freier Wagen in der Nähe ist und wie viel eine Fahrt kosten würde. Per Fingerdruck wird bestellt - und später auch der Fahrer bewertet.

In Hamburg machen derzeit die Start-up-Firmen 1TouchTaxi und Taxibutton von sich reden. Ende März an den Start gegangen, hat sich Niclaus Mewes, einer der beiden Firmengründer von 1TouchTaxi, viel vorgenommen. Nicht nur will er demnächst in andere Städte expandieren, sondern sagt auch: "Wir rationalisieren die Zentralen weg".

Bis es zum Hamburger Zentralenschreck reicht, muss 1TouchTaxi aber noch Hunderte Fahrer auf seine Seite ziehen. "Das ist schwieriger als gedacht", sagt Mewes. "Wir gehen auch direkt an die Taxistände und fragen die Fahrer, ob sie mitmachen wollen."

Verraten will der Unternehmer nicht, wie oft die Handy-Anwendung schon heruntergeladen wurde. Am Hamburger Stadtrand wird der Kunde von seinem Telefon freundlich darauf hingewiesen, dass es in der Nähe gerade keine Fahrer gebe, aber "täglich" neue hinzu kämen.

Ende März startete der Dienst in der Hansestadt mit nach eigenen Angaben 150 bis 200 Fahrern. Aktuell seien es 300, sagt der Unternehmer, von Hause aus ein Softwareentwickler. "500 bis 600 Taxis ist das Ziel." Erst dann könne 1TouchTaxi seinen Kunden einen guten Service rund um die Uhr anbieten. Zum Vergleich: In ganz Hamburg fahren 3400 Taxen. Erst wenn der Dienst in Hamburg gut laufe, werde der Dienst auch in anderen deutschen Großstädten angeboten.

Um den Dienst den Fahrern schmackhaft zu machen, müssen die bislang für den Dienst nichts zahlen. Langfristig sollen sie eine Gebühr von 99 Cent pro Fahrt zahlen

1TouchTaxi muss gleich mehrere Hindernisse überwinden: Viele Fahrer haben kein iPhone, und noch läuft die Software nur auf dem Apple -Handy. Um dieses Manko zu überwinden, verteilte der Anbieter die teuren Smartphones unter den Pionier-Fahrern und schulte sie mit der Software. Ein weiterer Grund, warum viele Fahrer zögern, ist laut Mewes, die "Angst, dass sie aus ihrer Zentrale rausgeworfen werden".

Dieses Argument lässt Taxi Hamburg 6x6, eine der beiden großen Zentralen der Hansestadt, nicht gelten. "Die gehen demnächst ein", sagt die Pressesprecherin des Traditionsunternehmens über den neuen Konkurrenten. Anbieter wie 1TouchTaxi hätten keine Ahnung von der Branche - und keine Infrastruktur. "Der Kunde wird frustriert sein."

Gerüchte aus der Branche, wonach die Zentralen ihren Fahrern verböten, die neuen Dienstleistungen als zusätzliche Einnahmequelle zu nutzen, verneint sie. Taxen, die der Zentrale angeschlossen sind, zahlen 200 bis 250 Euro Gebühren pro Monat.

Die Zentralen selbst sind inzwischen auch im iPhone-Zeitalter angekommen und bieten die App "Dein Taxi" an. Doch während die Angebote der Konkurrenz meist gratis sind, kostet die gemeinsame Software der Taxizentralen 1,59 Euro. Auch hier gibt es keine Angaben über die Anzahl der Download. Man habe noch gar keine Werbung für den Dienst gemacht. Daten über Nutzerzahlen gebe es frühestens nach dem ersten Probelauf Ende Juli, sagt die Sprecherin.

Taxibutton dagegen - ebenfalls ein Hamburger Start-up - nennt Zahlen: 100.000 Mal sei die Anwendung bisher deutschlandweit heruntergeladen worden. Auch Firmengründer Franz Brandenstein berichtet von Schwierigkeiten, Fahrer zu finden. "Inzwischen läuft es sehr viel besser", sagt der Gründer - ebenfalls ein Branchenfremder.

Taxibutton gibt es sowohl auf den iPhone als auch auf Android-Handys, also auf Telefonen, die auf dem Google -Betriebssystem laufen. 6000 Fahrer seien Taxibutton in ganz Deutschland angeschlossen, sagt der Unternehmer, der vor allem mit Werbung auf seiner Anwendung Geld verdienen will. Sein Ziel ist, gleich ganze Taxiunternehmen aus den Zentralen zu locken und für sich zu gewinnen.

500 Firmen würden bereits für ihn fahren. Noch sei die App für alle Fahrer gratis, später sei eine Gebühr von 33 Cent pro Fahrt geplant. Brandenstein und sein Geschäftspartner, der ungenannt bleiben möchte, wollen binnen zwei Jahren Geld verdienen.

Taxi-Apps gibt es neuerdings viele, darunter auch einfache Adressensammlungen mit Telefonnummern von Zentralen, die man dann vom Smartphone aus anrufen kann. "Der Markt wird derzeit von Taxi-Apps überschwemmt", sagt Firmengründer Brandenstein.

Viele Anbieter dürften im Laufe der Zeit wieder vom Markt verschwinden, schätzt er und sieht die Apps nicht als existenzielle Bedrohung für die Taxizentralen. Denn einerseits hätten sie eine wichtige Funktion als Interessenvertretung für die Fahrer - und das dürfte so bleiben. Andererseits sei es vor allem die jüngere Kundschaft in Ballungsräumen, die solche Dienste nutzen würde. Es bliebe also noch genug Geschäft im ländlichen Raum oder mit älteren Kunden übrig.

Die Gäste des Hotels Boston in Hamburg dürften zumindest teilweise in die Kategorie fallen. Dort wird es demnächst ein spezielles iPad an der Rezeption geben, das Taxis über 1TouchTaxi bestellt, sagt der stellvertretende Direktor Önder Bilgener. Vielleicht verkürzt er damit auch die Wartezeit einiger Fahrer - und verhilft ihnen zu guter Laune.
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:kampf-um-fahrer-und-kunden-handy-apps-greifen-taxizentralen-an/50131747.html

Habenichts

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Re:Handy Apps statt Zentrale
« Antwort #1 am: 21:24:21 Di. 30.November 2010 »
Meine Meinung ist: die Behörden sollen gefälligst das Taxigeschäft vollkommen dem freien Markt überlassen!
Qualität setzt sich von alleine durch