Autor Thema: Gladio - Geheimarmeen in Europa  (Gelesen 1590 mal)

pjotr

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 178
  • Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt.
Gladio - Geheimarmeen in Europa
« am: 19:02:18 Do. 17.Februar 2011 »
In Italien und Deutschland sterben in den 60er bis 80er Jahren zahlreiche Menschen bei Bombenanschlägen. Indizien belegen bestimmte Zusammenhänge, die Spuren führen zu einer geheimen Struktur namens "Gladio". Ursprünglich als Spionage- und Sabotageorganisation im Falle eines sowjetischen Angriffs gegründet, diente Gladio politischen Interessen und wird nun verdächtigt, im Umfeld rechtsradikaler Gruppen Gewalttaten im Auftrag politischer Interessen begangen zu haben.

In den 60er bis 80er Jahren erschüttert eine Serie von Bombenanschlägen Italien. So sterben 1969 in Mailand 16 Menschen bei einem Bombenanschlag. Im August 1980 detoniert eine Bombe im Bahnhof Central in Bologna - 85 Menschen sterben. Im September des gleichen Jahres gibt es auch in Deutschland Bombenopfer. Beim schwersten Anschlag der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sterben 13 Menschen auf dem Münchner Oktoberfest. Im Lauf der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem bestimmten Zusammenhang stehen: Alle Täter kommen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen, mehrfach wird militärischer Sprengstoff benutzt.
Die Spuren führen zu einer geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten - ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: "Stay behind", später auch "Gladio". Sie geht auf eine US-Initiative für "verdeckte Operationen" von 1948 zurück. Geheime Waffendepots werden angelegt und Agenten ausgebildet. Im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sollten sie sich überrollen lassen und hinterrücks Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen. Doch der sowjetische Angriff blieb aus. Was aus den geheimen Strukturen wurde, ist weitgehend unbekannt.
Spuren von Gladio finden sich in Italien. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Strukturen seit den 60er Jahren benutzt wurden, Regierungen an der Macht zu halten. Trotz massiver Behinderung der italienischen Justiz durch Geheimdienste und Behörden gelingt es, die Existenz von Gladio nachzuweisen. 1990 räumt der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti öffentlich ein, dass Gladio nicht nur in Italien, sondern europaweit existierte und existiert. Es wird umfassende Aufklärung gefordert - passiert ist wenig.
So auch in der Bundesrepublik. Obwohl es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Gladio und dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest von 1980 gibt. Die Ermittlungen werden eingestellt. Die Asservate, die dank neuer, kriminaltechnischer Methoden Hinweise geben könnten, sind mittlerweile vernichtet. Haben Rechtsextremisten Gladio-Strukturen auch in Deutschland benutzt, um ihre politischen Ziele zu verfolgen? Die Frage bleibt offen. Die Wahrheit über Gladio findet sich in den Archiven - unter Verschluss. Nur deren Öffnung könnte Klarheit bringen. Aber bis heute fehlt der politische Wille zur Aufklärung
http://goo.gl/tSpQX
Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt.
-Karl Kraus-

Rudolf Rocker

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13419
  • Waldkauz (8>
Re:Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #1 am: 16:39:59 Mo. 22.Dezember 2014 »
Gladio ist scheinbar immer noch aktiv:

Zitat
In Italien sind 14 Mitglieder eines neofaschistischen Netzwerkes von der Polizei festgenommen worden. Die Gruppe plante offenbar noch vor Weihnachten Anschläge. Sie fühlen sich dem rechtsextremen "Ordine Nuovo" verbunden.

http://www.tagesschau.de/ausland/italien-neonazis-101.html

Rappelkistenrebell

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2932
Re:Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #2 am: 19:40:51 Mo. 22.Dezember 2014 »
3.12.2014 / Titel / Seite 1Inhalt

Putschpläne in Italien
Neofaschistischer Zirkel wollte Macht übernehmen. 14 Rädelsführer eines »schwarzen Zentrums« verhaftet
Von Gerhard Feldbauer


Italienische Neofaschisten planten offenbar einen Staatsstreich. Die Nachrichtenagentur ANSA, die römische Zeitung La Repubblica und weitere Medien berichteten am Montag ausführlich über eine von der Antiterroreinheit ROS der Carabinieri ausgehobene extrem rechte Gruppierung, die einen Umsturz der verfassungsmäßigen Ordnung plante. Dazu sollten Persönlichkeiten der Politik und des öffentlichen Lebens ermordet werden. Außerdem plante die Gruppierung während der kommenden Feiertage Anschläge auf Bahnhöfe, Polizeidirektionen und weitere Gebäude.

In ganz Italien, darunter in Rom, Mailand, Turin, Neapel und Palermo, wurden 14 Rädelsführer verhaftet. Gegen weitere 50 Verdächtige wurden Ermittlungen eingeleitet. Den Erfolg verdankt die ROS-Operation  der Arbeit zweier ihrer in den neofaschistischen Zirkel eingeschleusten Offiziere.

In der Regionalhauptstadt Aquila in den Abruzzen hatten die Terroristen als Führungszentrale eine »Avanguardia Ordinovista« (Avandgardistische Neuordnung) gebildet. Diese soll ein Ableger der in den 1950er Jahren gegründeten und 1973 verbotenen, faschistischen Organisation »Ordine Nuovo« (Neue Ordnung) sein.

Die Gruppierung war maßgeblich in die »Strategie der Spannung« der 1970er Jahre eingebunden. Damals verübten rechte Terroristen mit Unterstützung der Geheimdienste und der NATO Anschläge, die sie der starken linken Bewegung in die Schuhe schoben. Damit sollte nicht nur die Linke diskreditiert, sondern auch einem autoritären Regime Vorschub geleistet werden. Unter dem Deckname »Gladio« wurden paramilitärische Einheiten unter Befehl der NATO gegründet. So auch »Ordine Nuovo«, der Giuseppe Rauti vorstand, der bereits für die faschistischen Banden Benito Mussolinis aktiv war.

Zur Beschaffung von Waffen unterhielt die nun ausgehobene neofaschistische Gruppe gute Kontakte ins Ausland, unter anderem zu Gleichgesinnten in Slowenien. Unter den sichergestellten Materialien befanden sich Ausgaben von Hitlers »Mein Kampf« und andere nazistische Bücher.

Einer der Anführer der »Avanguardia Ordinovista« ist laut ANSA Rutilio Sermonti. Er soll der »Ordine Nuovo« angehört haben und als Schriftsteller »eine der bekanntesten Figuren der Intellektuellen der extremen Rechten« sein, schrieb La Repubblica. Bei ihm wurde ein »Statut der Republik der Einheit Italiens« mit einer neuen Verfassung über eine zu errichtende »Neue Ordnung« sichergestellt. Nach ihrem »schwarzen Umsturz« wollten sich die Verschwörer zu einer Partei konstituieren, um Wahlen zu veranstalten.

La Repubblica warnte, die Realität dieser neofaschistischen Aktivitäten in Italien wie auch in Europa nicht zu unterschätzen. Dazu hatte das Blatt am Sonntag über einen in Mailand von dem Führer der italienischen neofaschistischen »Forza Nuova«, Roberto Fiore, veranstalteten Kongress der extremen Rechten Europas berichtet. Unter den 300 Teilnehmern befanden sich auch Abordnungen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden, die zum Kampf gegen den »weltweiten Zionismus«, gegen »eine afrikanische Invasion«, zur Verteidigung der »katholischen Zivilisation« in einem »großen freien Europa« aufriefen.

Auch die Wurzeln der »Forza Nuova« reichen in die Zeit der »Strategie der Spannung« zurück. Fiore gehörte zu den Attentätern des Anschlags 1980 auf den Bahnhof in Bologna, bei dem 85 Menschen umgebracht und über 200 verletzt wurden.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2014/12-23/052.php
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

Rudolf Rocker

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13419
  • Waldkauz (8>
Re:Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #3 am: 15:13:10 Mi. 20.April 2016 »
Praktisch, man schiebt es einfach auf die DDR. Die kann sich nicht mehr wehren. (Wundert mich ein bißchen das es nicht die Russen gewesen sein sollen, bzw. Putin!)

Zitat
Wie die Stasi deutschen Rechtsterroristen half
http://www.tagesschau.de/inland/ddr-rechtsterrorismus-101.html

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5660
  • Sapere aude!
Re:Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #4 am: 22:25:13 Mo. 19.November 2018 »
Zitat
Existiert in Deutschland eine rechte „Schattenarmee“ aus Elitekämpfern?

Bis 1990 hielt die NATO Geheimarmeen in ihren Ländern, auch bekannt unter dem Namen „Staybehind/Gladio“. Aktuelle Recherchen deuten darauf hin, dass wieder eine Armee rechter Elitekämpfer existiert, die sich ähnlicher Aufgaben annimmt: Erschießung von Linken am „Tag X“ und Guerilla-Kampf gegen Russland bei einer Invasion.

Quelle: https://perspektive-online.net/2018/11/existiert-in-deutschland-eine-rechte-schattenarmee-aus-elitekaempfern/?no_cache=1
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Rudolf Rocker

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13419
  • Waldkauz (8>
Re:Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #5 am: 09:49:15 Di. 20.November 2018 »
Der taz- Bericht dazu ist auch sehr interessant:
Hannibals Schattenarmee

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8965
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #6 am: 09:45:47 Mo. 28.Dezember 2020 »
Zitat
„Die Krieger“ oder: Was haben die Gruppe LUDWIG und der NSU gemeinsam?

Welche Parallelen gibt es zwischen der „Gruppe LUDWIG“ und dem NSU? Einige, sagt der Drehbuch- und Romanautor Martin Maurer im Interview mit den NachDenkSeiten. „Die Gruppe LUDWIG“, so Maurer, „wird für eine Serie von Morden und Anschlägen verantwortlich gemacht, bei denen zwischen 1977 und 1984 vor allem in Oberitalien fünfzehn Menschen getötet worden sind.“ Maurer hat sich in seinem aktuellen Roman „Die Krieger“ mit dieser Gruppe akribisch auseinandergesetzt. Ein Interview über Terrorismus, die Stay-behind-Strukturen der Nato und die Frage, ob die vordergründigen „Wahrheiten“, die bei Terroranschlägen vorzufinden sind, auch der Wirklichkeit gerecht werden. Von Marcus Klöckner

...

HTML5:
Quelle: NDS

Ich bin immer wieder erstaunt wie wenig/nicht aufgeklärt und aufgearbeitet deutsche Geschichte ist. Wir snd weit davon entfernt eine moderne bzw. aufgeklärte Generaition zu sein.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16575
  • Fischkopp
Re: Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #7 am: 18:41:39 Mo. 28.Dezember 2020 »
Ich bin immer wieder erstaunt wie wenig/nicht aufgeklärt und aufgearbeitet deutsche Geschichte ist. Wir snd weit davon entfernt eine moderne bzw. aufgeklärte Generaition zu sein.

Dazu fällt mir irre viel ein...
...auch... Kennst du "Die Mörder sind unter uns"?
https://www.rbb-online.de/film/mediathek/die/die-moerder-sind-unter-uns.html
Ein wirklich berührender Film...

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8965
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #8 am: 12:58:53 Di. 29.Dezember 2020 »
Kann sein das ich ihn schon gesehen habe, ich schau ihn auf jeden Fall (nochmal) an.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16575
  • Fischkopp
Re: Gladio - Geheimarmeen in Europa
« Antwort #9 am: 14:08:55 Di. 29.Dezember 2020 »
Es ging nach meiner Erinnnerung in dem Film darum, daß diejenigen, die unter der Naziherrschaft was zu melden hatten und profitierten, auch nach dem offiziellen Ende das Faschismus wieder oben schwammen.

Es ist genauso wie von dir beschrieben. Bis zum heutigen Tag haben wir kaum eine Ahnung, wie die Machtstrukturen unter der demokratischen Tünche aussehen. Die Lokalpostillen wurden in der neuen Bundesrepublik von den selben Kräften geführt wie schon zu Kaiserszeiten und der Nazizeit. Wenn sie inzwischen großteils von Springer, Bertelsmann, Bauer, Burda und Co. geschluckt worden sind, bedeutet das keine Verbesserung.

Selbst in der finstersten Provinz sind die alten Netzwerke erhalten geblieben aus Krämern, Großbauern, Militärs, Bullen und Juristen. Dort werden politische Entscheidungen gefällt. In den Rathäusern kriegen die Entscheidungen einen demokratischen Anstrich. Das geht natürlich so weiter in die Städte und Großtstädte. Da kommen die Industriellen hinzu. Das sind Strukturen in ungebrochener brauner Tradition. Entnazifizierung? Für'n Arsch!

Es kommen dann noch die Alliierten hinzu, die bei der Neuorganisierung Deutschlands eine entscheidende Rolle spielten. Sie (allen voran die Amis) arrangierten sich schnell mit alten Nazis und hatten in erster Linie Angst vor sich organisierenden Arbeitern und vor Kommunisten. Auch die Sowjetunion hat sich gerade mit Ruhm bekleckert. Man wahr schon froh, wenn in Nazideutschland auf dem Gebiet der DDR einfach Ruhe herrschte. Das notfalls auch mit Hilfe derjenigen, die bei den Nazis was zu sagen hatten.

Auch wenn Rechte und Verschwörungstheoretiker gern mit dem Begriff "Deep State" hantieren, gibt es ihn wirklich: Den "Tiefen Staat", Machtstrukturen jenseits parlamentarischer Kontrolle in denen Geheimdienste und Militärs eine große Rolle spielen.

Stay-behind-Strukturen der Nato, Gladio, Gruppe Ludwig, Wehrsportgruppe Hoffmann (u.v.a.) sind keine Erfindungen spinnerter Verschwörungstheoretiker, sondern belegbare Strukturen.

Auch der Drecksfaschist Franz-josef Strauß, noch immer Säulenheiliger der CSU, hat wohl mit dem CIA kooperiert. Man sollte sich nur die wenigen Zeilen bei Wikipedia über Strauß durchlesen https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Josef_Strau%C3%9F , um eine Ahnung davon zu kriegen, was für eine Rolle er in der deutschen Politik und Wirtschaft (oft auch im Hintergrund) gespielt hat. Das schlägt jede Geisterbahnfahrt.