Autor Thema: Weißrußland  (Gelesen 3517 mal)


Kuddel

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Re:Weißrußland
« Antwort #1 am: 18:14:39 Mi. 15.Juni 2011 »
Zitat
Proteste gegen steigende Preise
Lukaschenko droht mit Schlägen

Weißrusslands autokratischer Präsident Lukaschenko droht Internetaktivisten und anderen Oppositionellen persönlich mit Gewalt. "Ich werde das beobachten und dann so hart zuschlagen, dass sie keine Chance haben werden, ins Ausland zu flüchten", droht der Präsident. Die Proteste richten sich gegen die miserable wirtschaftliche Lage - Weißrussland steht vor der Staatspleite, die Lebensmittelpreise steigen.


Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat ein hartes Vorgehen gegen jede weitere oppositionelle Regung angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Misere in seinem Land angekündigt. Er werde die Aufrufe zu neuen Protesten etwa im Internet sorgfältig verfolgen, sagte Lukaschenko nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Belta bei einem Besuch in einem Bezirk außerhalb der Hauptstadt Minsk. "Ich werde das beobachten und dann so hart zuschlagen, dass sie keine Chance haben werden, ins Ausland zu flüchten", drohte der seit 16 Jahren autokratisch regierende Lukaschenko.

Auch gegen die Berichterstattung über die Lage in der früheren Sowjetrepublik gehen die Behörden hart vor. So begann der Prozess gegen einen weißrussischen Korrespondenten einer polnischen Zeitung, dem Beleidigung des Staatschefs vorgeworfen wird. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm vier Jahre Haft. Am Wochenende wurden zudem Bereitschaftspolizisten an den Grenzübergängen zu Polen stationiert, die weißrussische Demonstranten bei einer Protestaktion gegen neue Exportbeschränkungen blockiert hatten. Während viele Bewohner der Grenzregion vom Handel mit dem Nachbarland abhängen, sprach Lukaschenko von "Profitgeiern", die es auf "billiges Benzin, Zigaretten und andere Dinge" abgesehen hätten.

Weißrussen fliehen

Moskauer Medien berichteten unterdessen, dass immer mehr Weißrussen nach Massenentlassungen aus den Staatsbetrieben in Russland nach Arbeit suchen. Täglich kämen auf dem Belorussischen Bahnhof in Moskau mehr als 6000 Weißrussen an, heißt es. In Belarus selbst kam es zu Hamsterkäufen etwa in Elektronikläden und sogar von Salz.

Zwar konnten sich die Weißrussen vor der Präsidentenwahl über eine 50-prozentige Erhöhung der Staatslöhne freuen. Dazu musste Lukaschenko aber mehr Geld drucken, wie die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" erinnert. Die logische Folge sei der Verfall der Währung.
http://www.n-tv.de/politik/China-hilft-mit-Milliarden-Spritze-article3572461.html

admin

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Re:Weißrußland
« Antwort #2 am: 14:14:11 Do. 23.Juni 2011 »
Zitat
450 Regierungsgegner in Weißrussland festgenommen



Bei Protesten in Weißrussland gegen den autoritären Staatschef Lukaschenko am Mittwoch sind etwa 450 Regierungsgegner sowie mindestens fünf Journalisten festgenommen worden. "Sie haben wahllos Menschen mitgenommen", sagte der Menschenrechtler Oleg Woltschek in der Hauptstadt Minsk nach Angaben der unabhängigen Agentur Belapan. Mehrere Demonstranten waren am Donnerstag noch in Gewahrsam.

Die meisten Regierungsgegner und die Reporter seien aber nach mehreren Stunden wieder freigelassen worden, berichteten Medien. In etwa 30 Städten hätten sich am Mittwochabend Tausende an den nicht genehmigten Kundgebungen beteiligt, meldete Belapan.

Aktivisten rufen in der Ex-Sowjetrepublik nach arabischem Vorbild über soziale Netzwerke zu Aktionen an jedem Mittwoch auf. Dabei sollen sich die Teilnehmer versammeln und nicht mit politischen Parolen, sondern mit Händeklatschen protestieren. Die Polizei schritt sofort ein und nahm allein in Minsk etwa 220 Menschen fest. Die Proteste hatten in den vergangenen Wochen zugenommen. Weißrussland steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit vor 20 Jahren.

Die Behörden hatten die Bevölkerung vor einer Beteiligung an den Protesten gewarnt. Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Präsident Lukaschenko hatte unlängst eine "angemessene Reaktion" auf Kundgebungen von Regierungsgegnern angekündigt.

In Russland riefen Menschenrechtler die Regierung auf, die Polizeigewalt im Nachbarland zu verurteilen. Russland rettet den "Bruderstaat" immer wieder mit Milliardenkrediten vor dem finanziellen Ruin.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2770606/450-regierungsgegner-weissrussland-festgenommen.story


Wir wissen hier aus den Medien quasi nichts über das normale Leben in Weißruland. Belarussische Freunde schickten mir Links zu einer Bilderserie und einen Filmclip, wie sie in Minsk in einem alten Holzhaus ein selbstverwaltetes Kulturzentrum einrichteten.

http://gallery.ru/watch?a=ZA0-gOVw

La мора. Реконструкция


counselor

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Re:Weißrußland
« Antwort #3 am: 16:49:52 Fr. 24.August 2012 »
Deutsche Polizei half Lukaschenkos Miliz

23.08.2012 16:36 UhrVon Claudia von Salzen

Von 2008 bis 2011 wurden etwa 500 weißrussische Sicherheitskräfte in Deutschland und Minsk geschult, darunter waren auch Offiziere der gefürchteten Miliz. Die Gäste aus Weißrussland durften die deutschen Polizisten auch im Einsatz beobachten – beim Castor-Transport ...

Quelle: Tagesspiegel
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jobnomade

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Re:Weißrußland
« Antwort #4 am: 16:59:18 Fr. 24.August 2012 »
Von 2008 bis 2011 wurden etwa 500 weißrussische Sicherheitskräfte in Deutschland und Minsk geschult,

Das will ich aber mal bezweifeln.

Die Weissrussen werden wohl eher die deutschen "Sicherheitskräfte" in "verlernten" Praktiken für unsere kommenden sozialen Unruhen "geschult" haben.

Jedenfalls lernen von "Schulungen" aller Art ja immer beide Seiten dazu, also auch die "Lehrer".
Searching each day for the answers  Watching our hopes disappear.
Set on a course for disaster  Living our lives in fear.
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admin

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Re:Weißrußland
« Antwort #5 am: 13:21:28 Mi. 16.Januar 2013 »
Weißrussische Freunde organisieren ein unabhängiges Filmfestival im Land.

http://filmfest.by/2013/

Bekam heute eine Mail, daß sie kräftigen Gegenwind bekommen haben:

Zitat
Unsere Festival Veranstaltungen werden nun abgesagt und verboten in Grodno und Lida. Es scheint auch in Vitebesk etwas merkwürdig zu sein.

Wir stehen nun unter dem Druck des KGB, sie beginnen Leute anzurufen und unter Druck zu setzen, die uns bei der Organisation des Festivals unterstützt haben und in Büros der öffentlichen Verwaltung sitzen.

(Was mich daran erinnert, daß der Schwachkopp Paradiesvogel Weißrußland als vorbildlichen Sozialismus präsentieren wollte.)

Rudolf Rocker

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Re:Weißrußland
« Antwort #6 am: 13:33:13 Mi. 16.Januar 2013 »
Zitat
Was mich daran erinnert, daß der Schwachkopp Paradiesvogel Weißrußland als vorbildlichen Sozialismus präsentieren wollte.

Der Typ hat aber auch geglaubt, das die Erde eine Scheibe ist unr Zitronenfalter Zitronen falten! ;D ;D

Fritz Linow

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Re:Weißrußland
« Antwort #7 am: 00:46:57 Fr. 30.September 2016 »
In Weißrussland gibt es 6 Sonderwirtschaftszonen, die besondere Vergünstigungen fur ausländische Investoren anbieten. Da wird zum Beispiel mit disziplinierten Arbeitskräften oder mit erweiterten Kompetenzen der Administrationen der Freien Wirtschaftszonen hinsichtlich der Registrierung der Inländer geworben.
Die Broschüre fur deutsche Investoren gibt es hier:
http://mfa.gov.by/upload.old/business_cooperation_de.pdf

Und sonst so zählt Weißrussland laut einem Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) von 2015 zu den 10 übelsten Ländern überhaupt. Die größten Probleme sind Diskriminierung, Zwangsarbeit und Niederschlagung von Protesten.
http://www.ituc-csi.org/IMG/pdf/survey_global_rights_index_2015_de.pdf?src=asp-cu&typ=pdf&cid=4407

Während das Jahresurchschnittseinkommen ca. 7000 Euro beträgt, verdient man zum Beispiel beim Ableger von Fresenius, der Zubehör für Bluttransfusion und andere medizinische Hilfsmittel produziert, knapp 200 Euro pro Monat. Auch Henkel stellt dort das Fugenzeugs Ceresit her, das ursprünglich in Hannover-Limmer unter massiver Unterstützung von Manpower und Adecco angerührt wurde.
Fielmann, der alte Wohltäter der kostenfreien Brillen, lässt dort seinen Krempel herstellen und investiert auch sonst kräftig in das Land. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass diese Verlagerung in Diktaturen immer eine angenehme Drohkulisse für Werksschließungen hierzulande darstellt. Wenn zum Beispiel das Stammwerk von Fielmann in Rathenow um Einhaltung des Mindestlohns kämpfen muss, dann ist klar, wohin die Reise gehen könnte, wenn es nach dem Willen der Aubeuter ginge. Das lustige ist, dass sie schon längst da sind.

Eine Liste der Firmen in der Sonderwirtschaftszone Grodno nahe der polnischen Grenze:
http://www.grodnoinvest.com/eng/Residents
Da ist alles dabei, was man hier halt so günstig kaufen kann, bzw. muss, weil man selber auch nicht so viel Patte übrig hat, bloß unter anderem Namen.