Autor Thema: Betriebsintervention  (Gelesen 12181 mal)

Kuddel

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Re: Betriebsintervention
« Antwort #15 am: 15:20:50 Fr. 15.März 2019 »
...
Ich erinnere mich gerade an ein Flyeraktion bei der ich zu einen Treffen eingeladen hatte aber die Frau mich immer lauter werdend alle 2-5 sek unterbrochen hatte "da kann man nichts machen, DA KANN MAN NICHTS MACHEN!, DA KANN MAN NICHTS MACHEN!
Aber wie kann man Klassenbewusstsein und Selbstvertrauen wieder aufbauen?

Bei solchen Leuten hab ich oftmals wenig Bock, weiter auf ihren selbstmitleidigen Scheiß einzugehen.
Dann reicht es bei mir nur für "Billige Rechtfertigung deiner Feigheit" bis "Geh kacken!".

Letztendlich geht es darum, Leute im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zu erreichen. (Am besten natürlich bei den eigenen Kollegen. Man kann aber auch Beschäftigte anderswo erreichen.) Mir fallen die Geschichten von dem Beginn der Amazon Organisierung ein. Es war kaum mehr, als eine handvoll Leute, die sich in den Kopf gesetzt hat, den Laden aufzumischen. Mit ihren ersten Aktionen sind sie von den eigenen Kollegen belächelt, angepöbelt und auch bespuckt worden. Sie machten sich dann daran, ihnen nicht zu sagen, was sie machen sollten, sondern herauszufinden, wo bei ihnen der Schuh drückt. Sie machten Befragungen. Das half. Ihr winzige Zirkel wuchs ein wenig, bis sie sich eine erste Aktion trauten. Als sie den ersten Streikversuch machten, waren sie noch einen verschwindend kleine Minderheit im Betrieb. Mit ihren Streiks suchen sie sich immer Themen, die von den Kollegen als besonders wichtig wahrgenommen werden. (Mal die gesundheitliche Belastung, mal der lange Weg in die Kantine, der von der Pausenzeit abgezogen wird.)

Mit jedem Streik schließen sich mehr Kollegen ihnen an. Ein Vertrauensmann berichtete von einem Kollegen, der ihm vor einem Jahr noch "die Beine brechen" wollte, inzwischen aber selbst mitstreikt. Selbst die Verwirrten ("DA KANN MAN NICHTS MACHEN!") können ihre Einstellung ändern. Besser als gute Argumente sind immer praktische Schritte, die man nachvollziehen und an denen man sich dann auch beteiligen kann. Aus der handvoll Rebellen in dem Betrieb sind rund 1000 geworden. Sie haben sich vernetzt mit anderen Amazonniederlassungen und sind bundesweit etwa 2000 Leute, die sich an den Streiks beteiligen.

Die Videointerviews wurden schonmal an anderer Stelle gepostet:
https://www.youtube.com/watch?v=2FE2fxOkx6Q
https://www.youtube.com/watch?v=cfT7O8Kce6A

Ein möglicher Ansatz sehe ich darin, wenn die Arbeiterklasse ihre solidarische Zusammenarbeit
so gestaltet, das Gewerkschaft denen zu folgen hat, statt die Arbeiterklasse den Gewerkschaften
folgt.

Anbei würden Konflikte zu "wilden Streik" oder "Generalstreik" erwachen. Aber besser das, als sich
immer wieder von Gewerkschaftsfunktionären an der Nase herum führen zu lassen..

Ich denke, daß Streik (vom Bummelstreik über den Wilden Streik bis zum Generalstreik) eher Fernziele sind, die man auch schon diskutieren, aber erstmal schwer umsetzen kann.

Wir müssen früher anfangen. Das Thema Arbeit wieder zum Thema machen. Der Ansatz der Amazon-Kollegen, erst einmal mit den Leuten zu quatschen, um herauszufinden, wo der Schuh drückt, erscheint mir recht vorbildlich. Wenn man die Probleme kennt, kann man weiter überlegen, wie man reagieren kann, welche Aktivitäten möglich und sinnvoll wären...

Rudolf Rocker

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Re: Betriebsintervention
« Antwort #16 am: 15:30:03 Fr. 15.März 2019 »
Ich sag nur: Greta Thunberg!
Die hat ganz alleine angefangen und heute gehen zichtausende Schüler*innen weltweit auf die Straße!
Das ist mal sowas von beeindruckend!!
"Da kann man nichts machen" ist das Synonym für "Ich habe keinen Bock meinen Arsch zu bewegen"!

Onkel Tom

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Re: Betriebsintervention
« Antwort #17 am: 14:23:45 Sa. 16.März 2019 »
Jo, die Klimaschutzdemos organisiert von Schülern find ich auch beeindruckend..

Wenn man mal bedenkt, im welchen Alter die Entscheidungsträger in der Politik sind,
könnte man meinen, das sie sich dazu a la "Nach mir die Sintflut" verhalten und das
Problem nur vor sich her schieben..

Mit dem Spruch "Da kann man nix machen" komme ich auch nicht zurecht.
Die meisten warten darauf, das andere mit irgendwas anfangen und schließen sich
erst dann an, wenn die Mitstreiterzahl so groß geworden ist, das man sich zum Kampf
oder Forderungen stellen sicher fühlt.

Ist ja auch einfacher, fremdverantwortlich mit zu latschen, statt Eigenverantwortung zu
riskieren  :(

Hut ab von einer Handvoll Leuten, die was organisieren und tun und Masse in Bewegung
bekommen  :)
Lass Dich nicht verhartzen !