Autor Thema: Wie überlebt man das Arbeitsleben?  (Gelesen 15552 mal)

Anais

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Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« am: 15:29:09 Mo. 21.Februar 2011 »
Nachdem ich mich viele Monate lang über das schikanöse und ungerechte Verhalten meiner Chefin und meine erfolglose Gegenwehr schwarz geärgert habe, bekam ich vor einer Woche einen nervlichen Kollaps und kündige den Job im Affekt, wobei ich zusätzlich noch ALG II beziehe.

Ich will nicht alle Streitpunkte aufzählen, also was das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die Unterschlagung meiner Überstunden. Immer wenn ich meine Chefin darauf anspreche, dass Stunden fehlen, gibt sie das nie zu, sondern dreht es so, als hätte ich zuwenige notiert. Als ich sie darauf hinwies, dass mir die vollständige Erfassung meiner Überstunden wichtig ist und sie in Zukunft mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit darauf verwenden soll, erwiderte sie, dass sie meine Haltung nicht gut findet. Da ist mir wirklich der Kragen geplatzt über ihre ausbeuterische Unanständigkeit. Ich bin total empört und voller Zorn und Groll, dass sie erwartet, das ich es mit den Überstunden nicht so genau nehme und dankbar sein soll, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben. Das ist ihre Antwort, wenn es mal einer wagt, sich über etwas zu beschweren. Ich biete meine Arbeitskraft gegen Entgelt an, ich bin kein Sklave. Meine Arbeitskraft gibt’s nicht zum Nulltarif. 

Wenn jemand gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert oder mit einer Regelung oder Dienstanweisung nicht einverstanden ist, wird derjenige von der Chefin giftig und rabiat zurechtgewiesen, sie lässt nicht mit sich diskutieren, nach erneutem Widerspruch wird dem Mitarbeiter der Mund verboten und sie schreit „Schluss jetzt!“ Bei solchen Gelegenheiten platze ich innerlich vor Wut, auch wenn es mich selbst nicht betrifft. 

Es ist klar, dass mich die Arge sanktionieren wird. Aber schlimmer ist noch, dass ich kaum hoffen kann, dass mir beim nächsten Job als Arbeitnehmer mit mehr Gerechtigkeit, Anstand und Respekt widerfahren wird. Für mich ist die Arroganz, Überheblichkeit, Entrechtung, Schikane, Willkür und Unterdrückung durch die Arbeitgeber eine unerträgliche Zumutung. Ich will das nicht mitmachen.

In meinem sozialen Umfeld finde ich kaum Verständnis für meine Gefühle und Einstellung. Alle rackern sich ab und lassen sich treten, halten die Klappe aus Angst vor dem sozialen Abstieg in Hartz. Sie passen sich an, verleugnen sich selbst, betäuben ihren Frust abends mit nem Bierchen vorm Fernseher.
Ich kann so nicht leben. Gibt es hier Gleichgesinnte?

Vincent_Vega

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #1 am: 19:37:08 Mo. 21.Februar 2011 »
jau. ich konnte auch nie die schnauze halten. deswegen war ich auch nirgends länger als 3 jahre. gruss :)
In Deutschland wird nicht die Arbeitslosigkeit, sondern der Arbeitslose bekämpft.

Pfiffi

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #2 am: 19:57:46 Mo. 21.Februar 2011 »
Ist zwar traurig, das es das noch gibt, aber mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe, wäre das auch zu machen gewesen.
Stichwort, Dienst nach Vorschrift.

Wenn Deine ehemalige Chefin sich selbst nicht leiden konnte, Du musstest sie nicht leiden nur ertragen.

Sicher werden mehrere diese Erfahrungen gemacht haben.

Jetzt ist erstmal Konzentration angesagt, wie es weitergeht.
Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.
 ;)
Kopf hoch, der bleibt dran.  :D
Jeder kennt den "Dreisatz", welcher ist davon bei den JCs anzuwenden?

JC Dreisatz: Warum?  Wo steht das? Alles nur schriftlich!!

DJ1980

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #3 am: 20:49:26 Mo. 21.Februar 2011 »
Zitat
Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.

Ja, und kein Alkohol ist auch keine Lösung! Also was tun?  ?( ?( ?(

Aber zurück zum Thema: Ja, hier gibt es wohl mehr als genug Leidensgenossen. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, das du ne Sanktion oder Sperre bekommst, zumindest nicht, wenn du es richtig angestellt hast!
Das ist auch einer der Gründe, warum man seine Stundenzettel (Bei Leihfickern z.B.) immer aufheben sollte. Hat man keine zu führen, muß man halt immer nebenher Buch führen. Ist zwar nicht zwangsläufig Gerichtsfest, bringt einem aber schon eine gewisse Sicherheit!
Egal, was ich hier schreibe: Es handelt sich dabei niemals um eine Rechtsberatung, sondern Grundsätzlich nur um meine eigene Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit.
Scheiß auf Dolce&Gabbana! Ich trage Smith&Wesson!

Banken sind gefährlicher als stehende Armeen
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schmetti

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #4 am: 19:51:02 Di. 22.Februar 2011 »
...wie überlebt man das Arbeitsleben ?

Puh, da gibt es ein paar gute Möglichkeiten.

- Man wird selbst zum Rambo, furzt die Kollegen wegen jedem kleinsten Fehler an und beschwert sich ständig darüber, dass es im Arbeitsbereich so stinkt.
- Man wird zum Maulwurf des Chefs. Jede kleine Kleinigkeit wird dokumentiert. Am Ende der Schicht wird alles dem Chef vorgelegt.
- Man besäuft sich vor der Schicht vorher so extrem, dass man ein Gefühl der Leichtigkeit verspürt und man selbst über das Gemobbe vom Chef lachen kann.

... aber in Ernst, wie überlebt man es, ohne irgendwelche Schäden davonzutragen?

Das Patentrezept kann dir glaube ich keiner geben. Gerade wenn man auf Missstände allergisch reagiert, kommt es oft vor, dass man sich was Neues suchen darf. Meiner Erfahrung nach ist Kritik, gerade vom "einfachen Sklaven", nicht sonderlich gern gesehen. Auch wenn sie noch so offensichtlich angebracht ist. Es kommt aber natürlich auch drauf an, was für einen Charakter der Chef hat. Hat man wirklich Pech, dann ist man schneller wieder draußen, als man Kritik anbringen konnte. Meist bleiben nur die stillen, zahmen Lämmer, die, die Missstände selbst dann ignorieren, wenn sie ihnen bis zur Kinnlade stehen. Angst um das Danach spielt auch eine große Rolle.  Sorgen darüber, wie man seine Familie ernähren soll z.B..

Genau damit spielen doch leider viele Chefs. Mit der puren Angst. Die wehren sich schon nicht. Und selbst wenn mal jemand auf die Idee kommt, einfach auswechseln, weiter gehts. In der Marktwirtschaft ist anscheinend alles erlaubt.

Ich persönlich finde deine Reaktionen absolut nachvollziehbar und ich bin immer glücklich darüber, Menschen zu erleben, die nicht alles mit sich machen lassen. Bitte lass dich niemals unterdrücken und bewahre deine Würde.
Und sei nicht so böse auf dein Umfeld. Ich kenn es auch, dass einen niemand großartig den Rücken stärkt, nein, es kommt sehr oft vor, dass man auf Unverständnis trifft. Aber diese Leute können sich nicht einfühlen in dich, sie wissen nicht, welche Beweggründe du hattest. Gesteigerter Arbeitsidealismus... oder so.

sleeping-gateman

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #5 am: 00:49:37 Fr. 08.Februar 2013 »
Es gibt noch eine Möglichkeit : Chef zersägen. Sie finden sie hier : https://vimeo.com/55224501 oder vimeo.com/kawomms zum leichteren Aufschreiben. Ich habe übrigens trotz der Hilfe den button für neues Thema nicht gefunden. >:( Falls mir da jemand helfen kann. :)

Andrico

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #6 am: 11:40:56 Fr. 08.Februar 2013 »
Hallo Sleeping Gateman,

Zitat
Ich habe übrigens trotz der Hilfe den button für neues Thema nicht gefunden. Angry Falls mir da jemand helfen kann. Smiley

Einfach in der Hauptkategorie wie zum Beispiel "Mobbing" oben neben "Alle Gelesen" und "Benachrichtigen" auf den Button "Neues Thema" klicken.

Andrico

DuChef

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #7 am: 20:36:05 Di. 12.Februar 2013 »
Gute Frage.. mit guten Kollegen und einem netten Chef..

Dazu Arbeit, die Spaß macht.

Aber wo findet man so etwas? Ist ja wie Lotto spielen und die Millionen gewinnen!

Aduu87

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #8 am: 15:37:17 Mi. 13.Februar 2013 »
Ist zwar bisschen zynisch, aber für die welche mal sich ausfrusten wollen

http://www.spielen.es/whack-your-boss

Was den Anfangspost angeht. Bin 25 Jahre jung, und konnte beim letzten Arbeitgeber auch nicht die Schnauze halten. Chef hat mir zwar groß hingestellt "das ist dann dein Lager und ich will hier nur Leute arbeiten sehen die das als IHR Lager sehen bla bla blubb managergefasel".

Als ich mich aber dann aufgrund eklatante Verletzungen geltender Sicherheitsbestimmungen sachlich und höflich "aufgemuckt habe", sowie (nachdem einer seiner Verkaufslaster einen Unfall hatte, musste ich alleine mit nem 3,5 Sprinter nach Straubing tun... und räum mal einen 7,5er alleine aus mit Restware und lauter Schubladen, Fächern ect. mit deines Vaters Werkzeuges das er einem mitgegeben hat, obwohls Chef Sache ist sowas bereit zustellen und am Ende nicht mal ein Danke kam.... egal lange geschichte  ;) ) mich aufgemuckt habe, was das soll mich für arbeiten loszuschicken die locker eigentlich für 2-3 Personen gedacht ist....

naja, ich persönlich denk mir, liebers Maul aufgemacht bei sowas, als ständig nur zu buckeln... braucht man sich ja nicht wundern das sich hier in Schland nichts ändert.

Wünsche dem Anais persönlich alles gute für seine Lebensituation ^-^ hoffe das dich das JC nicht nervt und du (so wie wir Muslime sagen) inshallah (so Gott will) wieder eine Arbeitsstelle bekommst, welche dir definitiv Spaß macht und wo menschliches, kollegiales Verhalten an Tag gelegt wird.

inline

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #9 am: 18:56:38 Sa. 23.März 2013 »
Ich würde einfach keine Überstunden machen, wenn unsicher ist, dass die erfasst werden.
Bzw. ich würde die erst mal selbst notieren. Wenn die Chefin die nicht anerkennt , dann würde ich sagen, dass man zu Überstunden ja nicht verpflichtet ist.

Wie passt es überhaupt zusammen?  Überstunden und trotzdem noch zusätzlich ALG II ? Bzw. wie hoch war eigentlich der Stundenlohn ?

Nick N.

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #10 am: 13:19:04 Di. 26.März 2013 »
Daß einem eingeredet wird, man sei der Einzige, dem es so geht, das gehört zum System. Wüßten die Leute, denen es so geht wie Dir, wie viele sie sind, würde das nicht lange so gehen.
Die online- quer Nr.5 (Zeitung der Oldenburger Erwerbsloseninitiative ALSO) empfiehlt ein Buch mit Interviews mit Beschäftigten, wo es genau darum geht.
Wenn ich die Buchbesprechung richtig verstanden habe, dann kann es auch dazu beitragen, aufzuzeigen, wie viele Beschäftigte eigentlich in ähnlichen Situationen sind.
Hier kann man die Zeitschrift downloaden, die Buchkritik ist auf S. 26
http://www.also-zentrum.de/seiten/zeitung-quer/downloadbereich.php
Satyagraha

Vahles

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #11 am: 09:37:44 Di. 10.Mai 2016 »
Für mich war der einzige Weg, dieser undankbaren, fremdbestimmten Maschinerie zu entfliehen, die Selbstständigkeit. Es gibt aber natürlich auch Jobs und Arbeitgeber, wo alles etwas gesitteter und fairer abläuft, und Arbeitnehmerrechte berücksichtigt und gelebt werden. Unbezahlte Überstunden ist ja eins der Klassiker, das geht gar nicht.
Sandra Vahle

Bowie

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #12 am: 20:42:25 Di. 10.Mai 2016 »
Ich kenne viele Leute, die genauso gedacht haben, aber in der entgegengesetzten Welt gelandet sind. "Selbstständigkeit" wurde zu einem Faß ohne Boden, Abhängigkeit von Auftraggebern, Angst vor dem Scheitern. Nie wirklich Feierabend. Planungen, Zweifel und Ängste verfolgen einen rund um die Uhr.

dagmar

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #13 am: 15:25:40 Mo. 06.Februar 2017 »
Wie man/frau das Arbeitsleben überleben soll, wie es derzeit rund um uns ist weiß ich nicht. Aber aus dem Umfeld wird mir gesagt,dass die Unzufriedenheit in allen Schichten zu finden ist, die Burnouts überall Waldfeuer in Brand stecken und die Politik jeden erzürnt, der ein bischen nachdenken kann.

Ja, ich hatte schon scheiß Jobs - da gab es dann gute Kollegen, die ganz viel aufgefangen haben ; einfach weil wir viele waren, die unzufrieden waren.

Heute ist es aber oftmals so, dass ganze Abteilung missmutig am Telefon sitzen und einier gegen den anderen pöbelt weil sich niemand gegen die Geschäftsleitung traut und sich somit die Kollegen das Leben selber schwer machen.

Wie kommen wir durch???

Ich bin gespannt, vielleicht lernen wir es durch solche Threads!

Gruß von Dagmar

counselor

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Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
« Antwort #14 am: 15:37:48 Mo. 06.Februar 2017 »
Ich war mal in einem Callcenter beschäftigt. Da haben wir uns unter Kollegen gegen unseren Projektleiter zusammengeschlossen und sind mittels einer betriebsverfassungsrechtlichen Beschwerde vorgegangen. Dabei konnten wir ein paar dicke Bretter bohren.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!