Autor Thema: Aufruf an die Beschäftigten, Arbeitslosen, Studenten ... Europas  (Gelesen 775 mal)

antonov

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grad aus dem schweizer forum chefduzen.ch gefischt


Aufruf an die Beschäftigten, Arbeitslosen, Studenten und prekär Beschäftigten Europas
verfasst von Teilnehmern der branchenübergreifenden Vollversammlung des Pariser Ostbahnhofs und Ile de France.

Wir sind eine Gruppe Beschäftigter verschiedener Wirtschaftszweige (Eisenbahnen, Bildungswesen, Informatik usw.), Arbeitsloser und prekär Beschäftigter. Während der jüngsten Streiks in Frankreich haben wir uns als branchenübergreifende Vollversammlung zunächst auf einem Bahnsteig des Pariser Ostbahnhofs, dann in einem Saal in der Arbeitsbörse versammelt. Wir wollten soviel Beschäftige wie möglich aus anderen Städten der Pariser Region zusammenbringen. Weil wir die Schnauze voll hatten von der Klassenzusammenarbeit der Gewerkschaften, die uns erneut in die Niederlage führte, wollten wir uns selbst organisieren, um zu versuchen, die verschiedenen streikenden Branchen zu vereinigen, den Streik auszudehnen und dass die Streikenden selbst den Kampf kontrollieren.

Dem gesellschaftlichen Krieg der Kapitalisten müssen wir den Klassenkampf entgegenstellen


In Großbritannien, Irland, Portugal, Spanien, Frankreich, in allen Ländern werden wir mit harten Angriffen konfrontiert. Unsere Lebensbedingungen verschlechtern sich immer mehr.

In Großbritannien hat die Regierung Cameron angekündigt, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu streichen. Milliarden sollen im Sozialhaushalt gestrichen werden, die Uni-Einschreibegebühr wurde verdreifacht. Usw.

In Irland hat Premierminister Cowen den Mindeststundenlohn um mehr als einen Euro sowie die Renten um 9% gesenkt.

In Portugal ist die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordniveau angestiegen. In Spanien kürzt der sehr sozialistische Premierminister Zapatero rücksichtslos Arbeitslosenzahlungen, Sozialhilfe und im Gesundheitsbereich.

In Frankreich untergräbt die Regierung weiterhin unsere Lebensbedingungen. Nach den Renten ist jetzt der Gesundheitsbereich an der Reihe. Für die Beschäftigten wird es immer schwieriger, medizinische Leistungen zu erhalten, mehr und mehr Medikamente müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, private Zusatzversicherungen werden immer teurer, in den öffentlichen Krankenhäusern werden Stellen gestrichen. Im gesamten öffentlichen Dienst (Post, EDG-GDF, Telekom) werden Krankenhäuser geschlossen oder privatisiert. Die Folge: Für Millionen Arbeiterfamilien werden medizinische Leistungen zu teuer, sie können sie sich nicht mehr leisten.

Diese Politik ist für die Kapitalisten lebenswichtig. In Anbetracht der Zuspitzung der Krise und des Zusammenbruchs ganzer Bereiche der kapitalistischen Wirtschaft finden diese immer weniger Märkte, auf denen sie Profite für ihr Kapital erwirtschaften können. Und sie sind umso mehr bestrebt, die öffentlichen Dienste zu privatisieren.

Aber diese neuen Märkte sind als produktive Absatzmärkte für die großen Stützpfeiler der Weltwirtschaft wie die Bauindustrie, die Automobilindustrie, Ölindustrie zu beschränkt. Sie werden auf keinen Fall einen neuen Rettungsanker für die Weltwirtschaft darstellen. So wird in Anbetracht von Zusammenbrüchen ganzer Bereiche der Wirtschaft der Kampf um die Märkte für die Multis umso heftiger.

Mit anderen Worten – für die Kapitalinvestoren geht es um Leben und Tod. In diesem Kampf wird sich jeder Kapitalist hinter seinem Staat verschanzen um sich zu verteidigen. Im Namen der Verteidigung der Volkswirtschaft werden die Kapitalisten versuchen, uns für ihren Wirtschaftskrieg einzuspannen. In diesem Krieg sind die Arbeiter die Hauptopfer. Denn im Namen der „Verteidigung der nationalen Wirtschaft“ versucht jede nationale Bourgeoisie,
jeder Nationalstaat, jeder Arbeitgeber die Kosten zu senken, um seine Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu halten. Konkret verschärfen sie unaufhörlich die Angriffe auf unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wenn wir sie walten lassen, wenn wir den Gürtel noch enger schnallen sollen, werden diese Opfer grenzenlos sein. Sie werden dann schließlich unsere Existenzbedingungen infragestellen!

ArbeiterInnen! Wir dürfen uns nicht nach Branchen, Berufen oder Nationalität spalten lassen. Wir dürfen uns nicht für den Wirtschaftskrieg einspannen lassen. Wir müssen gemeinsam kämpfen und uns im Kampf zusammenschließen. Der alte Kriegsschrei von Karl Marx ist heute mehr als je gültig:
“Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!

Wir müssen unsere Kämpfe in die eigene Hand nehmen. Heute kämpfen die Arbeiter in Griechenland, Spanien, die Studenten in England. Sie sind den Angriffen ihrer Regierungen ausgesetzt, die egal ob Rechts oder Links, im Dienst der herrschenden Klasse stehen. Und wie wir in Frankreich steht Ihr Regierungen gegenüber, die gewaltsam gegen die Arbeiter, die Arbeitslosen, die Studenten, und Gymnasiasten vorgehen.

In Frankreich haben wir uns diesen Herbst verteidigen wollen. Unsere Aktionen: zu Millionen auf die Straße gehen, um diesen neuen Angriff abzuwehren. Wir haben gegen dieses neue Gesetz gekämpft und gegen all die anderen Sparmaßnahmen, die uns sehr schmerzen. Wir haben „nein“ gesagt zur Verschärfung der prekären Bedingungen und der Verarmung.

Aber der Zusammenschluss der Gewerkschaften (Intersyndicale) hat uns absichtlich eine Niederlage beigefügt, indem sie sich gegen die Ausdehnung der Streikbewegung gestellt haben:

1) Anstatt die Berufsschranken und die Branchenhürden zu überwinden, um die größtmögliche Zahl Arbeiter zusammenzuschließen, wurde die Beteiligung der anderen Beschäftigten an den Vollversammlungen verhindert.

2) Spektakuläre Aktionen zur Blockierung der Wirtschaft wurden durchgeführt. Aber nichts wurde unternommen, um Streikposten vor Ort oder fliegende Streikposten zu organisieren, die andere Arbeiter zur Beteiligung am Kampf ermuntert hätten. Arbeiter und prekär Beschäftigte haben diesen Schritt vollzogen.

3) Sie haben hinter unserem Rücken, hinter den verschlossenen Türen der Ministerien unsere Niederlage ausgehandelt, Der gewerkschaftliche Zusammenschluss hat nie das Gesetz zur Rentenreform verworfen; im Gegenteil sie haben immer wieder wiederholt, dass diese Reform notwendig und vermeidbar sei. Ihnen zufolge hätten wir uns damit zufrieden geben müssen, mehr „Verhandlungen zwischen Regierung-Arbeitgebern-Gewerkschaften“, „mehr Änderungen des Gesetzes, um eine gerechtere Reform zu erreichen“, zu fordern.

Um gegen all diese Angriffe zu kämpfen, können wir nur auf unsere eigenen Kräfte bauen. Wir haben in dieser Bewegung die Notwendigkeit vertreten, dass die Arbeiter sich selbst in den Betrieben in unabhängigen Vollversammlungen organisieren, ihre Aktionen landesweit abstimmen, um die Streikbewegung zu kontrollieren; dazu sollen gewählte und jederzeit abwählbare Delegierte gewählt werden. Nur ein Kampf, der von allen Arbeitern getragen, organisiert und kontrolliert wird, und dessen Mittel und Ziele von ihnen selbst bestimmt wird, kann die erforderlichen Bedingungen für einen Sieg schaffen.

***************

Wir wissen, dass der Kampf nicht vorüber ist, die Angriffe werden an Schärfe zunehmen; unsere Lebensbedingungen werden sich noch weiter verschlechtern, die Folgen der Wirtschaftskrise werden noch stärker spürbar. Überall auf der Welt müssen wir uns zur Wehr setzen. Dazu müssen wir wieder Vertrauen in unsere eigene Kraft entwickeln.

Wir sind dazu in der Lage, die Kämpfe in die eigene Hand zu nehmen und uns gemeinsam zu organisieren.
Wir sind dazu in der Lage, offen und brüderlich miteinander zu diskutieren, indem wir selbst das Wort ergreifen.
Wir sind dazu in der Lage, den Verlauf unserer Debatten und unsere Entscheidungen selbst zu kontrollieren.

Die Durchführung von Vollversammlungen darf nicht in den Händen der Gewerkschaften liegen, sondern muss von den Arbeitern selbst in die Hand genommen werden.

Wir werden darum kämpfen müssen, unser Leben und die Zukunft unserer Kinder zu schützen.
Die Ausgebeuteten dieser Erde sind unsere Klassenbrüder- und –schwestern, die ein- und derselben Klasse angehören.
Nur unser Zusammenschluss über alle Grenzen hinweg wird dieses Ausbeutungssystem überwinden können.
Teilnehmer der branchenübergreifenden Vollversammlung des Pariser Ostbahnhofs und Ile de France.

Nehmt mit uns Kontakt auf: interpro@riseup.net

---> Quelle: chefduzen.ch

goodie

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Nun ja,

eine voluntaristische und somit kleinbürgerlich-revoluzzerhafte Gruppe!

 :P

Revoluzzerhafte Rhetorik, daß die Arbeiter ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen sollen, und zwar außerhalb angeblich nur kungelnder Gewerkschaften. Also mal eben sponti-mäßig landesweit auf die Barrikaden gehen???

 :rolleyes:

Sorry, aber Gewerkschaftsfeindlichkeit gepaart mit dem Avantgardismus, dem kleinbürgerlichen Elite-Anspruch, da selbst als Komitee eines Ostbahnhofs mit ein paar Hansels die Revolution auszurufen und nennenswert dadurch Arbeiter zu mobilisieren, ist ja doch wohl einfach nur lächerlich.

 :rolleyes:

Das erinnert an trotzkistische Grüppchen wie die SAV oder Linksruck. Studierende, selten mal gearbeitet, aber superproletenhaft mit der Trotzki-Bibel unter dem Arm ... arme Revoluzzer, immer ihr missionarisches Sendungsbewußtsein in den Augen ... eben Politsekten!

 :P

Gewerkschaften organisieren zumindest die Arbeiterschaft und versorgen Arbeiter mit Rechtsschutz. Solche Revoluzzer aber labern bloß wichtigtuerisch.

 ;)

Gewerkschaften sind so stark und so kämpferisch wie ihre Mitgliedermasse, denn die Mitglieder müssen kampfbereit sein. In Deutschland sind sie es leider kaum. Da hoffen sie immer auf den großen Heilsbringer. Der Gewerkschaftsonkel Sommer möge doch bitte mit Bundesengelchen Merkel mal reden und den Hundt zu etwas mehr Lohn bewegen. Weil die Herren sich doch bitte nicht den ganzen Kuchen allein in ihre gierigen Rachen schieben sollen. Wir bitten sie also mal ganz freundlich: "Lieber Boss, bitte etwas mehr Lohn!" (Dafür sind die deutschen Arbeiter dann auch gerne so was wie "die Stütze der Firma", nüch? Immer da, wenn der Boss ruft, Und Handy immer schön eingeschaltet lassen, wie beim modernen Leibeigenen eben üblich ... der Boss könnte ja anrufen!)

 :P

Wie gesagt, von Gewerkschaftsbashing halte ich nichts. Arbeiter und Angestellte und Arbeitslose gehören in die Gewerkschaften. Dort in den Gewerkschaften können und müssen sie Druck auf die Führungen ausüben, damit der ökonomische Kampf um Lohnforderungen und arbeitsrechtliche Standards massiver und organisierter geführt wird. Nur Gewerkschaften können grenzüberschreitende Aktionen koordinieren und organisieren. Es braucht den organisierten Massenkampf und kein Bahnhofskomitee! Siehe Griechenland (KKE-Seite, ich übersetze viel von denen).

 ;)

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