Autor Thema: BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen  (Gelesen 20350 mal)

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« am: 22:16:43 Sa. 02.April 2005 »
Videotexttafel 120, MDR, Sa.02.04.05 21:57:53

BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen

Die Bundesagentur für Arbeit will Langzeitarbeitslose in die Spargelernte schicken.

BA-Vorstand Alt sagte dem Magazin "Focus", im Vorjahr seien 870.000 Arbeitsgenehmigungen für Beschäftigungen in Deutschland erteilt worden, die kein inländischer Arbeitsloser anzunehmen bereit sei. Dabei handelt es sich vorwiegend um Jobs in der Landwirtschaft wie das Spargelstechen oder die Gurkenernte oder um Arbeit in der Gastronomie

Alt betonte, es wäre ein Riesenerfolg, wenn es gelänge, in die Hälfte dieser Jobs inländische Langzeitarbeitslose zu vermitteln.

Kann das sein?

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #1 am: 12:02:57 Mo. 04.April 2005 »
2005 beginnt.

(Das Thema war im letzten Jahr schon mal - leider ist mein Kommentar nach der Hackerattacke 04 futsch.)

Berichtet wurde in 2004 über diverse Gurkenanbauer in Sachsen, Brandenburg und MVP. 2,50-4,50 (letzteres maximal für "Spitzenkräfte) Euro die Stunde bei saisonal bedingter Ernte- und Verarbeitungstätigkeit - dadurch 12-16 Stunden "Knochenarbeit" pro Tag - zum Beispiel auf dem Bauch liegend in einem über den Acker fahrenden Erntegestell + hierbei geforderter Mindesternteleistung von ca. 20kg die Stunde. (Bei Spargelerntehelfern war´s so ähnlich.)

Wäre ja alles kein Thema - würde ich auch noch machen, aber nicht für 2,50-4,50 Euro die Stunde brutto! Man schaue sich im Handel die Verkaufspreise für Obst und Gemüse an: Das Glas Gurken mit 450 - 700g Füllmenge (Abtropfnettogewicht ca. 50-60% davon, also irgendwo zwischen 220 - 400g tatsächlicher Gurkeninhalt je nach Verpackungsgröße) je nach Sorte/Qualität für 0,69 Euro - 1,99 Euro, der 1-kg-Bund Spargel je nach Qualität 5-16 Euro.

Also möge sich ein jeder, ich habe keine Lust dazu, errechnen was Erzeuger bzw. vor allem die Zwischenhandelsstationen und der "Endhändler" Dank der Billigerntehelfer an dem Zeugs verdienen. 7-10 Euro die Stunde für diese Maloche wär O.K. und solange es das nicht gibt bauen wir zu viert diverse Obst- und Gemüsesorten lieber weiter zum Eigenkonsum im eigenen Garten an.

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #2 am: 12:36:07 Mo. 04.April 2005 »
Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Das gleiche haben wir mit Obstpflückern und Erdbeererntern, wobei noch der Schwachsinn gemacht wird, daß Obst und Gemüse aus dem Ausland nach Großgermania gekarrt wird. Folge: Bei einheimischen Erzeugern werden die Bäume gefällt, so z.B in Borthen bei Dresden oder in Werder bei Potsdam oder im Alten Land bei Hamburg.

Und im Sächsischen gibt die Billigkonkurrenz aus Böhmen den Obstbauern auf den Märkten den Rest.

Da stehen die Erzeuger von Gurken, Merettich im Spreewald etwas besser da. Das sind reine Familienbetriebe, die selbst die Felder bestellen und einheimische Leute aus der Umgebung beschäftigen.

Ähnliche Probleme haben wir mit den Landwirten. Da verlangt z.B. Real in Norddeutschland den Verkaufspreis zu 33 Cent/Liter und der Erzeugerpreis liegt bereits bei 30 Cent/Liter.

Hamburger Abendblatt: Protest gegen Billig-Milch

Und hier noch einige Beispiele von Ernte-Billiganbieter als Roß und Reiter genannt aus dem Leipziger Einzugsgebiet im MDR-Stellenmarkt

Stellenangebote - Region Leipzig, 21. März 2005

- Mitarbeiter für die Spargelernte gesucht!
körperl. belastbar, witterungsbedingte Arbeitszeit,
Arbeitsort: Klingenhain

- Freie Arbeitsstellen in Döbeln:

10 Erntehelfer/innen
zum Ernten von Erdbeeren und Kirschen, witterungsbedingte Arbeitszeit, bei der Kirschernte wird mit 4 m hohen Leitern gearbeitet, Arbeitsort: Zschaitz-Ottewig, Lohn 3,27 Euro/h

Arbeitgeberkontakt:
HFK Obsthof GmbH
Lützschnitz
Tel.: 089 / 96 12 031, Herr Soller

- Erntehelfer gesucht!
Für die Erdbeersaison ab Mitte Mai,
Arbeitsort: Obstplantagen rund um Dürrweitzschen, Vollzeit,
witterungsbedingte Arbeitszeiten, körperl. belastbar, FS und PKW
muss vorhanden sein.

Tel.: 034337 / 95 180

Region Leipzig, 14. März 2005

- Mitarbeiter für die Spargelernte
körperl. belastbar, witterungsbedingte Arbeitszeit,
Arbeitsort: Klingenhain

Ansprechpartner:
Herr Brummer Tel.: 034363 51220

- 10 Erntehelfer/innen
Ernten von Erdbeeren und Kirschen, witterungsbedingte
Arbeitszeit, bei der Kirschernte wird mit 4 m hohen Leitern gearbeitet;
Arbeitsort: Zschaitz-Ottewig, Lohn 3,27 €/h

Arbeitgeberkontakt:
HFK Obsthof GmbH Lützschnitz
Tel.: 089 96 12 031 Herr Solle

- Erntehelfer

Mitarbeit beim Draht stechen und Hopfen anleiten gesucht; ab März bis Mai, witterungsbedingte Arbeitszeit, körperl. belastbare Bewerber, AO Ostrau und Umgebung, Lohn 3,27 €/h

Ansprechpartner:
Agentur für Arbeit Döbeln
Tel.: 03431 626 317 Frau Biedermann

- Erntehelfer
Erdbeersaison ab Mitte Mai, Arbeitsort: Obstplantagen rund um Dürrweitzschen, Vollzeit, witterungsbedingte Arbeitszeiten, körperl. belastbar, FS und PKW muss vorhanden sein

Telefon. Kontakt – 034337 951 80

Region Leipzig, 04. April 2005

- 60 Erntehelfer/innen für die Ernte von Erdbeeren und
Sauerkirschen gesucht:
körperl. belastbare Bewerber, witterungsbedingte Arbeitszeit,
möglichst Bewerber aus den Umkreis von 20 km um Leisnig
Vorstellung persönlich am 12.04., 14.04., 19.04., 21.04., 26.04.,
28.04. von 13:00 - 15:00 Uhr beim Arbeitgeber, vorher bitte nicht beim Arbeitgeber anrufen
Leistungslohn 3,27 Euro pro Stunde
Zeitraum ca. 06.06.05 bis 31.08.05

Informationen unter Tel.: 034321 / 63730

- 10 Erntehelfer/innen zum Ernten von Erdbeeren und Kirschen gesucht:
witterungsbedingte Arbeitszeit, bei der Kirschernte wird mit vier Meter hohen Leitern gearbeitet
Arbeitsort: Zschaitz-Ottewig
Lohn: 3,27 Euro/pro Stunde

Arbeitgeber: HFK Obsthof GmbH, Lützschnitz
Ansprechpartner: Herr Soller, Tel.: 089 / 9612031

- 1 männlicher Saisonarbeiter für die Ernte von Spargel gesucht:
körperliche Belastbarkeit muß vorliegen, Kisten mit ca. 15 kg Spargel
müssen vom Feld zur Verpackungsstelle getragen werden,
es dürfen keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen, witterungsbedingte

Arbeitszeit, Lohn 4,35 Euro pro Stunde, Zeitraum 02.05.05 bis 30.06.05,
Arbeitsvermittlerin, Frau Biedermann von der Agentur für Arbeit Döbeln, Tel.: 03431 / 626317

- Erntehelfer für die Erdbeersaison ab Mitte Mai;
Arbeitsort: Obstplantagen rund um Dürrweitzschen Vollzeit, witterungsbedingte Arbeitszeiten, körperlich belastbar,
Führerschein und PKW muss vorhanden sein

Tel.: 034337 / 95180

besorgter bürger

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #3 am: 21:12:46 Mo. 04.April 2005 »
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Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #4 am: 22:28:55 Mo. 04.April 2005 »
Mit FS und PKW meint der potentielle AG hoffentlich nur die Voraussetzungen zum Führen der Fahrzeuge seines Fuhrparks und nicht, daß die Spargelstecher ihre eigenen PKWs auch noch dem Landwirt zu Dienstzwecken verfügbar halten müssen. Das die eigenen PKWs zur und von der Fahrt zur Arbeit selbstgenutzt werden, setze ich als selbstverständlich vorus.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, daß Spargelstechen mechanisiert mit Erntemaschinen oder Kombines erledigt wird. Dazu Spargelseiten:

Nach wie vor Handarbeit

Das Spargelstechen ist auch heute noch mühsame Handarbeit. Es gibt zwar inzwischen die ersten motorisierten Erntehilfen, richtige Erntemaschinen für Spargel jedoch noch nicht.

Das geht bekanntlich immer noch durch Handarbeit und in gebückter Haltung. Der Einzige, der mit Traktor und Hänger das Feld im Schrittempo abklappert, dürfte der Landwirt selber oder ein Traktorist sein.

Es ist eine Frage der Zeit bis Erntehelfer für gemeinnützige, zusätzlich und gelegentlich 1-Euro-Jobber gehalten werden oder nur für einen Gemüseeintopf "Leipziger Allerlei" diesemTagewerk nachgehen müssen. Clement kommt noch auf diesen Trichter. Warten wir's ab!

Wenn er das von Erwerbslosen abfordert, dann soll er selbst sich mal einen Ernteschicht lang in die Furche stellen und den Spargel stechen. Am feierabend hat er dann Hexenschuß oder andere Annehmlichkeiten im Kreuz, vielleicht fliegt auch einen Fäustel auf seinen Rücken.

besorgter bürger

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #5 am: 00:44:36 Di. 05.April 2005 »
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Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #6 am: 18:30:43 Di. 05.April 2005 »
Klar: Um von Deinem Wohnort nach "Klein-Schwuchtelwitz-Gurkenplantage" und zurück zu gelangen, braucht man im Regelfall ein eigenes Fahrzeug (da ja Bus und Bahn stark ausgedünnt sind, oder nur zu Hauptverkehrszeiten fahren).

Das ist ja das perverse:
Als Knochenjobber malochst Du in Hand- und Schwerarbeit in der Saison 10-16 Stunden den Tag für z. B. o. a. 3,27 Euro die Stunde ... brutto? ... netto? ... egal, auf jeden Fall erbärmlich.

Außerdem hast man neben dem horrenden Spitzenverdienst z. B. noch die Betriebs- und Unterhaltskosten für das eigene Kfz (bzw. Fahrkosten), erhöhten Kleidungsverbrauch bzw. Reinigungsaufwand, Gesundheitsverschleiss (denn z. B. Gurken wollen auch in strömenden Regen geerntet werden ... und dem Spargel ist es egal, wenn unter der Plastikfolie 40° sind), erhöhten eigenen Nahrungsmittelverbrauch (wer viel arbeitet braucht auch viel...)
Tipp an WC (Wolf Clement) damit er weiss wovon er redet: Politiker in Ernte- und Produktionseinsätze senden, 10-16 Stunden am Tag - ich wette, nach spätestens 1-3 Tagen liegen die alle in der Intensivstation (weil sie soviel frische Luft auf einmal nicht vertragen haben).

Also was hat man: Im Prinzip auch nur 1 Euro die Stunde netto, wenn alles gut geht. Die Unternehmer bzw. die sich anschliessende Handelskette machen aus Deiner Billigfronarbeit dann das 10-, 20- oder 50-fache.

Natürlich, die hiesigen Erzeuger/Hersteller von Agrarprodukten stehen unter Druck der Großabnehmer. Beugt man sich dem Preisdiktat der Discount-Marktketten nicht, dann kommen die Tomaten aus dem Sudan, der Spargel aus Israel, die Pilze aus Litauen usw.
Spanien, Frankreich usw.sind nämlich in vielen Sparten auch schon zu teuer - Erntehelfer in Spanien und Frankreich verdienen nämlich staatlich garantiert etwa 6-8 Euro und leisten sich außerdem noch den Nationalstolz ihre Produkte vorwiegend im eigenen Land zu vermarkten. Ist ja auch logisch: Man spart sich einen Großteil der Logistik-, Verwaltungs-, Verpackungs und Transportkosten.

Und das ist eben in Deutschland nicht so:
Gehorsam und pflichtbewusst "bis zur letzten Patrone" sind auch hier die Erzeuger bzw. Produzenten von irgendwelchen Dingen. Man beugt sich dem Diktat des Marktes bzw. den gegebenen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage, geht auf Verlangen eine Niedrigpreisrunde nach der anderen ein um sich anschliessend zu wundern, dass man "pleite" ist.
Etlichen Erzeugern/Produzenten, die seit Jahrzehnten an der Existenzgrenze herumkrebsen müsste vielleicht mal ein Lichtchen aufgehen - weg von den vermeintlich interessanten Großabnehmern mit Dumpingpreisen - hin zum verstärkten Direktvertrieb an den Verbraucher - als Erzeuger- und Vertriebsgemeinschaft für viele verschiedene Produkte. Da hat dann jeder seinen Vorteil.

Ansonsten möchte ich auch einmal darauf hinweisen, dass die Deutschen in Bezug auf Lebensmittel pflegmatisch geworden sind.
In den 50er, 60er und 70er Jahren hatten Familienmitglieder bzw. "kochende Hausfrauen" und "Hausmänner" eine ganz andere Einstellung. Preiswert, nahrhaft, schmackhaft, reichlich, sattmachend, nach Möglichkeit abwechslungsreich musste eine Speise sein. So sahen auch die Einkaufs- und Küchenzettel aus.
Heute, im Jahr 2005, bekommen die Hausmänner und Hausfrauen schon einen Nervenzusammenbruch, weil sie nicht wissen, wie man einen Eintopf zusammenrührt (da werden auch heute noch 3 Leute 2 Tage lang für insgesamt 6 Euro satt, und lecker ist das auch noch) oder einen Pflaumenkompott frisch macht. Wie preiswert z. B. Forelle oder gar Lachs sein kann - IIIHHHH, Fisch, Muttis und Kinder kollapieren regelmäßig bei dem Wort, wie das stinkt und Gräten hat das auch noch - Kinder beschweren sich, wenn sie Zwiebeln, Möhren und Bohnen essen sollen usw. Stattdessen erhnährt man sich zu 70-80& von abgepackten, konservierten Produkten, die mit Aroma- und Farbstoffen angereichert sind und die Kinder bläken und schreien nach einem "Mac-Kack" oder "Flurry Kotz ´n Rotz. Das ist weder gesund noch preiswert.
Ich hingegen freue mich schon auf die nächste Beeren- und Pilzsaison, auf den wilden Rhabarber und auf das verschrieene "Fallobst" (andere kaufen sich lieber eine Dose Schnappi-Ananas), aus dem man vorzügliche Konfitüren, Säfte oder auch einen Aufgesetzen machen kann. Alles praktisch fast umsonst - dicht gefolgt von Obst, Gemüse etc. aus dem eingenen Garten - richtig bewirtschaftet kann man manches sogar 2 x pro Jahr ernten - immer noch viel billiger als die "haltbar bis 2010-Discountprodukte".

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #7 am: 00:17:06 Mi. 06.April 2005 »
Nur heutzutage geht es dem Selbstversorger mit Kleingarten schnell an den Kragen. Die Pachten legen ordentlich zu und die Kommunen wollen an den Grund und Boden der Datschen- und Garagenbesitzer im Osten. Denn in der DDR gab es keine rechtliche Einheit von Grund und Boden und den darauf befindlichen Gebäuden. Deshalb läuft mit 2007 bzw. dem 04.10.2015 der Kündigungsschutz der Garagengemeinschaften durch verfügtes Bundesrecht aus und die Kommunen werden den Abriß der Gebäude ohne Entschädigung des Zeitwerts der Garage verlangen.

Das schöne Spekulieren mit Grund und Boden ist für die Kommunen doch ein schönes Faustpfand, denn der Grund und Boden wurde den Gebäudebesitzern nicht zum Verkauf angeboten, um bundesdeutsches Recht wirken zu lassen.

siehe auch

Pressemitteilung des BVerfG zum Schuldrechtsanpassungsgesetz

BMJ: Kommentar zum Schuldrechtsanpassungsgesetz als PDF-Datei Info-SchuldrechtsanpassungsG

Verfassungsbeschwerde beim BVerfG zum Schuldrechtsanpassungsgesetz
Zu den Änderungen im Schuldrechtsanpassungsgesetz

Bundesverband Deutscher Landwirte e.V.: Kündigung und Entschädigung bei Garagengrundstücken

Sächsische Zeitung: Ratgeber - Wenn die Garage wackelt

Freie Presse Chemnitz: Rat & Tat - Ab 2007 Aus für Garagen?

Zum Thema Garagen hält der VDGN folgende Broschüren bereit: "Garageneigentum in Gefahr - was tun?" (5 Euro); "Bewertung von Reihengaragen, die zu DDR-Zeiten in Garagenkomplexen errichtet wurden" (3 Euro). Pro Sendung wird 1 Euro für Porto und Versand erhoben.
Sie können bestellt werden beim VDGN, Irmastraße 16, 12683 Berlin,
Telefon 030/5 14 88 80, Fax 030/51 48 88 78
E-Mail: info@vdgn.de,
Internet: http://www.vdgn.de.

Zur Abholung liegen die Hefte außerdem bereit in der VDGN-Beratungsstelle Chemnitz, Rosenplatz 4 (Zimmer 22), 09126 Chemnitz. Sprechstunde ist jeden Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Nach telefonischer Anmeldung unter 0371/5 61 46 22 ist dort auch eine Beratung möglich. (SW)

Die im KVSK organisierten ostdeutschen Kleingärtner sind noch nach dem Bundeskleingartengesetz geschützt. Den Bungalowbesitzern gehts allerdings seit einigen Jahren an den Kragen.

Bundeskleingartengesetz

MDR: Sendung "Ein Fall Für Escher":
Kaufen, Pachten, Leasen - wo lauern die Gefahren?

Sendung vom 15.06.2000

"... Pachtverträge

Pachtverträge aus DDR-Zeiten über die Nutzung von Kleingärten und Datschengrundstücken unterliegen dem Bundeskleingartengesetz (BKG) mit den gesetzlichen Übergangsregelungen und anderen Gesetzen. Bis zum 31.12.1999 waren keine ordentlichen Kündigungen im Gebiet der neuen Bundesländer möglich.

Mit dem Gesetz zur Änderung schuldrechtlicher Bestimmungen im Beitrittsgebiet - dem Schuldrechtsänderungsgesetz (SchuldRÄnderG) und Sachenrechtsbereinigungsgesetz - wurde eine Anpassung des Rechts der DDR an das Recht der Bundesrepublik gesetzlich vorgenommen. Aber: wenn der Nutzer am 03.10.1999 das 60. Lebensjahr vollendet hatte, sind zu seinen Lebenszeiten ordentliche Kündigungen generell ausgeschlossen.

DDR-Pachtverträge

Alte Verträge aus DDR-Zeiten gelten sowohl für Datschen als auch für Kleingärten weiter.

Fristen

Bis 31.12.1999: darf der Eigentümer den Nutzungsvertrag über ein Grundstück zu Erholungszwecken (außerhalb einer Kleingartenanlage) oder über ein Garagengrundstück grundsätzlich nicht kündigen (§ 23 Abs. 1 Schuldrechtsanpassungsgesetz, SchuldRAnpG).

Ab 01.01.2000 bis 31.12.2004: darf der Grundstückseigentümer den Nutzungsvertrag für ein bebautes Grundstück nur kündigen, wenn:

- er dringenden Bedarf hat, das Grundstück zur Errichtung eines Ein- oder Zweifamilienhauses als Wohnung für sich, die zum Hausstand gehörenden Personen oder seine Familienangehörigen zu nutzen;
- er den Garten wirtschaftlich besser verwerten will;
- er das Land einer anderen Nutzung zuführen will oder
- im Zusammenhang mit einem kommunalen Bebauungsplan eine anderweitige Nutzung des Grundstücks vorgesehen ist (§23 Abs. 2 SchuldRAnpG). Im Streitfall hat das Gericht in beiden Fällen die berechtigten Interessen von Grundstückseigentümern und Grundstücksnutzern abzuwägen.

Vom 01.01.2000 bis 31.12.2002: hier gilt der o.g. Kündigungsschutz für unbebaute Grundstücke und Garagengrundstücke.

Vom 01.01.2003: für unbebaute Grundstücke und Garagengrundstücke gelten bereits die allgemeinen Kündigungsbestimmungen gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Ab 01.01.2005 bis 03.10.2015: hier kann der Eigentümer Eigenbedarf geltend machen, wenn er das Grundstück zur Errichtung eines Ein- oder Zweifamilienhauses für sich oder für andere Familien- und Haushaltsangehörigen benötigt oder er selbst das Grundstück für kleingärtnerische Zwecke oder zur Erholung- und Freizeitgestaltung nutzen will.

Ab 04.10.2015: gelten auch für Erholungsgrundstücke die Kündigungsbestimmungen gemäß BGB.

Bis 03.10.2022: kündigt der Eigentümer dem Nutzer, muss er eine entsprechende Entschädigung für errichtete Bauwerke zahlen. In der Regel ist das der Zeitwert. Unabhängig, ob es sich um eine Wertverbesserung handelt oder nicht.

Zeitlich unbegrenzt ist das Kündigungsverbot für die Dauer der Lebenszeit des Nutzers eines bebauten Erholungsgrundstückes, der am 03.10.1990 das 60. Lebensjahr vollendet hatte. Der Nutzer kann der Kündigung widersprechen, wenn er in einem zum Dauerwohnen geeigneten Wochenendhaus wohnt und die Räumung für ihn eine ungerechtfertigte Härte bedeutet.

Rückbau von Bauten auf gepachteten Grundstücken

Muss ein Pächter die auf dem gepachteten Grundstück errichteten Gebäude abreißen, dann muss er auch die dafür entstandenen Kosten tragen. Soweit aber noch alte DDR-Verträge gelten, greift das Schuldrechtsänderungsgesetz § 15. Zwar gab es auch in der DDR eine Beseitigungspflicht, aber diese ist nur in den seltensten Fällen wirksam geworden. Die Vorschriften sahen vor, dass bei Ende des Vertrages Wertsteigerungen auszugleichen waren. Soweit in Ausnahmefällen eine Kündigung des Grundstückseigentümers zum Tragen kam, war dieser bei Nutzungsverträgen nach §§ 312 ff. ZGB zum Ankauf der vom Nutzer errichteten Baulichkeit verpflichtet. Dieser Umstand führte zur Änderung im Schuldrechtsänderungsgesetz. Bei Vertragsbeendigung ist der Nutzer zur Beseitigung eines entsprechenden Bauwerkes nicht verpflichtet. Aber es kann sein, dass er einen Teil der Abrisskosten zu tragen hat. ..."

Buchtipps

- Baugesetzbuch mit Bundeskleingartengesetz, Dr. Peter Runkel, Bundesanzei-ger Verlagsgesellschaft mbh, Köln, 1998, ISBN 3-88784-859-4
- Kleingärten und Kleingärtner im 19. und 20. Jahrhundert, Bundesverband deutscher Gartenfreunde e.V., Leipzig 1997, ISBN 3-00-000718-0
- Das Grundstücksjournal des VDGN, Preis pro Jahr 20,90 DM, pro Heft 4,90 DM
- Ratgeber zum Schuldrecht und zum Nutzungsentgelt für Nutzer von Freizeit und Erholungsgrundstücken in den neuen Bundesländern, Verband deutscher Grundstücksnutzer e.V. Ratgeber, Berlin 1999
- Sachenrechtsbereinigung für Dauerbewohner in Kleingartenanlagen - Kauf Erbbaupacht, Verband deutscher Grundstücksnutzer e.V. Ratgeber, Berlin 1999

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Apropos Pilze oder wie die Ergebirger auch Schwamme dazu sagen. Im Laufe der Jahre sind die guten Pilzflecken stetig zurückgegangen. Heute muß man u.U. bis zu 70 km fahren, um eine ergiebige Stelle zu finden.

Bei uns ist der nächste Flecken der Wermsdorfer Forst bei Oschatz, die Dahlener Heide oder die Wälder bei Herzberg und Schlieben.

Aber so eine gute Pilzsuppe oder panierte Steinpilzscheiben ist schon was feines. Letztens am Sonnabend wurde im MDR in der Sendung "Unterwegs in Sachsen" als Ausflugsziel die Gegend um Seifhennersdorf, den Berg Lausche ((tschechisch/obersorbisch Luž), Horni Chribska, Ceska Kamenice, Horni Svetla und Dolni Svetla, Jablonec nad Nisou (Reichenberg) im Böhmischen (Isergebirge/polnisch: Góry Izerskie, tschechisch: Jizerské hory) den Zuschauern wärmstens empfohlen. Dort sollten die Pilze noch reichlich stehen.

Griene Kließ un Schwammebrie sind fei was schienes. Nur wer Schwamme essen will, der muß in den Wald naus maschieren, am besten mit dem Schwammemarsch vom Anton Günther, dem Mundartdichter des deutsch-böhmischen Erzgebirges, geboren in Gottesgab (dem heutigen Bozi Dar).

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #8 am: 12:56:51 Do. 07.April 2005 »
Kleingärten:
Ich finde den Bericht aus der SZ nicht mehr, aber vor 2 Wochen wurde eine Gesetzesänderung bzw. neue Pachtgrundlagen angekündigt, nach der die jährlichen Pachtbeträge für privte Klein- und Schrebergärten schon in 2005 erheblich sinken sollen.
Wir bewirtschaften unseren Garten zu Viert, das rechnet sich und ist ziemlich ergiebig und macht auch meistens Freude.
Pilzflecken:
Stimmt, gezielt je 50km hin und zurück fahren in der Hoffnung nennenswerte Mengen zu finden lohnt nicht, zumal z. B. an Wochenenden oder Feiertagen Heerscharen von Pilzsammlern unterwegs sind. An einem Samstag im Herbst um 15 Uhr braucht man z. B. in der Dresdner Heide oder im Radeburger Umland nicht zu suchen - alles schon 5 Mal umgepflügt. Wir verbinden das dann schonmal mit einem Ausflug in Richtung der Linie Görlitz-Weißwasser-Bad Muskau, da haben wir schon häufiger volle Körbe gesammelt, zumal da die großen Waldgebieten meist recht menschenleer sind.

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #9 am: 19:36:48 Sa. 09.April 2005 »
Mit Saisonarbeiten wie Spargelstechen, Erdbeeren abernten, Servieren in Ostsee- und Nordseebädern etc. beseitigt man die Langzeitarbeitslosigkeit nicht, sondern drängt so eher Langzeitarbeitslose nach der Saisonarbeit entweder vom Alg I ins Alg II oder völlig aus dem Leistungsbezug der Bundesagentur für Arbeit, da die Langzeitarbeitslosen ja 52 Wochen sozialpflichtversicherte Arbeitstätigkeit vor Wiederanmeldung der Arbeitslosigkeit nach der Saisonarbeit nachweisen müssen und so durch die Unterbrechung der Arbeitslosigkeit wegen Saisonarbeit nicht erreichen werden.

Also sieht man, daß der Klospüler WC schon wieder weitsichtig im Interesse des Bundeshaushalts und der Sozialkassen gedacht hatte. Wer geringere oder keine Lohnersatzleistungen nach der Saisonarbeit bekommt, zahlt weniger oder keine Beiträge an die KV, PV und RV und kann im Fall, wenn er die Leistungen dieser Sozialkassen braucht, nur auf Hungerlohnniveau versorgt oder völlig abgewiesen werden. Man sieht WC betreibt Fünfjahres-Planwirtschaft im Kapitalismus, aber nur zum Vorteil Seinesgleichens und nicht zum Wohle des Volkes. Er sollte deshalb achtkantig gefeuert werden, da er seinen Amtseid bricht, vom deutschen Volke Schaden abzuwenden. Und Sozialabbau ist ein horrender Kapitalschaden.

Langzeitarbeitslose brauchen Vollzeit- und Dauerjobs mit tariflicher und ortsüblicher Bezahlung.

Andererseits sollte man die Zugangsvoraussetzungen in gesundheitlicher und in Hinsicht der Qualifikation in Betracht ziehen. Mit Bandscheibenvorfall oder Lumbago kann man nicht in Erntejobs vermittelt werden und wer z.B. den Abschluß eines Diplomingenieurs hat, dessen fachliche Fähigkeiten und Kenntnisse werden verschleudert, wenn sich brachliegen bleiben.

Arbeitsvermittler und -berater wie Unternehmer sollten ordentliche Strafen an den Bundeshaushalt zahlen, für jede arbeitslose Fachkraft, die nicht entsprechend ihrer Qualifikation und Berufserfahrung beschäftigt wird. Das ist millionenschwere Verschwendung von Volksvermögen. Die Bande sollte man an die Wand stellen und erschießen. Aber vorher müssen sie ihre Löcher selber ausheben.

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #10 am: 13:03:32 So. 10.April 2005 »
... mundtot gemacht werden. Das ist das eigentliche Thema.

Saisonarbeiten:
In meiner Kindheit waren verschiedene Saisonarbeiten (Kartoffelernte, Gurkenernte, Obstplückarbeiten, Beschäftigung in der Gastronomie) z. B. ein Betätigungsfeld für Schüler, Rentner, Studenten oder andere, die sich ein wenig was hinzu verdienen wollten.

Natürlich betreibt WC den Planruin:
Wirtschaftsunternehmen bzw. Produktionsbetriebe werden verlagert oder geschlossen, damit entfallen jährlich 10000e ordentlicher und auskömmlich bezahlter Arbeitsplätze, Tarifverträge werden außer Kraft gesetzt, Kündigungsschutz wird reduziert usw. Stattdessen entstehen Saison"jobs", Knechtarbeiten und Aushilfstätigkeiten im Niedriglohnbereich, 400-Euro-Jobs werden als Allheilmittel proklamiert, 1-Euro-"Jobber" werden auch in die Wirtschaft vermittelt, Praktikantenstellen und Trainingsmaßnahmen werden angepriesen.

Alles Dinge, die immer mehr Arbeitnehmer arbeitslos machen bzw. diese aus ihrem "Regelarbeitsplatz" in den Niedriglohnbereich ohne soziale Absicherung verdrängen.

Für WC & Co. ist das ja auch viel einfacher so:
Politiker entledigen sich scheibchenweise ihrer Verantwortung, in dem sie immer mehr Mitmenschen die "unnütz sind, weil sie nichts erbringen" durchs Raster fallen lassen.

Nur ich frage auch hier einmal provokativ:
Welche Besserung oder Kurskorrekturen unsere lauten und leisen Proteste gegen die Vernichtung der menschlichen Grundwerte bislang bewirkt?

Wenn ich jetzt nach den glorreichen Ergebnissen die der Jobgipfel gebracht hat, wieder dieses Gehampel um Mindestlöhne zum Schutz deutscher Arbeitnehmer sehe. Meint hier etwa auch nur einer, dass dem hiesigen Arbeitnehmer, oder den Arbeitnehmern europaweit ein Mindestlohn von 8 oder 10 Euro brutto die Stunde zugestanden wird??? Weiter träumen - nach monatelangem Gelaber unserer funktionsgestörten Politiker wird mit vielen "wenn und aber´s" so etwas wie ein 4 oder Euro Mindestlohn dabei herauskommen. Das Gleiche wie jetzt - nur dann eben gesetzlich legitimiert.

besorgter bürger

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #11 am: 13:43:18 So. 10.April 2005 »
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Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #12 am: 14:10:30 So. 10.April 2005 »
Insofern die Statistik aus 2003 stammt, sollte man berücksichtigen, dass auch die Preise, Kosten und Löhne teilweise in den hier genannten Ländern ansteigen.
Aber selbst, wenn sich Löhne in Bulgarien oder Polen z. B. mittlerweile verdoppelt haben - das ist die Grundlage für viele Unternehmen, sich auch dort niederzulassen. Anfang 2000 hatte Bulgarien eine Arbeitslosenquote von rund 30% - wenn´s jetzt nur noch ca. 16% sind, dann scheinen die Unternehmensverlagerungen und die Arbeitnehmerwanderungen (z. B. gehen z. Zt. viele Bulgaren, Rumänen und Albaner nach Italien und Spanien) offensichtlich was zu bewirken.
Dann ist es so, dass z. B. Bulgarien als künftiger "EU-Mitgliedsstaat" Ergebnisse vorweisen muss, damit dokumentiert wird, wie EU-integrationsfähig und beitrittsfähig das Land ist. Anhand der balkanüblichen Machenschaften (z. B. Korruption) unternimmt man natürlich alles, um das eigene Land so positiv wie möglich in den schillernsten EU-Farben darzustellen.
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Interessant auch die Liste der Mindestlöhne - diese bestärkt mich in meiner Meinung, dass unsere deutschen bzw. EU-Politgrößen hier auch so etwas zwischen 4-5 Euro Stundenlohn schaffen werden, damit man als universell einsetzbarer "Multifunktionsmehrfachfronjobber" innerhalb Großeuropa bei ca. 200 Stunden Arbeitszeit etwa 800 - 1000 Euro den Monat brutto erreichen kann.

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #13 am: 16:54:08 So. 10.April 2005 »
Reuters Deutschland: Arbeitgeberchef Hundt gegen Diskussionen um Mindestlöhne

Samstag 9 April, 2005 10:26 CET

Berlin (Reuters) - Arbeitgeberchef Dieter Hundt lehnt die Diskussion der Union um die Einführung von Mindestlöhnen ab. "Wir benötigen keine Diskussion über die Einführung eines Mindestlohnes. Diese Überlegungen sollten ganz schnell wieder in der Schublade verschwinden", sagte Hundt der Zeitung "Die Welt" vom Samstag.

"Ein Mindestlohn wäre fatal für unser Land, denn er führt gleich in welcher Form in eine neue beschäftigungspolitische Sackgasse", sagte er. Alle diskutierten Varianten seien gefährlich. "Sie zerstören Arbeitsplätze, entweder durch Verdrängung in Schwarzarbeit, Verlagerung ins Ausland oder schlichtweg durch Wegfall. Die Bundesregierung war gut beraten, dieses gefährliche Vorhaben zum Ende des vergangenen Jahres fallen zu lassen."

Nach Ansicht von Hundt sind viele der bestehenden Arbeitsverhältnisse, vor allem in den neuen Bundesländern, durch einen gesetzlichen Mindestlohn gefährdet. "Gerade im Bereich einfacher Tätigkeiten gäbe es kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Leidtragende wären vor allem gering qualifizierte Arbeitslose."

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Es liegt in der Hand dieses Scheißkerls Hundt in seiner Liga den sozialen Mist der Arbeitgeber zu entfernen, den sie selbst produzieren.

Es fragt sich doch: Wer betreibt Steuer- und Kapitalflucht? Wer bietet Schwarzarbeit an und organisiert diese? Wer entzieht sich seiner Sozialverpflichtungen, zahlt keine Steuern und Sozialbeiträge mehr?

Dieser zynische, heuchelnde Dreckssack hat weder ein Interesse die Arbeitslosen zu schützen, noch ihre berufliche Qualifikation anzuheben. Leidtragend sind die gering qualifizierten Arbeitslosen nur durch seine Profitgier und die seiner Kaste geworden. Er verwechselt Ursache und Wirkung miteinander.

Wilddieb Stuelpner

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BA: Arbeitslose sollen Spargel stechen
« Antwort #14 am: 17:00:34 So. 10.April 2005 »
Neues Deutschland: Clement blockt bei Mindestlöhnen

Wirtschaft läuft Sturm gegen Stoiber-Vorstoß / PDS: 1400 Euro »für anständige Arbeit«

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat mit seinem Mindestlohn-Vorstoß für Widerstand in den eigenen Reihen, aber auch bei Regierung und Wirtschaft gesorgt. Der DGB sieht dagegen Chancen für eine neue Initiative.

Berlin (Agenturen/ND). CDU-Generalsekretär Volker Kauder bezweifelte, dass staatlich festgelegte Mindestlöhne das Problem der Billiglohn-Konkurrenz aus Osteuropa lösen könnten. Kritik kam auch von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Er hatte bereits am Donnerstag gesagt, es sei sehr problematisch, Löhne per Gesetz vorzuschreiben. »Ich bin ein Freund, um nicht zu sagen ein Fan der Tariffreiheit.« Mit Verweis auf einen Zustrom billiger Arbeitskräfte aus Osteuropa hatten sich Stoiber und der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl-Josef Laumann für gesetzliche Mindestlöhne offen gezeigt.

DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer sagte der dpa am Freitag, es gebe seit zwei Monaten intensive Verhandlungen mit der SPD über die Einführung von Mindestlöhnen. Auch mit der Union seien Gespräche geplant. »Wenn die Bundesregierung mitmacht und die Opposition nicht blockiert, ist das ein gangbarer Weg, um Lohn- und Sozialdumping einzudämmen.« Auch ver.di-Chef Frank Bsirske sprach sich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns aus. Dagegen kam harsche Kritik am Stoiber-Vorstoß aus der Wirtschaft. Der Einzelhandelsverband HDE kritisierte, ein gesetzlicher Mindestlohn wäre ein schwerer Verstoß gegen die Tarifautonomie. Es sei Aufgabe der Tarifparteien und nicht des Staates, Löhne festzulegen. Auch der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, lehnt gesetzliche Mindestlöhne strikt ab. Sie hätten beschäftigungspolitisch fatale Folgen und würden vor allem die Arbeitslosigkeit gering Qualifizierter weiter in die Höhe treiben. Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel forderte dagegen eine »Lohnbegrenzung nach unten«. Sie sollte in den Branchen selbst ausgehandelt und dann gesetzlich zementiert werden. »Sonst nimmt der Absturz der Löhne zu«, sagte er.

Für die Einführung von Mindestlöhnen plädierte auch die PDS. Bundesgeschäftsführer Rolf Kutzmutz verwies auf den Vorschlag seiner Partei, dass ein solcher Mindestlohn für ein Vollzeitarbeitsverhältnis bei 1400 Euro im Monat liegen sollte, um wirklich anständigen Lohn für anständige Arbeit zu gewährleisten. Die Gewerkschaften seien nun in der Pflicht, schnellstmöglich zu einer gemeinsamen Linie zu finden, um die Politik in die Verantwortung nehmen zu können und Lohndumping bei in- und ausländischen Arbeitnehmern den Boden zu entziehen.

(ND 09.04.05)