Autor Thema: Streik bei Kitas?  (Gelesen 41277 mal)

ManOfConstantSorrow

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Streik bei Kitas?
« am: 20:17:35 Di. 22.März 2005 »

Das Beschäftigtenbündnis der Hamburger Kitas hat in Hamburg den Widerstand gegen die Kürzungen im Kitabereich organisiert und einen Teilerfolg errungen. Dennoch hat der Hamburger Senat bei den Kitas eine drastische Kürzung von 341 Millionen Euro beschlossen.
11 Frauen aus dem Bündnis haben am 27.10.2004 in der entsprechenden Bürgerschaftssitzung mit Wattebüschen und Flugblättern demonstriert und die Sitzung für einige Minuten unterbrochen. Dafür haben sir jetzt einen Strafbefehl erhalten mit 600 € Geldstrafe 2 Jahre zur Bewährung ausgesetzt und Übernahme der Verfahrenskosten. Die beschlossenen Kürzungen müssen zwar nun praktisch umgesetzt werden, sie werden aber von dem Bündnis nicht politisch akzeptiert. „Wir haben jetzt das Problem, dass wir vom Protest vor Einführung der Kürzungen zu einem Widerstand gegen die schon bestehenden Kürzungen kommen müssen. Wir sollten in der Diskussion mit den Kolleginnen und Kollegen sehr deutlich machen, dass durchgeführte Kürzungen auf Kosten eines Teils der Belegschaft auf alle zurück fallen werden.“ Gleichzeitig wird daher eine Befragung der Beschäftigten zur Bereitschaft zu Arbeitskampfmaßnahmen durchgeführt.

Mehr hier: http://www.bigut.de/
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Kuddel

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Streik bei Hamburger Kitas?
« Antwort #1 am: 14:29:32 Di. 17.Mai 2005 »
Hamburger Justiz will Protestaktion gegen Kürzungen im Kitabereich kriminalisieren. Strafbefehle und Bewährungsstrafen wegen Werfen von Wattebäuschchen.

Bericht bei Junge Welt

ManOfConstantSorrow

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Streik bei Hamburger Kitas?
« Antwort #2 am: 00:40:00 So. 10.Juli 2005 »
Hamburg, 08.07.05: Im Herbst letzten Jahres ließen in Hamburg elf Erzieherinnen während einer Bürgerschaftssitzung Wattebäusche und Flugblätter auf die Politiker herabrieseln! Dies war eine von vielen Protestaktionen gegen die vom Senat beschlossene Kürzung des Kinderbetreuungsetats um ca. 60 Millionen Euro. Ihr Motto war: "Die Wahlaussagen der CDU sind Schnee von gestern!" Die Sitzung musste für vier Minuten unterbrochen werden.

Jetzt erhielten die elf Erzieherinnen einen Strafbefehl mit einem Bußgeld über 600 Euro und eine zweijährige Bewährungsstrafe! Das allein ist bereits ein unglaublicher Vorgang. Aber es geht noch weiter. So haben acht Erzieherinnen Widerspruch dagegen eingelegt und stehen nun in Einzelverfahren vor Gericht. Die Anklage lautet "Störung eines Gesetzgebungsorgans" nach §106b des STGB.

Wie ein schlechter Krimi liest sich der weitere Verlauf dieser Verfahren: Zwei Frauen wurden freigesprochen. Eine nahm unter massivem Druck eine Strafmaßminderung auf 400 Euro an. Der Richter lies sie nicht neben ihrer Verteidigerin sitzen, drohte eine Ausdehnung des Verfahrens auf mindestens sechs Verhandlungstage an und gestattete nach Zurückziehen des Widerspruchs der Kollegin nicht einmal die sonst übliche Zahlungsfrist von bis zu sechs Monaten!

Und dann kam Oberstaatsanwalt Redder ins Spiel. Redder ist Abteilungsleiter für den Staatsschutz! Er kündigte an, gegen die Freisprüche in Revision zu gehen!
(Infos aus GEW-Zeitung)
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ManOfConstantSorrow

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #3 am: 20:07:22 Mo. 04.Mai 2009 »
Die Arbeit macht krank: Erzieher im Warnstreik


MÜNCHEN  -  Erzieherinnen gehen oft in die Knie, um mit den Kindern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Sie lieben ihre Arbeit. Doch sie stoßen dabei auch an ihre psychischen und physischen Grenzen. Denn zum Berufsbild gehört auch schweres Tragen, Lärm, mangelnde Anerkennung: Birgit Hammer-Sommer kennt das.

Sie ist seit 31 Jahren Erzieherin. Weil es so nicht mehr weitergeht, wird die Leiterin einer Kinderkrippe wie viele andere Kolleginnen am Mittwoch streiken. Viele Eltern werden sich deshalb für Mittwoch eine andere Betreuung suchen müssen.

Es wird gestreikt, weil sich die Arbeitgeber weigern zu verhandeln

Hammer-Sommer folgt dem Ruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die fordert einen Tarifvertrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung, um die Belastung der Beschäftigten zu verringern. Vorgesehen ist etwa eine individuelle Gefährdungsbeurteilung des Beschäftigten am Arbeitsplatz.

„Hat jemand zum Beispiel ein Rückenleiden, soll schweres Tragen oder Heben vermieden werden.“ Lenkt der Arbeitgeber nicht ein, könnte eine Betriebs-Kommission bindend über Gesundheitsmaßnahmen entscheiden. Weil sich die Arbeitgeber weigern, darüber zu verhandeln, wird gestreikt.

6500 Münchner Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe im öffentlichen Dienst sind zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Wie viele der etwa 2900 städtischen Kinderkrippen-, 16800 Kindergarten- und 11510 Hort- und Tagesheimplätze von dem Streik betroffen sind, ist noch unklar.

Stress, Lärm und geringe Wertschätzung gehören zum Berufsbild

Stefan Sass, Mitglied des Gesamtpersonalrats der Beschäftigen im öffentlichen Dienst München, rechnet damit, dass etwa ein Drittel aller Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen bleiben. Die Eltern wurden schon vor dem 1. Mai informiert und müssen jetzt Organisationstalent beweisen.

Zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt die psychische Belastung durch Lärm und Stress. Auch die geringe materielle Wertschätzung wird beklagt. „Viele Erzieher müssen einen zweiten Job annehmen, um zu überleben. Wir müssen auch über eine neue Entgeltordnung verhandeln.“ Ob nach Mittwoch längerfristige Streiks folgen sollen, werden die Beschäftigten bis 14. Mai in einer Urabstimmung entscheiden.

http://www.abendzeitung.de/muenchen/103900
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ManOfConstantSorrow

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #4 am: 19:28:00 Mi. 06.Mai 2009 »
Gesundheitsschutz: Tausende Erzieher und Sozialarbeiter streiken

© ZEIT online, Tagesspiegel | 06.05.2009 15:32

Mehrere tausend Kinder mussten heute unfreiwillig zu Hause bleiben. Bundesweit traten 19.000 Beschäftigte von Kindergärten und sozialen Einrichtungen in den Warnstreik. Mit dieser Aktion fordern ver.di und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissen (GEW) bessere Arbeitsbedingungen.


Der Schwerpunkt der Aktion lag in Nordrhein-Westfahlen. In 23 Städten versammelten sich dort insgesamt 4500 Menschen zu Protestveranstaltungen. In Hannover protestierten 2000 Menschen, in Mainz kamen 1000 Erzieher zusammen, ebenso in Stuttgart. Nur Hamburg und Berlin waren von den Streiks nicht betroffen.

Kernforderung des Warnstreiks ist ein tarifvertraglich geregelter Gesundheitsschutz für die rund 220.000 bei Kommunen angestellten Erzieher und Sozialarbeiter. Viele Beschäftigte seien gerade in diesen Bereichen mit ihrer Arbeit überfordert und können sich nicht vorstellen, bei den gegenwärtigen Bedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen. Am 30. April hat ver.di die Verhandlungen mit den Arbeitgebern für gescheitert erklärt. An diesem Donnerstag soll eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik beginnen, ein Ergebnis wird zum 14. Mai erwartet.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) kritisiert den Streik scharf. Die Forderung nach einem besseren Gesundheitsschutz sei nur Vorwand, um generell ein neues Bezahlungssystem zu erwirken. Der aktuelle Tarifvertrag gelte noch bis 2011, damit sei auch eine Friedenspflicht verbunden. (mm/dpa)

http://www.zeit.de/news/artikel/2009/05/06/2790960.xm
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Re: Streik bei Hamburger Kitas?
« Antwort #5 am: 12:13:56 So. 10.Mai 2009 »
Wie ein schlechter Krimi liest sich der weitere Verlauf dieser Verfahren: Zwei Frauen wurden freigesprochen. Eine nahm unter massivem Druck eine Strafmaßminderung auf 400 Euro an. Der Richter lies sie nicht neben ihrer Verteidigerin sitzen, drohte eine Ausdehnung des Verfahrens auf mindestens sechs Verhandlungstage an und gestattete nach Zurückziehen des Widerspruchs der Kollegin nicht einmal die sonst übliche Zahlungsfrist von bis zu sechs Monaten!

Das sollte doch für ein Revisionsverfahren reichen. Zudem die GEW-Erzieherinnen Gewerkschafts-Rechtsschutz haben dürften.

ManOfConstantSorrow

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #6 am: 17:33:20 Sa. 23.Mai 2009 »
Arbeitsgericht Kiel verbietet Kita-Streik

23.05.09 - Das Arbeitsgericht Kiel hat der Gewerkschaft Verdi per einstweiliger Verfügung verboten, am 19. Mai in Kiel und Plön zum Streik in den Kitas aufzurufen. Das Arbeitsgericht warf Verdi vor, nicht alles versucht zu haben, um eine Verhandlungslösung zu erzielen (Ultima-ratio-Prinzip) Verdi will das nicht hinnehmen, betonte aber auch, dass das verbot räumlich auf Kiel und Plön begrenzt und zeitlich auf den 19. Mai beschränkt sei.
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Kuddel

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #7 am: 11:56:28 So. 24.Mai 2009 »

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #8 am: 12:32:25 So. 24.Mai 2009 »
Hallo,

in Kiel gibt es trotz oder gerade wegen des Streikverbotes eine Demonstration der KiTa-ArbeiterInnen. Hier der Aufruf der GEW:

Zitat
Demonstration für verbesserten Gesundheitsschutz und gerechtere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst!

GEW und ver.di versuchen seit Monaten mit den Arbeitgebern einen Tarifvertrag zum betrieblichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst in den Städten und Gemeinden zu erreichen. Da die Arbeitgeber die Verhandlungen immer wieder verzögerten, haben die GEW und ver.di am 30.4. die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Trotz unserer Warnstreiks am 6. Mai 2009 mit bundesweit 19.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie erfolgreichen Streiktagen am 15. und 19. Mai haben die Arbeitgeber nach wie vor nicht auf unsere Forderung nach einem  Gesundheitstarifvertrag reagiert. Sie spielen immer noch auf Zeit und wollen das Thema aussitzen.
Am 27. Mai finden die nächsten Verhandlungen über einen Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz statt. Zudem wird am gleichen Tag für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst des öffentlichen Dienstes über eine neue Eingruppierung verhandelt. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen werden Auswirkungen für alle Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienstes haben!
Auch hier stellen sich die Arbeitgeber stur. Statt sich zu bewegen, lassen sie den Streik in Kiel vom Arbeitsgericht verbieten. Deshalb findet als begleitende Aktion zu den Streiks im übrigen Schleswig-Holstein am 26. Mai in Kiel eine Demonstration statt. Sie bietet allen Kolleginnen und Kollegen, die Möglichkeit, sich solidarisch zu zeigen und für bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst einzutreten.

Wir rufen alle unsere Mitglieder
am 26. 05. 2009
zu einer Demonstration
in Kiel auf!

Kommt alle nach Kiel! Zeigt eure Solidarität mit den Streikenden!
Für gesunde Arbeit! Für eine gerechte Bezahlung!

Treffpunkt: ab 16.00 Uhr Kieler Gewerkschaftshaus
Abmarsch: 16.30 Uhr durch die Kieler Innenstadt
Kundgebung: ca. 17.15 Uhr auf dem Asmus-Bremer-Platz
http://www.gew-sh.de/wDeutsch/pdf/demo-erzieherinnen.pdf?navlink=%2FwDeutsch%2Fpdf%2Fdemo%2Derzieherinnen%2Epdf

In Köln haben sich die Keas (Kölner Erwerbslose in Aktion) solidarisch mit dem Kampf bei den KiTas gezeigt. Anfangs geht es erstmal um den Kampf von Entlassenen bei TMD Friction:

Zitat
Kommentar zum KITA-Streik

Am letzten Montag gab es im Café 'Zahltag!' in der LC in Köln ein sehr gut besuchtes Treffen, wo Entlassene des Bremsbeläge-Herstellers TMD Friction in Leverkusen von ihrer Situation und ihrem Arbeitskampf berichteten. Am Mittwoch darauf standen entlassene Arbeiter und Engagierte der 'Zahltag!'-Kampagne Köln bei einer Demonstration vor dem Werkstor in Leverkusen solidarisch nebeneinander (Redebeitrag von 'Zahltag!'). Bereits am Freitag – von den KEAs initiiert – standen erneut Engagierte der 'Zahltag!'-Kampagne solidarisch an der Seite der streikenden KITA-Beschäftigten.



Mit Transparenten und Flugblättern grüßten sie die ca. 2.000 Demonstranten, als sie die Deutzer Brücke in Köln zur Kundgebung auf dem Neumarkt passierten. Man applaudierte sich gegenseitig, beschwor aber die inhaltliche Gemeinsamkeit ihrer sozialen Auseinandersetzung.

Was uns verbindet, sollte uns verbünden

In Leverkusen sieht es so aus, dass ca. 150 Arbeitnehmer genötigt worden sind, von Heute auf Morgen den Plan ihrer unmittelbaren Zukunft zu unterschreiben. Eine Zukunft, die auch vom gewählten Betriebsrat mitgetragen wird. Das heißt Abfindung und Abtretung aller Forderungen gegenüber dem ehemaligen Arbeitgeber; das heißt Weiterleitung in eine Auffanggesellschaft für insgesamt 10 Monate; und es heißt in absehbarer Zeit natürlich Hartz IV!
42 Betroffene aus Leverkusen verweigerten ihre Unterschrift, wurden fristlos gekündigt. Seitdem kämpft man sowohl auf juristischem als auch auf moralischem Terrain.

Bei den KITA-Beschäftigten in Köln und bundesweit geht es um die Anerkennung und Würdigung ihrer beruflichen Situation. Die Ansprüche daran, was KITAs leisten müssen, werden immer höher und sind in NRW sogar in einem Kinderbildungsgesetz festgeschrieben. Damit soll sich das Bildungsniveau bei Kindern und die Qualität der Betreuung erhöhen. Zunächst aber erhöht es unverhältnismäßig die Arbeitsbelastung der Angestellten.


Die Kindergruppen werden größer, jüngere Kinder werden darin integriert, Öffnungszeiten flexibler, das Personal jedoch verharrt in einem Status Quo und wird zudem zunehmend schlicht ausgebeutet. Die so genannte Vorbereitungszeit von einst 25 Prozent wurde per Gesetz auf 10 gesenkt, Fortbildungen können seltener beansprucht werden, die Bürokratie wird mehr. Der Tarif-Vertrag öffentlicher Dienst, der den alten BAT ablöste, degradiert Neubeschäftigte in die Lohngruppe 6 mit ganz geringen Aussichten auf zukünftige Gehaltserhöhungen. Damit ist der Lohn bereits gedrückt. Erzieherinnen müssen gehäuft Arbeiten im hauswirtschaftlichen Bereich übernehmen, Zeit- und Lohndruck bei den outgesourcten Reinigungskräften sind dermaßen hoch, dass an qualitativ zufrieden stellende Leistung nicht zu denken ist. Nimmt man die ganz normalen Belastungen wie Lärm, Stress, permanente Aufsichtspflicht, Beschäftigungen im Stehen, im Sitzen, im Liegen, Kinder tragen, Kinder wickeln, Geschirr spülen … hinzu, dann macht es die Gesundheitsgefahr in diesem Beruf sehr deutlich. Man spricht von einem erhöhten Krankenstand, von körperlichen Leiden und von der permanenten Angst, den Job zu verlieren oder davor, ihn aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen zu müssen.

Die KITA-Beschäftigten haben also gute und sie haben viele Gründe, in den notfalls unbefristeten Streik zu treten. Dass mit der Schließung solcher Einrichtungen angesichts erwerbstätiger Familien auch große Teile der Gesellschaft mit betroffen sind, kommt den Stellenwert von Kindern in dieser Gesellschaft nur allzu gerecht.

1-Euro-Jobs sind sexy!

Man kann es nicht anders sagen. Die Instrumentarien 'Hartz IV' und '1-Euro-Jobs' müssen sexy sein. So sündhaft verführerisch ist das Billigangebot an Arbeitskräften Tausender Beschäftigungsträger in diesem Land, dass Kommunen und selbst Gewerkschaften und Personalräte damit kokettieren, sie zur Krisenbewältigung gebrauchen zu können.

Gerade die Gewerkschaften seien an dieser Stelle eindringlich gewarnt. 1-Euro-Jobs sind mitnichten geeignet, soziale Konflikte einer Krise im Allgemeinen und solche in den KITAs im Speziellen zu kompensieren. Sie legen die Zündschnur weiteren sozialen Sprengstoffs und erhöhen das Explosionspotential.


Betroffen sind alle!

Betroffen von der Existenz 'Hartz IV' sind alle! Die Beschäftigten und Entlassenen bei TMD Friction in Leverkusen gleichermaßen und die KITA-Beschäftigten natürlich auch. 'Hartz IV' macht Arbeitnehmer erpressbar. 'Hartz IV' verschärft den Konkurrenzdruck auf dem so genannten Arbeitsmarkt und drückt flächendeckend die Löhne. Die damit einhergehende Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft schwächt die Chancen von Arbeitskämpfen. Diese Entsolidarisierung aber ist bereits vollzogen und zeigt sich in den ARGEn und Jobcenter am deutlichsten, wenn sich z.B. Verdi-Mitglieder vor und hinter dem Schreibtisch gegenüber sitzen. Was sollen die denn über „Gerechtigkeit“ denken, geschweige denn reden? Hinzu kommen Frustration und freilich auch Resignation.
Der Widerstand gegen Hartz IV war vor dem Inkrafttreten 2005 ziemlich stark, aber es bleibt zu fragen, ob Beschäftigte der KITAs und von TMD Friction damals auch auf der Straße waren. Wo DGB bzw. Verdi derweil waren, weiß man indessen. Sie saßen am rot-grünen Tisch bei Kollege Schröder und hatten – Bauchschmerzen hin oder her – 'Hartz IV' durchgewunken.

Aus diesem Grund kann die zunächst symbolische Solidarität von Kölner Erwerbslosen nur dazu ermuntern, letztlich wahrhaftig gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Der Kampf gegen Hartz IV und für eine bedingungslose soziale Absicherung in Zeiten von Erwerbslosigkeit gehört da zwingend dazu. Alles andere ist halbherzig.
Quelle: http://www.die-keas.org/node/258


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WeckerWeg

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #9 am: 13:56:53 Mi. 27.Mai 2009 »
Gestern wurde in Kiel ein Flugblatt verteilt:

Zitat
Auf die Straße gegen das städtische Streikverbot!

Aktuell läuft ein bundesweiter Streik der ErzieherInnen. Ihr Kampf richtet sich gegen die miesen Bedingungen ihrer Arbeit. Einerseits gegen die krankmachenden Zustände auf der Arbeit: dagegen, mehr Arbeit mit weniger Leuten machen zu müssen. Andererseits gegen die in den letzten Jahren von den ArbeitgeberInnen – unter der Beteiligung der DGB-Gewerkschaften – durchgesetzten niedrigeren Löhne. Diese Entwicklung kennen wir alle, nicht nur aus den KiTas. Seit der Einführung von Hartz IV – wiederum unter Beteiligung der DGB-Gewerkschaften – läuft der Angriff auf unsere Lebensbedingungen auf allen Ebenen. Es wird versucht, Arbeitslose in jeden noch so miesen Job zu zwingen. Und in den Betrieben wirkt die Drohung auch. Dort bedeuteten „Rettungspakete” in den letzten Jahren vor allem: Verzicht der Belegschaften zur „Rettung des Arbeitsplatzes”. Und in vielen größeren Betrieben wirkt die Spaltung durch Leiharbeit, besonders jetzt in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Wir wollen den Spaltungen und Entsolidarisierungen etwas entgegensetzen. Endlich wieder in die Offensive kommen und dabei Orte des Austausches und der Solidarität schaffen. In Kiel hat die Stadt ein Verbot des KiTa-Streiks vor Gericht durchgesetzt. Deshalb – und als begleitende Aktion zum Streik im übrigen Schleswig-Holstein – ruft die GEW zu einer Demonstration in Kiel auf.

In dieser Situation wollen wir über unseren eigenen Tellerrand schauen. Wir sehen das juristische Vorgehen der Stadt gegen den Arbeitskampf der KiTa-Beschäftigten nicht als etwas an, das uns nichts anginge. Vielmehr stellt dieser Umstand für uns einen gehörigen Skandal dar, dem wir mit Solidarität gegenüber den sich wehrenden ErzieherInnen begegnen werden. Gerade im Zeichen der Wirtschaftskrise halten wir es für nicht hinnehmbar, dass Widerstand von Beschäftigten per Verbot unterbunden wird. Wie die ErzieherInnen in ihrem Aufruf klar machen, sind die angeprangerten Missstände auch nicht erst vor kurzem aufgetreten, sondern sind schon viel zu lange Teil ihrer Arbeitswelt. Nachdem der Staat seit Jahren die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten mit Hinweisen auf Sachzwänge und leere Kassen verschlechtert hat, pumpt er heute Milliarden in Banken und Konzerne. Die dafür aufgenommen Schulden werden dann wieder wir zahlen.

Wir wollen den ErzieherInnen zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihrem Kampf. Auch und gerade wegen dem staatlichen Verbot des Streiks. In einer Situation, in der in der ganzen Stadt Menschen von einer drohenden Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen betroffen sind, sehen wir in der gegenseitigen Unterstützung ein Mittel, gegen die kranken Verhältnisse zu kämpfen. Ein Feuer kann überall entstehen. Ob auf der Straße, im Betrieb oder in der Uni. Nur wenn wir uns selbst organisieren, unsere Erfahrungen weitergeben und aus ihnen lernen, können wir dem kapitalistischem Wahnsinn wieder etwas entgegensetzen.

Die Demonstration der ErzieherInnen beginnt heute, am 26. Mai, um 16 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus in der Legienstraße.
Um 16:30 Uhr gehts los durch die Innenstadt.
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mlawrenz

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ErzieherInnen stürmen Stadthaus in Münster
« Antwort #10 am: 14:20:25 Mi. 03.Juni 2009 »
Die streikenden Erzieherinnen aus Münster haben heute das Stadthaus I gestürmt.

sehr kurzer Eindruck davon auf youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=PlFBw4Zn_qs
"Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Reichen, die Krieg führt und wir sind dabei zu gewinnen'"
Warren Buffet, zweitreichster Mann der Welt


ManOfConstantSorrow

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Re: Streik bei Kitas?
« Antwort #11 am: 14:51:47 Mi. 03.Juni 2009 »
Zitat
250 Erzieherinnen stürmen das Stadthaus

MÜNSTER Etwa 250 münstersche Erzieherinnen haben am Vormittag für bessere Arbeitsbedingungen und einen neuen Tarifvertrag demonstriert. Nach einem Demonstrationszug durch die Innenstadt stürmten sie das Stadthaus und forderten Personaldezernent Dr. Wolf Heinrichs zu einer persönlichen Stellungnahme auf.


Bei einer Kundgebung forderten sie dem Stadthaus 1, dass die Stadt Münster ihre Forderungen auf Bundesebene unterstützt. Die Erzieherinnen hatten sich um kurz vor elf Uhr an der Volkshochschule Überwasser zum Demonstrationszug versammelt. Mit roten T-Shirts und Trillerpfeifen zogen sie über Bült und Alten Fischmarkt auf den Prinzipalmarkt. "Gesundheit war gestern, Burnout ist heute" oder "Bildung nicht zum Nulltarif" stand auf ihren Transparenten zu lesen.
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Muenster;art993,577132

Zitat
Köln.  Mit eigenen Protestaktionen wollen nun auch die betroffenen Eltern Druck im Tarifstreit der Erzieher mit den kommunalen Arbeitgebern machen. In Köln, wo gestern wie in ganz NRW wieder zahlreiche Kitas bestreikt wurden, brachten etwa 30 Eltern ihre rund 60 Kinder statt in die geschlossenen Betreuungseinrichtungen ins Rathaus. Zwei Stunden dauerten die Protestaktionen. Mitarbeiter der Verwaltung hätten die Eltern in dieser Zeit mehrfach aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, berichtete eine teilnehmende Mutter. Die Eltern wollen ihre Aktion jedoch heute fortsetzen, um die Tarifparteien zu einer Einigung zu bewegen.
http://nachrichten.rp-online.de/article/titelseite/Eltern-rebellieren-gegen-Verdi-Streik-in-Kitas/41196

Zitat
Viele schließen sich den streikenden Kindergärtnerinnen an
(...)
Doch vom Unmut der Eltern war bei der gestrigen Stadtrallye nichts zu spüren. Im Gegenteil. Nachdem sich rund 300 Menschen zum Protest vor dem Jugendamt getroffen hatten, schlossen sich ihnen viele Verbündete an: die Verdi-Vertrauensleute der Stadtverwaltung, die Belegschaft der Volkshochschule und der Stadtbibliothek sowie des Stadtbetriebs, die Vertrauensleute des Aachener Klinikums und einige Eltern. Gemeinsam zogen sie laut protestierend zum Katschhof, um dort erneut ihre Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Nicht nur die Erzieher befinden sich derzeit im Streik. Auch die Mitarbeiter der städtischen Offenen Ganztagsschulen kämpfen gegen die «herrschende Bahnhofshallen-Pädagogik».
Und das «solange, bis unsere Forderungen erfüllt werden», sagte Catrin Renzelmann. Die Sozialpädagogin arbeitet in der Kita Königsberger Straße und ist selbst Mutter von drei Kindern. «Ich kann also beide Seiten verstehen. Aber dieser Streik ist notwendig.»

Deshalb sangen 300 Menschen bei strahlendem Sonnenschein die Protestlieder zu bekannten Schlager-Melodien und zogen - mit Trillerpfeifen und Trommeln bewaffnet - vom Katschhof in die Harscampstraße und zum Theaterplatz. «Denn es müssen endlich ernstzunehmende Verhandlungen geführt werden», erklärte Viktor Petje von Verdi Aachen.
http://www.az-web.de/lokales/aachen-detail-az/923838?_g=Viele-schliessen-sich-den-streikenden-Kindergaertnerinnen-an
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Pinnswin

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Streik - Dienstag und Mittwoch in die nächste Runde
« Antwort #12 am: 08:36:48 Mi. 10.Juni 2009 »
Eltern geben ihre KiTa Kinder vorübergehend im Rathaus ab.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2046465_0_9223_-kita-streik-geht-weiter-eltern-fordern-mehr-notfallplaetze.html

Zitat
... Der Gesamtelternbeirat (GEB) ruft die Mütter und Väter dazu auf, ihre Kinder mit ins Rathaus zu bringen... "Wir stehen vor massiven Problemen", sagte die Organisatorin Sarah Sinner, die selbst von mehr als fünf Eltern weiß, denen vom Arbeitgeber die Kündigung angedroht worden sei... Während des Weihnachtsmarktes gebe es doch auch eine kostenlose Kinderbetreuung, dann müsse das doch auch während eines Streiktages gehen, forderte eine genervte Mutter...
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

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Re:Streik bei Kitas?
« Antwort #13 am: 18:56:49 So. 02.August 2009 »
Zitat
Dafür wurde nicht gestreikt
Stimmt mit Nein

Wochenlang haben die Beschäftigten  in den Erziehungs- und Sozialberufen  gestreikt.  Sie  haben  dem Druck  der  Presse  und  Politiker standgehalten.  Sie  mussten  genervte  Eltern  und  in  den  Sozialdiensten  bedrohliche  Situationen ihrer Klienten  aushalten. Und nicht zuletzt  hatten  sie  durch  den Streik finanzielle  Einbußen. Das  alles  haben sie auf sich genommen für das Ziel  die  Verluste  des  TVöD  auszugleichen  und  ihre  Berufe  „deutlich“  aufzuwerten.  Der  Streikwille sei  ungebrochen,  hieß  es  bis  zuletzt  von  ver.di  und  GEW. Der Streik  hat    dazu  geführt,  dass  die Frage  der  Kindererziehung  und Bildung  für Wochen  in  den  Mittelpunkt  der Medien  und  öffentlichen Debatten  gerückt  ist.  In  einigen Städten wurde am 17. Juni gemeinsam mit  SchülerInnen  und  Studierenden  gestreikt. Das  gesamte Bildungssystem  kam  an  diesem  Tag durch den Streik  von  270.000 bundesweit  auf  die  Anklagebank.  Hätten ver.di und GEW schon von Anfang  an  den  Streik  der  Erzieherinnen mit der legalen Möglichkeit von Solidaritätsstreiks  von  Müllabfuhr, Straßenbahn  und  anderen  Bereichen  unterstützt  und  bundesweit mit  dem  Streik  im  Einzelhandel zusammengeführt,  wäre  der  Streik abgekürzt  worden  und  viel  früher ein  echter  Durchbruch  erzielt worden. Selbst mit dem  für September diskutierten  zweiwöchigen  Streik, unterstützt  von  Solistreiks,  gab  es im  Vorfeld  der  Bundestagswahl nochmal eine Chance,  die  nicht genutzt wurde.
http://www.netzwerk-verdi.de/fileadmin/Material/NwFlugblattSozErzAbschluss200907.pdf
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ManOfConstantSorrow

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Re:Streik bei Kitas?
« Antwort #14 am: 15:14:21 Di. 11.August 2009 »
Kita-Streik: Abgewürgter Arbeitskampf
von Anne Moll, www.arbeitermacht.de       10.08.2009



Am Montag, dem 27.07.09, haben sich die Gewerkschaften mit der kommunalen Arbeit„geber"- vereinigung auf ein Tarifergebnis geeinigt. Auch die Tarifkommission hat nach langer Diskussion dem Ergebnis mehrheitlich zugestimmt. Allerdings mit heftigen Bauchschmerzen, wie an den Gegenstimmen ablesbar ist.

Noch am 23. Juni war das Angebot der kommunalen Arbeit„geber" abgelehnt und von ver.di als „unverschämt" bezeichnet worden - kaum vier Wochen später jedoch wurde einem kaum besseren Verhandlungsergebnis zugestimmt. Von ver.di wird es den Beschäftigten als ein „erster Schritt in die richtige Richtung" und als „akzeptables Ergebnis" schmackhaft gemacht.

Dabei waren die Beschäftigten so kampfbereit wie noch nie und haben klar gemacht, dass sie auch in den unbefristeten Erzwingungsstreik gehen würden, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Von 220.000 ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen waren fast 150.000 über ein halbes Jahr an den Streikaktionen beteiligt. An etlichen Orten gab es gemeinsame Aktionen mit anderen Kräften, z.B. dem Bildungsstreik. Ohne Frage: Dieser Streik hatte genug Potential, um mehr zu erreichen, als das magere Ergbnis von ver.di und GEW.

Deshalb fordern wir alle Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst auf:

Lasst euch nicht mit diesem miesen Ergebnis abspeisen! Stimmt bei der Urabstimmung mit NEIN und fordert die Gewerkschaften auf, für einen Abschluss zu kämpfen, der euren Forderungen entspricht! Das jetzige Tarifergebnis ist der Ausverkauf eines langen Kampfes und verbessert weder Bezahlung noch Arbeitsbedingungen der Beschäftigten spürbar.

Nicht nur die konkreten Ergebnisse sind unzureichend. Vor allem muss der Ausverkauf des Streiks durch die Gewerkschaftsführung auch vor dem Hintergrund der gesamten Klassenkampfsituation gesehen werden. Mitten in der Wirtschaftskrise, welche die gesamte Klasse betrifft, muss ein einzelner Streik und sein Ergbenis auch daran gemessen werden, was er zur Stärkung der Gesamtbewegung, was er zur Weiterentwicklung des Widerstands gegen die Auswirkungen der Krise beiträgt. Hier zeigen Bsirske und Co. erneut, worum es ihnen geht: um die Sicherung des „sozialen Friedens", also darum, Staat und Kapital möglichst wenig Ungemach zu bereiten, damit diese wieder aus der Krise herauskommen - auf Kosten der Beschäftigten.

Gerade kurz vor der Bundestagswahl Ende September wäre eine konsequente Weiterführung des Streiks ein wichtiges politisches Signal gewesen und hätte die alte wie jede neue Regierung stark unter Druck gesetzt - diese Chance hat die Bürokratie bewußt und absichtlich verpasst.

Davon abgesehen ist es klar, dass gerade in der Krise - also einem Generalangriff von Staat und Kapital auf die Massen - nur eine energische Antwort der ganzen Klasse, also politische Massenstreiks bzw. ein Generalstreik, wirklich ausreichend dafür sind, die Attacken des Klassengegeners zurück zu schlagen.

Ergebnisse

Der Entgelttarifvertrag ist nach diesem Ergebnis eine komplett neue Tabelle und nicht mehr eingefügt in den TvöD-Entgelttarifvertrag. So fehlt schon mal die Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit! Von der Verhandlungsgrundlage, einer Höhergruppierung innerhalb des TvöD, ist man jetzt zu einer Abspaltung gelangt, die in Zukunft dazu dient, gemeinsame Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst zu vermeiden. Das bedeutet eine klare Spaltung der Beschäftigten.

So erhielten die neu Eingestellten ab 2005 durch die Einführung des Tarifvertrags öffentlicher Dienst (TvöD), der den Bundesangestelltentarif (BAT) ablöste, weit weniger Gehalt als die „Alt-Beschäftigten".

Die nun vorgesehenen Entgelterhöhungen liegen zwischen 22 und 150 Euro monatlich, je nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Das gesamte Werk ist aber noch gar nicht fertig gestellt, d.h. nicht alle können vor der Urabstimmung feststellen, ob es wirklich mehr Geld gibt.

Das erzielte Gehaltsniveau liegt nicht mal für alle Beschäftigten über dem BAT-Niveau von 2005!

Jene, die schon vor dem 1. 10. 2005 beschäftigt waren, erhalten 2,65% mehr, ca. 75 Euro brutto monatlich. Die gesamte durchschnittliche Erhöhung beträgt knapp 100 Euro und nicht wie ver.di es schön rechnet 150.

Auch der Tarifvertrag zur Gesundheitsförderung verdient seinen Namen leider nicht. Es mag als Erfolg gelten, dass die Arbeit„geber"vereinigung sich überhaupt auf solch einen Vertrag eingelassen hat, aber was sollte sie auch davon abhalten, wenn sie lt. Vereinbarung selbst entscheiden kann, ob eine Gefährdungsanalyse nötig ist?

Die Beschäftigten können lediglich einen Antrag stellen, wird dem widersprochen, können die Beschäftigten dagegen ebenfalls Widerspruch einlegen. Dann befasst sich eine Kommission -aus Arbeit„nehmer"vertreterInnen und Arbeit„geber"vertreterInnen paritätisch besetzt - mit der Sache. Das ist vor allem viel Bürokratie, ohne ergebnisorientiert zu wirken!

Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Kommunen und Städte auch die lächerlichen Gehaltserhöhungen nicht zahlen werden, sondern entweder woanders einsparen oder die Kosten direkt an die Träger der Einrichtungen weitergeben und diese dann die Anzahl der zu betreuenden Kinder noch weiter steigern oder aber die Kitabeiträge für die Eltern erhöhen. Beides muss bekämpft werden! Nötig ist stattdessen praktische Solidarität und ein gemeinsamer Kampf von Eltern und Beschäftigten für bessere öffentliche Kinderbetreuung und angemessene Beschäftigungsverhältnisse - für die Bedürfnisse der Beschäftigten, der Eltern und nicht zuletzt auch der Kinder!

 

# Nein zu diesem Ausverkauf bei der Urabstimmung!

# Organisiert die Streiks an der Basis! Wahl und jederzeitge Abwahlmöglichkeit der Streikleitungen auf Streikvollversammlungen!
# Bildet Solidaritätsstrukturen in den Wohngebieten, mit anderen Belegschaften usw.!

# Kämpft weiter für eure ursprünglichen Forderungen, für bessere Bezahlung, Gesundheitsschutz und kleinere Betreuungsgruppen!

# Für eine bundesweite Konferenz von Basis-AktivistInnen, welche die weiteren Schritte diskutiert und einen Aktionsplan erarbeitet!


http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7176&Itemid=296
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!