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Die Bedeutung sozialer Bewegungen

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ManOfConstantSorrow:
Hier im Forum scheint es einen Tenor zu geben, daß man keinerlei Hoffnungen setzt in Latschdemos, Plakataktionen, Veranstaltungen, Resolutionen und Unterschrtiftenlisten.

Das somit ungenutzte Terrain wird jetzt mit Begeisterung von anderen übernommen.
In den USA ist es die "Tea Party", in der die gescheiterte Republikanische Politikerin Sarah Palin, die nun die verwirrten um ihren Status fürchtenden Mittelklässler mit christlichen fundamentalistischen und rechtsterroristischen Gruppen zusammenbringt.


In der Schweiz organiserte man die in Panik geratenen Mittelklasse um die Frage des Minarettbaus.


Und in Hamburg mußte die Frage nach dem Schulsystem dafür hinhalten.

Die Initiative „Wir wollen lernen“ war mit fetten Finanzpolstern ausgestattet und wurde von der Springerpresse, der FDP und der NPD unterstützt.

Und wenn man sich die Wahlbeteiligung ansieht, stellt man fest, daß es die größte Wahlbeteiligung in den Stadtteilen der Wohlhabenden und der Mittelklasse gab:
http://statistik-nord.de/fileadmin/maps/referendum_hh_2010/atlas.html


Schonmal überlegt, daß dieses Pack sich diese Protestformen nicht aneigenen würden, wenn sie wirkungslos wären?


BakuRock:
@MOCS - deine Einschaetzung: "Das somit ungenutzte Terrain wird jetzt mit Begeisterung von anderen übernommen" weil es "hier im Forum einen Tenor zu geben scheint", teile ich nicht.

Es mag ja den Anschein haben als gebe es hier diesen Tenor - aber das fuehrt garantiert nicht dazu, dass diese Typen sich auch dieser Protestformen bedienen. Recht hast du, wenn du einschaetzt, dass die sich dieser Protestformen nicht bedienen wuerden, wenn diese nichts bringen. Aber ......

den Anschein zu erwecken, dass der scheinbare Tenor in diesem Forum eine Luecke reisst, die von der Gegenseite nun zu deren Zwecken genutzt wird, ist, mit Verlaub, an den Haaren herbeigezogen. ;)

Demos, Plakataktionen, Veranstaltungen, Resolutionen und Unterschrtiftenlisten gibt es von Seiten vieler sozialer Bewegungen zuhauf - und sogar auch erfolgreiche (Weltsozialforum und Untergruppen, Umweltschutzorganisationen und Gruppen, politische ausserparlamentarische Gruppen usw.)

Wir sind im 21. Jh., im Medienzeitalter. Die oeffentliche (Massen)Wirkung liegt an der Darstellung und Wahrnehmung der sog. "Medien". Es stellt sich also hier doch nicht die Frage, ob in diesem Forum mit ein paar Hanseln und Zaunguckern irgend eine Luecke gelassen wird, die von anderen besetzt werden koennte, sondern es stellt sich doch generell die Frage, wem gehoeren die (Massen)Medien und was wollen und werden diese wahrnehmen und in die Oeffentlichkeit verbreiten!

Leider muss ich nun, nach ca. 15 Jahren Beobachtung meiner ehem. Berufskollegen das Fazit ziehen, dass zu viele von denen nun keine Journalisten (im alten assoziierten Sinn) sind, sondern als Lobbyisten benutzt werden und sich benutzen lassen und vielleicht sogar sich ganz vorsaetzlich als solche einbringen.

Es ist ja bekanntlich nicht entscheidend was passiert ist, sondern am Ende ist entscheidend wie es dargestellt wird.

Kuddel:

ManOfConstantSorrow:
In diesem Land und auch in diesem Forum scheint man alles (oder verdammt viel) von diesem Staat und seiner Regierung abhängig zu machen. Ich lese hier immer wieder, wie Leute das Grundgesetz (und anderes) zitieren, daß wir ein Recht auf Widerstand haben.

Tschuldigung, aber das erscheint mir recht armselig. Wenn wir uns wehren um unsere Lebensbedingungen, unsere Rechte und unsere Würde zu verteidigen, dann ist es doch scheißegal, ob der Staat uns das Recht gibt uns zu wehren oder nicht. Wenn wir es nicht wagen unsere Rechte und unsere Würde zu verteidigen, dann haben wir sie auch nicht verdient.

Viele machen es auch abhängig davon, wie groß, stark und erfolgsversprechend eine Bewegung ist, ob man sich ihr anschließt. Das kotzt mich an. Man muß das machen, was wichtig und richtig ist. Da ist es egal, wieviel Mitläufer auf der einen oder anderen Seite stehen.

In anderen Ländern hat man schon so viele Regierungen (und Systeme) kommen und gehen sehen, so daß man diese nur wie Unwetterkatastrophen sieht und organisiert das Leben unter den einfachen Menschen einfach untereinander.  In der DDR hat man schließlich auch aus den Betrieben stets material organisiert um die eigene Wohnung/Haus auszubauen und der Tausch von Materialien und gegenseitige Hilfe waren eine weit verbreitete Kultur. Und nun mal ehrlich, Deutschland hat in den letzten hundert Jahren auch genug Regierungs- und Systemwechsel gesehen, als daß man sein eigenes Denken und Handeln von dem abhängig macht, was gerade der Staat erlaubt/vorschreibt.

Wir brauchen ein Netz von Kontakten um auch in schwereren Zeiten (wer denkt, es sei jetzt schon schlimm, hat keine Ahnung von dem, was noch kommt) unser okonomisches Überleben zu organisieren, aber auch die Organiserung von Widerstand ist davon abhängig, wie gut die Verbindungungen und die Zusammenarbeit unter den "kleinen Leuten" funktionieren.

BakuRock:
Dann schauen wir uns doch gleich mal den groessten Sozialverband an. Der VdK hat ca. 1,5 millionen Mitglieder und ist sehr aktiv. Auch hier in meiner unmittelbaren Umgebung finde ich Hilfe, wenn ich sie brauche. Dieser Verband hat gerade eben eine Aktion gestartet: "Stoppt den Sozialabbau!".


--- Zitat ---Bitte unterstützen Sie die VdK-Aktion "Stoppt den Sozialabbau!" - je mehr Proteststimmen der Sozialverband VdK gegen den Sozialabbau sammelt, umso mehr Druck kann der Verband auf die Politik ausüben und den Unmut der Bevölkerung deutlich machen.
--- Ende Zitat ---

Das Stimmungsbarometer ist hier zu finden: www.vdk.de/protest

Ab 1. Oktober entsteht daraus eine konzertierte Aktion mit einer bundesweiten Plakatierung und zahlreichen Veranstaltungen.

Hier haben welche was vorbereitet und sind voll in "sozialer Bewegung" - sie wollen Druck ausueben und haben die Politik nicht um Erlaubnis gefragt. Beteiligen wir uns und schaffen so Kontakte.

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