Autor Thema: Militärintervention/Libyen/Syrien?  (Gelesen 87018 mal)

ManOfConstantSorrow

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Militärintervention/Libyen/Syrien?
« am: 18:05:25 Mo. 28.Februar 2011 »
Die Situation in Libyen unterscheidet sich schon von der in den anderen Nordafrikanischen Staaten.
Muammar al-Gaddafi war ein Symbol gegen Kolonialismus und Imperialismus.
Libyen wurde laut den Vereinten Nationen der höchstentwickelte Staat des afrikanischen Kontinents. Es gab eine kostenlose Krankenversichrung für alle. Gaddafi spendete für den Streik der Britischen Bergarbeiter (dem bedeutendsten Arbeitskampf in Europa der letzten Jahrzehnte 84/85). Er empfing deutsche Hausbesetzer und Nicaraguabrigadisten (ich kennen einen, der tatsächlich dort eingeladen war) und gratulierte den Demonstranten, die bei Bremerhaven ein US Atomwaffenlager blockierten. Das Land wurde von den USA auf die Liste der Schurkenstaaten gesetzt. Im April 1986 bombardierte die US-amerikanische Luftwaffe Tripolis und Bengasi (Operation El Dorado Canyon). Bei den US-Luftangriffen kam auch Gaddafis Adoptivtochter Hana am 15. April 1986 im Alter von nur 15 Monaten ums Leben. Der CIA scheiterte auch kläglich mit dem Versuch bei der Marine eine Meuterei anzuzetteln, die wohl in einem Putsch münden sollte. 1988 schob man Libyen das Lockerbie Attentat in die Schuhe. Mit dem Druck eines Wirtschaftboykotts zwang man Libyen zu einem Schuldeingeständnis und 2,7 Milliarden US-Dollar Entschädigung. Gaddafii holte sich rund 460 Millionen US-Dollar mit der Beschuldigung wieder, Bulgarische Krankenschwestern hätten libysche Kinder absichtlich mit HIV infiziert. Nebebei kamen Wirtschaftshilfen und Wirtschaftverträge bei raus. Die Anschuldigung gegen die Krankenschwestern waren genauso hanebüchen, wie die für das Lockerbie Attentat. Sowas nennt man Diplomatie.

Es gab aber zunehmend Gründe an dem Weg des Revolutionsführers zu zweifeln. Schon als er die britschen Bergarbeiter unterstützte, überwies er auch an die BNP, die britischen Faschisten. Er wolle so nur den europäischen Kapitalismus destabilisieren, sagten einige Linke. Wenn man sich seinen engsten politischen Freundeskreis ansieht mit Putin, Belusconi und Sarcozy, kann einem nur übel werden. Für ein Blutgeld von 50 Millionen Euro jährlich von der EU geht er gegen afrikanische Flüchtlinge vor, die nach Europa wollen. Derweil ging das soziale Gefüge des reichen Ölstaats auch weiter den Bach runter und ein wachsender Teil der Bevölkerung war von de gesellschaftlichen Reichtum ausgeschlossen.

In einer sowieso völlig durchgedrehten Welt glänzte Muammar al-Gaddafi mit seinen exzentrischen Auftritten, Phantasieuniformen, Trationelle Gewändern, Beduinenzelt statt Hilton beim Staatsbesuch und seiner Truppe weiblicher Bodyguards. Jetzt ist er beim besten Willen nicht mehr zu ertragen. Es geht einfach nicht, wenn jemand glaubt "Ich bin die Revolution" und selbst am besten weiß, was für die Bevölkerung gut ist. Notfalls bingt man ihr mit einem Blutvergießen bei.

Es gilt jedoch zu bedenken, was nach einem Gaddafi kommt. Im Ostblock sind nach dem Systemwechsel Repression und Armut gewachsen. Regierung, Mafia und Wirtschaft haben ein undurchdringliches Geflecht gebildet und die einfache Bevölkerung bleibt auf der Strecke. Es geht für sie weiter abwärts. Libyen ist das Feld, auf das westliche Geheimdienste nur warten um sich zu dafür zu rächen, daß der Westen sich nicht frei an den Ölfeldern bedienen durfte. Es warten viele die Macht zu übernehmen. Und einige haben sich gut darauf vorbereitet. Die Bevölkerung jedoch nicht.

Als es 1974 in Portugal eine Revolution gab, war der Westen auch gut vorbereitet. Der erste Staatschef nach der Revolution war Mario Suarez, der in Bonn von der SPD ausgebildet worden ist. Er tat was er gelernt hat und vertrieb mit Waffengewalt die Bauern vom kollektivierten Land um es den Großgrundbesitzern zurückzugeben.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #1 am: 20:46:57 Mo. 28.Februar 2011 »
Zitat
USA bringen Truppen rund um Libyen in Stellung

Die USA ziehen ihre Truppen rund um Libyen zusammen. Die US-Armee bringe Marine- und Luftwaffeneinheiten in der Region in Position, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Dave Lapan, am Montag vor Journalisten in Washington. Die Planer des Pentagon arbeiteten an «verschiedenen Notfallplänen». Dazu gehörten Truppenverlegungen, um im Fall einer Entscheidung flexibel zu sein.
http://bazonline.ch/ausland/die-arabische-revolution/USA-bringen-Truppen-rund-um-Libyen-in-Stellung/story/31839246?dossier_id=852

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #2 am: 19:50:09 Di. 01.März 2011 »
Zitat
US-Flugzeugträger vor Libyens Küste

07:30 Uhr: Die USA verlegen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge näher an Libyen heran und erhöhen damit den Druck auf Machthaber Muammar Gaddafi. Zudem gab das Finanzministerium in Washington am Montag das Einfrieren libyschen Vermögens in Höhe von 30 Milliarden Dollar (21,7 Mrd. Euro) bekannt. Welche US-Schiffe im Mittelmeer-Raum zur Verfügung stehen, war zunächst unklar.
(...)
10:04 Uhr: Wieder einmal ist der konservative Londoner Premier David Cameron der Vorreiter in Sachen Anti-Gaddafi-Rhetorik: "Wir schließen die Nutzung militärischer Mittel in keiner Weise aus". Und: "Wir dürfen nicht tolerieren, dass das Regime Militärkräfte gegen das eigene Volk einsetzt", appellierte Cameron an die internationale Staatengemeinschaft.

10:07 Uhr: Auch der Londoner Guardian ist stets vorne dabei. Mögliche Szenarien: das Land wird geteilt, Gaddafi flieht, ausländische Militärs greifen ein oder es kommt zu einem Machtvakuum. http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/28/libya-land-brink-civil-war
(...)
14:45 Uhr: Die USA haben bisher mindestens 30 Milliarden Dollar an libyschem Regierungsvermögen eingefroren. Dies sei die höchste Summe, die jemals bei Sanktionen in den USA blockiert worden sei, teilte das Finanzministerium in Washington mit.  [Meines Wissens haben auch die USA die "eigefrorenen" Iranischen Bankkonten schlichtweg zum Stopfen der eigenen Haushaltslöcher benutzt]
(...)
17:13 Uhr: General James Mattis von Zentralkommando der US-Streitkräfte im US-Senat über eine mögliche Flugverbotszone über Libyen: "Meiner Meinung nach wäre dies eine große Herausforderung: man musste zuerst die Luftverteidigungskapazitäten der libyschen Armee vernichten. Das würde auf eine Militäroperation hinauslaufen, man kann nicht einfach anordnen, dass nicht mehr geflogen wird."
(...)
19:06 Uhr:  - US-Außenministerin Hillary Clinton warnt vor einem langjährigen Bürgerkrieg in Libyen. "In den kommenden Jahren kann Libyen zu einer friedlichen Demokratie werden oder es könnte in einen langwierigen Bürgerkrieg stürzen", sagte die Ministerin am Dienstag vor einem Kongressausschuss. "Während die gesamte Region im Umbruch begriffen ist, wird eine starke und strategische Antwort der Vereinigten Staaten entscheidend sein."
http://derstandard.at/1297819192253/US-Flugzeugtraeger-vor-Libyens-Kueste?seite=2#forumstart





Zitat
Chávez fordert internationale Friedenskommission für Libyen

Caracas. Der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, hat die Entsendung einer internationalen Friedenskommission vorgeschlagen, um den Konflikt in Libyen friedlich zu lösen. Am Montag erklärte das Staatsoberhaupt seine Hoffnung auf einen Ausgang ohne militärisches Eingreifen des Auslands. Damit reagierte Chávez auf die jüngsten Äußerungen der US-amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton, die eine Militärintervention in Libyen nicht ausschließt.

"Ich bin sicher, dass viele Regierungen damit einverstanden sind, eine politische Lösung zu suchen, anstatt Waffen und Panzer gegen das libysche Volk zu entsenden", erklärte Chávez. "Warum schicken wir nicht eine internationale Kommission, die sich friedlich für eine Lösung des Konflikts einsetzt?" Gleichzeitig kritisierte er, dass internationale Medien über Libyen ein "Netz aus Lügen" gespannt hätten, welches nicht allein die Gefahr eines Bürgerkriegs vergrößere, sondern auch eine militärische Intervention. Ein Einmarsch sei aber eine "Katastrophe".

Gleichzeitig lehnte der venezolanische Präsident in der aktuellen Situation eine Verurteilung des libyschen Präsidenten Muammar Al-Gaddafi ab. "Vielleicht haben Andere Informationen, die wir nicht haben", erklärte er. Man wisse aber nicht genau, was in Libyen passiere. Deshalb sei es "feige" jemanden zu verurteilen, "der lange Zeit unser Freund gewesen ist", so Chávez.
http://amerika21.de/meldung/2011/03/25072/friedenskommission-libyen

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #3 am: 10:32:56 Mi. 02.März 2011 »
Arabische Staaten lehnen Intervention in Libyen ab

Die Aussenminister der arabischen Staaten einigen sich in Kairo darüber, dass eine militärische Intervention in Libyen abzulehnen sei. Dies gab der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga Ahmad ibn Helli bekannt. Zudem wurde darin die territoriale Integrität Libyens betont, sowie die Einsetzung eines Komitees zur Untersuchung der Vorfälle in Lybien angekündigt.
Zu Bahrain wurde beschlossen den nationalen Dialog zu unterstützen.
Als Nachfolger für den abtretenden Präsidenten der Arabischen Liga Amr Musa wurde der ägyptische Politiker Mufid Shehab vorgeschlagen.
Ähnlich der UNO fördert die 1945 gegründete Arabische Liga die zwischenstaatliche Zusammenarbeit. Mitglieder sind die 21 arabischen Staaten sowie die palästinensische Autonomiebehörde.

http://bazonline.ch/ausland/die-arabische-revolution/Arabische-Staaten-lehnen-Intervention-in-Libyen-ab/story/25198615?dossier_id=852

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #4 am: 20:26:45 Mo. 07.März 2011 »
Zitat
Libyen
Ruf nach militärischem Eingreifen wird lauter

In den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die auf einen Luftschlag gegen Gadaffi drängen.
http://www.fr-online.de/politik/ruf-nach-militaerischem-eingreifen-wird-lauter/-/1472596/7769670/-/index.html


Zitat
USA schließen Einsatz von Bodentruppen in Libyen nicht aus +++ Frankreich und Großbritannien streben Flugverbot in Libyen an +++ UN-Diplomaten wollen rasch abstimmen +++

+++

8. März, 8:45 Uhr

Die US-Streitkräfte bereiten sich einem Bericht zufolge auf einen eventuellen Militäreinsatz in Libyen vor. Wie die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf ungenannte Regierungsmitarbeiter berichtete, werde der Einsatz von Flugzeugen im internationalen Luftraum vorbereitet, mit denen die Funkkommunikation in Libyen gestört werden könne. Zudem seien weitere Marineverbände vor der libyschen Küste in Stellung gegangen. Dem Zeitungsbericht zufolge liegen die beiden Angriffsschiffe „Kearsarge“ und „Ponce“ in Reichweite vor Tripolis.

Wie die „NYT“ weiter berichtete, befinden sich an der Bord der beiden Schiffe See-, Luft- und Landstreitkräfte des 26. Marineexpeditionskorps, die fähig sind, über hunderte von Kilometern zu agieren. Eine Option sei demnach, Sondereinsatztruppen in Libyen einzuschleusen, um die Aufständischen zu unterstützen. Diese speziell ausgebildeten Einheiten könnten die Kampfkraft der Rebellen praktisch über Nacht verbessern, schrieb die Zeitung. Diese Taktik sei auch in Afghanistan zum Sturz der Taliban 2001 eingesetzt worden.

Schließlich sei es auch möglich, die schlecht ausgerüsteten Aufständischen mit Waffenlieferung zu unterstützen, hieß es in dem Bericht. In den USA stieg der Druck auf Präsident Barack Obama, Waffenlieferung zuzulassen. „Ich nehme an, dass eine Menge Waffen in den nächsten Wochen ihren Weg auf die eine oder andere Weise dorthin finden werden“, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses des Senats, John Kerry. Ein direkter Militäreinsatz sei das Letzte, was gewollt sei, doch wäre die Einrichtung einer Flugverbotszone durchaus möglich, sagte Kerry weiter.

Auch der Ex-Gouverneur von Mexiko, Bill Richardson, sprach sich dafür aus, die Aufständischen „heimlich“ mit Waffen zu versorgen und eine Flugverbotszone einzurichten. Stephen Hadley, der frühere Sicherheitsberater von Obamas Vorgänger George W. Bush, drang ebenfalls auf Waffenlieferung nach Libyen. „Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Rebellen Waffen in die Hände zu geben, wenn wir ihnen Flugabwehrsysteme geben können, so dass sie selbst eine Flugverbotszone über ihrem Gebiet durchsetzen können, wäre das hilfreich“, sagte Hadley auf CNN



+++

8. März, 15:30 Uhr

Die internationale Gemeinschaft wird nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nicht tatenlos hinnehmen, dass die libysche Regierung das eigene Volk bekämpft. „Wenn Gaddafi und seine Militärs weiterhin die libysche Bevölkerung systematisch angreifen, kann ich mir nicht vorstellen, das die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen tatenlos dabei zuschauen“, sagte Rasmussen am Montag in Brüssel. Die Verletzung der Menschenrechte durch die Herrschenden sei „ungeheuerlich“. Es handele sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Rasmussen bekräftigte, die Nato werde vorbereitet sein, falls der UN-Sicherheitsrat eine Flugverbotszone über Libyen genehmige. Derzeit sei ein Militäreinsatz aber nicht geplant, weil es kein UN-Mandat gebe.



+++

8. März, 20:06 Uhr

Die USA schließen die Entsendung von Bodentruppen nach Libyen nicht aus. Dies stehe aber nicht ganz oben auf der Liste möglicher Maßnahmen, erklärte das US-Präsidialamt am Montag. Eine andere Option wäre die Durchsetzung eines von den Vereinten Nationen (UN) verhängten Waffenembargos. Zu den Optionen gehöre auch die Bewaffnung der Aufständischen. Großbritannien bemüht sich nach den Worten von Außenminister William Hague zusammen mit anderen Staaten um ein UN-Mandat für eine Flugverbotszone in Libyen. Grund dafür seien Informationen, dass Libyen Kampfhubschrauber und -flugzeuge gegen Aufständische einsetze.
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte in Brüssel, die Organisation bereite sich auf alle Eventualitäten vor.
http://www.fr-online.de/politik/spezials/aufruhr-in-arabien/nato--angriff-gegen-libyen-nur-mit-un-mandat/-/7151782/7191736/-/index.html



Die Amis kämpfen an mehreren Fronten ohne Erfolg: Afghanistan, Irak und mehr und mehr auch Pakistan. Die US Bevölkerung ist kriegsmüde geworden, die US Soldaten erst recht. Europäische Truppen lassen sich kaum noch für solche Einssätze einspannen, der Druck der Bevölkerung wäre zu groß. Der Bundeswehr bleiben die Soldaten auch so schon weg, die Bundesregierung macht 3 Kreuze, wenn dieser Krug nochmal an ihr vorrüberzieht.

Hätten wir ein politisches Klima, wie nach 9-11, wäre die NATO schon längst aus rein "humanitären Gründen" einmarschiert.

Jetzt sieht man, wie sinnvoll und wirkungsvoll die antimilitaristische Arbeit ist.

ManOfConstantSorrow

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Re:Libyen
« Antwort #5 am: 14:01:13 Fr. 18.März 2011 »
Die Hirne wurden weichgekloppt. Keine Sau interessiert sich mehr für Lappalien, wie das Völkerrecht. Die Medien schwätzen sowieso, was gerade opportun ist. Inzwischen ist sogar ein Teil der chefduzen-Community der Meinung unsere Regierungen sollten ihre Söldner in alle Welt schicken.

Hier mal was zur rechtlichen Grundlage:

Zitat
Es geht um Grundsätzliches. Das Völkerrecht und die UN-Charta kennen das Recht zur Einmischung in die inneren Angelegenheit eines Staates seit 1945 nicht mehr. Zu Zeiten des Völkerbundes existierte es noch. Staaten durften Minderheiten in anderen Staaten notfalls mit militärischer Gewalt schützen, sogar ein Protektorat auf dem Territorium eines anderen Staates errichten. Doch 1938 nutzte Adolf Hitler – das Deutsche Reich war nicht Mitglied des Völkerbundes – das Protektoratskonstrukt, um Böhmen und Mähren zu annektieren. Daran erinnerten sich die Gründungsväter der UNO und schrieben eine Charta, die keinem Staat das Recht gibt, aus vorgeblich humanitären Gründen in einem anderen Staat zu intervenieren.

Völkerrecht im Werden

Diese Sicht überdauerte den Kalten Krieg nur wenige Jahre. Ruanda und die Balkankonflikte warfen die Frage auf, ob ein Eingreifen nicht doch legitim sein könnte, wenn Völkermord oder massive Vertreibungen drohen. Im Krieg um das Kosovo argumentierte die NATO so und begründete ihren Alleingang mit der Handlungsunfähigkeit der UNO. Im Nachgang des illegalen, aber für legitim gehaltenen Krieges entstand – maßgeblich von deutschen Politikern mitformuliert – das Projekt einer aus den Menschenrechten abgeleiteten, humanitär begründeten R2P, wenn massive Menschenrechtsverletzungen, Vertreibungen oder Völkermord drohen. Völkerrecht sei das zwar noch nicht, aber Völkerrecht im Werden, argumentieren die Befürworter seither. Der UN-Gipfel 2005 habe dafür den Weg frei gemacht.
http://www.freitag.de/politik/1111-das-eigenn-tzige-versprechen
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Rudolf Rocker

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Re:Libyen
« Antwort #6 am: 16:00:21 Fr. 18.März 2011 »

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #7 am: 17:14:10 So. 20.März 2011 »
Zitat
Arabische Liga kritisiert Luftangriffe

Kairo. Die Arabische Liga hat das Vorgehen der westlichen Streitkräfte in Libyen kritisiert. Der Chef des Bündnisses, Mussa, sagte, die Luftangriffe dienten nicht dem vereinbarten Ziel, eine Flugverbotszone in Libyen durchzusetzen. Die Arabische Liga wolle Schutz für die Zivilbevölkerung und keinen Beschuss von Zivilisten. Die Bundesregierung verteidigte die deutsche Nichtteilnahme an dem Einsatz gegen Libyen. Außenminister Westerwelle erklärte, viele europäische Partner respektierten die Haltung Deutschlands nicht nur, sondern teilten sie auch. Der CDU-Politiker Polenz sagte auf NDR Info, nach Einschätzung der Bundesregierung sei der Einsatz nicht zu Ende gedacht. Außerdem gebe es bis zur Stunde nicht die geforderte Unterstützung der arabischen Liga. Damit setze man sich dem Vorwurf aus, Krieg gegen die islamische Welt zu führen.
www.ndr.de/info 20.03.2011 16:00 Uhr

Pinnswin

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Re:Libyen
« Antwort #8 am: 15:02:05 Mo. 04.April 2011 »
Libyens Rebellen werden zunehmend Opfer des eigenen Chaos
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3856&Alias=wzo&cob=553655
Zitat
...Ajdabiyah / Brega.
Die Rebellen in Libyen kämpfen auch gegen das eigene Chaos. Unbedachtes "Freudenfeuer"
hat offensichtlich zur Katastrophe geführt. 13 Rebellen wurden getötet, als ein Kampfflugzeug
der NATO Aufständische in der Nähe der Stadt Ajdabiyah angriff.
Ein Krankenhausarzt und mehrere Rebellen berichteten, dass "Freudenfeuer" aus einem
Luftabwehrgeschütz die Besatzung eines Kampfjets verwirrt haben muss. Der Pilot attackierte
die vermeintliche Luftabwehrstellung, auch ein Ambulanzfahrzeug wurde getroffen.

"Die Kämpfer feuerten aus Freude in die Luft, als die Jets anflogen. Die Soldaten Gaddafis
hörten auf mit dem Schießen. Darum hat die NATO falsch getroffen", meinte ein Arzt. So hat
er es von Augenzeugen gehört. Am westlichen Ausgang der Stadt bestätigen einige Kämpfer
diese Version an einem Kontrollpunkt. Andere meinen, es habe einen Verräter gegeben, der
absichtlich geschossen habe - eine Version der Ereignisse, die das eigene Gesicht wahrt.

Die Stadt Ajdabiyah ist weitgehend verlassen und von den Kämpfen der vergangenen Wochen in
den Außenbezirken schwer gezeichnet. Häuserwände sind voller Einschusslöcher, die Straßen
sind fast menschenleer. Ajdabiyah ist derzeit eine der letzten Bastionen der Rebellen gegen
die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi.

An dem Kontrollpunkt, dessen zerschossene Gebäude von zerstörten Panzern umgeben sind,
winken Rebellen am Samstag heftig Autos mit Zivilisten zur Seite. Sie sollen umkehren und
nicht in das Kampfgebiet fahren. Erschöpfte Kämpfer kommen in ihren Geländewagen zurück.
Die Führung der Aufständischen versucht, das Chaos in den Griff zu kriegen. Nun sollen nur
noch als erfahren bezeichnete Rebellen an die Front. Es werden mehr Satellitentelefone
eingesetzt. Jugendliche sollen ferngehalten werden.

Unerfahrene werden möglichst nur für die letzte Verteidigungslinie in den Städten trainiert,
sagt ein libyscher Ausbildner in einem Camp im Westen von Benghazi. Dort sollen alle zwei,
drei Wochen nun rund 1300 Mann an den Waffen trainiert werden. Etwa 50 Mann sitzen um
einen Offizier herum auf dem Boden. "Wie oft müssen wir die Waffe reinigen?" Er antwortet:
"Immer nach 1000 Schuss."
Normal dauert eine Grundausbildung drei Monate, in diesen Tagen muss es schneller gehen.

Auch Faraj Feid, 60 Jahre alt, hat sich zum Kampf gemeldet. Er bekommt sein Training an
einem Mörser. "Ich sehe die jungen Leute und will helfen. Wir verteidigen unsere Frauen,
unsere Ehre und unser Land", sagt er.

Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #9 am: 17:04:31 Do. 14.April 2011 »
Zitat
Doch als Nebeneffekt sind die Militärschläge auch eine große Show für die neuesten Kriegsgeräte westlicher Rüstungskonzerne. Denn Flugzeuge, Raketen und Schiffe lassen sich besser verkaufen, wenn sie sich schon einmal im echten Kampf beweisen mussten (das Bild zeigt die französische Rafale). So werden im Libyen-Konflikt gleich mehrere Neuentwicklungen eingesetzt
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/die-grosse-waffenshow-des-westens/4052180.html

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #10 am: 12:59:29 So. 24.April 2011 »

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #11 am: 16:38:10 Sa. 28.Mai 2011 »
Hieß es nicht zu Beginn der Einmischung, die libyschen Freiheitskämpfer befreien ihr Land und die Nato muß dabei die Zivilbevölkerung schützen?

Ich hör eigentlich nix mehr von diesem tollen Freiheitskampf. Es klingt alles immer mehr wie einst der Einsatz zur Befreiung von dem schrecklichen Diktator Saddam...

Auch da kämpfte die NATO ganz allein... und sicherlich nicht für die Interessen der Bevölkerung!

Zitat
Nato bombardiert Gaddafis Kommandozentrum

Die Nato verstärkt ihren Kampfeinsatz gegen Muammar al-Gaddafi. Flugzeuge der Allianz haben mehrfach Gebäude bombardiert, in denen sich der Diktator zeitweise aufhalten soll.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765470,00.html


Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #12 am: 19:59:13 Mi. 29.Juni 2011 »
Zitat
Munitionsnachschub für Libyen aus Deutschland

Berlin. Für den NATO-Einsatz in Libyen hat Deutschland Munition geliefert und ist auch weiterhin dazu bereit. Das betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Es sei Leuchtspurmunition für Bordwaffen und Kampfjets zur Verfügung gestellt worden. Im Fall einer jetzt diskutierten, anderen Nachschublieferung habe sich die NATO aber gegen das deutsche Angebot entschieden. Dabei ging es um Bauteile für Präzisionsmunition. Der Ministeriumssprecher bekräftigte die Worte von Verteidigungminister de Maizière, wonach die Lieferung von Waffen und Munition zum Bündnisalltag der NATO gehöre. Die Opposition hatte kritisiert, das es so zu einer verdeckten Kriegsteilnahme Deutschlands in Libyen komme.| 29.06.2011 19:15 Uhr
http://www.ndr.de/info/ Nachrichten

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #13 am: 13:22:18 So. 10.Juli 2011 »
Zitat
Evakuierungsaktion in Libyen war schwerer bewaffnet als bisher bekannt

Die Bundeswehrsoldaten, die Ende Februar Zivilisten aus Libyen evakuierten, waren schwerer bewaffnet als bisher bekannt. Das heizt den Streit zwischen der Koalition und den Grünen an, ob es sich bei der Mission um einen "Einsatz bewaffneter Streitkräfte" handelte, für den die Bundesregierung nachträglich ein Mandat des Bundestags brauchte. Aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen ergibt sich, dass die Bundeswehr besonders geschützte und schwerbewaffnete Soldaten in Marsch setzte. An Bord der beiden in den libyschen Wüstenort Nafurah entsandten "Transall"- Maschinen waren zwölf Fallschirmjäger mit Sturmgewehren der Typen G36 und G3 und Maschinengewehren mit mehreren tausend Schuss Munition sowie acht Feld jäger in voller Ausrüstung mit Gewehren und Pistolen. Es habe "die klare Erwartung" gegeben, dass "die eingesetzten Soldaten ihre Waffen nicht würden einsetzen müssen und mithin nicht in eine bewaffnete Unternehmung einbezogen werden würden", heißt es in der Regierungsstellungnahme. Deshalb müsse der Einsatz auch nachträglich nicht gebilligt werden. Die Grünen erwägen dagegen eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,773372,00.html

Kuddel

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Re:Libyen
« Antwort #14 am: 18:37:34 Mo. 25.Juli 2011 »
Zitat
Lybien: Schon 5.902 NATO-Luftangriffe

Am 31. März hat die NATO das Oberkommando über den Kriegseinsatz der westlichen Militärallianz gegen Libyen übernommen, der 12 Tage zuvor von Frankreich, Großbritannien und den USA begonnen wurde. Seitdem haben die Flugzeuge der beteiligten NATO-Länder insgesamt 15.669 Lufteinsätze mit 5.902 Angriffen geflogen. Bis zum 18. Juli entspricht dies über 140 Einsätzen mit 53-maliger Bombardierung an jedem einzelnen der 111 Kriegstage. Über die getöteten Menschen gibt es keine Zahlen der NATO.
http://www.rf-news.de/2011/kw30/25.07.11-lybien-schon-5.902-nato-luftangriffe