Autor Thema: Rollende Zeitbomben ...  (Gelesen 3836 mal)

unkraut

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Rollende Zeitbomben ...
« am: 19:21:37 Sa. 23.April 2011 »
In meinen 10 Jahren bei Mercedes in Nl als Service und Diagnosetechniker für schwere LKW habe ich ja schon einiges gesehen aber diese Woche der Knaller .
Nl Spedition mit ungarischem Fahrer .
Wurde von der Polizei im Stau angehalten wegen komischer Geräusche .
Bremse vorn links : Eisen auf Eisen , ein Bremsklotz war völlig weg . Scheibe und der Bremssattel natürlich auch im Arsch . Vorn rechts waren fast neue Bremsklötze drin . Hinten links auch .
Hinten rechts Klötze runter und Scheibe nur noch hauchdünn . Also kurz vor dem reißen / brechen .
Also wurde schon selbst rumgepfuscht .
Der Fahrer sprach zwar kein nl aber gut deutsch . Er meinte er hätte seinem Chef schon vor 14 Tagen gesagt das die Bremswarnlampe brennt und die Bremse schlecht zieht . Chef - fahr weiter . Wenn die Lampe kommt kannste noch etliche Kilometer machen ! Der Fahrer natürlich um seinen Job bang .
Übrigends die Zugmaschine hatte bereits 1.300000 km auf dem Tacho .
Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

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Strombolli

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #1 am: 19:27:50 Sa. 23.April 2011 »
Frage mich doch keiner mehr, warum ich bei Hochrechnen dieser ganzen Scheußlichkeiten allumfassender Art, das furchtbare Kollabieren dieses Systems vorhersage und im Grunde, trotz des persönlichen Leids, was unabwendbar auf uns alle erstmal zukommen wird, herbeisehne.

Lasst uns dann was Besseres aufbauen, ohne uns auf die "Verweser von heute" zu verlassen.
Ich will Güterverkehr auf Schiff und Schiene, Lagerhaltung in betriebseigenen Hallen und Strom aus Kernfusion.  >:D
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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Troll

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #2 am: 19:39:30 So. 04.September 2011 »
Zitat
Lastwagen-Fahrer 55 Stunden ohne Pause unterwegs

Ein Lastwagen-Fahrer ist 55 Stunden ohne Pause unterwegs gewesen. Das hat die Auswertung seines Fahrtenschreibers ergeben. Der 40-Jährige wurde gestern auf der Autobahn 1 bei Oyten aus dem Verkehr gezogen.

Verden (dpa) - Ein Lastwagen-Fahrer ist 55 Stunden ohne Pause unterwegs gewesen. Das hat die Auswertung seines Fahrtenschreibers ergeben. Der 40-Jährige wurde gestern auf der Autobahn 1 bei Oyten aus dem Verkehr gezogen. Lkw-Fahrer müssen spätestens nach zehn Stunden Lenkzeit eine Pause einlegen. Bei einem weiteren Fahrer konnten die Beamten den Fahrtenschreiber erst gar nicht kontrollieren - der 31-Jährige hatte die Tachoscheibe auf Anweisung seines Vorgesetzten entsorgt.

Quelle: Stern
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Kuddel

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #3 am: 13:02:42 Sa. 10.September 2011 »
Das ist ein wunder Punkt bei Berufskraftfahrern. Sie fühlen sich von 2 Seiten unter Druck: zum Einen von Arbeitgebern und Disponenten, zum Anderen von der Presse und öffentlichen Meinung.

Deshalb fürchten sie solche Meldungen und glauben, sie könnten die Öffentlichkeit noch mehr gegen Fahrer aufbringen.

Man muß der Realität ins Auge sehen und das Verschweigen der krassen Probleme wird die Situation nicht verbessern. Diesen Meldungen müßten Erklärungen folgen, warum es zu solchen Überschreitungen der legalen Lenkzeit kommt.

Sir Vival

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #4 am: 10:55:45 So. 11.September 2011 »
.................... Sie fühlen sich von 2 Seiten unter Druck: zum Einen von Arbeitgebern und Disponenten, zum Anderen von der Presse und öffentlichen Meinung.........................

Eher unter Druck von 2 Seiten: AG/Disponenten UND Gesetz/Polizei.

Warum Presse und öffentliche Meinung? Viele Menschen, wenn nicht alle (klugen) Menschen sagen, dass bei diesem Drückersystem was faul ist.
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Kuddel

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #5 am: 14:31:16 Di. 13.September 2011 »
Ich muß hier widersprechen. Die Verhältnisse sind bereits so schlimm, daß die Fahrer die Gesetze als hilfreich begreifen. Vielen Spediteuren ist der gesetzliche Rahmen eine Behinderung bei ihren Ausbeutungsplänen und sie operieren jenseits des Gesetzes und zwingen die Fahrer zum Bruch der Lenk- und Pausenregelungen. Polizeiliche Kontrollen könnten so manchem Ausbeuterspediteur das Handwerk legen. Die Polizei ist in manchen Fällen ein realer Beschützer der Fahrerinteressen.

Doch die Politik hat kein Interesse daran, daß Spediteure (genauso wie Steuerbetrüger) ausreichend überprüft und verfolgt werden. So ist der massenhafte Gesetzesbruch erst möglich.

Ein paar Fahrer versuchen sich deshalb mit einem Internetpranger für kriminelle Spediteure. Ich nehme an, sie werden demnächst ihre Plattform aus dem Netz nehmen müssen.
www.schwarzbuch24.com


Viele Fahrer identifizieren sich stark mit ihrem Beruf und die Sensationsberichte bei den Privatsendern und Printmedien über die "Rollenden Zeitbomben" treffen sie sehr, denn sie werden in ihrem ohnehin beschissenen Job nun als Mörder bezweichnet und von vielen auch so gesehen. Es ist halt notwendig, daß sie begreifen, daß das Verschweigen der Wirklichkeit nicht die Lösung des Problems ist, sondern der offensive Umgang damit. Etwa indem man sagt, "Ja, die Bedingungen in der Transportbranche sind mörderisch, aber wir Fahrer sind genauso betroffen, wie andere Verkehrsteilnehmer!"

Erst dann gäb es öffentliche Unterstützung für einen Kampf gegen diese skrupelosen Ausbeuter.


Troll

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #6 am: 15:38:13 Di. 13.September 2011 »
Das ist ein wunder Punkt bei Berufskraftfahrern. Sie fühlen sich von 2 Seiten unter Druck: zum Einen von Arbeitgebern und Disponenten, zum Anderen von der Presse und öffentlichen Meinung.

Deshalb fürchten sie solche Meldungen und glauben, sie könnten die Öffentlichkeit noch mehr gegen Fahrer aufbringen.

Man muß der Realität ins Auge sehen und das Verschweigen der krassen Probleme wird die Situation nicht verbessern. Diesen Meldungen müßten Erklärungen folgen, warum es zu solchen Überschreitungen der legalen Lenkzeit kommt.

Ich fand den Artikel trotz seiner Kürze deshalb gut, mal nicht die Pauschale Elende-Mörder-Schlagzeile, sondern sogar ein Hinweis auf Illegales Verhalten eines Arbeitgebers, viel zu selten wird darauf hingewiesen in welcher Bredouille die Fahrer stecken.

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Kuddel

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #7 am: 18:30:06 Di. 13.September 2011 »
Ich fand den Artikel auch gut und natürlich auch die Diskussion zu diesem Thema zu führen.

Annabella

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #8 am: 01:16:52 Mi. 19.Oktober 2011 »
In meinen 10 Jahren bei Mercedes in Nl als Service und Diagnosetechniker für schwere LKW habe ich ja schon einiges gesehen aber diese Woche der Knaller .
Nl Spedition mit ungarischem Fahrer .
Wurde von der Polizei im Stau angehalten wegen komischer Geräusche .
Bremse vorn links : Eisen auf Eisen , ein Bremsklotz war völlig weg . Scheibe und der Bremssattel natürlich auch im Arsch . Vorn rechts waren fast neue Bremsklötze drin . Hinten links auch .
Hinten rechts Klötze runter und Scheibe nur noch hauchdünn . Also kurz vor dem reißen / brechen .
Also wurde schon selbst rumgepfuscht .
Der Fahrer sprach zwar kein nl aber gut deutsch . Er meinte er hätte seinem Chef schon vor 14 Tagen gesagt das die Bremswarnlampe brennt und die Bremse schlecht zieht . Chef - fahr weiter . Wenn die Lampe kommt kannste noch etliche Kilometer machen ! Der Fahrer natürlich um seinen Job bang .
Übrigends die Zugmaschine hatte bereits 1.300000 km auf dem Tacho .

Ging meinem Männe vor 14 Tagen genauso. Mit letzter Bremswirkung auf den Hof. Die Bremswarnlampe brannte schon länger. Aber es wird gefahren bis die Bude auseinandergeht. Für notwendige Reparaturen ist keine Zeit. Die Buden müssen rollen und rollen.

unkraut

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #9 am: 21:53:52 Sa. 22.Oktober 2011 »
Hi Annabella , vieleicht sollte dein Mann mal an sich , seine Familie denken und vor allem wenn er vlt mal ne NotBremsung machen muß . Evt. noch in der Stadt , die Karre schmiert ab und kommt in einer vollen Bushaltestelle zum hängen .....
Kraft gleich Masse mal Geschwindigkeit . 35 to x 50km/h = das bleibt nix mehr übrig
Als Trucker sollte er das wissen und seiner Verantwortung zur Verkers und Betries-Sicherheit des Fahrzeuges Genüge Tragen . Karre nicht in Ordnung ? Nicht losfahren ! Dokumentieren !
Das hält jedem Gericht stand .
Bei mir kommt kein LKW raus der nicht Vekehrs und Betriebssicher ist . oder der Fahrer unterschreibt und Fax / Mail an Halter ( ist ja meinst ne Spedititon ) mit Rückantort .
Letztendlich unterschreibe ich die Reparatur als ordnungsgemäß ausgeführt und bin verantwortlich .
Der Werkstattleiter muß grundsätzlich gegenzeichnen . Sollte doch mal was passieren brauche ich nicht zu sagen ... Der Chef hat aber doch gesagt ... dann bin ich " dran " .
MfG Unkraut
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Annabella

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #10 am: 23:46:11 Sa. 22.Oktober 2011 »
Hi, Unkraut! Was meinst auf wessen Drängen der LKW auf dem Hof gelandet ist? Hat dann eine Woche einen Ersatz-LKW gehabt.Ausserdem sind dann auch gleich die Reifen hinten gewechselt worden, weil er sich geweigert hat, damit weiterzufahren. Mein Mann ist ein Sicherheitsmensch, kontrolliert auch zweimal am Tag das Licht am LKW und guckt mit der Taschenlampe nach seinen Bremsen. Krabbelt dafür auch schonmal unter den LKW. Kollege meines Mannes ist vor ein paar Monaten wegen versagender Bremsen tötlich verunglückt.

unkraut

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #11 am: 09:15:44 So. 23.Oktober 2011 »

Hi Annabella ...
Zitat
Mein Mann ist ein Sicherheitsmensch
Zitat
Mit letzter Bremswirkung auf den Hof. Die Bremswarnlampe brannte schon länger. 
Das liest sich aber nicht so . Lassen wir es dabei .
MfG unkraut

Das eigentliche Problem ist der Konkurenzdruck und die eben günstiger fahrenden ausländischen Speditöre  . Die Speditionen fahren eh schon auf " Null " . Steuern , Maut , Dieselpreise die wöchentlich steigen .... und eben der enorme Verschleiß bei den Kilometern . Wartung und Reparatur sind ein nicht gut einzuschätzender Kostenfaktor . Und ein Voll-Leasing kostet auch richtig .
Einige Speditionen haben dazu noch in Polen , Ungarn , Tschechien ect. " Büros " aufgemacht , die Zugmaschinen werden dort angemeldet und eben einheimische Fahrer drauf gesetzt  .

Was du weigerst Dich zu fahren ? Ok ... geh mal ins Büro . Morgen sitzt ein anderer auf dem Bock . So sieht es aus . Das böse Erwachen kommt für die Spedition meist zu spät .
Die Werkstatt steht und fällt mit den Mechanikern , und eine Spedition eben mit den Fahrern . Und nur zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter . Und das gilt für jeden Betrieb ! 

Das Arbeitsamt übernimmt auch schon wieder die Kosten für LKW Führerscheine . Bis vor kurzem war da nix zu machen .(aktuell im Bekanntenkreis )
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admin

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #12 am: 21:44:02 Do. 18.April 2013 »
Am 28.4. ist der Workers Memorial Day
http://de.wikipedia.org/wiki/Workers%E2%80%99_Memorial_Day

In Nürnberg wird eine Ausstellung zum Thema stattfinden. Ich wurde gebeten etwas zur Situation im Transportgewerbe beizutragen. Ich hab ein paar Bilder und folgenden  kurzen Text und  beigesteuert:

Zitat
Das Transportgewerbe ist eine Schlüsselindustrie in diesem Land. Schon eine geringe Unruhe in diesem Gewerbe, würde zu einem Beben in der gesamten Wirtschaft des Landes führen. Die Speditionsbranche ist die Achillesferse der auf Just-in-time-Produktion ausgelegten Industrie.

Die Voraussetzungen für Unruhe in dieser Branche sind gegeben. Die Arbeitsbedingungen befinden sich im freien Fall und Verdi spielt im Gegensatz zur ÖTV nur noch eine verschwindend geringe Rolle unter den Fahrern. Es ist eine Branche ohne gewerkschaftliche Kontrolle und ohne die Möglichkeit  einen eventuellen Kampf „von oben“ abzuwürgen. Es ist eine spannende Situation.

Die Arbeitsbedingungen gehen kontinuierlich bergab. Die Löhne folgen nicht den steigenden Kosten und der Arbeitsdruck nimmt ständig zu. Viele Fahrer, besonders diejenigen mit wenig Berufserfahrung, lassen sich von dem Druck der Arbeitgeber nötigen die im Güterverkehr geltenden Bestimmungen zu brechen, insbesondere die Regelungen zur Fahr- und Ruhezeit. Übermüdete Fahrer und schlecht gewartete Fahrzeuge werden zu einer Gefahr im Straßenverkehr. Die Presse stürzte sich auf des Thema der „Rollenden Zeitbomben“. In den Medien fragte man nicht nach den Gründen für diese Situation, sondern erklärte die Fahrer zu Tätern. Der Ruf des Fernfahrers hat den Glanz des „Königs der Landstraße“ verloren, der Fahrer fühlt sich nur noch als Buhmann. Auf der Straße gilt er als Hindernis oder als Gefahr und an den Laderampen wird er mies behandelt.

Der Job ist hart und gefährlich. An erster Stelle sind dort die extrem langen Arbeitszeiten anzuführen. Eine Fahrerin befragte auf ihrer Homepage (Truckerlady.net) rund 1000 Kollegen mit folgendem Resultat: 26% arbeiten bis zu 48 Std die Woche, ebenso viele 48-60 Std. Es gaben sogar 34% an, sie würden zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche arbeiten. Noch fast 14% der Fahrer erklärten, selbst die 80 Wochenstunden zu überschreiten. Das lange Sitzen führt zu verstärkten Rückenproblemen. Im Zusammenhang mit unangemessener Ernährung, wie sie auf Rasthöfen üblich ist, kommen Kreislaufprobleme hinzu. Die Europäische Transportarbeiter Föderation ETF formulierte ein weiteres Problem treffend: „Übermüdung tötet!“. Die europäische Deregulierung des Transportwesens führte zu einem Vernichtungswettbewerb und so mancher Spediteur schickt seine Fahrer mit heruntergekommenen und nicht verkehrstauglichen Fahrzeugen auf die Straße. Die vermeidbaren Verkehrstoten sind der Preis für die von der Wirtschaft geforderte Verbilligung des Transports.

Aber aus Druck und purer Not entstehen nicht automatisch Kämpfe, besonders wenn eine Kampfestradition und feste Diskussionsstrukturen fehlen. Die gereizte Stimmung führte zu ungerichteten Aggressionen. Es wird untereinander gestritten und in Skandinavien und den Niederlanden wurden osteuropäische LKW abgefackelt und osteuropäische Fahrer tätlich angegriffen.

2011 haben sich die Kraftfahrerclubs Deutschland KCD als Versuch einer Selbstorganisation gegründet. Schon im nächsten Jahr organisierten sie ein internationales Protestmeeting, wandten sich gegen die nationalistischen Spaltungen, forderten die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Europas Transportgewerbe und einen gleichen Lohn für alle. Dieser Truckerprotest hatte mehr Zuspruch aus dem Europäischen Ausland, doch die Beteiligung deutscher Fahrer war enttäuschend.

Die Situation scheint verfahren. Die Frustration ist hoch, während die Arbeitsbedingungen weiter den Bach herunter gehen. Den Fahrern fehlt Kampferfahrung und sie sind verängstigt. Nun soll es mit einfachen Aktionen versucht werden: Mahnwachen vor Speditionen, die sich mit Lohndumping besonders hervorgetan haben.

Kuddel

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #13 am: 16:46:08 Mi. 25.Januar 2017 »
Der Transport per LKW ist nicht nur gefährlich, sondern auch umweltschädlich.

Unter der Überschrift "Ärgernis Güterverkehr - Verstopfte Straßen, leere Gleise" berichtet die Sendung "DokThema“ im Bayerischen Fernsehen heute über verfehlte deutsche und europäische Verkehrspolitik im Güterfernverkehr, Sozialdumping, Asphalt-Nomadentum und wie DB-Schenker dem eigenem Mutterkonzern das „Wasser abgräbt“.

Camion Pro hat die redaktionelle Arbeit intensiv unterstützt. „DokThema“ wird heute um 22 Uhr und ein kürzerer Beitrag heute um 19 Uhr in der „Rundschau“ ausgestrahlt.

http://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-927694.html

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/dokthema/index.html

Sunlight

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Re:Rollende Zeitbomben ...
« Antwort #14 am: 13:11:26 Do. 26.Januar 2017 »
Höre ich mir gerade an, kam gestern nicht dazu.  ::) Kommt mir alles nur zu bekannt vor.
Der totale Irrsinn! 250 Euro im Monat, rumänischer Fahrer für deutsche Spedition!
Darf nicht wahr sein!

Zitat
Nicht deutlich genug: Selbst wenn der bayerische Innenminister sich über den Druck auf die Fahrer bereits kritisch äußerte, sieht sein Ministerium auf Anfrage „keine Notwendigkeit für eine Ausweitung von Schwerverkehrskontrollen“.

BR.de - Ärgernis Güterverkehr - Verstopfte Straßen, leere Gleise

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