Autor Thema: Mit Schlägen gegen Streikende  (Gelesen 460 mal)

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Mit Schlägen gegen Streikende
« am: 12:24:02 Sa. 11.Juni 2011 »
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Mit Schlägen gegen Streikende

Gewerkschaftsbund verlangt bessere Arbeitsbedingungen


München - In vielen Ländern sehen sich Gewerkschaften weiterhin 'schwersten Repressionen seitens Regierungen und Arbeitgebern' ausgesetzt. Das ist das Fazit eines Jahresberichts, den der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) in Brüssel vorgelegt hat. 2010 haben 90 Gewerkschafter weltweit ihr Engagement mit dem Leben bezahlt. 'Diese Zahl macht uns wütend und traurig', sagte IGB-Präsident Michael Sommer, der zugleich Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist.

Einen besonderen Blick wirft der Bericht auf den Nahen Osten. Die Weigerung, Millionen Menschen 'würdige Arbeitsmöglichkeiten zu garantieren', sei eine der wichtigsten Ursachen für die Aufstände dort, heißt es in dem Bericht. In Ägypten hätten Beschäftigte für Proteste die Straße und nicht den Betrieb gewählt, weil es dort für die Polizei schwieriger sei, Protestierende zu misshandeln. In den Betrieben sei die Polizei 'gewöhnlich' mit Schlägen gegen Streikende vorgegangen, da Aktionen dort als 'illegal' gegolten hätten.

In Libyen seien nepalesische Beschäftigte einer Baufirma am 21.Oktober nach 18 Tagen Streik in ihren Unterkünften eingeschlossen worden. Sie hatten dagegen protestiert, dass sie weniger als den versprochenen Lohn erhielten. Die Regierung habe in dem Land das Recht, in allen Branchen Löhne einseitig festzulegen. In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten seien Gewerkschaften weiterhin verboten. Im Iran wurde am 9. Mai der 35-jährige Farzad Kamangar, ein Lehrer und Mitglied der Lehrervereinigung von Kurdistan, gehängt - nach einem Prozess, der weniger als fünf Minuten gedauert habe. Und aus Syrien berichtet der IGB, dass Streiks in der Verkehrs- und Telekommunikationsbranche mit Bußgeldern und Haft geahndet würden, sofern sich daran mehr als 20 Beschäftigte beteiligten.

Der Bericht umfasst 143 Länder. Er macht deutlich, dass Gewerkschaften nur in relativ wenigen Ländern der Welt frei agieren können - oft ist es so, dass sie nicht einmal auf dem Papier Rechte haben, oft sind festgelegte Rechte in der Realität nichts wert. Lateinamerika ist nach wie vor die gefährlichste Region für Gewerkschafter. In Kolumbien wurden 49 Gewerkschafter ermordet, in Guatemala zehn. Aber auch die USA kommen in dem Bericht nicht gut weg. Nach einer amtlichen Statistik müsse jeder fünfte Beschäftigte, der sich 'aktiv' um gewerkschaftliche Organisierung bemüht, mit Entlassung rechnen. In einem Call Center von T-Mobile in Colorado seien Gewerkschafter, die außerhalb des Betriebs Handzettel verteilten, vom Werkschutz 'überwacht' worden.
http://www.sueddeutsche.de/a5E387/57758/Mit-Schlaegen-gegen-Streikend.html