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Wie überlebt man das Arbeitsleben?

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Anais:
Nachdem ich mich viele Monate lang über das schikanöse und ungerechte Verhalten meiner Chefin und meine erfolglose Gegenwehr schwarz geärgert habe, bekam ich vor einer Woche einen nervlichen Kollaps und kündige den Job im Affekt, wobei ich zusätzlich noch ALG II beziehe.

Ich will nicht alle Streitpunkte aufzählen, also was das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die Unterschlagung meiner Überstunden. Immer wenn ich meine Chefin darauf anspreche, dass Stunden fehlen, gibt sie das nie zu, sondern dreht es so, als hätte ich zuwenige notiert. Als ich sie darauf hinwies, dass mir die vollständige Erfassung meiner Überstunden wichtig ist und sie in Zukunft mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit darauf verwenden soll, erwiderte sie, dass sie meine Haltung nicht gut findet. Da ist mir wirklich der Kragen geplatzt über ihre ausbeuterische Unanständigkeit. Ich bin total empört und voller Zorn und Groll, dass sie erwartet, das ich es mit den Überstunden nicht so genau nehme und dankbar sein soll, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben. Das ist ihre Antwort, wenn es mal einer wagt, sich über etwas zu beschweren. Ich biete meine Arbeitskraft gegen Entgelt an, ich bin kein Sklave. Meine Arbeitskraft gibt’s nicht zum Nulltarif. 

Wenn jemand gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert oder mit einer Regelung oder Dienstanweisung nicht einverstanden ist, wird derjenige von der Chefin giftig und rabiat zurechtgewiesen, sie lässt nicht mit sich diskutieren, nach erneutem Widerspruch wird dem Mitarbeiter der Mund verboten und sie schreit „Schluss jetzt!“ Bei solchen Gelegenheiten platze ich innerlich vor Wut, auch wenn es mich selbst nicht betrifft. 

Es ist klar, dass mich die Arge sanktionieren wird. Aber schlimmer ist noch, dass ich kaum hoffen kann, dass mir beim nächsten Job als Arbeitnehmer mit mehr Gerechtigkeit, Anstand und Respekt widerfahren wird. Für mich ist die Arroganz, Überheblichkeit, Entrechtung, Schikane, Willkür und Unterdrückung durch die Arbeitgeber eine unerträgliche Zumutung. Ich will das nicht mitmachen.

In meinem sozialen Umfeld finde ich kaum Verständnis für meine Gefühle und Einstellung. Alle rackern sich ab und lassen sich treten, halten die Klappe aus Angst vor dem sozialen Abstieg in Hartz. Sie passen sich an, verleugnen sich selbst, betäuben ihren Frust abends mit nem Bierchen vorm Fernseher.
Ich kann so nicht leben. Gibt es hier Gleichgesinnte?

Vincent_Vega:
jau. ich konnte auch nie die schnauze halten. deswegen war ich auch nirgends länger als 3 jahre. gruss :)

Pfiffi:
Ist zwar traurig, das es das noch gibt, aber mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe, wäre das auch zu machen gewesen.
Stichwort, Dienst nach Vorschrift.

Wenn Deine ehemalige Chefin sich selbst nicht leiden konnte, Du musstest sie nicht leiden nur ertragen.

Sicher werden mehrere diese Erfahrungen gemacht haben.

Jetzt ist erstmal Konzentration angesagt, wie es weitergeht.
Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.
 ;)
Kopf hoch, der bleibt dran.  :D

DJ1980:

--- Zitat ---Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.
--- Ende Zitat ---

Ja, und kein Alkohol ist auch keine Lösung! Also was tun?  ?( ?( ?(

Aber zurück zum Thema: Ja, hier gibt es wohl mehr als genug Leidensgenossen. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, das du ne Sanktion oder Sperre bekommst, zumindest nicht, wenn du es richtig angestellt hast!
Das ist auch einer der Gründe, warum man seine Stundenzettel (Bei Leihfickern z.B.) immer aufheben sollte. Hat man keine zu führen, muß man halt immer nebenher Buch führen. Ist zwar nicht zwangsläufig Gerichtsfest, bringt einem aber schon eine gewisse Sicherheit!

schmetti:
...wie überlebt man das Arbeitsleben ?

Puh, da gibt es ein paar gute Möglichkeiten.

- Man wird selbst zum Rambo, furzt die Kollegen wegen jedem kleinsten Fehler an und beschwert sich ständig darüber, dass es im Arbeitsbereich so stinkt.
- Man wird zum Maulwurf des Chefs. Jede kleine Kleinigkeit wird dokumentiert. Am Ende der Schicht wird alles dem Chef vorgelegt.
- Man besäuft sich vor der Schicht vorher so extrem, dass man ein Gefühl der Leichtigkeit verspürt und man selbst über das Gemobbe vom Chef lachen kann.

... aber in Ernst, wie überlebt man es, ohne irgendwelche Schäden davonzutragen?

Das Patentrezept kann dir glaube ich keiner geben. Gerade wenn man auf Missstände allergisch reagiert, kommt es oft vor, dass man sich was Neues suchen darf. Meiner Erfahrung nach ist Kritik, gerade vom "einfachen Sklaven", nicht sonderlich gern gesehen. Auch wenn sie noch so offensichtlich angebracht ist. Es kommt aber natürlich auch drauf an, was für einen Charakter der Chef hat. Hat man wirklich Pech, dann ist man schneller wieder draußen, als man Kritik anbringen konnte. Meist bleiben nur die stillen, zahmen Lämmer, die, die Missstände selbst dann ignorieren, wenn sie ihnen bis zur Kinnlade stehen. Angst um das Danach spielt auch eine große Rolle.  Sorgen darüber, wie man seine Familie ernähren soll z.B..

Genau damit spielen doch leider viele Chefs. Mit der puren Angst. Die wehren sich schon nicht. Und selbst wenn mal jemand auf die Idee kommt, einfach auswechseln, weiter gehts. In der Marktwirtschaft ist anscheinend alles erlaubt.

Ich persönlich finde deine Reaktionen absolut nachvollziehbar und ich bin immer glücklich darüber, Menschen zu erleben, die nicht alles mit sich machen lassen. Bitte lass dich niemals unterdrücken und bewahre deine Würde.
Und sei nicht so böse auf dein Umfeld. Ich kenn es auch, dass einen niemand großartig den Rücken stärkt, nein, es kommt sehr oft vor, dass man auf Unverständnis trifft. Aber diese Leute können sich nicht einfühlen in dich, sie wissen nicht, welche Beweggründe du hattest. Gesteigerter Arbeitsidealismus... oder so.

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